Die letzten Punkte auf meiner Irland-To-Do-Liste

Hallo mal wieder,
Nein, dieses Mal sag ich nichts zur rasenden Zeit! Wirklich nicht! Das ist Allen bekannt, also los geht´s:
Ende April hatte mein Gastbruder seine Confirmation (Firmung). An einem Donnerstag und zum Glück musste ich nicht zur Schule. Es ging morgens los mit einem Gottesdienst. Wir hatten nicht so gute Plätze, also hab ich kaum etwas gesehen und da ich evangelisch erzogen wurde, war mir das ganze Hinknien ziemlich fremd und sehr verwirrend. Nach dem Gottesdienst wurden noch unendlich viele Fotos gemacht. Mit dem Bischof durfte jede Familie aber nur ein Foto machen und ich wollte mich zurück halten, immerhin ist das ein besonderer Tag für meine Gastmutter und meinen Gastbruder gewesen, doch, obwohl die Tante, Cousins und die Großeltern alle da waren, hat meine Gastmutter nur mich dazu gerufen und in keinem Moment vorher habe ich mich je so sehr als Teil dieser kleinen Familie, die wir drei die letzten 8,5 Monate gebildet haben, gefühlt! Dieses warme Gefühl hat mir fast Freudentränen in die Augen getrieben. Fast … ;D
Nach dem Gottesdienst gab es dann ein kleines Lunch bei den Großeltern und abends ein großes Essen in einem Restaurant. Insgesamt ein wirklich schöner Tag 
Ansonsten habe ich in der letzten Zeit probiert jede Minute so gut wie möglich auszunutzen, immer hin sind sie mittlerweile sehr gezählt… Das Wetter hat es mir da aber auch sehr einfach gemacht! Fast jeden Tag nach der Schule hab ich mich mit Freunden an den Fluss oder im Park ins Grass gelegt, gesonnt und gepicknickt.
Außerdem waren wir auch noch bei einem Konzert der Cork Youth Orchestra, das sehr beeindruckend war. Sie haben hauptsächlich Filmmusik gespielt: Harry Potter, Star Wars, James Bond, Annie, Fluch der Karibik und Mama Mia. Eine gute Mischung!
Am letzten Sonntag habe ich mit zwei Freundinnen einen Trip nach Kinsale, einem Bilderbuch Küstenstädtchen, gemacht. Wir haben uns das Charles Fort angeschaut und mal wieder die Sonne genossen und es ist passiert, was ich in Irland niemals für möglich gehalten hätte: Ich habe einen Sonnenbrand bekommen!
Kinsale ist wirklich eine perfekte Bilderbuchkulisse: durch den Golfstrom mutet die Vegetation geradezu mediterran an und die winzigen Gassen voller bunter kleiner Läden hätte man mir auch ohne Probleme als Winkelgasse unterschieben können.
Auch in Cork habe ich versucht noch die letzten Touristenattraktionen auf meine Liste zu setzen, die mir bis jetzt entwischt sind. Z.B. habe ich mir das Elizabeth Fort angeschaut (Ja mit Forts haben sie es hier irgendwie … ;))
Dieses Wochenende haben wir mit InterStudies den allerletzten Ausflug unternommen und das wurde schon irgendwie von einem flauen Gefühl um die Magengegend herum begleitet … Wir haben uns das Bunratty Castle angeschaut. Ja, schön, aber hier in Irland stolpert man häufiger mal über Burgen und irgendwann hauen sie einen einfach nicht mehr so sehr um. Außerdem hat uns Petrus nach zwei Wochen mit perfektem Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht und es hat fast die ganze Zeit geregnet.
In der Schule dreht sich gerade alles um die anstehenden Summer Exams. Darauf freue ich mich wirklich gar nicht und obwohl sie für mich nicht zählen, stresst mich der Gedanke daran schon ein wenig. Aber ansonsten habe ich mich sehr daran gewöhnt, dass meine Noten nicht wichtig sind und es eigentlich allen, vor allem den Lehrern egal ist, was ich im Unterricht mache. Das wird bestimmt eine schwierige Umstellung werden, zurück in Deutschland.
Neben Schule und Sight Seeing verbringe ich meine Zeit hier weiterhin mit Kick boxen. Das macht mir weiterhin unglaublich viel Spaß und die Gruppe und die Trainer sind mir sehr ans Herz gewachsen. Den Spaß und die ganzen Insiderwitze dort werde ich sehr vermissen.
So, das war´s glaube ich schon mit meinem vorrausichtlich letztem Update von meinem Auslandsjahr. Nur einen Abschlussbericht werde ich zurück in Deutschland noch für euch verfassen und dort kommt dann auch noch mein Fazit und so weiter.
Jetzt werde ich erstmal die letzten drei Wochen meines irischen Lebens genießen!
Bis bald,
Eure Neela

Der irischste Tag des Jahres und Ostern ohne Osterhase

Hallo ihr Lieben,
es ist glaube ich ein echtes Austauschschülerphänomen, ständig über Zeit zu reden. Man redet ständig darüber: mit anderen Austauschschülern, Freunden Zuhause und im Ausland, der Gastfamilie und der Familie Zuhause. Deswegen habe ich beschlossen dazu jetzt gar nichts weiter zusagen als: Ja, die Zeit vergeht. Und manchmal tut sie das viel zu schnell und manchmal zu langsam und in seltenen Fällen tut sie beides gleichzeitig. So wie im Moment.
Die letzte Zeit war echt vollgepackt. Ich hatte kaum einen Moment um richtig durchzuatmen.
Am 17. März war da erst einmal der irischste Tag des Jahres, der Tag an dem die ganze Welt ein bisschen irisch ist und ich war mittendrin!
Die Iren halten es mit Kleeblättern, Grün und Laprechauns in etwa so wie wir Deutsche mit Dirndl, Lederhosen und Brezeln: das ganze Jahr regen wir uns über die Vorurteile, die die ganze Welt über uns hat auf und dann ist da diese ganz bestimmte Zeit im Jahr, in der wir das alles vergessen und selbst ganz vorurteilsgerecht auftreten. Ob das jetzt in Lederhosen oder in grün ist, ob es Oktoberfest oder St. Patrick’s day heißt: ich erkenne da ganz klar die Parallelen!
Aber das ist ja nichts Schlechtes 🙂 im Gegenteil! Schon von Anfang an habe ich mich hier auf den St. Patrick’s day gefreut. An keinem anderen Tag kann man sich so irisch fühlen!
An besagtem Freitag habe ich mich also mit Freunden getroffen -möglichst früh, um die besten Plätze direkt am Gatter zu erwischen- um zusammen mit ihnen die Parade in Cork zu bestaunen.
Alles war schon abgesperrt und man musste aufpassen auf welcher Straßenseite man sich traf, denn waren die Absperrungen einmal geschlossen gab, es kein Durchkommen mehr.
Die Straßen füllten sich schnell mit Zuschauern: fast jeder mit etwas Grünem geschmückt, Irlandflaggen, Gesichtsbemalung oder lustige Hüte sah man überall. Natürlich haben wir uns da auch angepasst.
Los ging es dann mit einem Aufmarsch der Polizei. Es folgten das Militär, die Feuerwehr und die Regierung. Danach kamen diverse Hurling, Camogie und Gaelic football Vereine. Alle mit Bannern und Musik und stolz wurden die gewonnenen Pokale präsentiert. Aber auch Tanzschulen, Judo- und Karateklubs waren vertreten, BMX-Gruppen und Rudervereine. Dazwischen Marschkapellen, sogar ein Krankenhaus und ganz viele nationale Gruppen aus China, Südkorea, Japan, Indien, Polen, Mexiko, von der Elfenbeinküste und noch einigen mehr. Alle in Trachten und mit lauter Musik. Und dazu kamen dann noch einige Gruppen mit fantastischen Kostümen und mühevoll gebauten Wägen.
Es war ein beeindruckendes und farbenfrohes Spektakel.
Kurz danach ist mein Gastbruder Craig 12 geworden und die ganze Familie kam zu uns. Es war gemütlich und wir haben Kuchen gegessen, aber ich bin froh, dass ich an meinem Geburtstag schon wieder Zuhause bin um ihn mit meiner Familie feiern zu können 🙂
Und dann, einen Tag später Ende März: Schnee!
Zum Glück war es die Tage davor ziemlich kalt und so blieb der Schnee sogar liegen! Die Flocken waren ganz dick, fast als würde es Federn schneien … Ich hab mich ans Wetter angepasst: meine Schuluniform und die Schuhe in den Rucksack gepackt und den Rucksack in eine Tüte.
Und als ich in der Schule angekommen bin, konnte ich schön in meine trockenen Sachen wechseln… ich lerne aus Fehlern! ;D
Der Schnee war am Mittag schon längst wieder geschmolzen aber trotzdem: mein erster Schnee in Irland! Schnee Mitte März!
In Irland reden alle, immer übers Wetter. Und das ist nicht übertrieben. Sogar im Unterricht wird meistens erst noch ein Kommentar zum Wetter abgegeben und im Bus ist es ein super Einstieg in eine nette Plauderei mit dem noch-fremden Sitznachbarn.
Man kann es uns aber auch wirklich nicht verübeln: Das Wetter ist hier so wechselhaft, launisch und vielseitig, dass man immer reichhaltigen Gesprächsstoff hat. Nur als kleine Beispiel: Am Mittwoch war alles Schnee bedeckt und am Freitag lag ich nach der Schule im Park auf der Wiese, habe mich bei 17 Grad ohne Jacke gesonnt und gelesen …
Es war auch gut, dass das Wetter so toll war, den die Busse haben insgesamt drei Wochen gestreikt und so musste ich jeden Tag zur Schule und zurück laufen. Hin ging noch, denn es ging bergab doch der Rückweg war eine Qual: Müde, nach der Schule, mit schwerer Tasche 50 Minuten den Berg hoch.
Naja, wenigstens meine Ausdauer hat sich verbessert 😉
Ende März kamen dann auch meine Großeltern zu Besuch und das war toll! Es war so schön vertraut, so wunderbar normal. Und das mag vielleicht komisch klingen, aber es war so angenehm einen kurzen Urlaub vom Austauschschülerleben zu haben und einfach nur Tourist zu sein, unterwegs mit der Familie. Es war auch super meine Großeltern wiederzusehen und so viele schöne Sachen mit ihnen zu erleben. Wir waren in Dublin, Galway, Kerry und Cork und haben die atemberaubende Natur Irlands bestaunt. Zum Glück hatten wir auch mit dem Wetter Glück 
Und dann haben hier auch schon die Ferien begonnen. Die ersten Tage fand ein „Life-long-learning-Festival“ statt, während welchem man viele interessante Dinge kostenlos in Cork erleben konnte. Wir waren z.B. bei zwei klassischen Konzerten der Musikhochschule, einem Flamenco Auftritt, einem Open-Air Konzert und einer spannenden Stadtführung.
Von meiner Austauschorganisation wurde dann ein dreitägiger Trip nach Galway organisiert. Und diese Zeit war einfach der Hammer. Ich war in einem Haus mit 5 echt guten Freundinnen und wir hatten super viel Spaß, waren lange wach, haben über alles Mögliche geredet und hatten eine wunderbare Zeit zusammen.
Während des Trips saßen wir viel im Bus, haben aber auch eine Radtour gemacht, eine Wanderung und eine Stadttour. Ich war richtig traurig als es vorbei war.
Gestern war dann Ostern und wie soll ich sagen … armes Irland! Keine Ostereiersuche, kein Osterfeuer, keine Eier bemalen. Ja nicht einmal den Osterhasen haben sie hier. Trotzdem war es ein nettes, wenn auch etwas langweiliges Familienessen und ein paar Ostereier habe ich dann doch bekommen 
Jetzt habe ich noch eine Woche Ferien, die ich in vollen Zügen genießen werde und dann sind nur noch 6 Wochen Schule … und dann bin ich schon wieder zurück!
Und ich kann aus vollem Herzen sagen: ich freue mich auf Zuhause und doch würde ich am liebsten noch länger bleiben! Gefühlschaos vorprogrammiert … 😉
Frohe Ostern und liebe Grüße aus Irland!
Eure Neela

Und es stimmt tatsächlich, was sie uns gesagt haben: Die Zeit verfliegt!

Und es stimmt tatsächlich, was sie uns gesagt haben: Die Zeit verfligt!

Wenn ich, während meiner ersten Tage hier gelesen habe, dass die Zeit irgendwann einfach verfliegt fiel es mir sehr schwer das zu glauben. Genauso ging es mir auch, wenn ich die monatelangen Lücken auf verschiedensten Blogs bemerkt habe.
„So schwer kann es doch nicht sein, sich einmal im Monat hin zu setzen und einen Bericht zu schreiben!“
das dachte ich damals wirklich. Mein irisches Leben hat mich eines Besseren belehrt. Ehe man sich versieht ist Dezember und damit kommen dann auch die Exams, der Advent, Weihnachten, Silvester und dann ist schon Januar, die Schule geht wieder los, auf einmal ist schon die Hälfte der Zeit um, und dann fällt einem auf: „War da nicht noch was? So ein Punkt auf meiner To-do-Liste, den ich schon seit Anfang Dezember vor mir her schiebe“ … Und deswegen sitze ich jetzt hier, in einer kleinen Atempause des Alltags, zwischen `Hausaufgaben-machen´, `Zur-Schule-gehen´, `Schlafen´ und `Leben´, und versuche die letzten drei Monate irgendwie zusammen zu fassen.
Eine nahezu unmögliche Aufgabe, aber gehen wir es Schritt für Schritt an.

Der November war nicht außergewöhnlich ereignisreich. Das Wetter wurde schlechter, Es wurde unbequemer im Rock zur Schule zu gehen und mein neues Leben wurde mir vertrauter. Anfang Dezember fanden dann die Christmas-Exams statt. Die zählen für mich nichts, aber Prüfung schreibt glaube ich keiner gerne. Wir hatten in jedem Fach eine eineinhalbstündige Prüfung in der der gesamte Stoff, der seit den Sommerferien dran gekommen war, abgefragt wurde. Insgesamt war es aber nicht zu schwer und durchaus ohne zu viel Lernen machbar. Die zwei Wochen zwischen den Prüfungen und Weihnachten waren dann sehr entspannt, da alle Lehrer das Gefühl hatten es würde sich nicht lohnen, jetzt mit den neuen Themen anzufangen, wo wir doch über die Ferien sowieso alles vergessen würden. Wir haben das alle dankbar hingenommen. Dafür waren wir dann zwei Mal mit der Schule Geld sammeln für einen guten Zweck, ‘fund raising’ genannt. Das ist hier sehr verbreitet. Die Organisation S.H.A.R.E. führt jedes Jahr in den 10 Tagen vor Weihnachten eine riesige Sammelaktion durch. An fast jeder Ecke kannst du in der Weihnachtszeit einen Teenager in gelben Mantel und mit einer gelben Sammeldose in der Hand entdecken und fast jeder Mensch dem du begegnest hat einen gelben S.H.A.R.E Aufkleber den man im Austausch für eine Spende bekommt. Dieser Aufkleber schützt einen dann auch vor den leicht aufdringlichen Fragen an jeder zweiten Ecke.

Fast jede Schülerin meines Jahrgangs hatte sich bereit erklärt, für 4 Stunden zu sammeln. So auch ich. Also machten wir uns dann auf den Weg, bekamen eine gelbe Dose, ein gelbes Leibchen und einen Platz zugewiesen.
Leider hatten wir uns das ‘optimalste’ Wetter für so etwas ausgesucht. Es schüttete in Strömen, die Kälte kroch mir in die Knochen und schon bald waren meine Finger taub und die Aufkleber zu verteilen wurde so zu einer schwierigen Angelegenheit. Schnell verwandelten sich meine durchnässten Füße in Eisblöcke und alleine in der Kälte war es wirklich nicht schön, auch wenn das Geld sammeln gut vorranging, vermutlich aus Mitleid…
Ich weiß das klingt jetzt unglaublich kitschig (aber so ist Weihnachten nun einmal manchmal) aber mir ist der wahre „Christmas Spirit“ erschienen … in Form von einer älteren Frau. Mit den Worten: “Den brauchst du gerade viel dringender als ich, Liebes.” drückte sie mir ihren wirklich schönen Regenschirm in die Hand und nahm ihn auch nicht zurück als ich, vollkommen verwundert, dankend ablehnen wollte.

Schon eine Stunde später erschien er mir erneut, der „Christmas Spirit“. Wieder in Form einer Frau. Sie schenkte mir einen heißen Kakao, der nicht nur meine Hände und den Bauch sondern auch mein Herz ganz schnell aufwärmte. Ich konnte es kaum glauben, doch sie sagte nur: “Du sahst so durchgefroren aus.” Und das entsprach vermutlich auch der Wahrheit …
Das dritte und letzte Mal war es wieder eine Frau. Sie fragte mich: “Wenn ich dir Handschuhe kaufe, trägst du die dann?” Schon wieder war ich verwundert und sehr berührt, doch ehe ich etwas sagen konnte nahm sie meine eiskalte, nasse Hand in ihre, entschied schnell und verschwand im nächsten Laden. Ungefähr 10 Minuten später kam sie zurück und entschuldigte sich sogar noch, dass es so lange gedauert hatte. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, die Sammelbox und den Schirm zu halten bis sie vollkommen sicher war, dass meine Hände gut eingepackt waren. Erst dann gab sie, sie mir zurück und verabschiedet sich mit einem: “Happy Christmas, Love”
Ich bin immer noch unglaublich gerührt und kann es kaum glauben, wenn ich daran denke. So etwas hätte ich, glaube ich, niemals in Deutschland erlebt und hier gleich drei Mal. Es sind diese wundervollen, herzerwärmenden Momente und Erlebnisse, die Weihnachten bedeuten und die einen durch das Jahr tragen. Ich bin so dankbar dieses irische Weihnachten zu erlebt haben zu dürfen. So blöd es auch war durchgefroren im Regen zu stehen, am Ende war es das wert und auch wenn meine Füße vor Kälte gefühlt abgefallen sind, mein Herz war unglaublich warm … (ja ja Weihnachtskitsch ?)

Eine andere irische Weihnachtstradition ist die „late late toy show“. Das ist eine spezial Ausgabe der „late late show“, einer Talkshow die hier jeden Freitagabend läuft und sehr beliebt ist. Noch beliebter ist aber die „late late toy show“, zumindest bei dem jüngeren Publikum. Man fühlt sich, beim Schauen in etwa so als würde man in den quietschbunten Magen eines geflügelten Regenbogen-Einhorn schauen nach dem es sich auf der Süßigkeitenwiese mal so richtig voll gefressen hat.
Gut, vielleicht ist das keine richtig gute Beschreibung, aber googelt es einfach mal und ihr wisst was ich meine…
Während dieser Show werden Spielzeuge vorgestellt von Kindern die sie ausprobiert haben und total euphorisch Werbung machen, aber ständig abgewürgt werden, da der total gehetzte Moderator viel zu wenig Zeit hat. Zwischen durch treten immer wieder verschiedene Gruppen auf. Zum Beispiel Kinderchöre, Kinderstepptanzgruppen, Kinderbands und viele mehr, manchmal verpackt in süßen Kostümen.
Verkleidet ist auch das Publikum. Von Weihnachtsmützen und Christmas Jumpers über einen vollständigen Weihnachtsbaum bis zu einem Geschenk ist alles dabei. Laut meiner Gastmutter ist das Pflicht wenn man eine der begehrten Karten gewonnen hat. Dem Publikum werden auch die ganze Zeit irgendwelche Gutscheine geschenkt. Vermutlich weil durch die Dauerwerbesendung so viel Geld eingenommen wird. Etwas anderes ist es nämlich nicht: pure Werbung.
Aber, das muss ich sagen, es macht echt Spaß es zu schauen und man würde am liebsten wieder acht sein damit man all die tollen Sachen auf seinen Wunschzettel schreiben kann.
Es ist hier auf jeden Fall eine wichtige Tradition und nahezu jeder, egal in welchem Alter, schaut es begeistert. Und diese Begeisterung ist ansteckend 

Heiligabend war dann so ganz anders als ich es gewohnt bin … morgens sind wir zu dritt zum Frühstück in die Innenstadt gefahren und haben uns ein typisch irisches Frühstück gegönnt. Danach sind wir noch ein wenig durch die Stadt geschlendert. In Irland ist es üblich, dass man sich ein komplett neues Outfit für Weihnachten kauft. Und damit meine ich wirklich alles! Sogar Schuhe und Unterwäsche! Ich habe das nicht gemacht, aber mein Gastbruder, und die Stadt war voller shoppender Jugendlicher. Wieder zu Hause habe ich dann mit meinen Lieben in Deutschland geskypt. Insgesamt über 5 Stunden … es war toll! So als wäre ich fast wirklich dort bei ihnen? für mich war das wirklich das richtige Mittel gegen Heimweh und das Gefühl so etwas Wichtiges zu verpassen … aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Am 25. war dann das wirkliche Weihnachten … mein erstes und vielleicht auch letztes irisches Weihnachten … der Tag, vor dem ich schon lange Sorge hatte und auf den ich mich doch so sehr gefreut habe!
Um 6:00 Uhr hat mich mein Gastbruder Craig geweckt. Santa war da!!!
Auch für mich hatte er eine große Tüte da gelassen … mit gaaanz vielen tollen Kleinigkeiten! Ich hatte das überhaupt nicht erwartet, so viel von meiner Gastfamilie zu bekommen … Vielleicht zwei oder drei Geschenke, aber nicht mehr als 10! Sie hatte sich so viele Gedanken gemacht und mich überkam eine wunderbare Wärme, wie es nur das Gefühl, Teil einer Familie zu sein, kann. Das hatte ich hier bis her ein wenig vermisst … umso schöner war es am Weihnachtsmorgen! Das schönste Geschenk war ein wunderschönes Sammelarmband.
Mein Gastbruder war auch mehr als zufrieden mit seinen Geschenken. Er wollte sofort anfangen seine neuen X-Box Spiele auszuprobieren, aber Gillian und ich sind nochmal für zweieinhalb Stunden zurück ins Bett gekrochen. Erst danach waren wir soweit zu frühstücken…

Am Nachmittag sind wir dann wieder zu den Großeltern gefahren und es gab noch eine kleine Bescherung. Dann das Christmasdinner, ein paar Spiele und schon ging es wieder nach Hause. Insgesamt war es anders als ich es vielleicht erwartet hatte und auf jeden Fall ganz anders als gewohnt aber auf eine besondere Art zauberhaft. Ich werde dieses Weihnachten niemals vergessen … die Umstände und meine wunderbare Gastfamilie haben es für mich unvergesslichen gemacht. Ich bin so dankbar für alle diese außergewöhnlichen Erfahrungen die ich hier machen darf.

In verschiedenen Teilen Irlands wird am zweiten Weihnachtsfeiertag, hier genannt St. Stephansday eine Zaunkönigjagd veranstaltet (engl.: Wrenhunt), wobei sich die Männer mit fantasievollen Strohmasken, Hüten und farbigem Gewand verkleiden und begleitet von Céilímusikbands durch die Städte und Dörfer ziehen. Vermutlich ist diese Feier keltischen Ursprungs: die Druiden studierten den Flug des Zaunkönigs, um die Zukunft vorherzusagen.
Die Tradition beinhaltet die Jagd von einem künstlichen Zaunkönig auf einem dekorierten Zweig.
Genau diese Tradition habe ich auch miterlebt und es war toll! Irische Musik macht immer Spaß und allen die wollten wurden irische Gruppentänze beigebracht. Zusammen mit einer Freundin habe ich natürlich auch mit getanzt und hatte super viel Spaß. Auch die Kostüme waren beeindruckend. Die Jagd zu Pferd mit samt der Jagdhunde war wie in einem alten britischen Film. Doch ich war froh, dass kein Zaunkönig daran glauben musste.

Ein paar Tage vor Silvester kam dann eine Freundin, Franzi, die in Dublin wohnt zu Besuch und ich habe ihr meine zweite Heimat gezeigt. Das hat viel Spaß gemacht und es hat mir gezeigt, dass ich wirklich kein Tourist mehr bin. Ein schönes Gefühl … Cork ist nun wirklich ein richtiges Zuhause geworden!
Gemeinsam haben wir dann die ganzen Touri-Attraktionen abgeklappert. Z.B. den Fitzgerald Park und das UCC. Dort war ich ja vorher schon mal aber das Cork Public Museum und die Art Gallery waren auch für mich neu. Auch deswegen war es schön Cork aus dem Blickwinkel eines Touristen zu betrachten und um dann wieder zu meiner ‘fast-Einwohner-Sicht’ zurück zu kehren.

Über Silvester sind wir dann gemeinsam nach Dublin gefahren und sie hat mir die Hauptstadt gezeigt.
Es waren so viele Menschen unterwegs und die Straßen waren wunderschön beleuchtet. Da hab ich erst gemerkt wie sehr ich mich an die doch eher überschaubare Größe von Cork gewöhnt habe. Aber es war richtig schön sich durch die Straßen treiben zu lassen. Franzi kennt sich super aus … man könnte fast meinen sie würde schon ihr ganzes Leben in Dublin verbringen. Sie hält die Temple Bar für eindeutig überbewertet aber ich musste natürlich ein Foto machen … wie ausnahmslos jeder Tourist dort. Aber das bin ich dort ja auch ;). Und ganz touristisch sind wir auch zum Trinity College gegangen und zum GPO und vielen weiteren Touristen Attraktionen. Die Zeit in Dublin war echt toll. Dublin ist eine der schönsten Städte die ich kenne.
Silvester war dann etwas ernüchternd. In Irland wird das insgesamt kaum gefeiert. Vor allem nicht unter den Jugendlichen. In Cork gab es wohl gar kein Feuerwerk und in Dublin wurden gerade einmal 5 Raketen abgefeuert. Also wirklich keine große Sache. Irgendwie war es ziemlich enttäuschend, dass Silvester doch nur so eine normale Nacht ist…

2017 hat dann nicht so gut angefangen. Ich habe mir eine Ohrenentzündung eingefangen und krank sein in den Ferien ist immer besonders nervig. Zum Glück, oder irgendwie auch `Leider´, war es dann pünktlich zum Schulbeginn wieder okay.
So, und seit dem stecke ich wieder voll und ganz im Alltag fest. Schule, Hausaufgaben und seit Dezember auch Kick-Boxen zweimal die Woche. Das ist genau der richtige Ausgleich zum ständigen sitzen. Ich hätte gar nicht gedacht, dass Kämpfen so viel Spaß machen kann  Und fit wird man neben bei auch noch. Mach dich also schon mal bereit Bruderherz: Unsere Geschwisterstreits werden auf ein ganz anderes Level gehoben, wenn ich wieder da bin 😉
Es macht auf jeden Fall viel Spaß und ich habe auch schon viele nette Leute dort kennen gelernt. Zum Großteil aber Männer, denn dort ist nur noch ein anderes Mädchen in meinem Alter. Zusammen haben wir aber viel Spaß.
Die Wochenenden verbringe ich meistens mit meinen Austauschschülerfreunden. Wir sind eine richtig zusammen geschweißte Gruppe geworden und auch wenn wir schon planen uns natürlich wiederzutreffen, dann wird es doch nie wieder so sein wie zurzeit. Das werde ich echt vermissen.

Um einiges schwerer ist es allerdings irische Freunde zu finden. Das geht uns allen so und liegt nicht daran, dass sie Anderen unfreundlich sind oder so. Sie sind einfach alle sehr zurückhaltend was das Schließen von internationalen Freundschaften betrifft. Darauf muss man sich also schon mal einstellen wenn man sich für einen Austausch nach Irland entschieden hat. Kann aber auch nur in Cork so sein. So genau weiß ich das nicht … aber immerhin findet man wunderbare deutsche Freundschaften, die bestimmt lange halten werden.
Mittlerweile habe ich schon das Gefühl, dass da schon einige Sachen sein werden, dich ich vermissen werde. Die ganze Selbstständigkeit. Manchmal fühlt es sich fast an, als würde ich schon alleine Leben, weil ich so komplett alleine über mein Leben entscheiden kann. Auch einen Familienstreit bekomme ich nun nur noch aus der Ferne mit. Entweder von meiner deutschen Familie oder von meiner irischen hier. Bei beiden bin ich da nicht involviert, und das ist einerseits seltsam, aber irgendwie ziemlich entspannt.

Natürlich ist hier nicht alles immer nur einfach, locker-flockig und leicht. Es gibt einige schwere Momente, in denen ich mich immer noch sehr einsam fühle, meine Familie, meine Freunde und einfach mein deutsches Leben vermisse, aber das gehört nun einmal dazu. Das ist es ja auch, was der Unterschied zwischen „Urlaub“ und „Auslandsjahr“ bedeutet. Meine Zeit hier besteht nicht nur aus Sightseeing und Entspannen. Ich führe ein zweites Leben, das mir schon fast genauso vertraut und im Moment um einiges realer vorkommt als mein deutsches. Ich freue mich zwar schon darauf, zurück zu kommen, aber irgendwie kommt mir das alles noch ewig weit weg vor.
Deswegen werde ich auch einfach alles tun um die letzten vier Monate hier so gut wie möglich auszunutzen und in vollen Zügen zu genießen. Denn auch wenn nicht alles perfekt ist, ich mir einiges anderes vorgestellt und gewünscht hätte, so ist es doch das bis jetzt größte Abenteuer meines Lebens.
Ich entschuldige mich sehr dafür, dass ich so lange nichts von mir hab hören lassen und werde mein Bestes tun um den nächsten Bericht nicht so lange aufzuschieben, obwohl mich meine Erfahrung schon eines besseren belehrt hat.

Für die unter euch, die meinen Account „neelasabenteuerirland“ auf Instagram abonniert haben, ist vielleicht nicht so viel Neues dabei gewesen, denn dort schaffe ich es ziemlich regelmäßig kurze Berichte hochzuladen. Einmal die Woche ist dort mein Ziel für die Updates meines irischen Lebens.
Abschließen möchte ich diesen Bericht mit einem Spruch, den ich im Internet gefunden habe, denn er fasst meine Situation ziemlich perfekt zusammen:
„I never said it´s going to be easy. I said it´s going to be worth it!”
Liebe Grüße von der grünen Insel,
eure Neela

Schule auf Irisch

Als ich anfing mich für ein Auslandsjahr in Irland zu interessieren, wollte ich viel über die Schule wissen. Deswegen dachte ich mir, befriedige ich mal die Bedürfnisse von zukünftigen deutschen Austauschschülern, die vorhaben nach Irland zu gehen.

Das irische Schulsystem unterscheidet sich sehr von dem Deutschen.

Zuerst einmal gibt es fast nur getrennte, also Mädchen- und Jungenschulen. Mittlerweile gibt es immer mehr Mixed Schools aber die Regel sind immer noch die getrennten Schulen. Weiterhin sind Schuluniformen fast überall Pflicht. Nur wenige Schulen verlangen die Uniformierung nicht mehr von ihren Schülern, und ich habe hier gelernt, dass diese meist einen nicht so guten Ruf haben. Das kann aber auch nur hier so sein, also bin ich mir da nicht so sicher. Außerdem sind auch viele Schulen in kirchlicher Hand. Dieser katholische Einfluss zeigt sich mal mehr und mal weniger. Das heißt aber nicht, dass alle Schüler katholisch sein müssen. An meiner Schule, die von Nonnen gegründet wurde, gibt es auch einige Muslime oder Anhänger sonstiger Religionen. An meiner Schule finden sich aber auch einige Marienstatuen, wir haben ca. 4 Schulgottesdienste über das Jahr verteilt und während der Prüfungen wird jeden Morgen ein Gebet gesprochen. Das ist aber alles überhaupt nicht schlimm oder störend und es ist auch vollkommen okay, wenn du überhaupt nicht religiös bist. So wichtig ist die Rolle der Kirche in der Schule in der Regel nicht mehr. Aber das kann ich auch nur von meiner Schule genau sagen.

Die Schullaufbahn in Irland beginnt mit der einjährigen Vorschule. Das ist aber eigentlich nur die irische Version von einem Kindergarten. Danach folgt dann die Primary School von der ersten bis zur sechsten Klasse. Im Alter von 12-13 Jahren wechseln die Kinder dann auf eine weiterführende Schule, die Secondary School.

Dort werden die Jahrgänge dann mit „Year“ anstelle von „Class“ betitelt und die Nummerierung beginnt von vorne. Das 1st year bis zum 3rd year wird als „Junior cert“ bezeichnet. Das kann man gut mit dem Realschulabschluss vergleichen und am Ende der drei Jahre wird auch eine große Prüfung geschrieben.

Im Anschluss daran kann man sich entscheiden das 4th year oder auch Transition year genannt, machen. Das ist ein freiwilliges Jahr das vor allem der Berufsorientierung und dem Sammeln von Erfahrungen gewidmet ist. Viele Austauschschüler werden in diesem Jahr platziert, da es eigentlich wirklich ideal für so etwas ist. Es werden viele Praktika gemacht, Klassenfahrten und Ausflüge. Die Atmosphäre ist sehr entspannt da eigentlich überhaupt kein schulischer Druck herrscht. Durch die vielen Projekte ist es auch einfacher neue Freunde zu finden. Alles sehr perfekt für einen Austauschschüler in einer komplett neuen Umgebung.

Ich jedoch wurde im 5th year platziert. Das ist so ziemlich das Gegenteil vom Transition year. Das 5th und das 6th year sind vergleichbar mit der 11. Und 12. Klasse in Deutschland. Während dieser zwei Jahre macht man hier sein leaving cert also quasi die irische Variante vom Abitur.

Fürs leaving cert kann man auch verschiedene Fächer wählen, wie z.B. die verschiedenen Profile in der Oberstufe.
Pflichtfächer sind dabei Englisch, Mathe, Irisch und auch eine Fremdsprache (an meiner Schule entweder Französisch oder Deutsch)
Zu diesen Pflichtfächern wählt man drei verschiedene Wahlfächer. Ich habe mich für Biologie, Geschichte und Kunst entschieden aber es gibt auch Fächer wie z.B. Business, Accounting, Physik, Chemie, Geografie und Hauswirtschaft.

Im 5th year gibt es Schüler aus zwei verschiedenen Jahrgängen die gerade erst neu zusammen gemischt wurden. Zum einen sind da die Schüler, die das Transition year gemacht haben und dann sind da die, die es ausgelassen. Deswegen gibt es einerseits keine richtige Jahrgangsgemeinschaft und andererseits sehr feste Cliquen. Das macht es für „die Neuen“ schwierig.

In Irland werden vor Weihnachten und vor den Sommerferien jeweils die Examen geschrieben. Diese bilden das Zeugnis. Was du das ganze Jahr über geleistet hast zählt dabei dann leider überhaupt nicht mehr und wird auch nicht gewürdigt. Das finde ich persönlich ziemlich schade.
Die Sommerferien sind in Irland fast drei Monate lang. Über Jahr verteilt haben sie aber ungefähr genauso viele Ferientage wie wir in Deutschland, von diesen drei Monaten einmal abgesehen.

Jetzt würde ich euch gerne noch einen durchschnittlichen Tag von mir beschreiben. Mein Stundenplan sieht so aus, dass ich jeden Tag fast jedes Fach habe. Sie sind aber immer in einer unterschiedlichen Reihenfolge, also anders als z.B. in den USA üblich. Am Mittwoch haben wir nur einen „Half-day“ da es Schülern traditionellerweise möglich sein soll, den Gottesdienst zu besuchen, auch wenn das … nun ja … in Vergessenheit geraten ist. 😉

Am Freitag habe ich jedes meiner Fächer, deswegen dachte ich mir, erzähle ich euch einfach mal, wie so ein durchschnittlicher Freitag bei mir abläuft.
Mein Wecker klingelt um 7:15. Das Anziehen der Schuluniform läuft mittlerweile vollkommen automatisch ab. Im Winter habe ich meistens zwei Strumpfhosen übereinander und noch einen Sweatshirt unter dem School-Jumper getragen. In dem alten Gebäude meiner Schule ist es dann nämlich häufig kalt und zugig.

Meine Lunchbox bereite ich meistens schon am Abend vor, um morgens Zeit zu sparen. Meine Gastfamilie muss erst später aufstehen als ich und am Anfang war es für mich besonders schlimm, morgens ganz alleine im dunklen, fremden Haus aufzustehen, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Um 8:40 verlasse ich dann das Haus und muss einen Hügel zur Bushaltestelle hoch gehen. Das ist super um die Müdigkeit los zu werden. Ich nehme dann den Bus, der ungefähr 12 Minuten braucht. Ich habe hier echt Glück so eine kurze Strecke erwischt zu haben, denn manche meiner Freunde verbringen bis zu 45 Minuten im Bus. Mein Schulweg führt mich weiter durch die aufwachende Innenstadt. Ich mag diese Atmosphäre die so ganz anders ist als während des restlichen Tages.

In der Schule komme ich dann gegen 8:25 an. Eigentlich müssen bis 8:30 alle erst einmal in die Kantine gehen aber ich gehe meistens gleich in die Social-Area. Das ist der Aufenthaltsraum für die Schülerinnen des 5th years und des Transition years. Dort stehen auch unsere Schließfächer und jeder hat ein Haken für seine Jacke. Um 8:40 klingelt die Schulglocke und alle fangen an ihre Schulbücher für die ersten drei Unterrichtsstunden aus den Fächern zu holen. Wir stellen uns dann in einer Reihe vor dem jeweiligen Klassenraum an. Die Gänge sind immer voller Mädchen und manchmal ist das Durchkommen schwer. Um 8:45 geht der Unterricht los. Als erstes wird immer die Anwesenheitsliste überprüft um dann an die Tür gehängt zu werden. Wenn du zu spät kommst musst du dich dort eintragen, denn die Listen werden in jeder Stunde eingesammelt und kontrolliert.

In den ersten Stunden habe ich am Freitag Französisch und Irisch. Währenddessen habe ich dann Zeit meine Hausaufgaben zu machen oder zu lesen, da ich beide Fächer nicht machen muss.
Eine Stunde ist jeweils 40 Minuten lang. Da ich zuvor fast nur Doppelstunden gewöhnt war, war das zuerst sehr irritierend. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.
In der dritten Stunde habe ich dann Kunst. In Kunst haben wir hauptsächlich Kunstgeschichte. Das ist sehr trocken und langweilig da einfach das Buch durchgegangen wird. Und dabei liest der Lehrer auch nur vor. Manchmal dürfen wir aber auch kreativ arbeiten. Und das macht dann sehr viel Spaß, da wir viel freier arbeiten dürfen als ich das gewohnt war. Wir haben keine speziellen Themen oder Stilrichtungen vorgeschrieben bekommen, es ging mehr um den symbolischen Wert der Kunst und ihrer Bedeutung. Das finde ich eigentlich einen sehr schönen Ansatz.
Nach den ersten drei Stunden haben wir eine kurze Pause von 15 Minuten. In der Zeit tauschen wir unsere Schulbücher aus und essen ein bisschen was.

Nach der Pause habe ich Geschichte. Dort behandeln wir zurzeit nur irische Geschichte. Und auch hier wird nur trocken das Buch durchgesprochen im langweiligen Frontalunterricht. Ab und zu werden auch Dokumentationen genutzt. Irische Geschichte unterscheidet sich selbstverständlich sehr von der Deutschen. Das war am Anfang sehr kompliziert. Zum einen, da das Niveau der genutzten Texte ziemlich hoch ist und zum anderen, da viele der anderen Mädchen die wichtigen Namen mit der Muttermilch aufgezogen haben, während ich noch nie von DeValera, Collins oder Griffith gehört habe. Mittlerweile komme ich im Unterricht aber sehr gut mit und das geschichtliche Wissen hilft auch um Irland besser zu verstehen.
Danach haben wir Berufsberatung. Dieses Fach dient zur Vorbereitung auf die Uni und es wird z.B. das Benotungssystem erklärt. Das ist zwar alles sehr sinnvoll, aber für uns Austauschschüler ist es überhaupt nicht wichtig.

Nach diesen beiden Stunden haben wir dann die Mittagspause. Die ist fast eine Stunde lang und meistens sehr entspannt und lustig, da eine gute Grundstimmung unter den Mädchen herrscht und es fast kein Gezicke gibt. Häufig wird gesungen, was gerade so angesagt ist und natürlich gibt es auch eine Gruppenwanderung in Richtung Toilette (Am Anfang hat es mich übrigens irritiert, dass es nur Mädchentoiletten, und deswegen auch keine Schilder an den Türen gibt, auch wenn das natürlich nur Sinn macht, in einer Mädchenschule ;)). Nach Der Pause habe ich dann Englisch und das mag ich sehr gerne. Wir lesen z.B. King Lear von Shakespeare, Wuthering Heights oder Gedichte von irischen oder englischen Poeten. Das macht mir Spaß und es fällt mir auch nicht so schwer. Ich glaube der Englischunterricht in Deutschland wird dann echt langweilig werden … aber mal abwarten 😉

Nach Englisch habe ich Mathe. Dort sind wir in das „Ordinary level“ und das „Higher level“ eingeteilt. Ich bin im ordinary level und das ist wirklich einfach und auch ein wenig langweilig, aber das ist schon okay  Grundsätzlich ist der Matheunterricht auf Englisch aber eine ganz schöne Umstellung. Vorher hätte ich gedacht, Mathe müsste, abgesehen von der Sprache, überall gleich sein. Das ist definitiv nicht so, und es hat echt lange gedauert, bis ich all die Techniken gelernt hatte, die hier gelehrt werden an Stelle von denen, die ich immer benutzt hatte. Das wird, zurück in Deutschland, dann wieder genauso ungewohnt schätze ich mal.
Danach haben wir Religion. Meistens dürfen wir da dann einfach nur Hausaufgaben machen oder wir schauen Filme. Ab und zu reden wir auch über Religion, aber eher selten.
In der letzten Stunde vor dem Wochenende habe ich dann Biologie. Dort machen wir ab und zu Experimente und ansonsten machen wir Notizen während die Lehrerin redet. Das ist sehr trocken und auch irgendwie langweilig, obwohl der Unterrichtsinhalt eigentlich echt spannend ist.

Generell gibt es hier nur Frontalunterricht, was für mich sehr ungewohnt war und auch immer noch ziemlich langweilig ist. Da bevorzuge ich den deutschen Unterrichtsstil schon eher.
Um 3:55 ist der Unterricht dann vorbei und ich fahre mit dem Bus nach Hause bis ich um ca. 4:50 zu Hause bin …
… ja das ist mein durchschnittlicher Schulalltag. Ganz anders als in Deutschland aber mittlerweile fast genau so vertraut.
Insgesamt muss ich sagen bevorzuge ich persönlich das deutsche Schulsystem. Ich finde es einfach besser, nachzudenken im Unterricht und auch mal zu diskutieren. Das vermisse ich sehr. Hier wird man leider fast gar nicht dazu angeregt selbstständig zu denken.
Aber trotzdem ist es interessant etwas so Anders kennen zu lernen und es hat schon ein paar Vorteile … zum Beispiel kann man im Unterricht besser mit offenen Augen schlafen, wenn man sowieso nie dazu aufgefordert wird, etwas zum Unterricht beizutragen … 😉

Der 2. Monat auf der grünen Insel

Hallo ihr Lieben …

Es ist so komisch: Manchmal fühlen sich die zwei Monate hier schon nach einem halben Leben an und manchmal nach nur zwei Wochen. Soviel ist passiert und so viele Gedanken sind in meinem Kopf herumgeschwirrt.

Ich habe schon viel mehr das Gefühl hier her, nach Irland zu gehören. Vielleicht liegt das daran, dass ich das Land ein wenig besser kenne und auch schon ein bisschen was davon gesehen habe. Viele von den Touristen Attraktionen hier in der Gegend rundherum um Cork habe ich jetzt abgeklappert. Zum Beispiel das Blarney Castle mit dem Blarney Stone. Wenn man diesen Stein küsst, verleiht einem das die Gabe oder auch den Fluch niemals zu Reden aufhören zu können. Das ist einen Monat her und ich kann jetzt bestätigen: Doch, man kann 😀 😉

Ich habe mir den Fitzgerald Park und den Uni Campus des UCC angeschaut. Leider in einem ziemlich durchnässten Zustand aber es war trotzdem schön. Apropos `durchnässt´: Es regnet hier nicht ein bisschen mehr als in Deutschland. Im Gegenteil: wir hatten hier einige schöne und sonnige Tage. Allerdings hat mir meine Gastmutter erzählt, dass der letzte Oktober der trockenste seit über zwanzig Jahren war. Das hat also vielleicht nicht so viel zu bedeuten. Ich würde mal sagen: Glück gehabt 🙂

Besucht habe ich auch noch Cobh, eine kleine Hafenstadt ganz in der Nähe von Cork. Dies war der letzte Hafen, an dem die Titanic anlegte, und deswegen dreht sich ziemlich viel dort um dieses legändere Schiff. Cobh ist super niedlich und echt sehenswert.

Ein großes Ereignis hier in der letzten Zeit war Halloween … fast jedes Haus hatte irgendeine Art von Dekoration aufzuweisen und das Halloweenfieber hat wirklich jeden angesteckt.

Wie ich hier gelernt habe ist Halloween ursprünglich ein irisches Fest und stammt aus der keltischen Kultur und Vergangenheit der grünen Insel. Damals glaubte man an diesem Tag wäre eine Tür zur Welt der Geister geöffnet. So konnten einerseits die auf der Erde gefangenen Geister endlich ihren Weg finden, aber es konnten auch welche zurück auf die Erde kommen. Größtenteils waren das gute Geister, die gefeiert und verehrt wurden. Allerdings waren auch ein paar böse Geister die auf Rache aus waren unter ihnen. Und da man nie sicher sein konnte ob man nicht noch eine offene Rechnung mit einem Geist hat, fingen die Menschen an, sich zu verkleiden um nicht erkannt zu werden und dem Zorn zu entgehen …?????

Ich finde das echt spannend, dass alte Traditionen so lange überleben können. Wir durften uns dann an einem Tag in der Schule verkleiden. Ich bin als schwarzer Engel mit schwarzen Flügeln gegangen und es war echt ein lustiger Tag.

Außerdem habe ich mit unseren Nachbarn Kürbislaternen geschnitzt. Wir hatten richtig viel Spaß und irgendwie gehört das ja auch zu Halloween dazu ????

Am eigentlichen Halloweentag gab es denn eine riesige Parade in der Innenstadt, die ich mir natürlich nicht habe entgehen lassen und zusammen mit einigen Austauschschülern habe ich sie mir angeschaut. Die großen Figuren wurden durch große Metallkonstruktionen bewegt und von bunten Lichtern angestrahlt. Es war echt beeindruckend und alles in allem das beste Halloween meines Lebens. Was auch daran liegen könnte, dass ich Halloween in Deutschland noch nie richtig gefeiert habe. Gerade deswegen war es auch eine einzigartige Erfahrung.

Ein weiteres Erlebnis diesen Monat war unser Trip nach Monaghan. Das ist eine kleine Stadt in der Nähe der nordirischen Grenze. Zusammen mit anderen Austauschschülern hatten wir das organisiert. Mit dem Bus sind wir nach Dublin und dann weiter nach Monaghan gefahren. Das Fernbusnetzwerk ist hier sehr viel weiter ausgebaut und auch günstiger und beliebter als die Bahn. Das ist ziemlich praktisch und ich werde es bestimmt noch einige Male nutzen. In Dublin hatten wir fünf Stunden Aufenthalt, die wir nutzten um ein bisschen was von der Stadt aufzuschnappen.

Man merkt ziemlich stark den Unterschied zwischen Cork und der Hauptstadt Dublin. Es herrscht eine ganz andere Art der Geschäftigkeit und natürlich ist es auch um einiges touristischer. Ich habe das Gefühl Dublin ist eine schnelllebige Stadt in der an jeder Ecke etwas passiert. Man entdeckt Musikanten an jeder Ecke und Straßenkünstler die das Pflaster in bunte Kunstwerke verwandeln. Generell ist es sehr farbenfroh … die Fassaden sind gelb, grün, rot und blau, bunte Blumen hängen von den Straßenlaternen und die kleinen Zierbäume leuchten in kräftigen Herbstfarben im strahlenden Sonnenschein… ?????

Um es kurz zu sagen: Dublin ist eine Stadt, die einen schon nach der ersten Ecke in ihren Bann gezogen und um den Finger gewickelt hat! Auf jeden Fall werde ich hier wieder hinkommen, aber dann bringe ich mehr Zeit mit??

In Belfast haben wir uns dann das bekannte Titanic Museum angeschaut. Es war spannend aber nach all den schwärmenden Berichten vorher wurden meine hohen Erwartungen ein wenig enttäuscht. Natürlich war es gut und modern gemacht und ich habe auch einiges gelernt. Insgesamt habe ich mich in diesem Monat wahrscheinlich mehr mit der Titanic beschäftigt als in meinem ganzen Leben zuvor. Erst in Belfast, wo die Titanic gebaut wurde und dann in Cobh wo sie zu Letzt anlegte.

Von Belfast haben wir nicht so viel gesehen und im direkten Vergleich zu Dublin hat die Stadt nicht ganz so gut abgeschnitten. Schön war es aber trotzdem. Am letzten Tag unserer Reise haben wir uns das UNESCO Welterbe den Giant´s Causeway angesehen. Ich weiß auch gar nicht, wie ich es richtig beschreiben kann … ihr könnt es euch vorstellen wie ein großes Steinfeld aus eckigen Steinsäulen. Darauf kann man herum klettern und es führt weit ins Meer hinein. Drumherum sind eine beeindruckende Steilküste und hohe Klippen. Leider war das Wetter erst nicht so gut. Trotzdem haben wir viele Fotos gemacht. Die Steine waren ziemlich glitschig da die Wellen sich an den Steinen gebrochen haben und das Wasser hoch spritzte. Es war auch kalt und windig, doch das war es wert, denn es war einzigartig schön. Mit dem Licht, das schimmernd durch die Wolkendecke schien, dem Klang der Wellen und dem Geruch des Meeres in der Nase war es eine fast schon magische Atmosphäre. Traumhaft schön?

Nach zwei Stunden ging es dann schon wieder zurück. Auf dem Weg haben wir aber noch Halt gemacht bei den Dark Hedges. Das ist eine berühmte Straße mit uralten Bäumen die extra so gepflanzt wurden, dass sie eine Art Tunnel bilden. Dort werden häufig Szenen für ‘Game of Thrones’ gedreht und auch für Filme wie ‘Transformers’. Unser Busfahrer war der irischste Ire den ich bis jetzt kennen gelernt habe: rote Haare, langer roter Vollbart, blasse Haut, Sommersprossen und kräftige Figur. Außerdem war er super lustig und total entspannt. Richtig irisch eben … sogar in einem grünen Pulli??

Dieser Midterm-trip war echt der Hammer und hat sich richtig gelohnt. Es ist schön, ein bisschen mehr von Irland kennenzulernen. Und als wir zurück nach Cork gekommen sind hat sich das schon ein bisschen nach ´Nach-Hause-kommen´ angefühlt. Das zu merken war seltsam und wunderbar zu gleich.

Die Ferien sind jetzt eigentlich vorbei, aber da die Lehrer zu Zeit streiken haben wir noch ein bisschen länger frei. Da das Wetter richtig gut aber auch klirrend kalt ist, ist es super die letzten richtig schöne Tage nicht in der Schule zu verbringen …

So viel zu meinen Erlebnissen hier … wenn ich mich an all die Berichte erinnere, die ich gelesen habe bevor ich hier her gekommen bin, fand ich diese ganzen Beschreibungen von Ausflügen immer nicht ganz so spannend. Viel mehr hat mich interessiert, was in den Leuten vorgeht, die diese Berichte schreiben. Wie ihr Leben ohne die kleinen Beschönigungen aussieht, die man unwillkürlich einfügt.

Ich finde das eigentlich ganz schön unfair. Deswegen will ich auch ganz ehrlich mit euch allen sein. Das hier ist gleichzeitig schwerer und toller als man es sich immer vorstellt. Man vergisst all die traurigen, sehnsuchtsvollen und einsamen Momente mit der Zeit. Zurück bleiben die wunderbaren und leichten Erinnerungen, und doch muss man die blöden Momente erst mal überstehen. Die Einsamkeit ist dabei für mich das schlimmste. Denn selbst wenn du etwas unternimmst und neue Leute kennenlernst, ist es nie so, wie du es von zu Hause gewöhnt bist. Da ist niemand, mit dem du so reden, lachen und scherzen kannst wie du es mit den Leuten tust die du schon seit Jahren kennst.

Da sind jetzt neue Leute, die noch ganz schön fremd sind. Das macht es spannend aber auch einsam.

Es ist echt krass, wie viele Erwartungen man hat. Selbst wenn man sich vorher einredet, dass man die nicht haben sollte. Sie sind doch da. Dabei ist das Problem an Erwartungen, dass sie fast immer enttäuscht werden. Es ist immer wieder traurig, wenn eine weitere Erwartung enttäuscht wird. Und das passiert häufiger als man denkt.

Dafür wird man aber auch überrascht, wenn etwas unerwartet Tolles passiert. Und das passiert auch häufig 🙂

Wie ihr vielleicht herausgehört habt geht es mir hier schon ganz gut. Ich lebe mich immer weiter ein, gewöhne mich an die irische Kultur und den Alltag hier. Trotzdem sind da die Momente in denen ich zweifle, aber das gehört nun mal dazu. Deswegen: Immer nach vorne schauen und nicht den Mut verlieren 🙂 Denn anders geht es ja nicht.

 

Bis nächstes Mal,

Eure Neela