Zum Schluss!

Auch wenn sich wohl nicht leugnen lässt, dass ich diesen blog in meinem Auslandsjahr stark vernachlässigt habe, gehört so ein Abschlussbericht trotzdem irgendwie dazu. – So wichtig wie der Bericht zum Anfang und an Weihnachten! Viel habe ich mir also nicht vorzuwerfen. 😀 Entschuldigen möchte ich mich trotzdem, bei meiner deutschen Familie und Freunden, die sich eine etwas ausführlicherer Berichterstattung bestimmt das ein oder andere mal von mir gewünscht hätten. Entschuldigen möchte ich mich aber auch bei allen anderen, insbesondere den zukünftigen Austauschschülern, für die es schon in wenigen Wochen selbst nach Estland geht – vielleicht könnt ihr das, was ich selbst ein wenig an Öffentlichkeitsarbeit vernachlässigt habe aufholen.

Ins Detail zu gehen und zu erzählen was ich die letzten Wochen, im letzten Monat, die letzten Monate erlebt habe, wäre sinnlos – zu viel ist passiert. Erlebnisse/Erfahrungen die ich gemacht habe, unglaubliche Menschen die ich kennengelernt habe, eine zweite Familie, Freundschaften die ich geschlossen habe, eine neue Sprache die ich gelernt habe und nicht zuletzt ein zweites Zuhause in der Welt. Dinge für die ich unheimlich dankbar bin sie erlebt zu haben, Dinge die mich motiviert haben, motivieren und inspirieren.                        Das beste Jahr meines Lebens? – Wer weiß das schon, aber die Erfahrung ins Ausland zu gehen, mich in einer bestimmten Art und Weise auch auf dieses Experiment einzulassen – diese Entscheidung, ich würde sie immer wieder treffen und die Zeit habe ich!

Inzwischen bin ich seit fast einem Monat wieder „Zuhause“. Mit dem Gedanken von Estland im Kopf, der sich noch nicht so ganz vollziehen will, aber auch mit der Motivation und dem Ansporn etwas großartiges zu machen, aus der Zeit die kommt und mit all den Menschen um mich herum.

Abschließend möchte ich mich nochmal bedanken, bei meiner estnischen Familie, weil so viel dazu gehört sich darauf einzulassen, bei meinen Estnischen Freunden, die mich nicht besser hätten aufnehmen können, bei meiner deutschen Familie und den Freunden die über „1 Jahr Vernachlässigung“ hinweg sehen können und bei YFU – für alles!

*hust

Ein Datum das so tief mit Erinnerung verknüpft ist -verbunden- ein Tag heute an dem es mir unheimlich schwer fällt, ihm eben genau diesem Anlass zuzuordnen und ein Monat der einfach so gar nicht ins Muster vergangener Jahre passen will.

– Dezember, also kalt, Schnee, Vorweihnachtszeit, Vorfreude – * hust

im nachhinein ist auch dieser Monat wieder einer der so unheimlich schnell vorüber gezogen ist – natürlich ein bisschen was kommt noch, aber 7  Tage intensiv?! Ich weiß ja nicht. Nichtsdestotrotz verbinde Ich aber auch diesen Monat mit unheimlich schönen Momenten, dass wird einem beim „so drüber nachdenken“ erst bewusst.

– Gefühlte 2 Tage Schnee im Dezember habe ich wie ich finde wirklich genutzt bzw. ausgenutzt – ok… die 3 Stunden die ich draußen in der kälte in meinen Schneemann „investiert“ habe, im Rückblick auf den Regen am nächsten Tag -vielleicht fehlplatziert 😀

– Deutsche Plätzchen – in aller Vielfalt und estnischer „Piparkook“/ Pfefferkuchen  – „Vielfältig“ * kann ich wieder nur Husten – schmeckt aber gut und vermutlich bin ich in diesem Punkt einfach nur verwöhnt

Anmerkung am Rande: „Dieser Moment gerade, ich sitze auf der Couch, meine Eltern außer Haus, meine Geschwister eingepfercht in ihren Zimmern und ich höre estnische Musik und drücke auf „repeat“, hat nüchtern betrachtet schon etwas bedrückendes 😀 – wie bringt ihr euch den in Weihnachtsstimmung?! 😛 –

-auf einem Konzert war ich auch diesen Monat, von besagtem Musiker. Außerdem war ich mit Freunden in einer Art „Indoor Kletterpark“  – lustig, lustig auch wenn dir in einer einminütigen Introduction gesagt wird, beim klettern, trotz Ausrüstung nur zu etwa 50 Prozent abgesichert zu sein. – na dann – seriously?! –

– auch mein,, extra aus Deutschland eingeflogener Adventsakallender, hat mich nur bedingt in Stimmung gebracht. – Praktisch soll das schon funktioniert haben, theoretisch allerdings – „mir will das Grinsen meines Bruders einfach nicht aus dem Kopf, nachdem ich, bemüht die einzelnen Türchen zu öffnen, lediglich auf  „ohne dich ist alles doof- Schäfchen“ blicken darf, die den leeren Türchen glanz verleihen sollen :D“.

Inzwischen – Ich sitze in der Küche, die CD habe ich mittlerweile gewechselt und meine Mutter ist am Kochen. Ganz traditional gibt es heute Blutwurst, Sauerkraut, und * andere „Köstlichkeiten“ * ich kriege hier gleich nen totalen Hustanfall

Später feiern wir zusamen mit unseren Großeltern, wir haben einen Baum, Essen, Geschenke und rote Weihnachtsmützen. Ich wünsche frohe Weihnachten auf deutsch und häid j6ule weil das mit der neue Sprache eigentlich ganz gut klappt!!!

Außerdem einen großartigen Rutsch ins neue Jahr – und es wird einfach großartig werden. 4 Monate Estland die ich jetzt schon so keineswegs missen möchte, eine neue Familie, ein zweites Zuhause, neue freunde, eine unglaubliche Zeit – und alles wird noch so viel besser werden -,

Nicolas

 

Zeitraffer

Wenn Mitte November, also nach drei Monaten Auslandserfahrung bzw. annähernd 100 Tagen/ mehr als einem Viertel der Zeit, der zweite Erfahrungsbericht folgt, plädiere Ich in meinen Fall darauf mich hier in Estland recht gut eingelebt zu haben. Dass ist überhaupt das praktische am Austauschschüler sein – mann kann sich Freiheiten rausnehmen- – einmalige- Ich erinnere mich an eine Situation im Englisch Unterricht bei der ich meine Hausaufgaben nicht hatte- auf die Frage ob ich diese gemacht hätte antwortete ich also mit „ei“ dem estnischen „nein“ und alleine, dass ich das ganze -die Antwort -auf Estnisch gegeben hatte, wurde so freudig aufgefasst, dass die eigentlich Tatsache, nämlich das ich diese nicht gemacht hatte überhaupt nicht mehr von Bedeutung war.

Sprache ist überhaupt der nicht zu unterschätzend Faktor im ganzen Spiel. Mit Estnisch habe ich mir hierbei allerdings ganz besonders tief ins Fleisch geschnitten. Estnisch eine Sprache, die findet sie denn überhaupt mal Erwähnung, nicht selten als eine der schwersten Sprachen der Welt betitelt wird. 14 Fälle verfehlen ihre Wirkung nicht, zur Erinnerung die deutsche Sprache hat 4 Fälle. Nichts desto trotz lässt es sich auch in meiner Haut recht gut leben und ich mache langsam aber sicher Fortschritte, grammatikalisch unkorrekt- wobei ich den tipp meines Klassenlehrers: Wenn du jetzt anfängst dich mit Grammatik zu beschäftigen, lernst du die Sprache in diesem Jahr ganz bestimmt nicht mehr“ gerne beherzige. So bin ich etwa seit gestern, dem 16. also dem tag an dem ich seit genau 3 Monaten hier bin, krampfhaft versucht Zuhause nur noch Estnisch zu sprechen.

Allgemein fühle ich mich zuhause sehr wohl, von Tag zu Tag mehr bzw. vertrauter, so wohl, dass ich mir das Leben so wie es gerade ist ohne meine „pere eestis“ kaum vorstellen kann.

Zugegeben einen relativ routinierten Alltag habe ich schon vor Wochen gefunden, aber mit jedem Tag festigt dieser sich mehr und mehr, so…

– stehe ich in der Woche etwa gegen 6.30 Uhr auf, wobei ich immer wieder versuche das ganze auf ein Maximum hinauszögern.

– anschließend frühstücke ich meistens Haferbrei und trinke Kaffee in rauen mengen *in Gedanken an einen recht ermüdenden Schultag

– Shule habe ich von 8 bis 4 Uhr, jeden Tag, jeden…

– Nach der Schule spiele ich Klavier, gehe ins Fitnessstudio, verbringe mit Freunden Zeit in der Stadt oder treffe mich mit anderen Austauschschülern zum „lernen“ – „lernen“ *hust 😛

-Nicht selten komme ich gegen 8 nach Hause

-Mit der Familie sitze ich am Küchentisch, essen und reden ( auf Estnisch ) wobei hiebei den größten Teil die Familie übernimmt und ich konzentriert versuche möglichst viel zu verstehen ;D.

– ausklingend… manchmal knistert Feuer und dann gehe ich schlafen, wobei ja auch das in der Schule nicht zu kurz kommt.

Ich lebe gut hier in Estland, ob es jetzt erst oder schon annähernd 100 tage/ 3 Monate sind.

 

 

 

laufendes Experiment „Estland“

Es ist immer wieder erstaunlich wie unser Kopf arbeitet, komplexe Arbeitsschritte – oftmals unergründlich, immer wieder faszinierend… aber mit dem passenden Fallbeispiel doch recht gut zu beschreiben.

laufendes Experiment, Beispiel Estland, Auslandsjahr: Ist aber auch kompliziert, dass muss man sich mal vorstellen- da richtest du deinen Kopf jahrelang auf eine Situation aus, nichts verändert alles gleich. Gleiche Stadt, gleiche Familie, Freunde, Schule, routinierter Weg zum Kühlschrank, gleiche Sprache, gleiches Land… und dann, einfach so- alles anders!

Von Heute auf Morgen werde Ich inklusive Kopf also via Luftverkehr in eine völlig neue Situation verfrachtet. Erste Reaktion, der Kopf rebelliert, das Gefühl all das Hier gar nicht richtig realisieren zu können lässt mich noch Heute manchmal nicht ganz los – ein unglaublicher Druck auf den Ohren, durch den Flug, auch Stunden später geben mir und dem Kopf den Rest.

Heute mehr oder weniger einen Monat ( „mehr“) nach dem ich hier angekommen bin habe ich mich bereits ganz gut eingelebt. Der Kopf wählt bei der Kommunikation zwischen Englisch und einer recht stabilen Auswahl estnischem Vokabulars ( für einen Monat ;’D ), die Umgebung ist längst nicht mehr die fremdeste und alles fühlt sich ziemlich gut an.

In der Familie, fühle ich mich einfach wohl. Bruder, Schwester, Mutter, Vater, die größten teils fähig sind mit mir zu kommunizieren sind allesamt herzlich bemüht, es mir so gut wie möglich gehen zu lassen, mich zu integrieren, mir das Land zu zeigen und Kenntnisse der Sprache zu vermitteln. Wenn ich also gerade auf meiner Couch/ Bett liege, verwöhnt von meiner Tafel deutscher Schokolade ( denn die ist die Beste 😀 ), fühle ich mich bereits unglaublich Heimisch.

In der Schule, bin ich größtenteils am schlafen! ( da bedarf es keiner großen Worte ;D ). Deutsch Unterricht hin oder her, aber bei regulären 75 Minuten, Matemaatikas, Eesti keel oder Bioloogia ist das unvermeidbar – schuldige Sprache. In der Klasse sind wir 3 Jungen und über 20 Mädchen – so übezeugt mich estnisches Schulsystem :-D. Daneben komme ich mit meinen Klassenkameraden/ Übersetzern sehr gut zurecht.

Mit dem Essen, muss man sich erst einmal arrangieren. Aber wer tägliche Kartoffeln gar nicht mal schlecht findet und wie ich eine Mutter mit gänzlich unglaublichen Fähigkeiten in der Küche am hantieren hat, kommt damit ganz gut zurecht.

Die Natur, ist fantastisch, super schön- kann sein das der Junge aus dem Industriellen Großstadtloch nicht besonders wählerisch ist ( Essen – ich dich auch ) aber solche Adjektive treffen es nur Ansatzweise.

Sprache tötet mich – nicht. Sprachbarriere noch nicht so wirklich gebändigt aber inzwischen entwickel ich erstes Gefühl für Estnische Sprache. Darüberhinaus findet auch immer öfters Estnisches in meinen Dialogen Platz und ich bin recht zuversichtlich das sich das zukünftig noch steigern lässt.

Allem neuen blicke ich ausgesprochen wohlwollend entgegen, eine Vielzahl an bereichernden Erfahrungen sammeln und auch sonst alles mitzunehmen was ein Austauschschüler so wegstecken kann, Grüße, Nicolas & Kopf

 

 

Tere- tere und stell dir vor…

Tere- tere mina olen Nicolas, oder eben ich bin Nicolas aus Essen im Ruhrgebiet, 16 Jahre alt und das kommende Schuljahr werde ich als Austauschschüler in Estland verbringen.

Als Austauschschüler in Estland bzw. angehender Austauschschüler – wenn ich heute diesen ersten blog- Eintrag verfasse, muss ich immer wieder auch unweigerlich daran denken, wie mich selber gerade solche Aussagen vor gar nicht allzu langer Zeit fasziniert haben. Das war während meiner Bewerbung fürs Auslandsjahr im  vergangenen Sommer und auch in den vergangen Monaten, in denen ich mir immer wieder die blog Einträge der „vergangenen Generation von Austauschschülern“ durchgelesen habe.

Wenn ich heute diese Zeit Revue passieren lasse, scheint es mir gar nicht mal so lange her, da habe ich zum Beispiel selbst bei 164 Tagen angefangen die Tage bis zu meinem Abflug zu zählen und diesem entgegen zu fiebern – und trotzdem fällt es mir auch jetzt bei nun mehr 26 Tagen schwer, das kommende „Estland“ wirklich zu realisieren.

Um dennoch denen, die eventuell selber gerade auf dem  Weg in Richtung Ausland sind, denen der „kommenden Generation Austauschschülern 14/15“, Außenstehenden, Freunden und meiner Familie ein Bild davon zu verschaffen wie es so kurz vor dem Abflug in mir aussieht- stellt euch/ dir doch nur einmal vor, 

– jeder deiner Gedanken, deiner Gedankengänge würde ohne Ausnahme in dieselbe Richtung gelenkt werden.

– du sitzt im Kino während der 20 Minuten Trailer Vorschau mit solch einem beklemmenden Gefühl im Bauch, wenn es heißt „ab Herbst im Kino“ und du weißt, dass du ganz sicher nicht hier bist.

– du bist auf dem Weg nach Hause am letzten Schultag, du blickst noch einmal nach hinten, um einen letzten Blick auf die Schule zu werfen – einfach weil es das Klischee so will.

– die Umdekorierung deines bald unbewohnten Zimmers in einen begehbaren Kleiderschrank ist bereits von deiner Schwester in Auftrag gegeben.

– dir ist ein Anlass gegeben alle deine Schulsachen in Kartons zu packen, ohne sie vorerst wieder rausholen zu müssen.

– du verabschiedest dich von deinen engsten Freunden aber nicht nur für 6 Wochen, etwa über die Sommerferien…..

Mit aller Vorstellungskraft kann nun also der unter Umständen zukünftige Austauschschüler in Gedanken an diese kommende Zeit versinken, ein „Ehemaliger“ sich vielleicht ein wenig an diese Zeit zurückerinnern, oder beispielsweise eine „Familie“ oder der Freundeskreis den „Reisenden“ ein wenig besser verstehen.

Meine zehn einhalb Monate „Auslandserfahrungen“ gehen für mich am 16. August so richtig los, dann fliege ich von Frankfurt nach Tallinn. In Lubja, das ist ein 300 Einwohner „Dorf“ ganz im Norden von Estland nahe der Hauptstadt, direkt am Wald und dem Meer werde ich anschließend bei einer Gastfamilie leben.

Mit keiner Vorstellungskraft kann ich mir ausmalen, was aber eben dann auf mich zukommt!

Nägemiseni- das ist Estnisch für „Auf wiedersehen“ und genau das wünsche ich mir, ein baldiges Wiedersehen auf meiner YFU- blog Seite