Reiselust und Alltagsfreuden

Die Tage vergehen und so verstreichen die Wochen. Ich moechte die Zeit aufhalten koennen und ebenso moechte ich nichts lieber als in mein getrautes Heim zurueckkehren. Lebe gluecklich im Jetzt und erwarte doch das Morgen. Tue alles, um die Zeit, die mir hier noch bleibt, voll zu geniessen. Was hier so unheimlich schoen ist, ist dieses intensive Leben. Es gibt kaum einen Tag, an dem ich aufstehe, eben “weil halt”, lustlos das Noetige erledige. Vielmehr lebe ich mit Freude, mit Motivation in den Tag herein, freue mich jeden Einzelnen zu sehen. Und wenn nicht, dann habe ich Heimweh und verspuere das auch deutlich. Es erfuellt, nicht einfach so nur vor sich hin zu leben.

Mit meiner Familie hier habe ich mittlerweile eine sehr familiaere Bindung aufgebaut. Meine Mutter sorgt fuer mich nach chilenisch-muetterlicher Art und ich fuehle mich immer wohler. Ja, tatsaechlich ist es so, dass ich mit Beginn dieses Halbjahres die groessten Hindernisse ueberwunden habe, die Grundsteine fuer das Wesentliche gesetzt habe. Habe es geschafft ein Teil zu werden, und kann dies jetzt leben.

Ende April haben wir mit YFU eine Reise unternommen. In einer Gruppe von etwa 30 Schuelern haben wir uns in Santiago getroffen, der Ausgangspunkt fuer eine Reise in den Sueden Chiles. Fuer fuenf Tage war unser Tour-Bus unser Zuhause, denn es war sicherlich der Ort, an dem wir die meiste Zeit verbracht haben; die chilenischen Distanzen sind betraechtlich, und wir nutzen die Zeit, um das Meistmoegliche kennenzulernen! Es waren Tage voller Eindruecke, Austausch, geteilter Gedanken, Gefuehle und Erlebnisse. Es war das erste Zusammentreffen, an dem leider nicht alle teilnahmen, nach unseren Vorbereitungstagen in Olmué. Der kleine aber feine Unterschied zu unserem Miteinander nach dem Ankommen war nun das Spanisch, das uns alle verband. Was wir vor 9 Monaten auf Englisch ausgestauscht hatten, bequatschten wir nun auf Spanisch, und viel mehr. Es war lustig, all die verschiedenen “Spanisch”e kennenzulernen, das der Daenen, der Ungarin oder des Maedchens aus Alaska. Ebenso die Deutschen, die sind den Akzent der Suedchilenen eingefangen hatten, oder den aus Santiago.

Kaum einmal sassen wir im Bus, um in einer Nachtfahrt unser erstes Ziel, Puerto Varas, zu erreichen, begann der unausschoepfliche Austausch all der bunten und vielseitigen Erfahrungen, die wir hier in Chile gemacht haben. Das erste Mal wurde mir so deutlich vor Auge gefuehrt, wie einzigartig jeder Austausch ist. Wir malten 30 verschiedene Chiles, die sich nur im Grundlegendsten aehnlich sind: der Vielseitigkeit der Erfahrungen.
Wieder einmal waren es die Deutschen, die die Mehrheit der Teilnehmer ausmachte. Eng gefolgt von Daenen, deren Sprache mich fasziniert und auf meinem Sprachenlernplan ganz oben steht. Es gab einige Norweger und ein paar Schweizer, deren deutsch fuer unverstaendlich blieb, zwei Maedels aus den USA. Ausserdem Schweden, Ungaren, Oesterreicher und Finnen.

Ich hatte den kleinen Sueden Chiles im Sommer schon kennengelernt, doch auf dieser Reise fuehre uns YFU an Orte, die ich noch nicht kannte; die Wasserfaelle Saltos del Petrohue haben mich beeindruckt; ich liebe einfach Wasserfaelle. Wir machten eine Boottour und kamen so an Landschaften, die unberuehrt schienen. Sahen den von Vulkanen gezeichneten Horizont, wenn wir mal Glueck mit dem Wetter hatten. Einen Tag verbrachten wir auf Chiloé, einer Insel, die sich von ihrem Ambiente und ihrer Landschaft sehr vom Festland Chiles unterscheidet. Mich erinnerte es dort an die Rhoen.

Wir wurden von YFU begleitet, doch die Reise war eine gefuehrte Tour. Klar, als Deutsche  fanden natuerlich etwas, worueber man sich beschweren konnte; doch tatsaechlich war es etwas schade, dass sich die Tour so sehr auf: Bus, zum fotografieren Aussteigen und weiter geht`s, beschraenkte.

Doch gleichzeitig konnten wir uns dadurch einfach leiten lassen und hatten Kopf und Zeit, den irgendwie “westlichen” Austausch zu geniessen. Auch wenn wir uns alle kaum kannten, war es nach 2 Stunden wie mit langjaehrigen Freunden zusammen zu sein, da das, was wir teilten, uns nahe sein lies. Durch diese bekannte Kultur und Umgehensweise, den bekannten Humor war es wie ein kleines Heimkommen.

Die letzten Tage verbrachten wir wieder in Santiago, um mit YFU Veranstaltungen wie ein “International Dinner” oder ein Verkleidungs-Fest zu unternehmen. Fuer diese Tage kamen wir bei Gastfamilien unter, die irgendwie mit YFU zu tun hatten und uns fuer ein paar Tage Bett und Brot zu Verfuegung stellten.
Am Abend speisten wir lecker international, tanzen Cueca und verliehen Preise fuer verschiedene Kriterien der Reise. Stolz ging ich als “Miss Viaje al Sur (Reise in den Sueden)” hervor! 🙂

Wir genossen die letzte intensive Zeit zusammen, bevor ich erschoepft und auch froh wieder heimkam. Lies mich von meiner Gastmamá umsorgen, um die Reste meiner Krankheit loszuwerden und ging aufgeregt zur Schule, froehlich wieder mit meinen Klassenkameraden zu sein.

Die Muedigkeit der Reise hat einige Zeit noch angehalten, und ich war immer froh, ruhig daheim sein zu koennen. Doch mit meinem Spanisch fuehlte ich mich wohl auf, wo wir doch so viel geredet hatten. Mit der Sprache durchlebe ich staendig Phasen; manchmal strenge ich mich sehr an zu sprechen und aergere mich unheimlich ueber meinen achso deutschen Akzent, das harte R und die aprubte Art zu sprechen, die ich mir selbst anhoere. Dann gibt es Tage und Wochen, in denen ich mich dem Spanisch maechtig fuehle, es nur so fliesst und es mir leichter faellt, die spanischen Worte aneinander zu reihen als deutsche Saetze zu bilden. Habe noch nicht raus, wovon es abhaengt.

Dieses Wochenende ist lang, meine Oma kommt zu Besuch und meine Schwester mit ihrem Freund. Alle, um mich nochmal gesehen zu haben, bevor sich die letzten Tage ueberschlagen.

Heute ist der erste bitterliche Regentag, die Kaelte wird folgen. Wir haben heute den Ofen angemacht, was fuer wohl immer ein “Zuhause” ausmachen wird 😉 Der Herbst geht gerade in Winter ueber, ich sitze bibbernd in der Schule. Doch ab und an kann man noch ein paar Sonnenstrahlen erwischen und die Baeume sind wunderschoen. Ich mag den Herbst.

Meine Lieben! Nach Deutschland schicke ich herbstliche Gruesse zum Fruehling! Oder Sommer? Ich freue mich sehr auf Euch und hoffe, dass es Euch gut geht! Umarmungen,

Leo

Die kindliche Schul-Rückkehrsfreude!

Gerade habe ich nochmal ordentlich Sonne getankt, um dann auch wirklich vorbereitet zu sein, sollte der Herbst nun schon bald einbrechen. Doch die heissesten Monate sind nun schon vorbei, der Januar, der Februar, und man merkt deutlich, dass es am Abend wieder frueher dunkel wird. Nun, mit dem zu Ende gehen meines wohl laengsten Sommer ging, puenktlich zum ersten Montag des Maerzes, die Schule wieder los! Ich war freudig aufgeregt, wie ich es als kleines Kind vor Schulbeginn war, und putzte am Sonntag eifrig meine Schuhe!

Gluecklich nach ehrlich langer Zeit wieder in die Uniform zu schluepfen, wartete ich dann Punkt 7, anbrechender Daemmerung, auf den Schulbus. Der erste Schultag war mit Euphorie verbunden! Alle waren gluecklich, alle wieder zu sehen, und unter vielen Umarmungen, Sommer-Erzaehlungen, Wiedersehens-Bemerkungen fanden wir nur schwer zur Ruhe. Dementsprechend war der erste Schultag entspannt, und den paar Sachen, denen wir unterrichtstechnisch folgten, folgte ich mit ganzer Aufmerksamkeit. Fuer dieses Halbjahr moechte ich am Unterricht mehr teilhaben, indem ich mich wirklich ganz verantwortlich mache; d.h. jeden Test mitzuschreiben, ohne dann, mehr als hin und wieder, meine besondere Stellung als Austauschschueler zu nutzen und die Zeit des Chemie-Tests andersweitig zu fuellen.

So habe ich in den letzten Tagen auch alle Wissenueberpruefungen freudig mitgemacht und mich den neuen Lehrern garnicht mal mehr besonders vorgestellt, auch wenn dann auf Grund meines wohl unausprechbaren Nachnamens dann doch immer nochmal nachgefragt wurde.

Fuer dieses zweite Halbjahr bin ich mit voller Power dabei. In diesen Tagen… fuehle ich mich von dieser wunderbaren Sinnesgebung begleitet, nach der ich mich ueber heute genauso freue, wie ueber morgen; habe genauso Lust, die Momente in 3 Wochen zu leben, oder die in 4 Monaten, wenn ich schon wieder in Deutschland sein und den naechsten Sommer geniessen werde!

Das ist toll.

Die letzte Zeit der Ferien habe ich reisend verbracht, den kleinen Sueden Chiles kennengelernt, wohin ich auch mit YFU nochmal reisen werde. Habe viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht, sie immer lieber gewonnen. Es passierte mir auch die ersten Male, dass ich aufrichtig und von innen her, Trauer verspuert habe, diesen Ort, dieses Zuhause, in schon so weniger Zeit wieder verlassen muessen zu werden.

Nun ist Essenszeit angesagt und bald Schlafenszeit, um morgen schon mit Energie in die Vorlaeufer des ersten Wochenendes zu starten! Die herzlichsten, sonnenwarmen Chile-Gruesse schicke ich zu Euch herueber in die ferne Heimat!

Endloser Sommer

 

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Der hiessige Sommer ist wohl der Laengste, den ich je gelebt habe! Es kommt mir wie vor Ewigkeiten her, als ich das letzte Mal zur Schule ging und ebenso viel Zeit wird noch vergehen, bis ich wieder in meine Uniform schluepfen werde!

Fast ein bisschen Bammel hatte ich davor, soviel freie Zeit zu haben, die es irgendwie zu fuellen gilt. Denn hier, wo Langeweile Heimweh-Gefahren bringt, suche ich das Beschaeftigt-Sein.
Und doch, hatten die 2 1/2 monatigen Ferien ersteinmal begonnen, versah ich mich kaum, und schon ist die Haelfte vergangen!

An Heiligabend hatten wir den wohl heissesten Tag hier in Concepción. Meine Schwester  Francisca war schon am Vortag gekommen, und gemeinsam mit Gastmamá & Bruder spazierten wir am spaeten Nachmittag auf die Plaza hinunter, wie sie es hier in allen Stadtvierteln gibt. Es hatte sich das ganze Doerflein versammelt; manche hatten sich Klappstuehle mitgebracht, Andere Picknick-Decken. Kirchlicher Gesang leitete den Gottesdienst ein, fuer den ein bescheidenes Zeltchen und Krippe aufgestellt worden waren. Die Sonne blendete schrecklich und so konnte ich den Priester schlecht sehen; doch mit dem Gesang, dem ich mich bald anschloss, und der Weihnachtsgeschichte wurde mir dann endlich, endlich etwas weihnachtlich zu Mute. Schon zwei Wochen vorher hatte meine Gastmamá den Weihnachtsbaum vorbereitet gehabt und das Haus war voller Weihnachtsschmuck gewesen. Doch zwischen Sonnenbrand und Meeresbaden war mir die Weihnacht einfach voellig fremd vorgekommen.

Als wir dann jedoch von meiner ersten Misa heimkehrten und uns zum endlen Abendessen zusammen setzten, war die Stimmung doch ganz besonders. Ich hatte die Weihnachtsmusik vom Juergen aufgelegt, die keine Weihnacht fehlen darf, und tanzte mit meinem Papá zu den Swing-Klaengen!

Unser Weihnachtsbaum war mit einer Lichterkette bestueckt, die Weihnachtslieder traellert, was laut meines Bruders nicht fehlen durfte, um die weihnachtliche Stimmung zu vollenden!
So vergingen die Stunden schnell, bis es um Mitternacht endlich soweit war, die Geschenke zu oeffnen. Sie wurden unter dem Baeumlein herausgefischt und dem uebergeben, der es zu verschenken hatte. Das Paeckchen aus Deutschland war schon in der Woche zu vor angekommen und so hatte ich es mit unter den Baum gepackt. Meine Gastmamá vertrat nun meine Familie in Deutschland und uebergab mir das Paeckchen in ihrem Namen. Das war total schoen!

Es war schon tief in der Nacht, als schliesslich alle Geschenke uebergeben waren und nur noch das alljaehrliche Weihnachtsfoto ausstand; was wiederrum etwas kompliziert war, wo doch das Sofa nur fuer 4 Personen gedacht ist…

Am ersten Weihnachtsfeiertag dann, waren Reisevorbereitungen angesagt! Denn am 26. schon ging es los in den Familienurlaub: nach La Serena.
Wir brachen im Auto auf, in das Staedtchen, das ebenso weit noerdlich von Santiago liegt, wie Concepción im Sueden.

Es waren 11 Reisestunden, die ich aus dem Fenster schauend zubrachte. Die Strecke nach Santiago war mir schon bekannt, in der sich zunehmend die Wein- und Fruchtfelder mehren. Nach Santiago dann war die Landschaft fuer mich voellig fremd. Ebenen zogen sich hin, in deren trockenen Sandweiten nicht mehr als einzelne Gebuesche wuchsen. Dem Meer immer nahe, durchfuhren wir diese fast schon wuestenaehnliche Landschaft.

Die Stadt La Serena liegt am Meer und ist fuer seinen kilometerlangen Strand beruehmt. In einem meernahen Haeuschen kamen wir unter und machten uns sogleich auf Erkundungstour! Weil mein Papá dort studiert hat, konnte er uns alles zeigen und erklaeren; das Staedtchen ist total sympathisch und gefiel mir sofort!

Es war toll, soviel Zeit mit meiner Familie zu haben, ausserhalb des, vom Alltag gepraegten, Zusammensein daheim. Wir verbrachten Tage am Strand, lernten die Umgebung kennen, die Nachbarsstadt. Fuer einen Tag fuhren wir ins “Valle Elqui”; besuchten die Geburtsstadt Gabriela Mistrals und durchschlenderten Handkunstwerksmaerkte. Wir nahmen an einer Sternen-Observation teil, fuer die wir hoch in die Berge fahren mussten; ich glaube, ich habe noch nie so viele Sterne auf einmal gesehen! Das Tolle war auch, dass uns genau erklaert wurde, wo was zu sehen ist und ich so einiges ueber die Astronomie lernte; zumindest die der Suedhalbkugel!

Die Silvesterstunde verbrachten wir am Strand, wo sich die ganze Umgebung und mehr versammelt hatte! Privates Feuerwerkeln ist hier verboten; um Mitternacht wird ein grosses, offizielles Feuerwerk veranstaltet. Es fand ueber dem Meer statt und war atemberaubend anzusehen! In diesen Momenten vermisste ich ganz klar Kassel mit allen meinen Freunden und das Tarotkarten lesen. Doch auch mit meiner Familie hier genoss ich diese paar magischen Momente… In denen die Welt nicht untergegangen ist!

Anfang des neuen Jahres machten wir uns schon auf den Heimweg gen Sueden. In Santiago kamen wir in der Wohnung der Schwester meiner Gastmutti unter und setzten meine Schwester ab. In Santiago lernte ich dann die Familie meines Vaters kennen: Wir besuchten sowohl seine Schwester als auch seinen Bruder mit Familie!

Als wir dann letzendlich wieder nach Concepción heimfuhren, sah ich gleich meine ganzen Freundinnen auf meiner ersten hiessigen Pyjama-Party wieder!

Und so vergingen die naechsten Wochen ganz schnell: Mit meinen Freunden, von denen im Januar die Meisten in Conce waren, meiner Familie, wir uns so manchen Strand-Tag goennten, und einem Fitness-Studio, in dem ich mich fuer Tanz- und Gymnastikstunden eingeschrieben hatte!

Am Wochenende wird meine Gastschwester wieder nach Conce kommen und gemeinsam fahren wir etwas gen Sueden; nach Osorno, wo die Oma und Tanten leben, um Grossfamilienurlaub zu machen.

Ich bin ganz gluecklich, dass ich im Rahmen meines Auslandsjahres so viel die Moeglichkeit habe, dieses Land in seiner ganzen Weite (Laenge..) kennenzulernen.  Ich haette garnicht damit gerechnet; mich vielmehr darauf eingestellt, in diesem gereisten Jahr nicht mehr zu reisen. Und so freue ich mich um so mehr, in einer Familie gelandet zu sein, die es ebenso liebt, andere Orte kennenzulernen und hinauszukommen! Bzw. eben auch die Mittel dazu hat.

Nun werde ich den schoenen Sommertag nutzen, ein bisschen Rad zu fahren; nicht dass ich das noch verlerne hier!

Ich schicke Euch die liebsten Gruesse nach Deutschland; hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gekommen und es ist nicht zu kalt!

Alles Liebe,

Leoni

 

 

 

17 años.

In den letzten Wochen ist so viel geschehen, bin ich viel gereist, habe so viel erlebt, gesehen, kennengelernt, gedacht, gelacht, geredet und … gegessen!

Vor einigen Wochen, oder war es vor mehr als einem Monat? Hat meine Mama etwas gesagt, woran ich mich jetzt erinnern muss, als ich mich hinsetze, mir Ruhe nehme, um in mich hineinzuhorchen und um Euch endlich wieder ein paar Zeilen aufs Papier zu bringen! Was sie sagt war, ganz einfach; Liebe Leo, es ist so schoen zu merken, dass Du jetzt einfach voll angekommen bist, da drueben. Und damit hat sie wohl Recht gehabt. Doch… kann man immer mehr ankommen? Oder ist man einmal angekommen und damit dann voll da?

Wenn dem so ist, dann weiss ich nicht, wann dieser Wandel passiert ist, ob es ueberhaupt schon so weit ist oder noch in ungewisser Zukunft liegt.

Was ich weiss ist, dass ich hier ein zweites Zuhause gefunden habe.  Dass ich vom Wochenendtrip heimkomme und diese Endlich-Zuhause-Erleichterung empfinde, so schoen das Wochenende auch gewesen war. Froh bin, wieder in meinem Bett zu schlafen, das mir bekannte Essen zu essen, den mir bekannten Rythmus zu leben. Was ich weiss ist, dass mir meine Lunge mittlerweile keine Probleme mehr macht, dieses Organ der Kommunikation, das sich zu Beginn durch meine Unsicherheit mit der Sprache so straeubte.  In meiner Gedankenwelt kann ich spanisch und deutsch mittlerweile nicht mehr so recht trennen und so kommt es schonmal vor, dass ich meine spanischen Gedanken fuer einen Tagebucheintrag uebersetzen muss. Das ist auch der Grund, weshalb ich im naechsten Jahr voll in den Schulstoff einsteigen will; mein Vokabular erweitern und ueber die blosse Alltagssprache hinauszuwachsen. Um irgendwann dann mal mir auf spanisch von der Seele schreiben zu koennen. Es macht so Spass der Sprache Herr zu werden und wenn ich dabei bin meinem Bruder deutsch von null her beizubringen, ueberkommt mich schon wieder Lust, eine neue Sprache zu lernen!

Ich bin nun 17 Jahre alt. Es fuehlt sich gut an, das zu sagen, auch wenn es noch ungwohnt ist; wie jedes Jahr. Vor drei Wochen hatte ich Geburtstag, mein Tag, den ich hier in vollen Zuegen genossen habe. Gemuetlich habe ich ausgeschlafen, in Ruhe mit Miriam geskypt; meine ganze Familie war am samstaeglichen Morgen geschaeftig ausgeflogen!
Dann kam auch schon mein Papá heim, mit dessen Begleitung ich mich hingesetzt habe, und die Pakete aus Deutschland geoeffnet habe. Ganz euphorisch war ich, damit meine wahre Familie so viel mehr hier zu haben; habe genuesslich sicher zwei Stunden mit Geschenke oeffnen verbracht! Denn dann kam meine Mutter heim und gemeinsam haben wir das mitgeschickte Fotoalbum angeschaut.

Zu Mittag assen wir die von mir gewuenschten Maistaschen, dessen Geschmack mir dann aber doch von Guatemala her noch bekannt schien. Es war eines der ersten Male in diesem Sommer, dass wir draussen auf der Terrasse zu Mittag assen!

Am Nachmittag bin ich einkaufen gefahren mit meiner Mamá, um alles Noetige fuer den Abend zu besorgen. Ein Freund von mir hat ganz genau am selben Tag Geburtstag und schon Wochen vorher hatten wir ueberlegt, diesen Tag zusammen zu feiern! Zum Abendessen kam eine Freundin von mir, und wir haben die Geburtstagstorte probiert, eine recht besondere, traditionell-chilenische, die meine Mamá schon seit Tagen am Vorbereiten war.

Dann sind wir auch schon los und ich musste an das vergangene Jahr denken, meinen 16. Geburtstag, den ich so schoen verbracht habe, mit fast all meinen Freunden in Kassel.

Im Haus des Klassenkameradens haben wir noch die letzten Vorbereitungen getroffen, als dann schon die ersten eindrudelten. Und dann vergingen die Stunden wie im Fluge! Ich hatte ploetzlich alle die Menschen vereint, die mir hier wichtig sind, meinen Bruder, meine Freunde aus der Schule und den anderen, daenischen YFUler Svend.
Ich genoss die Stunden in vollsten Zuegen, und hoffte, sie wuerden nie zu Ende gehen. Einen Tag wie diesen wuerde ich nur einmal erlebt haben.
Da es keine Geburtstagsfeier ohne Torte geben kann, hatten wir fuer den Abend eine Schwarzwaelder ausgewaehlt. Die sollte auch hier nicht fehlen! Man merkt dann aber doch immer wieder, dass ich keine Chilenin bin; so war ich nach dem netten Geburtstagsstaendchen ganz und garnicht vorbereitet auf den “Tortazo”, der folgen sollte und fand mich danach mit der Torte im Gesicht wieder!
Verrueckt, diese Chilenen. Gelacht habe ich aber, wie lange nicht mehr.

Es blieb dann noch eine Woche bis, die von allen langersehnte, Klassenfahrt nach Brasilien anstand! Es sprachen alle nur noch davon. Zu meinem Glueck blieb ausser mir auch mein wohl bester Freund hier, Matias, in Concepción, und so beganen wir Plaene zu schmieden, wie wir die Woche anders und trotzdem gut verbringen koennten. Die Einladung von Regine, die Patentante meiner Schwester, die etwas suedlich von hier lebt, stand schon lange aus und nach unkomplizierter Absprache, packten wir also unsere Rucksaecke, um das Wochenende auf dem Land zu verbringen!

Nach einigen Stunden Busfahrt also, fanden wir uns am Samstag in dem Dorf Carahue wieder, einer so ganz anderen Seite von Chile! Regine hiess uns willkommen und sofort ueberkamen mich Heimangefuehle, dank ihrem weichen, schwaebischen  Akzent, der sich auch in ihrem Spanisch wieder findet. Sogar Mati hat als Chilene den Unterschied zwischen unseren deutschen Akzenten bemerkt.

Mit Regine fuhren wir zu ihrem Stueck Land, sodass ich endlich den Ort kennenlerne, von dem mir schon so viel erzaehlt worden war.

Wir lernten ihre Soehne kennen und verbrachten den Nachmittag die Umgebung kennenlernend, mit den Tieren und Tischtennisspielend.

Regine zeigte uns ihr Zuhause, das fuer uns viele Erklaerungen und Beschreibungen erforderte, da es so eng mit der fuer uns fremde Mapuche-Kultur verknuepft ist. So lernten wir vieles; ich, die bisher nur das moderne chilenische Leben naeher kennengelernt hatte, als auch Mati, der damit neue Seiten seines Landes kennenlernte.

Nachdem wir am naechsten Morgen von den zwei Haehnen aus den Betten gerissen worden, fuhren wir mit den Jungs an einen besonders idyllischen Strand! Mit einer kleinen Faehre erreicht man die Halbinsel, die mit ihrer Einsamkeit und ihrer Weite aus Duenen verwunschen wirkt.

Der sonnige Nachmittag verging schnell, Regine und ich nutzten ihn, um uns so von der Seele zu reden, wie man es dann doch nur in deutsch kann.

Zurueck auf dem Hof nutzten wir die Zeit, die uns blieb, um die nahe Umgebung besser kennen zulernen, diese Ruhe des “ganz draussen”- seins in uns aufsaugend.

Wir knuepften Pulseras, waren Regine mit dem Entkernen von Erbsen behilflich, bis es am naechsten Nachmittag schon wieder hiess, die Heimreise anzutreten. Uns beiden fiel es dann schwer, in Temuco, wo wir auf einem Markt Halt machten, wieder in die Realitaet mit all den vielen Menschen zurueckzufinden.

Durch die besondere Auszeit, die wir uns in diesen paar Tagen auf dem Land gegoennt hatten, kam ich ganz weltfremd wieder in Conce an, das mich mit einem Strandtag und Weihnachtsvorbereitungen erwartete. Wenige Naechte schlief ich in meinem Bett, denn schon fuer den Donnerstag hatte mich meine Schwester nach Santiago eingeladen gehabt!

Am Morgen bin ich mit meinem Bruder in den Bus gestiegen und habe den ganzen Weg ueber aufgeregt und gespannt die Landshaft beobachtet, die ich auf meiner Hinfahrt nach Conce nur in der Nacht erlebt hatte. Verrueckt, wie sie sich wandelt und zum Norden hin immer trockener, fast wuestisch wird.
Nach 6 Stunden kamen wir in Santiago an und mich hat schier der Schlag getroffen, als ich aus dem Bus gestiegen bin. Diese Hiiiiitze! Die jedoch im Dezember noch schoen fruehlingshaft ist…
Auf dem Weg zur Wohnung meiner Schwester haben wir schon eine kleine Stadttour gemacht, die mir mehr Neugierde noch beschert hat, Santiago kennenzulernen!
Von ihrer huebschen Wohnung aus sind wir gestartet um das Bellavista-Viertel kennen zu lernen; Ein sehr nettes Studenten- und Touristenviertel. Von dort aus ging es auf den Huegel San Cristobal, auf dessen Spitze stolz eine Maria-Statue drohnt. Von dort aus konnte man Santiago ueberblicken, auch wenn der Smog die fernere Umgebung vernebelt hat.
Am naechsten Tag lernten wir das Zentrum kennen; sind von einem schoenen alten Viertel zum naechsten spaziert, haben die Moneda (Regierungs-Gebaeude) von aussen besichtigt und eine Ausstellung ueber den chilenischen Kuenstler Mata besucht. Haben viel gegessen; so mussten doch all die Hamburger ausprobiert werden, die es nur in Santiago gibt!
An einem anderen Tag haben wir mit dem Auto die Stadtviertel besucht, die naeher an den Anden liegen und von der kleinen Prozentzahl steinreicher Chilenen bewohnt werden.

So verstrichen die Tage dieses sommerlichen Geschwister-Wochenendes! Wir haben die Zeit genossen, zu dritt; haben sie genutzt! Meine Geschwister haben mir soviel von Santiago gezeigt, wie man in der wenigen Zeit nur kennenlernen kann und ich bin ihnen sehr dankbar dafuer! Muede und mit vielen neugesammelten Eindruecken sind wir am Sonntag wieder heimgefahren. Es ist verrueckt, wie Santiago eine eigene kleine Welt ist. Diese komplett andere Mentalitaet, die dort herrscht, von der alle sagen, sie sei fast europaeisch und damit recht haben. Ein gaenzlich anderes Chile, als das, was ich von ausserhalb von Santiago kennengelernt habe.

Es brach dann die letzte Schulwoche an, in der wir von Tag zu Tag weniger Schueler im Klassenraum waren. In der wir die Tage Filme guckend, Karten spielend, Zeit vertroedelnd verbrachten, weil die Noten eigentlich schon laengst beschlossen waren und es nichts mehr zu tun gab. Ganz unwirklich ist das Halbjahr zu ende gegangen und als der letzte Gong ertoente wurde ich mir erst wirklich darueber klar; das war jetzt die erste Haelfte. Die Haelfte meiner chilenischen Schulzeit ist rum, und wenn die Zweite ebenso schnell vergehen wird … sollte ich schonmal meine Sachen packen!

Jetzt ist eine Ferienwoche um, dessen Tage ich genossen und ausgefuellt habe mit sozialem Leben. Strandtag mit meiner Familie, Tischtennis mit Freunden, Laguna.

Mit meinen Maedels bin ich zum Geschenke suchen losgezogen und um gelbe Unterhosen zu kaufen… Denn wer diese zu Silvester traegt, wird im neuen Jahr Glueck haben in der Liebe! 😀

Und so fehlt heute nur noch ein Tag bis zum grossen Fest. Meine Schwester ist gestern aus Santiago angekommen und ich bin nun mit den letzten Geschenkevorbereitungen beschaeftigt.

Etwas wie Weihnachtsstimmung herrscht hier jedoch nicht… Alle sind guter Dinge, es ist total schoen, dass Francisca da ist. Meine Mutter ist etwas gestresst, wegen all dem komplizierten Essen, das vorbereitet werden muss.
Die Weihnachtslichter leuchten, doch nur spaet in der Nacht. Die Weihnachtsmaenner tun mir Leid in ihrer warmen Verkleidung und auch die Plaetzchen haben nichts Erfrischendes!

Es ist doch spuerbar, dass Weihnachten so, eine Erfindung fuer die Nordhalbkugel war.

Und deshalb fuer Euch: Froehliche, schnee-kalt, ofen-warme, kuschelig-glitzernde Weihnachtsfeiertage!

Fruehling

9. November

Heute ist ein mueder, kalter und guter Tag.

Es steht nun ein Lenguaje-Test an und diese Schulstunde moechte ich nutzen, um zu beginnen, Euch endlich mal wieder auf einen neueren Stand zu bringen. Es ist eine der wenigen Schulstunden, in denen ich mich dem noch widmen kann, wo ich mittlerweile am Unterricht weitestgehend teilnehme. Tatsaechlich faellt es mir kaum noch schwer, den Themen zu folgen, es sei den es handelt sich um Biologie oder Chemie, wo mir gefuehlt die komplette Basis fehlt und zudem das Fachvokabular. Generell werde ich aber haeufig noch von meiner Faulheit besiegt, wenn es darum geht, mich fuer einen Test vorzubereiten…

Die Wochen, in denen ich keinen Bericht veroeffentlicht habe, sind mir rasend schnell davon gerannt und es faellt mir jetzt schwer, mich dessen zu besinnen, was vorgefallen ist. Wie ich doch in jedem Bericht davon zu schreiben neige, dass die Zeit so schnell vergeht… Aber es ist wahr! Oft werde ich hier gefragt, wie viel Zeit ich schon hier bin, sodass ich immer am Mitrechnen bin, wie lange ich hier lebe. Neulich ist mir aber passiert, dass ich gefragt wurde, wie lange es noch hin ist, bis zu meiner Heimreise! Ich habe mich fast erschrocken vor der Frage, denn das erste Mal hiess es fuer mich, zu rechnen, wie viele Monate mir noch bleiben. Was erschreckend ist, wenn man doch bedenkt, wie schnell die Zeit vergeht.

Ich glaube gerade deswegen neige ich manchmal dazu, mich unter Druck zu setzen, diese Zeit zu nutzen. Wo es doch letztendlich so wenig ist, ein Jahr, faellt es mir schwer, die ruhigen Tage, die es gluecklicherweise auch gibt, so zu geniessen, wie ich es in Deutschland getan haette. Schade eigentlich.

 

Mittlerweile habe ich endlich das Gefuehl, meine Krankheit ueberdauert zu haben! Ich habe Antibiotika genommen und natuerliche Medizin von meiner Mutter und mein Kommunikationsorgan Lunge gehegt und gepflegt. Endlich leide ich jetzt nicht mehr unter diesem tiefen Husten und fuehle mich fitter!

Ende Oktober hatten wir wieder ein langes Wochenende mit Halloween-Party! Wie lange schon hatte ich mich nicht mehr fuer eine Verkleidungsparty ausgehfertig gemacht! Mit viel Vergnuegen habe ich also einen Abend als Hexen-Gespenst-Mischung verbracht!
Das lange Wochenende ausnutzend haben meine Eltern, mein Bruder und ich am Montag darauf einen Ausflug ins Landesinnere unternommen, nach Quillon & Chillan. Haben sehr lecker zu Mittag gegessen und ich habe gelernt, was die Temperaturunterschiede zwischen Kueste und Land bedeuten; Ein Stuendchen von Concepción entfernt haben wir einen Nachmittag im gefuehlten Hochsommer verbracht.

Von der Woche darauf blieben noch 3 Schultage, die vollens zufrieden vergingen. Das letzte Wochenende dann war endlich mal wieder meine Schwester aus Santiago zu Besuch, was ich sehr genossen habe. Mit ihr sind wir am Sonntag nach Laraquete gefahren, an den Strand und zum Mittagessen, wo ich einen so leckeren Fisch und Empanadas gegessen habe, wie lange nicht mehr!

Ich bin sehr zufrieden hier in Concepción zu leben. Es ist eine der grossen Staedte Chiles und hat so von allem was man braucht, ohne dass man verloren geht, wie ich es mir von Santiago vorstelle. Jetzt, wo es abends nicht mehr so frueh dunkel wird und ich mit meinem Spanisch ausreichend verstaendigen kann, habe ich begonnen mehr die oeffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Damit lernt es sich schnell, sich in der Stadt zu orientieren und auch im Zentrum finde ich mich mittlerweile richtig gut zurecht.

Der Fluss Biobio teilt Concepción in zwei Haelften. Am noerdlichen Ufer liegt die Innenstadt und dahinter, mehr Richtung Meer “Lomas” (Huegel), der Stadtteil, in dem ich lebe. Auf der anderen Seite des Flusses liegt San Pedro, ein sehr schoenes Stadtteil, in dem zwei Seen versteckt liegen, die teils privat, teils oeffentlcih zugaenglich sind. Von meiner Schule, die am Fluss liegt, aus blickt man direkt ueber den Fluss hinueber auf die Huegel von San Pedro.

Einen der Seen habe ich am vergangenen Samstag endlich kennen gelernt! Mit Matias, einem Freund und Klassenkameraden, habe ich den Fluss ueberquert und er hat mir dort alles gezeit, da er frueher auf dieser Seite des Flusses gelebt hat.

Am Montag hatte mein Bruder Geburtstag und bei dieser Gelegenheit habe ich endlich alle seine engeren Freunde kennengelernt. Den kleinen Prinzen habe ich ihm geschenkt, nachdem wir uns einmal darueber unterhalten hatten, und herausgekommen war, dass er die Geschichte nicht kennt! Was ich so nicht hinnehmen wollte.

Ich bin erst in der Nacht zum Schlafen gekommen, nachdem wir alle gemeinsam die Geburtstagstorte verspiessen hatten. Diesen Brauch mag ich furchbar gerne hier: Kein Geburtstag geht zu Ende, ohne die von der Mutter vorgefuehrte Torte, das gemeinsame Singen, die ausgeblasenen Kerzen und in Auftrag gegebenen Wuensche!

15. November

Dieses Wochenende habe ich eine kleine YFU-Reise gen Sueden unternommen! Wir waren eine Gruppe von sechs Austauschschuelern, die nicht allzu weitweg wohnen, und zwei weiteren Familien, die mit YFU zu tun haben. Wir besuchten Coñaripe, einen Ort der gebettet zwischen imponierenden Bergen und einem bezauberndschoenen See liegt. Dort bezogen wir fuer zwei Tage Huetten unsere gemeinsame Zeit genossen. Erstmal ist es mir schwergefallen, mit den Maedels deutsch zu reden, doch jetzt merke ich, dass es sich doch gravierender auf mein Spanisch ausgewirkt hatte, wie es ich am Wochenende noch eingeschaetzt hatte. So habe ich die ersten Male, in denen ich mit den deutschen Maedchen allein gequatscht habe, fast schon vom Spanischen ins Deutsche uebersetzen muessen, so gewoehnt war ich ans Spanische. Doch auf der Rueckreise und den Montagmorgen ueber habe ich richtig spueren koennen, wie ich wieder viel mehr auf Deutsch dachte und so habe ich mich waehrend der ganzen Woche ordentlich konzentrieren muessen, mich in einigermassen gutem Spanisch auszudruecken.

Und trotzdem habe ich es natuerlich genossen, mich beim Reden einfach mal zuruecklehnen zu koennen, die Worte fliessen zu lassen, waehrend der Unterhaltungen am Wochenende. Und auch in der groesseren Gruppe habe ich es toll gefunden, die Erfahrungen auszutauschen, den Geschichten der Anderen zu lauschen, die, entsprungen aus der gleichen Situation, doch so unterschiedlich sind!

Der Ort an dem wir die Tage verbracht haben ist wirklich umwerfend. Von unseren Huetten aus haben wir zwischen den Bergen den noch schneeweisen Vulkan betrachten koennen, der etwas aktiv ist. In der Nacht konnte man so sein Feuerchen sehen. Kaum 10 Minuten mit dem Auto kamen wir an den See, dem ich wegen meiner Lunge eigentlich widerstehen wolle. Die Sonne, das glitzernde Wasser haben uns dann aber doch fast alle verfuehrt und wir waren baden!

An diesem Wochenende habe ich auch endlich mal wieder Cueca getanzt! Das ich hatte ich schon ganz vermisst.

Hier rueckt jetzt der Sommer immer naeher, die Ferienplanungen konkretisieren sich langsam und man beginnt schon die Tage zu zaehlen! In der Schule stehen jetzt die letzen Arbeiten an, was heisst, dass die naechsten 5 Wochen wohl noch mal entspannter zugehen werden. 🙂

Mein Geburtstag steht nun aber zuerst vor der Tuer, den ich das erste Mal im Leben im Fruehling feiern werde! Ein Klassenkamerad hat am selben Tag Geburtstag und so feiern wir gemeinsam und haben schon mit den Vorbereitungen begonnen!

Nach Weihnachten werde ich mit meiner Familie nach La Serena fahren, was oberhalb von Santiago liegt! Damit werde ich etwas vom Norden Chiles kennen lernen, dessen Landschaften sicohl kaum mit dem vergleichen lassen, was ich bisher von Chiles Sueden kenne! Dieses Land ist wirklich beeindruckend mit seinen verschiedenen Gesichtern.

So, meine Lieben. Jetzt habe ich ganz kalte Finger bekommen, vom vielen Schreiben! Heute ist es hier ganz ungemuetlich kalt; in Concepción scheint es immer von Tag zu Tag zu wechseln, das ist verrueckt. Aber es ist tatsaechlich wahrscheinlich, dass morgen wieder strahlende Sonne scheint!

Also, fuehlt Euch ganz lieb gegruesst von mir im fernen Deutschland, ich hoffe es geht Euch gut! Das naechste Mal werd ich mich hoffentlich baelder wieder melden ;),

Alles Liebe