News aus Rumänien…

Die letzte Ferienwoche habe ich hauptsächlich damit verbracht, rumänisch zu lernen, außerdem habe ich, alleine und zusammen mit meiner Gastschwester, viele Spaziergänge durch Oradea gemacht, sodass ich mich jetzt meist ohne Google-Maps einigermaßen zurechtfinden kann und allein zu allen wichtigen Plätzen gelangen kann. Zudem habe ich gelernt, mit der rumänischen Straßenbahn zu fahren, was komplizierter ist, als es sich anhört. Zuerst muss man sich das Ticket an einem Schalter kaufen, dann muss man herausfinden welche Bahn man nehmen muss, denn so etwas wie ein allgemeiner Plan existiert nicht, und schließlich muss man auch noch an der richtigen Station wieder aussteigen, was ohne Google oder Ortskenntnis fast unmöglich ist, da an einer Station meist nicht ihr Name geschrieben steht und es in der Straßenbahn auch keine Durchsagen gibt. Die meisten Straßenbahnen sind relativ alt, und sie bewegen sich dementsprechend langsam und in einer Lautstärke, die längere Gespräche fast unmöglich macht, aber ich mag es, sie zu benutzen, da man sich in aller Ruhe die Stadt ansehen kann und sie trotz allem bequemer sind, als zu Fuß zu gehen, wenn auch nicht unbedingt schneller:)
Mein älterer Gastbruder, der eine Militärschule besucht war für ein paar Tage in der Stadt, sodass ich auch ihn kennengelernt habe. Er unterscheidet sich vom Charakter her sehr von meiner Schwester, aber auch mit ihm habe ich mich gut verstanden. Fast jeden Abend haben meine Schwester und ich uns mit ihm getroffen und sind, manchmal noch mit einer Freundin meiner Schwester, ausgegangen.
Zudem haben meine Mutter, meine Schwester und ich einen Tagesausflug nach Cluj gemacht, da meine Schwester dort ein YFU-Seminar hatte. Cluj ist eine Studentenstadt, meine Gasteltern haben beide dort studiert und meine Gastschwester wird ab nächstem Jahr dort studieren. Wir sind früh morgens mit dem Zug losgefahren und nach ungefähr drei Stunden dort angekommen. Nachdem meine Gastmutter uns die Studentenwohnungen und das Stadtzentrum gezeigt hat und wir meine Gastschwester zu ihrem Seminar gebracht hatten, habe ich zusammen mit meiner Gastmutter zwei Museen besucht, beide über die Kultur und Geschichte Transilvaniens, die beide sehr interessant waren. Danach waren wir noch mit meiner Gastschwester und einer YFUlerin, die letztes Jahr ein Auslandsjahr in Deutschland verbracht hat, in einem Kunstmuseum und am Abend mit meiner Gastmutter und meiner Gastschwester in dem botanischen Garten, der wunderschön war.

Letzte Woche Montag hat schließlich auch hier nach fast drei Monaten Sommerferien die Schule wieder angefangen. Der erste Schultag ist hier viel wichtiger als in Deutschland, alle ziehen sich hübsch an und die Lehrerinnen bekommen von allen Schülern Blumen. Morgens hat meine Gastmutter mich und meine Gastschwester, die dieses Jahr in die zwölfte Klasse geht, in die Schule gefahren. Dort bin ich dann in meine Klasse gegangen und wir hatten ungefähr zwei Stunden Schule, wo sich einfach alle vorgestellt und über die Sommerferien geredet haben. Meine Klasse und meine Klassenlehrerin sind sehr nett, in den ersten Tagen haben mir viele ihre Hilfe angeboten. Meine Gastschwester hat mir vor Schulanfang nochmals aus eigener Erfahrung erzählt, wie wichtig es ist, gleich von Anfang an einfach immer zu den Leuten hinzugehen und mit ihnen zu reden, und ich habe versucht, dies vom ersten Schultag an zu tun, sodass ich bis jetzt in den Pausen immer Menschen zum Reden hatte, die mir auch die Schule etwas gezeigt haben. Einen wirklichen Vergleich der Schulen in Deutschland und in Rumänien kann ich nach einer Woche allerdings noch nicht machen, darüber werde ich in meinem nächsten Eintrag schreiben.
Ceau, Alina

In den Bildern sieht man das Zentrum von Oradea und mich und meine Gastschwester abends in der Stadt.

Meine erste Woche in Rumänien

Hallo, ich bin Alina, bin 16 Jahre alt und ich bin jetzt schon seit einer Woche in Rumänien, wo ich ein Auslandsjahr verbringe.
Ich habe mir Rumänien als Austauschland ausgewählt, weil ich, obwohl die meisten osteuropäischen Länder ja sogar Teil der EU sind, nur sehr wenig über diesen Teil unseres Kontinentes wusste, und es außerdem vergleichsweise günstig ist, hier ein Auslandsjahr zu verbringen und es viele Stipendien gibt.
Vor einer Woche bin ich dann von München nach Cluj, der zweitgrößten Stadt Rumäniens geflogen. Es war mein erster Flug und ich musste allein fliegen, daher war ich ziemlich aufgeregt, aber alles hat gut geklappt. Schon nach eineinhalb Stunden kamen wir an, was mich etwas überrumpelt hat, weil ich beim Ausrechnen meiner Flugzeit die Zeitverschiebung von einer Stunde nicht berücksichtigt hatte, aber zum Glück bin ich trotzdem ausgestiegen, sodass mich am Flughafen meine Gastfamilie mit einer bedruckten Rumänienflagge in Empfang nehmen konnte. Anschließend fuhren wir nach einem kleinen Mittagessen auf relativ kleinen Landstraßen nach Oradea, einer Stadt mit ca. 200 000 Einwohnern ganz im Westen Rumäniens, wo wir dann abends angekommen sind. Mein Gastvater hat mir erzählt, dass es in ganz Rumänien nur um die vier Autobahnen gibt, die nicht miteinander verbunden sind, sodass die Fahrt dementsprechend länger dauerte, was aber nichts gemacht hat, denn dadurch konnte ich die rumänische Landschaft bewundern, die sich durchaus von unserer unterscheidet.
Was mir schon in den ersten Tagen aufgefallen ist, ist, dass meine Gastfamilie sich (entgegen meiner Erwartungen und auch Befürchtungen) sehr gesund ernährt. Fleisch wird nur wenig gegessen und die einzigen Süßigkeiten, die in dem Haushalt existieren, sind die, die ich von meiner Reise mitgebracht habe und auch Brot wird nicht wirklich gegessen. Dies liegt vor allem daran, dass meine Gastmutter und meine Gastschwester, die erst vor kurzem von einem Auslandsjahr in Amerika zurückgekehrt ist, Diät halten, aber auch daran, dass mein Gastvater Koch ist, und somit auch gesund sehr lecker kochen kann. Ich lebe hier also sogar gesünder als zuhause, und morgens gehe ich manchmal mit meiner Gastschwester joggen.
Meine Gasteltern sind beide berufstätig, sodass meine Gastschwester und ich tagsüber meist alleine zuhause sind. In der Zeit gehen wir manchmal in die Stadt oder mit dem Hund meiner Familie spazieren, zudem bin ich die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt, rumänisch zu lernen, was mir die meiste Zeit auch Spaß macht, aber der aller größte Teil der Kommunikation findet trotzdem auf Englisch statt, obwohl meine Gastmutter inzwischen versucht, rumänisch zu reden, wenn sie mir etwas einfaches mitteilen will. Sie setzt sich auch fast jeden Abend ungefähr eine Viertelstunde mit mir hin, verbessert Sachen, die ich geschrieben habe, verbessert meine Aussprache und versucht, mir die ziemlich komplizierte Grammatik zu erklären.
Mir geht es hier also sehr gut, meine Gastfamilie ist wirklich total nett und ich fühle mich sehr wohl.
Morgen fahre ich mit meiner Gastmutter und meiner Gastschwester nach Cluj, wo meine Gastschwester ein YFU-Seminar hat, aber davon werde ich dann in meinem nächsten Eintrag berichten.
Ceau, Alina