Archiv des Autors: Jonas

Ein wunderbares Wochenende

Endlich war es soweit! Auch wenn ich gar nicht so richtig wusste, was mich erwartet, hatte ich mich schon lange darauf gefreut. Und jetzt ist es schon wieder vorbei – das OWO (Orientierungswochenende)– mein erstes Seminar mit YFU hier in Rumänien in Cisnădioara (Michelsberg):

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Da das OWO gleichzeitig auch die Nachbereitungstagung für alle rumänischen Austauschschüler 2014/15 war, bin ich gemeinsam mit meiner Gastschwester Maria und einer weiteren Freundin, die ihr Austauschjahr in Frankreich gemacht hat, am Freitag in aller Frühe um 5:30 Uhr in den Zug in Richtung Sibiu (mit Umstieg in Bukarest) eingestiegen. Allein die Zugfahrt war ein Erlebnis für sich. Neben den wirklich schönen rumänischen Landschaften, die ich durch das Zugfenster bewundern konnte, habe ich erfahren, dass man in Rumänien nie wissen kann, ob der Zug pünktlich oder doch eventuell mit anderthalb Stunden Verspätung sein Ziel erreicht.

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In Sibiu angekommen, lag noch eine kurze Autofahrt zwischen uns und Cisnădioara. Abgeholt wurden wir von der Direktorin von YFU Rumänien und waren dann noch ungefähr 12 Stunden endlich am Tagungsort angekommen. Ich habe auf dem OWO nicht nur über meine bisherigen Erfahrungen, meiner Erwartungen, über die Eigenheiten der Rumänen und deren Hintergründe geredet und ein paar typische rumänische Redewendungen kennengelernt (z.B. “la mama dracului” (wörtlich “bei der Mutter des Teufels”), das ähnlich verwendet wird wie “am Arsch der Welt”) sondern auch mit den ehemaligen Austauschschülern und Matthias, der ja wie ich ein Schuljahr in Rumänien verbringt, geredet, gesungen, gelacht und einen grandiosen bunten Abend vorbereitet. Pläne für ein Wiedersehen sind auch schon gemacht. Es herrschte das ganze Seminar über eine wunderbare Atmosphäre, natürlich auch dank der tollen (und verrückten) Teamer, die uns Schülern gegenüber sogar in der Überzahl waren. Dass fast alle von dem letzten Austauschschülerjahrgang und auch von den Teamern ihr Austauschjahr in Deutschland, manche auch in Österreich oder der Schweiz, gemacht haben, viel die Kommunikation leicht. Trotzdem haben Matthias und ich schon ziemlich viel rumänisch geredet und auch das meiste Rumänische der Anderen verstanden.

(Selbstverständlicher Weise habe ich auf dem Bild die Augen zu. :D) So schön wie es war, so schnell war es auch vorbei. Auf der Heimreise waren wir dann zu sechst, zwei davon haben uns allerdings nur bis nach Bukarest begleitet. Als wir abends am Bahnhof in Constanța ankamen, wurden wir von meinen Gasteltern dort empfangen.

Und nach nur einer Nacht begann auch schon wieder ein rumänischer Schultag für mich in meiner rumänischen Schule mit meinen 33 rumänischen Klassenkameraden. Die Zeit vergeht hier so schnell und auch wenn kein Tag dem anderen gleicht, ist das alles doch schon zu meinem rumänischen Alltag geworden.

Und wie immer bis zum nächsten Blog-Eintrag,

Jonas 🙂

Mein zweiter Sommer

Als Rumäniens erster König Karl I. (bzw. Carol I.) 1866 in dieses Land kam, hatte er noch keine Sprachkenntnisse. Allerdings hat er es innerhalb eines Jahres geschafft, Rumänisch zu lernen.
Dieser Fakt ist mir von der Führung durch das Schloss Peleș, die Sommerresidenz des Königs, besonders hängengeblieben. Ich bin zwar nicht hier, um das Land zu regieren, aber, zumindest sprachlich gesehen, stecke ich doch in einer ganz ähnlichen Situation wie der König.

Schloss Peles

Schloss Peles

Ich habe das Schloss am letzten Tag meiner Sommerferien hier in Rumänien besucht, am letzten Tag des Wochenendurlaubs mit meiner Gastfamilie (+Gastcousin) in Sinaia, einer wunderschönen Stadt in den Karpaten. Es war ein sehr schöner Abschluss meines zweiten Sommers hier in Rumänien. Aber auch die Zeit vor dem Urlaub war natürlich nicht langweilig. Am besten fange ich noch einmal dort an, wo mein letzter Blogeintrag aufhörte:

Nach ein paar Stunden Schlaf ging es am 21.8. erst nach Dresden, von wo aus ich nach München geflogen bin. Es war mein erster Flug und deswegen natürlich ziemlich aufregend. Das Highlight war allerdings nicht der Flug selber sondern, dass mich eine der Stewardessen beim Aussteigen auf Rumänisch mit “La Revedere” verabschiedet hat (sie wird wohl mein Rumänischbuch gesehen habe, in das ich während des Flugs mal reingeschaut habe). In München habe ich dann Matthias, den anderen Rumänien-Austauschschüler getroffen (es gibt dieses Jahr leider keine Austauschschüler aus anderen Ländern in Rumänien). Die nächste Haltestelle war Bukarest. Dort wurden wir sehr herzlich von YFU Rumänien in Empfang genommen. Matthias’ Gastfamilie war zu dem Zeitpunkt schon da, meine hatte noch Verkehrsprobleme. Als sie dann auch kamen, wurde noch ein bisschen gequatscht, anschließend bin ich mit meiner Gastschwester in Bukarest in ein Einkaufszentrum und ein paar Stunden später war ich auch schon im ungefähr 2 Stunden von Bukarest entfernten Constanta.
Die nächsten drei Wochen waren gleichzeitig sehr entspannt und trotzdem aufregend und voller neuer Eindrücke. Ich war fast jedem Tag am Strand, der voll mit Liegen, Sonnenschirmen, Bars und im Sommer auch mit Menschen ist, habe viele Verwandte meiner Gastfamilie kennengelernt, aber auch Freunde meiner Gastschwester, die auch zu meinen Freunden geworden sind. Und mittlerweile habe ich mich sogar an das nächtliche Bellen der vielen Hunde gewöhnt, die in den Nachbargrundstücken bzw. auf der Straße leben. (Straßenhunde gibt es in Rumänien fast überall, in den Städten, auf dem Land, in den Bergen,…) Auch wir haben einen Hund, der sich allerdings noch nicht an mich gewöhnt hat und mich deswegen genau so laut anbellt wie jeden anderen Fremden, der am Haus vorbei läuft oder das Grundstück betritt.

Die Zeit hier ist unheimlich schnell vergangen und schon ging die Schule wieder los. Am Montag, also am ersten Schultag, ist allerdings noch nicht wirklich viel passiert. Auf dem Hof der Schule wurde irgendwas über Lautsprecher vorgelesen (ich glaube es waren die Namen der 9.-Klässler, die die Jüngsten auf dem Liceum sind), aber für die Allermeisten war das ziemlich uninteressant. Meine Gastschwester hatte mir zuvor gesagt, der erste Tag ginge um 10 Uhr los. Allerdings standen fast alle noch bis nach halb 11 vor der Schule um miteinander zu reden und sich über die 3 Monate Sommerferien, die man in Rumänien hat, und alles mögliche andere auszutauschen. Als ich dann irgendwann in das Schulgebäude reingegangen bin, hat mir eine rumänische Freundin, die letztes Jahr mit YFU in Frankreich war, dabei geholfen das Zimmer meiner Klasse zu finden. Das haben wir auch ziemlich schnell geschafft. In der Klasse hat meine Klassenlehrerin die Namen aller vorgelesen und alle persönlich begrüßt und von vielen Schülern Blumen geschenkt bekommen. Das war’s dann auch schon. Nach nicht mal zwei Stunden bin ich dann mit meiner Gastschwester und ein paar Mitschülern in ein Restaurant gegangen und haben dort noch einige Zeit verbracht.

Der zweite Tag war da schon etwas anders: In immerhin drei von den 7 Stunden heute, haben wir effektiv etwas gemacht. In den restlichen wurde einfach weiter miteinander geredet als wäre noch Pause. Das war unter anderem auch im Deutschunterricht so, in dem ich auch ein echt nettes Gespräch mit meiner Deutschlehrerin über mich, meine Sommerferien und mein Austauschjahr hatte.
Ich bin in einer Klasse mit Englisch-Profil, ich habe also 6 Stunden Englisch pro Woche. Das macht die Kommunikation mit meiner Klasse sehr viel leichter. Auch wenn es in der Klasse natürlich schon feste Grüppchen gibt, sind viele meiner Klassenkameraden wirklich nett und hilfsbereit, wenn sie mich zum Beispiel das abschreiben lassen, was der Lehrer diktiert, mir Sachen übersetzen oder mir zeigen, wo wir als nächstes Unterricht haben, oder begrüßen und verabschieden mich einfach freundlich.

Morgen ist dann auch schon der dritte Schultag. Und es wird wieder sehr viel Neues für mich geben. Vor allem am Anfang ist ein eigentlich normaler Schultag ein wahres Abenteuer, über das man seitenweise schreiben könnte.
Aber das hier soll für’s Erste reichen.

Bis zum nächsten Blog-Eintrag,
Jonas

Wenn aus Monaten Stunden werden

Es war der 10. April, kurz vor Ende der Osterferien in Sachsen, als ich direkt nach dem Aufwachen die Nachricht von meinem Papa bekam, dass ich ein Austauschjahr in Rumänien machen werde. (Mit einer Teilnehmernummer über 1500 war ich wahrscheinlich einer der letzten Bewerber.) Bis zum Start in mein Austauschjahr waren es noch über 4 Monate. (Was ich zu diesem Zeitpunkt ja aber noch gar nicht genau wusste, da man seinen Abflugtermin ja erst später erfährt.) Aus diesen Monaten wurden Tage und von den Tagen sind jetzt auch nur noch Stunden übrig.

Was damals noch so schwer zu realisieren und so weit weg war, ist jetzt irgendwie immer noch schwer zu realisieren, aber mehr als zum Greifen nahe. Auch wenn ich im Gegensatz zu vor über 4 Monaten jetzt meine Gastfamilie kenne, weiß, wo ich wohne und wo ich zu Schule gehe, wann ich abfliege, wo ich umsteige und wann ich ankomme, und der Koffer gepackt ist, ist es dennoch ein Flug ins Unvertraute und zum Teil Ungewisse, ein Flug ins zehnmonatige Weg-von-zu-Hause.

Aber natürlich ist das, was so kurz bevorsteht, auch ein unglaubliches Privileg! Ich darf Teil einer Familie werden, die mich morgen zum ersten Mal sehen wird und mit dieser Familie in Constanța, also in einer 300.000-Einwohnerstadt direkt am schwarzen Meer, leben. Ich darf dort an die selbe Schule wie meine Gastschwester, die erst im vergangenem Schuljahr mit YFU in Deutschland gewesen ist, gehen und auch ein Teil von diesem neuen Umfeld werden. Ich darf Rumänien sozusagen von Innen heraus und unter der Oberfläche kennenlernen und vor allem darf ich die Erfahrung machen von einem Fremden zum Freund zu werden und wie ein kleines Kind jeden Tag etwas Neues zu entdecken, etwas dazuzulernen, etwas mehr zu Verstehen.

Es ist nur noch ein kleines bisschen Zeit und ein Flug, bis das eben beschriebene Abenteuer losgeht und ich den Sprung ins kalte Wasser wagen werde. Denn anders als in vielen anderen Gastländern, geht es direkt zu meiner Gastfamilie und nicht vorher noch zu einer Orientierungstagung (die gibt es natürlich trotzdem, nur eben nicht sofort). Es liegt auf der Hand, dass natürlich beides seine Vorteile hat. Außerdem habe ich in Rumänien angekommen, noch 3 Wochen Zeit, bis die Schule losgeht. Da hier in Sachsen am Montag schon der erste Schultag ist, bekomme ich also 3 zusätzliche Ferienwochen.

Falls jemand von meiner Schule, oder ein anderer Schüler aus Sachsen das liest, so solle er sich herzlichst gegrüßt fühlen. 😀

Bis zum nächsten Mal (dann aus Rumänien),

Jonas

Schritt für Schritt – in (nur) noch 42 Tagen!

 

Zeit zum Durchatmen. Der letzte Schultag ist vorbei und damit ist nicht nur der letzte Schritt in Richtung Sommerferien getan, sondern auch ein weiterer Schritt in Richtung Austauschjahr. Doch endet mit dem Anfang der Sommerferien nicht nur mein 11. Schuljahr. Ich hatte heute das letzte Mal Klavierunterricht und, ohne es in diesen Moment zu realisieren, habe ich die meisten Leute meiner Klassenstufe, mit denen ich zum Teil seit über 7 Jahren so gut wie jeden Schultag im selben Haus verbracht habe, vielleicht zum letzten Mal gesehen.

Während ich in genau 6 Wochen im Flugzeug nach Rumänien sitze und mein gewohntes Leben in der Kleinstadt im Erzgebirgsvorland unter den Wolken zurücklasse, steht für den Rest meines (ehemaligen) Jahrgangs das letzte Schuljahr, und damit die letzte Etappe bis zum Abi, schon vor der Tür.

Ich bin übrigens Jonas, durfte meinen 17. Geburtstag auf meiner unglaublich tollen Vorbereitungstagung für das Austauschjahr verbringen, mache in meiner Freizeit viel Musik, spiele Theater und probiere mich gerne am Ungewöhnlichen. Das ist auch einer der Gründe, warum Rumänien zu meiner zweiten Heimat wird. Das Land zählt vielleicht nicht unbedingt zu den all-time favorites unter den Gastländern, hat aber durch seine Lage in Europa eine überraschend vielfältige Kultur. Außerdem war ich insgesamt schon 4 Mal in Rumänien, jedoch jedes Mal nur auf der Durchreise nach Moldawien, beziehungsweise von dort zurück. Ich habe in Constanța (Konstanza) am schwarzen Meer und in Rumäniens zweitgrößter Stadt Cluj-Napoca (Klausenburg) übernachtet, bin über die Karpaten gefahren, habe Eindrücke gesammelt, Landschaften und Leute gesehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jetzt kann ich es kaum noch abwarten, Rumänien unter der Oberfläche kennenzulernen, in einem Umfeld, das man so sonst nicht kennenlernt, persönliche Erfahrungen zu sammeln und mich darin auch selbst neu kennen zu lernen.

Noch ist mein Austauschjahr anderthalb Monate entfernt und ich habe noch die ganzen Ferien Zeit, um meine Rumänisch-Kenntnisse zu verbessern, mich von meinen Freunden zu verabschieden, endlich zu erfahren, wer meine Gastfamilie ist, mich seelisch und moralisch darauf vorzubereiten, das erste Mal zu fliegen; um mir zu besorgen,  was ich noch alles so brauche, zu erledigen, was alles noch erledigt werden muss und letztendlich hier die Zelte abzubrechen.

Bis zum nächsten Mal,

Jonas