Weihnachten in China: Merry Christmas im Unterricht

Jetzt gibt es nach langer Zeit endlich auch mal wieder einen Eintrag von mir zu lesen. Ich habe bei meiner Familie kein WLan, und deswegen ist es sehr schwer mit dem Hochladen. Da ich gerade im Urlaub in Taiwan bin, kann ich diese Gelegenheit nutzen um etwas über das bisherige Austauschjahr zu erzählen. Über den Urlaub werde ich im nächsten Eintrag berichten.

Mehr als fünf Monate lebe ich jetzt schon im chinesischen Alltag und lerne die Kultur und Traditionen dieses fremden, für mich faszinierenden Landes kennen. Ich habe mich in der neuen Kultur besser eingelebt und in der Sprache finde ich mich auch schon viel besser zurecht. Die Schwierigkeiten im Chinesischen liegen glaube ich vor allem in der Aussprache, mit den vier Tönen, und in den vielen Zeichen. Die Zeichen finde ich nach wie vor sehr schwer, aber je mehr man sich mit ihnen befasst, desto besser kann man sie sich merken und auch selber schreiben.

 

Ich habe mich inzwischen schon sehr an meine chinesische Klasse gewöhnt, und sie sich an mich. Ich muss sagen, dass ich wirklich wahnsinnig nett aufgenommen wurde. Jeder hat sein Bestes gegeben, damit mir der Einstieg in China und an der Schule so leicht wie möglich fällt. In den letzten Wochen habe ich auch außerhalb der regulären Schulzeit mehr mit meinen Klassen-kameraden gemacht, wie zum Beispiel Tischtennis oder Fußball spielen. Das Schulleben reicht hier weit über den Unterricht hinaus, was vermutlich daran liegt, dass die meisten Schüler von Sonntagabend bis Freitag im Internat wohnen. Beispielsweise gab es für alle Klassen der Stufe Zehn ein Tauziehen Turnier: Eine Erfahrung, die den Klassenzusammenhalt wahrhaftig stärkt. Ich fühle mich hier sehr gut in die Klasse integriert und die Zeit hier kommt mir schon viel länger als fünf Monate vor.

Es muss allerdings auch gesagt werden, dass hier eine vollkommen andere Einstellung zur Schule herrscht. Die chinesischen Schüler leben fast nur für die Schule, es fällt ihnen wahnsinnig schwer sich unseren Schulalltag mit viel mehr Freizeit vorzustellen. Der Leistungsdruck hier ist enorm: Meine Klassenkameraden bekommen wahnsinnig viele Hausaufgaben, und müssen teilweise sonntags und länger als neun Uhr abends in die Schule gehen – Ich darf aber zum Glück um halb fünf nach Hause fahren, da ich die Hausaufgaben noch nicht verstehen kann. Seit einigen Wochen habe ich jeden Tag nach der Schule noch Einzelunterricht bei meiner Chinesisch Lehrerin – eine sehr gute Möglichkeit die Sprache besser zu lernen

Neben der Schule, die in China einen sehr großen Stellenwert hat, ist natürlich die Gastfamilie ein wichtiger Teil zu einem erfolgreichen und glücklichem Austauschjahr. Meine Eltern sprechen zwar auch recht gutes Englisch, haben sich aber nach einem Monat nur noch auf Chinesisch mit mir unterhalten. Das war am Anfang zwar sehr schwer aber ich hätte sonst niemals soviel lernen können. Es ist toll, wieviel Unterstützung ich beim Lernen von meiner Familie erhalte.

Als ich angekommen bin war die ganze Wohnung voller kleiner Zettel, die als Beschriftung für verschiedene Möbel dienten. So habe ich viele Wörter unbewusst gelernt. Außerdem lerne ich sehr viel, indem ich mit meinem Bruder spiele. Da er im Moment auch noch nicht so schnell sprechen kann, ist es die perfekte Möglichkeit für mich viel zu lernen. Außerdem macht es natürlich auch Spaß mit ihm zu spielen.

 

Natürlich war ich auch sehr gespannt, wie und ob die Chinesen das christliche Fest Weihnachten feiern. In China ist das wichtigste Fest des Jahres nämlich das Frühlingsfest, das das chinesische Neujahr einleitet. Jedes Jahr bezieht sich auf eines der zwölf Tierkreiszeichen, durch welches sich die Erwartungen an das neue Jahr ausdrücken. Dieses Jahr wird am 19.Februar das Jahr des Pferdes vom Jahr der Ziege 羊 abgelöst. Das Fest dauert offiziell 15 Tage und wird im Rahmen der ganzen Familie gefeiert. An Weihnachten dagegen gibt es keine Ferien oder Feiertage, sondern es sind reguläre Schul- und Werktage. Man bemerkt zwar Anfang Dezember, dass Weihnachtsdekoration und westliche Weihnachtslieder die unzähligen Malls der Stadt erreichen. Ich vermute aber, dass dies nur auf den zunehmenden westlichen Einfluss auf das Konsumverhalten zurückführt. Laut meiner chinesischen Gastmutter kann in China ein Fest auch nur gefeiert werden, wenn man nicht arbeiten muss – ansonsten bleibt einfach keine Zeit. Bei mir Zuhause waren die Weihnachtstage sehr schön: Meine Gastfamilie hat ihr Bestes gegeben, dass ich auch an Weihnachten in Shenzhen glücklich bin. Auch YFU hat eine Weihnachtsfeier für Austauschschüler und Familien organisiert. In unserer Wohnung hatten wir für meinen kleinen, dreijährigen Bruder und mich einen Weihnachtsbaum aus Plastik, den wir am Sonntag vor Weihnachten auch gemeinsam geschmückt haben. Und an jedem Sonntag in der Adventszeit haben wir eine Kerze angezündet, da ich von diesem Brauch erzählt habe. Am ersten Weihnachtsfeiertag gab es dann auch bei uns Geschenke. Auch hier hat sich meine Familie sehr viel Mühe gegeben, mir durch die Geschenke ein Stück chinesische Kultur näherzubringen. Ich habe unter anderem ein Bild von den chinesischen Schattenspielen in der Han Dynastie bekommen.

In meiner Schule merkte man auch, dass Weihnachten ist, da unter den Schülern Süßigkeiten verschenkt wurden und jeder Merry Christmas und 圣诞快乐 wünscht. Ich persönlich habe den Eindruck bekommen, dass Weihnachten in China für Kinder und in den Geschäften existiert aber keinen besonderen Stellenwert einnimmt, da es auch keine Traditionen gibt die mit dem Fest verbunden werden.

 

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen war es eine gute Erfahrung für mich zu sehen, wie sich Weihnachten in China von dem vertrauten Fest unterscheidet. Zum ersten Januar haben auch die Chinesen drei Tage frei, auch wenn man dafür am darauffolgenden Sonntag zur Schule oder Arbeit gehen muss.

 

Die Chinesen lerne ich alle als nette, offene und lebensfrohe Menschen kennen, die sich interessiert an mir und der deutschen Kultur zeigen. Ich glaube, dass die meisten Chinesen ein durchweg positives Bild von Deutschland haben und vor allem die deutschen Autos und die gute Qualität werden sehr oft gelobt.

Es geht mir hier sehr gut, auch wenn ich Deutschland natürlich hin und wieder vermisse. Aber die bisherige Zeit, die ich in Shenzhen verbringen konnte ist schon jetzt unvergesslich und erfahrungsreich. Natürlich freue ich mich sehr auf die noch folgenden sechs Monate in der schon nicht mehr ganz so fremden Kultur.

 

Bis Bald

 

Joel

Vier Wochen Neues, Unglaubliches und Unbekanntes…

Mehr als vier Wochen ist es jetzt schon her, dass acht deutsche Jugendliche und ich in Frankfurt in das Flugzeug nach Peking gestiegen sind und den großen Schritt ins Reich der Mitte wagten. Wir wussten alle nicht, was uns nach der Ankunft erwartet und jeder hatte andere Hoffnungen, Erwartungen und Ängste. Wie wird das erste Aufeinandertreffen mit den neuen Familien sein? Werde ich mich in der chinesischen Schule zurechtfinden und wie ist es mit dem chinesischen Essen? Das sind einige Fragen die mich vor dem Flug beschäftigten. Es fiel mir nicht leicht, das gewohnte Umfeld in Deutschland zurückzulassen, aber ich kann gar nicht beschreiben wie groß meine Freude war als ich endlich den großen Schritt gehen konnte. Mit Sicherheit wird das kommende Jahr nicht immer leicht sein und viele Herausforderungen bereithalten – aber es ist die größte Chance meines Lebens und ich werde nie wieder eine Kultur aus dieser Perspektive kennenlernen können.

Am Flughafen in Peking erwarteten uns auch schon YFU Mitarbeiter, die uns zu unserem Quartier für die nächsten drei Tage begleiteten. Alle YFU Austauschschüler in China haben erst eine PAO (ein dreitägiges Vorbereitungsseminar) in einer Art Jugendherberge nahe Peking. Wie schon in Deutschland waren die Tage eine tolle Erfahrung und man merkt einfach, dass alle Teamer hochmotiviert sind und es sich lohnt die Erfahrung Austauschjahr zu machen. Die Inhalte der PAO waren größtenteils sehr ähnlich mit denen der VBT aber trotzdem ist es sehr hilfreich nicht gleich ins kalte Wasser geschmissen zu werden. Und außerdem konnte man sich schon etwas an das chinesische Essen gewöhnen, was bei einigen doch etwas Bauchweh verursacht hat.

Am Samstag den 16.08 war es dann endlich soweit: Wir machten uns alle auf in die unterschiedlichen Städte Chinas um dort das große Abenteuer Austauschjahr anzufangen. Meine neue Heimatstadt ist die 15 Millionenmetropole Shenzhen nahe Hongkong. Gemeinsam mit drei anderen Deutschen und einer Thailänderin wurden wir dort schon am Flughafen von unseren Eltern und Geschwistern stürmisch in Empfang genommen. Wir waren natürlich alle sehr aufgeregt aber unsere Familien haben uns gut aufgenommen und mit chinesischer Herzlichkeit begrüßt. Ich bin überglücklich, dass ich jetzt endlich in China bin und das dortige Leben entdecken kann. Meine Familie ist natürlich ein großer Teil dieses Lebens und ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mich als Teil der Familie sehen.

In China beginnt die Schule am ersten September, sodass wir noch zwei Wochen Zeit hatten uns in den Familien einzuleben und die ersten, offensichtlichen Unterschiede der chinesischen Kultur kennenzulernen. Ich habe so wahnsinnig viel Neues gesehen, dass ich mich gar nicht mehr an alles erinnern kann. Aber die chinesische Kultur fasziniert mich und Shenzhen ist eine Stadt, die mit nichts in Deutschland zu vergleichen ist. Es ist unglaublich, wie viele Menschen auf einem Raum leben können, ohne dass es zu vielen Konflikten kommt. Natürlich kann ich das Leben in Deutschland in einem 2000 Einwohner Ort nicht mit dem in einer pulsierenden Metropole wie Shenzhen vergleichen, aber es gefällt mir hier sehr gut – auch wenn es natürlich etwas lauter ist.

Alle Austauschschüler in China hatten in den ersten zwei Wochen nachmittags noch einen Sprachkurs, der uns die schwierige Sprache näherbringen sollte. Ich kann mir zwar immer noch nicht vorstellen, dass ich sie in einigen Monaten beherrschen soll, aber ich möchte sie lernen und weiß dass ich das nur mit viel Arbeit schaffen kann. Meine Gastfamilie spricht zum Glück auch recht passables Englisch, sodass ich mich im Moment noch auf Englisch mit ihnen verständigen kann. Aber nichts destotrotz möchte ich natürlich so schnell wie möglich Chinesisch mit ihnen sprechen, und die ganze Familie tut wirklich ihr bestes um mir beim Lernen zu helfen. Die Sprache scheint im Moment die größte Schwierigkeit zu sein, und ich vermute dass sie ein wichtiger Schritt zu einem erfolgreichen Austauschjahr ist. Deswegen werde ich mein Bestes geben, um sie schnell zu lernen.

Die ersten paar Tage in der Gastfamilie galt es sich erstmal ein wenig an die neue Umgebung zu gewöhnen, aber dank der Hilfe und dem Verständnis meiner Familie war der erste „Kulturschock“ schnell überwunden. Auch die organisatorischen Dinge, die man am Anfang des Auslandsjahres machen muss waren schnell geklärt. Hier nochmal ein ganz großes Dankeschön an meine Familie, die mit mir durch die halbe Stadt gefahren ist um eine passende Simkarte und den richtigen Bankautomaten zu finden. Außerdem habe ich schon viele Verwandte der Familie kennenlernen dürfen und alle haben mich herzlich aufgenommen und versucht mit mir zu reden, auch wenn das bei meinem im Moment noch sehr spärlichen Wortschatz ziemlich schwer ist. Das Familienleben in China ist, nach meinem ersten Eindruck, viel stärker ausgeprägt als in Deutschland. Die Erfahrung mit elf Verwandten an einem Tisch zu sitzen und nur chinesisch zu hören und nichts zu verstehen werde ich so schnell nicht vergessen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass ich in den ersten Wochen dieses spannenden Jahres viele schöne und unvergessliche Dinge gesehen und erlebt und ich bin wirklich sehr dankbar hier sein zu dürfen. Natürlich ist und wird es nicht immer einfach sein aber trotzdem stehe ich vollkommen hinter der Entscheidung und bin gespannt auf die nächsten Wochen und Monate.

Bis bald 再见

Joel

Die Vorfreude steigt…

Noch knapp einen Monat bis es endlich losgeht: Am 15.08 steige ich in das Flugzeug nach Peking und die langersehnte Reise beginnt. Danach geht es ein paar Tage später noch weiter nach Shenzhen, in meine neue „Heimatstadt“ für ein Jahr. Ich bin schon wahnsinnig gespannt auf meine Gastfamilie, meine Schule und die vielen weiteren Facetten des Landes.

Inzwischen hatte ich auch schon meine VBT in Lauenburg und es war eine wunderschöne Zeit. Während der Woche habe ich viele unglaublich nette Leute kennengelernt, und jetzt fühle ich mich bestens auf das nächste Jahr vorbereitet. Nochmals vielen Dank bei allen für diese VBT. Ich habe während der Woche nochmal gemerkt, dass der Entschluss mit YFU als Organisation, nach China zu gehen, die beste Entscheidung war.

Und außerdem habe ich jetzt endlich eine Gastfamilie!!! Am letzten Tag der VBT habe ich eine Mail von meiner Gastmutter bekommen, und ich bin immer noch überglücklich. Es hätte keinen besseren Zeitpunkt für diese Nachricht geben können. Auf der VBT konnten alle meine Freude nachvollziehen und haben sich mit mir gefreut.

Mit meiner Gastmutter habe ich jetzt regelmäßigen Kontakt . Ich bin froh, eine so nette Gastfamilie zu haben, ich hätte mir keine bessere wünschen können. Neben meiner Gastmutter, und dem Gastvater gehören noch mein zweijähriger Gastbruder und der Gastopa zur Familie. Ich freue mich wahnsinnig sie bald endlich persönlich zu treffen.

Aber jetzt versuche ich natürlich noch die verbleibende Zeit in Deutschland zu genießen. Ich möchte noch soviel mit meinen Freunden und meiner Familie machen, und ich bin mir jetzt schon sicher dass ich sie alle sehr vermissen werde. Trotzdem heißt es bald Abschied zu nehmen, und meinen bekannten Umkreis für ein Jahr hinter mir zu lassen.

Inzwischen habe ich auch endlich alle erforderlichen Unterlagen für die Beantragung des Visums zusammen. Es ist unglaublich, wie viele Unterlagen man im Laufe der Vorbereitung beantragen und ausfüllen muss. Ich hätte vor einem Jahr niemals gedacht, dass ein Jahr im Ausland soviel Vorbereitung benötigt. Aber dadurch steigt die Freude durch die lange und ausführliche Vorbereitung noch mehr und man lernt viele Gleichgesinnte kennen.

Jetzt sind es für mich noch knapp zwei Wochen Schule, bis die finale Phase beginnt.

Ich freue mich unglaublich und kann es kaum erwarten endlich ins Flugzeug zu steigen.

Bis Bald

Joel

Noch 33 Tage Vorfreude….

你好! (Hallo)

China (中国) – das Land der Mitte. Ein Land, mit fast doppelt so vielen Einwohnern wie Europa. Eine Sprache, die oft als eine der schwersten der Welt gilt. Eine Kultur, die sich seit vielen Jahrtausenden weiterentwickelt. Und nicht zu vergessen: Eine Wirtschaft, die vermutlich bald die stärkste der Welt sein wird.

Das sind nur ein paar Aspekte, die mir einfallen wenn ich über China nachdenke. Mein Name ist Joel, im September werde ich 16 Jahre alt und nächstes Jahr gehe ich mit YFU nach China.

Warum ich mich für China entschieden habe? Eine Frage, die ich in den letzten Monaten einige Male beantworten sollte. Meine Entscheidung ist für viele Leute nur schwer nachvollziehbar. Viele kennen China nur aus der Ferne oder von den Medien geprägt.

Versuche ich meinen „ungewöhnlichen“ Entschluss zu erklären stelle ich fest, dass es keine eindeutige Antwort gibt. Ich möchte Neues entdecken und bin fasziniert von der chinesischen Kultur. Ich wünsche mir, dass ich meinen Horizont erweitern kann und Erfahrungen sammle. Außerdem möchte ich natürlich die chinesische Sprache lernen.

Die Vorbereitung auf das kommende Jahr ist viel umfangreicher als ich sie mir vorgestellt habe. YFU betreut mich sehr gut  – ich bin sehr froh, dass ich mich für diese Organisation entschieden habe. Von Tag zu Tag freue ich mich mehr auf das kommende Jahr. Am 12.August geht es dann endlich los, mit dem Flug von Stuttgart nach Peking. Von hier aus geht es dann weiter nach Shenzhen (10 Millionen Einwohner) in der Nähe von Hongkong. Hier werde ich das nächste Jahr verbringen.

Die Vorfreude und die Aufregung steigen bei mir mit jedem Tag. Ich bin überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und freue mich wahnsinnig auf das nächste Jahr. Ein großes Dankeschön geht natürlich noch an die Stiftung Mercator. Ohne das großzügige Stipendium wäre das Jahr niemals möglich gewesen.

Das war es jetzt erstmal von mir. Bis Bald 再见

Joel