Die Ereignisse des vergangenen Monats und immer wieder neue Lieblingswörter;)

Fast pünktlich nach ein bisschen mehr als einem Monat melde ich mich wieder, früher war aber leider echt keine Zeit, etwas zu schreiben. In diesem Monat ist natürlich wieder einiges passiert, also fange ich einfach mal an, alles der Reihe nach zu erzählen. Aber beginnen möchte ich mit ein paar allgemeinen Dingen.

In der Familie ist vieles jetzt schon sehr eingelebt, ich merke, wie ich teilweise neue Gewohnheiten habe und wie mir die Menschen, die ich vor wenigen Monaten kaum kannte, ans Herz wachsen. Mein tschechischer Alltag gefällt mir und ich könnte mir gar nicht wünschen, irgendwo anders zu sein. Mit der Sprache ache ich auch weiterhin Fortschritte, wobei mir meine Mitmenschen eine riesige Hilfe sind: wenn ich irgendwelche Fragen habe, Fehler mache oder ewige Pausen, bevor ich wieterrede, helfen mir meine Gastfamilie oder meine Freunde in der Schule immer gerne weiter;). Mittlerweile frage ich mich, warum ich nicht eher darauf gekommen bin, eine slawische Sprache zu lernen – Tschechisch ist dem Slowakischen so ähnlich, dass ich das fast so gut wie Tschechsich verstehe und einige andere Sprachen wie kroatisch oder slowenisch kann man beim Lesen mehr als zur Hälfte erraten. Als ich das so mitbekommen habe, wurde das zu einer weiteren Motivation diese manchmal echt verwirrende, aber schöne Sprache weiterzulernen:). Ein anderer Grund sind aber schöne Wörter wie strašidlo (=Gespenst; weil man mir das ein bisschen falsch erklärt hatte, habe ich zwei riesige Hunde als strašidla deklariert…), čarodějnice (=Hexe; ich war in der Bücherei und habe mir Hexe Lilly auf Tschechisch ausgeliehen) und noch viele mehr. Mein Lieblingswort ändert sich fast jeden Tag;)).

Nun aber zu den Ereignissen des letzten Monats, und zum Glück schreibe ich mir vieles auf, sonst hätte ich löngst die Hälfte wieder vergessen.

Anfang Oktober kam ein YFU-Tschechien-Mitarbeiter in meine Klasse, um ein bisschen etwas über YFU zu erzählen, Werbung zu machen und Fragen zu klären. Das war eine schöne Überraschung und war ganz interessant – ein paar Mitschüler haben Fragen gestellt, die sie sich anscheinend nicht getraut haben, mir zu stellen;) und andere überlegen sich sogar, ob sie auch ein Jahr im Ausland verbringen wollen. Am gleichen Tag hatte ich mit meinen Gastgeschwistern einen Fototermin, eine in meinen Augen ziemlich tschechische Tradition, um später Erinnerungen zu haben Wir hatten ein Auto voller verschiedener Outfits und Accesoires und die Fotografin hat uns n einigen verschiedenen Orten in der Stadt fotografiert. Das ganze hat über zwei Stunden gedauert, aber die Erinnerung ist garantiert und es sind echt schöne Fotos dabei – Weihnachtsgeschenke für zu Hause:))!

Einige Tage später sind wir mit der Schule für vier Tage nach Deutschland gefahren. Und nein, es war überhaupt nicht langweilig, traurig oder blöd. Es war eine unglaubliche Erfahrung als deutsche Tschechin in Deutschand zu sein. Meine Schule hat in Rohr in Niederbayern eine Partnerschule, so haben wir auch einen Tag mit deutschen Schülern verbracht und ich konnte gleich mal übersetzen;). Neben der Schulaktion (, was in meinem Fall ein Zumba-nachmittag war; es standen noch Kunst, Musik und Judo zur Wahl) haben wir sehr viel Tourismus gemacht. Auf der Hinfahrt, die um eins in der Nacht begann, haben wir eine Pause in Salzburg gemacht und später stand noch eine Bootsfahrt auf dem Chiemsee auf dem Programm. In den folgenden Tagen waren wir in Regensburg zur Stadtbesichtigung, in München in der Innenstadt, in der Allianz-Arena und in der BMW-Welt und in Dachau in der KZ-Gedenkstelle. Das alle aus einer tschechischen Sicht zu sehen und für Außenstehende als tschechin zu gelten, war unglaublich interessant und hat den ein oder anderen Verkäufer in Souvenir-Shops oder in der Bäckerei verwundert, wenn die ,,Tschechin´´ auf einmal normales Deutsch spricht..;)). Auf dieser Deutschlandreise habe ich aber nicht nur ziemlich viel von der tschechischen Kultur, sondern auch meine Mitschüler besser kennengelernt.

Neulich war ich dann das erste Mal mit der Mappe beim Orientierungslauf unterwegs. Normalerweise trainieren wir draußen im ,,Stadion´´, in der Natur oder jetzt im Winter auch in der Halle einfach nur das Laufen, aber nun haben wir das auch einmal in echt aber ohne Wettkampf ausprobiert. Wir hatten Landkarten, einen Kompass und Lampions, die wir an den Stationen aufhängen sollten. Die ganze Aktion war echt richtig interessant, ich habe vorher nicht gewusst, dass sogar einzelne Bäume oder kleine Hügel auf so einer Karte markiert sind. Noch dazu sind wir ziemlich viel einfach so querfeldein gelaufen, weil das kürzer war. Der erste Wettkampf, an dem ich teilnehmen kann, wird aber erst im Frühling sein, ich bin schon sehr gespannt wie das wird, denn es ist mir beim Üben nicht immer leicht gefallen, zu sagen, wo wir gerade waren.

Pünktlich zu den ersten kalten Tagen in diesem irgendwie wunderschönen Herbst kam das wunderbare Winterpaket aus Deutschland, nochmal ein riesiges Danke an meine Familie dafür:). Jetzt bin ich, weil ich ja die Wintersachen habe und der Radweg endlich fertig ist, die erste Male mit dem Fahrrad zur Schule gefahren. Das tut mir echt gut, da ich hier deutlich weniger Sport mache und mir ab und zu ein bisschen Bewegung fehlt.

Letzte Woche hatten wir fünf Tage lang Herbstferien und meine Gastfamilie hat mich für ein leider sehr kurzes Wochenende nach Prag mitgenommen:). Wir haben sehr, sehr viel gesehen und die Prager Altstadt ist wirklich unglaublich schön, ich muss unbedingt nochmal dorthin zurückkommen. Das ganze Flair der Großstadt hat mir richtig gut gefallen, aber bei uns auf dem Lad finde ich es auch gut – dieser Herbst ist irgendwie wirklich schön, die Sonnenauf- und -untergänge sowie die Landschaft sehen echt schön aus. Außer Tourismus haben wir auch einen kleinen Shoppingausflug in Prag gemacht, was für uns Landleute eine Besonderheit ist und was ich natürlich ausgenutzt habe;).

Natürlcih darf auch in diesem Artikel taneční nicht fehlen. Noch ganz habe ich mich nicht an den Tanzkurs gewöhnt, aber jede weiteren zwei Stunden gehen schneller rum und manchmal fängt es an, richtig Spaß zu machen. Das Allerbeste war aber letzter Freitag. Wir hatten ein Motto – und nein, es war nicht Halloween! – sondern COUNTRY:) und dementsprechend kamen dann an die siebzig Jugendliche in Cowboy- und Country-outfits. Es war einfach unglaublich, wie ernst das alles genommen wurde und wie schön dieser Abend war. Ich hatte durch Zufall ein einigermaßen passendes Kleid von der Tante meines Gastvaters bekommen und mit einem Kopftuch war auch ich westernmäßig verkleidet. Wir haben passsende Tänze zur passenden Musik getanzt und ich würde das auf jeden Fall noch einmal mitmachen. Leider habe ich noch keine Fotos von diesem Abend, sie kommen dann das nächste Mal nach.

Gestern hatten wir das erste YFU-Treffen mit den Gastfamilien. Die vier Familien, die gekommen sind, drei YFU-Freiwillige und wir Austauschschüler haben in einem Restaurant zu Mittag gegessen und waren danach noch draußen. Es tat richtig gut, die anderen mal wieder zu sehen und sich ausgiebig zu unterhalten und ich freue mich auf das nächste Treffen.

Ich hoffe, dass ich nichts Wichtiges vergessen habe und dass ich euch einen weiteren Einblick in mein tschechisches Leben geben konnte.

Mějte se hezký a Ahoj,

Eure Natalie

Leider hatte ich einige Probleme mit den Fotos, aber umso weniger Zeit, also versuche ich die einfach nächstes Mal hinzuzufügen.