Archiv für den Monat: November 2013

Zeitraffer

Wenn Mitte November, also nach drei Monaten Auslandserfahrung bzw. annähernd 100 Tagen/ mehr als einem Viertel der Zeit, der zweite Erfahrungsbericht folgt, plädiere Ich in meinen Fall darauf mich hier in Estland recht gut eingelebt zu haben. Dass ist überhaupt das praktische am Austauschschüler sein – mann kann sich Freiheiten rausnehmen- – einmalige- Ich erinnere mich an eine Situation im Englisch Unterricht bei der ich meine Hausaufgaben nicht hatte- auf die Frage ob ich diese gemacht hätte antwortete ich also mit „ei“ dem estnischen „nein“ und alleine, dass ich das ganze -die Antwort -auf Estnisch gegeben hatte, wurde so freudig aufgefasst, dass die eigentlich Tatsache, nämlich das ich diese nicht gemacht hatte überhaupt nicht mehr von Bedeutung war.

Sprache ist überhaupt der nicht zu unterschätzend Faktor im ganzen Spiel. Mit Estnisch habe ich mir hierbei allerdings ganz besonders tief ins Fleisch geschnitten. Estnisch eine Sprache, die findet sie denn überhaupt mal Erwähnung, nicht selten als eine der schwersten Sprachen der Welt betitelt wird. 14 Fälle verfehlen ihre Wirkung nicht, zur Erinnerung die deutsche Sprache hat 4 Fälle. Nichts desto trotz lässt es sich auch in meiner Haut recht gut leben und ich mache langsam aber sicher Fortschritte, grammatikalisch unkorrekt- wobei ich den tipp meines Klassenlehrers: Wenn du jetzt anfängst dich mit Grammatik zu beschäftigen, lernst du die Sprache in diesem Jahr ganz bestimmt nicht mehr“ gerne beherzige. So bin ich etwa seit gestern, dem 16. also dem tag an dem ich seit genau 3 Monaten hier bin, krampfhaft versucht Zuhause nur noch Estnisch zu sprechen.

Allgemein fühle ich mich zuhause sehr wohl, von Tag zu Tag mehr bzw. vertrauter, so wohl, dass ich mir das Leben so wie es gerade ist ohne meine „pere eestis“ kaum vorstellen kann.

Zugegeben einen relativ routinierten Alltag habe ich schon vor Wochen gefunden, aber mit jedem Tag festigt dieser sich mehr und mehr, so…

– stehe ich in der Woche etwa gegen 6.30 Uhr auf, wobei ich immer wieder versuche das ganze auf ein Maximum hinauszögern.

– anschließend frühstücke ich meistens Haferbrei und trinke Kaffee in rauen mengen *in Gedanken an einen recht ermüdenden Schultag

– Shule habe ich von 8 bis 4 Uhr, jeden Tag, jeden…

– Nach der Schule spiele ich Klavier, gehe ins Fitnessstudio, verbringe mit Freunden Zeit in der Stadt oder treffe mich mit anderen Austauschschülern zum „lernen“ – „lernen“ *hust 😛

-Nicht selten komme ich gegen 8 nach Hause

-Mit der Familie sitze ich am Küchentisch, essen und reden ( auf Estnisch ) wobei hiebei den größten Teil die Familie übernimmt und ich konzentriert versuche möglichst viel zu verstehen ;D.

– ausklingend… manchmal knistert Feuer und dann gehe ich schlafen, wobei ja auch das in der Schule nicht zu kurz kommt.

Ich lebe gut hier in Estland, ob es jetzt erst oder schon annähernd 100 tage/ 3 Monate sind.

 

 

 

Weihnachten kommt!

Ja, ich weiß heute ist erst der 15. November, doch hier kommt langsam aber sicher die Weihnachtsstimmung auf, denn heute haben die Mädchen aus meiner Klasse „Julehygge“ (Jul: Weihnachten, hygge: dazu habe ich immer noch keine richtige Übersetzung, aber jetzt passt vielleicht sowas wie „gemütliches Zusammensein“) gemacht und da Weihnachtsschmuck für die Klasse gebastelt. Außerdem haben wir Glühwein getrunken und Æbleskiver (Rezept kommt ans Ende auch wenn wir einfach nur fertige aufgebacken haben. Das entwickelt sich hier langsam zum Kochblog.) gegessen. Ich finde das Æbleskiver seeehr gut schmecken.
[singlepic id=563 w=320 h=240 float=] Æbleskiver mit Puderzucker
[singlepic id=564 w=320 h=240 float=] Apfelsinen mit Nelken, die wir auch in der Klasse aufhängen.

Wir haben auch zusammen darüber gesprochen wie man in Deutschland Weihnachten feiert und ich glaube die halten uns Deutsche jetzt für völlig seltsam, weil wir weder Æbleskiver kennen, noch einen Adventskalender im Fernsehen laufen haben oder, was das schlimmste ist, keine Nisser haben. Nisser sind Wichtel, die dem Weihnachtsmann helfen und es heißt hier auch „Nissehue“, also Wichtelmütze und nicht „Julemandhue“, also Weihnachtsmannmütze. Als ich das erwähnt habe wurde ich erstmal herzhaft ausgelacht, weil das denen so merkwürdig vorkam.
Generell unterscheiden sich deutsche und dänische Weihnachtstraditionen doch sehr voneinander. Z. B. isst hier ganz Dänemark an Heiligabend Enten/Schweinebraten mit weißen (normalen) Kartoffeln, braunen (mit Zucker) Kartoffel und Rotkohl und dafür stundenlang in der Küche stehen und in Deutschland ist es nicht grade unpopulär einfach nur Würstchen mit Kartoffelsalat zu essen.
Aber diese kleinen Sachen nur vorweg, aber dafür das wir erst Mitte November haben finde ich das schon eine ganze Menge an Unterschieden, aber ausführlicher schreibe ich nochmal darüber nach Weihnachten.

Zutaten:
– 500 g Mehl
– 250 g Butter
– 250 ml Milch
– 5 Eier
– 50 g frische Hefe
– 0,5 TL Kardamom
– 5 Äpfel
– 1 TL Zimt
– 2 EL Zucker
– Puderzucker
– Marmelade

Zubereitung:
Die Butter in der Milch schmelzen und das Mehl, die Eier und den Kardamom unterrühren. Das ganze 5 min. gären lassen und mit ein bisschen lauwarmer Milch vermischen. Danach alles noch einmal zwei Stunden gären lassen.
Die Äpfel in Scheiben schneiden und mit einer Mischung aus Zimt und Zucker bestreuen.
Wenn der Teig fertig aufgegangen ist jeweils einen Esslöffel in ein Loch der Æbleskiverpfanne (Da ich glaube kaum jemand in Deutschland eine Æbleskiverpfanne besitzt geht es glaube auch, wenn man versuch den Teig beim Backen in einer normalen Pfanne zusammenzuschieben, nur die Form wird dann nicht so schön.) tuen und jeweils ein Apfelstück reinstecken.
Das Ganze mit Puderzucker und Marmelade servieren.

Feiertage auf Türkisch

Anfang Oktober hatte ich eine Woche Ferien, denn die islamische Welt feierte ihr wichtigstes Fest, das Kurban Bayramı, auf deutsch bekannt als Opferfest. Es erstreckt sich (offiziell) über vier Tage und begann dieses Jahr am 15. Oktober. Gedenkt wird dabei Ibrahim, der um seine Liebe zu Gott zu beweisen, bereit war, seinen einzigen Sohn zu opfern. Kurz bevor er diesen Plan in die Tat umsetzen konnte, und somit sein Vertrauen zu Gott bewiesen hatte, gebot ihm dieser Einhalt und er opferte einen Widder.
In der Türkei wird dieses Fest im Kreise der Familie gefeiert. Ich fuhr mit meiner Gastfamilie in ein kleines Dorf namens Hacılarobası in der Nähe von Safranbolu nord-östlich von Ankara, der Heimatstadt meines Gastvaters. Das Dorf wurde gefühlt von ca. 20 älteren Ehepaaren bewohnt und bestand aus nicht viel mehr als ein paar sehr türkischen Häusern und einer neontürkisen Moschee mit beleuchtetem Minarett und im Umkreis von bestimmt 20/30 Kilometern fand man nichts als Berge, Bäume und einem kleinen Fluss. Eine willkommene Abwechslung also, denn im Speckgürtel von Ankara (wie auch im Stadtzentrum) ist „echte“ Natur eher rar und langsam fange ich wirklich an, den Thüringer Wald zu vermissen 😉
Den ersten Bayramtag verbrachten wir damit, durch das Dorf zu laufen und verschiedene bekannte Familien zu besuchen. Es wurde allen „İyi bayramlar“ (So mehr oder weniger „Frohes Fest“) gewünscht, den Älteren wurde von den Jüngeren die Hand geküsst und die Besucher bekamen erst eine kleine Süßigkeit und dann Çay, Börek und Dolma. Abends wurde dann, wie es die Tradition will, ein Tier geschlachtet. Was genau für eins weiß ich nicht, auf jeden Fall muss es ein großes gewesen sein, das Fleisch wurde nämlich im halben Dorf verteilt und selbst der Teil, den meine Gastfamilie bekam war eine Woche später noch nicht aufgebraucht. An den darauffolgenden Tagen machten wir Ausflüge nach Safranbolu, wo wir noch mehr Verwandte besuchten, in einem mini Canyon „wanderten“ und uns die wunderschöne historische Altstadt anschauten und am letzten Bayramtag sind wir dann zurück nach Ankara gefahren, um abschließend auch noch den dort lebenden Familienmitgliedern einen Besuch abzustatten. Ein Fazit also: die Sache mit der türkischen Großfamilie war keine Lüge!

Kurz darauf folgte am 29.10. der türkische Nationalfeiertag, der Cumhuriyet Bayramı, oder auch Tag der Republik. Es war also theoretisch der 90. Geburtstag der Türkischen Republik, denn am selben Tag 1923 rief Mustafa Kemal Atatürk diese aus. Um das zu feiern gab es am Vormittag in der Schule eine Zeremonie, zu der mehrere Reden gehalten wurden und der Schuchor mehrere Lieder sang, aus denen ich immer wieder Worte wie Vaterland, Nation, Freiheit, Republik und so weiter raushörte. Nachdem zum Abschluss noch einmal der İstiklâl Marşı, also die türkisch Nationalhymne gesungen wurde, war der Rest des Tages frei.

Dieser Feiertag bringt mich auf ein anderes Thema, von dem ich hier noch erzählen möchte, denn es scheint mir ein wichtiger Teil des Lebens in der Türkei zu sein: der Nationalstolz und die Liebe zu Atatürk, dem „Türkenvater“. In jedem öffentlichen Gebäude und in jedem Klassenraum hängt hier mindestens ein Bild von Atatürk, sowie eine seiner Reden und die Nationalhymne. Er ist in jedem Schulbuch und auf jedem Geldschein abgedruckt und überall stehen Statuen zu seiner Ehre. An vielen Autos kann man seine Unterschrift als Aufkleber sehen, viele Männer tragen Anstecknadeln oder Krawatten mit ihm darauf, es gibt Handyschutzhüllen, Lesezeichen, Stirnbänder und eigentlich alles, was man sich sonst noch vorstellen kann. Die Türken sind unglaublich stolz auf ihn und ihm ungemein dankbar und sehen sich als seine Kinder, und niemand würde auch nur auf die Idee kommen, ein schlechtes Wort über ihn zu verlieren. Außerdem weht hier die türkische Flagge an jeder Ecke, und montags und freitags wird vor, bzw. nach der Schule von allen Schülern die Nationalhymne gesungen. Wenn ein Türke diese hört, bleibt er auf der Stelle stehen bis sie zu Ende ist. Das alles ist vor allem für uns Deutsche am Anfang sehr sehr ungewohnt und es mag einem auch etwas übertrieben vorkommen, vor allem wenn man den praktisch nicht existenten Nationalstolz zu hause gewöhnt ist, aber ich habe mich langsam daran gewöhnt und singe nun brav Montag und Freitag die Hymne mit. Entgehen kann man dem ganzen nämlich sowieso nicht.

Es sind jetzt schon mehr als zwei Monate vergangen, seit ich alles gewohnte und vertraute verlassen habe und die Zeit kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Trotzdem kann ich noch nicht sagen, die „Anfangsphase“ komplett überstanden zu haben und mich mit meinem „türkischen Leben“ wohl zu fühlen. Die besagten letzten zwei Monate waren wahrscheinlich die schwierigste und kraftraubendste Zeit meines bisherigen Lebens, und es gibt Momente, in denen ich mich frage, wie ich hier jemals „richtige“ Freunde finden soll, wie zum Teufel ich diese Sprache fließend lernen soll und ob das alles die richtige Entscheidung war. Vor ein paar Tagen habe ich außerdem die Gastfamilie gewechselt. Dafür gab es verschiedene Gründe, aber meine neue Familie ist toll, auch wenn es nicht einfach ist, nochmal vollkommen von neuem anzufangen. Ich wohne zwar immer noch in Ankara, allerdings in einem anderen Stadtteil, weshalb ich in den nächsten Wochen auch noch meine Schule wechseln muss. Ich hoffe, dass wenn das geschafft ist wieder ein bisschen Ruhe und Gewohnheit in mein Leben hier kommt und ich dann langsam anfangen kann, meine Zeit hier ein bisschen mehr zu genießen.

Bis bald und viele Grüße
Lena

Vom Theaterspielen, Minnesota Winter, Tagen in der Schule, seltenem Heimweh und vielem mehr…

Jetzt sind es schon drei Monate. Drei Monate weg von zu Hause. Drei Monate in meinem neuen tollen Leben.

Ich finde heute das erste Mal seit Wochen Zeit mal wieder was zu schreiben. Mein Leben ist echt „crazy“, wie meine Gastmutter es gerne ausdrückt. Die Schule ist mittlerweile mein zweites zu Hause, wo ich meistens von 8 bis 22 Uhr bin, auch am Sonntag Abend bin ich für Musical Practice.

Zuerst zur Schule: Mittlerweile ist das kein Problem, ich verstehe die Lehrer und wenn wir etwas in Deutschland noch nicht hatte, frage ich die Lehrer, die mir auch gerne während Lunch helfen! Das erste Quater ist schon vorbei.. Unglaublich. Meine Noten sind bis auf ein B+ in College English nur A’s in allen meinen Klassen, wobei man in manchen Fächern viel dafür arbeitet, in anderen weniger. Ab dem zweiten Halbjahr werde ich drei Fächer tauschen: Pottery wird zu Economics, Gebärdensprache für Paiting oder Advanced English und French 2 für American History.

Auch Freunde finden fällt von tag zu Tag leichter. Man wird immer offener und geht auch mehr auf Leute zu.

Nun zum Musical. In der Zeit zwischen Schule und Musical(ca. 2 einhalb Stunden) Helfe ich mit dem Theaterset, mache meine vielen Hausaufgaben oder gehe ins schuleigene Fitnesscenter. Man findet immer jemandem der mit einem sitzt und mit einem Sport macht, was richtig cool ist. Von 18-22 Uhr ist dann Probe. Es ist sehr lange und anstrengend aber die Leute sind einfach die Besten. In zweieinhalb Wochen sind die Performances, ich bin schon sehr gespannt wie es ankommt. Das Theater ist wie ein zweites Haus. Man isst, schläft, trifft Freunde, mach Hausaufgaben hat Spaß und ist gelangweilt. Ich liebe das Theater!

Nach dem Musical, geht es mit One Act weiter, eine Art Wettkampf, bei dem Schulen ein Theaterstück auf ca. 30 Minuten kürzen, einstudieren und dann gegeneinander antreten. Ich kann leider keine Rolle übernehmen, weil ich ein Direct-Placement habe und das State Department, die Aufseher dieses Wettbewerbs eine Regel haben, dass diese Schüler nicht an dem Wettbewerb teilnehmen können. Aber ich werde Student Director sein, das heißt ich werde die Assistentin vom Regisseur bin, den Text ansage wenn Leute ihn vergessen haben, Sachen organisieren, mit dem Set und den Kostümen haben. Ich bin schon sehr gespannt darauf.

Am Wochenende treffe ich oft meine Freunde, oder besuche meine Gastbrüder in ihren Colleges, die echt schön sind. Mir gefällt der Campus von amerikanischen Universitäten so gut und auch das Gruppengefühl.

Zwischendurch gibt es immer tolle Freuden, wenn Post aus Deutschland kommt, mit Schokolade, Kuscheltieren, Weihnachtssachen und vielem mehr. Danke an meine Oma und meine Eltern, das sind immer ganz besondere Tagen und nicht nur für mich, alle die ein bisschen von der Schokolade kriegen freuen sich immer total.

Der Winter hat hier eindeutig begonnen, der Schnee bleibt noch nicht liegen, aber es schneit fast jeden Tag. Alle sind hier aufgeregt und erzählen vom Ice-Fishing, Snowmobiling und Cross Coutry Skiing. Ich bin schon sehr gespannt.

Trotzdem gibt es auch immer mal tage an denen ich meine Familie total vermisse, wenn ich jemanden sehe der sich genauso verhält wie mein Vater oder wenn ich vermisse dass mir meine Mutter mit Schulsachen hilft. Auch bei Großfamilientreffen hier, wo sich alle schon Jahre kenne, vermisse ich meine eigene Familie. Ein Austauschjahr hat definitiv auch sehr harte Momente, aber man findet Freunde die sehr verständnisvoll sind und einen trösten.

So das war es erstmal aus Minnesota, nach dem Musical werde ich hoffentlich öfter dazu kommen etwas zu schreiben!

 

 

Magyarország – es ist ein Land!

Sziasztok,

ich melde mich auch mal wieder. Seit meinem letzten Eintrag ist einiges passiert und ich hatte Ferien und war in Ungarn unterwegs und und und.. Aber ich fang am besten von vorne an.

Anfang Oktober waren wir auf der Hochzeit einer Bekannten meiner Gastmutter eingeladen, zu welcher wir nach Siklós, eine Kleinstadt in der Nähe von Pécs gefahren sind. Die Hochzeit selber war ganz gut, auch wenn der Bräutigam nicht ein Mal am ganzen Abend gelächelt hat. Danach gab es reichlich Essen (es gibt in Ungarn immer viel Essen, aber diesmal war es selbst für ungarische Verhältnisse viel) und ich hab mich mit einem ca. 80jährigen, der fließend Deutsch sprach, über die Zeit des Kommunismus in Ungarn unterhalten. Geschichte lebt, Leute, und ganz besonders in diesem Land! Hier wird einiges gefeiert und Ungarn unterhalten sich häufig über ihre Geschichte. Leider weiß ich das Datum nicht mehr so genau, aber ungefähr um den 10.10. herum mussten wir uns in meiner Schule in der Aula versammeln, wo dann eine Rede gehalten, ein Gedicht vorgelesen und Kerzen angezündet wurden, um bestimmte während der Revolution von 1848/49 exekutierte Revolutionäre zu feiern und ihnen Ehre zu erweisen. Ich hab von der Rede nicht so viel verstanden, nur Wörter wie z.B. szabadság (Freiheit) und barátság (Freundschaft), aber das hat in dem Moment gereicht, um so ungefähr zu verstehen, worum es ging. Außerdem haben meine Freunde ja für mich übersetzt 😀 Zwei Wochen später gab es dann schon die nächste Feier, am 22.10., aufgrund der Revolution von 1956. An dem Tag haben wir morgens in der Schule ein Video mit Originalaufnahmen von den Aufständen in Budapest gesehen und danach gab es auch noch verschiedene Reden, Musik über Freiheit und Zusammenhalt und so weiter.

Dann hatten wir endlich Ferien, die hier őszi szünet heißen und normalerweise nur eine Woche dauern. An meiner Schule hatten wir drei Tage länger Ferien, was dann als Schulleiterferien bezeichnet wurde. Ich weiß nicht so genau, warum, aber naja. Dafür hatten wir dann Zeit, endlich mal in die Puszta (oder Alföld, Ungarn gucken mich komisch an, wenn ich Puszta sage) zu fahren. Dort haben wir eine Kutschfahrt gemacht, auf der ich zwei Dinge vom fließend Englisch sprechenden Fahrer gelernt habe: 1. Wenn man in der Puszta lebt und sein Haus eingezäunt hat und große Hunde im eingezäunten Gebiet herumlaufen lässt, heißt das, dass man entweder Feinde hat oder im Gefängnis sitzt. In beiden Fällen sollen die Hunde dann dazu dienen, dein Eigentum zu schützen. 2. Sag im Alföld nicht, dass du Deutscher bist. Dort haben sie Vorurteile, weil es dort einige Deutsche gibt, die sich nicht um ihre Besitztümer kümmern und nur ihren Müll in die Landschaft schmeißen. Die Puszta ist jedenfalls sehr schön, man kann unendlich weit sehen, wenn der Tag klar ist und keine Bäume im Weg stehen. Alles ist flach, ich fühl mich wie zu Hause im Münsterland 🙂

Am Tag danach sind wir dann nach Budapest gefahren, weil dort eine YFU-Veranstaltung war. Ich hab endlich die anderen ATS wieder gesehen und wir haben uns über unsere Familien, unsere Schulen und unsere Fortschritte im Ungarischen unterhalten. Dabei hab ich dann gemerkt, dass ich nicht ganz so schlecht bin, wie ich dachte, es gibt durchaus Leute, die noch weniger können als ich 😀 Die Veranstaltung hat mir super gefallen und mir auch so einen kleinen Anstoß gegeben, dass ich nicht allein bin in diesem kleinen (großen) fremden Land.

Apropos kleines Land: Es stimmt. Egal, was die Ungarn oder auch der Austauschschüler (hallo Ádám!) in meiner Familie in Deutschland sagen: Ungarn ist, im Vergleich zu Deutschland, ein kleines Land. In den Herbstferien sind wir an den Balaton gefahren. Zur Info: Szeged liegt ganz im Süden, an der Grenze zu Rumänien und der Balaton ist ziemlich weit westlich. Wir haben ungefähr 4 Stunden gebraucht, um dorthin zu fahren. In der Umgebung von Hévíz, einem Ort, der in Ungarn für seinen Thermalwassersee bekannt ist und in dem wir unser Hotel hatten, haben wir uns dann alles angeschaut, was an Burgen, Schlössern, Orten oder sonstigem gab und in 4 Tagen machbar war. Wir waren z.B. in Tihany, in Sümeg, ich habe einen buddhistischen Tempel gesehen und Münzen geprägt. Ihr kennt doch diese Automaten, in die man ein 5-Cent-Stück und noch ein bisschen Geld zum Bezahlen wirft, dann sucht man sich ein Bild aus, dreht eine Kurbel und die Münze wird langgezogen und bekommt eine neue Prägung.

Ich stelle hier ein paar Bilder ein. Das erste ist von dem Benediktinerkloster in Tihany, das zweite eins von der Sümegi vár und das dritte  ist eines vom paneuropai piknik, einer Gedenkstätte für den Eisernen Vorhang, die an der Grenze zu Österreich liegt und die ich zusammen mit Charlotte, einer ATS, die in Sopron lebt, besucht hab. Außerdem noch ein Stück des Eisernen Vorhangs, das rekonstruiert wurde.

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In Sopron war ich, wie oben schon erwähnt, auch noch, um Charlotte zu besuchen. Mit ihr zusammen habe ich mir dann die Stadt angeguckt. In Sopron spricht wirklich jeder Deutsch, total beeindruckend. Wir sind in eine Bäckerei gegangen und haben uns da auf Deutsch unterhalten, plötzlich redet die Verkäuferin einfach mit, was mich sehr erstaunt hat, weil hier in Szeged einfach niemand außer den Deutschlehrern wirklich Deutsch spricht. Am Sonntag, dem 3.11. bin ich dann wieder nach Hause gekommen. Einmal mit dem Zug von einem Ende Ungarns ans andere, das hatte schon was. Und die Zugtickets sind hier total billig, ich habe für eine Strecke von 370 km 4600 Forint bezahlt, das sind ungefähr 15 Euro. Nächsten Freitag kommt sie dann hierhin, darauf freue ich mich schon 😀

Heute waren wir dann noch auf einem Mangalica-Festival. Das Mangalica ist das ungarische Wollschwein, und da es ungarisch ist, wird es natürlich auch gefeiert. Es gab mal wieder einen Kürtöskalács-Stand, das ist so eine Art Gebäck und wird hier bei allen öffentlichen Gelegenheiten verkauft, wer Lust hat, kann es ja mal googeln. Außerdem natürlich überall Lebensmittel aus Mangalicafleisch, was meine Gastschwester dann doch nicht so gut fand, sie meinte, sie würde es nicht essen, wenn der Lieferant noch daneben steht (es gab einen kleinen Stall, in dem ein paar Mangalicas standen).

Okay, das war’s fürs Erste, bis zum nächsten Mal dann – Sziasztok!

Linda