Bem vinda no Brasil, Elisabeth!

Diesen Satz habe ich in den ersten Wochen fast jeden Tag gehört.

Tjaaa, nach einer Ewigkeit melde ich mich jetzt auch noch mal wieder. Ich bin jetzt schon fast 4 Monate in Brasilien und in Criciúma. Die Zeit vergeht unglaublich schnell, merke ich gerade, und es ist schon so viel passiert, dass ich jetzt erst die Motivation/Zeit habe, den Blogbeitrag endlich fertig zu machen. Ich habe wirklich schon viel erlebt, von dem ich euch nach und nach gerne berichten möchte. Im heutigen Beitrag möchte ich euch ein bisschen über die Stadt erzählen, in der ich lebe und wie es war, als ich angekommen bin. Dieser Beitrag wird aber auf jeden Fall nicht so ausführlich und lang wie der erste. Aber los gehts…

Am 11. 8. im Orientation Camp hat morgens bzw. nachts der Wecker um 4:50 geklingelt, wir mussten all unsere Sachen aus dem Zimmer räumen und dann gab es Frühstück. Um 6 Uhr wurden wir mit dem Reisebus abgeholt und mussten uns von der Unterkunft verabschieden.

Einige Stunden Fahrt durch den Sonnenaufgang später war dann Abschied von den meisten neu gewonnenen Freunden angesagt, als wir zu verschiedenen Flughäfen und Terminals gebracht wurden. Zum Glück hatte ich zwei gute Freunde bei mir, die ihr Jahr im selben Bundesstaat wie ich verbringen werden und mit mir zusammen geflogen sind.

Um 8 Uhr sind wir am Flughafen Rio de Janeiro angekommen, und weil unser Flug nach Floríanopolis erst um ging, durften wir noch soundso viele Stunden warten. Aber wir haben uns viel unterhalten, sind über den Flughafen spaziert und so ist die Zeit ziemlich schnell rumgegangen. Später haben wir auch noch andere Austauschschüler von uns getroffen, mit denen wir geredet haben. Leider hatte ich ziemlich starke Bauchschmerzen und habe auch den ganzen Tag fast nichts gegessen.

Als wir dann endlich im Flieger saßen, hatten wir nach 2 Stunden eine wunderschöne Aussicht über Floríanopolis: 

Der Flughafen war relativ klein und als wir dann bei der Gepäckabgabe standen, vor uns das Tor, dass sich immer wieder geschlossen und geöffnet hat, hinter dem unsere Gastfamilien warten, war ich ziemlich aufgeregt. Das war ein Moment, den ich mir schon seit ich die Idee vom Auslandsjahr habe, ausgemalt und vorgestellt habe, auf den ich quasi 2 Jahre hingearbeitet und mich vorbereitet habe, und jetzt war es tatsächlich Wirklichkeit. Jetzt begann mein Leben in einem völlig neuen Umfeld.

Meine Familie habe ich sofort gesehen. Ich kannte sie nur von Bildern auf Whatsapp und Instagram, und sie auf einmal in echt zu sehen, war ganz schön komisch. Sie haben mich total lieb mit einem selbstgebastelten Plakat empfangen.

Auf dem Bild seht ihr meine Gasteltern Gabriela (Gabi) (24) und Felipe (29). Ich finde es aber ehrlich gesagt komisch, sie Gasteltern zu nennen, weil sie so jung sind. Neben mir steht noch die Schwester von Felipe, Lais (19), meine „Gastschwester“.

Nach dem Begrüßen und Fotos machen sind wir dann direkt losgefahren und ich konnte schon einige Eindrücke von Floríanopolis, die Hauptstadt des Bundesstaats Santa Catarina, bekommen, was ich übrigens sehr schön finde. Auf dem Weg wurde mir dann noch einiges erklärt und gezeigt und dann sind wir in eine Art Restaurant (Kilo-Restaurant, da nimmt man sich Essen und bezahlt nach Gewicht) gegangen mit einer Art Parkanlage mit Tieren, wo ich dann auch zufällig meine beiden Freunde, mit denen ich geflogen bin, die übrigens ca. eine Stunde entfernt von mir wohnen, getroffen habe. Leider hatte ich wie schon erwähnt Bauchschmerzen und deswegen sind wir auch nicht so lang geblieben. Nach weiterer, langer Autofahrt sind wir dann endlich in Criciúma angekommen. Auf einmal stand ich mit meinem Koffer vor meiner neuen Wohnung in einer Stadt, die ich nur von ein paar Bildern Google Street View kannte, mit dem Wissen, dass ich ein Jahr hier verbringen werde. Und wirklich ALLES war unbekannt. Das war mir schon vorher klar, aber es ist schon ein ungewohntes Gefühl, irgendwo anzukommen und absolut nichts zu kennen, nicht die Menschen, die bei einem sind, nicht die Sprache, nicht den Ort an sich… Bevor wir ins Haus gegangen sind, sind wir allerdings noch einmal kurz durch die Innenstadt gefahren und ich habe meine ersten Eindrücke bekommen. Wer die Azoren kennt (portugiesische Inselgruppe im Atlantik) – die Stadt hat mich sehr doll daran erinnert, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Viele Hochhäuser, Palmen, Parks, heruntergekommene und luxuriöse Häuser, Straßenhunde. Alles ist, zumindest in der Innenstadt/“centro“ natürlich viel lauter und voller als in meinem Dorf in Norddeutschland. Allerdings ist es auch nicht mit einer Stadt in Deutschland vergleichbar, irgendwie enger und kleiner als in z. B. Hamburg.

Hier einmal einige Infos über Criciuma:

Criciúma ist eine Stadt im Süden des Bundesstaats Santa Catarina, welcher der zweitsüdlichste Bundesstaat Brasiliens ist. Criciúma ist 180 km von der Haupstadt Floríanopolis entfernt (wir haben dafür 2 Stunden mit Auto gebraucht), 24 km von der Atlantikküste, also sehr nah am Meer, und 900 km von Sao Paolo. Die Stadt hat 193.988 Einwohner und ist mit einer Fläche von

235,628 km² ungefähr ein Drittel so groß wie Hamburg und 23 mal so groß wie mein Heimatdorf. Sie entspricht also ungefähr der Fläche von Magdeburg oder Halle. Das Stadtzentrum, in welchem ich lebe, ist voll von Hochhäusern und Appartements. Etwas weiter außerhalb, mit dem Auto zu erreichen, liegen auch vereinzelt Häuser , die an die Natur grenzen und auch Armengegenden. Ein Teil der Stadt liegt auf einem kleinen Berg, wo auch Häuser stehen. Es gibt vier Schulen und drei, relativ kleine, Shoppingcenter, zwei Parks (auch sehr klein im Vergleich zu Hamburg) und viele Läden/Fußgängerzonen. Das meiste ist in Fußnähe von meinem Appartement aus zu erreichen. Es gibt auch ein Stadium und eine Fußballmannschaft, Criciúma EC.

Tja, und dann habe ich zum ersten Mal meine Wohnung und mein Zimmer betreten. Ich wohne im 8. Stock und war sehr beeindruckt, da ich von meinem Zimmerfenster aus eine tolle Sicht über die Stadt habe.

Als wir angekommen sind wurde mir erst einmal alles gezeigt, dann habe ich meinen Koffer ausgepackt und auch meine Gastgeschenke überreicht (deutsche Süßigkeiten, Kalender, Kochbuch,…) , über die sich meine Gasteltern glücklicherweise auch sehr gefreut haben.

Dann sind wir in den Supermarkt gegangen, haben etwas gegessen und dann ging es für mich auch schon ins Bett, denn ich war extrem müde. Es war ein seltsames und überwältigendes Gefühl, auf einmal in so einer komplett neuen Umgebung zu sein, bei fremden Leuten im Haus zu schlafen und sich darauf einzustellen, dass dieses jetzt für ein Jahr das neue Zuhause sein wird.

Meine Gastfamilie und ihre ganze Verwandtschaft sind Mormonen, deswegen sind wir am nächsten Morgen gleich in die Kirche gegangen, und da die Kirchengemeinde wie ein großer Bekanntenkreis mit Freunden und Familie der Gastfamilie ist, habe ich direkt schon sehr viele neue Leute kennengelernt beziehungsweise wurde ihnen vorgestellt. Am restlichen und darauffolgenden Tag haben wir dann die ganze Verwandtschaft „abgeklappert“, also die Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten meiner Gasteltern, die auch alle in derselben Stadt wohnen. Wir wurden von ihnen zum Essen eingeladen, ich wurde überall vorgestellt und sehr herzlich empfangen und willkommen geheißen.

Am Montag habe ich meinen ersten Eindruck von meiner neuen Schule bekommen, denn wir sind dorthin gegangen um alles abzuklären und ich habe schon mal einen Blick in meine Klasse geworfen. Danach habe ich meine Schuluniform gekauft. Meine Gastschwester Maju (15), also eigentlich die Schwester meiner Gastmutter und ihre Freundin sind mit mir in eines der örtlichen Einkaufszentren gegangen, um mit Felipe meine Simkarte zu beantragen. Ich habe in den ersten Tagen auch sehr die Gastfreundlichkeit der Brasilianer gespürt, denn die beiden hatten ein kleines Körbchen mit brasilianischen Süßigkeiten für mich gemacht. Aber das war nicht das einzige Geschenk, was ich bekommen habe: Lais hat mir ein T-Shirt von einer meiner Lieblingsbands geschenkt und Felipe und Gabriela eine Ukulele! 😮

Eines der aufregensten Dinge, die in der ersten Woche passiert sind, war natürlich mein erster Schultag. Doch über den berichte ich im nächsten Beitrag.

Vielen Dank fürs Lesen und até breve! Elisabeth

O tempo voa por – time flies by…

Oi! Eu sou a Elisabeth, tenho 16 anos e vou ao Brasil em 2018/19.

Das war brasilianisches Portugiesich und heißt:

Hallo! Ich bin Elisabeth, bin 16 Jahre alt und gehe 2018/19 nach Brasilien.

Und damit herzlich willkommen auf meinem Blog!

In meinem allerersten Beitrag würde ich euch gerne die Geschichte erzählen, wie ich zu einem Auslandsjahr gekommen bin, und von meinen Gefühlen, so kurz vor dem Abflug.

Mittlerweile sind es noch genau 5 Tage, bis ich ins Flugzeug steige und brasilianischen Boden betrete… für mich ist das schon seit über einem Jahr eine unglaubliche Vorstellung. Ich weiß noch genau, wie sich, auch durch die Hilfe meiner Mutter, im Herbst 2016 nach und nach die Idee in meinem Kopf festgesetzt hat, eine gewisse Zeit im Ausland zu verbringen, irgendwo, irgendwann, Hauptsache alleine. Ich wollte irgendwie ein Abenteuer erleben. Meine größter „Auslöser“ war mit Abstand eine Austauschmesse, die ich mit meiner Mutter besucht habe. Nach einigen Stunden Auf-mich-eingerede, Fragengestelle und wahnsinnig viel Information sowie Inspiration verließ ich die Messe, aber außer mit einem Beutel, in dem bestimmt knapp 15 Kataloge von Austauschorganisationen waren, stieg ich auch noch mit einem überwältigendem Gefühl ins Auto: Ich war, glaub ich, noch nie so Feuer und Flamme für eine Idee wie nach diesem Besuch. Ich wollte ein Jahr ins Ausland! Ab da begann eine Zeit, in der ich sämtliche Kataloge gewälzt und mehrere Stunden im Internet recherchiert habe, um eine passende Organisation und ein Land zu finden. Langsam nahm ein Bild in meinem Kopf Gestalt an, dass sich mit jedem Erfahrungsbericht-Lesen und Informieren festigte. Ich fing an, mir Situationen vorzustellen, Situationen, wie das Auswahlgespräch, die Gastfamilie zu bekommen und die Vorbereitungstagungen, die zu diesem Zeitpunkt noch unerreichbar weit weg schienen und die ich immer mit dem Gedanken „Ach, das dauert doch eh noch voll lange“ wegschob. Aber es passierte. Nach langem Überlegen und Abwägen habe ich für die Organisation YFU entschieden, bei der ich aber von Anfang an ein gutes Gefühl hatte. Nach dem Auswahlgespräch kam eine Phase, die sehr lang war, aber die ich hier einmal im Kurzen zusammenfassen werde: Sie bestand eigentlich nur aus Warten und viiiiel Bürokratie (wobei das „Schlimmste“ in Hinblick auf Formulare ausfüllen ja noch kommen sollte), denn ich habe eine lange, ausführliche Bewerbung geschrieben, bei der ich mich und mein Leben detailreich beschrieben habe und die echt Zeit gekostet hat, allerdings auch gut war, um sich selbst einmal zu reflektieren. Ein großer und schwieriger Punkt war definitiv die Länderwahl. Die Auswahl ist bei YFU einfach unglaublich groß, und so oft ich Probleme bei anderen Sachen habe, mich zu entscheiden, so sah es auch bei der Länderwahl aus. Nach vielem Überlege und Gezögere standen dann ausschließlich Länder aus Südamerika auf meiner Wunschliste. Warum ich gerne in so ein Land wollte und warum besonders Brasilien mit auf Platz 1 auf dieser Liste war, darüber würde ich gerne noch einmal einen gesonderten Beitrag schreiben. Rückblickend kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich mir viel zu viele unnötige Gedanken und Sorgen über die Länder gemacht habe und, zumindest momentan, sagen würde, dass ich mir kein besseres Austauschland als meines vorstellen könnte und echt zufrieden bin. Und, es ist zwar eine nervige Floskel, aber: Es kommt nicht so sehr auf das Land an und man kann überall ein cooles und spannendes Auslandsjahr erleben! Das sagen zumindest fast alle Austauschschüler, und ich glaube es. Jedenfalls kam dann im Juli 2017 ein großer Umschlag von YFU an: Ich wurde für für BRASILIEN angenommen! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie aufgeregt und fröhlich ich war, als ich das gelesen habe. Das war echt ein toller Moment, den ich nicht vergessen werde. Mit dem Wissen, in welches Land ich fliegen werde, wurde es nun ernst. Ich musste noch viel mehr Formulare ausfüllen und einen Brief für die zukünftige Gastfamilie schreiben, und dann kam auch schon, schneller als ich dachte, die VBT (Vorbereitungstagung), eine absolut coole Woche mit anderen Austauschschülern, in der ich nicht nur echt viel Spaß hatte und viel Interessantes zum Thema Austausch gelernt habe, mein ganzes Auslandsjahr wurde durch die vielen Berichte und Tipps auch viel greifbarer und reeller. Ich hab gedacht: „ Oh, stimmt, bald geht es wirklich los.“ In der nächsten Zeit wurde ich dann geimpft und habe mal mehr, mal weniger ausdauernd Portugiesisch gelernt, bis ich dann im Mai 2018 am Anfang einer Mathestunde meine Gastfamilie bekommen habe. Ich sag mal so: Ich bin aufgeregt in der Klasse herumgesprungen, konnte mich kaum einkriegen vor Freude und habe alle Leute umarmt. Auf Mathe konnte ich mich dann auf jeden Fall nicht mehr konzentrieren (nich,t dass ich es sonst super gut kann 🙂 ).
Tja, und jetzt sitze ich hier, bin nicht mal mehr 50 Tage in Deutschland und das Auslandsjahr rückt immer näher und näher, schneller, als es mir eigentlich lieb ist. Wobei… vielleicht auch schon. Ich kann es nämlich nicht mehr wirklich erwarten. Alle Situationen, wie in das Flugzeug steigen oder seine Gastfamilie sehen, stellt man sich immer vor, als wären diese noch meilenweit entfernt. Aber manchmal trifft es mich wie ein Schlag, dass sie es eben nicht sind und es bald wirklich ernst wird. Die Zeit ist wirklich wie im Flug vorbeigegangen, obwohl ich so aufgeregt war. Nicht, dass es unerwartet ist, dass ich bald fliege. Es ist ja schon seit zwei Jahren geplant. Aber dass ich mich in einer Woche tatsächlich von allem hier in Deutschland verabschieden muss und für ein ganzes Jahr auf einem fremden Kontinent, in einem fremden Land und in einer fremden Familie leben werde, ist trotz der ganzen Informationen und Vorbereitungen einfach unvorstellbar und ich hab es noch nicht realisiert. Werde ich wahrscheinlich auch nicht, bis ich tatsächlich beim Flughafen bin. Der Countdown läuft, der Abflug rückt näher und näher und mit jedem Tag werde ich aufgeregter und auch gestresster. Es gibt noch immens viel zu tun, und ich habe Bedenken, dass ich es nicht mehr schaffe.
Wenn ich an den Abflugtag und die restliche Zeit davor denke, fühle ich eine komische Mischung aus Trauer, Angst, Stress, Freude und Aufregung. Doch die zwei letzten Punkte überwiegen sehr stark und trotz dass ich mein Leben hier wahrscheinlich vermissen werde und ich auch den Druck habe, noch alles von den Sachen, die ich mir vorgenommen habe, vor dem Abflug zu schaffen, kann ich es wirklich kaum erwarten. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich bei dieser unglaublichen Reise begleitet und genauso wie ich erlebt, wie aus Vorstellungen echte, hoffentlich schöne Erlebnisse werden.

Até logo! Bis bald! Eure Elisabeth