Von Ostern bis Pfingsten – die Zeit rast..!

Ich weiß, dass ich sehr lange nicht geschrieben habe, aber es war einfach keine Zeit dazu und manchmal hatte ich auch nicht wirklich Lust, zu schreiben. In den letzten zwei Monaten ging es wieder einmal ziemlich viel auf und ab, aber ich habe sie genossen und sehr viel Zeit mit Freunden verbracht. Zunächst muss ich euch von meinem einzigartigen Ostern erzählen. Mit einer Freundin bin ich über das Wochenende auf eine christliche Osterfreizeit gefahren und habe so gesehen, dass auch Tschechen gläubig sein können. Die Leute dort waren sehr nett und das Programm hat auch Spaß gemacht. Am Donnerstagabend hatten wir ein jüdisches letztes Abendmahl und am Freitag haben wir richtig streng gefastet und sind den Kreuzigungsweg mit selbstgestalteten Stationen abgelaufen. Samstag war dann schon viel bessere Stimmung und nach einem fast dreistündigen Gottesdienst in der Nacht auf Sonntag (- der nicht einmal langweilig war -) haben wir Jesu Auferstehung mit einem riesigen Bankett, Tanz und Musik gefeiert. Als ich dann Sonntagnachmittag zurückkam, war ich sehr müde und verbrachte den restlichen Ostersonntag alleine, da irgendwie niemand zu Hause war. In Tschechien wird nämlich Ostern erst am Montag gefeiert und das ganz ohne religiösen Hintergrund. Jungen und Männer gehen mit ihren Osterruten von Haus zu Haus, um die Frauen zu schlagen und dafür bekommen sie dann Süßigkeiten oder auch Alkohol. In anderen Teilen Tschechiens (Morava) und in der Slowakei schütten Männer auf Frauen auch Wasser oder Parfüm. Weitere Ostertraditionen sind das aus Teig in einer Form gebackene Osterlamm, das aus Hefeteig bestehende Osterbrot und sehr schön bemalte Ostereier.

Eine Woche nach Ostern sind wir von der Schule aus nach Frankreich in die Provence gefahren und hatten vier Tage lang volles Programm. Die Reise war wunderschön, wir waren in Chateau-Neuf-du-Pape, Avignon, Cannes, St. Tropez, Marseilles und Monaco und gerade fing der Frühling an, wir hatten jeden Tag um die zwanzig Grad und Sonnenschein. Natürlich habe ich für kurze Momente ein bisschen bedauert, dass ich nicht in Frankreich gelandet war, doch als ich dann daran dachte, was ich hier in Tschechien schon alles kennengelernt und gelernt habe und was für gute Freunde ich gefunden habe, schob ich den Gedanken schnell wieder weg. Natürlich ist Frankreich wunderschön, doch ich möchte nichts gegen meine hiesige Erfahrung austauschen. Mit meinem Französisch konnte ich hier und da weiterhelfen und auch im Supermarkt auf die besten Sachen hinweisen:).

Zu den oben erwähnten Erfahrungen zählte natürlich auch dieses Mal wieder Orientierungslauf. Ich hatte wieder Wettkämpfe und habe gemerkt, dass es schon besser ging. Beim einen war ich sogar als neunte von 40 im Ziel, sodass ich beim nächsten gleich für die schwerere Kategorie angemeldet wurde. Die war dann auch deutlich schwieriger und ich muss zugeben, dass ich mich in den vielen Felsen und Abhängen auch verlaufen habe:)… Trotzdem war ich am Ende nicht Letzte und insgesamt hat es wieder superviel Spaß gemacht. Nach dem Lauf haben wir mit Freunden noch eine naheliegende Burg besucht, wo es einen gesenkten Eintritt für die Orientierungsläufer gab.

Hier mal eine Kontrolle, damit ihr euch vorstellen könnt, wie so etwas aussieht:):

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Ein weiteres Erlebnis waren „čarodějnice´´, was am Abend vor dem ersten Mai gefeiert wird. Es wird ein Hexenfeuer angezündet und drumherum gibt es Musikprogramm. Hier haben ein paar lokale Bands gespielt und die Stimmung war echt gut. Wo sie auch gut war, war ein paar Wochen zuvor auf dem „majáles´´, einem Festival, das es einmal im Jahr in jeder größeren tschechischen Stadt gibt. Es haben bekannte tschechische und slowakische Bands gespielt, und obwohl ich weder die Bands noch die Texte gut kannte, habe ich den Abend mit meinen Freundinnen genossen. Was für mich auch ein Erlebnis war, war, dass ich die ganzen Musiker, die ich bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte, auch mal in echt sehen und die Hits, die ich wohl immer mit meinem Auslandsjahr verbinden werde, live hören konnte.

Da ich gerne noch so viel Zeit wie möglich mit meinen Freunden verbringen, noch so viel wie möglich hier in der Umgebung sehen möchte und endlich Frühling ist, war ich noch auf ein paar kleineren Ausflügen. Einmal ging es auf dem neuen Radweg nach Vamberice in Polen zu einer Kathedrale (und wegen ,,Kuhbonbons´´ in den Supermarkt:) ) und ein andermal mit dem Bus nach Náchod zum Schloss und in einen wundervollen Teeladen (sog. čajovna) , in dem man auf dem Boden saß und den Tee in wundervollen Kännchen serviert bekam. Dann war ich noch freiwillig von der Schule aus auf den Spuren des tschechischen literarischen Undergrounds der Siebzigerjahre (als in Tschechien noch Kommunismus herrschte) unterwegs. Es ging um den schon verstorbenen Dichter und Schriftsteller Ivan Martin Jirous und wir sind mit einem richtig alten Bus zu dessen Grab gefahren und haben bei seinen Freunden in einer Art Jugendherberge übernachtet. Diese war allerdings sehr eigen eingerichtet, es waren überall verstümmelte Puppen aufgehängt, Schuhe an der Decke festgeklebt oder alte Bügeleisen im Garten ausgestellt. Die interessanten Personen, die uns willkommen hießen, hatten einen Wohnwagen hoch als Baumhaus zwischen vier Bäumen gestellt, und das nur, weil es in Tschechien noch kein Gesetz dagegen gibt. Abends hatten wir noch ein Konzert von ,,Jimmy Čert´´, der Lieder wie ,,Everybody´s smoking marihuana´´ gesungen hat und am nächsten Tag sind wir voller Eindrücke wieder abgereist. Letztes Wochenende war ich mit Freunden und deren Familien auf einer Hütte, um dort in der Nähe den ganzen Samstag zu raften und am Sonntag noch so einen Ausflug zu machen. Wir haben echt eine schöne Zeit gehabt, viel gesungen, gelacht und geredet und ich war sehr froh, dass ich gefragt wurde, ob ich denn nicht mitmöchte. Die Natur im Adlergebirge, wo wir waren, ist auch sehr schön und wir hatten nach fast einer Woche Regen sogar Glück mit dem Wetter.

Zwei Bilder vom Fahrradausflug nach Polen:

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Hier der Bus, mit dem wir auf der Literaturexursion waren, und ein Teil des Gebäudes, in dem wir übernachtet haben:

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Jetzt freue ich mich darauf, dass in ein paar Tagen meine Mama und meine Schwester kommen und wir unter anderem zum colorrun nach Prag fahren. Ansonsten stehen vor meiner beängstigend schnell näherrückenden Abreise noch Musicalaufführungen, die PostDepartureOrientation mit YfU, ein Tschechisch-Zertifikat, das ich schreiben möchte, eine Klassenfahrt, unser Schulfest und eine Art Abschiedsparty mit Freunden auf dem Plan. Ich bin voller Vorfreude auf meine letzte Etappe und habe mir vorgenommen, die Zeit zu genießen. Vielleicht habt ihr ein bisschen im vorherigen Teil lesen können, dass ich kaum bei meiner Gastfamilie bin und das stimmt auch so, doch ich habe in meinem Jahr hier einfach woanders gute Freunde gefunden. Nicht immer funktioniert es zwischenmenschlich perfekt und meine Gastfamilie sind ganz sicher keine schlechten Menschen, doch wir passen einfach nicht zusammen. Leider kann ich daran nichts ändern und ich bin an meinen Erfahrungen mit ihnen ziemlich gewachsen.

Zum Fast-Schluss noch ein Bild vom Blick auf Broumov, wenn ich in die Schule fahre (gut zu sehen ist in der Mitte das Benediktinerkoster, das erst neulich erneuert wurde und jetzt sehr schön restauriert ist):

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So, schon wieder so ein langer Blogartikel… aber es ist einfach wieder viel losgewesen. Zum Schluss wollte ich heute so als Belohnung für die, die das auch alles gelesen haben, ein Rezept für eine Art kleine tschechische Pfannkuchen aufschreiben, genannt Lívance (Google-Übersetzer sagt dazu auf Deutsch ,,Flapjacks´´, was ich allerdings nicht kenne). Hier folgt es also, leider ohne Bild, sie sehen aber von der Form her wie amerikanische Pancakes aus;).

Man braucht:

350g Mehl, 30g Hefe, einen Löffel Zucker, eine Prise Salz, 2 Eigelbe, 60ml Milch (lauwarm), 50g Haferflocken und Öl oder Fett zum Anbraten.

Zunächst wird die Hefe zerbröckelt zum Zucker, einem Löffel Mehl und ein bisschen lauwarmer Milch dazugegeben. In die übergebliebene Milch lässt man die Haferflocken einweichen und in den Sauerteig gibt man nun Salz und die Eigelbe und abwechselnd mit dem Mehl und ein wenig lauwarmer Milch stellt man einen dickflüssigen Teig her. Wenn dieser ein wenig aufgequollen ist, fügt man die Flocken mit der Milch hinzu, vermischt das Ganze und brät die Lívance in der Pfanne. Diese kann man dann wie Pfannkuchen mit allem Essen, was einem so einfällt, empfehlen kann ich Marmelade und Quark:).

Lasst es euch schmecken und liebe Grüße,

Eure Natalie

Plzeň, orientační běh a víc – Pilsen, Orientierungslauf und mehr

Nach relativ langer Zeit melde ich mich nun endlich mal wieder und es gibt wie jedes Mal einiges, was ich euch gerne erzählen möchte, in knappen mehr als einem Monat passiert ziemlich viel, und ich fange einfach mal so gut wie möglich an, alles der Reihe nach zu erzählen.

Da meine Gasteltern aus gesundheitlichen und arbeitsabhängigen Gründen einen zweiwöchigen Aufenthalt in einer tschechischen Thermalbadstadt, oder wie das richtig heißt, finanziert bekommen hatten, haben meine Gastschwester und ich für die zwei Wochen bei der Gastoma gewohnt. Diese wohnt nur rund einen Kilometer (=ein paar Häuser) weiter und hat sich richtig gefreut, dass etwas los war. Insgesamt habe ich die zwei Wochen sehr genossen, ich habe mich mit den Großeltern super verstanden, habe mich wohlgefühlt und nebenan von ihnen wohnt eine meiner besten Freundinnen. Ich habe mit der Oma gebacken, gekocht und ferngesehen, habe viel Zeit mit den Nachbarn verbracht und das Wetter wurde auch immer frühlingshafter, sodass ich auch mal wieder mein Fahrrad herausgeholt habe. Ich bin irgendwo nach Polen gefahren, und als ich noch kaum mehr richtig wusste, ob ich auch wieder zurückfinde und gerade einen ziemlich langen Berg hochgefahren bin, hat auf einmal ein Fuchs keine zehn Meter vor mir die Straße überquert! An die Rehe und Hasen, die mir beim Laufen begegnen, bin habe ich mich schon einigermaßen gewöhnt, aber ich hatte noch nie einen Fuchs in der Natur gesehen.

Am Wochenende, nachdem meine Gasteltern wieder zurückgekommen waren, bin ich mit drei anderen Austauschschülerinnen nach Pilsen gefahren. In den Wochen vorher hatte ich schon fleißig geplant, was es dort so anzuschauen gibt, und ich glaube, das Wochenende ist wirklich gelungen. Freitag früh sind wir alle losgefahren und haben uns in Prag am Hauptbahnhof (ohne auch nur ein einziges Mal telefonieren zu müssen!!!) getroffen. Danach fuhr unser Zug nach Pilsen und schon auf der Fahrt war die Laune super. In Pilsen selber – der europäischen Kulturhauptstadt 2015 – mussten wir dann erst einmal feststellen, wie klein die Stadt ist – was am Ende dann eigentlich nur ein Vorteil war, denn alle Entfernungen ließen sich zu Fuß zurücklegen und wir haben echt viel gesehen. Nachdem wir dann in unserer interessanten Pension unsere Sachen gelassen hatten (sie war eine der billigsten und sah dementsprechend natürlich auch so aus, aber wir hatten sehr viel Platz auf unserem Zimmer und waren eh nur zum Schlafen und Frühstücken dort), haben wir uns auf den ersten Erkundungsweg in die Stadt gemacht. Nach erstem Museums- und Cafébesuch haben wir uns abends mit einer YFUlerin im Kino getroffen(sie ist gekommen, um zu sehen, dass alles in Ordnung ist). Wir hatten uns auf den Film ,,American Sniper´´ geeinigt, der zwar ein sehr guter Film ist, jedoch gleichzeitig ein ziemlich harter, der mich auch lange danach noch nicht losgelassen hat. Von den Eindrücken des ersten Tages geschafft, sind wir abends für YFU-Verhältnisse sehr früh schlafen gegangen und am nächsten Morgen pünktlich um neun zum Frühstück erschienen. Am Samstag waren wir wieder in einem Museum, dann noch im unterirdischen Gewölbe Pilsens und am frühen Nachmittag haben wir uns mit Austauschschülerinnen von AFS getroffen, die in Pilsen wohnen. Mit ihnen waren wir in einem sehr interessanten Café, das eigentlich wie ein großes Wohnzimmer mit angeschlossener Küche eingerichtet war und in dem wir auch die Schuhe ausziehen mussten. Kaffee und Tee hat man sich selber gekocht, die Kaffeebohnen sogar von Hand gemahlen und man konnte sich in einem großen Kühlschrank, der mit Torten, Sandwiches und vielem mehr gefüllt war, bedienen. Am Ende hat man das gezahlt, was einem der Besuch wert war und nachdem wir uns noch auf der Wand mit Edding verewigt hatten, sind wir zurück in unsere Unterkunft, denn am Abend stand noch ein weiterer Punkt auf dem Programm. Wir wollten noch ins große Theater gehen, wir hatten Karten für das Ballett ,,Anna Karenina´´. Wir haben uns also fertig gemacht, waren noch schön essen und dann sind wir ins Theater gegangen. Die Vorstellung war sehr schön und zur Abwechslung sind wir auf ziemlich viele Touristen getroffen. Diese hatten wir vorher höchstens bei unserer Führung unter der Erde gesehen, doch auf einmal hörte man von überall Deutsch. Sonntag war dann schon unser Abreisetag und nach einem Besuch in einer echt sehr empfehlenswerten Ausstellung (,,Galerie Jířího Trnka´´) fuhr auch schon unser Zug zurück. Als wir schon im Zug saßen, kamen uns Zweifel, ob es denn auch der Richtige ist: in der deutschen Ansage wurde eine ganz andere Nummer durchgesagt, als auf unserem Ticket stand. Also waren wir ziemlich aufgeregt, bis jetzt war schließlich alles so gut gelaufen.. aber die Nummer des Zuges war nur falsch übersetzt worden und wir mussten nur Abteil wechseln;). So ging also unser schöner kleiner Trip zu Ende, wir hatten ganz viel Spaß, haben unglaublich viele interessante Dinge gesehen und erlebt und die Zeit miteinander mal wieder genossen. Hier hänge ich noch ein paar Bilder an:):

Auf dem ersten sin wir vier vor der Großen Kathedrale auf dem Marktplatz, auf dem zweiten vor einem Werbeschild der europäischen Kulturhauptstadt. Auf dem nächsten könnt ihr ein Kunstwerk in einem Park sehen, auf dem vierten sind wir im Pilsner Untergrund un das letzte ist der Blick auf die Stadt und gleichzeitig die Aussicht aus den fenstern unseres Lieblings-Crosscafés. (Crosscafé ist eine tschechische Café-kette, die mindestens genauso gut wie Starbucks schmeckt, aber wesentlich billiger ist.)Tschechien_8_2

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Am nächsten Wochenende gab es wieder Programm: In unserem kleinen Dorf wurde ein Kinderkarneval organisiert, mit anschließender ,,Afterparty´´ für die Größeren. Also bin ich am Freitagabend noch mit Tische und Stühle tragen, Luftballons aufblasen und den Saal schmücken gegangen. Am Samstagnachmittag habe ich dann am Getränkestand geholfen und so vielleicht ein paar Leute angesteckt.. denn zur Afterparty konnte ich schon nicht mehr gehen, sobald wir zu Hause waren, ging es mir nicht mehr gut und den ganzen Sonntag und Montag lag ich nur herum. Jetzt konnte ich nur Daumen drücken, dass das Ganze bis zu diesem Wochenende wieder vorbei sein würde, denn mein erster richtiger Orientierungslauf wartete auf mich!

Und nachdem ich mich die ganze Woche so gut wie nur möglich geschont hatte, mir meine Gastmutter jedoch nie glauben wollte, dass es mir schon besser geht, bin ich Samstagmorgen um halb sieben dennoch mit Freunden los zum Wettkampf gefahren. Das war die allerbeste Entscheidung, die ich hätte treffen können, denn ich habe gestern meinen neuen Lieblingssport erst richtig für mich entdeckt und auf diese wunderbare Erfahrung hätte ich unmöglich verzichten können! Als wir nach zweieinhalbstündiger Fahrt angekommen waren, erlebte ich zum ersten Mal, wie so ein Orientierungslauf abläuft (ja, im wahrsten Sinne des Wortes, aber Spaß beiseite). Zunächst haben wir uns kleine Zettel abgeholt, auf denen die Kontrollpunkte unserer jeweiligen Kategorie genauer beschrieben waren. Als mich mein Trainer dann noch mit Chip (für die Kontrollpunkte) und Kompass ausgerüstet hatte, haben wir uns langsam in Richtung Start begeben. Die anderen, die auch mit mir trainieren, hatten genaue Startzeiten, da sie nicht mehr in der Einsteiger-Kategorie laufen, aber die Mutter einer Freundin ist dann mit mir gelaufen, da sie die gleiche Strecke hatte und nicht wollte, dass ich verloren gehe:). Am Start holt man sich dann erst einmal die Karte ab, auf der die Kontrollen der jeweiligen Kategorie eingezeichnet sind. Mit dieser Karte läuft man dann zum Kartenstart, wo man sich orientiert und dann zur ersten eingezeichneten Kontrolle läuft. Insgesamt lief es bei uns super, wir haben nur bei einer Nummer sehr viel Zeit beim Suchen verloren, aber sonst hat es einfach riesigen Spaß gemacht! Beim Orientierungslauf muss man sich seinen eigenen Weg suchen und das nicht nur auf eigezeichneten Wegen, sondern einfach so im Wald. Wo ich vor einem Jahr nie auch nur auf die Idee gekommen wäre, rumzurennen, war das gestern selbstverständlich und hunderte andere haben das genauso gemacht. Nach ein bisschen mehr als 50 Minuten war ich dann zurück im Ziel, die letzten zwei (von insgesamt zehn) Stationen bin ich sogar alleine abgelaufen. Wir (die Familie einer Freundin, bei der ich mitgefahren bin, und ich) sind nach dem Wettkampf dann noch in die nächste Stadt (Poděbrad) gefahren und haben uns dort noch ein bisschen umgesehen und den Nachmittag verbracht. Abends bin ich einfach nur glücklich nach Hause gekommen und ich freue mich schon jetzt auf die nächste Möglichkeit, einen Orientierungslauf zu laufen und muss mich unbedingt danach in Deutschland umsehen (keine Sorge, beim Hockey bleibe ich!:)).

Auf dem ersten Bild hier könnt ihr einen Teil des Zeltzentrums bei dem Lauf sehen, das zweite Bild zeigt meine Ausrüstung für den Wettkampf und das letzte habe ich im Innenpark der Burg in Poděbrad gemacht, dort waren alle möglcihen europäischen Länder auf Herzen gemalt dargestellt – hier die zwei tschechischen, ein deutsches gab es auch, das Bild habe ich aber eider noch nicht;).

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Heute ging hier schon auf einer Art Ostern los, die typisch tschechisch ist. Da nächsten Montag die Jungen und Männer der Tradition nach dran sind und mit Osterruten von Haus zu Haus gehen, Lieder singen und die Mädchen und Frauen schlagen und dafür dann Ostereier, Süßigkeiten, Kleingeld oder Schnaps bekommen, waren heute wir an der Reihe. Mit Anežka, Šárka, Klárka (Cousine) und Jára (Tante) sind wir in unserem Dorf von Haus zu Haus gegangen und haben ziemlich viele Süßigkeiten einkassiert;). Die Erfahrung war eine ziemlich lustige und ich bin schon gespannt auf nächste Woche.

Auf dem Bild v.l.n.r.: Meine Gastmutter Šárka,  Klárka, Jára und ich – in der ersten Reihe steht noch ein anderes Mädchen aus unserem Dorf, das wir getroffen haben, meine Gastschwester wollte nicht mit aufs Bild. Wir hatten gerade an der Tür geklingelt und nach Schlagen und Singen Süßigkeiten bekommen;).

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Das war mal wieder das Neueste von mir aus Tschechien, ich muss noch anfügen, dass die Zeit einfach unglaublich schnell davonrast und mir noch ziemlich genau drei Monate bleiben, in denen ich schon jetzt ziemlich viel vorhabe. Ich freue mich riesig auf all das, was ich hier noch erleben werde und möchte hier jetzt mal allen danken, die mir das hier ermöglicht haben und mich in nicht so leichten Zeiten immer wieder aufmuntern:)). Danke für schöne Briefe, Päckchen und Nachrichten:). Ich denke, das reicht für heute mal wieder, ich denke, das nächste Mal melde ich mich vielleicht eher, es wird viel zu erzählen geben, denn es steht eine Jugendfreizeit über Ostern, eine Reise nach Frankreich, ein YFU-Treffen mit den Austauschschülern, die in Ungarn sind, und noch einiges mehr auf dem PlanJ.

Mějte se moc hezký a přeju vám krásné Velikonoce,

Natalie

A zase další zkušenosti:) – und wieder neue Erfahrungen:)

Ahoj,
nach ungefähr einem Monat habe ich mich mal wieder hingesetzt und mich daran gemacht, euch das Neueste zu schreiben. Wie immer ist natürlich die Zeit wie im Flug vergangen und ganz viel passiert, sodass ich nicht genau weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht dieses Mal zur Abwechslung nicht chronologisch, denn jetzt die vergangene Woche waren wir mit YFU auf Skikurs im Riesengebirge und davon muss ich auf jeden Fall erzählen. Das Ganze war fünf Tage lang, sodass wir insgesamt drei Tage zum Skifahren und zwei Tage zur An- und Abreise hatten. Gewohnt haben wir in einer Hütte, die ziemlich auf dem Berg war, was die Anfahrt immer etwas kompliziert gemacht hat und wodurch wir wegen dem Schnee hin und wieder ein Auto anschieben mussten. Wir waren zu dreizehnt – sieben Austauschschüler (alle, die zurzeit in Tschechien ihr Auslandsjahr verbringen: drei Mexikaner, eine Thailänderin, eine Kanadierin und mit mir zwei Deutsche) und sechs YFUler (alle Tschechen außer einem Schweizer) – und die Stimmung war wie auf jedem YFU-Treffen wunderbar. Man fühlt sich so verstanden, hat gute Laune und redet, redet und redet.. Die Nächte waren kurz und am Ende waren wir alle ziemlich müde, aber es hat richtig Spaß gemacht. Es war so schön, die nichtdeutschen Austauschschüler Skifahren lernen zu sehen und ihre Begeisterung für Schnee zu teilen:). Wir konnten den Mexikanern, die erst seit vor einer Woche in Tschechien angekommen waren, zeigen, wie eine Heizung funktioniert und dass man sowohl Schnee als auch Eiszapfen essen kann. Noch dazu hatten wir echt wunderbares Wetter, sodass wir das Skifahren genossen haben und noch weitere Zeit draußen im Schnee verbringen konnten. Am letzten Tag kamen wir dann auf die Idee, mit großen Müllsäcken den kleinen Weg zu unserer Hütte hinunterzufahren, weswegen mir seitdem das Steißbein wehtut, ich die ersten Tage danach nur noch liegen konnte und wir auch schon zum Röntgen im Krankenhaus waren. Dank meiner lieben Gastfamilie ist aber alles nur halb so schlimm und ich hoffe, es wird jetzt schnell besser werden.Sonst haben wir aber nicht nur Quatsch gemacht und unsere Sessions bei unserem MidYearOrientation, in denen wir teils Englisch, teils Tschechisch geredet haben, waren richtig hilfreich und haben uns allen wieder neue Kraft dafür gegeben, im Alltag weiterzukämpfen;)). Wir haben festgestellt, dass wir eigentlich alle dieselben Sorgen haben und konnten uns so echt gut gegenseitig unterstützen.

Hier habe ich euch noch ein paar Bilder van der tollen Woche rausgesucht:

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Aber auch sonst habe ich einiges im letzten Monat erlebt. Letzte Woche hatte mein Gastbruder Abschlussball on der Schule aus, auch wenn die Prüfungen eigentlich noch alle bevorstehen. Ich war froh, dass er die Mexikanerin, die auch mit YFU in Tschechien ist, auch eingeladen hatte, und wir hatten alle zusammen einen sehr schönen Abend. Am Anfang haben die verschiedenen Abschlussklassen etwas aufgeführt, die meisten haben getanzt. Danach wurden die Schärpen vergeben, die tschechisch übrigens sehr ähnlich heißen: šerpa ist eine und wir Schärpa ausgesprochen:). Im Laufe des Abends hat dann jeder mal mit jedem getanzt und wir sind auch in den Diskosaal gegangen, wo die jüngeren die Zeit verbracht haben. Der maturiťák, wie die Abschlussbälle heißen, war sehr schön und ein richtig tschechisches Erlebnis, denn wie ich vielleicht schon einmal vorher erwähnt hatte, sind Bälle hier ziemlich wichtig.

Dann war ich neulich mit Freunden im Kino – obwohl die Busfahrt dorthin ziemlich lang war, wollte ich nicht, dass sie endet, wir haben einfach über alles Mögliche geredet, ich war so froh, alles verstehen und mich sogar beteiligen zu können und die Atmosphäre war wunderbar. Der Film war auch sehr schön, er war auf Englisch mit tschechischen Untertiteln, die ich aber glücklicherweise nicht zu lesen brauchte. Denn als wir nicht so lange davor in Englisch „Sherlock Holmes´´ geschaut haben, hatte ich schon gedacht, ich könnte gar kein Englisch mehr und musste mich für mein Gefühl viel zu sehr den Untertiteln anvertrauen;). Nach dem Film waren wir noch Döner essen (ja, auch hier wird das als Döner verkauft;)), was für uns Dörfler etwas sehr besonderes war und ich musste echt schmunzeln, als ich an meine Mittagspausen in Deutschland dachte: Der Dönerladen ist knappe 200 Meter von meiner Schule entfernt:).

Vor ungefähr zwei Wochen haben wir übrigens Halbjahreszeugnisse bekommen und ich war ehrlichgesagt ziemlich stolz auf meins. Klar konnte nicht jedes Fach so ernsthaft bewertet werden (wie Tschechisch oder Deskriptive Geometrie..), aber ich habe insgesamt nur drei Zweien und sonst nur Einsen! Das Notensystem hier ist dem deutschen sehr ähnlich, nur gibt es hier keine 6 und allgemein habe ich das Gefühl, dass man leichter gute Noten bekommen kann als an meiner Schule in Bayern. Trotzdem habe ich mich über mein erstes richtig offizielles Papier, das meine Anwesenheit hier in der Schule bestätigt, echt gefreut:).

Mittlerweile habe ich glaube ich schon genügend verschiedene Situationen erlebt, um ein wenig besser die tschechische mentale Natur beschreiben zu können, also werde ich sie euch so gut wie möglich ein bisschen näher bringen. Anfangs sind Tschechen schon ziemlich kalt, noch mehr als Deutsche und man begrüßt sich auch nur sehr, sehr selten mit einer Umarmung (sogar zu Silvester hat mir meine Gastschwester mit einem Handdruck ein Frohes Neues Jahr gewünscht!). In der Familie ist das etwas ganz anderes, was es für mich, die von der Familie eher als Gast gesehen wird, vielleicht ein bisschen schwerer macht. Doch eigentlich sind Tschechen unglaublich herzlich, offen, interessiert und besonders hilfsbereit, nur dass sie es einfach anders zeigen und etwas schüchterner als Deutsche sind. Wenn das Eis einmal gebrochen ist, fürchten sie sich aber nicht mehr und das führt dann zu sehr schönen Gesprächen. Tschechen sind außerdem richtig gastfreundlich und wir haben oft jemanden aus der Familie oder Nachbarschaft zu Besuch. Doch was mir ziemlich früh noch aufgefallen ist: Man entschuldigt und bedankt sich hier für alles und ich habe mich schon richtig daran gewöhnt, auch wenn es mir manchmal noch etwas seltsam vorkommt. Zum Beispiel, wenn man auf dem Weg zum nächsten Klassenzimmer ist und aus Versehen den Nebenläufer anstößt, kommt prompt eine Entschuldigung. Während ich am Anfang versucht habe, zu versichern, dass es doch nichts macht und nichts passiert ist, entschuldige ich mich nun selber:)… Was besonders bei den ,,älteren´´ Tschechen noch ziemlich präsent ist, sind die Komplexe gegenüber dem achsotollen Deutschland, was mich auch schon in einige Konfliktsituationen gebracht hat. In Deutschland gibt es ja schließlich sehr wohl nicht nur fleißige Schüler, wir kaufen uns nicht alle 4-5 Jahre ein neues Auto und warum sollte denn überhaupt ALLES bei uns besser sein? Bessere Teetrinker sind wir jedenfalls nicht! Ich habe immer gedacht, dass man Tee in England trinkt und frage mich jetzt, warum man das nicht aus Tschechien hört: Eigentlich wird fast immer Tee getrunken, egal zu welcher Tageszeit. Ganz typisch ist auch die Kaffeepause direkt nach dem Mittagessen oder das Hausschuhetragen – die ,,bačkory´´habe ich am Anfang immer überall vergessen.. Jetzt bin ich ganz von der Mentalität abgeschwiffen, aber ich glaube, ich habe eigentlich schon genügend darüber geschrieben:).

Gerade fällt mir nichts mehr weiter ein, ich weiß, dass ich sowieso etwas vergessen habe;).

Přeju vám hezký další měsíc, mějte se krásně a ahoj,

Natalie

Časd utiká! oder: Die Zeit rennt viel zu schnell davon..

Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht: jetzt war schon Weihnachten, die halben Ferien sind herum und bald beginnt das nächste Jahr. Die Weihnachtszeit war leider wenig entspannt, in der Schule war ziemlich viel los, an einem Tag hatte ich drei Konzerte, bei denen ich Klarinette gespielt habe und dazu kam natürlich noch das Geschenkesuchen. Das Letztere betrifft nicht nur meine Gastfamilie und Freunde hier, sondern auch nach Hause habe ich (leider ein wenig sehr verspätet..) ein kleines Päckchen geschickt. Aber Weihnachten hier in Tschechien habe ich insgesamt sehr genossen. Meine Gastmutter hat sich riesig gefreut, als ich zwei Wochen vor Weihnachten die Entscheidung getroffen hatte, an Weihnachten (und den folgenden zwei Feiertagen!) Fleisch zu essen. Nachdem ich zugegeben einige Albträume davor hatte, fiel es mir besonders am Heiligabend selber relativ leicht, Karpfen, Wurst, Schnitzel, Kartoffelsalat und noch einiges mehr mitzuessen. Danach war ich allerdings auch wieder ziemlich froh, darauf verzichten zu dürfen..
Aber ich möchte meine diesjährigen und auf jeden Fall auch einmaligen Weihnachten noch genauer beschreiben, denn es gibt einige tschechische Traditionen, die ich so in Deutschland nicht kannte. In Tschechien kommt „Ježíšek“ – das tschechische Christkind – wie in Deutschland am 24.Dezember abends. Zum Frühstück gibt es selbstgebackene „vánočka“ (ein süßes Hefeteigbrot) und schon morgens ist für eine Person mehr gedeckt. Das gehört hier zu Weihnachten, wir hatten bei jeder Mahlzeit einen Platz mehr gedeckt und eine Portion mehr eingeplant, falls ein Gast kommen sollte. Insgesamt wird über den Tag kaum etwas gegessen, zu Mittag nur eine kleine Suppe, denn man sollte unbedingt zu Abend Hunger haben: hier wird nämlich gesagt, an Weihnachten sollen 9 oder 12 verschiedene Essen auf dem Tisch stehen (die zweite Zahl kommt von den 12 Aposteln, den 12 Monaten…) und so sah das frühe Abendessen dann bei uns auch aus:). Aber davor waren wir noch draußen, um einen kleinen Spaziergang zu machen und den Waldtieren auch ein kleines Weihnachten zu bescheren und ihnen Dinge wie Äpfel, trockenes Brot, Karotten und Ähnliches zu hinterlassen. Zu Abend gab es dann, was sehr typisch ist, Karpfen mit weiteren vielen Essen. Als Zeichen des Glücks lag unter jedem Teller eine Fischschuppe, die man sich danach in den Geldbeutel steckt. Nach dem Essen haben wir dann noch Äpfel horizontal aufgeschnitten, um zu schauen, wie das nächste Jahr wird – wenn beim Aufschneiden das Kerngehäuse die Form eines Sterns hat, wird es gut. So ähnlich galt das auch für die Nüsse, die wir geöffnet haben: wenn sie gesund sind, wird auch das Jahr „gesund“. Zuletzt haben wir halbe Nussschalen in einer Wasserschale schwimmen lassen und dann besprochen, wie sie sich geordnet haben und was das für das nächste Jahr bedeutet. Am Ende gab es dann natürlich Bescherung und unter dem Baum lagen eindeutig viel zu viele Geschenke von meiner Gastfamilie für mich. Ich habe mich natürlich gefreut, hatte aber niemals so viel von ihnen erwartet oder gewollt. Zum Glück hatte ich aber auch etwas für sie und mein schlechtes Gewissen war nicht mehr so riesig;). Nach den Geschenken gab es noch ein zweites Mal Abendessen und später am Abend waren wir zum gemeinsamen Weihnachtsliedersingen noch in der Kirche in unserem kleinen Dorf. Sehr voll war es allerdings nicht und nach einer Stunde waren wir wieder zu Hause.

Auf dem Bild könnt ihr einen Teil unseres Weihnachtsessens nach dem Essen sehen;):

tschechien_6_Weihnachtsessen
In den folgenden zwei Tagen waren wir viel mit der hier wohnenden Verwandtschaft zusammen, wir gingen zu Besuch oder jemand kam zu uns. Es gab weitere Geschenke, es wurde viel gegessen und Eierlikör getrunken. Letzteres wird hier in jedem Haushalt zu Weihnachten selbstgemacht und das in verschiedenen Sorten. Was hier Weihnachten auch sehr prägt, sind „pohádky“, die Märchen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit im Fernsehen laufen. Da es unzählige tschechische Internetseiten gibt, auf denen man sich Filme kostenlos ansehen kann, weiß ich schon, was mich nächste Weihnachten erwartet:). Wir haben teilweise schon über vierzig Jahre alte Filme gesehen, aber ebenso neue; Zeichentrickfilme, aber vor allem normale Spielfilme, aber das Wichtigste: sie waren meistens original tschechisch (ein paar auch aus dem Englischen, wie zum Beispiel „Kevin – Allein zu Haus“, und einer der großen Klassiker („mrazák“) ist aus dem Russischen übersetzt). Was mich gefreut hat, war, dass ich einen slowakischen Film fast genauso gut verstanden habe wie die tschechischen:). Die Sprachen sind sich echt noch ähnlich genug, dass es zwar einige unterschiedliche Wörter gibt, man sich aber gegenseitig verstehen kann. Da wir also einige Zeit vor dem Fernseher verbracht haben, konnte ich mich mal wieder dem Häkeln widmen und habe mir passend zum Winteranfang Handschuhe gehäkelt:). Hier hat es nämlich kurz nach Weihnachte das erste Mal so geschneit, dass der Schnee liegen blieb und ich mich darüber sehr gefreut habe. Von hier aus haben wir es nicht weit zur ersten Piste und wir planen schon das zweite Mal (ja, wir waren sogar schon einmal!) Skifahren.

Von einer weiteren, wenn auch kleineren Feierlichkeit muss ich noch erzählen: von meinem tschechischen Namenstag. Dieser war genau am 4-Monate-Jubiläum, dem 21. Dezember und in Tschechien ist der Namenstag fast so wichtig wie der Geburtstag. Ich habe allerdings nicht einmal gewusst, dass ich an diesem Tag Namenstag hatte und meine Gastfamilie hat mich richtig schön überrascht. Es gab ein paar kleine Geschenke und danach sind wir alle zusammen auf den „Weihnachtsmarkt“ in Broumov, der Stadt, in der ich auch zur Schule gehe, gegangen. Auch der Nachmittag verlief schön und der Tag gehört auf jeden Fall zu einem, an den ich mich gerne erinnern werde.

Da ich diesen Blogartikel ein bisschen in Etappen schreibe, muss ich euch noch von unserem Krakau-Besuch mit YFU erzählen. Wir „Tschechen“, zwei Mexikanerinnen (von denen eine im YFU-Büro arbeitet), eine Thailänderin und mit mir zwei Deutsche, haben uns schon am Tag vorher in Prag getroffen und sind nach knappen zwei Stunden Schlaf am nächsten Morgen um vier aufgestanden, um unseren Zug zu nehmen. In Polen haben wir uns dann mit den jetzigen Austauschschülern in Polen getroffen, die uns auf ihr Mid-Year-Seminar eingeladen hatten. In den drei Tagen in Krakau haben wir Tourismus gemacht, polnisches Essen (wie Piroggen oder Süßigkeiten) probiert und sind auch zu einer mehr als dreistündigen Führung nach Auschwitz gefahren. Allgemein konnte man beim Lesen durch die Tschechischkenntnisse einiges Polnisches verstehen, doch bei Unterhaltungen hat es kaum geklappt! Polnisch ist für mich eine Singsangsprache mit Zischlauten, die sehr seltsam aufgeschrieben werden. Für manche Laute hat man im Tschechischen einen Buchstaben, aber im Polnischen vier… Die Reise war sehr schön, es hat so viel Spaß gemacht, sich mit den anderen Austauschschülern auszutauschen und ich galube, wir haben es alle richtig genossen.

Links: Wir vier „Tschechen“ in Krakau:). Daneben könnt ihr eine tschechische Spezialität sehen, die sich „trdelník“ nennt und man überall in Prag kaufen kann.

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Ansonsten gibt es dieses Mal gar nicht so viel Neues, ich habe mich eingelebt, meine Klasse ist weiterhin einfach super und mit der Familie läuft es auch gut. Inzwischen weiß ich schon meine Rückreisedaten und irgendwie macht mich das schon traurig. Aber ich sollte nicht die Tage zählen, sondern einfach die Zeit hier genießen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich würde das Jahr nicht voll und ganz ausnutzen, aber ich glaube, das gehört vielleicht auch dazu. Insgesamt sitze ich ja wenig auf meinem Zimmer und langweile mich, also kann es so schlimm nicht sein;).

Ich wünsche euch allen, wenn auch ein bisschen verspätet, „šťastný nový rok“ und dass ihr es genießt,
Eure Natalie

Vánoce se blíží:)!

Ja, Weihnachten nähert sich und jetzt ist schon ziemlich viel Zeit vergangen, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe und es ist mal wieder einiges losgewesen. Wir waren mit der Schule auf Ausflügen, Weihnachten nähert sich und gestern hatten wir den Abschlussball des Tanzkurses. In der Gastfamilie fühle ich mich weiterhin wohl, wir verstehen uns gut, doch ich muss mir überlegen, ob ich mein Vegetariertum für das nächste halbe Jahr meiner Gastfamilie zuliebe abbrechen muss. Es ist hier einfach schwerer als in Deutschland und auf Verständnis bin ich noch nicht gestoßen;).

In der Schule ist es super, meine Mitschüler sind echt wunderbar, ich rede viel Tschechisch und lerne so immer was dazu. Trotzdem habe ich manchmal einfach das Gefühl, dass es nicht weitergeht und irgendetwas (sehr Großes;)) zwischen mir und der Sprache steht – dann würde ich am liebsten einfach auf Deutsch losreden und nicht so viel nachdenken müssen. Aber auch diese Phasen gehen vorbei und ich kann mich wieder mitlachen, wenn ich Fehler mache. Zum Beispiel erfinde ich gerne neue Verben, wenn ich das Wort nicht kenne und bilde tschechische Anglizismen oder verlängere einfach das Nomen, was manchmal ziemlich lustig enden kann..

Weil ich in den letzten zwei Monaten zwei Mal in Prag war, sind hier ein paar Bilder:

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Zweimal könnt ihr die Aussicht auf die Prager Burg sehen, einmal vom Dach des Nationaltheaters aus. In der Mitte stehen mein Gastbruder, meine Gastmutter und ich vor dem St.Veits.Dom in Prag.

Die letzte Zeit ist richtig schnell vergangen, jetzt ist schon Advent und ein Drittel meines Auslandsjahres ist schon vorbei..das ist ein bisschen traurig, aber ich bin auch stolz darauf, es bis hierhin gebracht zu haben:). Aber nun zurück zur Weihnachtszeit: Leider ist das Wetter gar nicht schön – kalt, dunkel und regnerisch – aber durch andere Dinge bin ich schon in Weihnachtsstimmung: vorfreudig, gestresst, traurig, aber gleichzeitig auch glücklich und gespannt. Über die wunderbaren Päckchen aus Deutschland habe ich mich riesig gefreut (hier nochmal ein ganz großes DANKE an die lieben Absender!!) und ich hoffe wirklich, dass ich es hinbekomme, etwas zu Weihnachten zu schicken, die Vorbereitungen laufen schon! Von der Musikschule sind zur Zeit oft Konzerte, bei denen ich mit meiner Klarinette mitspielen soll ( ich habe bis jetzt zusammen mit meiner Gastschwester, die singt, unter anderem ein paar Weihnachtslieder performt und mit einem Klarinettenspielkreis sind wir auch schon aufgetreten) und jetzt kommt noch das Weihnachtskonzert der Schule dazu, bei dem jede Musikklasse etwas vorspielt. Da man sich hier zwischen Musik und Kunst entscheiden kann, sind wir nicht so viele in Musik und unsere Vorspielstücke brauchen noch ein bisschen Vorbereitung…

Wenn wir schon bei den Hobbies sind, sollte ich vielleicht mal erklären, was Orientierungslauf eigentlich ist. Wie man aus dem Namen schließen kann, geht es um Laufen kombiniert mit Orientierung. Ich war zwar noch bei keinem Wettkampf dabei, die beginnen dann wieder im Januar, aber es geht darum: Man hat eine Karte, auf der das Gelände, in dem man laufen wird, ungefähr zehn Stationen, die man ablaufen muss und sehr genaue Angaben (wie Hügel im Wald), eingezeichnet sind. Mithilfe dieser Karte und eines Kompasses läuft man die nummerierten und auf der Karte eingezeichneten Stationen der Reihe nach so schnell wie möglich ab. Dabei ist es nicht wichtig, ob man Wege benutzt oder querfeldein durch den Wald oder über Wiesen läuft, Hauptsache man ist schnell im Ziel. Ich bin schon ziemlich gespannt, wie mein erster Wettkampf wird, beim Training laufen wir einfach normal, zurzeit draußen und in der Halle, und sind erst einmal eine Wettkampfstrecke mit Karte abgelaufen.

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Hier eine Karte, wie sie beim Orientierungslauf verwendet wird. Ich hoffe, man kann etwas erkennen…

Weiter oben hatte ich schon die Schulausflüge erwähnt und dazu möchte ich noch ein bisschen mehr erzählen. Ich finde es echt schön, wie oft es hier solche Aktionen mit der Schule gibt. Ich glaube, wir haben hier immer außer im Sommer kürzer Ferien, aber so gleicht sich das echt gut aus. Wir waren in den letzten eineinhalb Monaten in Brno, in Prag und im Theater in Hradec Králové. In Brno, der zweitgrößten Stadt Tschechiens, sind wir auf eine Uni-Messe und in eine Ausstellung über den menschlichen Körper gegangen, in der fast alle Ausstellungsstücke aus echten menschlichen Körpern kamen. Für diesen Tagesausflug musste ich sehr früh aufstehen und wir sind erst spät zurückgekommen, aber es hat sich gelohnt. Die Stadt hat mir echt gut gefallen, denn ich habe hier auf dem Land gemerkt, dass ich nicht so der Dorfmensch bin. Mir gefällt die Natur, der große Garten und dass ich jetzt schon viele kenne, die hier wohnen, aber die Verkehrsanbindung und die Einkaufsmöglichkeiten sind nicht so toll… Dementsprechend hat mir auch unser Pragausflug mit der Klasse gefallen (wieder früh aufgestanden, spät heimgekommen..;)). In der Hauptstadt Tschechiens waren wir nach freier Zeit in der Stadt für eine Führung im wunderschönen Nationaltheater. Im Theater waren wir letzte Woche nochmal, aber dieses Mal zu einer Vorstellung einer Komödie in einer anderen Stadt. Ich habe zwar nicht jeden einzelnen Witz verstanden, aber insgesamt doch mehr, als ich vorher gedacht hatte.

Nun aber zum größten Ereignis, das ich sicher in Erinnerung behalten werde: věneček (bedeutet „Kringel“ bzw. „Kranz“ und in diesem Fall „Abschlussball“ und wird „wjenetscheck“ ausgesprochen). In den Wochen davor habe ich wie verrückt Schuhe gesucht und habe in unserer kleinen Stadt sogar welche gefunden, meine Gastmutter hat zum Glück ein Kleid organisiert und in den Tanzstunden wurde auch schon fleißig für den Ball geprobt. Schon vormittags gingen dann gestern die Vorbereitungen los: Make-Up, Frisuren, noch das Geschenk für den Tanzpartner fertigstellen, Feinstrumpfhosen suchen, Schuhe probieren, sich verrücktmachen, sich wieder beruhigen, Fotoapparat aufladen und hoffen, dass man nichts vergessen hat und alles gut aussieht. Als wir dann alle zwei Stunden vor Beginn des Balls eingetroffen sind, sah es echt aus, als wäre das eine Massenhochzeit – wir Mädchen hatten ja schließlich fast alle lange, weiße Kleider an! Nach Gruppenfoto und letzten Proben ging es dann los und ab da wurde nur noch getanzt. Danach taten uns allen die Füße weh, aber der Abend war richtig schön und auf jeden Fall für mich ein riesiges Stück tschechische Kultur.

Und noch etwas Weiteres zur Kultur, was ich ziemlich interessant finde. Tschechien ist ja noch kein so alter Staat (erst seit 1993 selbstständig und von der Slowakei getrennt) und letzten Monat war der Jahrestag der samtenen Revolution (1989, als der Kommunismus abgeschafft wurde). Die allermeisten Tschechen sind darauf sehr stolz und lieben ihren ersten Präsidenten (er war der letzte Präsident der Tschechoslowakei und der erste Tschechiens)Václav Havel immer noch – sie haben an diesem Tag in Prag ziemlich heftig gegen den jetzigen protestiert und wie jedes Jahr waren sehr viele Kerzen für Václav Havel angezündet. Alle nicht mehr ganz jungen Menschen haben den Kommunismus miterlebt und so haben auch einige Lehrer dazu etwas erzählt. Es war ziemlich interessant, wie sie diese zeit erlebt haben und von der Schule aus haben uns auch Nonnen und Mönche erzählt, wie sie in dieser zeit gelebt haben. Von mehreren Tschechen habe ich übrigens gehört, sie wären heutzutage eine Wirtschaftsmacht, wären die Kommunisten nicht gewesen.

 

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In der Nähe eines Restaurants, wo Václav Havel oft war, wurden wieder viele Kerzen für ihn angezündet.

 

Zu meinen heutige Kulturkommentaren möchte ich noch etwas Kleines hinzufügen;): hier kommt der Nikolaus(Mikuláš) schon am 5. Dezember, er wird von einem Engel(anděl) und einem Teufel(čert) begleitet und die Kinder bekommen auch Süßigkeiten. An Weihnachten kommt übrigens nicht der Weihnachtsmann, sondern Ježíšek, was unserem Christkind entspricht. Das hat mich ein bisschen verwundert, da hier kaum jemand gläubig ist (es ist etwas sehr besnderes, wenn meine Mitschüler auf der Straße eine Nonne sehen oder irgendwer aus der Familie kirchlich geheiratet hat und sie im Gottesdienst waren.). An Ježíšek habe ich, da es da irgendwie so eine Aktion gab, sogar einen Brief geschrieben und jetzt warte ich geduldig auf eine Antwort:).

Ich freue mich jetzt jedenfalls auf Weihnachten, auch wenn ich auch ein bisschen traurig bin, nicht bei meiner Familie zu sein. Ich wünsche euch allen noch eine schöne Adventszeit und veselé vánoce, ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen unterhalten:).

Mějte se hezký,

Natalie