Reise zur Mitte der Welt … und mehr

Es ist echt unglaublich, dass ich es wieder drei Monate nicht auf die Reihe bekommen habe, etwas zu schreiben. Naja – dafür gibt es jetzt auch wieder ziemlich viel zu erzählen. Angefangen bei der Reise „Ruta del Sol“ über die FFF, die  größte Feier Ambatos, bis hin zur „Avenida de los Volcanos“, meiner Reise letzte Woche, eine der schönsten Erlebnisse meines Lebens. Außerdem war in den letzen Monaten Halbzeit und ich kann es nicht fassen, dass mir nicht mal mehr 100 Tage bleiben, bis ich wieder nach Hause zurück muss.

Jetzt erstmal alles nach einander, begonnen bei der Reise Ruta del Sol, angeboten von YFU, die von Puerto Lopez über Salinas bis nach Guayaquil ging. Der erste Eindruck und der, der mir wohl immer im Kopf bleiben wird, ist, dass es einfach nur warm war. Und nach der Woche Strandurlaub kann ich nur sagen, dass ich wirklich froh bin, meine Heimat in der Sierra gefunden zu haben. Und es ist faszinierend, dass es in diesem kleinen Land so unterschiedliche Klimazonen gibt. Also unsere erster Stop war in Puerto Lopez, einer kleinen, verdreckten Touristenstadt mit einem Strand, der eher zum Fischen genutzt wurde. Dieses Ort hat mir aber mit am besten gefallen, da er einfach wie ein kleines, ruhiges Fischerdorf aussah. Von hier aus sind wir zu einem wunderschönen Strand in einem Naturschutzgebiet gefahren. Außerdem haben wir die Isla de la Plata besucht, Insel des Silbers. Die hat ihren Namen daher, dass die spanischen Entdecker gedacht haben, dass der Kot der vielen Vögel von Weitem aussah wie Silber. Hier habe ich zum Beispiel Blaufußtölpel gesehen, die auch auf den Galapagosinseln. Ich habe auch das erste mal Schildkröten in freier Wildbahn gesehen, da wir Tauchen waren. Auch einige bunte Fische habe ich gesehen. Die Insel ist auch Teil des Naturschutzgebietes und es intressant zu wissen, dass 20% von Ecuador Nationalparks sind. Auf dem Weg sind wir wohl auch an Delfinen vorbei gekommen, wobei ich nicht wirklich etwas gesehen hab, die Reiseleiter uns aber erzählt haben, dass dort Delfine waren. Nach unseren Tagen in Puerto Lopez ging es dann für einen Tag nach Montañita, für viele der schönste Strand Ecuadors, und damit auch der Ort, der von den meisten Touristen besucht wird. Aber es gibt auch allen Grund zu sagen, dass es der schönste Strand Ecuadors ist. Überall weißer Sand und eine wunderschönes blaues Meer. Es laufen bloß einfach mehr Gringos rum als Ecuadorinaner. Abends sind wir in Salinas angekommen, wo wir nochmal 2 Nächte verbringen sollten. Dieser Strand war einfach nur vollgebaut von Hotelhochhäusern und ist mit einer der kältesten Orte an der ecuatorianischen Küste, da die Stadt auf einer Halbinsel gebaut ist und der Küstenwind immer durch Stadt weht. Hier haben wir Quatsch wie Bananenboot fahren gemacht, halt richtiger Tourikram. Außerdem sind wir zum westlichsten Punkt des Kontinents gefahren, der Chocolatera.  Danach ging es auch schon nach Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors mit 3,2 Millionen Einwohner. Sie ist auch der größte Hafen und damit auch gleichzeitig das Wirtschaftszentrum Ecuadors. In Guayaquil war es mit am heißesten, obwohl es die beiden Tage dort nur bewölkt war. Bei dem ekligen, schwülen Klima wäre man am liebsten nur in seinem Zimmer mit Klimaanlage geblieben. Hier gab es dann eine Stadtführung durch Teile des Zentrums, den Malecón bis zum Berg, auf dem Guayquil gegründet wurde. Der Malecón ist auch der schönste Teil Guayaquils, da dieser in den letzten Jahren neu aufgebaut wurde, weil das Ufer eher als gefährlich galt bis vor ein paar Jahren und die Stadt eine neue Touristenattraktion schaffen wollte. Damit wurde aus den Ufern des Guayas ein einziger großer Park. Außerdem steht hier ein sehr schönes Denkmal, das an Simon Bolivar erinnern soll, den große Befreier Südamerikas. Dieser hatte den Traum, ein großes Land zu gründen und damit alle  Länder Lateinamerikas zu vereinen. Wie man sieht, ist daraus aber nichts geworden. Übrigens soll Guayaquil seinen Namen daher haben, dass zu den Zeitpunkt, als die Spanier dort ankamen, der Prinz Guaya und die Prinzessin Quil hieß und sie die Namen einfach zusammen gefügt haben. Die Reise hat mir wirklich gut gefallen, da ich so einen ganz anderen Teil Ecuadors kennen lernen konnte, aber um ehrlich zu sein:  ich würde gegen nichts mein Leben in der Sierra gegen eins an der Küste und am Meer eintauschen wollen. Dort wäre es mir viel zu warm, und ich finde die Berge einfach zu schön, da bei uns in Norddeutschland die größten Berge vielleicht 30 Meter hoch sind.

Über die ganze Zeit war es auch echt spannend, einen anderen Dialekt in Ecuador zu hören, das Costeño. Hier werden Konsonanten wie das s am Ende meistens weggelassen. Dort wird aus einem „mas o menos“ ganz schnell mal ein „ma o meno“, und um ehrlich zu sein finden ich das schon ein bisschen affig, immer die Hälfte der Wörter wegzulassen. Aber das liegt wohl einfach daran, das ich mein Spanisch hier in der Sierra gelernt habe. Zu „affig“ passt auch ganz gut, dass die Leute aus der Sierra die Leute aus der Küste Monos nenne, also Affen. Ich denke, dass es daher kommt, dass die Menschen meistens dunkler sind als die aus der Sierra. Wobei mir die Dialekte während der Reise gar nicht so wirklich aufgefallen sind. Das kam dann erst  später auf der Reise “ Avenida de los Volcanos“ mit anderen Austauschschülern von der Küste, bei denen ich den Dialekt zu ersten Mal wirklich gehört habe. Aber auch wir in der Sierra haben einen Dialekt, über den man sich teilweise lustig machen kann. Wobei mir jetzt gerade nichts einfällt, um die Unterschiede aufzuschreiben.

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Ich bin dann zwei Wochen nicht zur Schule gegangen, da in meinem Colegio die Examenes geschrieben wurden, also die großen Halbjahresarbeiten. Danach waren noch zwei Wochen Ferien rund um die FFF, die Fiestas de la Fruta y las Flores. Das sind viele Feiern in der ganzen Stadt und ein zusätzliches Programm wie zum Beispiel die Schönheitsköniginnenwahl und mehrere große Paraden quer durch die Stadt. Die größte der Paraden ist dabei so berühmt, dass Leute aus anderen Teilen Ecuadors anreisen und sich schon 2 Tage vorher mit ihren Stühlen an die Straße setzen, um die besten Plätze in den ersten Reihen zu haben. Ich hatte Glück, da meine Familie Bekannte an der Straße hat und wir uns so mehr oder weniger Plätze reservieren konnten. Das hat mich trotzdem nicht gerettet davor, dass ich am nächsten Morgen um viertel vor Sieben mit meine Eltern an der Umzugstrecke war, um unsere Plätze zu bekommen. Danach hieß es dann 2 1/2 Stunden warten, bis die Parade endlich begann. Aber ich muss sagen, es hat sich wirklich gelohnt. Schon Monate vorher fangen die einzelnen Gruppen, an ihren Wagen zu bauen und ihre Tänze einzustudieren. Die Besonderheit besteht auch darin, dass teilweise Lebensmittel zum Schmücken der Wagen benutzt werden wie Brot oder allerlei Früchte aus der Region. Jedes Jahr werden auch verschiedene ausländische Gruppen eingeladen, meist aus Leteinamerika, aber dieses Jahr gab es auch aus anderen Ländern Gruppen, wie zum Beispiel aus Russland oder China. Dann auf der Parade kommen noch Gruppen aus der Region dazu, aus nahe gelegenen Städte wie Pillaro oder Pilileo. Während der ganzen Festtage wird auch an der Kathedrale ein Bild, das nur aus Lebensmitteln besteht, aufgehängt. Dies ist jedes Jahr mit einer christlichen Botschaft verbunden, die einen über das Jahr begleiten soll. Ich finde es wirklich schade, dass wir solche Paraden in Deutschland nicht haben. Alle die Wagen und die ganze Parade waren sehr schön anzusehen.

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Das nächste große Ereignis sollte nun die Reise „Avenida de los Volcanos“ sein. Von Otavalo im Norden bis nach Cuenca im Süden. Und ich finde, dass dies die schönste der Reise bisher war. Mal gucken, die Reise auf die Galapagos-Inslen wird. Begonnen haben wir die Reise in Quito, der Haupstadt Ecuadors Hier  haben wir am ersten Tag eine Stadtführung gemacht, auf der wir fast nur aus Kirchen im historischen Zentrum Quitos besichtigt haben. Aber eine schöner als die andere, angefangen bei großen gothischen Kirchen bis hin zu von innen mit Gold verkleideten Barockkirchen. Nur die Kathedrale von Quito haben wir nicht besucht, was ich bis jetzt immer noch nicht verstehe. Außerdem waren wir am zentralen Platz Quitos, an dem alle Regierungsgebäude stehen wie zum Beispiel der Palast Correas, des Präsidenten von Ecuador, der in den letzten Monanten wieder gewählt wurde mit mehr als 60% der Stimmen.

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Nach dem Mittagessen ging es dann weiter zur Mitad del Mundo, also der Mitte der Welt. Dies ist die Linie, auch bekannt unter dem Namen Äquator, die Nord- und Südhalbkugel der Erde voneinander trennt. Der Witz dabei ist, dass es zwei davon gibt in Ecuador. Einmal den falschen Äquator, der 1736  von Franzosen entdeckt und festgelegt wurde. Und der echte, der 240 Meter weiter nördlich liegt. Dieser war schon viel früher den Indianern Ecuadors bekannt, was die Sache, dass die Franzosen falsch lagen, noch viel trauriger macht meiner Meinung nach. Außerdem ist Ecuador der einzige Ort, an dem sich der Äquator auf festem, sich nicht verändernden Grund befindet. An anderen Orten der Welt liegt die Linie zum Beispiel im Ozean oder im Dschungel. Dieser Vorteil in Ecuador war damals sehr wichtig, um den Äquator genau bestimmen zu können, als es noch kein GPS gab. Hier in Ecuador ist auch der einzige Ort, an dem Schnee auf dem Äquator liegen kann, wegen der Höhe der Anden, wo es in dieser Höhe keine Regenwläder gibt. Am „falschen“ Äquator steht ein großes Monument, das alle Himmelsrichtungen zeigt, und das ganze Gelände wird von einer roten Linie durchzogen, die den Äquator markieren soll. 240 Meter weiter steht ein Museum am echten Äquator. Hier gibt es diese Experimente, zum Beispiel das mit dem Wassser, das es sich je nach Halbkugel andersherum dreht oder direkt auf dem Äquator direkt nach unten abfließt. Hier ist man auch 2 Kilo leichter, wenn man direkt auf dem Äquator steht, oder es ist einfacher, ein rohes Ei auf einem Nagel zu balancieren, da sich das Innere weniger bewegt. Wennn man das geschafft hat, bekommt man ein Zertifikat. Eine andere Sache ist auch, dass man nicht mit geschlossenen Augen auf dem Äquator balancieren kann, da man immer von einer der beiden Erdhalbkugeln angezogen wird. Und ich muss sagen, dass es schon ein cooles Gefühl war, auf dem Äquator zu stehen.

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Das letzte Ausflugsziel des Tages war dann der Teleferico, eine Station auf einem der Berge des Pichincha, dem Hausvulkan Quitos. Hier fährt man 20 Minuten mit einer Seilbahn hoch. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf das Zetrum Quitos und den Rest der Stadt. Quito erstreckt sich von Norden nach Osten auf über 60 Kilometer zwischen den westlichen und den östlichlichen Anden. Das Tal zwischen diesen 2 Bergketten wird auch Avenida de los Volcanos genannt, da es aussieht wie eine Allee, die von beiden Seite von den Bergen gesäumt wird. Diese Avenida zieht sich einmal quer durch ganz Ecuador.

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Am nächsten Tag fuhren wir dan zu einem See in der Nähe Ibarras weiter im Norden von Quito. Dieser wird auch Laguna de los Cuyes genannt, Cuyes heißt Meerschweinchen auf Spanisch, da sich in der Mitte zwei Inseln befinden, die aussehen wie Meerschweinchen. Nach dem kurzen Abstecher hierher, um Fotos zu machen, sind wir nach Otavalo gefahren, dem größten Idianermarkt auf dem Kontinent. Hier kann man allerlei Klamotten aus Lama und Alpacawolle kaufen. Ich hatte glaube ich noch nie so weiche Klamotten in meinem Leben an. Hier ist besonders wichtig, dass man immer handelt mit den Preisen und auf die Preise achtet. Zum Beispiel wollten 2 Freundinnen eine Kette bei verschiedenen Händlern kaufen. Der eine Händler wollte 18$ für die Kette haben und ein andere 6$. Einer wollte mir eine Mütze für 12$ verkaufen, am Ende habe ich sie für 6 bekommmen, dies war zwar immer noch einen Dollar zu teuer, aber besser als die, die am Anfang 12 kosten sollte. Ich glaube, hier habe ich mehr als 100$ ausgegeben für Andenken und Klamotten. Danach sind wir zurück nach Quito gefahren und haben hier noch eine Nacht verbracht.

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Am nächsten Tag ging es zu einem meiner beiden Highlights der Reise: dem Cotopaxi, einer der größten aktiven Vulkane der Welt. Der erste Europäer, der versucht hat, den Cotopaxi zu besteigen, war der Deutsche Alexander von Humbolt. Der Cotopaxi misst 5897 Meter und man kann, wie wir auch, auf bis 4600 Meter auf den Berg mit dem Auto fahren. Wir sind dann zu Fuß bis auf 4900 Meter gegangen. Dort habe ich das erste Mal, seit ich hier bin, Eis und Schnee in Ecuador gesehen. Eine der Sachen, die ich hier doch vermisse, ist immer noch der Schnee im Winter, der auch jetzt noch in Deutschland liegt. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich Schnee nur einmal sehen möchte oder wirklich Winter haben will.Da wir hier ja nochmal mehr aus 2000 Meter höher ist als Ambato waren, ging mir bei den 3000 Metern dann doch schon ab und zu die Puste aus. Aber allein, um Schnee zu sehen, hat es sich schon echt gelohnt. Viel Aussicht hatten wir zwar nicht, da es meistens nur morgens unbewölkt ist, aber beim Abstieg  war der Berg dann doch frei und ich muss sagen, dies ist einer der schönsten Orte, die ich bisher in meinem Lebengesehen habe! Auf dem Rückweg habe ich außerdem mit einigen Freunden beschlossen, dass wir bis auf den Gipfel steigen wollen, also bis zum Krater auf 5897 Metern Höhe. Wir werden sehen, ob ich das schaffen werde oder nicht. Der Aufstieg beginnt um Mitternacht,  damit  man nach sieben Stunden Aufstieg dann den Gipfel am Morgen erreicht, um bessere Aussicht zu haben. Außerdem ist es über Nacht sicherer auf dem Gipfel zu klettern, weil der Schnee fester ist als am Tag.  Anschließend sind wir nach Ambato, meiner Heimatstadt, gefahren und haben hier eine Nacht geschlafen, und es war schön, meinen Freunden diese Stadt zu zeigen.

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Am nächsten Tag sind wir dann auf den Chimborazo geklettert, der höchste Berg Ecuadors mit mehr als 6000 Metern. Das ist auch ein Vulkan, der aber inzwischen nicht mehr aktiv ist. Wir sind auf mehr als 5000 Metern geklettert, und ich war noch nie so hoch in meinem Leben mit 5120 Metern. Leider gab es keinen Schnee, da die Schneegrenze an dem Tag vielleicht 100 Meter höher lag. Dieser Berg, genauso wie der Cotopaxi, hat rote Hänge Dies sind die Regionen, an denen früher das Eis lag, das aber zurückgegangen ist mit der Klimaerwärmung. Vor dem Besteigen hatte wir einen wunderschönen Blick auf den Chimborazo. Für mich sind solche Berge unglaublich, da ich wirklich nur Hügel von 30 Metern gewöhnt bin aus Norddeutschland. Nebenbei gibt es die Geschichte, dass der Chimborazo der höchste Berg der Welt ist und nicht wie angenommen der Mount Everest. Wenn man nämlich vom Erdmittepunkt misst und nicht vom Meeresspiegel, ist der Chimborazo größer, da unsere Erde ja ein Oval ist und damit am Äquator weiter vom Mittelpunkt weg ist als an anderen Stellen der Welt. Damit ist der Chimborazo mehr als 2000 Meter höher als der Mount Everest. Nach dem Chimborazo gibt es in Richtung Süden keine allzu großen Berge, da dieser Teil zu den alten Anden zählt.  Nach dem Abstieg sind wir dann in das nahe gelegene Riobamba gefahren. Hier gab es auch eine kleine Stadtführung und damit war auch der nächster Tag vorbei.

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Nun ging es weiter bis nach Cuenca mit 3 Stops auf dem Weg.  Als erstes fuhren wir zu der ältesten Kirche Ecuadors aus dem 16. Jahrhundert. Damals galt, dass dem Menschen, der eine Stadt errichtete, das Land rundherum gehörte. Da diese erste Stadt nicht sehr gut plaziert wurde, wurde später Quito weiter nördlich gegründet.

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Nach dem kurzen Abstecher an diesen Ort ging esweiter nach Alausí, eine der Zugstationen Ecuadors, und mit dem Zug dann weiter zur Nariz del Diablo, der Teufelsnase. Früher gab es eine Zugstrecke von Quito bis nach Guayaquil und Cuenca. Diese wurde aber lange Zeit nicht benutzt und wird jetzt teilweise renoviert, um zum Beispiel die Züge von Riobamba bis hin zur Nariz del Diablo fahren zu lassen. Außerdem steht in Ambato die neueste und modernste Zugstation. Die Züge hier werde eh eher als Attraktion gesehen und nicht wie bei uns als Fortbewegungsmittel. Nun gut, dieses Stück Strecke von Alausí bis zur Nariz del Diablo ist eine der am schwierigsten erbauten Zugstrecken der Welt, da der Zug durch enge Schluchten und eine Steilwand im Zickzack hinunter fährt, also ohne Kurven den Berg hinunter fährt. Hier fährt man dann zu einem Aussichsort, einer alten Zugstation mit Museum. Außerdem wird hier das volle Touristen Programm geboten, das heißt, dass an der Strecke tanzende Indianer stehen, die winken, wenn der Zug vorbei fährt. Außerdem gab es dort für jeden Pasagier etwas zu essen und später konnte man auch mit diesen Indigenas tanzen. Zurück in Alausí ging es dann zum Mittagessen, hier einmal mehr das typische Mittagessen Ecuadors: Reis mit Hühnchen. Mir hängt es zum Glück noch nicht zum Hals heraus, aber anderen Freunden schon, die es jetzt schon nicht mehr sehen können. Mein Cousin zum Beispiel ist auch keinen Reis mehr, da er sagt, 17 Jahre lang jeden Tag Reis reicht dann auch irgendwann mal.

Der nächste und letzte Halt vor Cuenca war dann Ingapirca, die größte Inkaruine Ecuadors. Die Inkas waren nur 40 Jahre in Ecuador. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Ruinen nur relativ klein sind verglichen mit anderen Ruinen in Peru. Die Inkaepoche ist übrigens nur eine der vielen Epochen Ecuadors. Die erste ist die precolumbianische Zeit, in der die Einheimischen in Frieden zusammen lebten, bis dann die 2. Epoche, die der Inkas, und die der Eroberung Ecuadors begann. Vor den Inkas hat es nie Krieg gegeben in Ecuador, da es für jeden Stamm genügend zu essen gab. Da die Inkas aber aus unfruchtbaren, trockenen Gegenen aus Peru kamen, wurde auf der Suche nach Nahrung Ecuador erobert. Nach 40 Jahren Herrschaft der Inkas kamen dann die Spanier und eroberten die Inkas, ein Millionenvolk mit nur 200 Mann. Die Spanier brachten Krankheiten aus Europa mit  und verbündeten sich mit den Einheimischen, denen sie versprachen, sie von der  Inkaherrschaft zu befreien. Dies war aber nicht der Fall und im Nachhinein war die Sklaverei der Spanier noch viel schlimmer als die der Inkas. Nach mehreren Jahrhunderten begann der Unabhängigkeitskrieg, geführt von Simon Bolivar, den ich oben schon mal erwähnt habe. Dabei wurde der Unabhängigkeitskrieg hier in Ecuador durch Antonio Sucre geführt, ein enger Vertrauter Bolivars, der Quito zur ersten unabhängigen Stadt des Kontinents machte. Darauf folgte die Periode Gran Colombia, ein Land, das aus dem heutigen Columbien, Peru und Ecuador bestand. Dann kommt die Republik Ecuador, in der Ecuador  das erste Mal ein eigenständiges Land war und dann kam das Ecuador, wie es heute ist. Diese Inkastätte diente nicht nur als Festung, sondern auch als Tempelkomplex mit Kalendern zur Bestimmung der Säh- und Erntezeiten. Zur Berechnung nahm man auch die Sonne und den Mond zur Hilfe.

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Nach weiteren zwei Stunden Fahrt waren wir dann endlich in Cuenca.Dies ist eine der schönsten Städte, wenn nicht sogar die schönste Stadt Ecuadors für mich. Es gibt hier keine Hochhäuser wie in Quito zum Beispiel. Viel ist mit rotem Stein gebaut, da die Steinbrüche hier in der Nähe liegen, und auch die Dächer sind mit roten Ziegeln gedeckt, so wie bei uns in Deutschland zum Teil. Hier sind wir dann aber am Morgen erstmal zu einem Naturschutzgebiet in der Nähe von Cuenca gefahren, das auch auf bis zu 4000 Metern  liegt. Dies ist insofern interessant, dass es hier mehr als 200 Seen gibt. Zuerst sind wir durch eine Wald weiter unten gewandert, ganz anders als die Wälder, die man in Deutschland kennt. Sie sind viel bewachsener, das heißt, auf den wenigen Baumarten, die es dort gibt, wachsen allerlei Mose und Lianen, dass es schon fast aussieht wie im Regenwald. Später dann bei der zweiten Wanderung weiter oben auf 4000 Metern wächst wirklich nur noch ein Baum und sonst nur noch Gräser. Für mich war das wirklich mit den beiden Bergen einer der schönsten Orte hier in Ecuador. Es sieht aus wie bei „Herr der Ringe“, um ehrlich zu sein. Naja, hier sind dann ein paar andere und ich in einem eiskalten Wasserfall baden gegangen. Es war wirkich arschkalt, aber schon ein echt cooles Erlebnis. Einzige doofe Sache am Ganzen war, dass ich die falsche Schuhe anhatte und meine Füßen ab der ersten Minuten durchnässt waren.

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Am Nachmittag, sind wir in eine Panamahutfabirk gegangen. Wie ich glaube ich schon erwähnt habe, sind die Panamahüte aus Ecuador. Danach haben wir uns Cuenca angeguckt, obwohl es vorher und während dessen ziehmlich doll geregnet hat und damit die Führung relativ kurz ausfiel. Wir haben uns das Zentrum angeschaut. Dazu gehört der Park in der Mitte von Allem, an dem auch die Kathedrale liegt. Diese wurde bei einem Erdbeben zerstört und von einem Deutschen wieder aufgebaut.

So ging die Reise „Avenida de los Volcanos“ zuende. Und wie schon gesagt, dies war die Reise, die sich bisher am meisten gelohnt hat. Ich kann nur jedem empfehlen, der nach Ecuador kommt: Guckt euch lieber die Sierra an als die Küste oder den Urwald.

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Was ist sonst noch so passiert in den letzten Monaten? Am 15. Januar, also jetzt schon wieder eine Ewigkeit her, war Halbzeit. Und ja, das Jahr geht rum und ich sitze hier wohl wie jeder mit gemischten Gefühlen, jetzt noch viel mehr, 3 Monate vor dem Rückflug. Auf der einen Seite möchte man sein Leben hier nicht zurücklassen, das man sich hier aufgebaut hat, die Freunde, seine zweite Familie und einfach alles andere. Auf der anderen Seite möchte ich aber natürlich auch meine Freunde und Familie in Deutschland wiedersehen. Naja, ich glaube, das beste Mittel dagegen ist, dass man nicht an den Rückflug denkt und einfach die Zeit hier genießt.

Was ich sonst so vorhabe in den nächsten Monaten? Im Mai geht es dann endlich in das Paradies auf Erden: Galapagos. Sonst im April ist Batizado, die Verleihung der Corda im Capoeira, also sowas wie die Gurte im Karate. Dafür werde ich auch 3 Tage nach Quito fahren. Dann möchte ich noch einen Freund in Machala besuchen, und nächste Woche ist Ostern und wir fahren vielleicht noch einmal in den Dschungel. Falls das nichts wird, gibt es auch noch die Möglichkeit, am Freitag an einem Umzug, einer Prozession, teilzunehmen, in dem die Menschen aus Ambato und anderen Städten zu Fuß nach Baños gehen. Dies würde dann ungefähr 10 Stunden dauern und über Nacht stattfinden. Ich glaube aber nicht, dass ich das machen werde, da ich nicht katholisch bin.

Ich glaube, jetzt gibt es nichts mehr zu berichten – und mal gucken, was die nächste Zeit passiert und ob es wieder 3 Monate dauern wird, bis ich etwas Neues in den Blog schreibe.

PS an Maria: Ich hoffe, es kommt nicht zu spät, dass ich jetzt erst schreibe. Aber ich glaube schon, dass du es als Vegetarier schwer hast, und dass es fast unmöglich ist, das in Ecuador durchzuziehen. Ich habe Freunde, denen geraten wurde,  aufzuhören bzw. zu unterbrechen für das Jahr. Eine isst jetzt wirklich Fleisch für diese Jahr und eine andere ist es geblieben, aber isst jetzt halt jeden Tag nur Reis und ich glaube, dass es jeder für sich entscheiden muss, ob man nicht vielleicht doch für ein Jahr Fleisch essen kann.

Liebe Grüße an Alle,
Basti

Sorry, dass ich so lange nicht geschrieben habe! :)

Ich muss sagen, ich fühl mich schon etwas schlecht, die ganze Zeit nichts geschrieben zu haben, aber jetzt komme ich mal wieder dazu. Auch wenn ich glaube ich die Hälfte vergessen hab, weil so viel passiert, bekomme ich die wichtigsten Dinge wohl doch noch irgendwie zusammen. Dazu zählen die Parade am 12. November, mein Gott ist das lange her, und der Trip in den Dschungel, außerdem gibts noch so ein, zwei kleine Sachen wie das vorweihnachtliche Programm in meiner Schule, dann Weihnachten und der Jahreswechsel.

Also am 12. November ist in meiner Stadt jedes Jahr ein Umzug aller Colegios (Schulen) zur Feier der Unabhängigkeit Ambatos. Die Parade findet auf der größten Straße Ambatos statt und ein Colegio nach dem anderem marschiert von Anfang bis Ende der Straße. Jedes Colegio wird ganz vorne angeführt von Bastoneras. Dies sind meist die schönsten Mädchen des Colegio. Diese repräsentieren dann als erste das Colegio, indem sie da mit irgendeinem Stab komischen Sachen machen. Es sieht aus wie eine Choreographie, aber ich kann das jetzt schlecht beschreiben. Danach kommt die Banda de la Gala oder Banda de la Guerra, ungefähr 80 Leute. Dies kann man gut mit einer Marschkapelle vergleichen. Von Colegio zu Colegio zu Colegio sind sie unterschiedlich. Zum Beispiel mein Colegio benutzt nur Trommeln und ein Instrument, das sie Lyra nennen. Das ist ungefähr das Gleiche wie ein Xylophon. Dann kommen noch Schüler des Abschlussjahrgangs. Ich Glücklicher wurde dann natürlich gefragt, ob ich da nicht mitlaufen möchte für mein Colegio. Da es sowas bei uns ja nicht gibt, hab ich einfach mal ja gesagt, bis mir dann bewusst geworden ist, dass sonst keiner darauf Lust hat von meinen Freunden und dass das eher eine Strafe ist. Aber okay, ich hatte mich entschieden, das zu machen, und muss sagen, ich fand’s eigentlich ganz witzig. Eine Woche vor dem 12. wurde das jeden Tag geübt. Immer die letzte Stunde der Schulzeit in einer Nebenstraße von meiner Schule hoch und runter marschieren. Da ist mir dann aufgefallen, dass wirklich niemand Bock hatte, das zu machen. Anstatt das ernst zu nehmen, haben wir uns eher darüber lustig gemacht, dass wir da immer hoch und runter watscheln mussten. Aber okay, so witzig war es dann nicht, als die Lehrer meinten „ja ihr müsst noch Haare schneiden“, und ich brauchte zum Beispiel auch noch andere Schuhe, weil meine nicht so aussahen, wie sie sollten. So schlimm war es im Nachhinein auch nicht, da mir die neuen Schuhe besser gefallen als meine alten und kurze Haare für mich auch okay sind. Am Freitag, dem letzten Schultag vor der Parade, die hier übrigens Desfile heißt, wurde dann unsere Aufstellung für den Umzug festegelegt. Da ich wohl mit der Kleinste war, durfte ich, welch‘ ein Glück, in die erste Reihe… Was für eine Freude! Ich, der Gringo, der das noch nie vorher gemacht hatte und auch sonst wirklich keinen Schimmer davon hatte, in der ersten Reihe… aber okay, ich habe mir dann gedacht, was soll s –  kann nur witzig werden. Von Sonntag auf Montag hab ich bei Freunden geschlafen, da meine Eltern in Quito waren. Mit den Freunden sind wir zum Anfang der Parade gefahren. Mein Colegio war Nummer 3 von den 38 in meiner Stadt. Das heißt, wir waren relativ früh und die Sonne hat noch nicht so stark geschienen. Das kann echt zur Hölle werden, denn die Sonne hier am Äquator scheint einfach stärker. Also los ging es dann um 8.30 am Morgen und einmal an der halben Stadt vorbei, hatte ich das Gefühl. Aber es war eigentlich ganz witzig, seine ganzen Freunde in der Menge zu sehen. Der Umzug dauerte auch nur eine Stunde und 30 Minuten und danach habe ich mir mit Freunden noch die anderen Colegios angeguckt, und ich muss sagen, so was  würde mir auch in Deutschland gefallen. All die Schulen in ihren unterschiedlichen Uniformen, das sah schon echt cool aus. Hier auf den wunderschönen Bildern kann man uns übrigens in unsere schicken Uniformen sehen, das Mädchen ist aber von einem anderem Colegio.
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Das nächste große Ereignis war wohl dann meine Reise in den Dschungel, den Oriente, wie es hier heißt. Dies ist übrigens auch das flächengrößte Gebiet Ecuadors, aber auch das am wenigsten besiedelte.  Wir sind nach Tena gefahren, die Provinzhauptstadt der Region Napo. Das Hotel, in dem wir die 4 Nächte geschlafen haben, heißt Casa del Suizo und gehört zu den besten Hotels der Region. Dies kann ich auch wirklich nur bestätigen. Es hat zum Beispiel einen tollen Pool, in dem wir fast die ganze Freizeit verbracht haben, da es so unglaublich schwül und warm war. Und auch das Essen war supergut, angefangen von den Pancakes am Morgen bis zu dem hervoragenden Mittag- und Abendessen. Ich habe auch, ohne es zu wissen, das erste Mal in meinem Leben Kuhzunge gegessen und muss sagen, das hat jetzt nicht wirklich schlecht geschmeckt! Allein die Anreise zum Hotel war sehr cool: nachdem wir in Tena angekommen waren, sind wir per Boot zum Hotel gefahren. Das war auch das Hauptfortbewegungsmittel in den nächsten Tagen, immer den Napo Fluss auf- und abwärts zu den verschiedenen Stelllen, die wir besichtigt haben. Am ersten Tag haben wir am Nachmittag nichts gemacht und die ganze Zeit im Pool verbracht. Am zweiten Tag haben wir am Vormittag eine Wanderung auf einem Weg quer durch den Dschungel gemacht, um die Pflanzen kennen zu lernen. Es gab wirklich schöne Pflanzen, aber im Großen und Ganzen war alles grün und manche sahen sehr merkwürdig bis unanständig aus. Danach sind wir auf einem Balsaholzfloß zurück zum Hotel gefahren. Ich glaube, dass danach circa 90% von uns einen Sonnenbrand auf den Schultern hatten und ich muss sagen, das war auch nur halb so lustig, wie man es sich vorstellt. Aber es war schon ok und dann doch ganz lustig, wenn ich mich erinnere, dass das Floß an der Stelle, wo ich saß, kaputt gegangen ist. Oder dass man immer in den Fluss springen konnte, wann man wollte. Wovor aber wirklich jeder Junge Angst hatte, war der Penisfisch. Aber die Guides haben uns beruhigt und meinten, dass es die nur in stillen Gewässern gibt. Das wollte aber keiner so wirkliche glauben, zu groß war die Angst vor diesem Monster. Trotzdem sind dann alle ins Wasser gegangen, da die Guides auch meinten, dass der Fisch nur kommt, wenn man ins Wasser pinkelt. Und sowas tut ja sowieso keiner.  Am Nachmittag sind wir in ein Einheimischendorf gefahren und uns wurde dort so ein Brei aus Yuca angeboten. Wenn man den länger stehen lässt, wird er zu Alkohol. Wir hatten das Glück, dass die Frau das Zeug vermust hat mit einem Stampfer und nicht, so wie mir im Nachhinein viele Leute aus Ambato erzählt haben, dass man das normalerweise mit dem Mund zerkleinert. Ich muss sagen, das hat mir jetzt nicht wirklich geschmeckt. Es war sauer und hat einfach wie megaflüssiger Kartoffelbrei geschmeckt und auch so ausgesehen. Danach haben wir mit einem Blasrohr auf einen Holzaffen geschossen. Ich war einer von zweien, die wirklich getroffen haben. Trotzdem kam es mir komisch vor, da das Blasrohr fast zwei Meter lang war und ich habe mich gefragt, wie ein Indianer damit durch den Dschungel rennen soll. Am nächsten Tag sind wir morgens in einen Zoo im Dschungel gegangen, um die Tierwelt kennenzulernen. Ich muss sagen, dass es schon ein bisschen komisch aussieht,  in einem Dschungel einen Haufen von Gehegen zu sehen, wenn man sich denkt, dass die Tiere hier ja eigentlich überall frei rumlaufen sollten. Trotzdem war es schön, die vielen Vögel und Affen mal live zu sehen. Wobei ich mir nicht immer sicher war, ob die Tiere wirklich glücklich sind. Anschließend sind wir mit diesen Gummireifen, die man aus dem Schwimmbad kennt, einen anderen Fluss runtergefahren. Sehr cool daran war, dass irgendwann am Ufer ein großer Stein kam mit einem Seil davor, das an einem Baum befestigt war. Hier konnte man sich jetzt in den Fluss stürzen in feinster Tarzanart. Am Nachmittag haben wir dann noch ein Schmetterlingshaus besucht. Auf der eine Seite war es echt schön, die ganzen bunten Flatterviecher zu sehen. Aber auf der anderen Seite war’s da drin noch wärmer als sowieso schon, und ich hatte nicht so Lust, ewig viele Runden zu drehen. Das war’s dann auch schon mit dem Dschungeltrip, wobei die Nächte auch sehr lustig waren mit all den Freunden von YFU. Und genauso witzig war es in der Dorfdisco mit den YFU-Leuten und dem Hotelpersonal. Mir kam es so vor, als würde das Hotel sonst eher von älteren Leuten besucht werden, und damit waren wir etwas interessanter für die Guides, die teilweise nur ein paar Jahre älter als wir waren. Ich muss sagen, mir haben die Tage im Dschungel wirklich gut gefallen, auch wenn es mir auf Dauer dort echt zu heiß wäre. Ich bin doch schon ganz froh, dass ich in der Sierra wohne, wo es nicht nur warm ist.
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Jetzt, nachdem ich ja solange nichts geschrieben habe, hab ich auch Weihnachten in einem fremden Land mit einer anderen Familie erlebt. Ich muss sagen, es war anders, aber es war genauso schön wie zu Hause, auch wenn man natürlich seine Familie vermisst. Alles hat schon, gefühlt, Anfang bis Mitte November angefangen, als wir den Weihnachtsbaum aufgestellt haben. Ein wunderschöner Plastikbaum, geschätzte 1.90 groß und zum Zusammenstecken. Diesen haben wir dann mit allerlei mehr oder weniger kitschigem Zeug geschmückt, angefangen von kleinen Engeln bis hin zu riesigen Plüschweihnachtsmännern, und später kamen auch noch selbstgemachte Christbaumkugeln dazu. Dazu wurde noch das ganze Zimmer rund um den Weihnachtsbaum in Rot und Grün verpackt mit Girlanden, Kissen, Engeln und allen möglichen Arten von Weihnachts- und Schneemännern. Für meine Geschmack von allem zu viel, aber am Ende hat es doch ganz gut zusammen gepasst. Danach kam dann lange nichts mehr bis zu der Woche vor Weihnachten, in der ich Geschenke kaufen oder am Mittwoch in einem Kindergarten war, um kleine Kinder zu beschenken und ein bisschen Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Mir wurde gesagt, dass wir in ein armes Dorf fahren werden. Davon habe ich nichts gemerkt. Mir kamen die Häuser dort eher noch neuer vor als im Ambato selber und damit nicht so wirklich arm. Aber am Ende ging es ja darum, Kinder glücklich zu machen, da ist es auch egal, wie arm oder reich sie sind. Am Freitag war dann das Weihnachtsgrogramm meiner Schule. Wir mussten wie immer um 7 kommen, aber es war kein Unterricht. Die ersten drei Stunden fand einfach gar nichts statt. Die Lehrer sind zwar in die Klasse gekommen, um abzuzeichnen, dass sie da waren, sind dann aber auch einfach wieder gegangen. Ab der vierten Stunde begann dann das Programm innerhalb der Klasse. Als erstes haben die vorher gewählten Papa Noel, Mama Navidad und die Princesita de la Navidad eine Rede gehalten, in der es immer darum ging, dass jeder Weihnachten mit seiner Familie feiern und die Zeit genießen soll, weil diese sehr kostbar ist. Dann haben unsere Klassenlehrerin und die Mutter der Weihnachtsprinzessin auch nochmal über die gleichen Themen geredet. Anschließend ging es dann weiter mit „Amigos secretos“, das ist sowas wie Wichteln oder Julklapp, in dem jeder eine Person zieht, die er dann beschenken muss. Der einziger Unterschied für mich bestand  darin, dass man es öffentlich machte und jeder zu seinem Geschenk noch etwas sagen musste. Und nicht, wie ich es kenne, dass das Ganze geheim bleibt und man nicht weiß, wer sein Wichtel war. Danach haben wir alle zusammen in der Klasse gegessen, es gab Chuletas, also Fleisch, mit Salat und Reis. Reis wie immer, selbst zu Weihnachten gibt es da keine Abwechslung. Dann fand das Programm für die ganze Schule in den letzten 2 Stunden statt. Das war so etwas wie eine Taufe für die Neuen in der Schule, und  jeder neue Kurs musste einen oder mehrere Tänze aufführen. Hier hat mein Kurs aber ordentlich Radau gemacht, da letztes Jahr die ganze Veranstaltung ohne sie abgelaufen ist und sie sich dafür rächen wollten. Das bestand aber vor allem aus Selbstbeweihräucherung durch Sprüche und einem großen Plakat, auf dem drauf stand, dass wir der beste Kurs der Schule sind. Aufmerksamkeit haben wir auf alle Fälle bekommen – ob dies jetzt aber immer positiv war, bezweifle ich.
Dann war endlich Weihnachten und mein Onkel und ich sind in das Haus meiner Oma gefahren, um den Tisch zu decken für das Programm des Abends. Los ging es damit, dass die ganze Familie um 7 in die Kirche gegangen ist. Dadurch, dass ich aber beim Vorbereiten geholfen habe, sind wir 30 Minuten zu spät zum Gottesdienst gekommen. Die Kirche war so voll, dass die Leute schon vor der Tür standen, um noch etwas von der Predigt mitzubekommen. Ich hab die Zeit lieber genutzt, um mit meinen Cousins Zeit zu verbringen. Die Messe war um 20.30 vorbei und wir sind alle in das Haus meiner Oma gefahren, in dem es doch relativ eng wurde mit 40 Personen. Zum Vergleich: in Deutschland feiere ich normalerweise mit 12 Personen. Los ging es dann damit, dass zwei meiner Familienmitglieder eine Rede hielten, wie schön es ist, dass wir alle zusammen sind und Weihnachten zusammen feiern. Danach wurden Zettel hochgehalten mit Namen verstorbener Familienmitglieder, damit diese auch an der Feier teilhaben können, auch wenn sie körperlich nicht mehr präsent sind. Dies hat mir besonders gut gefallen. Klar ist es traurig, aber so erinnert man sich immer wieder an die Leute, die einmal waren und man vergisst sie nicht. Um 22 Uhr begann endlich das Essen. Wie in jeder Familie hier in Ecuador gab es Truthahn und dazu, wie soll’s anders sein, Reis. Als Vorspeise gab es ein typisches Gericht: das sich „Tamales de Gallina“,  ein süßer Teig mit Hühnchen, Oliven, Rosinen und Ei. Klingt komisch, finde ich, schmeckt aber super gut. Nach dem Essen ging es dann weiter mit dem Programm, jetzt wurden die Geschenke unter den Familien per Losverfahren verteilt. Jeder Familie hatte ein Geschenk. Je nachdem welche Nummer sie zog, bekam eine andere Familie das Geschenk und so ging es dann weiter, bis jede Familie ein neues Geschenk hatte. Verschiedene Familien in dem Fall, da halt jedes der Geschwister meiner Mutter eine andere Familie hat und auch schon einige meiner Cousinen eigene Familien haben. Danach wurden noch die Kleinsten beschenkt. Dazu habe ich mit meinen 17 Jahren leider nicht mehr gehört. Dann war es auch vorbei mit dem großen Familienprogramm für den Abend. Meine Eltern, mein Bruder, seine Ehefrau und ich sind als erstes gegangen, da meine Eltern müde waren. Zu Hause ging es mit der Bescherung weiter. Ich habe eine ganz schöne Hose bekommen und noch andere Klamotten und natürlich Süßigkeiten. Damit war Weihnachten 2012 dann vorbei für mich um 2 Uhr nachts.
Sylvester 2012 war etwas ganz Besonderes für mich. Den Tag über war ich im Laden – ein Laden für Zigarren, Wein, Likör und Süßigkeiten – meiner Eltern, um zu helfen, da man an keinem Tag besser Alkohol verkaufen kann als an Sylvester. Um 19 Uhr kamen Freunde und fragten, ob wir nicht zusammen ein Runde drehen wollen, da in der Hauptstraße große Puppen aus Pappmachee aufgebaut waren, die um kurz vor Mitternacht verbrannt werden. Jedes Jahr wird hier zu Sylvester die Hauptstraße abgesperrt und dort werden 50 Puppen auf der ganzen Hauptstraße aufgestellt zu verschiedenen Themen. Zum Beispiel gab es welche, die wie der Präsident aussahen. Mein persönliches Highlight war aber der circa 5 Meter große Homer Simpson. Leider habe ich aber nur 10 oder 15 von den 50 gesehen, da meine Abendplanung am Ende nichts anderes zugelassen hat. Das Verbrennen ist hier ein Brauch und man kann diese Puppen entweder kaufen oder, wie meine Cousins es getan haben, selber bauen. Sie haben die Liga der Gerechtigkeit nachgebaut. Diese bestand aus einem jeweils 2.50 Meter großen Super- und Batman und einem kleineren Green Lantern. Leider war ich woanders und habe nicht gesehen, wie sie dann die Figuren verbrannt haben. Naja, weiter in meiner Abendgeschichte: Ich bin los mit meinen Freunden, um eigentlich etwas zu feiern in dem Stadtteil, in dem ich auch wohne, aber glücklicherweise haben wir uns umentschlossen und sind mit meinen anderen Cousins und deren Freunden mitgegangen. Wir sind im Zentrum geblieben, um uns  wie Vuidas zu verkleiden. Vuidas sind Männer, die sich zu Sylvester als Frauen verkleiden. Wir sind dann auf eine der Hauptstraßen Ambatos gegangen und die anderen haben sich verkleidet mit Schuluniformen ihrer Schwester oder anderen Mädchen, die sie kennen. Später kam auch noch ein andere Freund dazu, der aussah, als würde er immer so rumlaufen. Er hatte hohe Schuhe an und war geschminkt. Die Perücke und das Kleid haben das Ganze dann perfekt gemacht. Ich habe mich zuerst nicht verkleidet, da ich keinen Kleid oder ähnliches hatte, weil ich den Laden meiner Eltern ja eher mehr oder weniger spontan verlassen hatte. Später haben mich meine Freunde aber völlig schwachsinnig überredet, meine T-Shirt und Pulli und meine Hose so hoch zu krempeln, dass man halt aussieht, als wär man eine Frau. Dazu hab ich noch eine pinkfarbene Perücke bekommen. Ich muss sagen, dass es echt blöd aussah, aber egal – es geht ja um den Spaß. Ich hatte dann doch großes Glück, dass der Cousin meines Cousins auch als Vuida verkleidet war, aber nicht mehr weiter als Frau rumlaufen wollte. So haben wir Klamotten getauscht und ich hatte damit ein Kleid an… schwarz und eine Schulter frei. Jetzt ging es darum, vor den Autos, die vorbei fuhren, zu tanzen, um Geld zu verdienen. Dies war echt lustig, aber auch irgendwie befremdlich. Aber am Ende hat es mir doch sehr viel Spaß gemacht, weil es sowas leider nicht in Deutschland gibt. Um 22.30 h bin ich dann wieder in Laden meiner Eltern zurückgekommen, wo sich nun ein Teil meiner Familie versammelt hatte. Alle haben dann schön erstmal über mich und meinen Cousin gelacht, da wir beide ja als Frauen verkleidet waren. Ich habe mich dann relativ schnell wieder umgezogen, da mir Männerkleidung doch irgendwie etwas lieber ist. Um kurz vor 12 war dann aber nur noch ein kleiner Teil meiner Familie im Laden meiner Eltern, da die anderen doch lieber bei sich das Neue Jahr feiern wollten. Kurz vor Mitternacht haben wir die Muñecos, die Puppen, zertreten, um sie um 12 zu verbrennen. Und noch davor hat jeder seine 12 Weintrauben, ein anderen Brauch, verschlungen, da wir die Zeit ganz vergessen hatten. Hier isst man kurz vor Mitternacht 12 Weintrauben. Sie stehen für die 12 Monate des neuen Jahres, und man wünscht sich zu jeder Traube etwas, und dies soll dann in dem dazu passendem Monat Wirklichkeit werden. Danach sind wir noch über die brennenden Puppen gesprungen, wobei ich aber zu meiner Schande sagen muss, dass ich nicht weiß, wieso wir das getan haben. Wir sind noch bis um 1 Uhr im Laden geblieben, um noch mehr zu verkaufen. Dann sind meine Eltern nach Hause gefahren und ich bin mit meinem Onkel und den anderen, von denen ich nicht weiß, wie die jetzt zu meiner Familie gehören, zu einer Fiesta vor dem Haus meiner Oma gefahren. Dort haben wir den restlichen Abend verbracht und die ganze Zeit getanzt. Ich finde das ist sowieso eine der coolsten Sachen an Lateinamerika, dass immer getanzt wird. Dann um 5 Uhr morgens bin ich friedlich und glücklich bei mir zu Hause eingeschlafen.
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Eine andere sehr, sehr coole Sache war die Diablada in Pillaro, einer kleinen Stadt 20 Minuten per Bus von Ambato entfernt. Hier wird vom 1.-6. Januar jeden Tag getanzt, verkleidet als Diablo, also Teufel, oder als Guarichas oder Capariches. Getanzt wird zu Marschmusik, und das Tanzen ist eher ein Herumhüpfen. Das hat mir aber sehr gut gefallen und war sehr witzig. Ein Freund aus meiner Klasse, der in Pillaro wohnt, hat mich in der Schule am Freitag, also am 4. Januar, gefragt, ob ich mitkommen will nach Pillaro, um mit ihm und seinen Freunden zu tanzen, da er die ganzen vorherigen Tage keine Zeit dafür hatte. Also habe ich meine Mutter gefragt, ob ich zur Diablada nach Pillaro fahren darf nach der Schule, und sie hat ja gesagt. Gleich nach der Schule ging es los mit meinem Freund nach Pillaro und dort haben wir erstmal meine Verkleidung gesucht. Es gibt immer zwei Möglichkeiten, wie man sich verkleiden kann. Einmal als Diablo: mit roten Klamotten und einer Teufelsmaske. Die kann klein und schlicht sein, aber ich habe Tänzer gesehen, die ihre Masken mit beiden Händen festhalten mussten beim Tanzen, da sie sonst nicht das Gleichgewicht hätten halten können, weil die Masken so groß waren. Diese Masken sind leider relativ teuer, da sie in Handarbeit und mit viel Zeit hergestellt werden. Ich habe mich für die andere Variante entschieden. Sie ist schlichter, aber auch gleichzeitig meiner Meinung nach besser zum Tanzen geeignet. Diese nennen sich Guarichas, und die Verkleidung besteht aus einer weißen Gewand, das mehr oder weniger wie ein Kleid aussieht und mit bunten Bänder bestickt ist. Später habe ich diese Gewänder auch in blau oder mit bunten Blumen bestickt gesehen. Dazu kommt ein weißer Hut, der ebenfalls mit Bänder verziert ist, und eine Maske, die ein Gesicht zeigt, damit man nicht erkannt wird, wichtig, weil man immer eine Flasche Alkohol dabei hat, um seinen Bekannten, die nur zugucken, etwas zu trinken zu geben. Um 14 Uhr ging es los mit der ersten Runde durch Pillaro bis zu einem Ort, an dem es eine Pause gibt. Man tanzt zu Marschmusik, die aber etwas aufgeheitert ist, damit sie tanzbar wird. Ich weiß nicht, wie man die Musik beschreiben soll, guckt Euch am besten das Video an. Vielleicht ist die Beschreibung Blasmusik doch besser. Naja, nach der Pause ging es dann weiter mit einer zweiten Runde durch Pillaro, aber ich musste dann um 8 doch mal wieder nach Ambato. Dies war aber nicht so schlimm für mich, da ich am nächsten Tag nochmal wiedergekommen bin und dann auch in dem Haus meines Freundes geschlafen habe, um mehr von dem Tag zu haben. Am zweiten Tag war eigentlich alles genauso wie am ersten, bloß das ich am Morgen noch die Parade gesehen hab. Danach wurde wieder einfach nur den ganzen Tag getanzt.
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Was gibt es sonst noch Neues? Es ist unglaublich, wie viel ich in den letzten Monaten gelernt habe beim Capoeira. Angefangen vom Rückwärtssalto bis hin zu anderen Sachen, von denen ich niemals geglaubt hätte, dass ich sowas jemals lernen würde. Dies macht mir immer noch genauso viel Spaß wie am Anfang, wobei ich sagen muss, dass einem 7 mal die Woche Sport doch irgendwann auf die Nerven geht und man auch mal wieder was anderes machen will.

Eine andere noch ganz witzige Geschichte, an die ich mich erinnern kann, ist, dass ich eine Aufsatz über Weihnachten und die Schule in Deutschland schreiben sollte. Nachdem ich da nun 2 Seiten über meine Heimat und meine Kultur geschrieben hatte, war die einzige Frage, die mein Lehrer hatte: “ Wie macht man den Schweinebraten, von dem du da in deinem Aufsatz erzählt hast?“ Seitdem denke ich mir auch, dass der Lehrer etwas komisch ist.

Naja, von hier viele Grüße nach Deutschland an alle Freunde und an die Familie, die das hier lesen werden. Und auch an alle anderen Menschen, die interessiert, was ich schreibe. Alles Gute für das Neue Jahr!

Euer Sebastian

Cumpleaños feliz, cumpleaños feliz…

So, mein letzter Eintrag ist schon wieder fast einen Monat her und ich habe alles vergessen, was drin steht… aber gerade am 20.10.2012 um 18.39 Ortzeit habe ich auf nichts mehr Lust als einfach in unserem Wohnzimmer zu sitzen und nichts zu machen. Oder vielmehr einfach einen neuen Blogeintrag zu schreiben.

Naja, was gibt es Neues in meinem Leben? Also fangen wir doch einfach mal mit dem altbekannten Thema Schule an. Ich geh jeden Montag bis Freitag wie gewohnt in die Schule von 7-12.50. Dies ist weniger als in meiner deutschen Schule, kommt mir aber trotzdem ewig lang vor, und ich bin froh, wenn ich dann um 12.50 die Schule verlasse und mich durch die brüllend heiße Mittagssonne auf den Weg in den Laden meiner Eltern machen darf. Danach geht’s nach Hause zum Mittagessen und ich habe meinen mehr oder weniger freien Nachmittag.

In den letzten Wochen in der Schule waren wohl die spannendsten Sachen der 8-Kilometer-Lauf und der freie Tag am 12. Oktober. Das erste war vor circa 3 Wochen an einem Mittwoch,  der Tag, an dem ich mit Sportuniform in die Schule gehe und zwei Stunden Sport habe. Wie ich schon gesagt hatte, haben wir eine Note für den Lauf über 8 Kilometer bekommen. Aber man darf sich das jetzt nicht zu einfach vorstellen. Ich als Flachlandtiroler bin nur gerade, ebene Strecken gewöhnt, aber hier hatte ich es mit etwas ganz anderem zu tun. Ich sollte mich einmal die Berge hinter meiner Schule hochquälen und danach in nem unglaublich schnellen Tempo wieder herunter laufen. Ich glaube, jeder aus meiner Klasse ist die Berge hochgegangen und keiner ist gelaufen, vor allem, weil es an dem Tag einfach so unglaublich heiß war, dass es eigentlich Schwachsinn war, diesen Lauf an diesem Tag zu machen. Aber das hat den Lehrer relativ wenig bis gar nicht interessiert. Naja, nachdem wir/ich dann oben am höchsten Punkt angekommen waren, ging es bergab und das wirklich extrem schnell. Teilweise habe ich wirklich gedacht, wenn jetzt eine Kurve kommt oder mir etwas entgegen kommt, das war’s. Aber Glück gehabt! Ich bin doch heil unten angekommen und das sogar als 4. aus meiner Klasse. Mein Lehrer hat echt gestaunt, dass ich als einer der Ersten angekommen bin. Ganz unversehrt habe ich es dann doch nicht überlebt, ich hatte die erste Blase meines Lebens am Fuß, die weh getan hat. Aber naja, es gibt Schlimmeres.

Das andere Wichtige und was ich ernsthaft vergessen hätte, als ich angefangen hab, den Eintrag zu schreiben, ist mein Geburtstag… Also, zuerst hatte ich schulfrei, da am 12.10.1492 Amerika entdeckt wurde, und deswegen ist in ganz Südamerika und ich denke auch in Spanien ein Feiertag. Das bedeutet, dass ich ausnahmsweise ausschlafen durfte, eins der größten Geschenke an diesem Tag. Nachdem ich aufgestanden bin, wurde mir erstmal von meiner Mutter zum Geburtstag gratuliert mit einer Umarmung und nem Küsschen auf die Wange. Danach habe ich ihr nochmal Danke gesagt, dass ich in ihrem Haus sein darf und wie schön die letzten 2 Monate waren. Da hat meine Gastmutter angefangen zu weinen und meinte, dass sie das gerne machen und dass ich und die anderen beiden Austauschschüler, die hier schon waren, wie ihre eigenen Kinder sind. Ich musste mich da auch ziemlich beherrschen, kein Pipi in die Augen zu bekommen. Danach sind wir dann in die Mall gefahren, um mir zum Geburtstag ein Ecuador-Trikot zu kaufen. An diesem Tag hat auch Ecuador gegen Chile Fußball gespielt. Ecuador hat 3 zu 1 gewonnen. Auf der eine Seite gut, aber auf der anderen Seite halt schon schade, dass das Land meines Vaters verloren hat. Also, das Spiel habe ich bei einem Fremden geguckt, da ich eingentlich erst das Spiel im Haus meines Cousins sehen wollte, dieser dann aber nicht aufgetaucht ist, so dass ich mit meiner Cousine und ihren Freundinnen einfach ins Haus eines Freundes gefahren bin und da Fußball geguckt habe. Nach dem Spiel wurde mir dann auch gleich der erste ecuadorianischn Brauch in Sachen Geburtstag beigebracht. Hier haut man dem Geburtstagkind mit einem Gürtel seine Jahreszahl auf den Hintern. Also 17 Schläge später tat mir mein Hintern zum Glück nicht all zu doll weh, da keiner wirklich doll zu geschlagen hat. Dann wars auch schon abends und es ging zurück zu mir nach Hause, wo um 9 Uhr abends ein Teil meiner Familie, 2 deutsche Freundinnen, die auch hier zum Austausch sind mit Rotary, zusammentrafen, und wir haben zusammen meinen Geburtstag gefeiert. Es gab viel zu essen und meine ganze Familie hat erst auf Englisch und dann auf Spanisch für mich gesungen. Und dann kam auch der nächste Brauch auf mich zu. Ich sollte nur kurz mit der Nase den Kuchen berühren. Klar hab ich das getan, aber wie ich mir schon denken konnte, war dies nur eine Finte, und schon gleich kam eine Hand von hinten und drückte meine Kopf in die Torte. Und klar, es war meine kleine Cousine, die die Übeltäterin war. Aber ich hab mich gleich gerächt und mein Gesicht an ihrem abgewischt und so hatten wir beide dann Torte im Gesicht. Danach wurde gegessen und ein bisschen getanzt und dann war der Abend auch schon vorbei. Aber es war auf alle Fälle ein wunderschöner Tag! Und zu den Schlägen mit dem Gürtel: am Montag nach meinem Geburtstag wurde ich noch einmal gehauen von meinen Freunden aus meiner Klasse und die waren nicht so sanft. Das tat schon gut weh und ich hatte danach rote Stellen an den Beinen, aber das Schöne ist ja, dass ich zu ihrem Geburstag noch hier bin – und dann gibt es Rache!

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Die wohl größte Veränderung in den Tagen seit meinem letzten Blogeintrag ist, dass ich angefangen habe mit Capoeira. Dies ist ein brasilianischer Kampftanz. Ich finde das Wort Tanz aber irgendwie komisch, weil es nicht annähernd erklärt, wie cool Capoeira ist. In den Jahren der Sklaverei in Brasilien war Sklaven jegliche Art von Kampf untersagt und deswegen tarnten sie ihre Selbstverteidigungstechniken mit einer Art Tanz. Außerdem stammt der Capoeira von einer afrikanischen Kampftechnik names Zebratanz ab. Dieses mache ich jetzt jeden Tag in der Woche von 7-9 und am Wochenende von 12-14 Uhr. Deswegen hab ich allein in den letzten 2 Wochen, in denen ich angefangen habe, relativ viel gelernt. Aber wenn ich ein paar meiner neuen Freunde aus meiner Gruppe sehe, die erst Sachen wie Flick-Flack machen oder erst ein Rad ohne Hände und danach einen Rückwärtssalto, denke ich immer „Hut ab“ und „das schaffe ich doch nie“. Und dann wird mir zum Glück aber immer wieder klar, dass ich das ja erst 2 Wochen mache und das gar nicht können muss … noch nicht. Lernen will ich es auf alle Fälle noch. Hier oder in Deutschland später, weil ich das auf alle Fälle weiter machen will, wenn ich wieder in Deutschland bin. Und für die Leute aus meiner deutschen Hockeymannschaft, die das hier lesen werden: Das erste Mal Training hier war vergleichbar mit Bastians Training – wenn nicht sogar schlimmer. Vor drei Wochen habe ich das nämlich das erste Mal probiert,  und meine Beine waren danach so zerstört, dass ich die restliche Woche ab Montag Schwierigkeiten hatte, eine Treppe hoch zu gehen. Aber jetzt mit der Zeit wird es besser und besser und es macht einen Riesenspaß!

Was gibt es sonst noch zu erzählen? Ich steh voll auf die spanische Musik, also Reggaeton, hier. Und mein Cousin und meine Cousine sind meine neuen besten Freunde. Also stimmt es schon, dass die Familie sehr wichtig ist in Ecuador. Genau das ist es, was die Zeit hier so schön macht: man hat immer jemanden aus seiner Famlie, mit dem man etwas machen kann und der immer für einen da ist. Mein Spanisch ist mittlerweile so gut, dass ich mich normal über unwichtige Dinge unterhalten kann und eigentlich ganz gut durchs Leben komme, wenn mein Gegenüber nicht allzu schnell oder zu undeutlich spricht, wie es bei meinen männlichen Freunden in der Klasse der Fall ist. Aber es wird  immer besser und besser und spätestens bis Weihnachten sollte ich eigentlich keine Schwierigkeiten mehr haben.Und im November steht dann endlich der erste Trip mit YFU in den Dschungel Ecuadors an und darauf freue ich jetzt schon riesig. Ich freue mich, all die anderen wiederzusehen und zu hören, was bei denen so passiert ist in den letzten Monaten. Danach werde ich wohl dann auch den nächsten Blogeintrag schreiben und mehr als nur ein bis zwei Bilder anheften.

Muchos saludos de Ecuador,
Sebastian.

Kulturschock Schule!

So, nach fast einem Monat ohne etwas zu berichten, habe ich doch mal wieder Lust, für meine Familie und Freunde zu schreiben, da ich weiß, dass sie alle auf Neuigkeiten warten.  Ich glaube, dass das nächste große Thema, wie schon im Titel erwähnt, Schule sein wird, da ich dort meine halben Tage verbringe und wohl mit die meisten Erfahrungen gesammelt habe und sammeln werde.

Ich gehe übrigens auf das Colegio Tecnologico Superior Rumiñahui. Rumiñahui ist einer der bedeutendsten Heeresführer der Inkas gewesen, der Widerstand gegen die Spanier leistete. Mit 2000 Schülern ist das Colegio um das Doppelte größer als meine Schule in Deutschland. Davon sind in meiner Klasse 38 Schüler und zum Glück verstehe ich mich mit allen gut. Außerdem bin ich in der gleichen Klasse wie ein belgisches Mädchen, das auch mit YFU nach Ecuador gekommen ist. Das hat Vor- und Nachteile: Auf der eine Seite ist es gut,  jemanden in seiner näheren Umgebung zu haben, dem es ähnlich geht wie einem selber. Auf der anderen Seite verlockt dieser Umstand aber auch dazu,  Englisch und nicht Spanisch zu reden.

Ich habe 40 Stunden in der Woche, wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, wie lange eine Stunde hier eigentlich ist. Ich glaube aber, dass die Schulstunden ungefähr so lang wie in Deutschland sind und das sind zwischen 40 und 45 Minuten. Meine Schultage sind immer gleich aufgebaut: ich quäle mich morgens um 6 aus dem Bett und mache mich fertig. Das heißt Schuluniform tragen! Diese besteht aus einem Hemd, Hose und einem Pulli mit den Initialen meiner Schule drauf. Außerdem aus einem hässlichen Paar Schuhe… Ich muss übrigens sagen, ich stehe total auf die Schuluniformen. Man weiß immer sofort, wer auf welche Schule geht, und man hat sofort ein Gruppengefühl, wenn man die Schüler seiner Schule in den Schuluniformen sieht. [singlepic id=157 w=480 h=320 float=]

Dann werde ich glücklicherweise von Freunden meiner Eltern abgeholt, die ihre eigenen Kinder zur Schule bringen, und muss nicht die 20 Minuten zur Schule gehen. Um 7 beginnt der Unterricht. Jeden Montag fängt die Woche mit dem Singen der Nationalhymne an. Diese gefällt mir ausgesprochen gut, auch wenn ich den Text noch nicht verstehe. Aber das kommt noch, ich habe ja noch genügend Montage an dieser Schule. Danach beginnt dann die erste Stunde und darauf folgen zwei weitere Stunden. Und dann endlich die erste Pause, immer herzlich willkommen, da ich im Unterricht meistens nichts verstehe. Dieser ist sowieso ganz anders als der deutsche Unterricht. Es gibt genau zwei Typen von Lehrern. Der erste Typ redet nur und der zweite diktiert nur. Nimmt sich also nicht so viel, aber mir gefällt der erste Typ doch noch ein bisschen besser, da ich mich dort nicht quälen muss mit dem Mitschreiben oder eher dem Kopieren der Unterlagen von meinem Sitznachbarn. Auf diese drei Stunden folgen dann nochmal drei Stunden und dann wieder eine Pause. Danach muss ich nur noch die letzten beiden Stunden überstehen und es ist endlich geschafft. Dummerweise gibt es nicht wie an meiner Schule in Deutschland Blockunterricht, also immer 2 Stunden des gleichen Fachs zusammengefasst. Also muss ich mit Pech an manchen Tagen  für acht Fächer meine Schulsachen mitschleppen. Das geht dann doch ganz schön auf den Rücken, weil ich für jedes Fach einen Collegeblock kaufen musste und es für fast jedes Fach auch ein Buch und machmal sogar noch extra eine Mappe gibt. Außerdem ist es hier mit den Büchern auch anders als in Deutschland, ich musste und muss mir hier die Bücher selbst kaufen für den Unterricht. Hat den Vorteil, dass ich darin rumstreichen kann, wie ich will. Nachteil ist bloß leider, dass die Bücher doch schon gut teuer waren. Und was ich bisher noch nicht gesagt habe: ich bin im Profil „Sociales“ gelandet, welches verschrieen ist als das einfachste der Profile. Das bedeutet für mich, dass ich Fächer wie Philosophie, Literatur und Geschichte habe. Sehr außergewöhnlich ist auch das Fach „Educacion Sexual“, also Sexualkunde. Aber dies behandelt andere Themen als Sexualkunde in Deutschland, hier redet man über seine Gefühle und ähnliche Themen.

Zusätzlich zu meiner Schuluniform habe ich für mittwochs, der Tag, an dem ich Sport habe, noch eine 2. Uniform. Diese besteht aus einem Trainingsanzug, einem T-Shirt und einer gelben kurzen Sporthose. Aber auch der Sportunterricht unterscheidet sich stark von dem in Deutschland. In der ersten Stunde sind wir 1 1/2 Stunden gewandert. Den Berg hinter der Schule hoch und dann wieder hinunter, und in der zweiten Woche haben wir irgendwelche Formationen geübt und sind auf dem Sportplatz herummarschiert. Aber mir gefällt der Mittwoch immer besonders gut, da ich an dem Tag mit den Jungs aus meiner Klasse in den Pausen Fußball spiele. Die letzten Male haben wir sogar um Geld gespielt und zum Glück war ich beide Male in der Gewinnermannschaft!

Hausaufgaben sind nochmal so ein Thema für sich: Ich gebe natürlich mein Bestes, aber machmal verstehe ich nur Bahnhof und dann sage ich immer: „Mein Spanisch ist noch nicht so gut und ich habe die Aufgabe nicht verstanden“. Das zieht zum Glück noch, aber dann muss ich die Hausaufgaben wieder von jemandem abschreiben und das nervt doch ein bisschen. Aber so gibt es wenigsten einen Lerneffekt…

Heute am 26. September ist in Ecuador „Tag der Flagge“, also wie der Name schon sagt, ist der Tag der ecuadorianischen Flagge gewidmet. Außerdem war heute auch die Vorstellung der neuen Abschlussklasse, in die auch ich gehe. Normalerweise hätten wir Sport gehabt, aber mir schrieb eine Klassenkameradin, dass ich meine normale Schuluniform anziehen soll. Dies tat ich natürlich und es war nicht wie befürchtet ein unlustiger Streich. Am nächsten Morgen zum Glück die Erleichterung: alle meine Klassenkameraden in ihrer normalen Uniform. Darauf hin sollten wir dann nach Unterrichtsbeginn alle aufstehen und in die Turnhalle  kommen, die übrigens nur mehr oder weniger ’ne Turnhalle ist. Eigentlich ist es mehr ein Sportplatz mit Dach drüber, aber davon gibt es hier überall welche. Aber meist ist es ja auch warm genug, so dass man die Wände nicht wirklich vermisst. Na ja, jetzt folgte zwei Stunden marschieren üben und ich wusste immer noch nicht, weshalb ich eigentlich hier im Kreis, auf und ab und in sonst welche Linien herum marschierte, aber ich dachte mir nur: „Ok, alles hier wird schon seinen Grund haben, vielleicht ist das wichtig für irgendein Ereignis am Ende des Jahres oder für sonst einen Tag im Jahr…“.  Worauf ich aber nicht gefasst war, ist, dass ich dieses Maschieren schon 2 Stunden später vor allem Schülern, Lehrern und sonst welche Menschen aufführen musste. Das lief dann auch mehr oder weniger gut. Es begann damit, dass ich keine schwarzen Gürtel trug wie alle anderen. Kein Gürtel war aber immerhin besser als ein brauner Gürtel, wie einer meiner Klassenkameraden ihn anhatte. Er wurde dann prompt auf die Bühne geschickt, genauso wie 2 Mädchen, die ihre Sportuniform anhatten. Und schon begann es mit dem Einmarsch und dem Hin- und Hermarschieren in der Turnhalle. Ich glaube, dass ich wirklich jeden Befehl überhört und alles anders gemacht habe als meine Klassenkameraden. Aber vielleicht hatte es dann doch Ähnlichkeit mit den Bewegungen meiner Klassenkameraden. Die Zeremonie ging weiter mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne und der Flaggenhymne. Es wurden Reden gehalten und das wohl Wichtigste war die Übergabe der drei Flagen an die besten Schüler meines Jahrgangs. Das ist hier so Tradition, dass die ersten drei Besten die Landesflagge für das Jahr übereicht bekommen. Platz vier bis sechs dürfen die Flagge der Provinz tragen und Platz sieben bis neun sind die Träger der Schulflagge. Und was für ein Zufall: keiner dieser Neun war aus meiner Klasse. Dieser Tag endete dann damit, dass wir eine Stunde früher als normal Schluss hatten, und das hat mir besonders gut gefallen an dem ganze Tag!

Was gibt es sonst noch zu erzählen? Ich habe jetzt schon eine Hochzeit und einen 15. Geburtstag – ein riesiges Fest hier ähnlich wie bei uns die Konfirmation – miterlebt und die Feiern sind sehr gut, da man viel tanzt. Das gefällt mir sehr. Auch wächst mir meine Familie immer mehr ans Herz und ich finde jeden Tag mit ihnen schöner als den vorherigen. Leider ist heute Nacht nun auch meine andere Schwester nach Europa geflogen zum Studieren, das heißt, jetzt bin ich wirklich gezwungen, Spanisch zu sprechen. Dies kann aber nur gut sein. Sonst gibt es, glaube ich, erstmal nichts Neues von mir und ich melde mich demnächst wieder.

Übrigens viele Grüße an alle meine Freunde und Familie in Deutschland und ich hoffe, euch geht es gut!
Viele Grüße,

Euer Sebas
PS:

Die Spitznamen hier für Sebastian sind Sebas, Sebi und Sebitas. Dabei gefällt mir der erste richtig gut!

 

 

 

¡Ecuador me gusta mucho!

Also, die ersten zwei Wochen sind vergangen und ich komme endlich dazu, einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Mein Laptop und Probleme mit dem Internet waren die Gründe, weshalb mein erster Blogeintrag aus Ecuador auf sich warten lassen hat. Aber dies gehört eher zu den unintressanten Geschichten der letzten Tage.

Am 14. August ging es endlich los in Richtung großer Traum. Um 12 und damit wie immer viel zu früh verließen wir, also meine Mutter, mein Vater und ich mein altes Zuhause, um meinem neuem immer näher zu kommen. Komischerweise wurde auf dem Weg zum Flughafen die Aufregung immer weniger und weniger, bis ich dann völlig entspannt am Flughafen ankam. Nach etwas Umschauen  sah man dann auch die ersten bekannten Gesichter oder eher die türkisen YFU-T-Shirts, die wir für den Reisetag bekommen hatten. Der Verabschiendung von Familie und Freunden sah ich mit einem lachendem und einem weinenden Auge entgegen. Aber eher mit dem lachenden, da ich mich so sehr auf den Flug und das Jahr im Ausland freute. Nach dem Abschiedskommitee, für das ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, verließ ich nun meine Familie und Freunde, um durch die Sicherheitsschleuse und in Richtung Abenteuer zu gehen. Gegen 16 Uhr begann die 31 stündige Reise in Richtung Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Die Flüge waren lang und unbequem, aber doch aushaltbar. Ich glaube, dass ich mich noch nicht oft so sehr auf etwas zu essen gefreut habe wie auf diesen Flügen. Mit Warten auf das Umsteigen in Frankfurt, Madrid und Lima war es dann am  Folgetag um etwa 15 Uhr endlich geschafft. Ich stand auf ecuadorianischem Boden und ich war einfach nur platt. Dies lag wohl nicht nur an der Ankunft in meiner neuen Heimat, sondern auch daran, dass der Anflug auf den Flughafen von Quito mehr als abenteuerlich war.

Am Flughafen wurden wir in einen Bus geladen und in einen Vorort von Quito gefahren, in dem die ecuadorianische VBT stattfinden sollte. Diese war eine Auffrischung von dem, was wir schon aus Deutschland kannten. Trotzdem gibt es einen wichtigen Tipp, den sie uns gegeben haben: Seht in allem etwas Positives! Ich glaube dieser Tipp macht das Leben nicht nur im Auslandsjahr einfacher, sondern auch das Leben zu Hause. Hier trafen sich nun alle Austauschschüler, die ihr Jahr in Ecuador verbringen würden. Ich teilte mein Zimmer mit einem Niederländer, und sonst noch vertreten waren Skadinavier, Schweizer und Belgier auf der Tagung. Aber wir Deutschen waren klar in der Mehrzahl mit 23 ATS (Austauschschülern). Trotz der Tatsache, dass ich in Ecuador war, fühlte ich mich noch nicht richtig angekommen in meinem Austauschjahr. Es fühlte sich eher wie Urlaub an. Trotzdem möchte ich die ersten 4 Tage mit meinen alten Bekannten und neu Kennengelernten nicht missen, da sie der perfekte Einstieg waren.

Sehr schön war der Ausblick vom Dach der Herberge. [singlepic id=96 w=480 h=320 float=]

Am Samstagmorgen gegen 8.30 ging es dann endlich los in Richtung Gastfamilie und damit ins echte Austauschjahr. In meinem Bus saßen die ATS für Latacunga, Ambato, Riobamba und Cuenca. Wobei die Armen, die nach Cuenca fuhren, 10 Stunden bis zu ihren neuen Wohnort brauchten. Ein Berg löste den anderen ab, und das Highlight der Fahrt war der von Wolken umgebene Cotopaxi. Das Bild ist übrigens nicht der Cotopaxi, da dieser so von Wolken verhüllt war, so dass man nur den Fuß des Berges sah. [singlepic id=97 w=480 h=320 float=]

Nach ca. 4 Stunden mehr oder weniger wackeliger Fahrt durch die unglaublich schöne Landschaft der Anden kamen wir endlich in Ambato, meiner neuen Heimat für die nächsten 10 Monate, an. Zuerst nur in einem Vorort von Ambato, wo einer unsere Teamer aus der VBT wohnt und dessen Mutter die Area Rep ist für den Raum um Ambato. Area Rep bedeutet, dass sie meine Ansprechpartnerin für die Zeit in Ecuador ist. Kaum waren wir zwei, ich und eine Belgierin, aus dem Bus ausgestiegen, kam auch schon ein Geländerwagen angefahren, in dem ein Teil meiner Familie saß. Begrüßt wurde ich von meiner Mutter und meine beiden älteren Schwestern mit eine typischen Küsschen auf die Wange. Eines der ersten Wörter, die fielen, war „Bruder“ und dies ließ mich gleich zu einen Teil einer völlig fremden Familie werden. Nach nur weiteren 15 Minuten Autofahrt durch die Hügel Ambatos kam ich nun endlich in meinem neuen Zuhause an.

In den zwei Wochen, die ich hier bin, habe ich schon jede Klimazone von Ecuador erlebt. Dies zeigt mir noch einmal wieder, wie klein dieses Land doch eigentlich ist und dies gefällt mir auch so gut an Ecuador. Du kommst überall mehr oder weniger schnell  hin und kannst das Land in seiner Gänze kennen lernen, wie es in einem größeren Land kaum möglich wäre. Sei es nun der Wochenendtripp in ein Hotel an die Strände von Same oder mit den besten Freunden der Familie zum Fischen in das feuchttropische Klima des Dschungels zu fahren, mir scheint es, als ist hier alles möglich mit der Spontanität der Ecuadorianer. Und jeden Tag freue ich mich, etwas Neues zu lernen und kennen zu lernen und jeder Tag ist ein neues Abendteuer für sich.

Nach der kurzen Zeit hier kenne ich nur eine Bruchteil der ecuadorianischen Kultur, aber das, was ich bisher gelernt habe und beobachten konnte, würde ich gerne mit euch teilen. Also, das was mir jeden Tag wieder auffällt ist , dass die Ecuadorianer gefühlte jede Stunde etwas essen. Nicht das mich das stören würde, aber es ist gewöhnungsbedürftig, alle Stunde gefragt zu werden, ob man etwas essen möchte. Ganz wichtig ist auch zu erwähnen, dass die Ecuadorianer zu jeder Malzeit Reis essen. Aufgrund meiner mangelnden Spanischkenntnisse bin ich aber leider noch nicht dazu gekommen zu fragen, wieso das eigentlich so ist. Dies werde ich aber mit Sicherheit in einem meiner späteren Blogeinträge nochmal ansprechen. Ein anderes wichtiges Thema außer dem Essen sind mit Sicherheit die Menschen. Es ist unglaublich, wie viel offener die Menschen hier sind im Gegensatz zu Europa. Man geht keine 5 Minuten die Straße entlang, ohne dass sich Personen grüßen und anfangen zu reden. Die Familie und damit das nächste Umfeld ist hier sowieso wichtiger als alles andere. Ich habe jetzt schon 3 Geschwister, deren Familien und die meiner Gastmutter kennengelernt und das sind es noch lange nicht alle. Ich freue mich jetzt schon auf das jährliche Familietreffen, um dann alle mal gemeinsam an einem Ort zu erleben. Im Moment bin ich auch noch ziemlich froh, meine beiden Gastschwestern zu haben, da es noch einfacher ist, Englisch zu sprechen als Spanisch. Das stört mich aber auch, da es so nie etwas wird mit dem Spanisch sprechen. Beide werden sich dann aber Anfang und Mitte September auf den Weg nach Europa machen. Die eine zum Fortsetzen ihres Studiums und die andere, um selber mit YFU nach Österreich zu gehen. Dann werden wir sehen, wie ich hier in der Familie mit meine Gasteltern klar kommen werden, wenn wirklich nur noch Spanisch gesprochen wird. Aber alle andere Austauschschüler haben diese Situation schon und kriegen dies hin, also mache ich mir da eher weniger Sorgen. Wie ich schon am Anfang gesagt habe, man muss einfach in allem etwas Positives sehen und schon geht es einem besser und die meisten Schwierigkeiten lösen sich fast von allein.

Andere kleine aber feine Unterschiede, die vielleicht nicht so wichtig erscheinen, sind zum Beispiel, dass man das Klopapier nicht ins Klo wirft, da die Rohre hier viel kleiner sind als in Deutschland. Etwas anderes ist, dass man keine Bettdecken hat wie in Deutschland, sondern dass man zwischen zwei Laken schläft und darauf Steppdecken und ähnliches liegen hat, die dann warm halten. Das Klima ist hier übriges auch ganz anders als das deutsche. Es gibt keine Jahreszeiten und wenn doch, dann wechseln sie tagtäglich. Ich hatte hier schon Tage, an denen ich mich mit kurzer Hose und T-Shirt totgeschwitzt habe, und andere wie heute, wo wir es nicht gerade warm hatten mit 12 Grad Celsius. Das sind auch erstmal so die ersten Sachen, die mir so auf die Schnelle einfallen. Andere mehr oder weniger große Unterschiede werde ich bestimmt noch später nennen.

Nun noch zum Schluss: ich wohne in den Bergen und bin zum Ende der Sommerferien hier angekommen (an der Küste sind andere Ferienzeiten). Das ist auch der Grund, wieso ich erst Montag meinen ersten Schultag habe. Deswegen schreibe ich hier auch noch nichts von Schule. Aber ich kann jetzt schon verraten, dass mir die heute gekauften Schuluniform nur teilweise gefällt. Aber im Grund ist auch diese doch ganz schön, wenn man sich klar macht, dass in meiner Schule ja jeder so rumläuft. Also Bilder davon und Geschichten aus meiner ersten Schulwoche werden dann schon bald folgen. Hiermit dann wieder bis zu meinem nächsten Eintrag und

Tschüß!

Euer Sebastian