Ein Tag für mich in Rumänien

Ceau,
nachdem mich jetzt schon einige Leute darum gebeten haben, möchte ich euch mit diesem Eintrag einen kleinen Einblick in einen normalen Tag für mich hier in Rumänien geben.
Also: morgens stehe ich unter der Woche immer gegen halb sieben zusammen mit meiner Gastschwester und meiner Gastmutter auf. Nachdem ich gefrühstückt, meine Sachen für die Schule gepackt und mich fertig gemacht habe, verlasse ich meistens gegen 7:40h das Haus und gehe zu Fuß zur Schule, meistens alleine, da meine Gastschwester den Bus nimmt. Da sie dafür aber früher das Haus verlassen muss bevorzuge ich meistens den Fußweg. Normalerweise komme ich gerade rechtzeitig um acht an der Schule an, wenn ich einige Minuten zu spät bin ist das aber auch nicht so schlimm, da die Hälfte meiner Klasse erst bis zu 20 Minuten nach dem Klingeln ankommt und auch der Lehrer nicht selten 10 Minuten zu spät kommt.
Mittags esse ich einen kleinen Snack, den ich mir von Zuhause mitgebracht habe (solange ich ihn nicht schon vorher gegessen habe) und nach der Schule, meistens gegen 14h, gehe ich direkt ins Fitnessstudio, oft mit meiner Gastschwester, manchmal aber auch alleine. Ich habe damit letzten Monat angefangen, als es draußen zum joggen zu kalt wurde, und es gefällt mir sehr gut.
Gegen Abend komme ich meistens nach Hause, Montags, Dienstags und Mittwochs gehe ich noch mit unserem Hund spazieren und dann gibt es Abendessen, Die Mahlzeiten essen wir unter der Woche meistens einfach jeder, wenn er gerade Hunger hat, da meine Gastmutter am Wochenende für eine ganze Woche kocht, aber am Wochenende versuchen wir, zumindest eine Mahlzeit am Tag gemeinsam zu essen,
Nach dem Essen lerne ich fast immer für die Schule oder rumänisch. Diese Stunden am Abend mag ich am Tag am liebsten, meine Gastmutter, meine Gastschwester und ich sitzen im Wohnzimmer, meistens haben wir alle etwas zu arbeiten, manchmal sitzen wir aber auch einfach nur da und unterhalten uns, entweder der Hund oder die Katze oder beide kommen und wollen eine Streicheleinheit…
Meinen Gastvater sehe ich unter der Woche nur, wenn ich lange aufbleibe, da er oft erst gegen 23:30h von der Arbeit kommt, aber am Wochenende ist er oft zuhause.
Am Wochenende unternehme ich meistens etwas mit meinen Freunden oder meiner Gastschwester, manchmal fahren wir auch meine Gastgroßeltern besuchen.
So, ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben,
Pe curand,
Alina
In dem Bild sind meine Gastschwester und ich, bei einem Wochenendausflug nach Timisoara

Oradea- meine Stadt in Rumänien

Salut,
in diesem Beitrag möchte ich euch ein bisschen über die Stadt erzählen, in der ich wohne.

Oradea liegt ganz im Westen Rumäniens, das Stadtzentrum ist 13 km von der ungarischen Grenze entfernt. Daher gibt es in der Stadt eine große ungarische Minderheit, die ungefähr 25% der Bevölkerung ausmacht, viele Schilder sind auch in ungarisch geschrieben und viele Rumänen sprechen ungarisch, so auch meine Gastmutter.

Oradea wurde von den Römern gegründet und gehörte bis 1538 zu Ungarn, auch einige ungarische Könige sind hier begraben. Danach wurde es Teil des Habsburgerreiches (Österreich, Ungarn+ Teile von Deutschlands, Italiens, Sloweniens und Kroatiens), danach übernahmen es die Türken, dann wieder die Österreicher und erst nach dem zweiten Weltkrieg musste es, trotz damals mehrheitlich ungarischer Bevölkerung, aus strategischen Gründen an Rumänien abgetreten werden. 1940 fiel die Stadt allerdings wieder an Ungarn zurück, vier Jahre später wurde sie aber von der rumänisch-sowjetischen Armee besetz und gehört seitdem wieder zu Rumänien.
Diese verschiedenen kulturellen Einflüsse und auch die vor dem zweiten Weltkrieg auf ein sechstel geschätzte jüdische Bevölkerung haben sehr deutliche Spuren in der Architektur hinterlassen. Unten sieht man zum Beispiel das Zentrum in typischer ungarischer Architektur.

Ich mag an Oradea, dass es sehr grün ist. An jeder Ecke gibt es irgendeinen Park, unten sieht man den Park im Stadtzentrum, fast alle Straßen sind von Bäumen gesäumt und direkt neben unserem Block fließt der Fluss Crisul Repede, an dem wir immer mit unserem Hund spazieren gehen.

Die öffentlichen Verkehrsmittelverbindungen sind relativ gut, es kommt ungefähr alle 15 Minuten eine Straßenbahn, und auch wenn das System etwas verwirrender ist als in deutschen Städten (es gibt keinen wirklichen Fahrplan, nirgendwo steht geschrieben, welche Straßenbahn denn gerade vor einem steht und wo sie hält, auch in der Straßenbahn erzählt einem niemand, wo man sich gerade befindet, außerdem ist der Ticketstand Samstagnachmittag und Sonntag geschlossen, sodass ich schon einige Male gezwungen war, schwarz zu fahren etc) habe ich mich inzwischen daran gewöhnt, langsam und laut durch die Straßen zu tuckern.
Pe curand, Alina

Schule in Rumänien

Salut!

Wie ich ja schon in meinem letztem Blogeintrag berichtet hat der erste Schultag in Rumänien eine viel größere  Bedeutung als in Deutschland. Alle ziehen sich hübsch an und die Klassenlehrerinnen bekommen einen Blumenstrauß von jedem Schüler und jeder Schülerin.
Der richtige Unterricht hat erst am dritten Schultag richtig angefangen, vorher haben die Lehrer eigentlich nur über das neue Schuljahr geredet und alle haben sich vorgestellt.
In Rumänien gibt es eine Grundschule, danach eine Art Mittelschule bis zur 8. Klasse, an dessen Ende es Prüfungen in jedem Fach gibt. Nur wenn man diese bestanden hat, kann man in die „Highschool“ gehen, die wie in Deutschland bis zur 12. Klasse geht. Es gibt auch eine Art Abitur am Ende der Highschool, das man benötigt, wenn man studieren will. In meine Schule gehen Schüler von der ersten Klasse bis zur 12. Klasse. Für die Highschool kann man verschiedene Profile wählen, es gibt Naturwissenschaftliches Profil, Informatikprofil, ein Profil, an dessen Ende man ein Zertifikat erhält, mit dem man Schüler bis zur vierten Klasse unterrichten darf, und mein Profil, Philologie. Es ist genau das richtige für mich, ich mag eigentlich alle Fächer außer Informatik, wir haben kein Mathe und nur einmal in der Woche ein Fach, das eine Mischung aus Biologie, Physik und Chemie ist. Unten ist eine Übersetzung von meinem Stundenplan, und wie man dort sehen kann, habe ich jeden Tag in der Woche Englisch. Vom Niveau ist es ungefähr so, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, wir arbeiten auf C1 hin. In den anderen Fächern kann ich das noch nicht so genau beurteilen, aber bis jetzt ist es ungefähr wie in Deutschland, manches hatten wir schon letztes Jahr, manches ist neu. In meiner Schule wird auch deutsch unterrichtet, aber in meiner Klasse hat niemand Deutschunterricht.
Vom Unterrichtsstil ist es viel mehr Frontalunterricht, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Die Lehrer stellen kaum Fragen und es kommt vor, das der Lehrer eine ganze Stunde damit verbringt, den Schülern einen Hefteintrag zu diktieren. Mit einmal melden pro Stunde kommt man hier also nicht weit, ganz abgesehen davon, dass sich niemand meldet, wenn man etwas sagen will, sagt man es einfach. Auch Diskussionen gibt es eigentlich nicht, meine Schwester hat mir erzählt, wenn man in einer Klassenarbeit nicht einer Meinung mit dem Lehrer ist, gibt es Abzug.
Im Unterricht komme ich überraschend gut mit, ich verstehe eigentlich immer, worum es geht, auch wenn es sehr viel Konzentration verlangt, sodass ich am Ende eines Schultages immer ziemlich erledigt bin.
Die Noten gehen von eins bis zehn, wobei zehn die beste Note ist. Man muss mindestens eine fünf haben, um den Test zu bestehen. In meiner ersten Englischarbeit hatte ich eine 9,5, ich bin schon gespannt auf meinen ersten Test in rumänisch.
Eine Schulstunde geht immer 50 Minuten und danach haben wir 10 Minuten Pause, um 11h haben wir 20 Minuten Pause. Die Schule beginnt um 8h.
Theoretisch müssen wir auch eine Schuluniform tragen, allerdings habe ich noch nie gesehen, dass mehr als zwei Leute in der Klasse diese tragen. Und noch etwas ist mir aufgefallen, die Lehrer*innen werden so gut wie nie bei ihrem Namen angesprochen, sondern ausschließlich mit „doamn*a profesoar*e“ was soviel wie „Herr*Frau Lehrer*in“ heißt. Das bedeutet aber nicht, dass das Verhältnis zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen weniger eng ist als das in Deutschland, eher im Gegenteil, die beliebten Lehrer bekommen nach den Sommerferien einige Umarmungen und an Weihnachten und Ostern kauft die ganze Klasse allen Lehrern kleine Geschenke.  
Von meiner Klasse bin ich sehr nett aufgenommen worden, und auch die meisten Lehrer sind nett und interessiert an Deutschland.

So, das war’s jetzt erstmal, in zwei Wochen kommt ein neuer Eintrag.
Ceau, Alina

PS. In den Bildern sieht man meine Schule und mein Klassenzimmer.

News aus Rumänien…

Die letzte Ferienwoche habe ich hauptsächlich damit verbracht, rumänisch zu lernen, außerdem habe ich, alleine und zusammen mit meiner Gastschwester, viele Spaziergänge durch Oradea gemacht, sodass ich mich jetzt meist ohne Google-Maps einigermaßen zurechtfinden kann und allein zu allen wichtigen Plätzen gelangen kann. Zudem habe ich gelernt, mit der rumänischen Straßenbahn zu fahren, was komplizierter ist, als es sich anhört. Zuerst muss man sich das Ticket an einem Schalter kaufen, dann muss man herausfinden welche Bahn man nehmen muss, denn so etwas wie ein allgemeiner Plan existiert nicht, und schließlich muss man auch noch an der richtigen Station wieder aussteigen, was ohne Google oder Ortskenntnis fast unmöglich ist, da an einer Station meist nicht ihr Name geschrieben steht und es in der Straßenbahn auch keine Durchsagen gibt. Die meisten Straßenbahnen sind relativ alt, und sie bewegen sich dementsprechend langsam und in einer Lautstärke, die längere Gespräche fast unmöglich macht, aber ich mag es, sie zu benutzen, da man sich in aller Ruhe die Stadt ansehen kann und sie trotz allem bequemer sind, als zu Fuß zu gehen, wenn auch nicht unbedingt schneller:)
Mein älterer Gastbruder, der eine Militärschule besucht war für ein paar Tage in der Stadt, sodass ich auch ihn kennengelernt habe. Er unterscheidet sich vom Charakter her sehr von meiner Schwester, aber auch mit ihm habe ich mich gut verstanden. Fast jeden Abend haben meine Schwester und ich uns mit ihm getroffen und sind, manchmal noch mit einer Freundin meiner Schwester, ausgegangen.
Zudem haben meine Mutter, meine Schwester und ich einen Tagesausflug nach Cluj gemacht, da meine Schwester dort ein YFU-Seminar hatte. Cluj ist eine Studentenstadt, meine Gasteltern haben beide dort studiert und meine Gastschwester wird ab nächstem Jahr dort studieren. Wir sind früh morgens mit dem Zug losgefahren und nach ungefähr drei Stunden dort angekommen. Nachdem meine Gastmutter uns die Studentenwohnungen und das Stadtzentrum gezeigt hat und wir meine Gastschwester zu ihrem Seminar gebracht hatten, habe ich zusammen mit meiner Gastmutter zwei Museen besucht, beide über die Kultur und Geschichte Transilvaniens, die beide sehr interessant waren. Danach waren wir noch mit meiner Gastschwester und einer YFUlerin, die letztes Jahr ein Auslandsjahr in Deutschland verbracht hat, in einem Kunstmuseum und am Abend mit meiner Gastmutter und meiner Gastschwester in dem botanischen Garten, der wunderschön war.

Letzte Woche Montag hat schließlich auch hier nach fast drei Monaten Sommerferien die Schule wieder angefangen. Der erste Schultag ist hier viel wichtiger als in Deutschland, alle ziehen sich hübsch an und die Lehrerinnen bekommen von allen Schülern Blumen. Morgens hat meine Gastmutter mich und meine Gastschwester, die dieses Jahr in die zwölfte Klasse geht, in die Schule gefahren. Dort bin ich dann in meine Klasse gegangen und wir hatten ungefähr zwei Stunden Schule, wo sich einfach alle vorgestellt und über die Sommerferien geredet haben. Meine Klasse und meine Klassenlehrerin sind sehr nett, in den ersten Tagen haben mir viele ihre Hilfe angeboten. Meine Gastschwester hat mir vor Schulanfang nochmals aus eigener Erfahrung erzählt, wie wichtig es ist, gleich von Anfang an einfach immer zu den Leuten hinzugehen und mit ihnen zu reden, und ich habe versucht, dies vom ersten Schultag an zu tun, sodass ich bis jetzt in den Pausen immer Menschen zum Reden hatte, die mir auch die Schule etwas gezeigt haben. Einen wirklichen Vergleich der Schulen in Deutschland und in Rumänien kann ich nach einer Woche allerdings noch nicht machen, darüber werde ich in meinem nächsten Eintrag schreiben.
Ceau, Alina

In den Bildern sieht man das Zentrum von Oradea und mich und meine Gastschwester abends in der Stadt.

Meine erste Woche in Rumänien

Hallo, ich bin Alina, bin 16 Jahre alt und ich bin jetzt schon seit einer Woche in Rumänien, wo ich ein Auslandsjahr verbringe.
Ich habe mir Rumänien als Austauschland ausgewählt, weil ich, obwohl die meisten osteuropäischen Länder ja sogar Teil der EU sind, nur sehr wenig über diesen Teil unseres Kontinentes wusste, und es außerdem vergleichsweise günstig ist, hier ein Auslandsjahr zu verbringen und es viele Stipendien gibt.
Vor einer Woche bin ich dann von München nach Cluj, der zweitgrößten Stadt Rumäniens geflogen. Es war mein erster Flug und ich musste allein fliegen, daher war ich ziemlich aufgeregt, aber alles hat gut geklappt. Schon nach eineinhalb Stunden kamen wir an, was mich etwas überrumpelt hat, weil ich beim Ausrechnen meiner Flugzeit die Zeitverschiebung von einer Stunde nicht berücksichtigt hatte, aber zum Glück bin ich trotzdem ausgestiegen, sodass mich am Flughafen meine Gastfamilie mit einer bedruckten Rumänienflagge in Empfang nehmen konnte. Anschließend fuhren wir nach einem kleinen Mittagessen auf relativ kleinen Landstraßen nach Oradea, einer Stadt mit ca. 200 000 Einwohnern ganz im Westen Rumäniens, wo wir dann abends angekommen sind. Mein Gastvater hat mir erzählt, dass es in ganz Rumänien nur um die vier Autobahnen gibt, die nicht miteinander verbunden sind, sodass die Fahrt dementsprechend länger dauerte, was aber nichts gemacht hat, denn dadurch konnte ich die rumänische Landschaft bewundern, die sich durchaus von unserer unterscheidet.
Was mir schon in den ersten Tagen aufgefallen ist, ist, dass meine Gastfamilie sich (entgegen meiner Erwartungen und auch Befürchtungen) sehr gesund ernährt. Fleisch wird nur wenig gegessen und die einzigen Süßigkeiten, die in dem Haushalt existieren, sind die, die ich von meiner Reise mitgebracht habe und auch Brot wird nicht wirklich gegessen. Dies liegt vor allem daran, dass meine Gastmutter und meine Gastschwester, die erst vor kurzem von einem Auslandsjahr in Amerika zurückgekehrt ist, Diät halten, aber auch daran, dass mein Gastvater Koch ist, und somit auch gesund sehr lecker kochen kann. Ich lebe hier also sogar gesünder als zuhause, und morgens gehe ich manchmal mit meiner Gastschwester joggen.
Meine Gasteltern sind beide berufstätig, sodass meine Gastschwester und ich tagsüber meist alleine zuhause sind. In der Zeit gehen wir manchmal in die Stadt oder mit dem Hund meiner Familie spazieren, zudem bin ich die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt, rumänisch zu lernen, was mir die meiste Zeit auch Spaß macht, aber der aller größte Teil der Kommunikation findet trotzdem auf Englisch statt, obwohl meine Gastmutter inzwischen versucht, rumänisch zu reden, wenn sie mir etwas einfaches mitteilen will. Sie setzt sich auch fast jeden Abend ungefähr eine Viertelstunde mit mir hin, verbessert Sachen, die ich geschrieben habe, verbessert meine Aussprache und versucht, mir die ziemlich komplizierte Grammatik zu erklären.
Mir geht es hier also sehr gut, meine Gastfamilie ist wirklich total nett und ich fühle mich sehr wohl.
Morgen fahre ich mit meiner Gastmutter und meiner Gastschwester nach Cluj, wo meine Gastschwester ein YFU-Seminar hat, aber davon werde ich dann in meinem nächsten Eintrag berichten.
Ceau, Alina