Majorat- 18. Geburtstag in Rumänien

 

Ceau,

also, vor kurzem hat meine Gastschwester ihren 18. Geburtstag gefeiert und deswegen möchte ich euch dieses Mal davon berichten, wie dieser hier in Rumänien gefeiert wird.

Zunächst einmal darf man in Rumänien wirklich erst mit 18 Führerschein machen oder Alkohol trinken, nicht mit 16 wie in Deutschland, deswegen bedeutet der 18. Geburtstag tatsächlich eine Veränderung im Leben, was vielleicht ein Grund dafür ist, dass er hier so groß gefeiert wird. Und er wird wirklich groß gefeiert, sehr groß sogar. Ich war bisher auf drei Majorats, und weil ich aus Deutschland eher an „Gartenpartys“ gewöhnt war, war es eine ziemliche Überraschung für mich, als mir meine Gastfamilie eröffnet hat, das ich mit meinen Outfits aus Deutschland auf keinen Fall auf einen Geburtstag gehen kann.
Für den Geburtstag von meiner Gastschwester, der der Meinung meiner Gastfamilie nach vom Aufwand her eher im rumänischen Mittelmaß lag, hatten meine Gasteltern eine Art sehr luxuriösen Partykeller gemietet, zwei DJs und zwei Kellner bestellt, eine professionelle Torte anfertigen lassen, Geschirr und Tische für 25 Personen gemietet und eigentlich sollte auch noch ein professioneller Fotograf kommen, aber der hat dann doch abgesagt, sodass am Ende ich diese Rolle übernommen habe. Meine Gastmutter hat sich drei Tage von der Arbeit freigenommen, in denen sie fast von morgens bis abends nur in der Küche gestanden und das Essen vorbereitet hat und dann musste natürlich auch ein neues Outfit für meine Gastschwester besorgt werden… Ehrlich gesagt will ich gar nicht wissen, was das Ganze gekostet hat, meine Gasteltern haben merklich darauf gespart. Schon alleine die Luftballons am Eingang haben 125 Lei gekostet, umgerechnet ca. 30 Euro, sehr viel für rumänische Verhältnisse.
Aber wir hatten auf jeden Fall sehr viel Spaß, ich habe viele neue Leute getroffen und es ist mir zum ersten Mal passiert, dass jemand nicht schon nach zwei Minuten gemerkt hat, das ich keine Rumänin bin. Wir haben die ganze Nacht getanzt und gegessen und sind erst um sieben Uhr morgens nach Hause gekommen, das erste Mal in meinem Leben, das ich nur zwei Stunden geschlafen habe, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Ich war im November auch auf einem 18. Geburtstag, der selbst für rumänische Verhältnisse ziemlich fancy war, er fand in einem „Castello“ statt, ein Ort, in dem in Deutschland vielleicht Hochzeiten gefeiert werden würden, dafür mussten wir vorher Ballkleider mieten…
Es wird auf jeden Fall merkwürdig für mich werden, in Deutschland wieder auf „normale“ Geburtstage zu gehen, wahrscheinlich bin ich erst mal ein paar Male overdressed, aber das ist ja auch eine interessante Erfahrung die ich noch nie gemacht habe XD
Ich hoffe ich konnte euch wieder einen kleinen Einblick verschaffen, auf den Bildern seht ihr mich mit meiner Gastschwester bevor wir zu dem fancy Geburtstag gegangen sind, das andere zeigt mich mit meiner Gastschwester und einer Freundin bei dem Geburtstag meiner Gastschwester.

Ceau, pe curand,
Alina

 

 

 

 

Weihnachten und Silvester in Rumänien

In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie Weihnachten und Silvester hier in Rumänien gefeiert werden.
Grundsätzlich hatte ich an Weihnachten das Gefühl, dass es ein nicht ganz so wichtiges Fest ist wie in Deutschland, eine Adventszeit gibt es hier zum Beispiel fast gar nicht, es wird zwar gebacken, aber vor Weihnachten werden die Plätzchen (zumindest in der Theorie:)) nicht angerührt und das einzige, das einen ein wenig in Weihnachtsstimmung versetzt, ist die geschmückte Stadt, die wirklich sehr hübsch aussah, mit vielen Lichtern und einem kleinen Weihnachtsmarkt im Zentrum.
Wir haben auch einen Weihnachtsbaum, den wir alle zusammen am 24. Dezember geschmückt haben. Ansonsten hatte ich den Eindruck, dass das wichtigste an Weihnachten das Essen war, es gibt an jedem Weihnachtstag ein Festessen, zuerst eine „Vorspeise“, meistens verschiedene Salate und kalte Platten, dann eine Suppe, dann das eigentliche Hauptgericht, meistens Sarmale (das rumänische Nationalgericht, Kohlröllchen mit Fleischfüllung) und dann noch einen Nachtisch, meistens Kuchen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gegessen und dann hatte meine Gastmutter auch noch deutschen Stollen gebacken… Geschenke gab es am 24. Dezember, aber das Ganze hat nicht Stunden gedauert wie normalerweise in Deutschland, sondern alle haben gleichzeitig alle ihre Geschenke auf einmal ausgepackt und nach einer halben Stunde waren wir fertig. Trotzdem habe ich dieses Weihnachten aber als sehr schön empfunden, über die Weihnachtstage waren wir als Familie fast immer zusammen, was ansonsten nicht so häufig vorkommt und was ich genossen habe.

An Silvester waren wir in einem 4 Sterne Restaurant mit 6-Gänge-Menü, Livemusik und Tanzen und um Mitternacht haben wir uns das Feuerwerk angesehen. In Rumänien ist es verboten, ohne Extragenehmigung Feuerwerk zu machen, deswegen dachte ich erst, das es eher langweilig werden würde, aber die Stadt hat ein sehr schönes Feuerwerk organisiert, sodass dieses Neujahr auf jeden Fall ebenfalls sehr einzigartig und wunderschön war.

Auf den Bildern unten sieht man das weihnachtlich beleuchtete Stadtzentrum, meine Gastfamilie und mich an Silvester und einen traditionellen Tanz aus der Region in Rumänien in der ich lebe.

Ceau, Alina

Ein Tag für mich in Rumänien

Ceau,
nachdem mich jetzt schon einige Leute darum gebeten haben, möchte ich euch mit diesem Eintrag einen kleinen Einblick in einen normalen Tag für mich hier in Rumänien geben.
Also: morgens stehe ich unter der Woche immer gegen halb sieben zusammen mit meiner Gastschwester und meiner Gastmutter auf. Nachdem ich gefrühstückt, meine Sachen für die Schule gepackt und mich fertig gemacht habe, verlasse ich meistens gegen 7:40h das Haus und gehe zu Fuß zur Schule, meistens alleine, da meine Gastschwester den Bus nimmt. Da sie dafür aber früher das Haus verlassen muss bevorzuge ich meistens den Fußweg. Normalerweise komme ich gerade rechtzeitig um acht an der Schule an, wenn ich einige Minuten zu spät bin ist das aber auch nicht so schlimm, da die Hälfte meiner Klasse erst bis zu 20 Minuten nach dem Klingeln ankommt und auch der Lehrer nicht selten 10 Minuten zu spät kommt.
Mittags esse ich einen kleinen Snack, den ich mir von Zuhause mitgebracht habe (solange ich ihn nicht schon vorher gegessen habe) und nach der Schule, meistens gegen 14h, gehe ich direkt ins Fitnessstudio, oft mit meiner Gastschwester, manchmal aber auch alleine. Ich habe damit letzten Monat angefangen, als es draußen zum joggen zu kalt wurde, und es gefällt mir sehr gut.
Gegen Abend komme ich meistens nach Hause, Montags, Dienstags und Mittwochs gehe ich noch mit unserem Hund spazieren und dann gibt es Abendessen, Die Mahlzeiten essen wir unter der Woche meistens einfach jeder, wenn er gerade Hunger hat, da meine Gastmutter am Wochenende für eine ganze Woche kocht, aber am Wochenende versuchen wir, zumindest eine Mahlzeit am Tag gemeinsam zu essen,
Nach dem Essen lerne ich fast immer für die Schule oder rumänisch. Diese Stunden am Abend mag ich am Tag am liebsten, meine Gastmutter, meine Gastschwester und ich sitzen im Wohnzimmer, meistens haben wir alle etwas zu arbeiten, manchmal sitzen wir aber auch einfach nur da und unterhalten uns, entweder der Hund oder die Katze oder beide kommen und wollen eine Streicheleinheit…
Meinen Gastvater sehe ich unter der Woche nur, wenn ich lange aufbleibe, da er oft erst gegen 23:30h von der Arbeit kommt, aber am Wochenende ist er oft zuhause.
Am Wochenende unternehme ich meistens etwas mit meinen Freunden oder meiner Gastschwester, manchmal fahren wir auch meine Gastgroßeltern besuchen.
So, ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben,
Pe curand,
Alina
In dem Bild sind meine Gastschwester und ich, bei einem Wochenendausflug nach Timisoara

Oradea- meine Stadt in Rumänien

Salut,
in diesem Beitrag möchte ich euch ein bisschen über die Stadt erzählen, in der ich wohne.

Oradea liegt ganz im Westen Rumäniens, das Stadtzentrum ist 13 km von der ungarischen Grenze entfernt. Daher gibt es in der Stadt eine große ungarische Minderheit, die ungefähr 25% der Bevölkerung ausmacht, viele Schilder sind auch in ungarisch geschrieben und viele Rumänen sprechen ungarisch, so auch meine Gastmutter.

Oradea wurde von den Römern gegründet und gehörte bis 1538 zu Ungarn, auch einige ungarische Könige sind hier begraben. Danach wurde es Teil des Habsburgerreiches (Österreich, Ungarn+ Teile von Deutschlands, Italiens, Sloweniens und Kroatiens), danach übernahmen es die Türken, dann wieder die Österreicher und erst nach dem zweiten Weltkrieg musste es, trotz damals mehrheitlich ungarischer Bevölkerung, aus strategischen Gründen an Rumänien abgetreten werden. 1940 fiel die Stadt allerdings wieder an Ungarn zurück, vier Jahre später wurde sie aber von der rumänisch-sowjetischen Armee besetz und gehört seitdem wieder zu Rumänien.
Diese verschiedenen kulturellen Einflüsse und auch die vor dem zweiten Weltkrieg auf ein sechstel geschätzte jüdische Bevölkerung haben sehr deutliche Spuren in der Architektur hinterlassen. Unten sieht man zum Beispiel das Zentrum in typischer ungarischer Architektur.

Ich mag an Oradea, dass es sehr grün ist. An jeder Ecke gibt es irgendeinen Park, unten sieht man den Park im Stadtzentrum, fast alle Straßen sind von Bäumen gesäumt und direkt neben unserem Block fließt der Fluss Crisul Repede, an dem wir immer mit unserem Hund spazieren gehen.

Die öffentlichen Verkehrsmittelverbindungen sind relativ gut, es kommt ungefähr alle 15 Minuten eine Straßenbahn, und auch wenn das System etwas verwirrender ist als in deutschen Städten (es gibt keinen wirklichen Fahrplan, nirgendwo steht geschrieben, welche Straßenbahn denn gerade vor einem steht und wo sie hält, auch in der Straßenbahn erzählt einem niemand, wo man sich gerade befindet, außerdem ist der Ticketstand Samstagnachmittag und Sonntag geschlossen, sodass ich schon einige Male gezwungen war, schwarz zu fahren etc) habe ich mich inzwischen daran gewöhnt, langsam und laut durch die Straßen zu tuckern.
Pe curand, Alina

Schule in Rumänien

Salut!

Wie ich ja schon in meinem letztem Blogeintrag berichtet hat der erste Schultag in Rumänien eine viel größere  Bedeutung als in Deutschland. Alle ziehen sich hübsch an und die Klassenlehrerinnen bekommen einen Blumenstrauß von jedem Schüler und jeder Schülerin.
Der richtige Unterricht hat erst am dritten Schultag richtig angefangen, vorher haben die Lehrer eigentlich nur über das neue Schuljahr geredet und alle haben sich vorgestellt.
In Rumänien gibt es eine Grundschule, danach eine Art Mittelschule bis zur 8. Klasse, an dessen Ende es Prüfungen in jedem Fach gibt. Nur wenn man diese bestanden hat, kann man in die „Highschool“ gehen, die wie in Deutschland bis zur 12. Klasse geht. Es gibt auch eine Art Abitur am Ende der Highschool, das man benötigt, wenn man studieren will. In meine Schule gehen Schüler von der ersten Klasse bis zur 12. Klasse. Für die Highschool kann man verschiedene Profile wählen, es gibt Naturwissenschaftliches Profil, Informatikprofil, ein Profil, an dessen Ende man ein Zertifikat erhält, mit dem man Schüler bis zur vierten Klasse unterrichten darf, und mein Profil, Philologie. Es ist genau das richtige für mich, ich mag eigentlich alle Fächer außer Informatik, wir haben kein Mathe und nur einmal in der Woche ein Fach, das eine Mischung aus Biologie, Physik und Chemie ist. Unten ist eine Übersetzung von meinem Stundenplan, und wie man dort sehen kann, habe ich jeden Tag in der Woche Englisch. Vom Niveau ist es ungefähr so, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, wir arbeiten auf C1 hin. In den anderen Fächern kann ich das noch nicht so genau beurteilen, aber bis jetzt ist es ungefähr wie in Deutschland, manches hatten wir schon letztes Jahr, manches ist neu. In meiner Schule wird auch deutsch unterrichtet, aber in meiner Klasse hat niemand Deutschunterricht.
Vom Unterrichtsstil ist es viel mehr Frontalunterricht, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Die Lehrer stellen kaum Fragen und es kommt vor, das der Lehrer eine ganze Stunde damit verbringt, den Schülern einen Hefteintrag zu diktieren. Mit einmal melden pro Stunde kommt man hier also nicht weit, ganz abgesehen davon, dass sich niemand meldet, wenn man etwas sagen will, sagt man es einfach. Auch Diskussionen gibt es eigentlich nicht, meine Schwester hat mir erzählt, wenn man in einer Klassenarbeit nicht einer Meinung mit dem Lehrer ist, gibt es Abzug.
Im Unterricht komme ich überraschend gut mit, ich verstehe eigentlich immer, worum es geht, auch wenn es sehr viel Konzentration verlangt, sodass ich am Ende eines Schultages immer ziemlich erledigt bin.
Die Noten gehen von eins bis zehn, wobei zehn die beste Note ist. Man muss mindestens eine fünf haben, um den Test zu bestehen. In meiner ersten Englischarbeit hatte ich eine 9,5, ich bin schon gespannt auf meinen ersten Test in rumänisch.
Eine Schulstunde geht immer 50 Minuten und danach haben wir 10 Minuten Pause, um 11h haben wir 20 Minuten Pause. Die Schule beginnt um 8h.
Theoretisch müssen wir auch eine Schuluniform tragen, allerdings habe ich noch nie gesehen, dass mehr als zwei Leute in der Klasse diese tragen. Und noch etwas ist mir aufgefallen, die Lehrer*innen werden so gut wie nie bei ihrem Namen angesprochen, sondern ausschließlich mit „doamn*a profesoar*e“ was soviel wie „Herr*Frau Lehrer*in“ heißt. Das bedeutet aber nicht, dass das Verhältnis zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen weniger eng ist als das in Deutschland, eher im Gegenteil, die beliebten Lehrer bekommen nach den Sommerferien einige Umarmungen und an Weihnachten und Ostern kauft die ganze Klasse allen Lehrern kleine Geschenke.  
Von meiner Klasse bin ich sehr nett aufgenommen worden, und auch die meisten Lehrer sind nett und interessiert an Deutschland.

So, das war’s jetzt erstmal, in zwei Wochen kommt ein neuer Eintrag.
Ceau, Alina

PS. In den Bildern sieht man meine Schule und mein Klassenzimmer.