Archiv des Autors: Lucia

Wie es endet

Vor zwei Tagen bin ich aus meinem Austauschjahr zurückgekehrt und wohne wieder zuhause in Deutschland. Eigentlich fühle ich mich ganz normal, aber ich glaube, ich werde alles erst später realisieren und dann das gesamte Jahr noch einmal innerlich verarbeiten. Trotzdem versuche ich so gut es geht, aus meiner jetzigen Perspektive von dem sehr ereignisreichen und emotionalen letzten Monat in Ungarn zu erzählen.

 

VENEDIG

Unsere letzte gemeinsame YFU-Fahrt nach Venedig war der Anfang vom Ende. Wir Austauschschüler sind total vertraut miteinander umgegangen und man hat richtig gesehen, wie gut wir alle befreundet sind – gleichzeitig war manchmal aber auch schon diese traurige Atmosphäre in der Luft, wenn man weiß, dass sich die Dinge bald ändern werden.

Speziell von Italien bin ich fasziniert. Ich war das letzte Mal mit 6 Jahren dort, aber dann in diesem Sommer gleich zwei Mal, und die Architektur, die Sprache, das Essen, das Wetter, eigentlich alles gefällt mir richtig gut. Ich hätte ja vor einem Jahr nicht gedacht, dass ich Italien (und auch so viele andere Länder) besuchen werde, während ich eigentlich in Ungarn lebe, wobei ich natürlich sehr froh darüber bin. Es  ist ein perfektes Beispiel dafür, wie viele unerwartete Dinge im Austauschjahr passieren – man kann vorher nie so richtig eine Vorstellung davon haben. Deshalb sollte man sich am besten so wenig wie möglich ein Bild davon machen, sondern es einfach ausprobieren und das Abenteuer wagen.

 

SCHULE

Zurück aus Venedig, hatten wir alle noch zwei letzte Schulwochen vor uns, bevor es Mitte Juni in die Sommerferien ging. Dieses Abschiedsgefühl in der Schule – Lehrer und Schüler, die mich fragen, ob ich noch länger bleibe und was ich in Deutschland machen werde – war irgendwie komisch für mich, weil mir die Schule ehrlich gesagt nicht wirklich etwas bedeutet hat. So richtig eng bin ich nämlich leider mit keinem Ungarn geworden (außer meiner YFU-Betreuerin, die nur ein Jahr älter als ich ist) – stattdessen aber mit meinem Klassenkameraden David aus Mexiko, der mein bester Freund geworden ist und mit dem ich in diesen letzten Schulwochen noch so viel Zeit wie möglich verbracht habe.

Zum Ende hin haben alle Schüler noch einmal richtig viel geübt, um sich für die Endjahresprüfungen in den Instrumenten vorzubereiten. Auch ich habe mich für ein paar Tage sehr angestrengt, vor allem weil ich kurz davor in Venedig war und dort keine Möglichkeit hatte, zu spielen. Angesichts dessen bin ich letzendlich sehr zufrieden mit meiner Leistung (es ist wieder eine 4, also das zweitbeste geworden) und auch mit dem gesamten Jahr. Denn auch wenn das Klavier Spielen eigentlich nur ein Hobby ist, war es sehr interessant, einmal tiefer einzutauchen und so viel zu lernen.

Meinem Lehrer habe ich als Danke eine Schachtel Schokolade geschenkt. Auch wenn ich ziemlich lange gebraucht habe, bis ich mich an seine Unterrichtsweise angepasst habe und verstanden habe, was er mir sagen wollte, weiß ich ihn jetzt rückblickend doch sehr zu schätzen, weil ich all die Fortschritte bemerke, die ich auf dem Klavier gemacht habe.

Nach den Prüfungen hatte jede Klasse eine Klassenfahrt – das macht man in Ungarn jedes Jahr, dafür aber meistens nur über eine oder zwei Nächte und innerhalb des Landes. Wir waren nur eine Nacht weg und haben dafür den anderen Tag einen Ausflug in Budapest gemacht, bei dem wir mit dem Sessellift gefahren sind. Danach sind wir dann an den Velence See, den zweitgrößten des Landes, gefahren und haben dort übernachtet. Am ersten Tag sind wir Boot gefahren, schwimmen gegangen und haben abends unsere eigene Gulasch Suppe gekocht (die übrigens  sehr lecker ist, aber nicht an Barbecues herankommt), am nächsten haben wir dann eine Rad Tour gemacht. Die Klassenkameraden waren alle sehr nett und tatsächlich sind David und ich ihnen dort viel näher gekommen, und auch die Klassenlehrerin, die sonst manchmal ein bisschen grimmig und ziemlich streng ist, war gut gelaunt und entspannt.

Am letzten Schultag hatten wir eine Kuchenrunde und die Klasse hat uns eine Fotocollage mit Unterschriften und noch ein paar andere Bilder geschenkt, was sehr süß war. Von der Schule haben wir auch ein provisorisches Zeugnis bekommen. Danach habe ich mich noch mit zwei Mädchen aus meiner Klasse getroffen – ich habe mich gefreut, dass wir uns doch gut verstehen und ich ja vielleicht doch ungarische Freunde habe. Natürlich hält man am Ende nur mit den wenigsten noch Kontakt, aber jede Begegnung beeinflusst einen ja irgendwie, lässt uns wachsen und Erfahrungen sammeln. Und im Austauschjahr hat man eine Menge davon.

 

END CAMP

Kurz nach Beginn der Ferien hatten wir unser letztes YFU-Camp. Wir haben auf das Jahr zurückgeblickt, über Abschied und die Ankuft im Gastland gesprochen – es wurde also versucht, uns auf die kommenden Wochen vorzubereiten. Natürlich kann ich diese Absicht verstehen und halte sie auch für wichtig, für mich persönlich war das Camp aber nicht so hilfreich. Ich habe einfach meine eigene Art, mit schwierigen Situationen umzugehen und hatte bereits vorher Dinge auf meine Weise reflektiert. Außerdem war ich wirklich gar nicht sentimental über meine Rückkehr und ich habe mich deshalb ein bisschen komisch und unter Druck gesetzt gefühlt, weil von allen eine gewisse Trauer erwartet wurde. Das zeigt aber doch, dass jeder anders ist und verschieden auf bestimmte Situationen reagiert – anders Abschied nimmt, einen anderen Kulturschock erlebt, andere Probleme im Austausch hat, einfach anders empfindet. Das Endcamp, die VBTs (Vorbereitungscamps) in Deutschland, die Gefühlskurve im Austauschjahr orientieren sich am Durchschnitt. Das kann natürlich auch hilfreich sein, aber man sollte immer im Kopf behalten, dass es genau so nur bei den wenigsten eintreffen wird, denn jeder ist individuell, und so auch das Auslandsjahr.

Mitten im Endcamp fand die mündliche Prüfung für die Ungarisch Sprachprüfung statt. Ich bin also mittags mit Esther aus Italien (meiner Partnerin) dort hingefahren und abends wieder zurück, und eigentlich ist es gut gelaufen. Wir haben uns über Familienrollen unterhalten und danach noch ein paar Bilder zum Thema Einkaufen bekommen, über die dann jeder selbstständig sprechen sollte. Der schriftliche Teil war bei mir jedoch sehr schlecht wegen Zeitmangel, weshalb ich nicht denke, dass ich bestanden habe. Die Ergebnisse gibt es aber erst in zwei Wochen und bis dahin muss ich mich noch gedulden. Wenn ich wirklich nicht bestanden habe, ist es natürlich schade, trotzdem habe ich die Erfahrungen dann gemacht (ich war vorher noch nie bei einer Sprachprüfung) und außerdem noch einmal vernünftig Ungarisch Schreiben gelernt.

 

ABSCHIED

In der Woche nach dem Camp – meiner letzten Woche in Ungarn – hieß es Abschied nehmen. Wir haben zusammen Enzos (aus Argentinien) Geburtstag gefeiert, bei dem wir in denselben Restaurant gegessen haben, wo wir auch das erste Mal zusammen als Gruppe waren. Später musste ich dann schon Tschüss zu David sagen, der danach noch verreist ist, und auch zu Hanna, die noch einmal aus Deutschland hergekommen ist, um alle zu besuchen. Ab da hätte es eigentlich anfangen müssen, sich so richtig real für mich anzufühlen, aber das hat es nicht. Einmal habe ich noch meine Betreurin ein letztes Mal im wunderschönen Budapest getroffen, um ihr einen Abschiedsbrief gegeben, und einmal war ich mit meiner Gastfamilie im Rutschpark und in unserer liebsten Eisdiele. Das letzte Wochenende habe ich nichts mehr unternommen und stattdessen die Zeit genutzt, um Briefe an alle Austausschüler zu schreiben und ein Fotoalbum für meine Familie zu basteln.

Am Montag, den 24. Juni haben wir uns dann alle am Flughafen getroffen, obwohl nur die Europäer so früh geflogen sind, um aufs YES (YFU European Seminar) Camp in Berlin zu gehen. Auch dort war ich nicht wirklich traurig, sondern eher aufgeregt auf das Kommende, aber trotzdem haben mich all die herzhaften Umarmungen und Abschiedsworte berührt. Es war einfach ein so schönes Gefühl, zu wissen, dass man so viele echte Freunde gefunden hat, obwohl man in Deutschland nie beliebt war. Im Flugzeug habe ich die Briefe gelesen und die Bilder angeschaut, die ich bekommen habe, und auch das Abschiedsbuch von meiner Gastfamilie.

 

YES-CAMP

Dann kamen wir in Berlin an, von wo aus wir mit dem Shuttle Bus aufs YES Camp gefahren sind. Es war so unreal für mich, auf dem Weg überall um mich herum Deutsch zu hören und durch die grün bepflanzten Autobahnen zu fahren. Das Camp selbst war in einem Wald am See, was angesichts des heißen Wetters perfekt war.

Das YES Camp (YFU European Seminar) ist ein 5-tägiges internationales Camp am Ende des Austauschjahrs, das otional angeboten wird und auf dem man über bestimmte, zum Teil politische Themen spricht. Das Thema dieses Jahres hieß „Break the Walls“, was zum Beispiel Krieg, Diskriminierung oder persönliche Schwierigkeiten beinhaltete. Am Vormittag gab es außerdem Reflexionsgruppen mit anderen Austauschschülern derselben Nationalität, um nochmal ein bisschen auf die Rückkehr nach Hause vorzubereiten.

In der restlichen Zeit hatten wir viel Freizeit, um neue Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen (zum Beispiel die Ungarn auf dem Foto) oder vielleicht auch alte Freune, die man schon von irgendwoher (zum Beispiel von der Vorbereitungstagung) kannte, wiederzutreffen. Abends gab es dann immer die YFU Lounge, bei der man Bier kaufen und tanzen konnte. Ich fand das Camp wirklich nicht schlecht, vor alllem auch, weil man so viele Nationalitäten beisammen hatte und es eine besondere Stimmung war, ganz so begeistert wie die Volunteers aus Ungarn war ich (und auch die anderen Austauschschüler, die mit mir dort waren) aber nicht.

 

WIEDERSEHEN

Weil das Camp in der Nähe Berlins stattfand, bin ich mit meinen Eltern noch eine Nacht zum Sightseeing dort geblieben. Sie haben mich am Freitag Morgen abgeholt – das Wiedersehen war emotional, aber irgendwie waren wir noch genauso vertraut wie vor einem Jahr. Wir hatten eine wunderschöne Zeit zusammen, bevor wir dann zurück nach Hause gefahren sind, wo mein Freund, mein Onkel und meine Cousine auf mich gewartet haben. Ich habe mich sehr gefreut, sie zu sehen und auch darauf, endlich wieder in meinem Zimmer sein zu können.

Am Tag darauf, also gestern, hatte mein Vater Geburtstag, weshalb auch unsere restllichen Verwandten zu Besuch kamen. Tatsächlich war es wirklich schön und überhaupt nicht stressig, wie ich es mir eigentlich vorgestellt habe. Im Moment vermisse ich auch Ungarn noch nicht, aber ich weiß natürlich, dass sich das bald ändern kann und bereite mich innerlich schon mal auf alles vor. Abgesehen davon genieße ich jesoch die Zeit hier und freue mich darauf, alles zu machen, zu essen und zu sehen, wozu ich so lange keine Möglichkeit hatte.

 

ABSCHLUSS    

So vergeht also ein Jahr. Es war wohl bis jetzt das Lehrreichste und Beste meines Lebens, und ich hoffe, ich konnte einen guten Einblick in meine Erfahrungen geben, auch wenn ein Austauschjahr – eigentlich alles im Leben – natürlich viel zu komplex ist, um es einfach aufschreiben zu können. Die beste Möglichkeit ist eben, es selber auszuprobieren.

Ich danke allen, die mich auf meiner Reise begleitet haben und wünsche euch, dass ihr eure Träume erreicht, glücklich werdet und euch selbst verwirklicht.

„Was immer du tun kannst oder träumst es zu können, fang damit an.“ ~Goethe

Lucia

Worüber ich noch nicht gesprochen habe

24 Tage verbleiben mir noch als Austauschschülerin in Ungarn, bis ich zurück nach Deutschland gehe – zuerst aufs YFU YES-Camp in der Nähe Berlins, und dann schließlich wieder nach Hause. Über den Großteil meiner Erlebnisse habe ich in meinem Blog bereits geschrieben, in diesem Beitrag soll es deshalb um etwas anderes gehen: um Werte und Gefühle. Das sind Dinge, die man weder kaufen, noch auf Fotos festhalten kann, die dir niemand zeigt oder beibringt, sondern sich mit unseren Erfahrungen und unserem Umfeld entwickeln und verändern.

 

SELBSTSTÄNDIGKEIT

Eine der wohl offensichtlichsten Lektionen, die man im Ausland lernt, ist Selbstständigkeit. Es beginnt schon mit dem Flug alleine in ein anderes Land, das vielleicht zehn oder mehr Stunden entfernt liegt. Okay, in meinem Fall waren es nur zwei, aber trotzdem hatte ich in den darauffolgenden 10 Monaten noch reichlich Dinge, die ich auf einmal alleine erledigen musste. Viele waren banal und eigentlich selbstverständlich, aber trotzdem habe ich vor meinem Austauschjahr nie einen Brief zur Post gebracht, einen Granatapfel aufgeschnitten oder den Trockner bedient, weil sowas in Deutschland immer automatisch meine Eltern erledigt haben. Aber natürlich gab es auch wirklich herausfordernde Situationen, zum Beispiel in der Schule oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Budapest. Man ist eben in einem unbekannten Land und kommt aus seiner Komfortzone heraus, um die Sachen zu lernen, die noch neu für einen sind, aber schon bald immer vertrauter werden.

 

ORGANISATION

Um all die neuen Situationen besser zu verarbeiten und unter Kontrolle zu kriegen, muss man sich strukturieren. Für mich ist der Alltag besonders stressig, da meine Schule wegen dem Musikprogramm bis nachmittags oder abends andauert und ich dann eventuell noch zuhause übe, gleichzeitig aber meine Freunde in Budapest treffen und noch Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen will. Dazu kommen noch Skype-Gespräche, YFU-Organisationen, das Pendeln von Budapest nach Hause und umgekehrt, Lernen für Musiktheorie, Einträge in mein Tagebuch, meinen Blog usw. – das ist eine Menge mehr als Zuhause in Deutschland, und da dachte ich schon, dass meine Wochentage vollgestopft sind. Trotzdem kriege ich alles meistens irgendwie hin, indem ich Termine in den Kalender schreibe und alle Aufgaben, die mir zwischendurch einfallen, in mein Handy schreibe und zuhause direkt erledige. Was mir außerdem geholfen hat, ist eine Tagesroutine: Wenn die täglichen Aktivitäten immer ungefähr denselben Ablauf haben, spart das viel Zeit und Energie, weil man nicht mehr darüber nachdenken muss. Ich habe trotzdem sehr lange gebraucht, um hier eine zu entwickeln und fühle mich erst seit ungefähr drei Monaten richtig vertraut in meinem Alltag – wenn man darüber nachdenkt, ist es ziemlich erstaunlich, nach wie länger Zeit man sich so wirklich an das Gastland und seine Gewohnheiten anpasst.

 

ANPASSUNG

Apropos Anpassung: Es ist der Schlüssel zu allem. Die Hinterfragung der bisherigen eigenen Gewohnheiten und die gleichzeitige Akzeptanz von neuen Verhaltensweisen lässt uns offener und toleranter werden. Aber man muss auch das richtige Maß finden: Sich so sehr öffnen, dass man sich mit seiner Familie versteht, Freunde findet, sich im Gastland wohlfühlt – sich gleichzeitig aber nicht selbst verlieren. Man muss eben für sich selbst entscheiden, welche positiven Eigenschaften der andere Kultur man übernehmen will, wie sehr man sich verändern möchte.

Tatsächlich hat meine Bereitschaft zur Anpassung ständig gewechselt: Es gab Tage, da hatte ich mich in meiner Gastfamilie die schönsten Erlebnisse, und es gab Tage, an denen ich einfach keine Lust hatte, am Familienleben teilzunehmen. Diesen Monat waren wir zusammen in Italien und ich fühle mich dort jetzt so wohl wie nie zuvor – ganz wie zuhause eben. Entgegengesetzt verhält es sich in der Schule: Am Anfang habe ich noch reichlich Smalltalk geführt und war offen zu allen, jetzt habe ich einfach keine Motivation mehr dafür. Manchmal bin ich einfach genervt von der Stimmung in der Klasse, aber ich habe auch meine Leute gefunden, mit denen ich mich verstehe und bin jetzt ganz ich selbst, ohne mich extra nett und aufmerksam zu verhalten. Aber das ist okay, denn man kann eben nicht jedem gefallen und überall hineinpassen.

 

SELBSTBEWUSSTSEIN

Aber wie macht man das überhaupt, ganz man selbst sein? Das ist wohl eine dieser Fragen, die uns unser ganzes Leben lang begleiten werden und auf die man doch keine Antwort bekommt. Ein Stück näher kommt man ihr im Auslandsjahr aber vielleicht trotzdem: man trifft so viele neue Menschen, probiert neue Hobbies aus und ist vielen unbekannten Situationen und Herausforderungen ausgesetzt. In anderen Worten, man wird selbstbewusster. Vielleicht entdeckt man ja sogar eine Welt, in die man besser hineinpasst als in die ursprüngliche.

 

NATIONALBEWUSSTSEIN

Es gibt durchaus Punkte, die mir in Ungarn besser gefallen als Zuhause, zum Beispiel sind die Menschen höflicher und respektvoller und es gibt viel mehr Kultur (Traditionen, Nationalgerichte, auch musikalisches und künstlerisches Interesse). Aber ich bin trotzdem glücklich, in Deutschland zu leben, was mir erst in Ungarn so richtig klar geworden ist. Hier ist nämlich schon einiges schlechter geregelt und läuft nicht so organisiert ab, und die westlichen Länder werden als Vorbilder bewundert. Die deutsche Sprache ist übrigens sehr beliebt und wird von vielen als Fremdsprache gelernt, weshalb sie für mich ebenfalls inzwischen viel schöner klingt.

Ich persönlich hatte während meines Austauschjahres zwar trotzdem nicht wirklich Heimweh, dennoch hat sich auch meine Sicht auf mein Zuhause im Speziellen verändert: Ich weiß es jetzt viel besser zu schätzen, dass ich ein eigenes Zimmer habe, dass meine Mutter jeden Tag kocht oder dass mein Vater alles, was ich ihm in die Hand drücke, reparieren kann. Auf diese Dinge freue ich mich schon, wenn ich in vier Wochen zurückgehe.

 

FERNBEZIEHUNG

Außerdem freue ich mich auf das Wiedersehen meines Freundes. Ich kann mir vorstellen, dass viele andere in der Situation sind, in der ich vor einem Jahr war, deshalb möchte ich ein bisschen über meine Fernbeziehung schreiben. Für meinen Freund und mich stand immer fest, dass wir uns nicht trennen werden, sondern versuchen, die Zeit zu überstehen, solange ich im Ausland bin. Und es hat funktioniert, auch wenn manchmal Zweifel aufkamen. Denn es gab Phasen, in denen die Gefühle für den anderen ziemlich in den Hintergrund gerückt sind, doch schon bald darauf wurden sie wieder durch Zeiten ersetzt, in denen man sie deutlich wahrgenommen und den anderen vermisst hat. Alles in allem lief es viel besser und harmonischer als ich dachte – ich bin stolz, dass wir er geschafft haben. Natürlich ist es nicht die Lösung für jeden, zusammenzubleiben: Wenn man sich wegen der Fernbeziehung nicht richtig auf sein Auslandjahr konzentrieren kann, weil man die ganze Zeit streitet, macht es durchaus Sinn, sich fürs erste zu trennen – dasselbe gilt auch dafür, wenn man sich wegen der Beziehung eingeschränkt fühlt. Wichtig ist nur, dass man immer ehrlich bleibt und über die jeweiligen Vorstellungen spricht. Ich würde es jedenfalls immer erst einmal versuchen und dann sehen, wie beide damit zurechtkommen. Auf keinen Fall würde ich wegen dem Partner aufs Ausland verzichten – denn wenn die Fernbeziehung nicht funktioniert, hätte es das wahrscheinlich auf lange Sicht genauso wenig. Und ein Austauschjahr ist schließlich eine große persönliche Entwicklung mit lauter unvergesslichen Erfahrungen.

Lucia

Ostern

Der April war ein ereignisreicher Monat, ich war viel mit YFU und meiner Gastfamilie unterwegs und wir hatten Besuch von Luna und Hanna, die nur ein halbes Austauschjahr in Ungarn gemacht haben. Es waren schöne, aber auch stressige Erlebnisse, weshalb die Ferien zu Mitte des Monats genau richtig kamen – dort hatte ich viel Zeit zum Entspannen und gleichzeitig auch einen Einblick ins ungarische Osterfest.

 

VELENCE

Anfang des Monats war ich mit meiner Gastfamilie zum zweiten Mal im Wellnesshotel, diesmal im Ort Velence, der direkt an einem See liegt. Meine Familie in Deutschland würde nie auf diese Weise den Urlaub verbringen, deshalb war es eigentlich ganz schön für mich, die Erfahrung zu machen. Das Zimmer und das Essen waren sehr gut, die Pools waren aber nur im Innenraum und nicht im Freien. Insgesamt war es sehr schön, aber nicht wegen den Wellnessangeboten, sondern weil ich viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht habe.

 

DEBRECEN

Das Wochenende danach habe ich mit anderen Austauschschülern in einer ländlichen Gegend in der Nähe der Stadt Debrecen verbracht. Dort fand ein YFU-Workshop statt, bei dem wir ungarische Schüler getroffen und gemeinsam einige Dinge unternommen haben: Wir haben ein paar Spiele gespielt, waren Eis essen, in einem Thermalbad (von denen es in Ungarn relativ viele gibt) und hatten abends noch zwei kleine Feiern zusammen.

Wir waren auch auf einem Roma-Festival, allerdings nur wir Austauschschüler, weil viele Ungarn den Sinti und Roma ablehnend gegenüberstehen und man Probleme vermeiden wollte. Ich persönlich fand es aber spannend, die besondere Musik dort zu hören und auch ein paar Fakten zu der Kultur mitzukriegen – schließlich hat man in Deutschland überhaupt keine Berührungspunkte damit.

Gewohnt haben wir kostenlos in den Schlafsälen der Schule und das Essen wurde für uns im Jugendzentrum zubereitet. Es hat gut geschmeckt und war immer etwas Traditionelles, was ich gut fand, denn so habe ich noch ein paar neue typisch ungarische Gerichte kennengelernt. Nur von der Menge her war es wirklich viel zu viel (das ist übrigens auch typisch ungarisch) und ich war nach dem Wochenende wirklich pappsatt.

Auf dem Weg nach Hause haben wir uns noch in Debrecen umgesehen. Die Stadt ist zwar die zweitgrößte Stadt Ungarns, aber war trotzdem klein und idyllisch und sah ein bisschen so aus wie gemalt. Es war sehr schön, aber ich bin doch froh, dass ich weder dort noch auf dem Land wohne, sondern in (bzw. in der Nähe) der großen lebhaften Hauptstadt.

 

SCHULE

Zurück in Budapest, hatte ich noch eine Woche Schule vor mir. Naja, zwei davon waren eigentlich gar keine richtigen Schultage: Am Montag war „Diáknap“ (auf deutsch „Schülertag“), den es in Ungarn an jeder Schule gibt und bei dem Spiele gespielt und kleine Theaterstücke aufgeführt werden. Und am Freitag war Kammermusiktag, ein Konzerttag also, bei immer zwei bis fünf Instrumente etwas zusammen vorgespielt haben. Es waren zwar ein paar ungewöhnliche und interessante Kombinationen dabei, die ich vorher noch nie gehört habe, so wie zum Beispiel Harfe und Saxophon, aber ich bevorzuge doch lieber Instrumente im Solo, wo sie nach meiner Meinung besser zur Geltung kommen.

Pünktlich zum Schulende habe ich mein Ungarischbuch durchgearbeitet – stattdessen lese ich jetzt einfachere Bücher wie „Alice im Wunderland“ in der Landessprache. Es fühlt sich gut an, die Sprache endlich so erlernt zu haben, dass man sein Umfeld – Gespräche in der U-Bahn, Nachrichten im Radio, Plakate auf der Straße – ohne Anstrengung verstehen kann, und auch das Sprechen klappt jetzt ziemlich flüssig. Am Ende des Austauschjahres möchte ich auf jeden Fall die angebotene Sprachprüfung in B2 versuchen, um meine Ungarischkenntnisse für mich selbst (und wer weiß, für was es sonst nochmal gut sein könnte) festzuhalten.

 

FERIEN

Dann waren Ferien (an meiner Schule ein paar Tage früher als an den meisten anderen:) ), und gleichzeitig kamen auch Luna aus Belgien und Hanna aus Deutschland nach Budapest. Besonders über Hannas Besuch habe ich mich gefreut, weil wir uns im ersten Halbjahr hier sehr gut angefreundet und viel zusammen unternommen haben. Aber ehrlich gesagt hat mich ihre Rückkehr auch etwas nachdenklich gemacht: Immerhin wohnt sie in Deutschland und wir haben die Möglichkeit, uns oft zu besuchen, aber was ist mit den anderen Austauschschülern aus Mexiko oder Thailand, oder mit meiner Gastfamilie? Abschiede sind weder schön noch leicht – das war die allererste Lektion des Austauschjahrs, als wir uns am Flughafen von den Leuten verabschieden mussten, die wir eigentlich nicht in unserem Leben missen wollen. Bald werden wir diese endlich wiedersehen, aber dafür auch erneut Abschied nehmen müssen von so vielen anderen Menschen, die einem hier wichtig geworden sind. Und nicht nur von Menschen muss man sich trennen, sondern auch von der Schule, vom Essen, und von Budapest.

Letzteres ist mir besonders nochmal durch die Reise nach Prag mit YFU bewusst geworden: Obwohl die tschechiche Stadt sehr schön und touristisch war, hat mir bei gedanklichen Vergleichen oft die ungarische Hauptstadt besser gefallen. Es wird wohl immer so etwas wie mein zweites Zuhause bleiben, in dem ich mich besser auskenne als dort, wo ich tatsächlich augewachsen bin – denn wenn die Zeit begrenzt ist, will man sie so gut ausnutzen wie möglich und viel unternehmen, während man im Heimatort die Attraktionen, die es zu bieten hat, gar nicht richtig zu schätzen weiß. Das Austauschjahr hat mir damit eine wichtige Lektion über Zeitnutzung und außerdem auch viel Tatendrang mitgegeben, um meine Lebensweise zu reflektieren und an Gewohnheiten zu arbeiten.

 

OSTERN

An Ostersonntag wurde ich von meiner kleinen Gastschwester Hanna geweckt, damit wir auf der Terasse die Ostergeschenke suchen konnten, die mein Gastvater vorher dort versteckt hatte. Ich fand es süß, dass für Fanni und mich auch noch etwas dabei war, obwohl wir ja eigentlich nicht mehr wirklich zu den Kindern gezählt werden können.

Später am Vormittag kam meine Gastoma noch vorbei, danach waren wir zusammen im Kino und haben uns den Animationsfilm „Royal Corgi – Der Liebling der Queen“ angesehen, der lustig und einfach zu verstehen war. Mit der Mischung aus Popcorn, Schokohasen und den verschiedenen Gerichten, die meine Gastmutter für die Feiertage gekocht hat, war ich dann definitiv für die nächsten drei Tage noch gut gefüllt. Eier, die für mich eigentlich definitiv zum Fest dazugehören, gab es bei uns aber überraschenderweise keine, und außer meiner Gastoma, die nur ein paar Straßen weiter wohnt, haben wir auch niemanden aus der Familie getroffen. Ich denke deshalb, Ostern hat keinen so großen Stellenwert für meine Gastfamilie, aber das kann ich deshalb natürlich nicht über das ganze Land behaupten, das ja eigentlich christlicher als Deutschland ist.

Ein traditonell ungarischer Brauch mit heidnischer Herkunft ist es übrigens, dass die Jungen die Mädchen an Ostermontag mit einem Eimer Wasser begießen (oder heutzutage auch mit Parfüm besprühen), damit sie nicht „verwelken“ und ihre Fruchtbarkeit, Gesundheit und Schönheit erhalten bleibt. Im Austausch und zum Dank dafür sollen sie dann ein buntes Osterei erhalten. Auch mein Gastvater hatte (im Gegensatz zu uns Frauen im Haus) sichtlich Spaß daran, uns ein bisschen mit Wasser aus einer Sprühflasche zu besprühen. Inwiefern dieser Brauch sinnvoll ist und die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann fördert, kann natürlich angezweifelt werden, aber schließlich hat man in jedem Land ein paar alte Gewohnheiten, die nicht mehr in die Werte der heutigen Zeit passen. Ich fand es jedenfalls sehr interessant, mal etwas aus Ungarn zu erfahren, was man in Deutschland überhaupt nicht hat, und hoffe auf weitere Eindrücke dieser Art in den verbleibenden zwei Monaten.

Lucia

Frühling

Eigentlich ist es erstaunlich, wie groß der Einfluss des Wetters auf unsere Stimmung ist. Der Wechsel vom Winter in den Frühling ermöglichte Spaziergänge in T-Shirt und Jeansjacke, Eisdielen-Besuche mit meiner Gastfamilie, Kaffee und Kuchen im Freien, und Joggingrunden und Picknicks im Park. Die Sonne, die morgens durch mein Fenster scheint, die Blumenbeete und grün werdenden Bäume, die milde Abendluft in den Straßen von Budapest – all das weckte mich aus meinem mürrischen Winterschlaf und brachte mich dazu, mich aufs Neue in die wunderschöne Hauptstadt Ungarns zu verlieben.

 

AUSFLÜGE

Und so kam es, dass ich in diesem Monat alles erkundet habe, was ich in Budapest noch so sehen wollte, wie zum Bespiel eines der berühmten Thermalbäder (unten im Bild), die große Markthalle, das Terrormuseum oder den Zoo.

Ich war auch im Parlament, was als Ausflug von YFU angeboten wurde, im Sissi-Schloss in der Stadt Gödöllö (unteres Foto), und mit meiner Gastschwester Fanni noch einmal im historischen Buda-Viertel. Ich habe mich bei allem zum Teil wirklich ein bisschen wie ein Tourist gefühlt, aber auf der anderen Seite war auch alles ganz vertraut – eben wie zuhause.

 

KONZERTE

Auch in der Schule gab es Änderungen zum Winterende. Da klassische Konzerte bevorzugt in der kalten Jahreszeit stattfinden, hatten wir Anfang März unseren letzten Chorwettbewerb. Und obwohl die Proben wirklich schlecht waren, haben wir den überraschenderweise gewonnen, was nicht nur Preisgeld, sondern auch eine sehr glückliche Lehrerin einbrachte. Auch mit der ganzen Schule waren wir im letzten gemeinsamen Konzert der Saison. Es war ein sehr eindrucksvolles Finale mit einem großen Orchester, einem noch größeren Chor und sehr professionellen Solosängern. Aber natürlich ist die Zeit der Vorführungen nicht vorbei – bald stehen stattdessen wieder eigene Auftritte an.

Außerdem war ich noch mit meiner YFU-Betreuerin, Esther aus Italien und David aus Mexiko auf einem Indie/Rock Konzert der ungarischen Band „Esti Kornel“, was mir sehr gut gefallen hat. Ich muss tatsächlich sagen, dass mir die ungarische Musik sogar besser gefällt als die deutsche. Ich würde mich also definitiv freuen, wenn ich ein solches Erlebnis wiederholen könnte 🙂

Zuletzt war ich auch im Theater, was mein Geburtstagsgeschenk an Esther war, und wir haben das Musical Én, József Attila (auf deutsch „Ich, József Attila“) geschaut. Der Protagonist, nach dem auch das Musical benannt ist, ist ein berühmter ungarischer Dichter, dessen Biographie in dem Stück nachgespielt wurde. Es war sehr gut gemacht, aber ich musste mich schon ziemlich konzentrieren, um die Handlung zu verstehen. Es war einer von diesen Momenten, in denen ich mir gewünscht habe, Ungarisch wäre meine Muttersprache – aber das ist dann auf der anderen Seite ja auch eine gewisse Motivation zum Weiterlernen.

 

SKIFAHRT

Eine Unterbrechung hatte die Frühlingsstimmung dann doch – und das war die viertägige Skifahrt in der Slowakei, die von YFU organisiert wurde. Aber ich war gerne bereit, in der Hinsicht eine Ausnahme zu machen, denn es war eine wirklich schöne Reise. Ich war eine von denen, die vorher noch nie vorher Ski gefahren sind, aber der Leiter und die anderen Austauschschüler haben uns natürlich geholfen. Es war eine gute Erfahrung, und die gemeinsamen Tage haben uns als Gruppe noch einmal näher zusammengebracht.

 

GESPALTEN

Aber um so besser man sich mit den Austauschschülern, der Gastfamilie, den Klassenkameraden versteht, umso besser man Ungarisch spricht und sich in Budapest auskennt, desto mehr nähert sich der Zeitpunkt der Rückkehr, der auf einmal nicht mehr unendlich weit weg, sondern erschreckend nah erscheint. Natürlich ist das Gefühl dabei nicht nur negativ: Man freut sich auf Familie und Freunde, auf das eigene Haus mit eigenen Regeln, auf die Muttersprache um einen herum, auf das Leibgericht von Mama, und tatsächlich auch auf einen anständigen Döner vom Türken um die Ecke. Aber auf der anderen Seite denkt man an all das, was einem hier fehlen wird. Und das ist eigentlich auch ein bisschen positiv, denn dadurch wird man dankbar für das, was man erleben darf, und nutzt seine Zeit so gut wie möglich aus, um die noch kommenden drei Monate unvergesslich zu machen.

Lucia

Normalität

Eigentlich ist diesen Monat gar nichts Ungewöhnliches passiert – zumindest aus meiner jetzigen Perspektive: Wäre der Februar mein erster Monat im Austauschjahr, wäre natürlich noch alles neu und unbekannt, aber weil ich nun ein halbes Jahr hier bin, ist mir doch schon so Vieles vertraut. Ja, das meiste hat tatsächlich ein Gefühl von Normalität erreicht, dadurch, dass ich mich an meine Gastfamilie, meine Schule und an die ungarische Kultur angepasst habe. Aber natürlich habe ich trotzdem, wie eben auch gelegentlich im normalen Alltag, einige neue Erfahrungen gemacht:

 

SCHULE

Ich weiß nicht genau, was sich geändert hat, aber für dieses Halbjahr hat mein Klavierlehrer weit mehr mit mir geplant als im letzten und mir fünf neue Stücke gegeben. Mir gefällt das sehr gut, ich habe endlich den Druck, den ich anfänglich von dieser Schule erwartet hatte, und bin jetzt viel motivierter beim Üben. Ich bemerke auch immer mehr die Fortschritte, die ich im Vergleich zum Anfang des Austauschjahres gemacht habe.

Mit dem Chor hatten wir außerdem wieder einen Auftritt und der war in der Liszt Ferenc Akademie – die Universität für Musik in Budapest, von dem berühmten Komponisten persönlich gegründet. Der Konzertsaal war sehr sehr schön, mit vielen Statuen und goldenen Verzierungen ausgestattet, und es war ein ehrenhaftes Gefühl, dort vor so vielen Menschen auftreten zu dürfen. Ich hoffe natürlich, dass unsere Performance hinsichtlich dem Anlass gut genug war, jedenfalls schien aber die Dirigentin sehr zufrieden mit uns.

Meinen Vorsatz von Januar, sich mehr in die Schule zu integrieren, konnte ich übrigens auch in die Tat umsetzen: Ich habe mit ein paar Mädchen zum ersten Mal gesprochen und war zwischen den letzten Proben mit Lili und Katinka aus meiner Klasse zusammen essen, wodurch wir uns wieder etwas näher gekommen sind und ich auch viele lustige Geschichten über meine anderen Klassenkameraden gehört habe.

 

GASTFAMILIE

Ein anderer Vorsatz war es, mehr Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen, was sich diesen Monat mehr oder weniger von selbst ergeben hat: Wir waren zusammen in einem Thermalbad (für die ist Budapest sehr bekannt) und bei einem Skikurs, weil im nächsten Monat die YFU-Skifahrt stattfindet. Und ein Wochenende bin ich komplett zuhause geblieben, was sehr entspannend war und mir Gelegenheit gegeben hat, viele Dinge zu erledigen, die ich schon lange machen wollte, aber nicht geschafft habe. Und ich habe angefangen, auch mit Fanni nicht mehr auf Englisch, sondern auf Ungarisch zu reden, was sich zwar noch sehr merkwürdig anfühlt, aber woran wir uns beide hoffentlich schnell gewöhnen werden.

 

AUSFLÜGE

Ansonsten war ich, was auch schön war, viel mit Freunden unterwegs: Abgesehen vom Gym, Kino und Essen gehen war ich zwei Mal in Ungarns zweitgrößter Stadt Szeged (auf dem einen Bild der Dom) – einmal, um Kenyas Geburtstag nachzufeiern, und einmal auf einem klassischem Konzert in wunderschönen Theater der Stadt (zweites Bild).

Dann hatte noch Esther Geburtstag, den wir Austauschschüler auch zusammen gefeiert haben, und vorher haben sich noch die Leute aus dem Musikprogramm getroffen und wir haben ein bisschen gemeinsam musiziert, bzw. jeder hat den anderen etwas vorgespielt. Ich fand es sehr interessant, die Fähigkeiten der anderen zu sehen – es hat mir bewusst gemacht, wie froh ich bin, dieses Programm gewählt zu haben und die Musik für dieses Jahr als zentralen Teil meines Lebens bezeichnen zu können. Und auch wenn sich das bei meiner Rückkehr ändern sollte, ein Teil von mir wird sie immer bleiben und durch mein Austauschjahr ist mir das erst recht deutlich geworden. Ich blicke also gespannt auf die verbleibenden Monate hinaus und versuche, noch so viel neues Wissen (und Können) zu gewinnen, wie ich kann!

Lucia