Archiv des Autors: Linda

Danke.

Sziasztok barátaim!

Mittlerweile bin ich seit einem Monat zu Hause und hab mich auch schon wieder  eingelebt. Aber zwischen diesem und dem letzten Blogeintrag ist ja noch einiges passiert, was ich euch natürlich nicht vorenthalten will.

In der Schule hatten wir ein Konzert, an dem jeder teilnehmen durfte, der wollte. Ich bin drei Mal aufgetreten: Einmal mit meiner Klasse, mit der wir zwei Lieder gesungen haben, dann mit einem Freund als Flötenduo und einmal alleine mit meiner Ukulele, wo ich dann „Gute Nacht, Freunde“ von Reinhard Mey gesungen hab. Vorher hab ich den Zuhörern kurz erklärt, warum ich mir das Lied ausgesucht hatte und hab ihnen den Refrain übersetzt (bei der Stelle mit der „Zigarette und dem letzten Glas im Steh’n“ gab es lautes Gegröhle von den Zehntklässlern :D) und das Ganze ist echt super angekommen, was den Abend zu einem der schönsten Erlebnisse meines Austauschjahres macht. Auch ein paar der Zwölftklässler haben ein Lied gesungen, das relativ bekannt ist in Ungarn, ich verlink euch mal hier meine Aufnahme.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=-BMlEgdvt7Q[/youtube]

Am 15.7. hatten wir dann noch évzáró, das ist eine Art ‚Feier‘ wo jeder, der in dem Schuljahr etwas besonderes geleistet hat, etwa einen Wettbewerb gewonnen oder besonders gute Noten, eine Urkunde bekommt und vor der ganzen Schule geehrt wird. Da ich ja auf ein katholisches Gymnasium gehe, hatten wir vor der eigentlichen Veranstaltung noch einen Gottesdienst, so hat das Ganze dann zweieinhalb Stunden gedauert und war ein bisschen langweilig. Ein paar aus meiner Klasse waren kitűnő, also ‚herausragend‘, was heißt, dass sie in fast jedem Fach eine fünf haben und ziemlich gute Schüler sind. Nach der Schule war ja eigentlich geplant, dass wir noch für vier Tage mit Dóri nach Kroatien fahren, aber das mussten wir leider ausfallen lassen, da das Wetter so mies war. 

In der  letzten Woche in Ungarn hatten wir noch ein Camp, wo wir über die Wiedereingewöhnung zu Hause gesprochen haben. Außerdem waren die zukünftigen Austauschschüler aus Ungarn auch dabei, also die, die im August in ihre Gastländer starten. Ich fand das eine super Gelegenheit, um sie kennen zu lernen und noch mal neue Freundschaften zu knüpfen, bevor es nach Hause ging. Da habe ich auch noch mal Viki getroffen, das Mädchen, das wir als nächstes aufnehmen werden 🙂 Nach dem Camp habe ich dann noch einen Tag in Budapest bei einer Freundin verbracht, wir waren shoppen im West End (ein riiiesiges Einkaufszentrum beim Westbahnhof) und auf der Margit sziget (eine Insel in der Donau, mitten in der Stadt). Nach einem schönen Tag bin ich dann wieder nach Szeged gefahren, um die letzten paar Tage mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Am Mittwoch vor dem Abflug hatte ich mit einer Freundin verabredet, dass wir in ein Café gehen und dort einen Kaffee zusammen trinken, stattdessen hat sie mich in die Wohnung eines Freundes geführt, wo alle meine Freunde auf mich warteten!

In Szeged musste ich dann ja auch mal anfangen zu packen, also habe ich meinen großen grünen Koffer vom Dachboden geholt und überlegt, was ich auf dem YES brauche und was ich schon vorher nach Hause schicke. Ich sag lieber nicht, wie viele Pakete ich schicken musste, das ist ein bisschen peinlich ._. Und ich musste am Flughafen trotzdem noch auspacken, weil mein Koffer drei Kilo Übergewicht hatte, obwohl ich ihn in Szeged noch gewogen hatte. Den restlichen Kram musste meine ungarische Mutter mir dann hinterherschicken, das war immer noch billiger, als das Übergepäck zu bezahlen. Und dann ging es auch schon los, zurück nach Deutschland! Unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Zusammen mit den anderen ATS bin ich nach Berlin geflogen, von wo aus wir dann mit einem Bus nach Werbellinsee gefahren wurden – der Ort, an dem das YES jedes Jahr statt findet. Ich muss sagen, so toll, wie alle immer sagen, fand ich das YES jetzt nicht, liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich einfach kein Partytier bin. Ich hab noch ein paar neue Leute kennen gelernt, alte Bekannte wieder getroffen (hallo VBT-ler :D) und dann ging es am ersten Juli auch schon wieder nach Hause. YFU hatte Busse organisiert, die nach Hamburg, Leipzig, Hannover, Düsseldorf und München (hab ich einen vergessen?) fuhren. Von da aus musste man dann selber sehen, wie man nach Hause kam, aber da mein Vater mich abgeholt hat, war das kein Problem.

Und ja, da bin ich jetzt seit einem Monat. Zu Hause. In meinem Zimmer, in meinem Bett und schreibe diesen Eintrag, der wohl der letzte sein wird. Denn mein Abenteuer ist vorbei, aber eure, liebe Blogger, starten erst noch. In diesem Sinne: DANKE an meine Eltern, die mir das Jahr ermöglicht haben, DANKE an meinen treuen Leser (ja, die gibt es) und DANKE an meine Familie in Ungarn, die mich für ein Jahr aufgenommen und wie ihr eigenes Kind behandelt hat. Danke.

Linda

Szeged, Salat und Sentimentalität

Hallo Leute,

nach über vier Monaten melde ich mich mal wieder. Entschuldigung, dass ich mich so lange nicht gemeldet hab –  die Zeit verging so schnell und ich habe erst gar nicht realisiert, dass ich mal einen neuen Blogeintrag schreiben müsste 😀 Seit dem letzten Eintrag ist einiges passiert: Wir waren in Pécs (eine Großstadt in Südwestungarn), Budapest, auf dem höchsten Berg Ungarns.. Aber am besten fange ich mal von vorne an.

Wie gesagt waren wir in der Nähe von Pécs, ungefähr Mitte Februar. Da haben wir dann Bekannte meiner Familie besucht, die Zwillinge bekommen haben – sehr süß. Danach habe ich mich mit einer ATS aus Mexiko getroffen, mit der ich ziemlich gut befreundet bin und wir hatten einen super Nachmittag, an dem wir die Umgebung von Harkány (das ist das Dorf, in dem sie wohnt) ausgecheckt haben. Eine Woche später kam dann eines der Highlights meines Austauschjahres: Wir sind nach Budapest gefahren und haben uns da das Phantom der Oper angeguckt, das zu meinem absoluten Lieblingen zählt. Ich fand es super nett von meiner Familie, dass sie dafür die Tickets organisiert hatte, denn obwohl sie im Vergleich zu den deutschen relativ günstig waren (ca. 20 Euro pro Person), ist das immer noch viel für eine ungarische Familie, weil die Leute hier einfach viel weniger verdienen. Hier findet ihr Bilder von den atemberaubenden Kostümen und Kulissen.

Anfang März war dann mein Geburtstag, wegen dem eine gute Freundin, die auch ATS aus Deutschland ist, für eine Woche zu mir nach Szeged kam. Wir hatten Glück, weil genau in der Zeit auch der eine Turm des Szegediner Doms geöffnet war, so dass wir dann hinaufgestiegen sind. Die Aussicht war unglaublich –  das Wetter war einfach super!

[singlepic id=742 w=320 h=240 float=]

Die Aussicht über Szeged in Richtung Stadt

[singlepic id=743 w=320 h=240 float=]

Der Dom von vorne

Die Zelte vor dem Dom gehörten zu einer Ausstellung zur Erinnerung an das Hochwasser von 1970, wenn  ich das richtig in Erinnerung hab.

In die gleiche Woche fiel auch der Frauentag. Am Frauentag ist es in Ungarn üblich, dass die Mädchen von den Jungs Blumen geschenkt bekommen. Die Jungs aus meiner Klasse haben dann jedem Mädchen eine Blume gegeben und waren an dem Tag noch höflicher als sonst 😀

Ungefähr zwei Wochen später kamen dann ca. 10 Deutsche aus Brühl in der Nähe von Köln an unsere Schule, um an einem einwöchigen Austauschprogramm teilzunehmen. Als ich mich ihnen vorgestellt und erzählt hab, dass ich seit August in Ungarn lebe, wollten sie es zuerst gar nicht glauben! 😀 Ich hab dann an ihrem Stadtbesichtigungsprogramm teilgenommen und bei Verständnisproblemen übersetzt, was ein ziemlich gutes Gefühl war. Wir hatten dann ein paar schöne Tage zusammen, und jetzt im Mai sind die Ungarn für eine Woche bei ihnen in Brühl gewesen.

Außerdem war natürlich Ostern, was in Ungarn mit der Familie gefeiert wird. Zum typischen Essen am Samstag vor dem Ostersonntag gehören Salat, Schinken und Eier. Die ganze Familie trifft sich, wobei jeder etwas mitbringt (zum Essen) und alle unterhalten sich und feiern. Am Ostersonntag selbst gehen dann alle gemeinsam in die Kirche und es gibt dann entweder Lamm oder Hase, das kommt auf die Vorlieben der Familie an. Am besten gefallen hat mir die ‚locsolás‘, also das ‚Begießen‘ der Mädchen und Frauen durch die Männer mit Wasser oder Parfüm. Die männlichen Verwandten und Freunde kommen mit Wasser, sagen ein Gedicht auf und begießen das Mädchen dann ein bisschen, was ihr Schönheit fürs nächste Jahr bringen soll. Als Belohnung bekommen sie Schokolade, Geld oder auch einen Kuss auf die Wange.

Im April hatten wir Osterferien, und da meine Familie sehr reiselustig ist (also wirklich sehr, sobald sie Freizeit haben, packen sie die Koffer und setzen sich ins Auto), sind wir in den Norden von Ungarn gefahren: ins Mátra-Gebirge. Da sich dort auch der höchste Berg Ungarns, der Kékes mit 1015 Metern, und die Stadt Eger befinden, wurde der Ausflug natürlich für ein bisschen Sightseeing genutzt: Schließlich muss ‚a német kislány‘ (das kleine deutsche Mädchen) alles sehen, was Ungarn zu bieten hat! Versteht mich nicht falsch, ich freu mich natürlich darüber, aber manchmal sind sie (die Ungarn) wirklich sehr patriotisch. In Eger stehen die Überreste einer von Ungarns wichtigsten Burgen. Wie ihr vielleicht wisst, haben die Türken im 16. & 17. Jahrhundert für 150 Jahre in Ungarn geherrscht, was man auch heute an den teilweise aus dieser Zeit erhaltenen Gebäuden sieht. Bis die Türken wirklich die Übermacht in Ungarn hatten, gab es einige Schlachten bei den verschiedenen Burgen Ungarns, bei denen die Ungarn meisten verheerende Verluste erlitten. Eine Ausnahme bildet die Schlacht von Eger im Jahre 1552, wo die Ungarn gegen eine Übermacht von Türken siegten. Gárdonyi Géza (auf deutsch würde man Géza Gárdonyi schreiben, aber auf ungarisch schreibt man die Namen umgekehrt) hat darüber das Buch ‚Egri csillagok‘, die Sterne von Eger geschrieben, welches bis heute sehr beliebt ist in Ungarn und außerdem zur Pflichtlektüre in den Schulen zählt. Ich habs auch gelesen, es ist ganz interessant, aber auch ziemlich patriotisch. Die Burg ist jedenfalls nicht soo gut erhalten, aber dafür gibt es noch Tunnel unter der Erde, in denen sich die Soldaten aufhielten. Sie haben uns demonstriert, wie es war, als Teile der Burg über den Tunneln eingefallen sind (wenn ich das richtig verstanden und in Erinnerung habe :D) und die Soldaten dadurch in den Tunneln eingeschlossen waren – ohne Licht, nur mit den Kampfgeräuschen über ihn. Es war ziemlich beeindruckend.

[singlepic id=745 w=320 h=240 float=]

Der Stein auf dem Gipfel des Kékes

[singlepic id=746 w=320 h=240 float=]

Links sieht man Teile der Burg

Danach, gegen Ende April, waren wir mit YFU in Prag – das war absolut eines der Highlights meines Austauschjahres. 17 ATS, zwei Teamer, ein Fremdenführer und ein Busfahrer. Wir sind für 4 Tage unterwegs gewesen und es war super. Prag ist eine wunderschöne Stadt, die zu besichtigen sich auf jeden Fall lohnt! Unterwegs haben wir noch in Bratislava und in Lednice angehalten und dort für jeweils zwei Stunden Sehenswürdigkeiten besichtigt. Als wir in Prag waren, haben wir am ersten Tag eine Stadtbesichtigung gemacht, die allen gut gefallen hat, aber leider ein bisschen lang war – das hätte man besser einteilen können. Aber es hat sich natürlich gelohnt. Wir haben uns die Prager Burg mit dem St-Veits-Dom, die Karlsbrücke, einen Park, den Judenfriedhof und die alte Synagoge und noch weitere Bereiche der neueren Stadtteile angeguckt. Und natürlich Prager Bier probiert 😀

Als ich dann wieder in Szeged war, ging es nach einer Woche auf Klassenfahrt, welche uns noch mal nach Pécs führte. Es war ziemlich cool, für mehrere Tage so mit meinen Freunden zusammen zu sein, auch wenn es am ersten Abend so super kalt war, dass sich die meisten erkältet haben. Auf dem Weg nach Pécs haben wir in Mohács angehalten, ein Ort, bei dem im Jahre 1526 ca. 24000 Ungarn gegen die Türken gefallen sind. Da standen ziemlich viele ‚Säulen‘ aus Holz, in die Gesichter und Muster geschnitzt waren. Ein Mann hat uns für ungefähr anderthalb Stunden herumgeführt und die Führung war ziemlich langweilig (‚Wir Ungarn sind fürs Vaterland gestorben, der Türke hat uns angegriffen, unser tapferer König Lajos II. …). Aber das restliche Programm der Klassenfahrt ging klar, so dass es sich gelohnt hat, mitzukommen.

Seitdem ist nicht viel passiert. Der Alltag beherrscht mein Leben und es ist nicht mehr alles so aufregend und spannend wie noch im September. Ich habe noch ungefähr 30 Tage hier in Szeged, wir werden noch einmal ans Meer in Kroatien fahren und dann gibt es noch ein YFU-Camp, bis zum 13.6. hab ich noch Schule, außerdem gibt es noch eine Ungarisch-Sprachprüfung, auf die ich mich vorbereiten muss… Ich bedauere einerseits, dass meine Zeit hier zu Ende geht, aber andererseits möchte ich auch nach Hause, da meine Familie, meine Freunde, mein Hund mir alle fehlen. Und ich weiß, dass ich gleichzeitig hier Familie und Freunde zurücklasse, Leute, die mir sagen, dass ich doch noch ein Jahr bleiben soll, die mit mir lachen und mich mögen, obwohl wir einander zuerst fremd waren. Aber ich weiß, dass ich irgendwann zurückkommen werde, auch wenn ich den Zeitpunkt noch nicht kenne.

Bis dahin,

sziasztok barátaim, majd írok

Linda

 

Külföldön gyorsabban megy az idő!

Sziasztok barátaim,

vielleicht hab ihr es schon an der Überschrift gemerkt, aber mein Ungarisch verbessert sich langsam! Das heißt auf Deutsch ‚Im Ausland vergeht die Zeit schneller‘ und trifft im Moment absolut auf mich zu. Seit ein paar Tagen ist über die Hälfte meiner Zeit hier in Ungarn vorbei und ich will es nicht wirklich wahrhaben, weil ich hier mittlerweile wirklich mein zweites Zuhause gefunden habe. Ich streite mich mit meiner Schwester und eine Stunde später umarmen wir uns wieder, ich spreche endlich gut genug Ungarisch, um mich mit meinen Eltern unterhalten zu können, ohne alle 30 Sekunden ein Wort nachzuschlagen/-fragen. Und ich genieße mein Leben und meine Zeit hier in vollen Zügen.

Was mir an meiner Schule super gut gefällt, ist, dass sie sich wirklich für die Schüler interessiert. Sie ist eher klein, dafür kennt aber auch jeder jeden. Wir haben zum Beispiel von der Schule eine Karte für das Theater hier in Szeged bekommen, für die wir einmal 3000 Forint (ca. 10 Euro) bezahlen mussten. Dadurch habe ich schon 3-4 Theaterstücke zusammen mit ein paar Freunden und meiner Schwester gesehen. Außerdem organisiert die Schule regelmäßig Wettbewerbe für die Schüler, z.B. in Erdkunde oder einen Gedichtwettbewerb. Jeden Morgen vor der ersten Stunde haben wir 10 Minuten zusammen mit unserem Klassenlehrer, in denen wir über den Tag sprechen, ob wir einen Test schreiben, es wird sich gemeinsam gefreut, wenn jemand eine gute Note bekommen hat… Generell gefällt mir die Klassengemeinschaft hier super. Es wird zusammen gehalten, es gibt kaum Grüppchenbildung und man kommt eigentlich mit jedem klar.

Ich wollte auch noch was zum ungarischen Weihnachten erzählen. ‚Weihnachten‘ heißt auf Ungarisch karácsony, was ich viel schöner als das deutsche Wort finde, weil es irgendwie ‚weihnachtlicher‘ klingt. Im Voraus haben meine Schwester und ich jeder einen Adventskalender selbst vorbereitet, mit kleinen Socken und einem langen Nylonfaden. Das hat in meiner Familie (der ungarischen) Tradition und ich glaube, ich werde die übernehmen. An Weihnachten selbst kam dann reichlich Familie und es gab mal wieder reichlich essen. Danach kam kis Jézuska, also der kleine Jesus und hat die Geschenke gebracht. Ich hab von meiner Gastfamilie eine riesige Tasse bekommen, weil ich mich immer darüber beschwert hab, dass ihre Tassen zu klein sind 😀

Im neuen Jahr sind Helga und ich dann drei Tage zur Schule gegangen und danach nach Österreich gefahren, um dort Ski zu fahren. Für mich war es das erste Mal im Gebirge, also bin ich die ersten Tage staunend durch das Dorf, in dem wir waren, gelaufen, und hab die Berge bewundert. Beim Ski fahren habe ich mich dann grandios blamiert, indem ich mich vor Publikum abgelegt hab – nicht grade eine meiner Glanzstunden 😀 Aber die Zeit in Österreich war wunderschön und seitdem verstehe ich mich auch super mit meiner Schwester.

[singlepic id=630 w=320 h=240 float=]

 

Nach einer wunderbaren Woche in Österreich sind wir dann zusammen nach Esztergom gefahren, eine Stadt, die nördlich von Budapest ganz nah an der Grenze zur Slowakei liegt und nur von der Donau vom anderen Land getrennt wird. Dort hat mein Mitteljahrseminar von YFU stattgefunden. Es war echt super, die ganzen anderen mal wieder zu sehen und ich hab die drei Tage, die wir da hatten, echt genossen. Wir haben über alles mögliche gesprochen – Probleme in der Gastfamilie; Vorurteile, die sich vielleicht auch bestätigt haben; ungarisches Essen… Am einen Nachmittag haben wir uns noch die Stadt angeguckt und am nächsten Tag ging es schon wieder nach Hause, nach Szeged.

Mit dem Ungarisch läuft es immer besser. Ich liebe diese Sprache für ihre Besonderheiten, für das, was mich an ihr amüsiert (Zeh heißt Fußfinger auf Ungarisch!), für ihren Klang und weil sie eigentlich wie Deutsch ist, nur auf Ungarisch. Neulich wollte eine Freundin was von unserem Geschichtslehrer und er meinte ‚Bevor das passiert, muss noch viel Wasser die Donau runterfließen!‘. Viele Dinge kann man 1:1 übersetzen, weil die Logik hinter den Sprachen sich ähnelt. Und seit ich besser spreche, finde ich auch mehr Anschluss in meiner Klasse.

So, das war’s erstmal von mir. Ich wünsch den anderen ATS noch viel Spaß in ihren Gastländern und meinen Freunden und meiner Familie zu Hause noch ein schöne Zeit – in 5 Monaten sehen wir uns wieder!

Bis dahin alles Gute,

Linda

Magyarország – es ist ein Land!

Sziasztok,

ich melde mich auch mal wieder. Seit meinem letzten Eintrag ist einiges passiert und ich hatte Ferien und war in Ungarn unterwegs und und und.. Aber ich fang am besten von vorne an.

Anfang Oktober waren wir auf der Hochzeit einer Bekannten meiner Gastmutter eingeladen, zu welcher wir nach Siklós, eine Kleinstadt in der Nähe von Pécs gefahren sind. Die Hochzeit selber war ganz gut, auch wenn der Bräutigam nicht ein Mal am ganzen Abend gelächelt hat. Danach gab es reichlich Essen (es gibt in Ungarn immer viel Essen, aber diesmal war es selbst für ungarische Verhältnisse viel) und ich hab mich mit einem ca. 80jährigen, der fließend Deutsch sprach, über die Zeit des Kommunismus in Ungarn unterhalten. Geschichte lebt, Leute, und ganz besonders in diesem Land! Hier wird einiges gefeiert und Ungarn unterhalten sich häufig über ihre Geschichte. Leider weiß ich das Datum nicht mehr so genau, aber ungefähr um den 10.10. herum mussten wir uns in meiner Schule in der Aula versammeln, wo dann eine Rede gehalten, ein Gedicht vorgelesen und Kerzen angezündet wurden, um bestimmte während der Revolution von 1848/49 exekutierte Revolutionäre zu feiern und ihnen Ehre zu erweisen. Ich hab von der Rede nicht so viel verstanden, nur Wörter wie z.B. szabadság (Freiheit) und barátság (Freundschaft), aber das hat in dem Moment gereicht, um so ungefähr zu verstehen, worum es ging. Außerdem haben meine Freunde ja für mich übersetzt 😀 Zwei Wochen später gab es dann schon die nächste Feier, am 22.10., aufgrund der Revolution von 1956. An dem Tag haben wir morgens in der Schule ein Video mit Originalaufnahmen von den Aufständen in Budapest gesehen und danach gab es auch noch verschiedene Reden, Musik über Freiheit und Zusammenhalt und so weiter.

Dann hatten wir endlich Ferien, die hier őszi szünet heißen und normalerweise nur eine Woche dauern. An meiner Schule hatten wir drei Tage länger Ferien, was dann als Schulleiterferien bezeichnet wurde. Ich weiß nicht so genau, warum, aber naja. Dafür hatten wir dann Zeit, endlich mal in die Puszta (oder Alföld, Ungarn gucken mich komisch an, wenn ich Puszta sage) zu fahren. Dort haben wir eine Kutschfahrt gemacht, auf der ich zwei Dinge vom fließend Englisch sprechenden Fahrer gelernt habe: 1. Wenn man in der Puszta lebt und sein Haus eingezäunt hat und große Hunde im eingezäunten Gebiet herumlaufen lässt, heißt das, dass man entweder Feinde hat oder im Gefängnis sitzt. In beiden Fällen sollen die Hunde dann dazu dienen, dein Eigentum zu schützen. 2. Sag im Alföld nicht, dass du Deutscher bist. Dort haben sie Vorurteile, weil es dort einige Deutsche gibt, die sich nicht um ihre Besitztümer kümmern und nur ihren Müll in die Landschaft schmeißen. Die Puszta ist jedenfalls sehr schön, man kann unendlich weit sehen, wenn der Tag klar ist und keine Bäume im Weg stehen. Alles ist flach, ich fühl mich wie zu Hause im Münsterland 🙂

Am Tag danach sind wir dann nach Budapest gefahren, weil dort eine YFU-Veranstaltung war. Ich hab endlich die anderen ATS wieder gesehen und wir haben uns über unsere Familien, unsere Schulen und unsere Fortschritte im Ungarischen unterhalten. Dabei hab ich dann gemerkt, dass ich nicht ganz so schlecht bin, wie ich dachte, es gibt durchaus Leute, die noch weniger können als ich 😀 Die Veranstaltung hat mir super gefallen und mir auch so einen kleinen Anstoß gegeben, dass ich nicht allein bin in diesem kleinen (großen) fremden Land.

Apropos kleines Land: Es stimmt. Egal, was die Ungarn oder auch der Austauschschüler (hallo Ádám!) in meiner Familie in Deutschland sagen: Ungarn ist, im Vergleich zu Deutschland, ein kleines Land. In den Herbstferien sind wir an den Balaton gefahren. Zur Info: Szeged liegt ganz im Süden, an der Grenze zu Rumänien und der Balaton ist ziemlich weit westlich. Wir haben ungefähr 4 Stunden gebraucht, um dorthin zu fahren. In der Umgebung von Hévíz, einem Ort, der in Ungarn für seinen Thermalwassersee bekannt ist und in dem wir unser Hotel hatten, haben wir uns dann alles angeschaut, was an Burgen, Schlössern, Orten oder sonstigem gab und in 4 Tagen machbar war. Wir waren z.B. in Tihany, in Sümeg, ich habe einen buddhistischen Tempel gesehen und Münzen geprägt. Ihr kennt doch diese Automaten, in die man ein 5-Cent-Stück und noch ein bisschen Geld zum Bezahlen wirft, dann sucht man sich ein Bild aus, dreht eine Kurbel und die Münze wird langgezogen und bekommt eine neue Prägung.

Ich stelle hier ein paar Bilder ein. Das erste ist von dem Benediktinerkloster in Tihany, das zweite eins von der Sümegi vár und das dritte  ist eines vom paneuropai piknik, einer Gedenkstätte für den Eisernen Vorhang, die an der Grenze zu Österreich liegt und die ich zusammen mit Charlotte, einer ATS, die in Sopron lebt, besucht hab. Außerdem noch ein Stück des Eisernen Vorhangs, das rekonstruiert wurde.

[singlepic id=559 w=320 h=240 float=]

[singlepic id=560 w=320 h=240 float=]

[singlepic id=561 w=320 h=240 float=]

[singlepic id=562 w=320 h=240 float=]

In Sopron war ich, wie oben schon erwähnt, auch noch, um Charlotte zu besuchen. Mit ihr zusammen habe ich mir dann die Stadt angeguckt. In Sopron spricht wirklich jeder Deutsch, total beeindruckend. Wir sind in eine Bäckerei gegangen und haben uns da auf Deutsch unterhalten, plötzlich redet die Verkäuferin einfach mit, was mich sehr erstaunt hat, weil hier in Szeged einfach niemand außer den Deutschlehrern wirklich Deutsch spricht. Am Sonntag, dem 3.11. bin ich dann wieder nach Hause gekommen. Einmal mit dem Zug von einem Ende Ungarns ans andere, das hatte schon was. Und die Zugtickets sind hier total billig, ich habe für eine Strecke von 370 km 4600 Forint bezahlt, das sind ungefähr 15 Euro. Nächsten Freitag kommt sie dann hierhin, darauf freue ich mich schon 😀

Heute waren wir dann noch auf einem Mangalica-Festival. Das Mangalica ist das ungarische Wollschwein, und da es ungarisch ist, wird es natürlich auch gefeiert. Es gab mal wieder einen Kürtöskalács-Stand, das ist so eine Art Gebäck und wird hier bei allen öffentlichen Gelegenheiten verkauft, wer Lust hat, kann es ja mal googeln. Außerdem natürlich überall Lebensmittel aus Mangalicafleisch, was meine Gastschwester dann doch nicht so gut fand, sie meinte, sie würde es nicht essen, wenn der Lieferant noch daneben steht (es gab einen kleinen Stall, in dem ein paar Mangalicas standen).

Okay, das war’s fürs Erste, bis zum nächsten Mal dann – Sziasztok!

Linda

45 Tage Ungarn

Hey Leute,

jetzt gibt es auch mal wieder Neuigkeiten aus Ungarn 🙂

Ich bin jetzt seit genau 45 Tagen in Ungarn und ich verstehe mehr und mehr. Klar, die Sprache ist schwer und ich antworte den Leuten hier meistens auf Englisch oder Deutsch, aber ich verstehe so gut wie alles, was die Leute mir sagen. Ich spreche jetzt nicht vom Schulunterricht, da verstehe immer noch so gut wie nichts, aber manchmal verstehe ich so einzelne Worte, durch die ich mir dann erschließen kann, worüber der Lehrer überhaupt spricht. Meine Freunde hier in der Schule scheint es immer wieder zu überraschen, dass ich manches verstehe, was wiederrum mich überrascht – schließlich bin ich jetzt sechs Wochen hier! Zum Beispiel hatten Mittwoch nachmittag néptánc, also Volkstanz, das ist hier anscheinend verpflichtend, zumindest für die Schüler in meiner Jahrgangsstufe. Wir haben dann so verschiedene Rhythmusübungen gemacht, unter anderem ein ‚Klatschspiel‘, das vielleicht einige von euch kennen: Erst mit beiden Händen auf die Oberschenkel, dann beide Hände zusammen klatschen, dann den rechten Daumen nach hinten und dann den linken Daumen nach hinten. Wenn man dann den rechten Daumen nach hinten macht sagt man seine eigene Zahl (die uns zugeteilt wurde) und beim linken Daumen die Zahl einer anderen Person. Wer sich dabei vertut, muss sich ans Ende der Reihe setzen, deshalb haben sich die Zahlen andauernd geändert. Jedes Mal, wenn sich die Zahlen wieder geändert haben, hat der Tanzlehrer neu abgezählt und bei mir jedes Mal die Anzahl der Finger die meiner Zahl entspricht, hochgehalten und die Zahl zuerst auf Ungarisch und dann auf Englisch gesagt. Das sind so diese Momente, in denen man sich denkt ‚Hey Leute, ich bin nur Austauschschülerin, ich bin nicht blöd!‘, obwohl ich ja weiß, dass die Leute es nur lieb meinen 🙂 Ungarischer Volkstanz macht jedenfalls extrem viel Spaß, auch wenn ich das nicht so wirklich kann – aber hey, ich hatte ja auch erst zwei Stunden! Und ich bin nicht die einzige, die das nicht so richtig kann.

Die Schule gefällt mir immer noch ziemlich gut, obwohl ich nicht wirklich viel verstehe. Die Leute sind super nett, mir wird mit allem geholfen und ich hab auch Freunde gefunden. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird mein Stundenplan ein bisschen geändert, so dass ich in einen Englischkurs der 12. Klasse gehen kann, da das Niveau der Fremdsprachenstunden hier wirklich niedrig ist. Es gibt Leute in meiner Klasse, die für 6 Jahre Englisch gelernt haben und einem ein paar Gemüsesorten aufzählen können, das finde ich schon ziemlich beeindruckend. Ein paar lernen hier auch Deutsch, wir bringen uns dann gegenseitig ein bisschen Ungarisch/Deutsch bei und amüsieren uns über die Aussprachefehler der anderen 😀

Die Schule ist ähnlich wie in Deutschland, aber es gibt natürlich trotzdem ein paar Unterschiede. Zum Beispiel haben die Schüler hier viiiel mehr Respekt gegenüber den Lehrern. Hier würde niemand einfach so in den Unterricht reinrufen, außerdem werden Lehrer hier mit ‚Laudetur Jesus Christus‘ (nur im Unterricht, weil ich auf ein katholisches Gymnasium gehe) und ‚Csókolom‘ (auf dem Flur, vor der Schule usw.) begrüßt, vor allem letzteres ist eine eher förmliche Begrüßung. Außerdem lernen ungarische Schüler viel mehr und sie schreiben fast jeden Tag einen Test, manchmal wird auch jemand aufgerufen und abgefragt. Ich hab in Erdkunde schon 2 Einsen (was hier die schlechteste Note ist), weil einmal in meinem Buch kein Name drin stand und beim anderen Mal hatte ich mein Heft vergessen – die Lehrer sind hier auch strenger. Die Schüler haben hier ungefähr 20 Schulbücher und müssen alle selber kaufen, das geht ganz schön ins Geld, wenn man wie meine Gastfamilie zwei Kinder hat.

Szeged ist übrigens eine wunderschöne Stadt, es lohnt sich, sich die Stadt einfach mal anzuschauen. Wie manche von euch wissen, komm ich ja aus einer eher ländlichen Gegend, aber mal für ein Jahr in einer größeren Stadt zu leben, ist auch schön. Ich meine, hier gibt es Straßenbahnen – allein das ist schon ein Argument dafür! 😀 Außerdem ist die Stadt abends einfach wunderschön, weil sie hier noch gelbes Licht haben und keine LED-Lampen. Die Brücken über der Tisza sind auch beleuchtet, einfach schön. Mit meiner Gastfamilie komm ich auch klar, auch wenn ich sie nicht soo viel sehe, da ich die Nachmittage über einfach immer was zu tun hab – Schwimmtraining, Ungarischstunden, Flötenunterricht oder einfach ein Treffen mit meinen Freunden.

Das war’s wieder erstmal aus Ungarn, ich hoffe, es hat euch gefallen. Bis zum nächsten Mal: Sziasztok!

Linda