Archiv des Autors: Elisabeth

Bem vinda no Brasil, Elisabeth!

Diesen Satz habe ich in den ersten Wochen fast jeden Tag gehört.

Tjaaa, nach einer Ewigkeit melde ich mich jetzt auch noch mal wieder. Ich bin jetzt schon fast 4 Monate in Brasilien und in Criciúma. Die Zeit vergeht unglaublich schnell, merke ich gerade, und es ist schon so viel passiert, dass ich jetzt erst die Motivation/Zeit habe, den Blogbeitrag endlich fertig zu machen. Ich habe wirklich schon viel erlebt, von dem ich euch nach und nach gerne berichten möchte. Im heutigen Beitrag möchte ich euch ein bisschen über die Stadt erzählen, in der ich lebe und wie es war, als ich angekommen bin. Dieser Beitrag wird aber auf jeden Fall nicht so ausführlich und lang wie der erste. Aber los gehts…

Am 11. 8. im Orientation Camp hat morgens bzw. nachts der Wecker um 4:50 geklingelt, wir mussten all unsere Sachen aus dem Zimmer räumen und dann gab es Frühstück. Um 6 Uhr wurden wir mit dem Reisebus abgeholt und mussten uns von der Unterkunft verabschieden.

Einige Stunden Fahrt durch den Sonnenaufgang später war dann Abschied von den meisten neu gewonnenen Freunden angesagt, als wir zu verschiedenen Flughäfen und Terminals gebracht wurden. Zum Glück hatte ich zwei gute Freunde bei mir, die ihr Jahr im selben Bundesstaat wie ich verbringen werden und mit mir zusammen geflogen sind.

Um 8 Uhr sind wir am Flughafen Rio de Janeiro angekommen, und weil unser Flug nach Floríanopolis erst um ging, durften wir noch soundso viele Stunden warten. Aber wir haben uns viel unterhalten, sind über den Flughafen spaziert und so ist die Zeit ziemlich schnell rumgegangen. Später haben wir auch noch andere Austauschschüler von uns getroffen, mit denen wir geredet haben. Leider hatte ich ziemlich starke Bauchschmerzen und habe auch den ganzen Tag fast nichts gegessen.

Als wir dann endlich im Flieger saßen, hatten wir nach 2 Stunden eine wunderschöne Aussicht über Floríanopolis: 

Der Flughafen war relativ klein und als wir dann bei der Gepäckabgabe standen, vor uns das Tor, dass sich immer wieder geschlossen und geöffnet hat, hinter dem unsere Gastfamilien warten, war ich ziemlich aufgeregt. Das war ein Moment, den ich mir schon seit ich die Idee vom Auslandsjahr habe, ausgemalt und vorgestellt habe, auf den ich quasi 2 Jahre hingearbeitet und mich vorbereitet habe, und jetzt war es tatsächlich Wirklichkeit. Jetzt begann mein Leben in einem völlig neuen Umfeld.

Meine Familie habe ich sofort gesehen. Ich kannte sie nur von Bildern auf Whatsapp und Instagram, und sie auf einmal in echt zu sehen, war ganz schön komisch. Sie haben mich total lieb mit einem selbstgebastelten Plakat empfangen.

Auf dem Bild seht ihr meine Gasteltern Gabriela (Gabi) (24) und Felipe (29). Ich finde es aber ehrlich gesagt komisch, sie Gasteltern zu nennen, weil sie so jung sind. Neben mir steht noch die Schwester von Felipe, Lais (19), meine „Gastschwester“.

Nach dem Begrüßen und Fotos machen sind wir dann direkt losgefahren und ich konnte schon einige Eindrücke von Floríanopolis, die Hauptstadt des Bundesstaats Santa Catarina, bekommen, was ich übrigens sehr schön finde. Auf dem Weg wurde mir dann noch einiges erklärt und gezeigt und dann sind wir in eine Art Restaurant (Kilo-Restaurant, da nimmt man sich Essen und bezahlt nach Gewicht) gegangen mit einer Art Parkanlage mit Tieren, wo ich dann auch zufällig meine beiden Freunde, mit denen ich geflogen bin, die übrigens ca. eine Stunde entfernt von mir wohnen, getroffen habe. Leider hatte ich wie schon erwähnt Bauchschmerzen und deswegen sind wir auch nicht so lang geblieben. Nach weiterer, langer Autofahrt sind wir dann endlich in Criciúma angekommen. Auf einmal stand ich mit meinem Koffer vor meiner neuen Wohnung in einer Stadt, die ich nur von ein paar Bildern Google Street View kannte, mit dem Wissen, dass ich ein Jahr hier verbringen werde. Und wirklich ALLES war unbekannt. Das war mir schon vorher klar, aber es ist schon ein ungewohntes Gefühl, irgendwo anzukommen und absolut nichts zu kennen, nicht die Menschen, die bei einem sind, nicht die Sprache, nicht den Ort an sich… Bevor wir ins Haus gegangen sind, sind wir allerdings noch einmal kurz durch die Innenstadt gefahren und ich habe meine ersten Eindrücke bekommen. Wer die Azoren kennt (portugiesische Inselgruppe im Atlantik) – die Stadt hat mich sehr doll daran erinnert, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Viele Hochhäuser, Palmen, Parks, heruntergekommene und luxuriöse Häuser, Straßenhunde. Alles ist, zumindest in der Innenstadt/“centro“ natürlich viel lauter und voller als in meinem Dorf in Norddeutschland. Allerdings ist es auch nicht mit einer Stadt in Deutschland vergleichbar, irgendwie enger und kleiner als in z. B. Hamburg.

Hier einmal einige Infos über Criciuma:

Criciúma ist eine Stadt im Süden des Bundesstaats Santa Catarina, welcher der zweitsüdlichste Bundesstaat Brasiliens ist. Criciúma ist 180 km von der Haupstadt Floríanopolis entfernt (wir haben dafür 2 Stunden mit Auto gebraucht), 24 km von der Atlantikküste, also sehr nah am Meer, und 900 km von Sao Paolo. Die Stadt hat 193.988 Einwohner und ist mit einer Fläche von

235,628 km² ungefähr ein Drittel so groß wie Hamburg und 23 mal so groß wie mein Heimatdorf. Sie entspricht also ungefähr der Fläche von Magdeburg oder Halle. Das Stadtzentrum, in welchem ich lebe, ist voll von Hochhäusern und Appartements. Etwas weiter außerhalb, mit dem Auto zu erreichen, liegen auch vereinzelt Häuser , die an die Natur grenzen und auch Armengegenden. Ein Teil der Stadt liegt auf einem kleinen Berg, wo auch Häuser stehen. Es gibt vier Schulen und drei, relativ kleine, Shoppingcenter, zwei Parks (auch sehr klein im Vergleich zu Hamburg) und viele Läden/Fußgängerzonen. Das meiste ist in Fußnähe von meinem Appartement aus zu erreichen. Es gibt auch ein Stadium und eine Fußballmannschaft, Criciúma EC.

Tja, und dann habe ich zum ersten Mal meine Wohnung und mein Zimmer betreten. Ich wohne im 8. Stock und war sehr beeindruckt, da ich von meinem Zimmerfenster aus eine tolle Sicht über die Stadt habe.

Als wir angekommen sind wurde mir erst einmal alles gezeigt, dann habe ich meinen Koffer ausgepackt und auch meine Gastgeschenke überreicht (deutsche Süßigkeiten, Kalender, Kochbuch,…) , über die sich meine Gasteltern glücklicherweise auch sehr gefreut haben.

Dann sind wir in den Supermarkt gegangen, haben etwas gegessen und dann ging es für mich auch schon ins Bett, denn ich war extrem müde. Es war ein seltsames und überwältigendes Gefühl, auf einmal in so einer komplett neuen Umgebung zu sein, bei fremden Leuten im Haus zu schlafen und sich darauf einzustellen, dass dieses jetzt für ein Jahr das neue Zuhause sein wird.

Meine Gastfamilie und ihre ganze Verwandtschaft sind Mormonen, deswegen sind wir am nächsten Morgen gleich in die Kirche gegangen, und da die Kirchengemeinde wie ein großer Bekanntenkreis mit Freunden und Familie der Gastfamilie ist, habe ich direkt schon sehr viele neue Leute kennengelernt beziehungsweise wurde ihnen vorgestellt. Am restlichen und darauffolgenden Tag haben wir dann die ganze Verwandtschaft „abgeklappert“, also die Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten meiner Gasteltern, die auch alle in derselben Stadt wohnen. Wir wurden von ihnen zum Essen eingeladen, ich wurde überall vorgestellt und sehr herzlich empfangen und willkommen geheißen.

Am Montag habe ich meinen ersten Eindruck von meiner neuen Schule bekommen, denn wir sind dorthin gegangen um alles abzuklären und ich habe schon mal einen Blick in meine Klasse geworfen. Danach habe ich meine Schuluniform gekauft. Meine Gastschwester Maju (15), also eigentlich die Schwester meiner Gastmutter und ihre Freundin sind mit mir in eines der örtlichen Einkaufszentren gegangen, um mit Felipe meine Simkarte zu beantragen. Ich habe in den ersten Tagen auch sehr die Gastfreundlichkeit der Brasilianer gespürt, denn die beiden hatten ein kleines Körbchen mit brasilianischen Süßigkeiten für mich gemacht. Aber das war nicht das einzige Geschenk, was ich bekommen habe: Lais hat mir ein T-Shirt von einer meiner Lieblingsbands geschenkt und Felipe und Gabriela eine Ukulele! 😮

Eines der aufregensten Dinge, die in der ersten Woche passiert sind, war natürlich mein erster Schultag. Doch über den berichte ich im nächsten Beitrag.

Vielen Dank fürs Lesen und até breve! Elisabeth

Vorbereitung im Dschungel – Flug und Orientation Camp in Rio de Janeiro

Wow. Okay. Also, jetzt bin ich tatsächlich in Brasilien. Eigentlich schon eine ganze Weile, aber ich komme jetzt erst dazu, das zu schreiben (jaa, nach einem Monat xD ich hatte halt viel zu tun! Dafür beschreibe ich hier alles aber auch extra detailliert ;)) Und das waren zumindest meine ersten Gedanken, als ich angekommen bin. War ja auch abzusehen, irgendwann musste dieser Tag ja kommen. Die letzten Tage in Deutschland haben mich schon auf eine Probe gestellt, sie waren einfach unglaublich vollgepackt und stressig. Jeden Tag hatte ich eine lange Liste an Dingen, die ich zu erledigen hatte, außerdem wollte ich mich auch noch mit vielen Leuten das letzte Mal treffen, schließlich war es die letzte Möglichkeit. Und wenn ich euch zukünftigen Austauschschülern etwas mitgeben kann: Kümmert euch rechtzeitig um alles. Auch wenn ihr denkt „ ach nein, es ist noch einen Monat bis zur Abreise, ich muss damit und damit noch nicht anfangen..“ Doch, ihr müsst anfangen! Es kommen am Ende so viele Sachen zusammen und dazu muss man ja auch noch ein bisschen Zeit für seine Familie einplanen und einmal durchatmen können und realisieren, dass man bald ein Jahr nicht da ist. Also macht alles am besten zu früh als zu spät fertig, sonst endet ihr wie ich und fangt erst am Tag des Flugs an, denKoffer zu packen und sitzt noch am Flughafen am Abschiedsbucheintrag für die beste Freundin. 😀  

Aber egal, irgendwie habe ich doch noch alles Wichtige geschafft, und das ist ja die Hauptsache. Der Abschied am Flughafen war mehr oder weniger emotional, denn ich war irgendwie mit meinen Gedanken ganz woanders, als dass ich hätte weinen können. Ich habe es wahrscheinlich auch einfach nicht realisiert, dass ich alle meine Freunde und Familie ein Jahr nicht sehen werde. Nach dem viele Fotos gemacht wurden und ich auch das ein oder andere total süße Geschenk bekommen habe (danke nochmal dafür!!) wurde es dann wirklich ernst. Ein komisches Gefühl. Nach all der Zeit der Vorbereitung und Vorfreude kam dieser Tag auf einmal ganz plötzlich, und es kam mir so vor, als hätte ich erst am voherigen Tag erfahren, dass ich am nächsten Tag fliegen werde. Hört sich komisch an, aber vielleicht kann der ein oder andere Austauschschüler das Gefühl nachvollziehen. Und hier beginnt mein Abenteuer…

Allerdings war ich nicht komplett alleine, ein anderer Austauschschüler ist mit mir zusammen von Hamburg nach Frankfurt geflogen, was aber super geklappt hat. Dort haben wir dann andere Austauschschüler aus ganz Deutschland getroffen und konnten uns schon mal ein bisschen kennenlernen und unterhalten. Auf dem Flug, der um die 12 Stunden und über Nacht ging konnte ich dann endlich mein Abschiedsbuch lesen. Ich war so geflasht und gerührt, wie viel Mühe sich die Leute gegeben haben und was für schöne Wünsche und Erinnerungen sich darin befinden. Ich bin so dankbar für so eine tolle Familie, Freunde und Bekannten-/Verwandtenkreis und es bedeutet mir viel, wie viel Arbeit ihr darein gesteckt habt. Noch mal ein ganz großes Dankeschön an alle!! Ich lese es hier in Brasilien bestimmt schon zum 6. Mal durch :). Aber das Abschiedsbuch war ja nur ein kleiner Teil von dem, was mich erwartet(e).

 

Mein Sitzplatz war äußerst unbequem und eng, aber einige wenige Stunden konnte ich, glaube ich, schlafen. Nach brasilianischer Zeit sind wir dann endlich ca. 5 Uhr aus dem Flugzeug gestiegen. Nach all der Zeit voller Vorbereitung und Vorfreude hatten wir nun tatsächlich brasilianischen Boden unter den Füßen und haben brasilianische Luft geatmet. Jetzt ging es tatsächlich los.

Uns fielen schon die ersten Unterschiede auf: Das Wasser. Überall auf öffentlichen Plätzen stehen Wasserspender, aber das Wasser ist so voller Chlor. Immer wenn ich eine Flasche aufgemacht habe, roch es wirklich wie im Schwimmbad. Aber mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt. Nach etwa 3-stündiger Wartezeit wurden wir von einem Reisebus abgeholt und haben die ersten Eindrücke von Brasilien bekommen. GANZ anders als Deutschland. Der Weg ins Camp, obwohl wir überwiegend auf der Autobahn waren, war total schön und spannend. Schon nach zehn Minuten Fahrt durch Rio, oder sogar noch weniger habe ich diesen großen Unterschied zwischen arm und reich, von denen alle immer erzählen, mit eigenen Augen gesehen. Ich glaube, die Favelas (slums in Brasilien) waren einer der ersten Sachen, die mir ins Auge gefallen sind, was auch unvermeidbar war, denn es waren unglaublich viele, die sich an der Autobahn und an den Bergen an- und übereinander gereiht haben. Kleine Betonhäuser, manchmal auch ohne Decke oder die vordere Wand, mit Wäscheleinen und jeweils so groß wie mein Zimmer in Deutschland, einige zumindest. Davon dann unglaublich viele neben- und übereinander, und davor meist ein See zum Müll abladen. Zum Beispiel habe ich eine riesige Ladung Plastik gesehen, was echt krass war. Auf der anderen Seite, nicht mal 200 Meter weiter, konnte man prunkvolle hohe Gebäude, Hochhäuser und auch den Zuckerhut sehen, und tatsächlich auch den Cristo Redentor. Seine Umrisse mussten wir allerdings halb erahnen, weil er hinter Wolken und ganz ganz weit in der Ferne war.

                                   

Um etwa 10 Uhr sind wir in Riberão angekommen, wo unser Orientation Camp stattfand und ich habe mich direkt in die Unterkunft verliebt. Man kann sich das so vorstellen: Man ist von der Autobahn abgefahren, und nach einer Zeit sieht man einfach nur Grün. Unter einem Schotterweg, über einem Berglandschaft mit Wald. Und als wir ausgestiegen sind, habe ich mich gefühlt, als wäre ich im Dschungel. Alles war voller Bambus, Palmen und mehr Pflanzen, es gab einen Bach und alles war quasi umgeben von diesen Bergen. Wunderschön!!

  (danke an Clara für das Bild!)

Die Unterkunft bestand aus ein paar Gemeinschaftsräumen/häusern in denen man isst oder Gruppenaktivitäten macht und mehreren kleinen Holzhütten, in denen man zu zweit oder dritt schläft. Ansonsten gab es noch einen Pool, ein Fußballfeld und einen äußerst baufälligen Spielplatz. Nach dem wir die Koffer im abgeladen hatten, erwartete uns auch schon der erste Programmpunkt: Frühstück. Das war für uns deutsche extrem komisch, weil wir erstens noch total müde waren und es zweitens in Deutschland Mittagszeit war, aber trotzdem habe ich mein erstes brasilianisches Frühstück hier, was aus Weißbrot, Ei, Kuchen, Früchten, Kaffee und unglaublich süßem Saft bestand, genossen. Der erste Tag hat sich wirklich wie Urlaub angefühlt (die anderen Tage eigentlich auch), denn wir hatten zwar ein Welcome Meeting, bei dem sich jeder vorgestellt hat und auch das Programm vorgestellt wurde, aber den Rest des Tages haben wir, glaube ich, einfach nur am Pool gelegen, gebadet, geredet und gegessen. Damit kommen wir zur nächsten Sache: Ich habe sooo viel in diesen Tagen (und auch danach) gegessen!! Ich werde bestimmt auch noch einen ganzen Beitrag über das Essen hier schreiben, denn ich liebe dieses Thema. Das Essen ist auch ein wichtiger Bestandteil der brasilianischen Kultur, über die wir hier etwas beigebracht bekommen haben, und deswegen zeige ich euch jetzt mein erstes Mittagessen (hat sich wie Abendessen angefühlt), ein richtig typisch brasilianisches Gericht:

Reis, Bohnen (gibt es jeden Tag), dazu Salat und Farofa (geröstetes Mehl aus Maniokwurzel mit Gewürzen, schmeckt meiner Meinung nach wie salzige Semmelbrösel, aber manche finden auch es schmeckt wie Sand), als Getränk Guarana, ein brasilianischer Softdrink (ich liebe es!!)

Die Teilnehmer bestanden zum größten Teil aus Deutschen, ansonsten war noch jeweils einen Teilnehmer aus Mexico, Uruguay, Chile, Dänemark und Frankreich da und zu dem noch 9 Teamer, von denen die jüngste gerade vor ein paar Wochen selbst erst aus dem Ausland zurückgekommen ist und die älteste als Gastmutter schon viele Schüler aufgenommen hatte. Das war ziemlich cool, weil alle aus verschiedenen Perspektiven ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben und uns Tipps geben konnten. Ich hatte zu allen Teamern ein super Verhältnis und man konnte jederzeit zu ihnen kommen und sie alles Mögliche fragen, auf das sie dann ehrlich geantwortet haben.

Unser Tagesablauf bestand aus Essen (es gab hier jeden Tag auch eine Snack-Mahlzeit, in der es brasilianische Hot Dogs, Kuchen und Kaffee gab), Orientation Time, zweimal pro Tag, in der wir in Gruppen mit den Teamern verschiedene Themen wie brasilianische Kultur und Länderinfo, Freizeit, Familie, Schule und soziales Leben durchgegangen sind und dazu haben wir ein Heft bekommen, in dem alle Informationen noch mal gesammelt drinstanden, sowie Erfahrungsberichte von Austauschschülern und Gastfamilien und Übungsaufgaben. Eine weiterer Programmpunkt war Portuguese Drops, einmal pro Tag, wo wir alle zusammen brasilianische Lieder gesungen haben, zum Beispiel Popsongs oder die portugiesische Version von „Head, shoulders, knees and toes“ um uns ein bisschen mit der Sprache vertraut zu machen. Das war auch eine Sache, die mir erst im Camp so richtig bewusst geworden ist und über die ich mir wirklich Sorgen gemacht habe: ich konnte kaum Portugiesisch, und all die Sachen, die ich mit meiner App zu Hause vor einem Jahr circa gelernt habe, hatte ich wieder vergessen. Im Camp haben wir ausschließlich Englisch geredet, was mir und manchen Deutschen so viel Spaß gemacht hat, dass wir manchmal sogar, wenn wir alleine in einem Raum waren und niemand aus den anderen Ländern dabei war, englisch geredet haben. Zwischendurch haben wir auf dem Fußballfeld in großer Runde immer mal wieder Energizer gemacht, die man von der VBT kannte.

Eine besondere Sache war noch, dass eine Teamerin Geburtstag hatte und wir dort auch schon ein paar kulturelle Eindrücke bekommen konnten: Erstens das brasilianische Geburtstagslied, dass übrigens nicht die Zahl, wie alt man wird, beinhaltet, und dann der Kuchen. Aus dem  wird das erste Stück nämlich von unten nach oben herausgeschnitten und das bekommt dann eine besondere und wichtige Person, die derjenige, der den Kuchen schneidet, bestimmen darf.

Tja, und die restliche Zeit hatten wir einfach Spaß, und zwar viel davon. Ich habe schnell Freunde gefunden und mich mit allen Teamern und Teilnehmern gut verstanden. Wir haben uns alle viel unterhalten und kennengelernt und waren sehr oft im Pool, auch spät abends und auch einmal morgens vor dem Frühstück, was ohne Sonne zwar kalt (in Brasilien ist es gerade Winter) aber immer total witzig und wunderschön war. Abends konnte man immer, wenn man sich nach draußen gestellt hat, viele unbekannte Geräusche, Gezirpe oder Gequake, von Tieren hören.

Zum Schluss zwei Anekdoten: Einmal hatten zwei Teilnehmer die tolle Idee, eine Kokosnuss vom Baum zu pflücken, dessen Schale aber einfach nichtb aufzukriegen war und so saßen wir eine lange lange Zeit am Pool und haben mit dem einzigen Hilfsmittel, einem Metallstab, der irgendwo rumlag, auf die Kokosnuss eingeschlagen. Tatsächlich hat es irgendwann funktioniert, aber in der Kokosnuss war statt Wasser so ein komisches Glibber, das nach Kokos geschmeckt hat (es war Kokos). Manche haben es gegessen, aber viele haben es sich dann auf den Körper oder ins Gesicht geschmiert, weil das die Haut weicher gemacht hat.

Ein zweites außergewöhnliches Erlebnis hatte ich, als wir morgens nach dem Schwimmen zu so einer Art Aussichtspunkt am Waldrand gegangen sind, von wo man das ganze Camp und die Berge drumrum sehen konnte, ein überwältigender und wunderschöner Ausblick. Und als ich dort neben mir eine Weile in den Wald geschaut habe, habe ich auf einmal etwas im Baum rumspringen sehen. Ich dachte erst, es wären Eichhörnchen, aber dann habe ich gesehen, dass es kleine Äffchen waren!! 😀

Das Orientation Camp war für mich eine unglaublich witzige, spannende und wunderschöne Erfahrung, an die ich mich immer zurückerninnern werde und für die ich sehr dankbar bin. Ich habe wundervolle Menschen kennengelernt, hatte richtig Spaß und einfach eine tolle Zeit. (Auch wenn ich nicht Teil von einer der vier Pärchen war, die sich innerhalb der drei Tage gebildet hatten ;)).

Aber auch diese tolle Zeit ging viel zu schnell zu Ende, und dann wurde es ernst. Nicht, dass ich mich nicht auf meine Gastfamilie gefreut habe, aber aufgeregt war es trotzdem. Doch wie ich die getroffen habe, erfahrt ihr im nächsten Beitrag…

Vielen Dank fürs Lesen!!

Até breve! Elisabeth

O tempo voa por – time flies by…

Oi! Eu sou a Elisabeth, tenho 16 anos e vou ao Brasil em 2018/19.

Das war brasilianisches Portugiesich und heißt:

Hallo! Ich bin Elisabeth, bin 16 Jahre alt und gehe 2018/19 nach Brasilien.

Und damit herzlich willkommen auf meinem Blog!

In meinem allerersten Beitrag würde ich euch gerne die Geschichte erzählen, wie ich zu einem Auslandsjahr gekommen bin, und von meinen Gefühlen, so kurz vor dem Abflug.

Mittlerweile sind es noch genau 5 Tage, bis ich ins Flugzeug steige und brasilianischen Boden betrete… für mich ist das schon seit über einem Jahr eine unglaubliche Vorstellung. Ich weiß noch genau, wie sich, auch durch die Hilfe meiner Mutter, im Herbst 2016 nach und nach die Idee in meinem Kopf festgesetzt hat, eine gewisse Zeit im Ausland zu verbringen, irgendwo, irgendwann, Hauptsache alleine. Ich wollte irgendwie ein Abenteuer erleben. Meine größter „Auslöser“ war mit Abstand eine Austauschmesse, die ich mit meiner Mutter besucht habe. Nach einigen Stunden Auf-mich-eingerede, Fragengestelle und wahnsinnig viel Information sowie Inspiration verließ ich die Messe, aber außer mit einem Beutel, in dem bestimmt knapp 15 Kataloge von Austauschorganisationen waren, stieg ich auch noch mit einem überwältigendem Gefühl ins Auto: Ich war, glaub ich, noch nie so Feuer und Flamme für eine Idee wie nach diesem Besuch. Ich wollte ein Jahr ins Ausland! Ab da begann eine Zeit, in der ich sämtliche Kataloge gewälzt und mehrere Stunden im Internet recherchiert habe, um eine passende Organisation und ein Land zu finden. Langsam nahm ein Bild in meinem Kopf Gestalt an, dass sich mit jedem Erfahrungsbericht-Lesen und Informieren festigte. Ich fing an, mir Situationen vorzustellen, Situationen, wie das Auswahlgespräch, die Gastfamilie zu bekommen und die Vorbereitungstagungen, die zu diesem Zeitpunkt noch unerreichbar weit weg schienen und die ich immer mit dem Gedanken „Ach, das dauert doch eh noch voll lange“ wegschob. Aber es passierte. Nach langem Überlegen und Abwägen habe ich für die Organisation YFU entschieden, bei der ich aber von Anfang an ein gutes Gefühl hatte. Nach dem Auswahlgespräch kam eine Phase, die sehr lang war, aber die ich hier einmal im Kurzen zusammenfassen werde: Sie bestand eigentlich nur aus Warten und viiiiel Bürokratie (wobei das „Schlimmste“ in Hinblick auf Formulare ausfüllen ja noch kommen sollte), denn ich habe eine lange, ausführliche Bewerbung geschrieben, bei der ich mich und mein Leben detailreich beschrieben habe und die echt Zeit gekostet hat, allerdings auch gut war, um sich selbst einmal zu reflektieren. Ein großer und schwieriger Punkt war definitiv die Länderwahl. Die Auswahl ist bei YFU einfach unglaublich groß, und so oft ich Probleme bei anderen Sachen habe, mich zu entscheiden, so sah es auch bei der Länderwahl aus. Nach vielem Überlege und Gezögere standen dann ausschließlich Länder aus Südamerika auf meiner Wunschliste. Warum ich gerne in so ein Land wollte und warum besonders Brasilien mit auf Platz 1 auf dieser Liste war, darüber würde ich gerne noch einmal einen gesonderten Beitrag schreiben. Rückblickend kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich mir viel zu viele unnötige Gedanken und Sorgen über die Länder gemacht habe und, zumindest momentan, sagen würde, dass ich mir kein besseres Austauschland als meines vorstellen könnte und echt zufrieden bin. Und, es ist zwar eine nervige Floskel, aber: Es kommt nicht so sehr auf das Land an und man kann überall ein cooles und spannendes Auslandsjahr erleben! Das sagen zumindest fast alle Austauschschüler, und ich glaube es. Jedenfalls kam dann im Juli 2017 ein großer Umschlag von YFU an: Ich wurde für für BRASILIEN angenommen! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie aufgeregt und fröhlich ich war, als ich das gelesen habe. Das war echt ein toller Moment, den ich nicht vergessen werde. Mit dem Wissen, in welches Land ich fliegen werde, wurde es nun ernst. Ich musste noch viel mehr Formulare ausfüllen und einen Brief für die zukünftige Gastfamilie schreiben, und dann kam auch schon, schneller als ich dachte, die VBT (Vorbereitungstagung), eine absolut coole Woche mit anderen Austauschschülern, in der ich nicht nur echt viel Spaß hatte und viel Interessantes zum Thema Austausch gelernt habe, mein ganzes Auslandsjahr wurde durch die vielen Berichte und Tipps auch viel greifbarer und reeller. Ich hab gedacht: „ Oh, stimmt, bald geht es wirklich los.“ In der nächsten Zeit wurde ich dann geimpft und habe mal mehr, mal weniger ausdauernd Portugiesisch gelernt, bis ich dann im Mai 2018 am Anfang einer Mathestunde meine Gastfamilie bekommen habe. Ich sag mal so: Ich bin aufgeregt in der Klasse herumgesprungen, konnte mich kaum einkriegen vor Freude und habe alle Leute umarmt. Auf Mathe konnte ich mich dann auf jeden Fall nicht mehr konzentrieren (nich,t dass ich es sonst super gut kann 🙂 ).
Tja, und jetzt sitze ich hier, bin nicht mal mehr 50 Tage in Deutschland und das Auslandsjahr rückt immer näher und näher, schneller, als es mir eigentlich lieb ist. Wobei… vielleicht auch schon. Ich kann es nämlich nicht mehr wirklich erwarten. Alle Situationen, wie in das Flugzeug steigen oder seine Gastfamilie sehen, stellt man sich immer vor, als wären diese noch meilenweit entfernt. Aber manchmal trifft es mich wie ein Schlag, dass sie es eben nicht sind und es bald wirklich ernst wird. Die Zeit ist wirklich wie im Flug vorbeigegangen, obwohl ich so aufgeregt war. Nicht, dass es unerwartet ist, dass ich bald fliege. Es ist ja schon seit zwei Jahren geplant. Aber dass ich mich in einer Woche tatsächlich von allem hier in Deutschland verabschieden muss und für ein ganzes Jahr auf einem fremden Kontinent, in einem fremden Land und in einer fremden Familie leben werde, ist trotz der ganzen Informationen und Vorbereitungen einfach unvorstellbar und ich hab es noch nicht realisiert. Werde ich wahrscheinlich auch nicht, bis ich tatsächlich beim Flughafen bin. Der Countdown läuft, der Abflug rückt näher und näher und mit jedem Tag werde ich aufgeregter und auch gestresster. Es gibt noch immens viel zu tun, und ich habe Bedenken, dass ich es nicht mehr schaffe.
Wenn ich an den Abflugtag und die restliche Zeit davor denke, fühle ich eine komische Mischung aus Trauer, Angst, Stress, Freude und Aufregung. Doch die zwei letzten Punkte überwiegen sehr stark und trotz dass ich mein Leben hier wahrscheinlich vermissen werde und ich auch den Druck habe, noch alles von den Sachen, die ich mir vorgenommen habe, vor dem Abflug zu schaffen, kann ich es wirklich kaum erwarten. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich bei dieser unglaublichen Reise begleitet und genauso wie ich erlebt, wie aus Vorstellungen echte, hoffentlich schöne Erlebnisse werden.

Até logo! Bis bald! Eure Elisabeth