Rumänische Ostern

Salut,
ich weiß, ich bin spät aber jetzt kommt doch auch noch mal ein Beitrag über mein Ostern in Rumänien.
Zuerst einmal wird Ostern hier eine Woche später gefeiert als in Deutschland, da Rumänien mehrheitlich orthodox ist. Da aber die Hälfte der Familie meiner Gastmutter aber katholisch ist, waren wir am katholischen Ostern bei meiner Gasttante zum Festessen eingeladen, wir haben also also sozusagen zweimal Ostern gefeiert.
Der Samstag des orthodoxen Osterwochenendes hat zuerst einmal ziemlich stressig angefangen, meine Gasteltern sind um fünf Uhr morgens aufgestanden um das Essen vorzubereiten, und bis zum Nachmittag wurde die Wohnung geputzt und gekocht.
Am frühen Abend sind die Schwester und die Nichte meines Gastvaters angekommen, die das restliche Wochenende mit uns verbracht haben und kurz vor Mitternacht sind wir alle zusammen zur Kirche aufgebrochen. Der Mitternachtsgottesdienst war definitiv der interessanteste Gottesdienst den ich jemals erlebt habe. Zunächst fand er nicht in der Kirche sondern vor der Kirche statt, da die Kirche für die vielen Menschen zu klein gewesen wäre. Der ganze Platz vor der Kirche war überfüllt und die Menschen standen bis in die Seitenstraßen, und es ist nicht einmal die einzige Kirche in unserem Viertel!
Um Punkt Mitternacht haben die Glocken aufgehört zu läuten und der Gottesdienst hat angefangen, der hauptsächlich gesungen wurde. Nach ca. 15 Minuten kam eine kleine Prozession mit Kerzen die Kirchentreppen herunter, die Kerzen wurden an einer Kerze entfacht, die in Jerusalem angezündet wurde und mit dem Flugzeug nach Europa transportiert wurde. Jeder hat sich an den Kerzen seine eigene Kerze angezündet, dabei wurde von allen hunderten Menschen auf dem Platz ein Lied gesungen, das während des Gottesdienstes immer wieder wiederholt wurde:

Hristos a înviat din morți,                                  Christus ist von den Toten auferstanden
Cu moartea pe moarte călcând                        Mit dem Tod über den Tod schreitend
Și celor din morminte,                                       Und gibt jenen aus den Gräbern
Viață dăruindu-le.                                              Das Leben zurück.

Es war ein besonderer Moment, alle haben gesungen und ringsum war ein Meer an Kerzen, ein sehr schöner Anblick. Danach ging der Gottesdienst noch etwas weiter und am Schluss sind alle mit angezündeten Kerzen singend dreimal um die Kirche gegangen, dabei haben die Kirchenglocken geläutet und es wurde auf einer toaca gespielt, eine Art Holzbrett, auf das auf eine bestimmte Weise mit Holzhammern geschlagen wird und das früher die Kirchenglocken ersetzt hat. Man findet es noch heute an vielen Kirchen.

Als wir von der Kirche nach Hause gekommen ist, gab es erstmal Essen, besonders wichtig: die hartgekochten Eier, die man erst essen darf, nachdem man die Schale am Ei eines anderen zerbrochen hat, dabei sagt man der eine „Hristos a inviat“, also „Christus ist auferstanden“ und schlägt sein Ei gegen das des anderen, danach werden die Eier umgedreht und die beiden verbliebenen heilen Seiten aneinandergeschlagen, dabei sagt der andere „Adevarat ca a inviat“, also „wahrhaftig, er ist auferstanden“.

Am Sonntagmorgen bin ich mit meiner Gastmutter zur Kirche gegangen und wir haben für jeden eine kleine Tüte mit in Rotwein getränktes Brot, das den Leib und das Blut Christi symbolisiert, geholt, das an Ostern immer das erste ist, was gegessen werden sollte. Das Brot wird auf eine bestimmte Weise gebacken, nur unverheiratete „reine“ Mädchen dürfen es backen und dabei müssen bestimmte Gebete gesprochen werden, danach werden Brot und Wein in der Kirche gesegnet.

Mittags ist die Schwester meiner Gastmutter mit Mann und Tochter gekommen und es gab das Osteressen. Fun fact: meine Gastmutter hat exakt 135 Eier für das Essen verwendet. Es gab Vorspeise, Suppe, traditionelles Osterlamm und dann noch Torte, und ich habe noch mehr gegessen als an Weihnachten, was schon fast ein Ding der Unmöglichkeit war.

Das Ostern hier unterscheidet sich definitiv sehr von dem deutschen, aber es war sehr interessant, es hier zu erleben und ich habe die Tage sehr genossen.
Ne auzim in curand,
Alina