Penkkarit und vanhojen tanssit

PENKKARIT.
“Penkkarit” ist eine jährliche finnische Tradition, die von den Abiturienten der Highschool gefeiert wird. Es ist der letzte Tag für die Schüler an der Schule. Am Morgen sind alle in verschiedensten Kostümen zur Schule gekommen. Es sind Einhörner, Minions und Tiere durch die Flure gelaufen und hatten prall gefüllte Tüten mit Süßigkeiten bei sich. Dann wurden die Klassenzimmertüren aufgerissen und alle mit Bonbons und Schokolade beworfen. Nach der ersten Stunde ist die ganze Schule in die Aula gegangen, wo die Abigaala stattgefunden hat. Bei uns haben sie ein Quiz gemacht, in dem jeweils zwei Erst-, Zweit- und Drittklässler gegeneinander angetreten sind. Zum Schluss wurde das Abivideo gezeigt, welches professionell und mit viel Mühe gemacht wurde.
Nach der Gala sind alle Abiturienten nach draußen gestürmt und in die LKWs gestiegen. Da wir eine sehr große Schule sind, brauchten wir mehr als nur ein oder zwei Laster, doch dass acht dieser Wagen voller Abiturienten vor unserer Schule stehen werden, damit hatte ich nicht gerechnet. Wieder wurden wir mit Massen von Süßigkeiten beworfen, bevor die LKWs sich laut hupend und mit schreiender Besetzung auf den Weg machten. So fuhren unzählige Laster von verschiedensten Schulen an diesem Vormittag durch die Stadt.

WANHAT.
Der große Tag war gekommen. Wochenlang geübt, alles mögliche vorbereitet und organisiert. Doch wahrscheinlich wollt ihr erstmal wissen was das überhaupt ist, die Wanhat.
Die Wanhat, oder auch “vanhojen tanssit”, ist ein traditioneller finnischer Schulball. Die Abiturienten hatten am Vortag beim “Penkkarit” die Schule verlassen und nun feiern die Zweitklässler, dass sie die Ältesten der Schule sind. Auch wenn ich Erstklässlerin bin durfte ich wie alle anderen Austauschschüler mittanzen, da wir eben nur für ein Jahr hier sind. Seit Ende November fanden dreimal wöchentlich Tanzstunden statt. Meinen Tanzpartner hatte ich dank meiner Tutorin in der Schule gefunden. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten wurde das straffe Programm durchgezogen. Es bestand aus etwa zehn traditionellen Tänzen, unter anderem Tango und Wiener Walzer. Zum Schluss kamen noch die “Oma tanssit” dazu, also unsere eigenen Tänze, für die extra Musik zusammengeschnitten und eine Choreografie geschrieben wurde.
Seit dem Sommer waren die Mädchen schon auf Kleidersuche, aufwendig geschneiderte Ballkleider in verschiedensten Farben, wenn nötig auch maßgeschneidert, was dann schon mal locker 800€ kosten kann. Ich hatte riesiges Glück, dass meine Support Person selbst welche unfertig und mir eines ihrer geliehen hat. Alles wurde ewig organisiert, schließlich sollte alles perfekt sein für diesen Tag.
Am Morgen der Wanhat fuhren die meisten meiner Freundinnen und Mittänzer schon um sieben zum Frisör, verbrachten stundenlang mit dem Make-up, um pünktlich um halb eins bei der Generalprobe zu sein. Meine Schule hatte eine Arena gemietet, da wir sehr viele sind und beinahe 300 Tänzer hatten. Eine meiner Klassenkameraden hatte mir morgens schnell die Haare gemacht und ich hatte mit einer Freundin zusammen das Make-up gemacht. Die Aufregung stieg immer mehr, denn die Generalprobe verlief wie im Flug und schon stand die erste Aufführung an. Um 13.30 kam die Schule, das heißt die “Übriggebliebenen” Erstklässler und Lehrer zum Zuschauen. Es lief ganz gut, ich hatte ab und zu etwas Probleme, weil das Kleid etwas lang war und ich draufgetreten bin 😀
In der Pause habe ich mit Freundinnen Fotos gemacht und wir haben etwas gegessen, unerwartet gingen die zweieinhalb Stunden schneller um als erwartet. Die Aufregung stieg nochmal, denn jetzt war die Arena komplett gefüllt mit Menschen, Eltern und Verwandten. Da wir die erste Aufführung schon quasi als Probe nutzen konnten, lief das zweite Mal gleich besser. Der Applaus am Schluss war groß und wir waren erleichtert, als es geschafft war.
Im Anschluss wurden noch ein paar Fotos mit meiner Familie gemacht und dann sind wir nach Hause gefahren, wo ich mich schnell umgezogen habe. Denn es stand noch die Aftershowparty an, die mehrere Schulen aus Helsinki und Umgebung zusammen hatten. Es fand in einer Art Club statt und war ab spätestens halb elf prall gefüllt, es wurde getanzt, viel getrunken und auch sonst bekam mein beim typisch finnischen feiern einiges zu sehen… Wir hatten aber auch nüchtern unseren Spaß, es war ein guter DJ da und ich habe auch andere Austauschschüler wieder gesehen dort. Gegen zwei Uhr morgens war ich nach einem langen und anstrengenden Tag endlich in meinem Bett.
Ein unglaublicher Tag und eine unvergessliche Erfahrung, die ich nur hier in Finnland hätte machen können! Ich werde auch den Link zu You Tube hier reinstellen, sobald der Tanz hochgeladen wurde.

Bis bald 😉
Lena

Protestieren mit Bernie Sanders, Geburtstag und NYC

Bericht vom 11. Februar in der Lokalzeitung “Soester Anzeiger”:

Bei einer Kundgebung mit Bernie Sanders haben Redner berichtet, wie Angehörige durch eine fehlende Gesundheitsvorsorge verstorben sind. Bei diesem Erlebnis beeindruckte Nico Nölken, der momentan in Detroit lebt, wie Menschen für ein so essentielles Recht kämpfen müssen. Der Scheidinger und Anzeiger-Mitarbeiter hat in diesem Jahr im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) die Chance, sich ein eigenes Bild der USA zu machen. Einen Protest am Flughafen konnte er sich nicht anschauen:

Meine Weihnachtstage verbrachte ich in New York City, an Heiligabend saß ich zwölf Stunden lang im Auto. Das Fest war für mich also gar nicht traditionell, aber trotzdem ein einmaliges Erlebnis. Mein Gastvater arbeitete vor einigen Jahren in New York, so voll wie an Weihnachten hatte er es aber persönlich noch nie erlebt. Für uns war es besonders am Ground Zero zu stehen, der Ort an dem knapp 3.000 Menschen bei den Terroranschlägen am 11. September getötet wurden. Einige Menschen schossen „lustige“ Selfies als Erinnerung zum Besuch an der Unglücksstelle, was ich auch schon am Holocaust-Mahnmal in Berlin beobachtete und mich zum Nachdenken anregte: Ist es ein Ort, an dem man das Leben feiern oder den Opfern respektvoll gedenken sollte? Für uns galt eher Letzteres. Wir wollten uns nicht das „echte“ New York entgehen lassen und haben uns auch außerhalb von den bekannten Sehenswürdigkeiten viel angesehen.

An Silvester wäre ich zugegeben lieber in Deutschland gewesen, weil das neue Jahr hier nur kaum jemanden begeistern konnte. Es wurden keine Raketen abgeschossen und einige meiner Bekannten gingen schon vor Mitternacht schlafen. Ich habe mich mit Freunden getroffen und die Übertragung von Silvester am Times Square angeschaut. Es fühlte sich unglaublich brav an. Alkohol konnten wir dabei natürlich nicht trinken, wir waren mehrere Austauschschüler. Auch für amerikanische Jugendliche ist Alkohol erst ab 21 Jahren erlaubt, wir würden bei Missachtung des Gesetzes allerdings abgeschoben werden.

Nach Donald Trumps „Muslim Ban“ fand ein Protest mit vielen Menschen am Flughafen in Detroit statt, den ich mir eigentlich mit meinem Gastbruder ansehen wollte. Davon wurde uns allerdings abgeraten: Weil die Demonstration nicht angemeldet war bestand für mich die Gefahr, abgeschoben zu werden.

Einen angemeldeten Protest mit Ex-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders und mehreren Tausend Teilnehmern konnte ich mir anschauen: Mit seiner Kundgebung wollte Sanders die Abschaffung von „Obamacare“ verhindern. In seiner Rede erzählte ein Teilnehmer, wie die Gesundheitsvorsorge seiner Mutter eine Chemotherapie finanziert und ihr Leben gerettet hat. Eine andere berichtete: „Mein Ehemann war erkältet, wir hatten keine Krankenversicherung und konnten uns keinen Doktor leisten. Als er 40 Grad Fieber hatte brachte ich ihn in die Notaufnahme, in der er dann gestorben ist. Es geht nicht nur um Worte, es geht um die Leben echter Menschen.“ Auf der Demonstration wurde immer wieder „Lasst uns am Leben, gibt uns eine Gesundheitsvorsorge“ gerufen. Dass man in einem Land wie den USA wegen eines so essentiellen Rechtes auf die Straße gehen muss, hat mich sehr beeindruckt.

In meiner Zeit in Amerika bin ich bisher vielen offenen Menschen begegnet, habe aber auch oft genug die Erfahrung gemacht, wie man sich als Ausländer fühlt. In Diskussionen wurde ich ignoriert, weil davon ausgegangen wurde dass ich keine Ahnung habe. Wenn ein Mitschüler eine Frage hat werden oft alle anderen gefragt, nur ich als Austauschschüler nicht. Einige Amerikaner versuchen mich besonders nett zu behandeln oder mir dauernd zu helfen. Der Gedanke, dass ich mit einem Stipendium des US-Kongress alleine in ein fremdes Land gereist bin, wird gerne vergessen. Natürlich möchten Mitschüler oft nur nett sein, auf Dauer kann das aber nerven. Jetzt habe ich zumindest mehr Verständnis dafür, wie sich Ausländer auch in Deutschland fühlen können. Die große Mehrheit hat mich aber sehr offen in ihre Gemeinschaft aufgenommen, wofür ich wirklich dankbar bin.

Das neue Halbjahr hat auch an meiner Schule begonnen, meine neuen Klassen sind neben den Fächern Geschichte und Englisch auch Jahrbuch, „Life Skills“, TV10 (ein Fernsehprojekt der Schule) und Auditorium-Technik. Mathe musste ich in diesem Halbjahr nicht wählen, sodass ich den Stundenplan mehr an meine Interessen anpassen konnte. Jeden Tag werden die gleichen sechs Fächer unterrichtet.

An meinem Geburtstag, der Tag von Donald Trumps Amtseinführung, habe ich von Freunden, wie es an US-Schulen üblich ist, Luftballons bekommen. Später war ich mit meiner Gastfamilie in einem deutschen Ratskeller in Detroit, der zwar einer stereotypischen Vorstellung eines bayerischen Restaurants entsprach, aber schon deutlich authentischer war als das Hofbräuhaus, das ich in Pittsburgh besucht hatte.

Damit ich bis dahin meine Heimat nicht zu sehr vermisse bekomme ich auch immer wieder Pakete: Mittlerweile stehen fünf Kisten voll mit deutscher Schokolade in unserer Küche. Eine betrunkene Bekannte der Familie hat mir auf unserer Super Bowl Party einen Vortrag über fünfzehn Minuten gehalten, wieso Schokolade unser höchstes deutsches Gut ist. Mehr als die Hälfte meines Aufenthalts in den USA ist jetzt rum. Bevor ich am 29. Juni zurück nach Deutschland fliege, versuche ich noch möglichst viele einmalige Erfahrungen zu sammeln. Im März bin ich für eine Woche in Los Angeles und San Francisco, worauf ich mich besonders freue.

Und es stimmt tatsächlich, was sie uns gesagt haben: Die Zeit verfliegt!

Und es stimmt tatsächlich, was sie uns gesagt haben: Die Zeit verfligt!

Wenn ich, während meiner ersten Tage hier gelesen habe, dass die Zeit irgendwann einfach verfliegt fiel es mir sehr schwer das zu glauben. Genauso ging es mir auch, wenn ich die monatelangen Lücken auf verschiedensten Blogs bemerkt habe.
„So schwer kann es doch nicht sein, sich einmal im Monat hin zu setzen und einen Bericht zu schreiben!“
das dachte ich damals wirklich. Mein irisches Leben hat mich eines Besseren belehrt. Ehe man sich versieht ist Dezember und damit kommen dann auch die Exams, der Advent, Weihnachten, Silvester und dann ist schon Januar, die Schule geht wieder los, auf einmal ist schon die Hälfte der Zeit um, und dann fällt einem auf: „War da nicht noch was? So ein Punkt auf meiner To-do-Liste, den ich schon seit Anfang Dezember vor mir her schiebe“ … Und deswegen sitze ich jetzt hier, in einer kleinen Atempause des Alltags, zwischen `Hausaufgaben-machen´, `Zur-Schule-gehen´, `Schlafen´ und `Leben´, und versuche die letzten drei Monate irgendwie zusammen zu fassen.
Eine nahezu unmögliche Aufgabe, aber gehen wir es Schritt für Schritt an.

Der November war nicht außergewöhnlich ereignisreich. Das Wetter wurde schlechter, Es wurde unbequemer im Rock zur Schule zu gehen und mein neues Leben wurde mir vertrauter. Anfang Dezember fanden dann die Christmas-Exams statt. Die zählen für mich nichts, aber Prüfung schreibt glaube ich keiner gerne. Wir hatten in jedem Fach eine eineinhalbstündige Prüfung in der der gesamte Stoff, der seit den Sommerferien dran gekommen war, abgefragt wurde. Insgesamt war es aber nicht zu schwer und durchaus ohne zu viel Lernen machbar. Die zwei Wochen zwischen den Prüfungen und Weihnachten waren dann sehr entspannt, da alle Lehrer das Gefühl hatten es würde sich nicht lohnen, jetzt mit den neuen Themen anzufangen, wo wir doch über die Ferien sowieso alles vergessen würden. Wir haben das alle dankbar hingenommen. Dafür waren wir dann zwei Mal mit der Schule Geld sammeln für einen guten Zweck, ‘fund raising’ genannt. Das ist hier sehr verbreitet. Die Organisation S.H.A.R.E. führt jedes Jahr in den 10 Tagen vor Weihnachten eine riesige Sammelaktion durch. An fast jeder Ecke kannst du in der Weihnachtszeit einen Teenager in gelben Mantel und mit einer gelben Sammeldose in der Hand entdecken und fast jeder Mensch dem du begegnest hat einen gelben S.H.A.R.E Aufkleber den man im Austausch für eine Spende bekommt. Dieser Aufkleber schützt einen dann auch vor den leicht aufdringlichen Fragen an jeder zweiten Ecke.

Fast jede Schülerin meines Jahrgangs hatte sich bereit erklärt, für 4 Stunden zu sammeln. So auch ich. Also machten wir uns dann auf den Weg, bekamen eine gelbe Dose, ein gelbes Leibchen und einen Platz zugewiesen.
Leider hatten wir uns das ‘optimalste’ Wetter für so etwas ausgesucht. Es schüttete in Strömen, die Kälte kroch mir in die Knochen und schon bald waren meine Finger taub und die Aufkleber zu verteilen wurde so zu einer schwierigen Angelegenheit. Schnell verwandelten sich meine durchnässten Füße in Eisblöcke und alleine in der Kälte war es wirklich nicht schön, auch wenn das Geld sammeln gut vorranging, vermutlich aus Mitleid…
Ich weiß das klingt jetzt unglaublich kitschig (aber so ist Weihnachten nun einmal manchmal) aber mir ist der wahre „Christmas Spirit“ erschienen … in Form von einer älteren Frau. Mit den Worten: “Den brauchst du gerade viel dringender als ich, Liebes.” drückte sie mir ihren wirklich schönen Regenschirm in die Hand und nahm ihn auch nicht zurück als ich, vollkommen verwundert, dankend ablehnen wollte.

Schon eine Stunde später erschien er mir erneut, der „Christmas Spirit“. Wieder in Form einer Frau. Sie schenkte mir einen heißen Kakao, der nicht nur meine Hände und den Bauch sondern auch mein Herz ganz schnell aufwärmte. Ich konnte es kaum glauben, doch sie sagte nur: “Du sahst so durchgefroren aus.” Und das entsprach vermutlich auch der Wahrheit …
Das dritte und letzte Mal war es wieder eine Frau. Sie fragte mich: “Wenn ich dir Handschuhe kaufe, trägst du die dann?” Schon wieder war ich verwundert und sehr berührt, doch ehe ich etwas sagen konnte nahm sie meine eiskalte, nasse Hand in ihre, entschied schnell und verschwand im nächsten Laden. Ungefähr 10 Minuten später kam sie zurück und entschuldigte sich sogar noch, dass es so lange gedauert hatte. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, die Sammelbox und den Schirm zu halten bis sie vollkommen sicher war, dass meine Hände gut eingepackt waren. Erst dann gab sie, sie mir zurück und verabschiedet sich mit einem: “Happy Christmas, Love”
Ich bin immer noch unglaublich gerührt und kann es kaum glauben, wenn ich daran denke. So etwas hätte ich, glaube ich, niemals in Deutschland erlebt und hier gleich drei Mal. Es sind diese wundervollen, herzerwärmenden Momente und Erlebnisse, die Weihnachten bedeuten und die einen durch das Jahr tragen. Ich bin so dankbar dieses irische Weihnachten zu erlebt haben zu dürfen. So blöd es auch war durchgefroren im Regen zu stehen, am Ende war es das wert und auch wenn meine Füße vor Kälte gefühlt abgefallen sind, mein Herz war unglaublich warm … (ja ja Weihnachtskitsch ?)

Eine andere irische Weihnachtstradition ist die „late late toy show“. Das ist eine spezial Ausgabe der „late late show“, einer Talkshow die hier jeden Freitagabend läuft und sehr beliebt ist. Noch beliebter ist aber die „late late toy show“, zumindest bei dem jüngeren Publikum. Man fühlt sich, beim Schauen in etwa so als würde man in den quietschbunten Magen eines geflügelten Regenbogen-Einhorn schauen nach dem es sich auf der Süßigkeitenwiese mal so richtig voll gefressen hat.
Gut, vielleicht ist das keine richtig gute Beschreibung, aber googelt es einfach mal und ihr wisst was ich meine…
Während dieser Show werden Spielzeuge vorgestellt von Kindern die sie ausprobiert haben und total euphorisch Werbung machen, aber ständig abgewürgt werden, da der total gehetzte Moderator viel zu wenig Zeit hat. Zwischen durch treten immer wieder verschiedene Gruppen auf. Zum Beispiel Kinderchöre, Kinderstepptanzgruppen, Kinderbands und viele mehr, manchmal verpackt in süßen Kostümen.
Verkleidet ist auch das Publikum. Von Weihnachtsmützen und Christmas Jumpers über einen vollständigen Weihnachtsbaum bis zu einem Geschenk ist alles dabei. Laut meiner Gastmutter ist das Pflicht wenn man eine der begehrten Karten gewonnen hat. Dem Publikum werden auch die ganze Zeit irgendwelche Gutscheine geschenkt. Vermutlich weil durch die Dauerwerbesendung so viel Geld eingenommen wird. Etwas anderes ist es nämlich nicht: pure Werbung.
Aber, das muss ich sagen, es macht echt Spaß es zu schauen und man würde am liebsten wieder acht sein damit man all die tollen Sachen auf seinen Wunschzettel schreiben kann.
Es ist hier auf jeden Fall eine wichtige Tradition und nahezu jeder, egal in welchem Alter, schaut es begeistert. Und diese Begeisterung ist ansteckend 

Heiligabend war dann so ganz anders als ich es gewohnt bin … morgens sind wir zu dritt zum Frühstück in die Innenstadt gefahren und haben uns ein typisch irisches Frühstück gegönnt. Danach sind wir noch ein wenig durch die Stadt geschlendert. In Irland ist es üblich, dass man sich ein komplett neues Outfit für Weihnachten kauft. Und damit meine ich wirklich alles! Sogar Schuhe und Unterwäsche! Ich habe das nicht gemacht, aber mein Gastbruder, und die Stadt war voller shoppender Jugendlicher. Wieder zu Hause habe ich dann mit meinen Lieben in Deutschland geskypt. Insgesamt über 5 Stunden … es war toll! So als wäre ich fast wirklich dort bei ihnen? für mich war das wirklich das richtige Mittel gegen Heimweh und das Gefühl so etwas Wichtiges zu verpassen … aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Am 25. war dann das wirkliche Weihnachten … mein erstes und vielleicht auch letztes irisches Weihnachten … der Tag, vor dem ich schon lange Sorge hatte und auf den ich mich doch so sehr gefreut habe!
Um 6:00 Uhr hat mich mein Gastbruder Craig geweckt. Santa war da!!!
Auch für mich hatte er eine große Tüte da gelassen … mit gaaanz vielen tollen Kleinigkeiten! Ich hatte das überhaupt nicht erwartet, so viel von meiner Gastfamilie zu bekommen … Vielleicht zwei oder drei Geschenke, aber nicht mehr als 10! Sie hatte sich so viele Gedanken gemacht und mich überkam eine wunderbare Wärme, wie es nur das Gefühl, Teil einer Familie zu sein, kann. Das hatte ich hier bis her ein wenig vermisst … umso schöner war es am Weihnachtsmorgen! Das schönste Geschenk war ein wunderschönes Sammelarmband.
Mein Gastbruder war auch mehr als zufrieden mit seinen Geschenken. Er wollte sofort anfangen seine neuen X-Box Spiele auszuprobieren, aber Gillian und ich sind nochmal für zweieinhalb Stunden zurück ins Bett gekrochen. Erst danach waren wir soweit zu frühstücken…

Am Nachmittag sind wir dann wieder zu den Großeltern gefahren und es gab noch eine kleine Bescherung. Dann das Christmasdinner, ein paar Spiele und schon ging es wieder nach Hause. Insgesamt war es anders als ich es vielleicht erwartet hatte und auf jeden Fall ganz anders als gewohnt aber auf eine besondere Art zauberhaft. Ich werde dieses Weihnachten niemals vergessen … die Umstände und meine wunderbare Gastfamilie haben es für mich unvergesslichen gemacht. Ich bin so dankbar für alle diese außergewöhnlichen Erfahrungen die ich hier machen darf.

In verschiedenen Teilen Irlands wird am zweiten Weihnachtsfeiertag, hier genannt St. Stephansday eine Zaunkönigjagd veranstaltet (engl.: Wrenhunt), wobei sich die Männer mit fantasievollen Strohmasken, Hüten und farbigem Gewand verkleiden und begleitet von Céilímusikbands durch die Städte und Dörfer ziehen. Vermutlich ist diese Feier keltischen Ursprungs: die Druiden studierten den Flug des Zaunkönigs, um die Zukunft vorherzusagen.
Die Tradition beinhaltet die Jagd von einem künstlichen Zaunkönig auf einem dekorierten Zweig.
Genau diese Tradition habe ich auch miterlebt und es war toll! Irische Musik macht immer Spaß und allen die wollten wurden irische Gruppentänze beigebracht. Zusammen mit einer Freundin habe ich natürlich auch mit getanzt und hatte super viel Spaß. Auch die Kostüme waren beeindruckend. Die Jagd zu Pferd mit samt der Jagdhunde war wie in einem alten britischen Film. Doch ich war froh, dass kein Zaunkönig daran glauben musste.

Ein paar Tage vor Silvester kam dann eine Freundin, Franzi, die in Dublin wohnt zu Besuch und ich habe ihr meine zweite Heimat gezeigt. Das hat viel Spaß gemacht und es hat mir gezeigt, dass ich wirklich kein Tourist mehr bin. Ein schönes Gefühl … Cork ist nun wirklich ein richtiges Zuhause geworden!
Gemeinsam haben wir dann die ganzen Touri-Attraktionen abgeklappert. Z.B. den Fitzgerald Park und das UCC. Dort war ich ja vorher schon mal aber das Cork Public Museum und die Art Gallery waren auch für mich neu. Auch deswegen war es schön Cork aus dem Blickwinkel eines Touristen zu betrachten und um dann wieder zu meiner ‘fast-Einwohner-Sicht’ zurück zu kehren.

Über Silvester sind wir dann gemeinsam nach Dublin gefahren und sie hat mir die Hauptstadt gezeigt.
Es waren so viele Menschen unterwegs und die Straßen waren wunderschön beleuchtet. Da hab ich erst gemerkt wie sehr ich mich an die doch eher überschaubare Größe von Cork gewöhnt habe. Aber es war richtig schön sich durch die Straßen treiben zu lassen. Franzi kennt sich super aus … man könnte fast meinen sie würde schon ihr ganzes Leben in Dublin verbringen. Sie hält die Temple Bar für eindeutig überbewertet aber ich musste natürlich ein Foto machen … wie ausnahmslos jeder Tourist dort. Aber das bin ich dort ja auch ;). Und ganz touristisch sind wir auch zum Trinity College gegangen und zum GPO und vielen weiteren Touristen Attraktionen. Die Zeit in Dublin war echt toll. Dublin ist eine der schönsten Städte die ich kenne.
Silvester war dann etwas ernüchternd. In Irland wird das insgesamt kaum gefeiert. Vor allem nicht unter den Jugendlichen. In Cork gab es wohl gar kein Feuerwerk und in Dublin wurden gerade einmal 5 Raketen abgefeuert. Also wirklich keine große Sache. Irgendwie war es ziemlich enttäuschend, dass Silvester doch nur so eine normale Nacht ist…

2017 hat dann nicht so gut angefangen. Ich habe mir eine Ohrenentzündung eingefangen und krank sein in den Ferien ist immer besonders nervig. Zum Glück, oder irgendwie auch `Leider´, war es dann pünktlich zum Schulbeginn wieder okay.
So, und seit dem stecke ich wieder voll und ganz im Alltag fest. Schule, Hausaufgaben und seit Dezember auch Kick-Boxen zweimal die Woche. Das ist genau der richtige Ausgleich zum ständigen sitzen. Ich hätte gar nicht gedacht, dass Kämpfen so viel Spaß machen kann  Und fit wird man neben bei auch noch. Mach dich also schon mal bereit Bruderherz: Unsere Geschwisterstreits werden auf ein ganz anderes Level gehoben, wenn ich wieder da bin 😉
Es macht auf jeden Fall viel Spaß und ich habe auch schon viele nette Leute dort kennen gelernt. Zum Großteil aber Männer, denn dort ist nur noch ein anderes Mädchen in meinem Alter. Zusammen haben wir aber viel Spaß.
Die Wochenenden verbringe ich meistens mit meinen Austauschschülerfreunden. Wir sind eine richtig zusammen geschweißte Gruppe geworden und auch wenn wir schon planen uns natürlich wiederzutreffen, dann wird es doch nie wieder so sein wie zurzeit. Das werde ich echt vermissen.

Um einiges schwerer ist es allerdings irische Freunde zu finden. Das geht uns allen so und liegt nicht daran, dass sie Anderen unfreundlich sind oder so. Sie sind einfach alle sehr zurückhaltend was das Schließen von internationalen Freundschaften betrifft. Darauf muss man sich also schon mal einstellen wenn man sich für einen Austausch nach Irland entschieden hat. Kann aber auch nur in Cork so sein. So genau weiß ich das nicht … aber immerhin findet man wunderbare deutsche Freundschaften, die bestimmt lange halten werden.
Mittlerweile habe ich schon das Gefühl, dass da schon einige Sachen sein werden, dich ich vermissen werde. Die ganze Selbstständigkeit. Manchmal fühlt es sich fast an, als würde ich schon alleine Leben, weil ich so komplett alleine über mein Leben entscheiden kann. Auch einen Familienstreit bekomme ich nun nur noch aus der Ferne mit. Entweder von meiner deutschen Familie oder von meiner irischen hier. Bei beiden bin ich da nicht involviert, und das ist einerseits seltsam, aber irgendwie ziemlich entspannt.

Natürlich ist hier nicht alles immer nur einfach, locker-flockig und leicht. Es gibt einige schwere Momente, in denen ich mich immer noch sehr einsam fühle, meine Familie, meine Freunde und einfach mein deutsches Leben vermisse, aber das gehört nun einmal dazu. Das ist es ja auch, was der Unterschied zwischen „Urlaub“ und „Auslandsjahr“ bedeutet. Meine Zeit hier besteht nicht nur aus Sightseeing und Entspannen. Ich führe ein zweites Leben, das mir schon fast genauso vertraut und im Moment um einiges realer vorkommt als mein deutsches. Ich freue mich zwar schon darauf, zurück zu kommen, aber irgendwie kommt mir das alles noch ewig weit weg vor.
Deswegen werde ich auch einfach alles tun um die letzten vier Monate hier so gut wie möglich auszunutzen und in vollen Zügen zu genießen. Denn auch wenn nicht alles perfekt ist, ich mir einiges anderes vorgestellt und gewünscht hätte, so ist es doch das bis jetzt größte Abenteuer meines Lebens.
Ich entschuldige mich sehr dafür, dass ich so lange nichts von mir hab hören lassen und werde mein Bestes tun um den nächsten Bericht nicht so lange aufzuschieben, obwohl mich meine Erfahrung schon eines besseren belehrt hat.

Für die unter euch, die meinen Account „neelasabenteuerirland“ auf Instagram abonniert haben, ist vielleicht nicht so viel Neues dabei gewesen, denn dort schaffe ich es ziemlich regelmäßig kurze Berichte hochzuladen. Einmal die Woche ist dort mein Ziel für die Updates meines irischen Lebens.
Abschließen möchte ich diesen Bericht mit einem Spruch, den ich im Internet gefunden habe, denn er fasst meine Situation ziemlich perfekt zusammen:
„I never said it´s going to be easy. I said it´s going to be worth it!”
Liebe Grüße von der grünen Insel,
eure Neela