Vorweihnachtszeit

Ich hab für YFU Eesti über meine Vorweihnachtszeit ein bisschen berichtet und euch möchte ich das natürlich auch nicht vorenthalten 😉

” Soon is Christmas – and although there is only very little snow outside I have this Christmas feeling, and I can see it everywhere. Last year there was now up to 70cm snow. Most of the people are glad about the missing snow, but I really look forward that it comes :). In the cities of Tallinn and Tartu are Christmas trees and Christmas markets and the streets are illuminated with nice lighting. Also in Jõgeva, where I live to, are the the streets beautifully lighted.

It is a strange feeling not to be „at home with my family“ in Germany and not to celebrate with them. It is my first time without them. But I enjoy this peaceful time together with my second family, who gives me here in Estonia another home. 🙂

Every weekend there is the nice smell of baked cookies or piparkook (gingerbread) in our house and we eat a lot of mandarins. At our last real school-day we had for lunch veriworst (black pudding), which is traditionally eaten at Christmas.

With my folk-dancing group we performed every weekend in December and more. In the Jõgeva culture center, for Christmas parties of the center and in the old people’s home, as entertainment at a couple dancing Christmas competition or at a lot Christmas market with handmades.

In my school we had a Christmas party and the more official Christmas concert at the last school day. There I sang with the school’s choir for my first time. In his final speech the director thanked all the important persons for their contribution and also me personally 🙂

My Christmas package to my family in Germany arrived, their package is on its way. I have bought many beautiful Estonian Christmas cards, which wait to be written now in the holidays, when I have finally time for it. I had a nice time before Christmas and now I look really forward to celebrate the fest of love with my Estonian family and our relations at mamma’s (grannie’s) house. Christmas eve we will go to the church, although we are all not religious, but for the atmosphere.

Right now the music of the famous Estonian musician Raimond Valgre sounds through our house from a original vinyl record player and I feel that Christmas is almost there :)”

Ich wünsche euch allen ein frohes Fest. HÄID JÕULE!

Ein Bericht… :)

Vor zwei Wochen habe ich einen Erfahrungsbericht geschrieben, u.a. für die YFU-FörderInnen meines Osteuropa-Stipendiums 🙂

 

Liebe Förderinnen und Förderer!

 

Ich bin jetzt schon gute drei Monate hier in Estland und ich kann diese tolle Zeit eigentlich gar nicht in Worte fassen. Es ist unglaublich schön, interessant, spannend, aufregend, faszinierend, einzigartig und vieles mehr! Ich lebe in einer klassen Familie und habe schon viele tolle Menschen kennengelernt. Ich konnte Erfahrungen sammeln, die ich zuhause in Deutschland nie so hätte erleben können und es werden mehr folgen. Einiges wird mir wahrscheinlich auch erst später bewusst werden und ich werde es nach meiner Rückkehr verstehen, so kann ich mein Leben lang von meinen Erfahrungen schöpfen. Ich erfahre hier in Estland eine neue Kultur und neue ‘Wege zu leben’, die sich mir nach und nach erschließen. Ich fange an, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

 

Familie & Sprache

Ich bin sehr glücklich in so einer tollen Familie zu leben. Vom ersten Augenblick haben mich alle herzlich aufgenommen und ich habe immer das Gefühl willkommen zu sein. Meine Eltern und meine beiden Schwestern helfen und unterstützen mich wo sie können, damit ich mich gut einleben konnte und mich immer zurecht finde. Wir verbringen viel Zeit miteinander, machen Ausflüge, kochen und backen gemeinsam. Sie erzählen und erklären mir viel über Estland, die estnische Kultur und Geschichte, die oft noch sehr präsent und ‘nah’ ist. Gleichzeitig sind sie auch sehr an mir interessiert und ich kann von meinem Leben in Deutschland und meinen Erfahrungen berichten. Es ist toll wie vertraut man Menschen nach so kurzer Zeit sein kann.

Mit der neuen Sprache klappt es auch schon sehr gut. Ab und zu träume ich auch in Estnisch, allerdings sind das noch sehr einfache Sachen wie „Meine Stadt ist kleiner“ oder „Mir geht es hier super!“. Allgemein sind die Menschen in meinem Umfeld sehr motiviert mir Estnisch beizubringen. Ich lerne viel, aber der beste (und lustigste) Weg ist, einfach so viel wie möglich Estnisch zu sprechen. Dabei merke ich, dass ich jeden Tag kleine Fortschritte mache. Es macht mir sehr viel Spaß und Freude diese neue Sprache zu lernen. Es ist unheimlich spannend eine Sprache zu lernen, mit der ich, so wie die meisten Nicht-Esten, vorher noch nie in Berührung gekommen bin und es ist toll zu beobachten, wie sich mir immer mehr erschließt. Auch wenn einige Wörter vom Deutschen abstammen, klang Estnisch anfangs ungewohnt, vor allem der Buchstabe „õ“ dessen Aussprache angeblich 1837 von Otto Wilhelm Masing als „das Aufstöhnen eines Bauern’s bei harter Arbeit auf dem Feld“ beschrieben wurde. Sonst spricht man im Estnischen allgemein alles so aus wie man es schreibt, so wird Gymnasium Gümnaasium und Physik füüsika geschrieben. Ich bin es aus dem Deutschen gewohnt ‘ei’ wie ‘ai’ auszusprechen. Hier wird ‘ei’ tatsächlich ‘ei’ oder ‘ey’ gesprochen und so kommt es nun vor, dass ich bei deutschen Texten auch ‘ei’ lese und beispielsweise ‘es schneit’ anstatt ‘es schnait’ ‘es schneit’ ausspreche oder denke.

Eine Lehrerin meiner Schule, die ein bisschen Deutsch kann, gibt mit zweimal in der Woche Estnischunterricht. Wenn jemand mit mir Englisch spricht, sagen meine Freunde immer zu dieser Person „Spricht Estnisch!“, denn sie wissen, dass ich das meistens auch auf Estnisch kann. 🙂 Natürlich mache ich noch einige Fehler, so habe ich zum Beispiel in einer Präsentation für Musik über das Schloss Neuschwanstein anstelle von „magamistuba“ (=Schlafzimmer) „magamatuba“ geschrieben, was etwa mit „Zuschlafenzimmer“ übersetzt werden kann. Meine Klasse, meine Lehrerin und ich, nachdem ich verstanden hatte, wieso alle losgelacht haben, waren darüber sehr amüsiert.

Auch sehr lustig war, als wir in der Klasse am „õpetajapäev“ (=Lehrertag, die 12er sind für einen Tag LehrerInnen) das Märchen Rapunzel laut vorgelesen haben. Einige zuerst auf Deutsch und ich habe den Schluss auf Estnisch gelesen, von dem ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel verstanden habe. Allerdings habe ich ein umgeschriebenes Ende bekommen, in dem der Prinz mit Rapunzel durchbrennt. Als ich dann nichtsahnend dieses vorgelesen habe, konnte sich meine Klasse vor Lachen nicht mehr halten.

 

Andere Verhältnisse

Estland ist mit einer Bevölkerung von rund 1,3 Millionen ehr ein kleiner Staat. Die Hauptstadt Tallinn ist mit 400.000 EinwohnerInnen auch die größte Stadt, gefolgt von Tartu mit 100.000. Beide Städte sind sehr schön, und Tallinn ist zur Zeit Kulturhauptstadt Europas. Ich lebe außerhalb der Stadt Jõgeva, die zentral-östlich gelegen ist. Ich war schon zweimal am nahegelegen Peipsi-See, dem 5. größten See Europas, den die Menschen hier manchmal liebevoll „kleinen Ozean“ nennen. Jõgeva hat ca. 6000 EinwohnerInnen und ist somit rund 100-mal kleiner als meine Heimatstadt Dortmund. Ich bin auch ein Kind des Ruhrgebiets und für mich ist es ganz neu ‘auf dem Land zu leben’. Doch ich finde es es sehr spannend diese Erfahrung zu machen und die Strukturen zu erkennen. Es ist unglaublich wie schnell sich Neuigkeiten herumsprechen und wie vielen Menschen ich, die hier erst seit 3 Monaten lebt, auf der Straße begegne. Außerdem genieße ich die Ruhe und die Dunkelheit, die in einer Großstadt nicht zu finden sind.

Da es nicht sehr viele Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche in Jõgeva gibt, läuft viel über die Schule. Es gibt viele Veranstaltungen von SchülerInnen für SchülerInnen, z.B. den ‘Salon-Abend’, für den jede 9er bis 12er Klasse einen kleinen Film gedreht hat; der Schulgeburtstag wird jedes Jahr gefeiert; es gibt Gedenktage oder -wochenende für berühmte Personen, die auf unserer Schule waren, etc. Das bin ich von meiner Schule in Deutschland nicht so gewohnt. Ich gehe einmal die Woche zu unserem Frauenchor und einmal zum gemischten. Meine Sportlehrerin ist auch meine Leichtathletiktrainerin und in der Schule gibt es einen Fitnessraum, der auch nachmittags genutzt werden kann. Außerdem gibt es unter anderem eine Theatergruppe, Volleyball- und Basketballtraining in der Schule und ein Fußball- und Leichtathletikstadion neben der Schule. Das alles bei einer Gesamtschülerschaft von 600, jedoch ist in Estland die Schule für alle zusammen, also von der 1. bis zur 12. Klasse.

 

Die estnische Natur ist beeindruckend!

Ungefähr die Hälfte der Landfläche ist mit Wald bedeckt und auch ich wohne neben einem Wald, in dem ich mit meiner Familie schon Pilze gesammelt haben. Viele Esten essen Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten und auch wir haben Apfelbäume, Johannisbeeren, Erdbeeren, Zucchini, ganz viele Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Paprika. Als es noch etwas wärmer war, waren wir auch Sanddorn und Cranberries pflücken. Es gibt viele Moore und Naturschutzgebiete, von denen wir einige gemeinsam besichtigt haben. Durch die viele (unberührte) Natur ist die Luft immer frisch. Mein Vater weiß durch seinen Beruf sehr viel über den Wald und die Tiere und Pflanzen, die in ihm zu finden sind, und er kann mit immer etwas erklären.

Morgens wenn ich aufwache ist es meistens noch so dunkel, dass ich von meinem Fenster die Sterne sehen kann. Wenn ich dann gemeinsam mit meinen Schwestern und meinen Eltern zur Schule fahre, ist der ganze östliche Horizont von der aufgehenden Sonne orange gefärbt. Bei Sonnenuntergang (zur Zeit gegen halb 5) ist der Himmel rosa-rot-orange. Manchmal bleibe ich dann einfach stehen und genießen dieses farbvolle Naturereignis. Wenn wir abends oder nachmittags gemeinsam nach Hause fahren, gucke ich meistens nur aus dem Autofenster genieße den Ausblick und bin beeindruckt, wie verschieden schön der Himmel zur gleichen Zeit sein kann oder wie leuchtend hell das Firmament ist. Ich habe noch nie so viele Sterne beobachten können und ich sehe die Milchstraße fast jeden Tag! Estland ist sehr flach und nicht sehr dicht besiedelt, wodurch der Horizont immer sehr weit ist und der Blick in den Himmel nicht gestört wird.

Ich finde und nehme ich mir hier die Zeit stehenzubleiben, mich um zugucken, zu beobachten, in den Himmel zu gucken, meinen Blick schweifen zu lassen, den ‘Alltag’ und das ‘Normale’ genauer zu betrachten. Alles ist neu und spannend für mich, und ich weiß ich werde nach meiner Rückkehr auch die Dinge in Deutschland anderes betrachten. Dadurch kann ich meine Umfeld besser kennen und schätzen lernen.

 

Außerdem erlebe ich hier eine neue Sicht auf die Dinge. Hier in der Ferne kann ich die alles anders reflektieren, mein persönliches Leben, aber auch meine Einstellung. Durch die unterschiedlich Geschichte, durch die andere Kultur, durch ein anderes Familienleben, sind hier andere Sachen ‘normal’. Das können so banale Sachen wie Garderoben in Schulen und fast allen anderen öffentlichen Gebäuden, oder die Art und Weise wie „Gute Nacht“ gesagt wird.

Ich habe mein gewohntes Umfeld verlassen und mich auf etwas ganz Neues eingelassen. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache und ersteinmal fremde Menschen. Ich war – und bin es natürlich immer noch – sehr neugierig und erkundungsfreudig und möchte so viel wie möglich sehen und lernen.

Jeder Tag bringt neue Erfahrungen und ist ein kleines Abenteuer für sich.

Jeder Augenblick ist ein ganz besonderer, den ich sehr zu schätzen weiß.

Ich danken Ihnen aus ganzen Herzen, dass Sie mir dieses unglaubliche Jahr ermöglichen!!

 

 

 

 

 

Ich mit meinen Schwestern Heli und Helje (vlnr) am 1. Schultag

Ich, meine Schwester Heli und meine Mutter beim kiicking (schaukeln)

Meine Schwestern Helje und Heli und ich im Sanddornfeld.

 

Helje, Heli und ich vorm Pilze sammeln.

Ein Sonnenuntergang, wie ich ihn fast jeden Tag sehe.

 

Der Peipsi-See mit untergehender Sonne.

Estnische Schule

Hallo ihr Lieben,

nach einiger Zeit werde ich nun mal wieder was von mir hören lassen 🙂 Vor fast 2 Monanten bin ich losgeflogen. Das ist schon eine lange Zeit und manchmal kommt es mir wie gestern vor, dass ich mich von allen verabschiedet habe und in das Flugzeug gestiegen bin. Manchmal habe ich die auch die Angst, dass die Zeit hier viel zu schnell vergeht und ich nicht alles ‘mit- und aufnehmen’ kann. Dann denke ich mir aber, dass ich einfach jeden Augenblich hier genießen soll, dann mache ich für mich alles richtig – und ich genieße jeden Aufgenblick 🙂

An meinen neuen Tagesablauf habe ich mich gewöhnt, in meine neue Umgebung und in meine neue Familie habe ich mich gut eingelebt und vieles kommt mir hier schon sehr vertraut vor. Der neue Alltag fühlt sich gut und normal an. Über einige [kulturelle] Unterschiede muss ich natürlich immernoch schmunzeln und ich endecke mit Freude und Neugier fast tagtäglich neue Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Und das Gefühl ‘angekommen zu sein’, verstärkt sich ebenso.

In der letzten Zeit ist natürlich viel passiert. Vor 5 Wochen hat die Schule angefangen und so sieht mein Stundenplan (plus Freizeitaktivitäten) aus:

Unterrichtszeiten
1. 8.00 – 8.45
2. 8.55 – 9.40
3. 9.50 – 10.35
Mittagessen 1.- . Klasse
4. 10.50 – 11.35
Mittagessen .-9. Klasse
5. 11.50 – 12.35
Mittagessen 10.-12 Klasse
6. 12.55 – 13.40
7. 13.50 – 14.35
8. 14.45 – 15.30

 Esmaspäeval – montags:

1. Inglise keel – Englisch
2. Inglise keel  – Englisch
3. Matemaatika – Mathe
4. Matemaatika – Mathe
5. Eesti keel/kirjandus – Estnisch/Literatur   -> persönliches Estnisch
6. Bioloogia – Bio
7. Geograafia – Erdkunde
8. Muusika – Musik
 
Chor (15.30 – 16.30)
 
Tanzen (17.00 – 18-30)
 
Teisipäeval – dienstags
 
1. Füüsika – Physik
2. Saksa keel/vene keel – Deutsch/Russisch
3. Eesti keel/Kirjandus
4. Joonestamine/Informaatika – das 1. ist im prinzip nur 3-dimensionale Objekte nach einem bestimmten Schema nachzeichen und Informatik ist eigentlich nur im Computerraum sitzen und surfen
5. Ajalugu – Geschichte
6. Matemaatika
7. Filosoof – Philosophie
8. Kehaline – Sport
 
Tanzen (16.00 – 17.30)
 
Kolmapäeval – mittwochs
 
1. Geograafia
2. Kunst – Kunst
3. Matemaatika
4. Joonestamine/Informaatika
5. Inglise keel
6. Vene keel/saksa keel
7. Bioloogia
8. -> vene keel
 
Leichtathletik (17.00 – 18.30)
 
Neljapäeval – donnerstags
 
1. Eesti keel/kirjandus
2. Eesti keel/kirjandus -> persönlicher Estnischunterricht
3. Keemia – Chemie
4. Kehaline
5. Geograafia
6. Ajalugu
7. Matemaatika
 
Tanzen (15.30 – 17.00)
 
Reedel – freitags
 
1. Matemaatika
2. Ajalugu -> vene keel
3. Füüsika
4. Inglise keel
5. Eesti keel
6. Keemia
-> persönlicher Estnischunterricht
 
Leichtathletik (16.00 – 17.00)
 

Wenn was unterstrichen ist heißt das, dass es zwei Möglichkeiten gibt und ich zum Unterstrichenen gehe.

“->” bedeutet, dass ich nicht in den normalen Unterricht mit meiner Klasse gehe, sondern entweder persönlichen Estnischunterricht bei einer Lehrerin habe, die ein bisschen Deutsch kann und mich unterrichten will, oder ich habe in einem Art ‘Extra-Unterricht’ mit zwei anderen Russisch. Jaa, es gibt hier ausschließlich Klassen (auch wenn ich normalerweise das deutsche System mit den Kurswahlen vervorzugen würde, ist der Klassenverband hier für mich eine bessere Möglichkeiten die Leute näher kennenzulernen) und jaa, ich lerne auch noch Russisch 😀 Und ich muss sagen, auch wenn es eine sehr schwere Sprache ist, ist sie trotzdem sehr interessant. Und da ich das quasi zusätzlich mache, stehe ich nicht sehr unter Druck und meinem Estnisch-Lernen kommt es auch nicht in die Quere. Normalerweise müssen alle von meiner Schule ab der 6. Klasse Russisch lernen. Nur in Außnahmen – wenn z.B. jemand hierhinwechselt und vorher anstatt Russisch Deutsch gelernt hat – kann die Person an meiner Schule weiter Deutsch lernen. In meiner Stufe ist das ein Mädchen. Deswegen kann ich meinen Deutschunterricht auch gut zum Estnisch lernen nutzen – sie lernt Deutsch und ich Estnisch.

Im Unterricht selbst verstehe ich natürlich einiges noch nicht – besonderes wenn der/die LehrerIn ausschließlich redet (und der estnische Unterricht ist sehr LehrerIn-Monolog-lastig). Allerdings kann ich mir vieles aus den Mitschriften und Büchern herleiten. Hier werden viele Tests geschrieben, die teilweise echt der Länge und der Schierigkeit mit unseren Klausuren vergleichbar sind. Klausuren und soetwas wie mündliche Mitarbeit gibt hier nicht. Ich versuche alle Tests mitzuschreiben (meistens kann ich so etwa über die Hälfte) und bis jetzt habe ich in Geograafia 5- und 4, in Matemaatika 4, in Keemia 5 und in inglise keel 5, 5 und 4 (wobei hier 5 die beste Note ist und 1 die schlechteste ist 😛 )

Beim Chor war ich bis jetzt zwei mal und auch wenn ich noch viel üben muss, macht es mir Spass. Den Menschen hier bedeutet singen, tanzen etc. sehr viel. Das ist ein grosser Teil der estnischen Kultur und auch während der Sovietbesatzung war das Singen und Tanzen eine der wenigen Möglichkeiten ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen und Protest zu äussern.

Meine Leichtathletiktrainerin ist auch meine Sportlehrerin und das Training kann ich schon als anstregend bezeichen, auch wenn es grade nicht so sehr an den Disziplinen orientiert ist. Ich tanze zusammen mit Heli, meiner älteren Schwester und anderen Mädchen hauptsächlich von meiner Schule. Wir haben drei unterschiedliche Trainings: einmal ehr Mondern, dann Traditionelles und etwas in die Richtung Akrobatik/Experimentel. Ich kann hier viel lernen und es macht mir viel Spass 🙂

 

100 Mückenstiche, 8 Saunagänge, 5 Sternschnuppen -> 2 Wochen später

Ich bin jetzt schon seit 2 Wochen hier in Estland, und vieles fühlt sich irgendwie gewohnt an! Meine Familie ist super nett und gibt mir wirklich das Gefühl, ein fester Teil zu sein. Wenn ich hier morgens aufwache, fühlt es sich nicht komisch, sondern „normal“ und richtig an. Genauso geht es mir, wenn meine Familienmitglieder mich mit „Tere hommikust!“ begrüßen, ich beim Essenmachen helfe oder wir gemeinsam irgendwohin fahren.

Doch erstmal möchte ich erzählen, was ich bis jetzt hier gemacht und erlebt habe:

Von Dienstag (16.08.) bis Samstag (20.08.) hatte ich beim Arrival Camp, welches YFU Eesti für alle nach Estland kommende AustauschschülerInnen veranstaltet hat, u.a. die Möglichkeit ‘die anderen’ kennen zu lernen. Insgesamt sind wir 29 Leute, davon sind 15 aus Deutschland. Die anderen kommen aus Österreich, der Schweiz, Belgien, Moldawien, Thailand, Mexiko, Chile und Australien. Außerdem standen Sprachunterricht, Workshops über das Land und die Leute und verschiedene Spiele auf dem Plan. Abends bin ich mit vielen anderen immer in die Sauna gegangen und wir konnten uns ‘The Singing Revolution’ angucken, ein Film über die estnische Unabhängigkeitsbewegung.

Während des Camps hatte ich das Gefühl, noch ein Stück besser vorbereitet zu werden, die Vorfreude wurde mit jedem Tag noch größer und ich konnte es kaum erwarten, meine Familie dann endlich persönlich kennen zu lernen. Zur Begrüßung wurde ich von allen lange und herzlich gedrückt und ich konnte merken, dass auch sie ein bisschen aufgeregt waren. Wir hatten zwar schon Bilder ausgetauscht und Mails geschrieben, aber dann wirklich vor der Familie zu stehen, mit der ich das nächste Jahr leben werde, ist noch ein ganz anderes und spannendes Gefühl!

Auf dem Weg von Tallinn (also von dem Ort, wo das Camp war, der etwas außerhalb von Tallinn liegt) nach ‘hause’, zeigte mir meine Familie noch einige Sehenswürdigkeiten. So z.B. …, das sind bis zu 15m hohe Steine, die durch die Eisschmelze hierhin getragen wurden und nun im flachen Wald ‘liegen’.

Heli und Helje tanzen beiden in Jõgeva (die nächste Stadt von unserem Haus aus) in einer Tanzgruppe. Letzte Woche fand eine Tanzcamp der Gruppen statt, an dem ich auch teilnehme durfte. Auf dem Programm standen Modern Dance und jede von uns hat einen kleinen Film gedreht. Abends sind wir in die Sauna gegangen. Ich hatte beim Camp sehr viel Spaß und konnte schon einige nette Leute von meiner Schule, dem Jõgeva Gümnaasium, kennen lernen. Und ich habe so schon ein erstes Hobby hier gefunden 🙂

Letztes Wochenende war ich mit Heli und ihren KlassenkameradInnen am Peipsi-See. Das ist der große See zwischen Estland und Russland und zählt zu den 5. größten Seen in Europa. Viele Esten besitzen ein Ferien außerhalb der Stadt, und so wurden wir dahin eingeladen und konnten ca. 20 Meter vom Wasser zelten. Besonderes die Augustnächte hier sind sehr sternenreich und ich habe bestimmt noch nie so viele Sterne gesehen! Sogar die Milchstraße konnten ich erkennen und einige Sternschnuppen beobachten 🙂

Am Montag war ich in Tartu mit meinen Schwestern und issi (meinem Vater). Auch wenn ich noch nicht sehr viel von der Stadt gesehen habe, fande ich sie sehr schön!

Außerdem war ich schon mit meiner Familie und meiner vanaema (Großmutter) Sanddorn pflücken. Meine Familie macht das jedes Jahr, stellt Marmelade daraus her, friert viel ein und hat somit den ganzen Winter was davon.

Im Garten haben wir ebenfalls ganz viel Gemüse angebaut: Gurken, Tomaten, Paprika, Äpfel, Möhren, Zucchini, und ganz viele verschiedene Beeren, diverse Kräuter etc. Wir essen sehr viel von dem Selbst-gepflanzten und ich kann einfach in den Garten gehen, mir eine Gurke, eine Tomate oder einen Apfel nehmen. Es wird außerdem viel eingekocht oder eben eingefroren. Letztes Wochenende haben wir das z.B. mit den Pflaumen gemacht.

Gemeinsame Mahlzeiten sind für meine Familie nicht so wichtig. Jetzt in den Ferien mussten meine Eltern arbeiten und Heli, Helje und ich sind meistens zu unterschiedlichen Zeiten aufgestanden, da haben wir eh nicht zusammen gefrühstückt. Mittags hat dann jemand Essen gemacht, und mal haben wir zusammen gegessen, mal alleine. Beim Abendessen helfen normalerweise alle irgendwie mit. Meistens essen wir zeitgleich in der Küche oder im Wohnzimmer und gucken Fernseh. Wenn dann aber jemand lieber in der Küche anstatt im Wohnzimmer zu essen, ist das völlig okay.

Eine Familientradition ist es aber, jeden Sonntag in die eigene Sauna zu gehen. Das freut mich natürlich 🙂

Estnisch kann ich natürlich noch nicht fließend sprechen. Meistens muss ich noch aufs Englische zurückgreifen. Alle nehmen darauf Rücksicht und ich versuche, soviel Estnisch wie möglich zu sprechen. Meine Familie und die Leute, mit denen ich jetzt schon unterwegs war, sind auch ganz motiviert, mir neue Sachen beizubringen. Ich lerne jeden Tag etwas neues dazu. Bei den ‘besonderen’ Laute brauche ich noch ein bisschen Zeit, bis die komplett sitzen, aber auch hier macht die Übung die Meisterin. Die ‘besonderen’ Laute sind u.a. das „õ“ (wie das ausgesprochen wird, kann ich leider nicht wirklich aufschreiben, es ist aber ein bisschen so wie ein ö, bei dem man grinst), das „ä“ (das wird nämlich nicht so wie im Deutschen ausgesprochen, sondern noch etwas mehr wie ein „e“, was aber auch irgendwie tiefer klingt als normal. Dafür werden im Estnisch viel mehr Fremdwörter so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden: kräm, süstem, oder auch gümnaasium. Und es gibt einige ähnlich Wörter, die mir das Erlernen erleichtern: trepp und Treppe; klaas und Glas; saun und Sauna; kurk und Gurk, um ein paar zu nennen.

So, das war’s erstmal. Gleich gibt es Abendessen und morgen beginnt endlich die Schule. Ich bin schon sehr gespannt, wie das so wird. Ich habe schon viel gehört über meine Schule und das Schulleben, ich kenne zwar einige Leute und bei Facebook wurde ich zur Gruppe von meiner Klasse hinzugefügt, doch grade dieses halbe Wissen über das alles, lässt mich noch gespannter warten. 🙂

Liebe Grüße,

Maarie

PS: an die vielen Mücken habe ich mich schon fast gewöhnt 😉