Archiv für den Monat: August 2015

Meine lustige Gastfamilienwoche

Mit laufenden Tränen, roten Gesichtern und abertausenden Kamerablitzen verlassen wir unsere engsten Freunde aus Osteuropa. Sie werden nun im Laufe des Tages in ihr Heimatland fliegen, obwohl viele gar nicht möchten. Meine liebe Gastfamilie, wir kennen uns vom Schreiben via Whatsapp (Technik, die begeistert ;), holte mich etwas später, etwa gegen halb elf. Letztendlich lag es aber auch daran, dass noch das halbe Camp mit dem Selfiestick ankam… Auch von den Türken verabschiedeten wir uns emotional – mit Selfies… Sie kehren nun zurück nach Ankara, Trabzon, Bursa, Kayseri oder in ihr Haus hier in İzmir. Aber wir sind sicher, dass wir uns alle wiedersehen! 🙂 Schließlich leben wir im Zeitalter von Facebook und WhatsApp. 😉

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Meine Gastfamilie, das sind Gastvater Kazım, Gastbruder Utku und Gastmutter Sevgi, die Zuhause auf uns wartete. Das Zuhause ist ein kleines, 8-räumiges Appartement im 4ten Stocke. Es befindet sich etwa eine halbe Stunde entfernt im Nordwesten der riesigen Stadt İzmir. Die Umgebung erinnert mich an das Straßensystem New Yorks: Wie ein Schachbrett stehen reihenweise fast identische, weiß-braune Appartements nebeneinander, getrennt durch Tannen und kleine Vorgärten. Ganz anders hingegen ist es innen! Ein gerader, langer Flur verbindet die Einzelräume miteinander. Weiße, teils kunstvoll und schön verzierte Wände ziehen sich hinter glänzenden Holzmöbeln entlang. Der größte Raum, meine Gastfamilie nennt ihn „Salon“, ist eine Art Wohnzimmer mit drei Sofas.

Ich schlafe mit Utku, meinem Gastbruder, und Tona, seinem Freund, in seinem Zimmer: Ein paar Schränke, Bücher, ein Rechner mit der neuesten PlayStation, ein Schreibtisch und ein Doppelstockbett mit herausziehbarem, drittem Bette, das klassische Jugendzimmer eben.

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Ich glaube, am ersten Tag sahen wir nur noch Filme, denn es war wirklich sehr warm. In einigen Räumen gab es aufgrunddessen Klimaanlagen, die frischen Wind in die gute Stube blasen. Ich half  Kazım beim Kochen und Zubereiten, während Utku und Sevgi derweil den Tisch deckten. Genau weiß ich nicht, was es war, aber ich tippe auf Tomaten mit Zucchini, Couscous, Reis und einem nicht-identifizierbaren Nachtisch. Ich aß alles, es schmeckte wundervoll! Meine Gastfamilie ist an sich nicht sehr traditionell türkisch, eher westlich geprägt! Die Kochkunst und Auswahl der exotischen Speisen hingegen ist unverkennbar türkisch, worüber ich mich sehr freue. 🙂

Während der nächsten Tage gingen wir jeden Tag shoppen. Auf dem Bazar in verschiedenen Stadtteilen wie Konak, Karşıyaka oder Çeşme war Eden auf Erden: Orientalische Lampen, kunstvolle Schachbrette, bunte, weiche Stoffe in allen Farben, witzige Hüte – Türken stehen auf Hüte^^, traditionelle und auch moderne Kleidung, viele Läden, wo in großen Säcken gewürze verkauft werden, Kaffeläden, aber auch klassische Läden mit glitzerndem Krimskrams für den Touri! Gemeinsam mit Utku und Tona gingen wir in ein großes Kaufhaus. Sie erzählten mir, dass sie diese lieber mögen: Viele Türken gehen gerne auf den Bazar zum Handeln und wegen der großen Auswahl. Im Kaufhaus ist das Angebot begrenzter, es gibt feste (teils europäische^^) Preise und die Ware ist oft importiert. Utku findet die Kaufhausatmosphäre angenehm, auch weil hier garantiert nur westliche, geschäftige Türken umherlaufen und Taschendiebe  oder aufdringliche Verkäufer diesen Ort meiden. Das ist nicht ganz mein Geschmack: Es ist teuer, die Ware ist US-amerikanisch (hier: langweilige Jeans und dunkle, einfarbige Schlabberhemden) und es gibt nichts Besonderes, wir tranken also einen Cappuccino bei Starbucks.

Mittwochabend kam Sevgi früh von der Arbeit wieder. Sie konnte also kochen, wobei ich sie begleitete. Sie fertigte eine gefüllte Aubergine an und backte sie ihm Ofen. Mir gab sie Schnittlauch und ein Messer zum Kleinhäckseln. Sie gab dazu kleingewürfelte Kartoffelstücken und ein gewürfeltes Kochei. Dazu gab ich noch etwas Salz und Pfeffer, sowie einen Schuss Olivenöl. Was auch immer es war, – sie nannte es „Salat“ – es schmeckte unglaublich lecker! 🙂
Als ich ihr nach dem Essen sagte, wie es mir schmeckte, klopfte sie sich auf die Schulter und sagte: „Tja, ich bin nicht nur eine Schönheit, sondern auch die beste Köchin!“ Alle am Tisch fingen an zu lachen. Im Übrigen fragt ihr euch bestimmt, wie wir kommunizierten, oder? Ganz einfach: Soweit es geht, versuchte ich Türkisch zu sprechen und Neues zu lernen. Mit Sevgi sprach ich auch viel Englisch, weil sie gerne ihr Englisch verbessern möchte. Die ganze Familie spricht verhältnismäßig sehr gutes Englisch, wir verstanden so ziemlich immer, was der Andere möchte. 😀

Am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam zu einem alten Monument von etwa 2000 vor Christus. Es handelt sich um eine Gravur in Stein eines Wächters, der die Stadt beschützen soll. Es erinnert mich an den ägyptischen Gott أوزيريس  (Osiris), was auch immer er hier macht. O.O
Danach fuhren wir weiter, denn Kazım wollte mir unbedingt etwas zeigen: Wir kamen an in einer kleinen Stadt, eher Dorf, welches sehr verlassen war. Es waren vielleicht 4 Menschen zu sehen, wenn überhaupt. Ich folgte ihm hinauf zu einem kleinen Haus, wo ungewöhnlich viel Hitze herauskam. Ich sah 5 Männer mit nackten Füßen auf dem Boden sitzen. Eine Hand hielt einen Eisenstab in einen heißen Steinofen, die andere Hand hielt eine Zange mit einer schimmernden Flüssigkeit fest. Kazım erklärt, dass hier die berühmten „Nazar Boncuğu“ hergestellt werden. das sind abgeflachte blau-weiß-schwarze Glasaugen, die in Schmuck eingearbeitet werden, aber auch in Alltagsgegenständen, Dekor und sogar Wänden und Fußböden zu finden sind. Nazar Boncuğu hat einen Volksglauben, schon aus der Antike. Das Auge soll Unglück abwehren und ein glückliches Leben ermöglichen. Daran glaubt auch meine Gastmutter Sevgi. Auch ich kaufte mir ein paar schöne Dinge, zum Beispiel einen Baum aus Glas mit diesen Augen dran und Weiteres. Als wir nochmal in dem Häuschen waren sah ich zu, wie einer der lieben Arbeiter mir einen Fisch schmolz. Einen Glasfisch mit zwei Nazar Boncuğular drin. Er bewacht jetzt meinen Zimmereingang! 🙂

IMG_6397Auch sehr schön war der Besuch im Archäologiemuseum der Stadt. Es gab Funde aus Griechenland, dem antiken Osmanischen Reich, aus Ägypten oder aus Konstantinopel, dem heutigen İstanbul. Witzig war, dass die Exponate ohne Glaskasten, Seilabsperrung oder Ähnliches frei im Raum standen –originell! Die Türken hegen scheinbar kein Interesse, sich an den Exponaten zu vergehen, geschweigedenn, sich daraufzusetzen – für mich eine völlig neue Erfahrung!

Es gab noch sehr viel mehr Erlebnisse während der letzten 6 Tage in der Türkei und ich lernte noch Freunde der Gastfamilie kennen, mit denen wir zusammen aßen, etc. Besonders an meinen lieben Bora werde ich mich erinnern. Wir redeten stundenlang, kamen super zurecht und er kaufte mir einen schöne Tasche! <3
Unseren letzten Abend verbrachten wir, Sevgi, Kazım, Utku und ich auf einem Turm in einem Café, von dem aus man über ganz İzmir schauen kann. An diesem Abend gab es eine Art Gewitter in der Ferne: Es wurde endlich mal kühl, yes!!! 😀 Aber auch nach dem 50sten Photo von der gleichen Stelle schaffte ich nur 2, auf denen Blitze zu erkennen sind…^^

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Ich bin sehr dankbar, dass wir eine ganze Woche Spaß zusammen erlebten. Auch bin ich froh, dass sie mir einen tieferen Einblick in die Stadt İzmir gaben, sowie Erinnerungen und fürs Leben. Vielen Dank an Sevgi, die beste Köchin, Kazım, der mich auch morgen nicht im Schach schlägt, Utku, der gnadenlose Sturmangreifer in Battlefield, Tona, dir viel Erfolg bei deinem Austausch nach Schweden, Bora, den ich lieb habe, wir sehen uns wieder ;), Poyras, mit dem ich mein Türkischvokabular erweiterte und an den lieben Arbeiter am Glasofen. 🙂

Akuma für das Merhaba-Blog-Team

„Bis in einem Jahr.“ – Abschiedsfeier, Kofferpacken & Co.

Hey Leute!

In etwa einer Woche geht es schon los und von vielen Freunden und Verwandten habe ich mich schon verabschiedet. Es ist jedes Mal ein komisches Gefühl – diese Vorstellung, dass sie einfach ein Jahr nicht da sein werden, dass das Leben in Deutschland ohne einen weitergehen wird, dass man sich selber verändern wird und dass danach nichts genau so sein wird, wie es vorher war.

Am 03.08. hatte ich meine kleine Abschiedsfeier. Wir waren „nur“ zu 6., weil es dann viel persönlicher ist und ich es mehr mag, wenn wirklich nur die engsten Freunde dabei sind. ^.^ Auf jeden Fall hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte vorher ein Paar Salate vorbereitet, unter Anderem den für Bulgarien typischen „Shopska Salata“, in dem Schafskäse und ganz viel Gemüse und ein paar Kräuter enthalten sind und meine Mama hat für uns gegrillt. Außerdem haben wir einfach nur Spaß gehabt und geredet, Stadt-Land-Fluss  und BlackStories gespielt.

Inzwischen habe ich auch meine 4-Wochen-Sprachkursfamilie für Sofia, die aus einer Gastmutter, einer Gastschwester (12) und einem Gastbruder (7) bestehen wird. Mit Katya, der Gastmutter habe ich schon ein wenig über Facebook kommuniziert und sie ist richtig nett!

Auch wenn noch ein bisschen Zeit bleibt, habe ich schon das Meiste in meinen Koffer gepackt und erstaunlicherweise hat es dank Vakuumbeuteln gut reingepasst und tatsächlich sind die maximal erlaubten 23 Kilogramm auch nicht zu wenig. Ich finde, dass es echt lustig aussieht, wie in der einen Hälfte einfach fast nur Süßigkeiten und eingepackte Gastgeschenke liegen. 😀

Das war jetzt vermutlich der letzte Eintrag aus Deutschland. Ich melde mich aus Bulgarien zurück, sobald sich mir dort die Möglichkeit eröffnet und nächstes Mal, wenn ich herausgefunden habe, wie man die verkleinert, gibt es bestimmt auch ein Bild! 🙂

Liebe Grüße, Susi

 

 

Mein Visum

Hey, es ist Zeit für meinen nächsten Beitrag.

Ich habe gestern mein Visum bekommen, worüber ich sehr glücklich bin, da ich Angst hatte, dass es zu spät ankommg und ich erst später fliegen kann als die anderen.

Mein Reisepass mit dem Rücksendebrief

Mein Reisepass mit dem Rücksendebrief

Am 15.08.2015 findet meine Abschiedsfeier statt, vielleicht berichte ich dann nochmal, sonst spätestens am 21.08.2015.

Bis dahin,

Larissa

Start ins Unbekannte

Hamburg, den 04.08.15

In genau 10 Tagen werde ich am Hamburger Flughafen stehen, in ein Flugzeug steigen und meine Reise ins Unbekannte starten.

Wenn ich an das Bevorstehende denke, fühle ich Aufregung, Freude, Neugierde und Angst zu gleich.

Meine Reise wird mich in das 8.500 km entfernte Südkorea führen. Genau das Korea, das den bösen Nachbarn Nordkorea hat und das man meist mit den Handyherstellern Samsung und LG oder den Automarken KIA und Hyundai verbindet.

Ein kleiner Fleck auf der Landkarte zwischen China und Japan.

Doch dieser kleine Fleck hat 50 Millionen Einwohner und ist eines der weit entwickeltsten Industrieländern der Welt.

Genau in dieses Land werde ich fliegen und 11 Monate in einer Gastfamilie leben. Wenn ich in Korea angekommen bin, werde ich erst für drei Tage ein Orientation-Camp mit YFU-Austauschschülern aus der ganzen Welt haben und danach in die Gastfamilien gehen.

Ich werde in Daejeon leben, das ungefähr 1 Stunde von der Hauptstadt Seoul entfernt ist und 1,5 Millionen Einwohner hat. Es wird auch das Silicon Valley von Südkorea genannt, weil dort alle großen Technologiefirmen ihren Hauptsitz haben.

Mit meinen Gasteltern und meinen beiden Gastschwestern habe ich schon viel Kontakt. Die Ältere von den beiden, wird für ein Jahr nach Schweden fliegen, während ich in Korea bin.

Ich selbst stelle mir viele Fragen, über die ich mir den Kopf zerbreche, aber noch leider keine Antwort darauf weiß.

Wie wird es in der Gastfamilie sein? Ob ich mich mit ihnen verstehen werde? Werde ich in der Schule zu recht kommen? Werde Ich Freunde finden? Wie wird der Kulturschock sein?

Alles wird neu sein und ich bin neugierig, dies alles kennen zu lernen.

Als ich im Februar auf meiner VBT (Vorbereitungstagung) gewesen bin, war das Auslandsjahr noch so weit weg. Man muss sich das Besprochene erst einmal wieder präsent machen. Jeder der ins Ausland geht oder schon war, hatte irgendeine Form der Vorbereitung gehabt.

Meine fing, wie gesagt, mit der VBT an. Diese eine Woche war etwas besonderes. Dich verbindet etwas mit den Leuten, die du dort triffst. Ihr alle habt das gleiche Ziel und die gleichen Ängste. Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich nur sagen, dass diese Woche einen nachdenklich stimmt und einem auch die Augen öffnet für was mach sich entschieden hat.

Dieses eine Jahr ist eine Chance, die ich und viele andere nutzen wollen.

Zusammen mit einer Freundin, die auch ins Ausland gehen wird, habe ich eine Abschiedsfeier gemacht und viele von unseren Freunden waren da. Es war wirklich ein sehr schöner und irgendwie auch besonderer Abend für mich. Ich habe daran gedacht, was ich bei einer Frage in meiner Bewerbung geschrieben habe.

Warum ich genau nach Korea möchte.

Ich habe geschrieben, dass mich die Kultur und die Sprache neugierig machen und ich das Land erleben und nicht nur davon träumen möchte, dort irgendwann mal zwei Wochen Urlaub zu machen. Ich möchte etwas von meiner Kultur erzählen und die Kultur dort kennen lernen und verstehen. Ich möchte Mitglied einer Familie werden und dort auf eine Schule gehen, denn wie könnte man ein Land und seine Kultur besser kennenlernen, als dort für ein Jahr mit den Menschen zusammen lebst.

Als ich mir dies noch einmal vor Augen geführt habe, ist für mich klar gewesen, dass Südkorea eine Chance ist, die ich nutzen kann und will.

Natürlich wird es auch Zeiten geben, die nicht gerade rosarot und Friede, Freude, Eierkuchen sind, aber Dinge, die auf den ersten Blick total schlecht wirken, können auf den Zweiten doch zu etwas Gutem werden. Also positiv an die Dinge herangehen und sich nicht durch irgendwelchen unbegründeten Ängsten und Zweifel von etwas abhalten lassen.

Wie schon gesagt sind es noch 10 Tage und ich freue mich, dass es nun endlich bald los geht. Zwar muss ich noch meinen Koffer packen, aber das schaffe ich auch noch.

Nächstes Mal dann aus Korea 🙂

Maxi

P.S: Ich habe auch Instagram, falls jemand noch mehr Fotos sehen möchte…

Mein Name ist sora.maxi