Archiv des Autors: Jonas

La revedere

Timpul zboară. Die Zeit fliegt. So wie auch ich in zwei Wochen.

Eigentlich ist es recht einfach. Viel muss man nicht tun. Koffer packen, zum Flughafen, einchecken, einsteigen. Dass ich nicht für immer bleiben werde, war ja sowieso von Vornherein klar. Jetzt ist es bald so weit. Es gab Zeiten, da habe ich die Tage gezählt, bis es so weit ist und Zeiten, in denen ich vergessen hatte, dass das hier nur vorübergehend ist und nicht schon immer so war. Es ist seltsam, dass es bald soweit ist. Bald ist es vorbei. Bald geht es nach Hause. 

Wenn ich hier in Rumänien von zu Hause rede, dann meine ich damit mein zu Hause in Rumänien. Meine Gastfamilie, das Haus, in dem wir leben, die Bushaltestelle, an der ich so oft auf die 5-40 warte, ohne zu wissen, wann genau sie kommen wird, die Straße, in der wir wohnen, und ihre Straßenhunde, die mich, gemeinsamen mit allen anderen Hunden in der Umgebung, des Öfteren um den Schlaf gebracht haben.

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Anfang des Monats war das Re-Entry Seminar in Bukarest. Mein letztes Seminar hier in Rumänien, auf dem wir nicht nur die Hauptstadt kennengelernt haben, sondern auch auf unser Austauschjahr zurückgeblickt haben und auf die letzten Wochen im Austauschjahr und die Zeit nach unserer Ankunft in Deutschland vorbereitet wurden. Die letzten Wochen sind schwierig. Wenn auch vielleicht nicht unbedingt die schwierigsten. Das, was sie schwierig macht, ist der Druck, alles zu machen, was man unbedingt noch gemacht haben will und jeden zu treffen, von dem man sich verabschieden will und, dass man, auch ohne zu zählen, genau weiß, wie viele Tage man noch hat, wenn man nur auf das Datum guckt; der Druck, dass man noch mehr in seinen Koffer stopfen muss, als auf der Hinreise und, dass man schon die ersten Pläne für nach dem Austauschjahr hat und damit plötzlich wieder in dem undefinierten Raum zwischen zu Hause und zu Hause 2.0, zwischen Austauschjahr und Nicht-(mehr)-Austauschjahr, schwebt.

Wenn ich hier des Nachts so sitze und diesen Blogeintrag schreibe, scheint es mir offensichtlich. Aber ansonsten ist dieser Druck für mich eher dumpf und unterbewusst. Zur Zeit ist ja aber auch noch alles normal. Noch ist Schule, noch ist Alltag. Rumänischer Alltag. Natürlich merkt man, wenn sich das Schuljahr dem Ende zuneigt, aber das Ende eines Schuljahres ist natürlich nicht so dramatisch wie das Ende eines Austauschjahres. Ich habe das Glück, dass der letzte Schultage ganze zwei Tage vor meiner Abreise ist, wodurch ich noch eine unvorstellbare Menge an Zeit, besser gesagt gar keine, mehr habe. Aber naja. Immerhin bin ich hier in Rumänien. Da wird in der letzten Schulwoche wohl kaum noch irgendjemand anwesend sein….

Es gäbe noch so viel zu sagen. Aber so wenig lässt sich tatsächlich in Worte fassen.

In diesem Sinne,

La revedere!

April – Wechselhaft Wie Immer

Im April gab es bei mir in Rumänien nicht nur richtiges klischee-wechselhaftes Aprilwetter (und damit auch die ersten schönen, warmen Tage), sondern auch einiges an Erlebnissen.

Die erste Hälfte war dabei noch ziemlich unspektakulär. Der rumänische (Schul-)Alltag nahm seinen Lauf und rückblickend fällt mir mal wieder auf, wie sehr ich mich doch an Schule, Menschen, Busse, Tagesabläufe, Stundenpläne und alles andere gewöhnt habe. Am Anfang kam es mir noch ziemlich seltsam vor, dass z.B. Mathe an meiner Schule um einiges umfangreicher und schwerer ist als in Deutschland, wir aber in manchen anderen Fächern kaum etwas machen. Aber selbst das ist mittlerweile irgendwie normal für mich.
In der zweiten Hälfte des Monats ging es dann los. Ich sollte hier schon mal anmerken, dass Ostern in orthodoxen Ländern nicht immer (bzw. selten) am selben Tag wie Ostern in Deutschland ist, weil das Datum anders berechnet wird. Dieses Jahr war orthodoxes Ostern am 01.05. Ich komme später darauf zurück. Osterferien starteten am 23. In der Woche vor den Osterferien, die auch Săptămână altfel („andere Woche”) genannt wird, ist keine normale Schule, sondern man hat jeden Tag eine Aktion, ein Projekt oder eine Exkursion. Zumindest diejenigen, die nicht schon in dieser Woche in den Urlaub gefahren, oder anderweilig beschäftigt sind. Ungefähr ein Drittel meiner Klasse war nie anwesend (außer am Donnerstag, über den ich gleich noch genauer berichten werde). Der Rest (inklusive mir) war unter anderem an der maritimen Uni oder im Amtsgericht. Am Donnerstag waren wir auf Exkursion in der Hauptstadt Bukarest, wo wir in einem Naturkundemuseum waren, danach zu einer der großen Malls gefahren sind und anschließend noch Freizeit hatten. Auf dem Rückweg haben wir dann im Bus mit unserer Diriginta, also Klassenlehrerin, ausgemacht, dass wir Freitags einfach nichts machen

Die Zeit in dieser Woche und in den Osterferien habe ich natürlich auch genutzt um mich mit meinen Freunden hier zu treffen. Es ist hier recht unüblich, sich bei jemanden zu Hause zu treffen. Man macht eher Unternehmungen in der Stadt und geht in ein Kaffee, ins Kino, oder, wenn man will, auf eine Fototour in die Altstadt, so wie wir:

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Ein besonderes Erlebnis war auch Ostern. Der Gottesdienst zur Auferstehen (rum. Înviere) fand in der Nacht vom 30.04 zum 01.05. um Mitternacht statt. Ich fand es beeindrucken, wie unglaublich viele Leute gekommen sind. Am Anfang der Zeremonie singt der Priester wiederholt „Veniți să luați lumină”, was so viel heißt wie „Kommt und holt Licht” und nicht nur symbolisch gemeint ist. Zur Înviere kommen nämlich alle mit Kerzen. Wenn es soweit ist, zünden die ersten ihre Kerzen an denen des Priesters an und geben das Licht dann sozusagen and die nächsten weiter und nach relativer kurzer Zeit haben über tausend Leute angezündete Kerzen in ihren Händen. Da mit dem Gottesdienst auch die Fastenzeit endet, wird vor der Înviere zu Hause der Tisch reichlich gedeckt und wenn man wiederkommt, wird in der Nacht gegessen. Besonders wichtig sind dabei die gefärbten Eier, die mit den Worten „Hristos a înviat./Adevarat a înviat.” („Christus ist auferstanden./Er ist wahrhaftig auferstanden.) aneinander geschlagen werden. Gegessen wird das Ei dann übrigens nur, wenn die Schale gesprungen ist. Wenn nicht, naja, dann gibt es erstmal kein Ei.

Frühling in der Luft und Geld auf dem Boden

Hab ich nicht am Ende meines letzten Blogeintrags geschrieben, dass ich mich recht bald wieder blicken lasse? Jetzt ist doch schon wieder ein Monat vergangen. Und ich hänge ein bisschen mit dem Erzählen hinterher.
Ohne Zeit zu verlieren, begeben wir uns also zurück zum 1. März. In Rumänien wird dieser Tag auch Mărțișor (also “Märzchen”) genannt. An diesem schönen Tag bekommen die Frauen und Mädchen (ich habe gehört, in anderen Teilen Rumäniens auch die Herren) mărțișoare geschenkt. Das sind kleine Geschenke, in der Regel Armbändchen oder Anhänger in den Farben rot und weiß. Aber auch Blumen werden an diesem Tag gerne verschenkt. Vor allem die Lehrerinnen meiner Schule haben an diesem Tag nicht zu wenige Blumen und Anhänger bekommen. Dem Brauch nach, werfe man die mărțișoare in den ersten blühenden Busch den man sieht und nimmt sie vorher nicht ab. Schließlich dient der Tag dazu, den Frühling einzuleiten. Allerdings ist es nicht unbedingt moralisch verwerflich, sie ein paar Tage zu tragen und sie dann zu Hause einfach abzunehmen oder sogar im nächsten Jahr weiterzuverschenken.

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Ein wichtiger Tag im Leben eines Rumänen ist der 18. Geburtstag. Klingt selbstverständlich. Aber hier ist dieser Tag besonders wichtig. Der 18. Geburtstag (bzw. die Geburtstagsfeier) wird als majorat bezeichnet. Ein majorat ist in der Regel eine große Feier – viele Freunde werden eingeladen, meist mietet man sich auch irgendwo auswärts einen Raum, man zieht sich schick an und feiert gemeinsam bis in die Morgenstunden. Feiern ist generell etwas, was die Rumänen mögen (bzw. viele Rumänen, um nicht ganz so zu verallgemeinern ;)). Sehr wichtig auf einem majorat ist außerdem laute Musik. Sehr laute Musik. Vorzugsweise Manele. Manele ist typisch rumänische Musik, die nicht ganz leicht zu beschreiben ist. Ich glaube nicht, dass es viele Leute gibt, die privat gerne Manele hören. Viel mehr würden viele auf die Frage, ob sie Manele mögen eher mit Kopfschütteln reagieren. Auf einer Feier wandelt sich dieses Kopfschütteln jedoch schnell in freudiges Tanzen um. Hier ein exquisites Beispiel:

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Die letzte Sache über die ich heute schreiben möchte, ist Geld. Oder eher: Kleingeld. Kleingeld klingt jetzt nicht unbedingt nach einer großen Sache. Wer Rumänien kennt, weiß aber schon, woraus dieser Absatz hinauslaufen wird. Die kleinsten Münzen, die es gibt (1 Ban) sind einen Viertel Cent wert. Der kleinste Schein (1 Leu) ist ein Viertel Euro, also 25 Cent. Das Münzgeld hat also nicht unbedingt viel wert und wird deswegen auch kaum benutzt. 1-Ban- und 5-Bani-Münzen sind für mich nicht mal etwas Alltägliches. Die Dinger sieht man kaum. Und wenn man sie sieht, liegen sie in der Regel irgendwo auf der Straße rum, weil man das Kleingeld hier gerne mal fallen lässt. Wenn man im Supermarkt einkauft, wird der Betrag fast immer auf 10 Bani gerundet. Man bekommt also so gut wie nie kleineres Geld als eine 10-Bani-Münze als Wechselgeld. Das lässt man dann gerne mal liegen. Sogar ich hab mir angwöhnt, mir gar nicht erst die Mühe zu machen, 20 oder 30 Bani einzupacken, sondern nur das Scheingeld zu nehmen. Das rumänische Scheingeld kann man übrigens nicht so einfach zerreißen. Es ist kein einfaches Papiergeld, sondern besteht aus anderem Material. Aber natürlich hab ich es trotzdem schon einmal geschafft einen 5-Lei-Schein kaputt zu machen, als ich beim Mittelseminar versucht habe, zu demonstrieren, dass man das rumänische Geld eben nicht zerreißen kann. Das Beste daran: Der 5-Lei-Schein war von Matthias, dem anderen Austauschschüler in Rumänien, geliehen. 😀

 

Das sagt man nicht einfach nur so

“Moment… Da war doch was. Irgendwas, das ich vor hatte. Mhh. Oh, ja. Der Blog. Ich sollte demnächst mal wieder ‘nen Eintrag schreiben… Ich sammle im Kopf am besten schon mal ein paar Ideen.”

Anderthalb Wochen später: Dasselbe nochmal. Ich werde davon überrascht, dass ich irgendwie immer noch nichts für meinen Blog geschrieben hab. Das lag wohl manchmal daran, dass ich ein volles Programm hatte – nach der Schule mit Freunden im Café treffen, dann für einen Wettbewerb Umfragen auswerten, dann auch noch ein spontaner Wochenend-Wanderurlaub mit der Gastfamilie und Freunden meiner Gasteltern. Manchmal war ich aber auch einfach so mit Nichtstun (bzw. Reflektieren 😉 ) beschäftigt, dass für kaum etwas anderes Platz war.

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Qualitativ hocherwertiges Bild der Colindatori beim Pausemachen

Jetzt beim Schreiben bemerke ich wieder einmal wie voll das Austauschjahr bis jetzt doch war. Voll von besonderen Ereignissen, die mittlerweile schon wieder Erinnerungen sind. Und selbst nach 6 Monaten sind die kleinen, alltäglichen Dinge, jeder Schultag mit den Freunden aus meiner Klasse, immer noch etwas besonderes. Man hört immer mal wieder, dass die Zeit im Austauschjahr unheimlich schnell vergeht. Und dass vor allem die zweite Hälfte an einem vorbeizieht als wäre sie nur eine einzige Woche. Das sagt man nicht einfach nur so. Wenn ich in meinem Rumänien-Schulalltag stecke, merke ich das vielleicht nicht so unbedingt. Wenn ich aber den Blick zurück schweifen lasse, erschrecke ich fast bei der Feststellung: Die Zeit IST schnell vergangen. Und wie.

Allein seit dem letzten Blogeintrag habe ich so viele Erinnerungen gesammelt. Kurz vor Weihnachten bin ich, nach rumänischer Tradition, mit Freunden aus dem Chor von Tür zu Tür gegangen und habe colinde (also Weihnachtslieder) gesungen und dafür, sofern aufgemacht wurde, eine Kleinigkeit an Geld (und Orangen, eine Pizza und ein Stück Geburtstagstorte) bekommen. Über Weihnachten fuhr ich dann mit meiner Gastfamilie und zwei befreundeten Familien für ein paar Tage nach Bucovina, eine Region im Norden Rumäniens, die vor allem für ihre vielen Klöster (die sog. Moldauklöster gehören zum Weltkulturerbe) bekannt ist. Wir waren vor allem wandern und haben den 25.12., also Weihnachten, zwar nicht wie typisch mit der ganzen Familie, dafür aber im Hotel, mit viel typischem und traditionellem Essen (wie an so ziemlich jedem rumänischen Feiertag), verbracht.

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In Bukovina

Kurz darauf war auch schon wieder Silvester und ich war mit meiner Gastfamilie in einem Restaurant bei einer Feier mit, wie soll es auch anders sein, viel rumänischem Essen und natürlich auch mit rumänischer Live-Musik und einer Bauchtänzerin (die mir mal wieder vor Augen geführt hat, durch wie viele verschiedene Einflüsse die rumänische Kultur geprägt ist).  Den Rest der Ferien war ich dann relativ faul, und schon ging die Schule wieder los. Nicht mal in einer Woche war ich dann auch schon wieder im Alltag angekommen und nach nur einem Monat waren dann das erste Halbjahr auch schon wieder vorbei und es waren Halbjahresferien. Der letzte Schultag des Halbjahres sah so aus, dass aus meiner Klasse ungefähr die Hälfte da war. Die Halbjahresnoten wurden dann in die Schülerhefte (die so etwas wie die Schülerausweise sind) geschrieben – “Zeugnisse” gibt es nicht.

Die erste Hälfte der Ferien habe ich mit meinem Gastcousin verbracht. Der hat mich mit zu seinem “Verein” genommen – so etwas wie ein Club, der sich mit der Kultur der Daker (das Völkchen das auf rumänischem Boden gelebt hat, bevor die Römer kamen) beschäftigt und Waffenattrappen, Kleidung, Vasen und was weiß ich nicht alles herstellt und auch immer mal wieder Veranstaltungen hat. Man findet immer wieder etwas neues.

Nach der Zeit mit meinem Gastcousin hieß es dann erst mal “La revedere, Rumänien”, denn das Mittelseminar stand an. Dafür sind wir (Matthias, der andere Rumänien-Austauschschüler, Roberta, rumänischer YFU-volunteer, und ich) nach Sofia, Bulgarien geflogen, denn das Seminar war gemeinsam mit den Austauschschülern in Bulgarien und Serbien.

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Beim Mittelseminar in Sofia

Wir waren insgesamt 13 Schüler (7 in Bulgarien, 4 in Serbien, 2 in Rumänien) aus Deutschland, Argentinien, Mexiko, Australien, Ungarn und Dänemark. Das Seminar war großartig. Thematisch ging es um unsere bisherigen Erfahrungen, unseren Blick auf den Rest des Jahres und auch um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Rumänien, Serbien und Bulgarien. Aber noch viel besser: Ich habe nicht nur 3 Austauschschüler, die ich schon von meiner Vorbereitungstagung kannte (u.a. Susi) wiedergetroffen, sondern auch wunderbare neue Menschen, sowohl die Teamer als auch die anderen Austauschschüler, kennengelernt. Das Seminar ging gerade einmal ein paar Tage, aber da YFU ist wie eine große Familie ist, dauert es nicht lange bis man neue Leute ins Herz schließt. Vor allem, wenn man in den etwas untypischeren Ländern ist, in denen die Organisationen zwar kleiner, aber dafür etwas familiärer sind.

Da wir Rumänen erst am Montag, an dem die Schule wieder losging, zurückgeflogen sind, haber wir noch eine zusätzliche Nacht bei der Chefin von YFU Bulgarien verbracht und den ersten Tag des zweiten Halbjahres verpasst.

Mittlerweile ist dieses zweite Halbjahr auch schon wieder ein paar Wochen alt. Aber bis hierhin war der Blogeintrag schon eine ziemlich rasante Fahrt. Da ich aber noch einiges zu erzählen habe, werde ich mich hier schon recht bald wieder blicken lassen. 🙂

Bis dahin,

Jonas.

Weihnachten steht vor der Tür (und wartet bis man öffnet)!

Im Austauschjahr ist alles anders. Alles ist aufregend. Die Hochs sind höher und die Tiefs sind tiefer. Dennoch gibt es bei mir auch hin und wieder mal diese Tage, an denen nicht viel passiert: Ich gehe zur Schule, komme nach Hause, esse, mache Hausaufgaben, gammele ein bisschen rum. Oder diese Tage, an denen ich meinen Wecker ignorieren und einfach durchschlafen wollen würde. Am Ende lohnt es sich dann aber doch aufzustehen. Auch wenn nicht jeder Tag eine Achterbahnfahrt ist, gehören Überraschungen, schöne Momente und das Gefühl, darüber nachzudenken, wie verrückt es ist, dass man sich gerade in einem fremden Land in seinem Austauschjahr befindet, zum Alltag dazu.

Selbstverständlich gibt es auch in Deutschland keinen Tag an dem “nichts” passiert. Aber die kleinen und großen Dinge, die ich hier in Rumänien in meinem Alltag erlebe, in Deutschland so wahrscheinlich nie erleben.

Zum Beispiel hatte mich mein Gastpapa am 30. November gefragt, ob ich die Pflanzen in meinem Zimmer schon gegossen hätte. Da ich das am Wochenende vorher noch nicht gemacht hatte, sagte ich, dass ich das gerade vorhatte und wollte mich schon auf den Weg machen und Wasser für die Pflanzen holen, als mich mein Gastpapa aufhält und mir erklärt, dass heute der Tag eines wichtigen orthodoxen Heiligen ist. An solchen Tagen (und in der Regel an Sonntagen) werden, nach orthodoxem Brauch, Dinge wie Wäsche waschen, Putzen oder Blumen gießen nicht gemacht (ironischer Weise haben aber so gut wie alle Läden in Rumänien sonntags offen).

Am 30. November war übrigens schulfrei, da am nächsten Tag, dem 1. Dezember, Ziua României (also rumänischer Nationalfeiertag) war. Und da dieser auf einen Dienstag fiel, war der Montag davor ein Brückentag. Den Nationalfeiertag haben meine Gastfamilie und ich größtenteils gemütlich zu Hause verbracht und sind gegen Abend kurz zu meinen Gastgroßeltern und meinem Gastonkel gefahren. Die großen Paraden zur Feier des Tages Rumäniens in Bukarest habe ich zumindest über den Fernseher gesehen.

In der Nacht zum 6. Dezember kam, wie in Deutschland, der Nikolaus vorbei. Nur dass dieser hier “Moș Nicolae” heißt. Unter den Geschenken, die er mir gebracht hat, war auch ein Adventskalender dabei. Der ist in Rumänien zwar eigentlich keine Tradition, aber man kann sie hier kaufen. Und da meine Gastschwester Adventskalender aus ihrem eigenen Austauschjahr kennt, bestand sie darauf, dass wir welche bekommen.

Was mir außerdem aufgefallen ist, ist, dass Weihnachten hier am schwarzen Meer nicht schon Mitte November mit der Tür ins Haus platzt. Am 2. Dezember habe ich das erste Mal bewusst Weihnachtsdekoration in der Stadt gesehen. Mittlerweile steht auch bei uns im Wohnzimmer ein Weihnachtsbaum und man merkt, dass das Fest vor der Tür steht. Dieses Wochenende war ich mit meiner Gastschwester bei einer Weihnachtsaktion, die ihre Klasse veranstaltet hat, bei der Kinder aus dem Kinderheim Weihnachtsgeschenke bekommen haben, die durch eine Plätzchenkaufaktion finanziert wurde. Und auch die sonst eher spärlich eingerichteten Klassenzimmer in der Schule wurden von den 9.-Klässlern, die Nachmittags in unseren Räumen Unterricht haben, mit Weihnachtsbaum, Girlanden und allen möglichen anderen Dekorationen ausgestattet.  Mit dem Chor meiner Schule singen wir schon lange Weihnachtslieder und in der kommenden Woche haben wir gleich 3 Auftritte, bei denen wir auch Lieder singen, deren Melodie mir schon aus Deutschland bekannt war. Allerdings gibt es neben “O brad frumos” (O Tannenbaum) und “Noapte de vis” (Stille Nacht) sehr viele andere traditionell rumänische, wunderschöne Weihnachtslieder, wie dieses:

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=L_NonJfL9C0[/youtube]

In diesem Sinne,

fröhliche Weihnahten und guten Rutsch an alle, die das  lesen;)