Archiv für den Monat: Oktober 2013

Colegio

Meine Schule ist keine öffentliche Schule. Deswegen kann ich jetzt nicht allgemein über chilenische Schulen sprechen. Ich habe natürlich eine Schuluniform, aber die ist gar nicht soo schrecklich, und an Individualität stiehlt sie mir überhaupt nichts – auffallen tue ich so oder so mit meiner Größe und meinem „blonden“ Haar, denn hier hat wirklich jeder schwarzes Haar. Ausgenommen ich und zwei andere Mädchen an meiner Schule, scheint mir. Vor allem von den Kleinen werde ich zum Teil angestarrt. Unterschied an dieser Stelle zu deutschen Kindern, die starren: Wenn du dem Blick eines chilenischen Kindes begegnest, lächelt es dich an. Genauso die Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Leute. Naja, die Jugendlichen nicht immer, aber oft.

Zurück zum Schulsystem: Es gibt verschiedene Profile, die beeinflussen, welche Fächer man hat. Ich habe gehört, dass es vier gibt, aber an meiner Schule gibt es nur zwei, nämlich científico und humanista. Man wählt nach der segundo medio, vorher hat man glaube ich alle Fächer, aber insgesamt deutlich weniger Stunden. Ich bin humanista und sehr froh darüber, weil ich auf die Weise zwar deutlich mehr lesen muss, gleichzeitig aber auch Chile von einer anderen Seite kennenlerne und Fächer habe, die es in Deutschland nicht gibt. Zusätzlich zu Mathe, Physik, Sport, Englisch, Lenguaje, Biologie, Geschichte habe ich noch Literatura y Identidad, etwas mehr Geschichte, auf PSU vorbereitend, Psychologie und Realidad Nacional. Letzteres ist eines meiner Lieblingsfächer, weil wir – zumindest im Moment – über die chilenische Kultur reden, um herauszufinden, was es heißt, ein Jugendlicher in Chile zu sein. Und da ich bei alldem natürlich nicht für Chile, sondern nur für Deutschland sprechen kann, tauschen wir uns über unsere Kulturen aus – und deswegen bin ich ja auch hier. Und mit diesem Fach lerne ich Chile und die Chilenen auch noch auf eine andere Weise kennen.

Der Schultag fängt um halb 9 an, und da es eine katholische Schule ist, kommt immer zuerst unsere Religionslehrerin und liest uns einen Text oder eine Geschichte über ein Thema vor, dass sie uns ans Herz legen möchte, beispielsweise unsere Mütter zu achten, Zeit mit unseren Familien zu verbringen und über die Bedeutung der Freundschaft nachzudenken. Manchmal beten wir ein Vaterunser, meistens aber nicht. Danach beginnt der Unterricht, mit Stunden, die eineinhalb Stunden dauern. Dazwischen gibt es Pausen, in denen wir in den Speisesaal gehen, um die Reste des Frühstücks der Kleinen abzustauben, Fotos mit der Webcam schießen, Musik hören und Mittagessen. Ich bin an zwei Tagen um 5 und an den restlichen um Viertel vor 6 fertig. Und wir haben wirklich viele Prüfungen. Jede Woche vier bis fünf, und auch oft zwei an einem Tag. Und man muss im Unterricht immer mitschreiben. Das heißt in den meiste Fächern ohne Pause, weil eigentlich nur der Lehrer redet. Und ich dachte, ich wüsste bereits, was Frontalunterricht ist… Aber es ist trotzdem spaßiger, weil sich die Lehrer mit Freuden ablenken lassen – da könnten sich die Deutschen einiges abgucken!

Generell ist die Beziehung mit den Lehrern eine andere. Das fängt schon damit an, dass man die Lehrer hier auch mit „Tío“ und „Tía“ anspricht, und ansonsten mit „Profe“ ruft. Und während es in Deutschland indirekte Detektivarbeit benötigt, den Vornamen eines Lehrers zu erfahren, weil es unglaublich unhöflich wäre, danach zu fragen, musste ich hier bei meinen ersten Essays die Lehrer fragen, wie sie denn mit Nachnamen heißen, weil das draufstehen muss – angesprochen werden sie hier mit Vornamen. Und man darf die Lehrer auch berühren, also zum Beispiel am Arm fassen und ähnliches, auch wenn das für mich persönlich noch ein bisschen ungewohnt ist.

Wie sieht die chilenische Schulpause aus? Genauso wie der Unterricht eigentlich, nur ohne Mitschreiben und in manchen Klassenräumen mit Musik aus Lautsprechern. Schüler reden, Schüler lachen, Lehrer reden mit Schülern, Lehrer lachen mit oder über Schüler, Schüler machen Fotos. Das zumindest macht die eine Hälfte, die teilt sich aber am Anfang der Pause auch noch in eine Delegation von Mädchen auf, die ins Bad und vor die Spiegel gehen. Die andere Hälfte macht dann was anderes: Essen kaufen gehen, in dem Mittelteil der Schule Fußball/Volleyball/Basketball spielen, oder man geht raus in die Pampa (spanisches Wort, wird hier auch so benutzt als fester Begriff), in unserem Fall zwei Wiesen mit Blick auf das wunderschöne Quellón.

Ich glaube, insgesamt haben wir hier weniger Ferientage als in Deutschland, weil man uns nicht bei jedem Feiertag frei gibt. Dafür werden aber – wenn auch nicht mit freien Tagen, aber so eigentlich besser – alle sonstigen Tage gefeiert, die es so gibt. Schülertag, Lehrertag, ein Tag wegen Nationalfeiertag (es war nicht genau der Tag), Kindertag, Jugendtag, Schulgeburtstag. Gefeiert wird dann mit verschiedenen Aktivitäten, das bedeutet zumindest nur einen kurzen Teil des Tages Unterricht und den anderen Spiele und ähnliches.

Was hier im Unterricht oft im Vordergrund steht, ist PSU. PSU ist die Abschlussprüfung nach der Schule, allerdings nicht von der Schule, sondern von der Universität, auf die man gehen möchte, gestellt. Die Ergebnisse des PSU zählen bei jeder Uni verschieden viel, es wird nämlich auch der Notendurchschnitt der letzten drei Jahre und gesondert der des letzten Jahres mit einbezogen. Und wenn man mit seinen ganzen Daten auf einen bestimmten Wert (ebenfalls von der Uni festgelegt) kommt, wird man angenommen. Das PSU teilt sich in vier Prüfungen auf: PSU Matemáticas, PSU Lenguaje, diese beiden sind Pflicht, und PSU Historia y Ciencias Sociales oder PSU Ciencias, da muss man sich entscheiden, welches man machen will. Ein Ensayo PSU besteht aus 75-80 Fragen in Multiple-Choice-Form, für die man 2,5 Stunden Zeit hat. Das proben wir in gesonderten Klassen jede Woche mit alten Ensayos, allerdings in den Klassen nur eineinhalb Stunden, also ohne alles zu beenden, weil man die Zeit fast immer komplett braucht. Und einmal pro Monat sind dann zwei Tage für PSU-Simulation reserviert: Morgens 2,5 Stunden PSU Lenguaje, die dritte Stunde normal Unterricht, Mittagessen, 2,5 Stunden PSU Ciencias; der andere Tag morgens 2,5 Stunden PSU Matemáticas, dritte Stunde normaler Unterricht, Mittagessen, 2,5 Stunden PSU Historia. Die Maximalpunktzahl beim PSU liegt bei 850, und diese Punktzahl geht dann auch mit einem Prozentanteil in die Abschlussnote des jeweilig zugehörigen Fachs ein – und wenn man falsch antwortet, werden 0,25 Punkte abgezogen! Aber es ist auch so für mich als Deutsche nicht schwierig, einigermaßen gute Ergebnisse zu bekommen, auch wenn ich das PSU Historia nicht mitschreibe, sondern Extraarbeiten bekomme. Aber alle anderen Prüfungen schreibe ich seit der ersten Woche mit – und manchmal lasse ich aus Faulheit auch mal mein Wörterbuch zuhause 😉

Schule in Chile ist anstrengender oder besser gesagt ermüdender als in Deutschland, ganz einfach, weil der Tag länger dauert. Schule in Chile ist mit mehr Lernen verknüpft, anderes Lernen – nämlcih schlichtes Auswendiglernen, und zwar nicht von generellen Prinzipien, sondern von wissenschaftlichen Namen eines jeden kleinen Details einer Sache, egal in welchem Fach. Das bedeutet mehr Druck, weil ständig Prüfungen sind, Druck zu Hause. Denn Schule in Chile ist auch entspannter als in Deutschland, zumindest während man in der Schule ist und  nicht zu Hause für die Schule lernt. Schule in Chile ist „más entretenido“, die direkte Übersetzung in diesem Falle wäre „unterhaltsam“, aber das trifft es eigentlich nicht so ganz, wir sind ja nicht in einem Kindergarten, aber man lacht mehr, genießt mehr, redet mehr, teilt mehr. Schule in Chile ist fast wie ein zweites Zuhause, verbunden mit Freundschaft, Streit, Zusammenleben, Essen, Lachen, Erinnerungen, Pflichten, Genervtsein, in manchen Fällen Schlaf und der Kenntnis eines jeden Winkels, verbunden mit Stammorten. Und natürlich verbunden mit Lernen.

Neue alte Familie!

Am Ende der ersten drei Wochen, als alles normal gengangen ist, kam die Zeit um die Familie zu tauschen. Alles war vorbereitet für den Rest von meinem Austauschjahr. Und obwohl der OSK viele Spass gamacht hat, war ich gespannt auf die Zukunft. Wie beim Anfang meines Austauschs hatte ich widersprüchliche Gefühle: Ich wollte eine neue Erfarungen erleben, aber ich wollte mich nicht von meiner Familie und den neuen Freunde verabschieden.

Mein nächstes Zuhause war ein Dorf in der Nähe von Buxtehude (lustiger Name für alle Deutsche). Buxtehude ist eine Stadt mit ungefähr 39.800 Einwohner, im Norden von Niedersachsen, in der Nähe von Hamburg.

Mein erster Tag in meiner neuen Familie war anders als ich gedacht hatte, ich konnte nicht so viel mir Ihnen reden. Ich glaubte, dass ich mehr Zeit brauche, mich zu integrieren. Ein paar Tage dannach fühlte ich, dass ich dort nicht lange wohnen kann, aber ich wußte nicht genau warum! Ich fühlte mich traurig, weil ich gehofft hatte, daß alles gut wird. Als ich mit meiner Betreuerin geredet habe, haben wir eine Lösung gefunden: Die Familie zu wechseln.

War ein schweriger Moment, ich hatte viele Fragen, aber ich hatte die Hilfe von meine Betreuerin und von mein erste familien. Sie sagten, dass ich wieder zu Ihnenn gehen konnte! Das war eine gute Entscheidung für mich, ich war wieder glücklich und mit neues Erwartungen für mein Austauschjahr!

Monat 2 – OH MEU DEUS!

Oh meu deus (Oh mein Gott), als aller erstes muss ich mich entschuldigen,dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Aber dafür habe ich dieses Mal aber eine Menge zu erzählen und viele Fotos für euch 🙂 Ich hoffe das ist ne gute Entschädigung.

Wo fang ich an? Schule : Langsam wird es zur Routine und allmählich fange ich auch an, einzelne Sätze von den Lehrern oder Zusammenhänge aus dem Unterricht zu verstehen – das ist echt ein gutes Gefühl. Nach der Schule gehen meine Freunde & ich öfters mal zur Avenida (die Straße,wo das meiste hier passiert) zum Pastel essen. So sieht das aus :

[singlepic id=530 w=320 h=240 float=center]

und das sind halt so „Teigtaschen“ mit Füllung (z.B. Hühnchen,Käse, Fleisch und Banane usw..). Ich finde sie echt lecker und eine kostet ca. 3 Reais also ca. 1 €.  Apropros Essen, ich entdecke hier immer mehr leckere Sachen, die ich noch nie zuvor gegessen habe, aber auf die ich nie mehr verzichten möchte, wie zum Beispiel Empada (eine Art „Muffin“ aber doch komplett anders), oder Sonhos (sowas wie Pfannkuchen aber halt anders haha,ich liebe es). Aber zurück zur Schule : Wie ich bereits erwähnt habe, ist sie hier um einiges lockerer und die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler auch – Wie locker, dass habe ich letztens in einer Mathestunde gemerkt. Zu Beginn hat mir unser Mathelehrer Kekse gegeben und wir haben uns in der Klasse alle unterhalten, bis auf einmal die Leute anfingen sich mit Papierkugeln abzuwerfen – soweit so gut. Als der Lehrer dann aber mitgemacht hat, sich sämtliche Leute eine „Schutzwand“ aus Stühlen gebaut haben und der Lehrer am Ende in der Ecke stand und nen Stuhl vor sich gehalten hat,um sich zu beschützen, wusste ich erstmal was es wirklich für verschiedene Welten sind. Vielleicht noch kurz was zu den Arbeiten : Soweit ich das jetzt in den letzten Arbeiten gesehen habe, ist der größte Teil der Arbeit,wenn nicht sogar die ganze Arbeit, Multiple-Choice -> wenn man ein bisschen logisch denken kann und etwas gelernt hat,kann man da leicht Rückschlüsse ziehen. In der letzten Zeit sind jeden Dienstag „Spiele“ also Sportwettkämpfe, in denen die Klassen unserer Schule gegeneinander Volleyball,Basketball oder Futsal spielen – richtig cool,denn die Brasilianer wissen, wie man jemanden richtig anfeuert!

[singlepic id=531 w=320 h=240 float=center]

Okay, kein Kommentar zu meinem Gesichtsausdruck haha, aber wir hatten ne Menge Spaß und haben sogar einige Spiele gewonnen 🙂 2°A! Ich bin übrigens im Vorletztem Schuljahr hier und ab nächstem Jahr dann mit meinen Klassenkameraden im Letzten. Vielleicht noch zu meinen Freunden:  Ich bin froh sagen zu können, dass ich hier schon richtige Freundschaften geschlossen habe und dass ich und die anderen Austauschschüler so herzlich aufgenommen wurden, das ist echt keine Selbstverständlichkeit.
So, genug zur Schule. Meine Familie und ich hatten Besuch von Verwandten aus Rio de Janeiro! Sie waren für ein Wochenende hier und es war fantastisch. Wir sind nach Itacaré gefahren und der Strand dort ist einfach genial! Es sah wirklich Bombe aus –  aber als wäre das noch nicht genug, sind wir dann alle zusammen in zwei Booten zu einem Ort mit Wasserfällen gefahren!  Schon alleine die Hinfahrt über einen Fluss durch einen Wald war unglaublich schön, weil man wirklich direkt in der Natur war, aber als wir dann dort waren, war ich einfach überwältigt. Hier könnt ihr einen von den Wasserfällen sehen, es waren mehrere :
[singlepic id=527 w=320 h=240 float=center]
Und dort konnten wir dann direkt baden gehen :). Das Wasser war angenehm, aber die Sonne hätte doch noch nen Tick mehr scheinen können, aber es war ein wirklich perfekter Tag dort! Auf der Rückfahrt sind wir dann alle im Auto eingeschlafen, weil wir so geschafft waren… Aber später am Abend sind wir dann noch alle zusammen in ein Restaurant gegangen, wo wir Gnoccis gegessen haben, denn laut einer Legende,soll man jeden 29. im Monat Gnoccis essen gehen. Man bekommt von jemand anderem Geld, ganz wichtig, nicht sein Eigenes, legt es unter seinen Teller und isst 7 Gnoccis – und bei jedem Gnocci wünscht man sich etwas materielles, es dürfen keine Gefühlswünsche oder so sein. Und noch ganz wichtig : Man darf das „Wunschgeld“ was man bekommen hat, nicht ausgeben! Mal schauen was das wird, mit meinen Wünschen 😉

Außerdem war ich letzten Monat mit meinem Freunden im „Jardim Atlantico Hotel“ – das war der absolute Wahnsinn. Es ist an sich gesehen ein Hotel (wie schon der Name sagt) aber wir haben den Tag „nur“ draußen im Freibad und am Strand dort verbracht 🙂

[singlepic id=528 w=320 h=240 float=center]
[singlepic id=529 w=320 h=240 float=center]
Absolutes Paradies sag ich euch! Mittagessen war inklusive (war ein großes Buffet), super genial! Wir werden auf jeden Fall nochmal hingehen (ist gleich hier in der Nähe), denn es war wirklich ein perfekter Tag.  Und das dritte Higlight wovon ich euch jetzt noch berichte, ist Trivela. Trivela war ein Konzert letztes Wochenende und ich war dort mit Grace, Emil, Csilla, Csillas Eltern und ihren Brüdern. Wie man vielleicht schon aus dem Namen schließen kann, waren dort drei Bands (ASA DE ÁGUIA,

SAULO FERNANDES & TRIO DA HUANNA) und es war richtig genial. Das ganze hat so gegen 5 angefangen und wir hatten Camarote Karten („VIP“) -> wir hatten Open Bar und konnten so viel trinken, wie wir wollten (Guaranásaft in Massen!). Im Laufe des Abends haben wir dann auch Freunde aus der Schule getroffen und mit ihnen dann den Abend verbracht,  es war absolut genial und definitiv ein Abend, den ich niemals vergessen werde! 

So, ich glaube das war’s auch erstmal mit den großen Neuigkeiten. Vielleicht noch zu diesem Wochenende : Morgen ist hier Kindertag und es ist hier ein Feiertag (keine Schule,wuhu!) und ich glaube, dass meine Gastmutter kleine Päckchen mit Süßigkeiten für arme Kinder machen wird, finde ich richtig richtig lieb von ihr und wenn sie das macht,werde ich ihr dabei natürlich helfen! Außerdem werde ich morgen nochmal mit Freunden an den Strand gehen und hoffentlich wird das Wetter auch wieder besser,denn zur Zeit ist es „relativ“ kalt, bzw was heißt kalt, es sind ca. 20 Grad und Regen,Regen,Regen. Am Anfang fand ich es echt schön,dass es sich etwas abgekühlt hat, aber langsam ist es auch genug… 😉

 

 

Orientierung und Sprachkurs – Erste Monat

Ich habe sechs Monate alles organisiert und viele Papieren erledigt. Die Erwartung und die Angst wuchs mit der Zeit. Ich war ungeduldig, die Zeit verging langsam. Ich wollte meine Reisen anfangen! In meinem letzten Monat in Argentinien gab es viele Abschiede. Meine Freunde haben für mich eine Überraschungsparty gemacht. In meiner Stadt ist es Brauch, wenn ein Junge 18.Geburtstag hat, seine Freunde schneiden seine Haare ab. Ich hatte keinen 18. Geburtstag in Argentinien, aber das rettete mich nicht vor dem Schneiden! Wegen der vielen Abschiede, hatte ich kein Zeit um meinem Koffer zu packen! Ich habe das in der letzten Nacht in Argentinien gemacht.

Zwei Tage vor dem Flug nach Deutschland , war ich im Haus eines Freundes in Buenos Aires. Es waren ganz aufregende und lustige Tage in der Großstadt. Buenos Aires ist ein sehr interessanter Ort. Wir hatten ein Vortreffen mit YFU, da konnte ich andere Austauchüler aus Argentinien kennenlernen.
YFU Argentinien

Der Flug war sehr ermüdend, 13 Stunden und 11.900 km. Als wir sind in Frankfurt ankamen, musste ich mit Matias ein Flugzeug nach Düsseldorf nehmen. Da waren zwei YFU-Mitarbeiter, die mit uns den Zug nach Lingen genommen haben. Zwei Stunden später waren wir endlich in Lingen! Ich war sehr nervös wegen meiner ersten Familie. Ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, wie ich sie begrüßen würde oder was ich Ihnen sagen könnte! Die erste Zeit war ein bischen unangenehm und ich war müde von der Reise, aber wir haben zusammen Abend gegessen und dannach haben wir über Argentinien und Deutschland geredet. Es war ein sehr guter erster Abend!

Am Sonntag, 11 August, hatte ich 18 Geburtstag. Meine Familie hat für mich eine Grillparty gemacht. Da habe ich die anderen Austauschschüler aus Mexico, Ecuador und deutsche Leute kennen gelernt. Ich hatte einen besonderen und ganz anderen Geburtstag!
CIMG1495

Ich habe einen Orientierungs- und Sprachkurs für drei Wochen in Nordhorn besucht. Am ersten Tag, haben wir ein Geschenk bekommen: eine Schultüte. Das ist eine Papiertüte mit Süßigkeiten gefüllt. Normallerweise bekommen alle Kinder eine an ihrem ersten Tag in der Schule. Ich habe viele Austauschüler aus Lateinamerika kennen-gelernt. Wir hatten eine perfekte Zeit zusammen. Ich erinnere mich an viele lustige und interessante Momente, zum Beispiel die Rally durch die Stadt. In dieser Rally mussten wir Aufgaben erledigen. Wir mussten auch einen Apfel für andere Dinge tauschen. In Deutschland spielen Kinder dieses Spiel.
Erste Dönner

Die ersten drei Wochen waren voll von neuen Erfahrungen! Zum Beispiel, habe ich meinen ersten Dönner gegessen. Ein Dönner ist einen ganz typisches deutsches Essen, gemacht mit Tsatziki, Fleisch und Kraut in einer Teigtasche. Es ist ein Mix mit Kebab aus der Türkei.

Eine extreme Erfahrung, an die ich mich errinnen kann, war mein Flug in einem Segelflugzeug: ein Flugzeug ohne Motor. Eine Maschine zieht es an einem Seil nach oben und in drei Minuten kann man frei fliegen. Ich bin für eine halbe Stunde geflogen und ich konnte die ganze Stadt sehen!
SegelflugzeugSegelflugzeugDSC_0546

Diese ersten drei Wochen waren eine wichtige Erfahrung, weil ich dort viel über Deutsche, ihre Sprache und Kultur gelernt habe und ich Freunde aus Lateinamerica gefunden habe.
Latinos mit GastgeschwisterLatinos!
Ich habe viele gute Erinnerungen. Ich hatte einen sehr guten Anfang in Deutschland, ich möchte weitere Dinge hier erleben!

Der Kosinus von 37 und andere Kleinigkeiten über das türkisch Leben

İch bin jetzt mehr als einen Monat hier, und mich beschleicht so langsam ein schlechtes Gewissen, weil dieser Blog bisher so uninformativ war. Hier also nun ein paar hoffentlich interessante Worte zu Dingen, mit denen ich jeden Tag zu tun habe. İch hoffe, damit ein bisschen vermitteln zu koennen, wie ich die Tuerkei momentan erlebe.

Die Schule
nimmt den Großteil meines Lebens hier ein. Sie beginnt jeden Tag um 8:15 und endet 15:20. Wir haben taeglich 8 Unterrichtsstunden a 40 Minuten und zwischendurch eine 45 minuetige Mittagspause. Jede Klasse hat einen eigenen Klassenraum und im Gegensatz zu meiner deutschen Schule, wo die Schueler „zu den Lehrern“ gegangen sind, kommen hier die Lehrer „zu uns“. Dabei haben diese meist nicht viel mehr dabei als ein paar Stifte fuer die Tafel und ab und zu ein Lehrbuch. Wenn der Lehrer den Raum betritt steht die Klasse auf. Der Lehrer, der von Schuelern wie auch von anderen Lehrern nicht mit seinem Namen, sondern mit Hocam (mein Lehrer) angeredet wird, sagt etwas wie Günaydın (Guten Morgen) oder İyi Dersler („Guten Unterricht“) worauf die Schueler Sağ ol (Danke, woertl. Sei gesund) antworten und sich setzen. Der Unterricht ist sehr frontal und theoretisch und die meisten Stunden laufen so ab, dass der Lehrer etwas diktiert oder an die Tafel schreibt was die Schueler abschreiben. Dazu ist ausserdem zu sagen, dass hier keine Hefter wie in Deutschland benutzt werden, sondern Hefte, da mann sowieso keine Arbeitsblaetter bekommt. Geschrieben wird mit Druckbleistiften. Stellt der Lehrer dann aber doch mal eine Frage oder fordert die Schueler zur Mitarbeit auf, ist die ganze Klasse viel aktiver, als ich es von deutschen Klassen gewohnt bin und alle melden sich und machen mit.
Die wichtigsten Faecher sind Mathe und die Naturwissenschaften, die teilweise auf einem viel hoeheren Niveau Unterrichtet werden, als in Deutschland und von den Schuelern extrem ernst genommen werden. Allerdings ist, wie schon gesagt, alles sehr sehr theoretisch und ich bin mir nicht sicher, ob meinen Klassenkameraden klar ist, was sie da eigentlich gerade lernen und dass das, praktisch betrachtet, manchmal garnicht so kompliziert ist, wie es die Theorie scheinen laesst. Des weiteren benutzen wir hier weder Taschenrechner noch Tafelwerk, und ich verstehe noch nicht ganz, woher die hier einfach so wissen, dass der Kosinus von 37 rund 0,8 ist.

Die Freizeitgestaltung
sieht momentan noch ein bisschen mau aus. Meine Nachmittage verbringe ich hauptsaechlich zuhause, da die Hauptaktivitaet meiner tuerkischen Klassenkameraden (und Gastschwestern) aus Hausaufgaben, lernen und fernsehen besteht. Der Fernseher ist allgemein sehr wichtig. Meine Gastfamilie hat (mindestens, wenn ich keinen uebersehen habe) vier davon und wenn ausser mir noch jemand zuhause ist laeuft immer mindestens einer. Selbst manchmal beim Fruehstueck und beim Abendessen werden alle moeglichen Serien und Talentshows und und und geschaut. Fuer mich momentan noch sehr schwer zu verstehen, warum das sein muss, da ich es z.B. bei Essen noch als eher stoerend empfinde, wenn die ganze Zeit auf dieses Ding gestarrt wird. Aber daran werde ich mich wohl gewoehnen mussen.
Eine weitere Sache, die mir die Suche nach Freizeitaktivitaeten noch ein wenig erschwert ist die Dershane. Fragt man tuerkische Jugendlich, was sie nach der Schule oder am Wochenende machen, kann man sich sicher sein, dass dieses Wort faellt. Es handelt sich dabei um eine Art Nachhilfe, nur dass so gut wie alle dorthin gehen, denn dort wird anscheinend das getan, was in der Schule bei all dem Frontalunterricht und der Theorie viel zu kurz kommt: es wird geuebt. Und noch mehr gelernt. Und sich auf die Examen vorbereitet. Und das eben jedes Wochenende mehrere Stunden, und in der 11. und 12. Klasse auch an Wochentagen nach der Schule. İn Deutschland denkt wahrscheinlich kaum jemand, dass „gerade in der Tuerkei“ die Jugendlichen so viel lernen muessen, aber es ist echt erstaunlich, mit was fuer einer Disziplin die Schueler hier in ihrer „Freizeit“ einen Uebungstest nach dem anderen machen..

Die Mentalitaet
wird mir als anfangs etwas „ernste und verklemmte Deutsche“ immer sympathischer. Die Menschen sind sehr offen und freundlich und unglaublich hilfsbereit. İch fuehle mich als Auslaender sehr sehr willkommen und auch wenn niemand so wirklich zu verstehen scheint, was ich hier genau mache sind alle interessiert und um mein Wohl besorgt. İch fuehle mich wirklich schlecht wenn ich daran denke, wie manche Tuerken in Deutschland behandelt werden!
Ausserdem habe ich das Gefuehl, dass alles viel gelassener und entspannter als in Deutschland ist und ich merke, wie diese Gelassenheit langsam auch auf mich abfaerbt. Was ich auch sehr angenehm finde, ist, dass sehr gern geteilt wird. Kauft sich zum Beispiel eine Freundin eine Packung Kekse, kann jeder davon essen und sie ist nicht beleidigt, wenn fuer sie nurnoch einer uebrig bleibt, denn morgen kauft jemand anders etwas zu essen, wovon sie dann auch etwas abbekommt. So spendiert jeder ab und zu irgendwas und keiner hat das Gefuehl, dem anderen etwas zu schulden. Das ist so herrlich entspannt…

Das Essen
beschraenkt sich keinesfalls auf Doener und Lahmacun. Ganz im Gegenteil, es ist so vielfaelltig, dass es schwer ist, etwas allgemeines dazu zu sagen, außer eben dass es so viel gibt. Und alles wirklich gut schmeckt. Zu fast jedem Gericht gibt es Weißbrot und Yoğurt, also „Naturjoghurt“, den man dazu isst. Außerdem sind meistens alle drei Mahlzeiten am Tag warm.

Der Verkehr
ist immer wieder aufregend. Auf den meisten Straßen fahren die Autos mehrspurig und oft gibt es dort wo ich lebe keinen wirklichen Fußweg, das heisst man laeuft eben auf dem Stueck Erde, was zwischen Fahrbahn und Wohnanlagenzaun uebrig ist. Fußgaengerampeln gibt es zwar, aber die werden kaum beachtet. Wie man hier also ueber die Strasse kommt? Hoffen und rennen! Da das alle machen sind auch die Autofahrer daran gewoehnt und sie halten ab und zu an, um die Fußgaenger vorbei zu lassen.
Das wohl bekannteste tuerkische oeffentliche Verkehrsmittel ist wohl der Dolmuş, ein Kleinbus in dem bar bezahlt wird und der keine festen Haltestellen hat, sondern dort haelt, wo es die Pasagiere wuenschen. İch bin leider noch nie mit einem gefahren, da es meine Gastfamilie fuer zu gefaehrlich haelt. Stattdessen fahre ich hauptsaechlich Bus (was auch immer wieder ein Erlebnis ist. Wirklich, eigentlich ist es voll bis obenhin, aber die fuenf Leute, die da an der Haltestelle stehen koennen wir sicher noch mitnehmen , und wenn sie fast auf dem Schoß der Busfahrers sitzen muessen, sie passen noch rein!!!) und Metro.

Die Religioesitaet
der Menschen ist bei weitem nicht so stark zu spueren, wie man in Deutschland oft vermutet. Natuerlich gibt es an fast jeder Ecke eine Moschee, von deren Minarett fuenf mal am Tag der Ezan also der Gebetsruf des Muezzin ertoent. Aber zum Beispiel Kopftuecher sieht man wahrscheinlich wesentlich seltener als in manchen Teilen Berlins und in der Schule sind sie sowieso verboten, worueber die Leute, mit denen ich bisher Gesprochen habe, auch sehr gluecklich zu sein scheinen.

 

İch hoffe, mit diesem Beitrag einen kleinen Einblick in mein momentanes Leben gegeben zu haben. İch melde mich bald wieder, bis dahin alles Gute!
Lena

PS: Um eine weitere Annahme vieler Deutsche ueber die Tuerkei zu zerstoeren, moechte ich noch sagen, dass ich seit einer Woche nur noch mit dicken Socken, Schal und Pullover unter der Jacke rausgehen kann. Es ist so kalt geworden in Ankara!!