Archiv des Autors: Maxi

Die Zeit läuft ab…

Korea, den 12. Juni 2016

Wieder ist so viel zeit vergangen und in einem Monat heißt es: Aufwiedersehen Südkorea und hallo Deutschland.

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass das Auslandsjahr wirklich wie eine Achterbahnfahrt ist. Jeder Tag ist ein Auf und Ab der Gefühle!

In der einen Sekunde liegt man im Bett und möchte einfach nur nachhause. Man vermisst die Routine, die Sicherheit und die Eintönigkeit des Lebens, dass man in seiner Heimat hatte.

Doch in der nächsten Sekunde will man gar nicht wieder weg. Die Freunde, die Familie, das Essen, die Sprache und noch so vieles mehr.

Ich habe meine Gastfamilie sehr lieb gewonnen und auch in der Schule habe ich richtig gute Freunde gefunden, die ich nicht zurück lassen möchte.

Auch ist mein Koreanisch gut geworden und die peinlichen Stillen sind verschwunden.

Die Vorstellung davon, in Deutschland alles langsam zu vergessen, macht mich wirklich traurig und frustriert mich auch.

Ich könnte jetzt schon wieder eine Träne drücken, wenn ich nur daran denken muss.

Natürlich gibt es den berühmten Spruch: “It’s not a goodbye, it’s a see you later.

Aber auch wenn man zurückkommen sollte, wird es doch nie so sein, wie es in diesem einen Jahr war.

Dies zu realisieren, hilft zwar nicht wirklich gegen die Trauer, aber man lernt die letzten Momente noch richtig zu genießen und auch die kleinsten Ding zu wertschätzen.

In meinem ersten Blogeintrag habe ich mir sehr viele Gedanken über meine Auslandsjahr gemacht. Ich war nervös, aufgeregt und hatte auch etwas Angst vor dem Kommenden.

Ich habe mir die Frage gestellt, wie der Kulturschock aussehen könnte oder besser gesagt, wie er sein wird.

Ich finde aber, dass hier das Wort Kulturschock nicht wirklich passt. Nennen wir es lieber Kulturunterschied.

Erst jetzt in meinen letzten Monaten ist mir aufgefallen, was vielleicht mit der größte Unterschied für mich gewesen ist.

Ich hatte es nie wirklich wahr genommen, da ich viele zu überwältigt von allem Neuen gewesen bin. Und auch sehr auf mich selbst, meine Bedürfnisse und Sorgen, konzentriert war, als dass ich mich um meine Umgebung und die Menschen um mich herum gekümmert habe.

In Korea und generell in Asien ist es sehr wichtig das Gesicht, des Gegenübers zu wahren. Was das heißt, habe ich vor meiner Zeit in Korea nicht wirklich verstanden.

Wenn du zu jemanden nachhause gehst, wird erst sicher gestellt, dass auch jeder damit okay ist. Man geht eigentlich nicht einfach mal spontan zur Freundin nachhause. Meist trifft man sich draußen irgendwo. Geht shoppen, isst viel zu viel oder guckt einen Film.

Wenn es dann doch so weit kommt, dass man zu einem nachhause geht, dann muss es erst mit dem kompletten Haushalt abgesprochen sein. Wenn nur einer etwas dagegen hat oder sich unwohl fühlt, dann wird aus dem Hausbesuch nichts.

Es liegt ein gewisser Druck auf dem Gastgeber, dem Gast es besonders recht zu machen, was schnell in eine unbehagliche Stimmung resultiert.

Des weiteren ist mir aufgefallen, dass wenn besonders ältere Menschen nach der eigenen Meinung fragen, dann ist die wirklich Meinung eigentlich nicht wirklich interessant.

Fragt also jemand: „Wie gefällt dir die Schule? Macht es Spaß?“

Dann sagt man nicht: „Es tut mir leid, aber ehrlich gesagt ist Schule sehr langweilig… Ich habe nichts zu tun und verstehe den Unterricht auch nicht.“

Stattdessen sagt man mit einem höflichen Lächeln: „Ja Schule macht sehr viel Spaß und der Unterricht ist auch sehr interessant.“

In diesem Fall ist eine Lüge, die erwartet wird um das Gesicht des Gegenübers zu waren.

Diese habe ich am Anfang nicht wirklich verstanden, da uns in der Schule beigebracht wurde, unsere Meinung zu sagen und Dinge zu hinterfragen. Doch dies sind Kulturunterschiede, die man verstehen und respektieren sollte. Denn rum zu laufen und zu denken, dass die eigene Kultur die Richtige ist und alles um einen herum falsch ist, ist auch nicht der richtige Weg.

Was auch noch eine Unterschied zu Deutschland ist, ist das Wetter hier.

Denn nun ist es auch schon gefühlt Sommer in Korea.

Der Wechsel vom kalten, kahlen und sehr deprimierenden Winter zum lauwarmen, blühenden Frühling, war wirklich ein sehr schönes Naturschauspiel.

Es blühten überall die Kirschblüten Bäume, was man in Deutschland in dieser From nicht zu sehen bekommt.

Es hingt ein dauerhafter süßlicher Duft von den Kirschblüten in der Luft und das Leben wurde wieder farbenfroher in Korea.

Wie schon gesagt ist es jetzt schon Sommer in Korea.

Die Leute sitzen draußen und man kann im Rock und T-shirt aus dem Haus gehen.

Langsam wird es jedoch sehr schwül hier und die Klimaanlagen werde aufgedreht.

Hohe Temperaturen und sehr hohe Luftfeuchtigkeit machen es nicht gerade zu einem Vergnügen sich draußen aufzuhalten. Doch überleben tut man es trotzdem.

In meinen jetzt 10 Monaten wurde mir oft gesagt, dass ich mich verhalten wie eine Koreanerin, rede wie eine Koreanerin und manchmal auch so aussehen.

Ich glaube, ich kann jetzt wirklich sagen, dass Korea mit all seinen positiven, aber auch negativen Seiten ein Teil von mir geworden ist, denn ich hoffentlich für einen sehr, sehr lange Zeit beibehalten werde. Auch wenn es wieder zurück nach Deutschland geht.

Zwar ist die Zeit noch nicht gekommen, um ein richtiges Fazit über mein Jahr hier in Südkorea zu ziehen, doch trotzdem kann jetzt schon sagen, dass ich sehr viel über mich selbst gelernt habe.

Wie wichtige Respekt gegenüber anderen Mensch ist und was für ein Unterschied ein einfaches Lächeln in der Kommunikation zwischen zwei Menschen macht, auch wenn sie aus zwei sehr unterschiedlichen Kulturen kommen.

Es auch einfach mal machen, als ewig darüber nachzudenken, was passieren könnte oder was richtig oder falsch ist.

Aus Fehlern lernt man, denn man bewegt sich nämlich nicht wirklich vom Fleck, wenn man immer nur darüber nachdenkt: was wäre, wenn?

Ich weiß… Ich als eine 17 jährige mit so viel Lebenserfahrung (sarkasmus) kommt jetzt mit ihren Lebensweisheiten, aber in diesem einem Jahr habe ich so viel erlebt, wie gefühlt in meinem ganzen bisherigen Leben nicht. Ohne übertreiben zu wollen, kann ich hier wirklich sagen: Ich spreche aus Erfahrung.

Alles liebe aus Korea

Maxi

Schon Februar?

Korea, den 13. Februar 2016

9 Quartmeter großes Zimmer. Kommt man rein ein Bett zur rechte, ein Schreibtisch zur linken und ein gut improvisierter Kleiderschrank.

Kann man sich vorstellen, wie mein Zimmer hier in Südkorea aussieht? Im Vergleich zu Deutschland relativ klein, aber es ist sehr gemütlich und was eine 17-jährige braucht, ist vorhanden. Zusammen mit meinen Gasteltern, meiner 14-jährigen Gastschwester und einem kleinen Malteser lebe ich in einem drei- Zimmer Apartment, direkt in der Mitte von Daejeon.

Ich habe jetzt schon die Hälfte meines Austauschjahres hinter mir und die Zeit vergeht einfach viel zu schnell, aber manchmal auch viel zu langsam.

Am 15. August in Korea angekommen, ging es für die erste Woche zu einer Ankunftsfamilie in Icheon. In Incheon befindet sich der International Flughafen und es ist etwa eineinhalb Stunden von Seoul entfernt. Jeden Morgen ging es dann mit einem überfüllten Bus nach Seoul, denn dort hat YFU Korea seinen Hauptsitz. Insgesamt waren wir 5 Austauschschüler. Zwei aus Finnland, eine aus der Niederlande, eine aus Amerika und ich aus Deutschland. Aber nur drei von uns bleiben für ein Jahr. Die anderen beiden, sind im Januar schon wieder nachhause geflogen.

Während dieser Orientation Week haben wir viel über Korea gelernt.  Aber ein großer Wert wurde vor allem darauf gelegt, wie man sich als Austauschschüler richtigverhält. Denn Europa und Asien sind zwei sehr, sehr unterschiedliche Kulturen und dies darf man wirklich nicht unterschätzen! Was für mich vollkommen normal ist und wo ich auch nicht weiter drüber nachdenke, kann hier sehr schnell missverstanden und als unhöflich angesehen werden…

Zum Beispiel war ich mit einer Gastschwester zusammen einkaufen und als ich an der Kasse bezahlen wollte, habe ich das Geld einfach auf den Tresen gelegt. Tja, was ist jetzt falsch? Ich wusste es auch nicht, doch der Kassier und meine Gastschwester haben mich beide leicht verdutzt angeguckt, also musste irgendetwas nicht richtig sein. Nur was? Nach einer gefühlten Minute peinlicher Stille, hat meine Gastschwester mir dann gezeigt, wie es richtig geht. Man übergibt den Geld mit beiden Händen dem Kassier. Das ist ein Zeichen von Respekt und guten Manieren. Wieder etwas gelernt.

Ich bin ehrlich. Als Ausländer hast du hier den so genannten 의국인 Bonus (übersetzt: Ausländer Bonus), wie meine Gastfamilie es liebevoll nennt. Oft bekommt man gewisse Vorteil oder wird ganz anders behandelt, da man ein Ausländer ist. Es muss gesagt sein, das in Südkorea nicht so viele Ausländer leben. Zwar werden es immer mehr, aber wenn man sich nicht gerade in der Mitte von Seoul befindet, sind Ausländer eher eine Seltenheit und besonders bei der älteren Generation sorgt man, als Ausländer für viel Aufregung. Man gewöhnt sich mit der Zeit dran, dass man in der Öffentlichkeit oft angestarrt, angesprochen oder angelacht wird.

So lief es auch in der Anfangszeit in der Schule ab. Jeder wollte etwas mit einem machen. Tausende Telefonnummern und Facebook Namen waren für mich wirklich eine komplette Überforderung. Im Nachhinein bereue ich es sehr, dass ich nicht mehr Koreanisch in Deutschland gelernt habe, denn es hätte den Anfang so viel einfacher gemacht. Das Interesse klingt nämlich auch schnell wieder ab und ohne es zu wollen, wird man schnell einsam und die Stunden in der Schule werden zu einer Qual. Man versteht nichts, man kann mit keinem reden und sitzt einfach nur die Zeit auf seinem Stuhl ab. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass die Schule reinste Zeitverschwendung ist und ich auch nicht wirklich etwas lerne.

Schule ist etwas komplett anderes, als das was ich in Deutschland gewohnt war. Dinge wie eine Schuluniform, kein Make up, kein Schmuck und Haare auf Kinn länge tragen, habe mich in der Anfangszeit sehr verwirrt. Zwar musste ich mir nicht die Haar schneiden, trotzdem hatte ich das Gefühl unterdrückt zu werden und keine Freiheit zu haben mich selbst auszudrücken. Auch ist die Beteiligung während des Unterrichts so gut wie nicht vorhanden. Der Lehrer hält seinen Vortrag vor der Klasse und ob man zuhört oder nicht, ist einem selbst überlassen. Schlafen wird dann schnell eine oft genutzte Alternative zum Unterricht, was aber auch daran liegt, dass die Schüler bis 11 Uhr nachts in der Schule sind und lernen. Zuhause angekommen hört das lernen auch nicht auf… Meist endet der Tag eines Koreanischen Schülers um 2 oder 3 Uhr morgens. Nur um dann morgens um 8 Uhr wieder in der Schule zu beginnen. Zeit für einen Austauschschüler hat eigentlich keiner so richtig, weshalb es wirklich nicht einfach ist, in der Anfangszeit Freunde zu finden.  Natürlich war ich mir vor meinem Auslandsjahr bewusst, auf was ich mich dort einlasse, doch wenn man jeden Tag damit konfrontiert wird, wird einem erst so wirklich bewusst auf was man sich dort eingelassen hat.

An alle die vorhaben ein Auslandsjahr nach Südkorea zu machen! Diese Zeit vergeht! Bei mir persönlich hat es nach drei Monaten irgendwie KLICK gemacht und Koreanisch war auf einmal doch nicht mehr so verwirrend und so unmöglich, wie am Anfang. Und ab dann fing Schule an besser zu werden. Zwar verstehe ich im Unterricht immer noch nicht alles, aber kann mich mit Freunden unterhalten und über Witze lachen. Mit der Zeit kommen Freunde und der Spaß am Alltag.  Auch die Uniform und die ganzen anderen Regeln stören mich nicht mehr… Es einfach eine Frage der Gewöhnung. Für mich ist dies nun Alltag und die Vorstellung dies alles in weiteren 5 Monaten wieder hinter mir lassen zu müssen, macht ich traurig.

Im Moment bin ich hier in Korea wirklich glücklich und Kleinigkeit wie zum Beispiel ein leichte Verbeugung zur Begrüßung oder das Läden jeden Tag in der Woche aufhaben, sind schon so normal für mich, dass ich mir es anders gar nicht mehr vorstellen möchte.

Diesmal aus Korea 😉

Maxi

P.S: Ich werde jetzt auf jeden fall versuchen häufiger zu schreiben!

 

Start ins Unbekannte

Hamburg, den 04.08.15

In genau 10 Tagen werde ich am Hamburger Flughafen stehen, in ein Flugzeug steigen und meine Reise ins Unbekannte starten.

Wenn ich an das Bevorstehende denke, fühle ich Aufregung, Freude, Neugierde und Angst zu gleich.

Meine Reise wird mich in das 8.500 km entfernte Südkorea führen. Genau das Korea, das den bösen Nachbarn Nordkorea hat und das man meist mit den Handyherstellern Samsung und LG oder den Automarken KIA und Hyundai verbindet.

Ein kleiner Fleck auf der Landkarte zwischen China und Japan.

Doch dieser kleine Fleck hat 50 Millionen Einwohner und ist eines der weit entwickeltsten Industrieländern der Welt.

Genau in dieses Land werde ich fliegen und 11 Monate in einer Gastfamilie leben. Wenn ich in Korea angekommen bin, werde ich erst für drei Tage ein Orientation-Camp mit YFU-Austauschschülern aus der ganzen Welt haben und danach in die Gastfamilien gehen.

Ich werde in Daejeon leben, das ungefähr 1 Stunde von der Hauptstadt Seoul entfernt ist und 1,5 Millionen Einwohner hat. Es wird auch das Silicon Valley von Südkorea genannt, weil dort alle großen Technologiefirmen ihren Hauptsitz haben.

Mit meinen Gasteltern und meinen beiden Gastschwestern habe ich schon viel Kontakt. Die Ältere von den beiden, wird für ein Jahr nach Schweden fliegen, während ich in Korea bin.

Ich selbst stelle mir viele Fragen, über die ich mir den Kopf zerbreche, aber noch leider keine Antwort darauf weiß.

Wie wird es in der Gastfamilie sein? Ob ich mich mit ihnen verstehen werde? Werde ich in der Schule zu recht kommen? Werde Ich Freunde finden? Wie wird der Kulturschock sein?

Alles wird neu sein und ich bin neugierig, dies alles kennen zu lernen.

Als ich im Februar auf meiner VBT (Vorbereitungstagung) gewesen bin, war das Auslandsjahr noch so weit weg. Man muss sich das Besprochene erst einmal wieder präsent machen. Jeder der ins Ausland geht oder schon war, hatte irgendeine Form der Vorbereitung gehabt.

Meine fing, wie gesagt, mit der VBT an. Diese eine Woche war etwas besonderes. Dich verbindet etwas mit den Leuten, die du dort triffst. Ihr alle habt das gleiche Ziel und die gleichen Ängste. Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich nur sagen, dass diese Woche einen nachdenklich stimmt und einem auch die Augen öffnet für was mach sich entschieden hat.

Dieses eine Jahr ist eine Chance, die ich und viele andere nutzen wollen.

Zusammen mit einer Freundin, die auch ins Ausland gehen wird, habe ich eine Abschiedsfeier gemacht und viele von unseren Freunden waren da. Es war wirklich ein sehr schöner und irgendwie auch besonderer Abend für mich. Ich habe daran gedacht, was ich bei einer Frage in meiner Bewerbung geschrieben habe.

Warum ich genau nach Korea möchte.

Ich habe geschrieben, dass mich die Kultur und die Sprache neugierig machen und ich das Land erleben und nicht nur davon träumen möchte, dort irgendwann mal zwei Wochen Urlaub zu machen. Ich möchte etwas von meiner Kultur erzählen und die Kultur dort kennen lernen und verstehen. Ich möchte Mitglied einer Familie werden und dort auf eine Schule gehen, denn wie könnte man ein Land und seine Kultur besser kennenlernen, als dort für ein Jahr mit den Menschen zusammen lebst.

Als ich mir dies noch einmal vor Augen geführt habe, ist für mich klar gewesen, dass Südkorea eine Chance ist, die ich nutzen kann und will.

Natürlich wird es auch Zeiten geben, die nicht gerade rosarot und Friede, Freude, Eierkuchen sind, aber Dinge, die auf den ersten Blick total schlecht wirken, können auf den Zweiten doch zu etwas Gutem werden. Also positiv an die Dinge herangehen und sich nicht durch irgendwelchen unbegründeten Ängsten und Zweifel von etwas abhalten lassen.

Wie schon gesagt sind es noch 10 Tage und ich freue mich, dass es nun endlich bald los geht. Zwar muss ich noch meinen Koffer packen, aber das schaffe ich auch noch.

Nächstes Mal dann aus Korea 🙂

Maxi

P.S: Ich habe auch Instagram, falls jemand noch mehr Fotos sehen möchte…

Mein Name ist sora.maxi