Archiv des Autors: Sophie

Lange nach der Rückkehr

So, nun bin ich schon über ein halbes Jahr wieder zurück in Deutschland und ich habe mir gedacht, es wäre interessant für euch zu erfahren, wie es mir ergangen ist.

Ich kam im Februar in meine alte Klasse zurück, nachdem ich 10 Monate in Japan verbracht hatte. Meine Freundesgruppe, mit der ich zugegebenermaße kaum Kontakt hatte während meines Austauschjahres, integrierte mich sofort wieder in die Klasse. Wenn jemand den werdenden Austauschschülern eintrichtern möchte, dass er über das Austauschjahr seine ehemaligen Freunde aus den Augen verliert und nach dem Jahr auf jeden Fall einen neuen Freundeskreis haben wird- stimmt nicht! Jedenfalls nicht bei mir. Man kann auch über tausende Kilometer hinweg eine ganz tolle Freundschaft aufrecht erhalten und das ist mir zum Glück gelungen. Ich finde, dass ich mich mit meiner „Gummibärenbande“ jetzt sogar noch besser verstehe als vor dem Austauschjahr;)

Schulisch gesehen ist alles…..perfekt. Ich bin besser als vor dem Austauschjahr, und im Gegensatz zu meiner japanischen Schule ist die deutsche einfach. Heute habe ich mein Zeugnis bekommen, Gott sei Dank hat meine Lehrerin bei den Fehltagen nur Striche hingemacht, sonst wären es wahrscheinlich über 100 gewesen^^ Obwohl sich alle beschweren, dass mein Zeugnis total langweilig sei, bin ich doch zufrieden.

Leider kam es auch bei mir zu einem ganz schlimmen Kulturschock….ja, genau dieser Kulturschock, vor dem andere immer mit einem Grinsen warnen. Wenn man sich ein Jahr an eine komplett andere Kultur gewöhnt hat, dann erwartet einen riesigen Kulturschock, wenn ihr nach Hause zu euerer „vertrauten“ Kultur kommt. Ich hatte zeitweise richtige Probleme mich hier wieder reinzufinden, und manchmal will ich immernoch am Sonntag einkaufen gehen….und manno, die Schuluniform fehlt mir wirklich!

Ich bin ein Jahr lang über mich hinausgewachsen, habe meine Heimat und Familie zu schätzen gelernt, habe mein Gehirn auf Trab gebracht und packe jetzt mein Leben ganz anders an. Ich kann allen Jugendlichen nur ein Austauschjahr empfehlen, da es eine wunderbare Erfahrung ist!

Noch einmal auch vielen herzlichen Dank an YFU, eine wunderbare Austauschorganisation!

Liebe Grüße, Sophie

Weihnachten in der Strassenbahn

Hier ist nun der versprochene Bericht ueber Weihnachten und Silvester in Japan. Ich bin so gluecklich, dass ich Beides hier in Japan erleben durfte, es unterscheidet sich so wahnsinnig von Deutschland!

Am 23. Dezember bin ich mit meiner Gastfamilie nach Kobe gefahren, ein bisschen Shoppen und einen deutschen Weihnachtsmarkt bestaunen(„Nein danke, ich will keine Bratwurst mit Semmel fuer 6 Euro essen!!“). Doch das Beste kam ganz zum Schluss: Spaetabends die Aussicht auf die Lichter von Kobe. Auf dem Berg waren es bei starken Boen Minusgrade, aber der Ausblick entschaedigte fuer abgefrorene Gliedmassen^^

Am 24. Dezember….hatte ich Kendo! Bis  19 Uhr, barfuss bei 6 Grad. Danach eine Stunde per menschenleerer Strassenbahn nach Hause(was den Titel erklaert), um mit meiner Gastfamilie Sushi zu essen:) Wundert euch nicht, das ist NICHT das traditionelle Weihnachtsessen in Japan, ICH durfte entscheiden, was ich zu Weihnachten essen wollte und meine Wahl fiehl halt auf rohen Fisch. Sowohl am 25. als auch am 26. Dezember hatte ich Kendotraining, danach hatte mein Klub fuer genau 4 Tage Weihnachtsferien(die ich schoen ausgenutzt habe, mit Freunden Ausfluege zu machen und meiner Gastmama beim traditionellen Grosshausputz- genannt Osoji- zu helfen. Glaubt es oder nicht, es hat total viel Spass gemacht!). Am 31. Dezember- wie sollte es anders sein?!- hatte ich bis 21 Uhr Kendo, danach habe ich mit meiner Gastfamilie das traditionelle Silvestersoba( Nudeln) gegessen, den Countdown runtergezaehlt und bin erschoepft ins Bett gefallen.

Silvester und Neujahr haben in Japan eine ganz grosse Bedeutung. Als ich meine Freunde gefragt habe, was sie denn zu Weihnachten gemacht oder geschenkt bekommen haben, meinten sie nur: „Wir haben normal Abendbrot gegessen und……Geschenke….?“ Bodenloses Entsetzen meinerseits. Wenn ich jedoch gefragt wurde, was wir in Deutschland zu Silvester und Neujahr machen( mehr als „Countdown“, „Gute Vorsaetze“ und „Feuerwerk“ kann man da nicht sagen, oder?), wurde ich angestarrt wie ein Alien. Ich habe meiner Gastfamilie ein bisschen deutsche Weihnacht naehergebracht mit Raeuchermaennchen, Pyramide und Lebkuchen, dafuer haben sie mir das typische japanische Neujahr gezeigt. Dazu gehoeren der schon genannte Grossputz und das Soba am Jahresende. Innerhalb der ersten paar Tage des neuen Jahres geht man zur Hatsumode und betet fuer ein gutes Jahr, man geht zum Drachensteigen, man relaxt, schaut Neujahrsfernsehen, geht Shoppen und versucht sein Glueck beim Kaufen von Wundertueten und man isst Unmengen an Mandarinen( meine Freundinnen haben daraus einen Wettbewerb gemacht- 30 am 1. Januar!). Und da sind wir schon beim wichtigsten Punkt des japanischen Neujahres- ESSEN! Man beginnt am 1. Januar schon zum Fruehstueck mit Osechi und Osoni. Osoni ist eine weisse Misosuppe und Osechi kann ich kaum erklaeren, schaut euch bitte das Foto an:

 

Ich kann ja mal versuchen den Inhalt aufzuzaehlen: Shrimps, Fisch, Suesses Ei, Esskastanien, Okakuni genanntes Fleisch, geduenstetes Gemuese, Kaviar, Schwarze Bohnen, eingelegte Zwiebeln und noch viele, viele andere Nahrungsmittel, deren Namen ich nur auf Japanisch kenne, tut mir leid;) Aber ich kann euch sagen, dass ich meine letzten zwei Wochen hier in Japan ausschliesslich mit Essen und Sporttreiben verbringe. Entweder man findet mich kauend oder in Kendoausruestung. Seit dem 3. Januar hatte ich wieder taeglich Kendo und am 8. wars dann so weit. Meine Abschlussrede zur Semestereroeffnungszeremonie.

Die gleiche Szene wie vor 10 Monaten- ich, auf der Buehne vor 1300 Senior High School Schuelern. Doch irgendwie war alles anders. Im Maerz hielt ich meine Rede nervoes in einer fremden Sprache vor Fremden, und dieses Mal stand ich vor Freunden und redete ohne Stocken in Japanisch. Ohne Stocken- bis ich am Ende meiner Rede in Traenen ausgebrochen bin(ich war mir soooo sicher, dass ich einen kuehlen Kopf behalten werde und dann das!). Kaum war ich von der Buehne runter, wurde ich von meinen Freundinnen umringt, alle mit geroeteten Augen. Seit dem 8. Januar kann ich nicht mehr durch das Schulhaus laufen, ohne dass mir zu meiner Rede gratuliert wird, ich Geschenke in die Hand gedrueckt bekomme, verabschiedet werde oder mir von gaenzlich fremden Maedchen vorgeworfen wird, dass sie bei meiner Rede weinen mussten. Morgen ist mein letzter Schultag und ich muss mich verabschieden, von meiner Klasse und meinem Klub. Obwohl ich eigentlich meinen Koffer packen muesste, werde ich auch morgen bis 19 Uhr trainieren, das letzte Mal, und mich dann wie ein wandelnder Wasserfall( machen wir uns nichts vor-.-) bei allen fuer das beste Jahr meines Lebens bedanken. Ich will noch nicht nach Hause! Ich will weiterhin mit meinen Freunden Bio lernen, mit meinem heissgeliebten Klub zu den unmoeglichsten Zeiten den besten Sport der Welt trainieren, mit meinen Freundinnen zum Karaoke gehen, meinen Kendomaedels Fressgelage veranstalten( da merkt man richtig, dass wir taeglich 3 Stunden Sport machen, hihi) und mit meiner Gastfamilie jeden Tag gemeinsam ein normales, japanisches Familienleben fuehren.

Doch es ist an der Zeit, am Samstag fliege ich nach Tokio, am Sonntag zurueck nach Deutschland. Ich freue mich auf meine Familie, auf meine Freunde, auf meine Katzen, auf mein Bett, mein Zimmer, meine Lieblingsbuecher, Nachmittagsfernsehen, Schule, BROOOOOOT. Ich hatte ein wunderbares Jahr in Japan, mit Hoehen und Tiefen, ich konnte so viele Menschen treffen, so viele Erfahrungen machen und Neues ausprobieren, so viel lernen….Ich bin so dankbar, dass ich mir meinen groessten Wunsch erfuellen und nach Japan gehen durfte! Ein ganz fettes Dankeschoen an alle, ohne deren Unterstuetzung das nicht geklappt haette: Meine Familie und Freunde, Bekannte, und natuerlich YFU. Meinen Omas moechte ich besonders danken!

Vielen Dank fuers Lesen meines Blogs, sayounara, eure Sophie

Kurzeintrag

Hach, schon wieder sind 2 Monate rum. Zeit, wo bist du nur geblieben?!

Nun denn, was ist nach meinem letzten Blogeintrag alles passiert? Genau, das Sportfest. Es hat sich richtig vom deutschen Sportfest unterschieden, zum einen waren die Spiele anders und zum anderen war die Motivation der japanischen Schueler ungefaehr tausend Mal groesser als die meiner deutschen Mitschueler. Hier wurde angefeuert, bis die Stimmt heiser wurde.

Dann habe ich endlich, endlich meinen ersten Kampf in Kendo gewonnen. Ach ja, gestern habe ich die Sho- Dan- Pruefung in Kendo bestanden! Um das zu feiern, war meine Gastfamilie zum Abendessen beim Chinesen( nicht zu vergleichen mit dem deutschen Chinesen^^). Und weils so lecker war:

Die Zeit nach dem Sportfest bestand eigentlich nur aus Schule und Lernen, da vom 15. bis 19. Oktober schon wieder eine Testwoche anstand. Tests bestanden- kaum darueber gefreut, ist ab dem 3. Dezember schon wieder eine Testwoche….wahhh:( Ihr merkt bestimmt, dass ich grade ziemlich oberflaechlich schreibe, aber ich habe kaum Zeit und muesste eigentlich lernen -.-‚

Direkt nach der Testwoche hatte ich Geburtstag- und es war wirklich der allerbeste Geburtstag meines Lebens! Unzaehlige Glueckwuensche, Karten, Geschenke, Ueberraschungspartys, Kuchen und Torten, nur um euch einen kleinen Einblick zu geben.

Ausserdem war ich mit meiner Gastfamilie im Universal Studios Japan, einem Vergnuegungspark in Osaka.

Am 7. November war ich zu einem Schulausflug in Kyoto, Kultur pur!

Und die Fragen des letzten Blogeintrags beantworte ich jetzt mal ganz kurz: Ich gehe in Deutschland auf ein Gymnasium, ich bin immer das groesste Maedchen(und leider auch oefters groesser als gleichaltrige Jungs, schnief….), meine Gastfamilie besteht aus Gasteltern, Gastbruder und Gastschwester und mit Heimweh hat jeder Austauschschueler zu kaempfen. Es ist bloss von Person zu Person unterschiedlich wie stark es sich zeigt. Was ich nur raten kann: Durchhalten, denn sobald diese Phase einmal vorbei ist, ist es einfach nur noch total toll(so ist es bei mir jedenfalls). Hiragana hatte ich schon in Deutschland gelernt, Katakana ein bisschen im Flugzeug und von Kanji hatte ich gar keine Ahnung. Wirklich, ich war bestimmt so unvorbereitet, wie man nur sein konnte. Aber man muss sich keine Sorgen machen, man macht Kumon(= Korrespondezzirkel), die meisten Schulen bieten Japanischstunden fuer Austauschschueler an….ausserdem ist man taeglich mit der Sprache und den Schriftzeichen konfrontiert, man kann nicht anders, als sich alles automatisch einzupraegen^^ Und es gibt hier bestimmt deutsche Restaurants, aber ich hoere mehr von deutschen Baeckern(allerdings war ich noch nie in einem). In Osaka gibt es uebrigens auch ein deutsches Oktoberfest und einen Weihnachtsmarkt.

Apropos Weihnachten- das wird das Thema meines naechsten- und gleichzeitig letzten- Blogeintrages sein. Der dann hoffentlich laenger wird, es tut mir wirklich leid, dass ich euch heute mit so einem kurzen Eintrag abgespeist habe. Aber dafuer waren viele Bilder dabei^^

Eure Sophie

Sommer in Japan

Hm, eine Umbenennung meines Blogs in „Sammlung einiger Erfahrungsberichte“ wuerde sehr passen….es tut mir leid, dass ich euch immer so lange warten lasse:(

Dann beginne ich mal….im Juni hatte ich aufgrund eines Taifuns schulfrei, ziemlich lustig;) In der darauffolgenden Woche bin ich zum traditionellen japanischen Tanz gegangen, bei dem ich aber als Einzige wach war. Meine Begleiter haben den groessten Teil verschlafen(ja, hier in Japan kann man jeden Gelegenheit zum Schlafen nutzen, ob es denn der langweilige Matheunterricht oder eine wirklich tolle Auffuehrung sei). Dann kam auch schon der Juli mit seiner Testwoche. Wah, ich hasse Testwochen! Denn in dieser Woche ist man wirklich ausschliesslich mit Lernen beschaeftigt, wenn man die Tests bestehen will(Dass ich den Biotest bestanden habe, wollte ich hier nur mal kurz einwerfen! Dafuer habe ich aber eine Woche lang auf Schlaf verzichten muessen^^)

Mitte Juli kamen 20 Austauschschueler von der amerikanischen Partnerschule fuer 2 Wochen an meine Schule. Ich durfte an ihrem Kulturprogramm teilnehmen und konnte zwei Tage nach Hiroshima und einen Tag auch nach Kyoto. Am ersten Tag haben wir uns eine Insel mit dem sehr beruehmten, im Wasser stehenden Schrein angeschaut:

Bei Ebbe:)

Um den Tag abzurunden, sind wir Hiroshimayaki essen gegangen, ich kann euch sagen, dass es WAHNSINNIG lecker war!

Am naechsten Tag sind wir in den Friedenspark und in ein Museum ueber den Atombombenangriff gegangen. Es war wirklich ergreifend, die amerikanischen Austauschschueler haben eine Rede gehalten und Blumen niedergelegt(die Atombombe wurde 1945 von der USA abgeworfen). Wir besuchten unter anderem das Denkmal des Maedchens, das 1000 Kraniche gefaltet hatte und trotzdem an den Folgen der Verstrahlung gestorben ist:

Im Museum konnten wir sehr viele (originale) Ausstellungsstuecke anschauen. Doch das war etwas hart, es wurden zum Beispiel Bilder von den Zerstoerungen und Verletzungen gezeigt- wo sich die Haut von den Knochen loeste. Ich glaube, beim Betrachten dieser Bilder ist uns allen sehr deutlich klar geworden, wie schlimm Krieg wirklich ist.

In Kyoto haben wir uns beruehmte Schreine und Tempel angeschaut:

Nachdem die Amerikaner wieder heimgefahren sind, bin ich in eine ziemliche Krise gefallen(keine Sorgem, das gehoert zum Austauschjahr dazu). Denn fuer genau drei Tage hatte ich die westliche Kultur zurueck und dann war ich wieder alleine in diesem verrueckten Land^^ Doch dann haben schon die Sommerferien angefangen, und ich hatte keine Zeit mehr fuer eine Krise….

Vier Wochen Sommerferien, das bedeutet eine Woche taeglich Kendo, eine Woche Kendo- Sommercamp und zwei Wochen Freizeit/Japanischunterricht. An dieser Stelle moechte ich ein bisschen auf das Kendocamp eingehen.

Vor dem Fruehstueck 30min Joggen, Fruestueck, danach 3 Stunden Training, Mittag, nachmittags knapp 4 Stunden Training, Abendbrot, Hausaufgaben, Schlafen. So, genug darauf eingegangen. Die zwei Wochen danach waren eh das Beste- ich war mit meiner Gastfamilie beim Picnic und BBQ, dann beim Weinpfluecken(Koennt ihr euch noch an das Erdbeerpfluecken erinnern? Genau das gleiche, bloss mit Weintrauben.) Ausserdem waren wir in einer Ausstellung fuer optische Taeuschungen und bei einem Konzert. DAS war echt toll! Hier in Japan hat jede Schule eine Band, und es gibt spezielle Miniclubs in den Stadtzentren, in denen diese Bands regelmaessig auftreten. Die Tickets sind total billig und es ist eine gute Gelegenheit, Mitschueler mal in anderen Klamotten als der Schuluniform zu sehen.

Dann bin ich noch zu einem der tausenden Sommerfestivals Japans gegangen. Das bedeutet Paraden, leckeres Essen und Feuerwerk. Solche Schreine werden dabei immer durch die Gegend getragen:

 

Dann mache ich mich jetzt mal ans Beantworten der Fragen…..

Wie hat dich die Schule freigestellt?

Man muss sich erst einmal darueber informieren, was das Landesverwaltungsamt dazu sagt. Das Landesverwaltungsamt meines Bundeslandes hat mir den Austausch bewilligt, ich musste also nur noch meinen Schulleiter ueberzeugen.

Verlierst du ein oder zwei Schuljahre?

Das war die Sache, bei der ich meinen Schulleiter ueberzeugen musste. Ich bin die 2.Haelfte der 9.Klasse und die 1.Haelfte der 10.Klasse in Japan- so weit, so gut. Doch ich wollte auf gar keinen Fall sitzenbleiben, ich habe mir geschworen, wenn ich gehe, dann will ich am Ende auch in meine alte Klasse zurueck! Das Landesverwaltungsamt schickte mich zu meiner Oberstufenkoordinatorin, die mich zum Glueck sehr mag. Letztendlich redeten sowohl sie als auch ich auf meinen Schulleiter ein, bis er nachgab;) ABER! Weil ich das Jahr nicht wiederholen will, muss ich hier in Japan bewertet werden…..

Waren deine Eltern fuer den Austausch? Wenn nicht, wie konntest du sie davon ueberzeugen?

Vor 4 Jahren habe ich mich fuer ein Austauschjahr in Japan entschieden und seitdem nur noch davon geredet. Als ich dann letztes Jahr mit dem Bewerben begann, waren meine Eltern doch ziemlich geschockt, dass es mein Ernst war. Die fremde Kultur, die Sprache, ein ganzes Jahr, Fukushima! Doch irgendwie habe ich meinen Kopf durchgesetzt. Ob ihr gehen koennt oder nicht, liegt hauptsaechlich an eurer Beziehung zu euren Eltern. Und ob ihr gut argumentieren koennt, denn das kann ich gut^.~

Wie viel Taschengeld benoetigst du?

Hmmmm, eigentlich wollte ich in Japan ein bisschen sparen, aber ich habe mir einen Teil der Kendoausruestung selber gekauft und auch das Camp bezahlt- nix da mit Sparen! Aber sonst gebe ich eher weniger Geld aus als andere Austauschschueler, die mitten in der Grossstadt wohnen und jeden Tag Gelegenheit zum Shoppen haben. Das ist der Vorteil einer Kreisstadt…..;D Man kann so mit 150 bis 250 Euro pro Monat rechnen. Und wenn ihr kein Stipendium bekommt, kann ich euch Auslandsbafoeg nahelegen! Haette ich das nicht bekommen, koennte ich jetzt nicht in Japan sein.

Wie hast du Freunde gefunden?

Wenn man die Sprache nicht spricht…..aller Anfang ist schwer. Man hat zwar viele Freunde und bekommt noch mehr Aufmerksamkeit, doch bis man richtig, richtig gute Freunde gefunden hat, dauert es seine Zeit. Inzwischen beherrsche ich Japanisch und habe auch beste Freundinnen. Ausserdem hilft es wahnsinnig einem Klub beizutreten!

Wie ist es, wenn man den Unterricht nicht versteht?

Bloed, besonders, wenn man die Tests bestehen will>< Doch inzwischen haut mit dem Japanisch alles hin, nur mit den Schriftzeichen haperts noch ein bisschen. Inzwischen verfolge ich den Unterricht bestimmt aufmerksamer als meine schlafenden Mitschueler;D

Als kroenenden Abschluss noch zwei Bilder von Namba:

Bis zum naechsten Mal, eure Sophie:)

Endlich eine Fortsetzung

So, nun ist es wirklich Zeit, mal wieder zu schreiben;) Es ist viel passiert in den letzten 2 Monaten….

Ja…..die Rede. Sie war okay, doch ich glaube, dass viele Schueler schon geschlafen haben, da ich ganz am Ende der Erfoeffnungszeremonie mit meiner Vorstellung dran war. Ich weiss ganz genau, dass die Schueler, die mich im Schulgebaeude NICHT mit meinem Namen ansprechen, waehrend der Zeremonie geschlafen haben:D

Eine Woche spaeter bin ich zum O-Hanami gegangen, und es war riiiiiichtig schoen. Man kann es ungefaehr mit einem Grillabend unter Kirschblueten vergleichen…..Meine Gastfamilie hatte O-Bento mitgenommen, das ist die japanische Version der Lunchbox. Mittagessen ist hier generell O-Bento und im Supermarkt gibt es ganze Abteilungen nur mit O-Bentos. Inzwischen habe ich auch eine eigene O-Bento-Box, von Totoro, und sie ist total suess(„Kawaiiiiiiiiii!“). In Japan ist wirklich ALLES suess, vom neuen Handyanhaenger ueber One-Piece-Sticker bis hin zur deutschen Austauschschuelerin, hihi.

Am 20.April bin ich endlich, endlich einem Schulclub beigetreten: Kendo!! Ich muss ehrlich zugeben, dass es mir am Anfang ueberhaupt keinen Spass gemacht hat. Es war mir einfach zu schwer. Ausserdem war ich noch zu sehr von meinem vorherigen Hobby(Kickboxen) beeinflusst, um mich sofort auf die Koerperhaltung beim Kendo einzustellen. Aber meine Senpai( so werden aeltere Schueler genannt) hatten echt eine riesige Geduld mit mir und haben alles 20 Mal erklaert, auch wenn ich sie nur wie ein Auto angeguckt habe( denn lasst euch bitte mal die richtige Schwungtechnik eines Bambusstocks in einer Sprache erklaeren, die ihr erst seit knapp einem Monat lernt).  Inzwischen bin ich besser geworden und am Montag darf ich dann zum ersten Mal in der Kendo-Uniform trainieren! Bisher haben die anderen Anfaenger und ich immer nur in der normalen Schulsportuniform trainiert, aber darin sieht man so attraktiv aus wie eine blau-weisse Qualle….also freue ich mich echt wahnsinnig^^

Da ich auch am Samstag Schule habe, kann ich nur die Sonntage fuer Ausfluege und Freizeit nutzen. Ich gebe zu, ich habe bis jetzt erst ein einziges Mal Purikura gemacht(mit meiner Gastmutter zusammen) und ich war noch kein einziges Mal beim Karaoke….Eigentlich wollte ich morgen mit Freundinnen zum Karaoke gehen, aber stattdessen werde ich zu einem Kampf meines Kendoclubs gehen und anfeuern. In Namba, dem Vergnuegungsviertel Osakas, war ich bis jetzt nur zweimal, einmal mit meiner Gastmutter zum Shoppen, aber es gibt hier leider nur sehr wenig in meiner Groesse…..und das zweite Mal habe ich mich mit einem anderen Gastschueler aus Deutschland getroffen. Wir waren aber so frueh am Sonntag dort, dass wirklich alle Laeden geschlossen waren und wir uns nur in ein Cafe setzen konnte. Und jetzt muss ich mich ganz offen an werdende Austauschschueler richten: Vermeidet es, euch im Gastland oft mit anderen Austauschschuelern zu treffen. Der direkte Vergleich der Sprachkenntnisse hat mir bloss einen Tag Depressionen beschert:( Insgesamt waren meine Namba-Besuche also…..ein Reinfall gewesen;)

Am Anfang meines Austauschjahres habe ich es mir zum Ziel gemacht, so viel zu erleben wie an Sonntagen unterzubringen ist. Ich war schon auf dem Koya-san, einem sehr beruehmter Berg, dessen flache Spitze mit ueber 120 Tempeln und unzaehligen Grabsteinen bedeckt ist. Vor 1200 Jahren verbreitete sich vom Koya-san der Buddhismus in ganz Japan aus, es ist ein wirklich bedeutungsvoller und beeindruckender Ort. Ich war bei einer Teezeremonie(dass Tee so lecker geschmeckt hat war eine Entschuldigung dafuer, dass mir durch das Knien die Beine fast abgestorben sind), im Kabuki-Theater(lustig, lustig, ich war dort mit meiner Schule und kein einziger Schueler hat auch nur ein Wort der Schauspieler verstanden, denn das Stueck war im klassischen Japanisch verfasst) und beim Erdbeerenpfluecken(Japaner lieben Erdbeeren!). Im Juli werde ich Hiroshima besuchen, im Oktober ist ein Klassenausflug nach Kyoto geplant und naechste Woche bin ich zu einem japanischen Tanz eingeladen. Ich bin also eher eine kulturell gepraegte Austauschschuelerin;D

So, jetzt muss ich weiter Schriftzeichen lernen, ich hoffe, dass ich im naechsten Eintrag ein paar Fotos einfeuegen kann, eure Sophie

PS: Vielen Dank fuer die Kommentare;D