US-Präsidentschaftswahl: Die Reaktionen auf den Sieg Donald Trumps

Mein Bericht für die Lokalzeitung „Soester Anzeiger“:

Mit Spannung haben Menschen weltweit den Wahlausgang in den USA verfolgt. Am Ende haben sich die Bürger für Donald Trump ausgesprochen und ihn zum neuen US-Präsidenten gewählt. Der Scheidinger und Anzeiger-Mitarbeiter Nico Nölken hat in diesem Jahr im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP) die Chance, sich ein eigenes Bild der USA zu machen. Er erlebte die Wahlnacht hautnah mit. Nölken registrierte bereits Wähler und war nun auch auf den letzten Metern dabei:

„Der Morgen nach der Wahl war alles andere als normal. Die Stimmung in meinem eher demokratisch geprägten Umfeld war weitgehend depressiv. Plötzlich trauten sich Jugendliche in der Schule Kappen mit dem Trump-Slogan „Make America Great Again“ zu tragen. Die Mehrheit meines Umfelds war auf Hillary Clintons Seite, am Abend veranstaltete meine Gastfamilie ein Eis essen mit Freunden, um über die Niederlage ihrer Kandidatin zu trauern. Gleichzeitig haben wir am Fernsehen Proteste in mehreren Städten gegen den neuen gewählten Präsidenten verfolgt. Trotz Jugendlichen mit Trump- und Clinton-Kleidung scheint es keine außergewöhnlich politisch interessierte Jugend zu sein, die Anhängerschaft eines Kandidaten scheint eher von dem Elternhaus abzufärben. Als ich in den vergangenen Wochen Jugendliche Trump-Anhänger nach ihren Gründen für ihre Sympathie gefragt habe, wurde größtenteils über Clintons E-Mails gesprochen. Auch wenn diese erneut als nicht brisant eingestuft wurden, vertrauen ihr viele Menschen nicht. Sie scheinen eher ein Zeichen gegen Clinton statt für Trump setzen zu wollen. Clinton-Anhänger dagegen argumentierten oft, dass sie die erste Frau im Amt wäre. Auf meiner High School war die Stimmung am Mittwoch eindeutig aufgeheizt: Die Wahl hat viele Diskussionen und Streitgespräche ausgelöst, sodass der Schulleiter die Jugendlichen per Lautsprecher dazu aufrief, das Thema nun ruhen zu lassen.

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Zugegeben: Donald Trump war mir mit vulgären, rassistischen und diskriminierenden Aussagen gegenüber Behinderten, LGBTs, Frauen und anderen Gruppen im Wahlkampf eher unsympathisch. Ich bin prinzipiell ein Gegner von Rassismus, Homophobie und Sexismus, sodass Trump nie mein Herz erobern konnte. Mit für einen Politiker unangemessenen Posts auf Twitter aus der Vergangenheit wie „Ich habe noch nie eine dünne Person Diät-Cola trinken sehen“ konnte er bei mir als Präsident der Vereinigten Staaten auch nicht landen.

Am Dienstag war ich im Herzen von Detroit unterwegs und habe Menschen an einem Wahllokal befragt, für welchen Kandidaten sie gestimmt haben. Dort habe ich keinen einzigen Trump-Anhänger getroffen. Clinton-Wähler erzählten viel von bezahlbaren Universitäten, Toleranz und Frauenrechten. Dafür steht der Gewinner der Wahl, Donald Trump, aber nicht.

Am selben Tag gab ich ein Interview für einen Radiosender in Detroit und sprach über den eher wenig ausgeprägten Nationalstolz der Deutschen. Bevor ich in die USA kam, konnte ich mir nicht vorstellen ein Land oder eine Flagge zu lieben. Mein komplettes neues Umfeld hat eine tiefe Liebe zu den USA. Nach knapp drei Monaten habe ich die Erfahrung gemacht, dass man im Ausland seine Heimat zu schätzen lernt. Ich denke nun, dass an Nationalstolz, solange er für Freiheit, Menschlichkeit und Demokratie steht, nichts falsch ist.

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Als ich las, dass einige Deutsche sich vor allem um ihre Aktien fürchten, war ich enttäuscht. Es ist engstirnig nur auf die Beziehungen zu Deutschland oder Aktienkurse zu blicken. Die Wähler in Michigan haben beispielsweise die Initiative für öffentliche Verkehrsmittel abgelehnt. Bisher überhaupt nicht vorhandene Busse und Bahnen werden hier also so schnell nicht fahren. Auch innenpolitisch ging es bei der Wahl um wichtige Themen.

Ich akzeptiere Trump als neuen Präsidenten. Er hat in einer freien Wahl gewonnen, dieses Ergebnis sollte anerkannt werden. Als ich am Mittwoch Hillary Clintons und Angela Merkels Reden sah, war ich froh, dass sie selbst einem Donald Trump eine enge Zusammenarbeit anbieten, solange dieser die Rechte von Minderheiten achtet. Für mich ist genau das gelebte Demokratie. Trotzdem machen mir die jüngsten Entwicklungen Angst.“

Neues Video: Die Wahl in den USA

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Nach einem langen und harten Wahlkampf aller Kandidaten fand am Dienstag endlich die Wahl in den USA statt. Donald Trump ging als Sieger und zukünftiger US-Präsident hervor. Ich habe Wähler an einem Wahllokal getroffen und sie gefragt, für welchen der Kandidaten sie gestimmt haben.

Video: Klicke hier

Der 2. Monat auf der grünen Insel

Hallo ihr Lieben …

Es ist so komisch: Manchmal fühlen sich die zwei Monate hier schon nach einem halben Leben an und manchmal nach nur zwei Wochen. Soviel ist passiert und so viele Gedanken sind in meinem Kopf herumgeschwirrt.

Ich habe schon viel mehr das Gefühl hier her, nach Irland zu gehören. Vielleicht liegt das daran, dass ich das Land ein wenig besser kenne und auch schon ein bisschen was davon gesehen habe. Viele von den Touristen Attraktionen hier in der Gegend rundherum um Cork habe ich jetzt abgeklappert. Zum Beispiel das Blarney Castle mit dem Blarney Stone. Wenn man diesen Stein küsst, verleiht einem das die Gabe oder auch den Fluch niemals zu Reden aufhören zu können. Das ist einen Monat her und ich kann jetzt bestätigen: Doch, man kann 😀 😉

Ich habe mir den Fitzgerald Park und den Uni Campus des UCC angeschaut. Leider in einem ziemlich durchnässten Zustand aber es war trotzdem schön. Apropos `durchnässt´: Es regnet hier nicht ein bisschen mehr als in Deutschland. Im Gegenteil: wir hatten hier einige schöne und sonnige Tage. Allerdings hat mir meine Gastmutter erzählt, dass der letzte Oktober der trockenste seit über zwanzig Jahren war. Das hat also vielleicht nicht so viel zu bedeuten. Ich würde mal sagen: Glück gehabt 🙂

Besucht habe ich auch noch Cobh, eine kleine Hafenstadt ganz in der Nähe von Cork. Dies war der letzte Hafen, an dem die Titanic anlegte, und deswegen dreht sich ziemlich viel dort um dieses legändere Schiff. Cobh ist super niedlich und echt sehenswert.

Ein großes Ereignis hier in der letzten Zeit war Halloween … fast jedes Haus hatte irgendeine Art von Dekoration aufzuweisen und das Halloweenfieber hat wirklich jeden angesteckt.

Wie ich hier gelernt habe ist Halloween ursprünglich ein irisches Fest und stammt aus der keltischen Kultur und Vergangenheit der grünen Insel. Damals glaubte man an diesem Tag wäre eine Tür zur Welt der Geister geöffnet. So konnten einerseits die auf der Erde gefangenen Geister endlich ihren Weg finden, aber es konnten auch welche zurück auf die Erde kommen. Größtenteils waren das gute Geister, die gefeiert und verehrt wurden. Allerdings waren auch ein paar böse Geister die auf Rache aus waren unter ihnen. Und da man nie sicher sein konnte ob man nicht noch eine offene Rechnung mit einem Geist hat, fingen die Menschen an, sich zu verkleiden um nicht erkannt zu werden und dem Zorn zu entgehen …?????

Ich finde das echt spannend, dass alte Traditionen so lange überleben können. Wir durften uns dann an einem Tag in der Schule verkleiden. Ich bin als schwarzer Engel mit schwarzen Flügeln gegangen und es war echt ein lustiger Tag.

Außerdem habe ich mit unseren Nachbarn Kürbislaternen geschnitzt. Wir hatten richtig viel Spaß und irgendwie gehört das ja auch zu Halloween dazu ????

Am eigentlichen Halloweentag gab es denn eine riesige Parade in der Innenstadt, die ich mir natürlich nicht habe entgehen lassen und zusammen mit einigen Austauschschülern habe ich sie mir angeschaut. Die großen Figuren wurden durch große Metallkonstruktionen bewegt und von bunten Lichtern angestrahlt. Es war echt beeindruckend und alles in allem das beste Halloween meines Lebens. Was auch daran liegen könnte, dass ich Halloween in Deutschland noch nie richtig gefeiert habe. Gerade deswegen war es auch eine einzigartige Erfahrung.

Ein weiteres Erlebnis diesen Monat war unser Trip nach Monaghan. Das ist eine kleine Stadt in der Nähe der nordirischen Grenze. Zusammen mit anderen Austauschschülern hatten wir das organisiert. Mit dem Bus sind wir nach Dublin und dann weiter nach Monaghan gefahren. Das Fernbusnetzwerk ist hier sehr viel weiter ausgebaut und auch günstiger und beliebter als die Bahn. Das ist ziemlich praktisch und ich werde es bestimmt noch einige Male nutzen. In Dublin hatten wir fünf Stunden Aufenthalt, die wir nutzten um ein bisschen was von der Stadt aufzuschnappen.

Man merkt ziemlich stark den Unterschied zwischen Cork und der Hauptstadt Dublin. Es herrscht eine ganz andere Art der Geschäftigkeit und natürlich ist es auch um einiges touristischer. Ich habe das Gefühl Dublin ist eine schnelllebige Stadt in der an jeder Ecke etwas passiert. Man entdeckt Musikanten an jeder Ecke und Straßenkünstler die das Pflaster in bunte Kunstwerke verwandeln. Generell ist es sehr farbenfroh … die Fassaden sind gelb, grün, rot und blau, bunte Blumen hängen von den Straßenlaternen und die kleinen Zierbäume leuchten in kräftigen Herbstfarben im strahlenden Sonnenschein… ?????

Um es kurz zu sagen: Dublin ist eine Stadt, die einen schon nach der ersten Ecke in ihren Bann gezogen und um den Finger gewickelt hat! Auf jeden Fall werde ich hier wieder hinkommen, aber dann bringe ich mehr Zeit mit??

In Belfast haben wir uns dann das bekannte Titanic Museum angeschaut. Es war spannend aber nach all den schwärmenden Berichten vorher wurden meine hohen Erwartungen ein wenig enttäuscht. Natürlich war es gut und modern gemacht und ich habe auch einiges gelernt. Insgesamt habe ich mich in diesem Monat wahrscheinlich mehr mit der Titanic beschäftigt als in meinem ganzen Leben zuvor. Erst in Belfast, wo die Titanic gebaut wurde und dann in Cobh wo sie zu Letzt anlegte.

Von Belfast haben wir nicht so viel gesehen und im direkten Vergleich zu Dublin hat die Stadt nicht ganz so gut abgeschnitten. Schön war es aber trotzdem. Am letzten Tag unserer Reise haben wir uns das UNESCO Welterbe den Giant´s Causeway angesehen. Ich weiß auch gar nicht, wie ich es richtig beschreiben kann … ihr könnt es euch vorstellen wie ein großes Steinfeld aus eckigen Steinsäulen. Darauf kann man herum klettern und es führt weit ins Meer hinein. Drumherum sind eine beeindruckende Steilküste und hohe Klippen. Leider war das Wetter erst nicht so gut. Trotzdem haben wir viele Fotos gemacht. Die Steine waren ziemlich glitschig da die Wellen sich an den Steinen gebrochen haben und das Wasser hoch spritzte. Es war auch kalt und windig, doch das war es wert, denn es war einzigartig schön. Mit dem Licht, das schimmernd durch die Wolkendecke schien, dem Klang der Wellen und dem Geruch des Meeres in der Nase war es eine fast schon magische Atmosphäre. Traumhaft schön?

Nach zwei Stunden ging es dann schon wieder zurück. Auf dem Weg haben wir aber noch Halt gemacht bei den Dark Hedges. Das ist eine berühmte Straße mit uralten Bäumen die extra so gepflanzt wurden, dass sie eine Art Tunnel bilden. Dort werden häufig Szenen für ‚Game of Thrones‘ gedreht und auch für Filme wie ‚Transformers‘. Unser Busfahrer war der irischste Ire den ich bis jetzt kennen gelernt habe: rote Haare, langer roter Vollbart, blasse Haut, Sommersprossen und kräftige Figur. Außerdem war er super lustig und total entspannt. Richtig irisch eben … sogar in einem grünen Pulli??

Dieser Midterm-trip war echt der Hammer und hat sich richtig gelohnt. Es ist schön, ein bisschen mehr von Irland kennenzulernen. Und als wir zurück nach Cork gekommen sind hat sich das schon ein bisschen nach ´Nach-Hause-kommen´ angefühlt. Das zu merken war seltsam und wunderbar zu gleich.

Die Ferien sind jetzt eigentlich vorbei, aber da die Lehrer zu Zeit streiken haben wir noch ein bisschen länger frei. Da das Wetter richtig gut aber auch klirrend kalt ist, ist es super die letzten richtig schöne Tage nicht in der Schule zu verbringen …

So viel zu meinen Erlebnissen hier … wenn ich mich an all die Berichte erinnere, die ich gelesen habe bevor ich hier her gekommen bin, fand ich diese ganzen Beschreibungen von Ausflügen immer nicht ganz so spannend. Viel mehr hat mich interessiert, was in den Leuten vorgeht, die diese Berichte schreiben. Wie ihr Leben ohne die kleinen Beschönigungen aussieht, die man unwillkürlich einfügt.

Ich finde das eigentlich ganz schön unfair. Deswegen will ich auch ganz ehrlich mit euch allen sein. Das hier ist gleichzeitig schwerer und toller als man es sich immer vorstellt. Man vergisst all die traurigen, sehnsuchtsvollen und einsamen Momente mit der Zeit. Zurück bleiben die wunderbaren und leichten Erinnerungen, und doch muss man die blöden Momente erst mal überstehen. Die Einsamkeit ist dabei für mich das schlimmste. Denn selbst wenn du etwas unternimmst und neue Leute kennenlernst, ist es nie so, wie du es von zu Hause gewöhnt bist. Da ist niemand, mit dem du so reden, lachen und scherzen kannst wie du es mit den Leuten tust die du schon seit Jahren kennst.

Da sind jetzt neue Leute, die noch ganz schön fremd sind. Das macht es spannend aber auch einsam.

Es ist echt krass, wie viele Erwartungen man hat. Selbst wenn man sich vorher einredet, dass man die nicht haben sollte. Sie sind doch da. Dabei ist das Problem an Erwartungen, dass sie fast immer enttäuscht werden. Es ist immer wieder traurig, wenn eine weitere Erwartung enttäuscht wird. Und das passiert häufiger als man denkt.

Dafür wird man aber auch überrascht, wenn etwas unerwartet Tolles passiert. Und das passiert auch häufig 🙂

Wie ihr vielleicht herausgehört habt geht es mir hier schon ganz gut. Ich lebe mich immer weiter ein, gewöhne mich an die irische Kultur und den Alltag hier. Trotzdem sind da die Momente in denen ich zweifle, aber das gehört nun mal dazu. Deswegen: Immer nach vorne schauen und nicht den Mut verlieren 🙂 Denn anders geht es ja nicht.

 

Bis nächstes Mal,

Eure Neela

Urlaub, Geburtstag und vieles mehr

Die Zeit vergeht wie im Flug und ich bin tatsächlich schon 2,5 Monate in Südafrika und kann es gar nicht glauben! Da ich aber eigentlich die ganze Zeit unterwegs bin, habe ich nicht so viel Zeit zum Schreiben… Aber jetzt klappt es mal wieder!

Wie in meinem letzten Beitrag erwähnt, ging es für mich in den Frühlingsferien mit einer Schulgruppe nach Kapstadt und dieser Urlaub war einfach unglaublich! Ich hatte die Möglichkeit die größten Attraktionen Kapstadts zu sehen und vor allem eine komplett andere Seite Südafrikas kennen zu lernen! Echt verrückt wie unterschiedlich Regionen innerhalb eines Landes sein können…

Zu meinem Glück konnte ich sogar meinen Geburtstag in Kapstadt feiern und war so mit auch mit ganz vielen Freunden zusammen, welche mir einen wunderschönen Geburtstag machten!

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Nach dem Urlaub ging es dann auch schon wieder zur Schule, aber nach 3 Wochen fing dann auch schon die Blockphase an, das heißt,  man braucht nur noch zur Schule kommen, wenn man ein Examen schreibt und den Rest des Tages kann man zum Lernen (oder einfach zum Entspannen) nutzen. Am letzten Wochenende vor den anstehenden Examen gab es dann noch eine riesen Überraschung für mich, denn meine Gastfamilie und eine gute Freundin hatten eine Surpriseparty für mich organisiert! So feierte ich dann doch noch meinen 16 Geburtstag mit ganz vielen Freunden und es war das erste Mal dass es so warm bei meiner Geburtstagsfeier war (40°C), dass wir mehr im Pool als draußen gefeiert haben!

Außerdem hatte ich noch das Glück, mit meiner Familie in einen kleinen Safaripark in der Nähe fahren zu können und die ersten wilden Tiere hier zu sehen!

In drei Wochen, wenn die Examen vorbei sind, stehen dann auch schon die großen Sommerferien an und ich habe Dank meiner Eltern und Gasteltern das Glück, gleich zweimal in den Urlaub fahren zu können! Mit YFU nach Kapstadt und mit meiner Gastfamilie in die Nähe von Durban an den Strand!

Aber davor berichte ich bestimmt noch, wie es in Kapstadt war und vor allem, wie Weihnachten und die komplette Weihnachtszeit hier bei der Hitze abläuft!

Der US-Wahlkampf: Schauspieler Wil Wheaton im Interview

Mein Artikel in der Lokalzeitung „Soester Anzeiger“ zum Interview mit US-Schauspieler Wil Wheaton:

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Bereits am Dienstag werden die Bürger der USA entscheiden, ob sie Donald Trump oder Hillary Clinton als ihren Präsidenten haben möchten. Anzeiger-Mitarbeiter Nico Nölken aus Scheidingen, der aktuell in den USA lebt, berichtet von seinem Besuch bei einer Veranstaltung der Demokratischen Partei mit US-Schauspieler Wil Wheaton, der unter anderem durch „Star Trek“ und „The Big Bang Theory“ bekannt ist:

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„Hillary und Bill Clinton hatte ich bereits beide auf großen Veranstaltungen getroffen. Nun wollte ich wissen, wie der normale Wahlkampf in den USA abläuft und habe eine „Phone Bank“ mit US-Schauspieler Wil Wheaton besucht. Nach einigen Akkreditierungsversuchen war ich endlich erfolgreich und hatte die Erlaubnis Interviews mit Freiwilligen zu führen. Mal eben vorbeikommen und filmen ist hier unmöglich, zu groß ist die Angst der Partei, dass die Freiwilligen etwas falsches sagen.

Beeindruckt fuhr ich in ein Villenviertel und stand in einem Haus, an dem augenscheinlich nicht gespart wurde. Ich habe mich mit einigen Freiwilligen unterhalten und mir bestätigen lassen, dass wir Interviews führen können. Dann kam Wil Wheaton ins Haus. Er stand auf der Treppe und hielt eine Rede: Er erklärte, weshalb Wahlkampf für Clinton sinnvoll sei. In den USA ist Wheaton ein eher unbekannter Schauspieler, durch bis zu achtstündige Ausstrahlung von „The Big Bang Theory“ am Tag im deutschen Fernsehen allerdings ein bekanntes Gesicht. Dann kam meine Chance, ich konnte Wheaton interviewen. Die Pressesprecherin hatte zwei Fragen zugelassen und mir erklärt, dass der Schauspieler wenig Zeit hat. Wheaton persönlich beantwortete gerne mehr als nur zwei Fragen. Ich war glücklich, dass er sich gerne meinen Fragen stellte. Im Nachhinein scheint Wheaton der bodenständigste Mensch aller Anwesenden gewesen zu sein. Nach dem Gespräch ging er zurück zu den knapp zwanzig Freiwilligen und nahm sich ausgiebig Zeit für Selfies und ein gemeinsames Abendessen. Bezahlte Arbeiter der Clinton-Kampagne hatten mir vorher erzählt, dass die Veranstaltung nur offiziell als „Phone Bank“ ausgewiesen sei, diese aber nicht stattfinden wird. Das erste Interview, dass ich mit einer von mir ausgewählten Freiwilligen führte, wurde stets von der Pressesprecherin der Demokraten beobachtet. Als sich meine Gesprächspartnerin dann negativ äußerte, wurde das Interview beendet und die anderen Freiwilligen, die mir bereits ein Interview zugesagt hatten, standen nicht mehr für ein Gespräch zur Verfügung. Einen Grund haben die Vertreter der Partei auf Nachfrage nicht angegeben. Ein Video über meinen Besuch bei jenem Event und bei der Veranstaltung mit Hillary Clinton persönlich ist auf der Webseite und dem Youtube-Kanal des Soester Anzeigers veröffentlicht.“

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Wieso haben Sie auf Ihrer Webseite geschrieben, dass Sie für Bernie Sanders sind und nicht an Hillary Clinton glauben, machen nun aber Wahlkampf für Clinton?

Während der Vorwahlen haben wir alle die Kandidaten, an die wir wirklich geglaubt haben, so stark befürwortet wie wir konnten. Und zu dem Zeitpunkt dachte ich, dass Bernie Sanders viele meiner Werte widergespiegelt. Das hat er getan und tut er noch immer. Ich dachte, dass Hillary Clinton das nicht tut. Die Wahrheit ist, dass ich falsch lag. Ich habe eine Menge über ihre Positionen recherchiert. Ich fand dass sie bei fast allem, woran ich wirklich glaube, komplett mit Senator Sanders übereinstimmt. Ich denke, dass es in amerikanischer Politik und insbesondere zu diesem Zeitpunkt eine Menge Mut erfordert zu sagen, dass man falsch lag. In den Bereichen, in denen ich mit ihren Positionen nicht einverstanden war, hat sie gesagt, dass sie falsch lag.

Was macht Donald Trump so erfolgreich?

Ich glaube überhaupt nicht, dass Donald Trump erfolgreich ist. Man muss einfach nur die Leben, die er zerstört hat, betrachten. Wenn er das Geld seines Vaters genommen und es einfach investiert hätte, hätte er deutlich mehr Geld machen können als er bereits hatte.

Weshalb ist er denn in Umfragen erfolgreich?

Er spricht davon, Jobs zu schaffen zu wollen, aber hat viele seiner eigenen Arbeiter nicht bezahlt. Leute sagen, dass sie sich zurückgelassen fühlen. Sie fühlen sich vom amerikanischen Traum ausgeschlossen. Er spricht viel darüber, hat aber keine Lösung für das Problem. Seine Lösung ist, Migranten und anderen Ländern die Schuld zu geben. Er sagt einfach, dass er es richten wird und sagt dabei nicht, wie er es machen würde. Er denkt, dass man es sowieso nicht verstehen würde, wenn er es erklärt. So funktioniert unsere Demokratie aber nicht.

Was sagen Sie als Clinton-Anhänger zur E-Mail Affäre der Präsidentschaftskandidatin?

Ich habe eine Menge der E-Mails gelesen, die du angesprochen hast und was ich fand war nicht erstaunlich. Eine politische Kampagne hat über Politik gesprochen. Okay. Eine politische Kampagne hat ausgearbeitet, wie sie am effektivsten ihre Positionen an die Wähler bringen kann. Okay? Das ist nichts bedeutendes drin, außer man möchte ein „Burn Book“ (Abläster-Buch) für ein Jugendmagazin schreiben. Ich glaube, dass das jeder weiß.

Was halten Sie von Gegnern von Clinton?

Da ist ein gewisser Anteil von Amerikanern, der niemals für einen Demokraten stimmen wird. Da ist ein gewisser Anteil von Amerikanern, der einfach nicht die rechtsgerichtete Karikatur von Hillary Clinton zulassen will. Donald Trump ist deren Mann. Ich stimme mit denen nicht überein, aber hasse sie deshalb nicht.