Archiv des Autors: LenaK

Finnischer Sommer, Abschied und Rückanpassung

Hallo ihr lieben.
Ich habe mich schon lange nicht mehr gemeldet, aber es ist einfach wieder sehr viel passiert in der letzten Zeit. Nach den Osterferien wurden die Tage wieder deutlich länger, die Sonne kam öfter zum Vorschein und hat einen richtig glücklich gemacht. Ich habe viel mit Freunden unternommen, wir sind auf Konzerte gegangen, haben Helsinkis unscheinbare Orte erkundet, ich habe an einem Color Rush teilgenommen und ich konnte meinen Geburtstag am Strand feiern.
In der Schule schrieben wir die letzten Tests und langsam neigte sich alles dem Ende zu. In Tampere hatten wir ein eintägiges Re-Entry-Seminar, wo wir auf unsere Abreise etwas vorbereitet wurden. Das letzte Mal war in der Schule Prüfungswoche und dann hieß es auch schon Abschied nehmen, von Klassenkameraden, Freunden die schon früher nach Hause flogen oder zum Zeitpunkt meiner Abreise im Urlaub waren.

Dann starteten die vier Wochen Sommerferien, die ich in Finnland noch hatte. Ich nutzte die Zeit meist mit meiner Gastfamilie und Freunden und es war wirklich eine sehr schöne Zeit. Mit anderen Austauschschüler haben wir einen Tagestrip nach Porvoo gemacht, wir haben mit YFU die Fazer Fabrik besucht und ich bin mit meiner Gastmutter, meiner Gastschwester und einer Freundin einen Tag nach Tallinn gefahren und dann war auch schon meine Abschiedsfeier mit Freunden zu Hause. Es hat sich so unrealistisch angefühlt nicht zu wissen, ob und wann man diese Menschen wiedersehen wird.

Mit meiner Gastfamilie war ich in der letzten Woche in Mittelfinnland in einem „Mökki“ (Sommerhaus), wo wir die restlichen gemeinsamen Tage zusammen verbracht haben. Für mich war es das erste Mal im Mökki, aber es ist wirklich wunderschön am See, im Wald und abgeschottet von allem anderen nur mit der Familie. Wir waren fischen, schwimmen, hatten viel Zeit zum relaxen und lesen, haben Stockbrot gebacken und und und. Der finnische Sommer hat sich leider nicht von seiner besten Seite gezeigt in diesen Tagen, denn wir hatten nur knappe 15 Grad und dementsprechend hat man es auch nicht lange in dem See zum baden ausgehalten. Jedoch war es ein sehr schöner letzter Urlaub mit meiner Gastfamilie!

Dann kam auch schon der letzte Abend, alles war wie immer, nur dass ich das letzte Mal in meinem Bett eingeschlafen bin. Am Morgen haben wir alle zusammen nochmal ausgiebig gefrühstückt und sind dann alle zum Flughafen gefahren, wo ich mich von meiner Familie und Freunden verabschieden musste. Es war nicht ganz einfach, aber ich wusste dass ich bald wiederkommen werde und dann ist es nicht so ganz so schlimm, wenn man sich auf das Wiedersehen freuen kann.

In Deutschland bin ich nicht gleich nach Hause gefahren, sondern war noch auf dem YES Seminar, ein 5-tägiges Camp für alle Austauschschüler, die ihr Austauschjahr in Europa verbracht haben. Es war gut, sich in diesen Tagen nochmal mit anderen Austauschschülern zu unterhalten, es gab coole Workshops und es hat alles in einem echt viel Spaß gemacht!

Zu Hause bei meiner Familie war dann irgendwie alles wie immer. Ich hatte das Gefühl ich wäre gerade von einer Klassenfahrt wiedergekommen und gar nicht weggewesen. Manchmal hatte ich das Gefühl einiges verpasst zu haben, aber die meisten Dinge waren total unverändert und somit fiel mir der Einstieg in mein deutsches Leben auch leichter, wie es anderen vielleicht ging.

Letzte Woche war dann die Nachbereitungstagung, wo wir unser Austauschjahr reflektieren konnten und uns über Probleme mit den anderen „Justies“ austauschen konnten. Für mich war es nochmal ein sehr hilfreiches Wochenende, wo ich auch viele nette Leute kennengelernt habe.
Jetzt habe ich noch etwas Zeit meine Ferien zu genießen, bevor dann in zwei Wochen die Schule auch bei mir wieder losgeht. Ich glaube, dass ich in der Schule etwas mehr Zeit brauche, um mich wieder einzugewöhnen, aber ich denke positiv und bin gespannt darauf. Jeder braucht unterschiedlich viel Zeit um in der Heimat wieder anzukommen, bei manchen gehts schneller, andere brauchen mehr Zeit.

Mein Austauschjahr ist nun beendet und ich möchte mich bei jedem Leser hier bedanken. Ich hoffe es war interessant zu lesen, was ich in Finnland erlebt habe! 🙂 Vielleicht habe ich bei dem ein oder anderen das Interesse geweckt für ein Jahr nach Finnland zu gehen – oder auch in jedes andere Land. Ich kann es nur jedem weiterempfehlen!

Lena

YFU Lapplandtrip

Schon im Dezember hatten wir für die Reise angemeldet und nun war es endlich soweit – auf nach Lappland! Vorher hatten wir jedoch noch ganze 17 Stunden quer durch Finnland vor uns. Am Sonntag um Mitternacht fuhr unser Bus in Helsinki ab. Die Nacht war von wenig Schlaf geprägt. Frühstück gab es in der Nähe von Oulu und gegen halb eins erreichten wir Rovaniemi und somit den Polarkreis. Dort besuchten wir den Weihnachtsmann in seinem Dorf, machten ein Gruppenfoto mit ihm und hatten danach noch Zeit für uns selbst zum herumlaufen und Souvenirs kaufen.
Bevor unser endgültiges Ziel erreichten ging es noch 3 weitere Stunden mit unserem Bus nördlich. Es war später Nachmittag, als wir in Pyhä ankamen. Dort gab es zuerst Abendessen und anschließend wurden uns die Zimmer zugeteilt. Da es für unsere große Gruppe nicht ganz an Platz reichte wurde ich mit ein paar anderen Freundinnen in ein fünf Minuten entferntes Mökki gefahren. Dort hatten wir eine eigene Sauna und Dusche, ein Wohnzimmer und alles war super modern eingerichtet. Dafür lohnte es sich definitiv immer 5 Minuten zum Haupthaus zu laufen 🙂
Der Dienstag ging recht früh los, wir fuhren nach dem Frühstück direkt mit dem Bus zur Huskyfarm. Dort hatten wir erst noch etwas Zeit, welche in einer riesigen Gruppenschneeschlacht endete. Im Tiefschnee steckte man bis zur Hüfte fest und hatte Schwierigkeiten sich im über einem Meter hohen Schnee fortzubewegen. 😀
Dann kam auch schon unser Führer, welcher uns eine Einleitung gab. Er erklärte uns, wie wir den Schlitten zu lenken hatten, den wir gleich selbst fahren werden. Einer saß im Schlitten und der andere stand hinten auf den Kufen und kontrollierte in den Kurven und das Bremsen. Vor jedem Schlitten waren sechs Hunde gespannt. Sobald man die Bremse loslässt rennen die Hunde los und halten auch erst wieder an, wenn die Bremse durchgedrückt wird. Also bloß nicht herunterfallen 😀 Die Kilometerlange Strecke ging sehr schnell vorüber und wir kamen unfallfrei im Ziel an. Im Anschluss bekamen wir noch eine Führung durch die Hundezwinger.
Für große Pausen blieb keine Zeit, denn direkt im Anschluss fuhr der Bus weiter zur Rentierfarm. Dort gab es in einem kleinen Tipi für alle Essen, traditionell Rentiersuppe, danach gab es noch eine Präsentation über das Leben der Samen mit den Rentieren. Schwer zu glauben, dass wirklich Leute nur mit dem Einkommen ihrer Rentiere leben. Nach der Präsentation gingen wir dann raus zu den Rentieren, die an einen Schlitten gespannt auf uns warteten. Wieder saßen zwei Personen in einem Schlitten und wurden von einem Rentier gezogen. Nur anders als bei den Hunden rennen sie nicht sofort los, sondern fahren uns eher spazieren. Daran kann man auch nicht wirklich etwas ändern, es sei denn man läuft mit Essen vor ihnen her. Das Essen bekamen sie dann im Anschluss natürlich trotzdem und wir durften sie selbst füttern. Die Rentiere waren einfach unglaublich niedlich, auch wenn sie eher weniger Kuscheltiere waren. Sie waren jedoch schon sehr an die Menschen gewohnt und ließen sich auch von uns anfassen.
Viel zu schnell war der Tag schon vorbei. Der Abend war uns zur Freien Verfügung gestellt und wir konnten in die Sauna gehen.
Von Mittwoch bis Freitag durften wir uns Aktivitäten aussuchen. Ich war zwei Tage lang Skifahren. Die finnischen „Berge“ sind zwar lange nicht so wie in den Alpen, aber es waren trotzdem tolle Pisten zum fahren da und mit Freunden machte das alles gleich doppelt so viel Spaß. Am Donnerstag Abend fuhren wir mit unserem Bus in den „Center of Northern Lights“. Wir alle hatten eine Art Museum erwartet, aber wir wurden letztendlich von einer Frau empfangen, die uns in ein kleines Tipi geführt hat. Dort stapelten wir uns alle wortwörtlich aufeinander und bekamen eine Slideshow zu sehen. Unsere Führerin hat viele interessante Dinge über Nördlicher erzählt, welche Arten es gibt und wann und wie man sie am besten zu sehen bekommt. Später waren wir schon allmählich dabei uns bettfertig zu machen, als jemand unserer Gruppe sagte, wir sollen alle schnell rauskommen. Die Freude war riesig, als wir nun wirklich live Nordlichter am Himmel sahen, grün und leicht tanzend waren sie fast eine halbe Stunde immer mal wieder zu sehen. Ein unglaubliches Erlebnis!
Am Freitag hatte ich mich zu einer Schneeschuh-Wanderung angemeldet. Wir schnürten uns die breiten Dinger an die Schuhe und stampften los, durch den tiefen Schnee im tiefen Wald. Zwischendurch machten wir eine kleine Pause an einer Feuerstelle, grillten Würstchen und aßen Brötchen. Gestärkt ging es dann die letzten Kilometer wieder zurück. Es hat mir echt Spaß gemacht und ich würde es auch durchaus noch einmal machen! 🙂
Am Abend ging es dann in Gruppen aufgeteilt noch einmal los. „Avanto“ (Eisbaden) stand auf dem Programm! Hier ging es nicht darum in kaltes Wasser zu steigen, sondern in ein in den gefrorenen See gesägtes Eisloch zu steigen. Vorher und nachher wurde sich ordentlich in der Sauna aufgewärmt um sich danach einmal ordentlich zu erfrischen. Natürlich fand ich das auch super kalt und man bleibt meist nicht länger als ein paar Sekunden im Wasser, aber es ist nicht so schlimm wie man es sich vielleicht vorstellt und wenn man wieder aus dem Wasser kommt, macht es den Anschein, als wäre die Lufttemperatur draußen lauwarm. Zumindest war das meine Erfahrung beim Eisschwimmen!
Als nächstes mussten wir dann leider schon unsere Koffer packen, denn am nächsten morgen ging es schon ganz früh wieder los, 16 Stunden südlich zurück nach Helsinki. Ein unbeschreiblich tolle Reise, die meine Erwartungen noch übertroffen hat und die ich sicherlich nicht vergessen werde. Mehr Bilder gibt es in der Galerie ganz oben zu sehen! 😉

Penkkarit und vanhojen tanssit

PENKKARIT.
„Penkkarit“ ist eine jährliche finnische Tradition, die von den Abiturienten der Highschool gefeiert wird. Es ist der letzte Tag für die Schüler an der Schule. Am Morgen sind alle in verschiedensten Kostümen zur Schule gekommen. Es sind Einhörner, Minions und Tiere durch die Flure gelaufen und hatten prall gefüllte Tüten mit Süßigkeiten bei sich. Dann wurden die Klassenzimmertüren aufgerissen und alle mit Bonbons und Schokolade beworfen. Nach der ersten Stunde ist die ganze Schule in die Aula gegangen, wo die Abigaala stattgefunden hat. Bei uns haben sie ein Quiz gemacht, in dem jeweils zwei Erst-, Zweit- und Drittklässler gegeneinander angetreten sind. Zum Schluss wurde das Abivideo gezeigt, welches professionell und mit viel Mühe gemacht wurde.
Nach der Gala sind alle Abiturienten nach draußen gestürmt und in die LKWs gestiegen. Da wir eine sehr große Schule sind, brauchten wir mehr als nur ein oder zwei Laster, doch dass acht dieser Wagen voller Abiturienten vor unserer Schule stehen werden, damit hatte ich nicht gerechnet. Wieder wurden wir mit Massen von Süßigkeiten beworfen, bevor die LKWs sich laut hupend und mit schreiender Besetzung auf den Weg machten. So fuhren unzählige Laster von verschiedensten Schulen an diesem Vormittag durch die Stadt.

WANHAT.
Der große Tag war gekommen. Wochenlang geübt, alles mögliche vorbereitet und organisiert. Doch wahrscheinlich wollt ihr erstmal wissen was das überhaupt ist, die Wanhat.
Die Wanhat, oder auch „vanhojen tanssit“, ist ein traditioneller finnischer Schulball. Die Abiturienten hatten am Vortag beim „Penkkarit“ die Schule verlassen und nun feiern die Zweitklässler, dass sie die Ältesten der Schule sind. Auch wenn ich Erstklässlerin bin durfte ich wie alle anderen Austauschschüler mittanzen, da wir eben nur für ein Jahr hier sind. Seit Ende November fanden dreimal wöchentlich Tanzstunden statt. Meinen Tanzpartner hatte ich dank meiner Tutorin in der Schule gefunden. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten wurde das straffe Programm durchgezogen. Es bestand aus etwa zehn traditionellen Tänzen, unter anderem Tango und Wiener Walzer. Zum Schluss kamen noch die „Oma tanssit“ dazu, also unsere eigenen Tänze, für die extra Musik zusammengeschnitten und eine Choreografie geschrieben wurde.
Seit dem Sommer waren die Mädchen schon auf Kleidersuche, aufwendig geschneiderte Ballkleider in verschiedensten Farben, wenn nötig auch maßgeschneidert, was dann schon mal locker 800€ kosten kann. Ich hatte riesiges Glück, dass meine Support Person selbst welche unfertig und mir eines ihrer geliehen hat. Alles wurde ewig organisiert, schließlich sollte alles perfekt sein für diesen Tag.
Am Morgen der Wanhat fuhren die meisten meiner Freundinnen und Mittänzer schon um sieben zum Frisör, verbrachten stundenlang mit dem Make-up, um pünktlich um halb eins bei der Generalprobe zu sein. Meine Schule hatte eine Arena gemietet, da wir sehr viele sind und beinahe 300 Tänzer hatten. Eine meiner Klassenkameraden hatte mir morgens schnell die Haare gemacht und ich hatte mit einer Freundin zusammen das Make-up gemacht. Die Aufregung stieg immer mehr, denn die Generalprobe verlief wie im Flug und schon stand die erste Aufführung an. Um 13.30 kam die Schule, das heißt die „Übriggebliebenen“ Erstklässler und Lehrer zum Zuschauen. Es lief ganz gut, ich hatte ab und zu etwas Probleme, weil das Kleid etwas lang war und ich draufgetreten bin 😀
In der Pause habe ich mit Freundinnen Fotos gemacht und wir haben etwas gegessen, unerwartet gingen die zweieinhalb Stunden schneller um als erwartet. Die Aufregung stieg nochmal, denn jetzt war die Arena komplett gefüllt mit Menschen, Eltern und Verwandten. Da wir die erste Aufführung schon quasi als Probe nutzen konnten, lief das zweite Mal gleich besser. Der Applaus am Schluss war groß und wir waren erleichtert, als es geschafft war.
Im Anschluss wurden noch ein paar Fotos mit meiner Familie gemacht und dann sind wir nach Hause gefahren, wo ich mich schnell umgezogen habe. Denn es stand noch die Aftershowparty an, die mehrere Schulen aus Helsinki und Umgebung zusammen hatten. Es fand in einer Art Club statt und war ab spätestens halb elf prall gefüllt, es wurde getanzt, viel getrunken und auch sonst bekam mein beim typisch finnischen feiern einiges zu sehen… Wir hatten aber auch nüchtern unseren Spaß, es war ein guter DJ da und ich habe auch andere Austauschschüler wieder gesehen dort. Gegen zwei Uhr morgens war ich nach einem langen und anstrengenden Tag endlich in meinem Bett.
Ein unglaublicher Tag und eine unvergessliche Erfahrung, die ich nur hier in Finnland hätte machen können! Ich werde auch den Link zu You Tube hier reinstellen, sobald der Tanz hochgeladen wurde.

Bis bald 😉
Lena

Schneelose Adventszeit, Weihnachten und Neujahr

Die Adventszeit. Einen Adventskalender von den „Moomins“ hatte ich schon relativ früh von meiner Gastmutter geschenkt bekommen, aber es hatte sich nie so angefühlt, als könnte ich bald das erste Türchen öffnen. Die Advente verliefen ganz anders, wie ich es aus Deutschland gewohnt war. Kein gemeinsames Frühstück oder Adventskaffee am Nachmittag… Noch nichtmal einen Adventskranz hatten wir und somit blieb auch der Streit darum, wer die erste Kerze anzünden darf, erspart. Dafür hatte jeder in der Familie mindestens zwei Kalender – sogar der Hund hatte einen 😀
In den Städten wurde wie auch in Deutschland weihnachtliche Lichter aufgegangen und an einigen Tannen hingen Lichterketten. Der Schnee blieb leider erspart und es war eine für Finnland ziemlich warme Adventszeit.
Am 3. Advent machte ich meiner Gastfamilie eine kleine Überraschung. Aus Deutschland hatte ich ein großes Paket mit deutschen Weihnachtskeksen, Stollen und alles was eben dazu gehört bekommen und hatte ihnen einen Tisch gedeckt. Jeder hat fleißig probiert, auch wenn nicht alles so gut geschmeckt hat. Dann blieb eben mehr für mich übrig 😀 Trotzdem haben sie sich sehr darüber gefreut und wir haben mit Weihnachtsmusik im Hintergrund einen schönen Abend gehabt, wo wir uns auch gegenseitig über die Weihnachtstraditionen unterhalten konnten 🙂

Der sechste Dezember – in Deutschland der Nikolaustag, in Finnland der Unabhängigkeitstag. Den Nikolaus kennen die Finnen nicht. Trotzdem hat mich am Morgen eine kleine Überraschung von meiner Gastmutter erwartet. Ich hatte ihr mal Monate vorher von unserem Nikolaus erzählt und da hatte sie sich tatsächlich dran erinnert und mir eine Schüssel Süßigkeiten vor die Tür gestellt!
Der Unabhängigkeitstag in Finnland ist etwas ganz wichtiges und ein großer Tag für die Finnen. Dieses Jahr hatte Finnland seinen 99 Geburtstag. Am Morgen sind wir zu einer Cheerleadingvorführung meiner Gastschwestern gefahren. Anschließend haben wir uns hier zu Hause Pizza bestellt. Der Fernseher ist sowieso den ganzen Tag an, da ständig Übertragungen laufen, wie sich Prominente die Hände schütteln.
Am Abend sind wir zu meiner Support Person gefahren, wo wir dann gefeiert haben. Aus dem Radio, generell überall konnte man tagsüber die Nationalhymne hören und auch jetzt haben wir zusammen gesungen. Alle anderen Austauschschüler, die dort eingeladen waren, durften dann noch ihre Nationalhymne vorsingen, schön spontan und ohne jegliche Begleitung … 😀 Anschließend wurde sich an der Festtafel bedient und die Gala im Fernsehen angesehen. Jeder gratuliert sich gegenseitig mit „Hyvää itsenaisyyspäivää!“. Es war wirklich ein schöner Tag. Die Finnen haben einfach Ihren Nationalstolz. Auch wenn die meisten nicht verstehen, warum ich freiwillig in ihr kaltes Land als Austauschschülerin komme, lieben sie ihr Land und sind alle stolz, es ihr Land nennen zu dürfen.

Heiligabend. Unglaublich, dass das Jahr schon bald vorbei ist. Ich hatte schon einige Gedanken, wie dieser Tag wohl werden würde, wenn man nicht wie gewohnt mit der Familie zusammen ist. Mein Weihnachten das ich gewohnt war, hatte sich immer ruhig und gemütlich abgespielt. Wie es wohl mit kleineren Kindern und aufgedrehtem Hund sein würde..?
Am Morgen sind wir nicht ganz so spät aufgestanden. Merkwürdigerweise durfte ich zusammen mit meiner Gastschwester und meinem Gastbruder schon ein Geschenk auspacken. Es war ein Gesellschaftsspiel für uns drei, was wir dann gleich ausprobiert haben, bevor ich mit meiner Gastschwester in die Sauna gegangen bin. Das ist eine der Weihnachtstraditionen – ohne die Weihnachtssauna ist Heiligabend nicht vollständig. Nach der Sauna kamen dann die Großeltern und wir haben zusammen Milchreis gegessen, eine weitere Tradition, denn das ist das typische Weihnachtsfrühstück. Anschließend wurde ein Film gesehen, der jedes Jahr zu Weihnachten kommt und außerdem eine Übertragung der Weihnachtszeremonie aus Turku.
Schnell war der Vormittag vorbei und wir sind zu den anderen Großeltern gefahren, wo auch noch andere Verwandtschaft war. Alle zusammen haben wir dann gegessen. Finnisches Weihnachtsessen ist sehr aufwendig und vor allem viel. Sehr viel. Zur Vorspeise gibt es meist Salat, die „zweite Vorspeise“ ist dann verschiedenster Fisch und „Joululimppu“ eine Art Weihnachtsbrot. Das nächste Gericht gehört auch noch nicht zur richtigen Hauptspeise, jetzt gab es erstmal verschiedene, selbstgemachte Aufläufe, Kartoffelauflauf, Karottenauflauf… Als bei mir schon das gewisse Sättigungsgefühl erreicht war, konnte es mit der Hauptspeise losgehen: Der „Joulukinkku“. Ein Weihnachtsschinken der bis zu neun Stunden, teilweise über Nacht, im Ofen verbringt, aber dann einfach nur herrlich lecker schmeckt. Anschließend gab es selbstgerechten Schokomouse, „Joulutorttu“, Kekse, Schokolade, Kaffee und Kuchen. Ich glaube ich habe noch nie so viel gegessen.
Zwei Stunden später hat es dann endlich an der Tür geklingelt. Der „Joulupukki“, also der Weihnachtsmann war endlich da! Mit großen weißen Bart und eine mächtigen Geschenksack kam er ins Wohnzimmer und hat die nicht endenden Geschenke verteilte. Sogar ich habe schon drei Geschenke bekommen, eins für meine Gastschwester und mich zusammen. Von meinen Gasteltern habe ich ein riesiges Moomi-Handtuch bekommen *-*
Als wir nach der Bescherung wieder nach Hause gefahren sind, ging es gleich weiter mit den Geschenken. Ich habe wirklich noch nie so viele Geschenke gesehen und wurde selbst auch reichlich beschenkt! Meine Gastfamilie hat sich auch sehr über meine Geschenke gefreut und wir hatten gemeinsam einen superschönen Abend. <3

Silvester. In weniger als 12 Stunden würde ich ein neues Jahr in meinem Auslandsjahr anbrechen. In mir löst das so ein Gemisch als, Freude und Traurigkeit, Lachen und Weinen aus. Wie kann die Zeit nur so unglaublich schnell vergehen? Einerseits frage ich mich, was ich die ganzen sechs Monate gemacht habe, anderseits weiß ich, dass ich schon so unfassbar viel erlebt habe und ich die Zeit einfach schätzen sollte, die ich schon hier verbringen durfte. Ich bin momentan einfach wieder unfassbar glücklich mit meinem Leben hier in Finnland und möchte am liebsten nie wieder nach Hause. Anderseits freue ich mich dann natürlich auch darauf meine Familie in einem halben Jahr wieder in die Arme schließen zu können. Die Gedanken eines Austauschschülers können sehr wirr sein….
Silvester an sich war erst nicht sonderlich spektakulär. Wir haben zusammen Essen gemacht und am Nachmittag wurde spontan entschieden, dass mich eine andere Austauschschülerin besuchen kommt und dann hier übernachten würde. Wir sind dann jedoch zusammen spontan zu einer Freundin gefahren und haben dort mit vielen anderen den Abend verbracht. Kurz vor Mitternacht sind wir dann raus gegangen auf einen kleineren Hügel und hatten von da aus einen tollen Blick auf das Feuerwerk mehrerer Familien und haben auch selbst ein paar angezündet. Am Abend bzw. Morgen bin ich dann müde ins Bett gefallen. Es war ein toller Abend und ich kann immer noch nicht glauben, dass wir jetzt 2017 haben! Frohes Neues Jahr – Happy New Year – Hyvää uutta vuotta!

Ich hoffe, ich habe über alles wichtiges berichtet in dem Eintrag. Wie war euer Weihnachten in eurem Gastland? So ähnlich oder völlig anders? Oder wartet ihr noch auf euer Weihnachtserlebnis im kommenden Auslandsjahr? Ich werde jetzt die restliche Ferienwoche mit meiner Gastfamilie noch genießen und hoffe ihr hattet einen guten Start in 2017!

Lena

Tallinntrip, plötzlicher Wintereinbruch und Sprachwirrwarr

Es ist wieder viel passiert seit meinem letzten Blogeintrag und ich konnte mich schon gar nicht mehr unter aktuellen Blogeinträgen wiederfinden. Tatsächlich bemerke ich meistens gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht und wenn ich daran denke, das lange nichts mehr auf dem Blog von mir veröffentlicht wurde, habe ich oft einfach keine Lust dazu. Ich genieße hier jede Sekunde und schätze die Zeit, die ich auf finnischen Boden verbringen kann, denn im Endeffekt sind die übrigen 7,5 Monate schnell wieder vergangen. Jetzt werde ich aber erstmal erzählen, was bisher so spannendes passiert ist.

In der Schule ist das erste Jakso vorbei und das Ende des zweiten naht ebenfalls. Jetzt im zweiten Jakso habe ich mich endlich richtig in das Schulsystem „eingelebt“ und es läuft ganz gut in der Schule. Gewählt habe ich dieses Mal Englisch, Deutsch, Spanisch, Kunst und Sport. Erst hatte ich vor Schwedisch zu nehmen, aber der Kurs war schon voll. Ich wusste nicht, wie das mit Spanisch klappen soll, aber jetzt macht es mir richtig viel Spaß. Etwas frustrierend ist es jedoch, dass ich die finnische Grammatik nicht verstehe, aber es verstehe, wenn mir spanische Grammatik auf finnisch erklärt wird. Finnisch ist noch immer eine Herausforderung…

Ende Oktober hat YFU eine Reise nach Tallinn organisiert. Samstag morgen ging es früh mit der Fähre los nach Tallinn, wo wir dann in einem Hotel unterkamen. Am Nachmittag haben wir Zeit gehabt durch die wunderschöne Altstadt zu laufen, bevor wir mit estnischen YFU-Mitarbeitern eine Rallye gemacht haben. Wir hatten viel Spaß zusammen und ignorierten die Kälte tapfer.

Der nächste Tag begann mit dem Frühstück im Hotel und anschließend hatten wir die restliche Zeit zur freien Verfügung. Ich habe die Zeit mit ein paar Freunden genutzt, um andere Austauschschüler zu treffe, die wir von unserer VBT kannten. Da sie sich in Tallinn besser auskannten als wir, konnte sie uns gute Gelegenheit zum Shoppen zeigen, da in Finnland alles deutlich teurer ist. Auf der Fähre zurück nach Helsinki gab es für uns alle Buffet. Ein wunderschönes Wochenende, das ich nicht vergessen werde und ich werde definitiv nochmal nach Tallinn kommen!

Der Herbst in Finnland war der schönste, den ich bisher erlebt hatte, aber etwas zu kurz für meinen Geschmack. Die Bäume waren unglaublich bunt, es hat sehr selten geregnet und die Sonne hat sich häufig gezeigt. Die Temperaturen gingen meist bis auf maximal vier Grad herunter. Es ging jedoch schnell und schon fast vom einen Tag auf den anderen neigte sich der Herbst dem Ende zu. Die Farben an den Bäumen verloren zwar nicht so schnell ihre Farben, jedoch verloren die Bäume die bunten Blätter schnell und es wurde kälter. Eine Woche später dachte ich ich traue meinen Augen nicht, als ich morgens aufwachte und Schnee lag. Wirklich viel war es nicht und ich hatte auch erwartet, dass am nächsten Tag wieder alles weg ist. Die Temperaturen lagen nun meistens bei minus drei Grad und die nächsten Nächte schneite es immer mehr. Letztes Wochenende habe ich mit zwei Freundinnen einen Tagesausflug ins verschneite Porvoo gemacht und wir hatten viel Spaß, auch wenn es sehr kalt war. In der Nacht danach kam so viel Schnee, dass ohne Schneeschippen schon nichts mehr ging, es wurde gestreut auf den Straßen und meine Füße waren im 20 Zentimeter hohen Schnee schon komplett verschwunden. Es ist einfach nur wunderschön draußen und ich kann von dem Winterwunderland gar nicht genug bekommen. Diese Woche wird es noch kälter werden, gestern morgen habe ich gedacht ich träume, als ich aus dem Fenster geschaut habe und es minus 15 Grad waren 😀 Heute habe ich das schöne Wetter genutzt und war im Wald Schlittenfahren. Es gibt dort auch gute Möglichkeiten zum Ski-Langlauf und wir hatten eine richtige Piste, die wir zum Rodeln nutzen konnten. Von mir aus könnte der Winter so weitergehen, aber ab nächster Woche soll es wieder wärmer und der Schnee weniger werden… 🙁

Mit dem Finnisch läuft es in letzter Zeit immer besser. Mit meiner Familie spreche ich so gut wie es geht auf Finnisch, aber so „richtige“ Unterhaltungen laufen noch auf Englisch. Auch mit meinen Freunden halte ich das noch nicht durch. Es wird noch eine ganze Zeit dauern. Die Grammatik bringt mich schlicht und einfach um den Verstand. Es ist immer anders, nichts kann man sagen, ohne einem Wort eine Endung anzufügen. Eine der 16 Endungen. Nicht einmal „nein“ sagen ist einfach, denn das Wort „nein“ wird konjugiert. So sind mir schon witzige Sprachfails passiert. Ich habe zum Beispiel erzählt, dass ich im See schwimmen gehe (es waren null Grad), dabei wollte ich nur zum See gehen. Oder ich habe gesagt, dass wir Schnee gegessen haben, obwohl ich von unserem Picknick im Schnee erzählen wollte… Wird nicht das letzte Mal gewesen sein 😀

Manchmal habe ich das Gefühl, keine einzige Sprache mehr gut zu beherrschen. Dadurch, dass ich angefangen habe viel mehr Finnisch zu reden, unterhalte ich mich nicht mehr so viel auf Englisch und ich brauche immer ein paar Minuten, um im Redefluss zu sein. Finnisch ist sowieso noch nicht perfekt und mit dem Deutsch wird es immer witziger. Ich kann nun wirklich bestätigen: Ja, man kann seine eigene Muttersprache wirklich verlernen. Teilweise rede ich einfach auf Englisch weiter mitten im Satz, ohne es zu merken, ich erfinde interessante Worte und verdrehe alles mögliche. „Wie viel Wand ist noch zur Platz?“, „Korrektion“… Oft genug kann ich gewisse Worte nicht mehr ins Deutsche übersetzen. Und als wir im Finnischkurs Körperteile gelernt haben, hat es eine halbe Ewigkeit gedauert, bis mir das deutsche Wort für „Ferse“ eingefallen ist. 😀 Peinlich ist es, wenn meine Deutschlehrerin mich etwas fragt und ich es nicht beantworten kann, weil ich mir nicht mehr sicher bin. Auch mit der Rechtschreibung läuft es nicht mehr ganz so gut. Damit entschuldige ich mich gleich einmal für alle Fehler, die hier wahrscheinlich nicht gerade sparsam aufgetreten sind.Ich bin gespannt, wie meine Deutschkenntnisse dann in acht Monaten sind :´D

Das waren erstmal die wichtigsten Dinge, über die ich etwas erzählen wollte. Ich hoffe euch haben auch die Bilder gefallen 🙂 Mal sehen was es das nächste mal zu berichten gibt!

Bis dahin,

Lena