Halbzeit

Als ich letztes Jahr gesehen habe, dass manche Austauschschüler Halbzeit in ihrem Auslandsjahr hatten, habe ich mich gefragt wie sich das wohl anfühlen muss. Zu wissen, dass Halbzeit ist. Nun erfahre ich es selbst.

Die Leute fragen mich, ob ich glücklich bin, bald wieder in Deutschland zu sein. Ich weiß nicht was ich darauf antworten soll. Ich freue mich natürlich auf meine Familie in Deutschland und auch darauf alle wieder zu sehen. Aber ich möchte mein Leben hier nicht verlassen. Natürlich kann ich wieder kommen aber es wird nicht dasselbe sein. Um ehrlich zu sein, hat es mich traurig gemacht zu wissen, dass ich “nur” noch 5 Monate hier habe. Aber ich freue mich auch auf Deutschland. Ich habe mit ein paar Austauschschülern darüber geschrieben, wie sie es finden und wir waren uns eigentlich fast alle einig. Die Zeit fliegt und wir können nichts dagegen ändern. Die nächsten fünf Monate heißt es jeden kleinsten Moment zu genießen.20160123_124217

In den fünf Monaten, die ich nun schon hier bin habe ich viel erlebt. Sehr viel.

Ich bin in ein für mich fremdes Land gefahren und nun ist es eine Art Zweites zu Hause geworden. In der Zeit habe ich gelacht, geweint, viel erlebt, viel gesehen und vor allem viel gelernt. Zugegeben, die erste Zeit war echt nicht einfach und ich war nicht immer so glücklich, wie ich es jetzt gerade bin aber das gehört doch auch einfach dazu. Die Sache, das ich nun nach fünf Monaten mich eingelebt habe und die Sprache halbwegs gut kann macht die Sache hier glücklich zu sein viel einfacher. Deshalb bin ich echt glücklich mich für ein komplettes Schuljahr entschieden zu haben, denn im zweiten Halbjahr, hab ich das Gefühl, fängt man richtig an dieses Jahr zu genießen.DSC_0005

Ich möchte gerne “Danke” sagen. Danke an alle, die ein Teil von der ersten Hälfte meines Auslandsjahres waren. Danke an alle, die mir das Auslandsjahr ermöglicht haben und Danke YFU. Ich kann sagen, dass ich mir keine bessere Organisation bis jetzt hätte vorstellen können und auch wenn erst eine Hälfte meines Jahres herum ist, hat YFU mir so viel gezeigt, geholfen und gegeben. Ich freue mich auf die nächsten 5 Monate!

Michelle

 

 

 

Gastfamilie, Sprache, Sport und Schule

Hallo Ihr Lieben,
es tut mir wirklich leid, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Nun bin ich schon einige Monate in Frankreich und es ist höchste Zeit für einen neuen Blogeintrag. ?
Heute berichte ich Euch etwas über meine Gastfamilie, die französische Sprache, mein neues Hobby und die Schule.
Et voilà…

Ma Famille d‘Accueil
Meine Gastfamilie, das sind meine Gasteltern, 4 Gastbrüder (21, 26, 27 und 29 Jahre alt) und Néra, eine stattliche, große, aber ganz liebe Hunde-Lady. Nur mein jüngster Gastbruder wohnt noch zu Hause. Die anderen 3 haben bereits mit ihren Partnerinnen eigene Wohnungen. Trotzdem sehe ich meine Gastbrüder häufig, denn sie sind sehr oft zu Besuch. Einer meiner Gastbrüder erwartet bald sein erstes Baby und ich finde es sehr spannend, dass ich das erste Enkelkind meiner Gasteltern in meinem Austauschjahr miterleben kann. Insgesamt ist die Familie natürlich noch viel größer und ich habe mittlerweile alle Großeltern, Tanten, Onkels, Cousins, Cousinen usw. kennengelernt, denn es finden regelmäßig Familientreffen und Familienfeiern statt. Eine besonders lustige Feier stand unter dem Motto Schick & Schock, bei der wir uns entsprechend ge- bzw. verkleidet haben.
Wir wohnen in einem Vorort von St. Étienne in einem schönen Haus und ich habe das Glück, im Dachgeschoss ein kleines, aber eigenes Zimmer zu haben.

La Langue Française
Das war ein echter Schock. 5 Jahre Französisch Unterricht am Gymnasium und trotzdem habe ich anfangs eigentlich NICHTS verstanden. Die Franzosen sprechen so schnell und verschlucken halbe Wörter, eigentlich halbe Sätze! Was für ein unangenehmes Gefühl, wenn um einen herum alle sprechen und du sie nicht verstehst. Und du möchtest etwas sagen, aber es funktioniert einfach nicht. Anfangs dachte ich, es ist viel zu schwer, die Sprache lerne ich nie. Aber auf wundersame Weise konnte ich nach 1 Monat dann doch Einiges verstehen und nach 2 Monaten auch Einiges sagen. Seitdem wird es von Woche zu Woche besser. Und je besser ich die Sprache kann, desto mehr erschließt sich mir mein Umfeld. Ich kann mich besser mit der Familie verständigen, mit Klassenkameraden plaudern, den Schulunterricht verstehen, selber einkaufen gehen usw. Das ist traumhaft! Französisch ist immer noch meine Lieblingssprache und ich bin weiterhin hochmotiviert sie noch zu verbessern! ❤️

Korfbal
Ich habe in Frankreich ein neues Hobby gefunden und es macht mir sehr viel Spaß! Sportbegeistert war ich ja schon immer und so wollte ich auch in Frankreich unbedingt in einen Sportverein gehen. Nach längerem Suchen (möglichst vor Ort, zeitlich passend, Gruppe passend, Gastfamilie einverstanden usw.) bin ich bei Korfbal gelandet.
Wahrscheinlich sagt das jetzt niemanden von Euch etwas. Ich kannte diese Sportart vor einigen Monaten ehrlich gesagt auch noch nicht. Korfbal kommt ursprünglich aus Holland (Korf=Korb). Diese Sportart ist zwar mittlerweile international bekannt, in Deutschland findet man sie jedoch nur selten. Korfbal kann man noch am ehesten mit Basketball vergleichen. Allerdings sieht der Ball anders aus, der Korb ist höher und es wird ohne Dribbeln gespielt. Wir trainieren einmal in der Woche und nehmen auch an Wettkämpfen teil. Mein Korfbal-Verein ist super sympathisch, die Leute sind total nett und gut drauf. Wir machen ständig Späße und haben eine Menge Gaudi!

Le Lycée
Zur Schule fahre ich jeden Morgen mit dem Bus in ca. 40 Min. Ich besuche in St. Étienne ein französisches lycée (Gymnasium), gehe in die Jahrgangsstufe Première (11. Klasse) mit dem Schwerpunkt ES – Économique et Sociale (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlicher Zweig). Auf mein lycée gehen ca. 430 Schüler und Schülerinnen. Allerdings ist das lycée nur ein Teil von einer großen Bildungseinrichtung mit mehreren Gebäuden und verschiedenen Schularten und Ausbildungsstätten. Insgesamt besuchen ca. 1800 Personen diesen Campus.
Schule in Frankreich ist endlos lang. Der Unterricht beginnt um 08:00 Uhr morgens und geht in meiner Klasse 3 Mal bis 18:00 Uhr und 1 Mal bis 17:00 Uhr. Nur der Mittwoch ist kurz, da ist bereits mittags Schulschluss. Zusätzlich haben wir ca. 2 Mal pro Monat samstags Schule. Meistens werden samstags Prüfungen geschrieben, für die unter der Woche keine Zeit ist.
Hier noch ein paar weitere Infos über die Schule in Frankreich:
Das Schuljahr ist in Trimestern eingeteilt. Eine Schulstunde dauert 55 Minuten. Es gibt fast ausschließlich Frontalunterricht. Der Unterrichtsstoff wird nicht an die Tafel geschrieben oder per Overhead oder Beamer an die Wand projiziert, sondern diktiert (und das in einem Eiltempo…puh) ?! Alle Tests sind angekündigt. Ausfragen sind sehr selten. Die Schule ist leistungsorientiert und anspruchsvoll. Das Notensystem ist anders als in Deutschland. Bei jedem Test gibt es 20 Punkte, die man erreichen kann. Genauso ist es dann im Zeugnis; 20 erreichte Punkte ist das bestmögliche Ergebnis. In Frankreich isst man vormittags keine Brotzeit in der Pause, so wie das in Deutschland üblich ist. Es gibt erst mittags wieder etwas zu essen. Es gibt eine Kantine und einen Kiosk. Aktivitäten, wie Schulorchester, Chor, Sport, AG’s usw. finden leider nicht statt. Das finde ich sehr schade. Man verbringt so viel Zeit in der Schule, aber eben nur für den Unterricht. Ein langer grauer Schulalltag…

Der Schaltrend
In Frankreich hat eigentlich jeder Jugendliche einen Schal. Das ist erst mal nichts Ungewöhnliches. Allerdings sind das keine normalen Schals. Es sind tischdeckengroße Tücher. Sie werden deshalb auch oft in der Schule als Decken benutzt. Ich musste diesem Trend auch nachgehen und bin nun stolzer Besitzer einer anziehbaren Tischdecke ???.

Wohlig warm eingekuschelt sende ich Euch ganz herzliche Grüße aus Frankreich!
Bis zum nächsten Mal,
Eure Sandra

Bald ist Halbzeit.

Hallo ihr Lieben!

Es ist unglaublich. Die Zeit vergeht, nein sie rennt sogar. Einfach davon. Dagegen ist leider überhaupt Nichts zu machen, sie lässt sich nicht aufhalten. Wichtig ist es aber, diese Zeit zu nutzen. So viele Erfahrungen wie möglich zu machen und es zu genießen!

In meiner letzten Zeit hier habe ich viel erlebt. Ich glaube, dass geht jedem Austauschschüler so wenn die Weihnachtszeit da ist, dann Silvester kommt und man gleichzeitig auch noch Ferien hat. Außerdem sind die Sommerausgereisten jetzt auch schon ungefähr 5 Monate weg von Zuhause. 5 Monate! Einfach weg.

Die bulgarischen Weihnachtsferien fingen am 24.12, also relativ spät, an und den ganzen Vormittag haben wir gekocht – Alles vegane Speisen, denn bis zu diesem Tag geht die Fastenzeit der Orthodoxen Kirche und am Abend des 24. gibt es nur Veganes. Das hängt auch damit zusammen, dass Gott möchte, dass die Menschen sich möglichst lange dem Beten widmen und nicht den ganzen Tag mit dem Zubereiten von tierischen Speisen verbringen.

Am Abend kam dann die ganze Familie zu uns. Erst wurde gebetet und es gab eine Art Ritual zur Vertreibung des Teufels und anschließend haben wir gegessen. Auf dem Tisch befindet sich auch immer eine ungerade Anzahl von Gerichten. In Bulgarien wird typischerweise immer lange gegessen und so hat auch dieses Essen ca 4 Stunden gedauert. Die meiste Zeit wird nämlich geredet und ich finde das wirklich super, auch um das Familiengefühl zu stärken! Normalerweise werden die Geschenke erst am 25. ausgepackt, bei meiner Gastfamilie jedoch schon am Heiligen Abend, denn die ganze restliche Familie geht ja wieder weg und es ist so am aller einfachsten gewesen. 🙂

Am 25. waren wir bei der Großmutter zum Mittagessen eingeladen und es gab (hoffentlich habe ich das richtig geschmeckt 😉 ) Ente in Sele… Das ist so Kraut, aus irgendwelchem Kohl und leicht säuerlich. Die Großmutter macht immer gutes Essen. Ich mag es, dorthin zu gehen. Sie ist zur Hälfte Österreicherin und kann deswegen, auch wenn sie es langsam vergisst, ganz gut Deutsch sprechen.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es dann endlich los in den Urlaub. Wir haben eine Villa in den Bergen und dorthin sind wir auch gefahren, um für einige Tage Snowboarden, beziehungsweise Skifahren zu können. Ich habe noch nie davor eines dieser beiden Dinge gemacht und mich dann für das Snowboarden entschieden. Es war lustig bei diesen Unterrichtsstunden. 100 Mal hingefallen. 300 Mal gedacht “Was tue ich hier eigentlich?” und dann war es umso schöner, wenn die ersten Dinge geklappt haben! Und gerade das macht das Auslandsjahr aus! Neue Dinge auszuprobieren und alles mitzunehmen, was geht. <3

Vom 1.1. zum 2.1. habe ich das erste Mal auf Bulgarisch geträumt. Das Gefühl nach dem Aufwachen war einfach so unbeschreiblich wunderbar!

Meine Ferien waren leider recht kurz und so ging es ab dem 4.1. auch schon wieder in die Schule. Alltag. 🙂

Aber ja, dieser Alltag ist großartig. Ich fühle mich hier zuhause. Und ich verstehe auch, was damit gemeint ist, dass man bei einem halbjährigen Austausch dieses Gefühl vielleicht nicht wirklich bekommt, denn die ersten Monate ist immer alles neu und man muss sich an alles gewöhnen. Situationen. Die Sprache. Freunde finden. Hobbies finden. Sich an die Regeln gewöhnen und auch mit der Gastfamilie eine richtige Familie zu werden.

Bis dahin erstmal,

Сузи