Yeni İliniz mübarək! Каждый день не похожий на другой!…Kein Tag ist wie der andere!!!

Ereignisse ueber Ereignisse, Eindruecke ueber Eindruecke: Kein Tag ist wie der andere oder vergeht, ohne dass ich  etwas Aussergewoehnliches erlebe und wieder einmal sitze ich hier schon mindestens 15 Minuten  vor dem unbeschriebenen Word – Dokument und denke krampfhaft nach, wie ich am Besten die vielen Erlebnisse und Gefuehle der letzten Wochen zusammenfasse….[singlepic id=237 w=320 h=240 float=]

 

Je greller, desto besser

Um mit dem Naheliegendsten anzufangen, wuensche ich euch zunaechst einmal zweisprachig, so wie hier ueblich: “Yeni iliniz mübarək!”  “ C Новым Годом!” – Frohe Neues Jahr! Auch wenn wir mittlerweile schon den neunten Januar haben, sind wir hier noch in Neujahrsstimmung, die nicht zuletzt durch die extrem bunt geschmueckten Tannenbauemen in den Strassen hervorgerufen wird. Diese wurden im Dezember alle nach und nach aufgestellt. Bei einem Blick in die Geschaefte, hat mich die glitzernd glaenzende Farbenpracht sofort an amerikanische Weihnachten erinnert, sowie ich sie aus Filmen kenne. Dort gibt es zusammensteckbare Tannenbaueme aus Plastik, Engel und Weihnachtsmaenner in allen Farbvarianten zu kaufen: Von orange ueber pink bis blau und die Idee von besinnlichen Weihnachten war nichts als eine blasse Erinnerung and fruehere Zeiten…[singlepic id=244 w=320 h=240 float=]

Weihnachten in Aserbaidschan?

Und wie feierst du Weihnachten in Aserbaidschan? Diese Frage wurde mir von deutscher Seite aus in den letzten Wochen wohl am hauefigsten gestellt…um ehrlich zu sein, war ich mir Anfang Dezember darueber selbst nicht so ganz im Klaren. Soll ich Weihnachten zusammen mit der tschechischen Austauschschuelerin in der Kirche feiern oder mich an die grosstenteils muslimisch gepraegte Gesellschaft anpassen und Weihnachten ausfallen lassen? Ich hatte mich fuer letzteres entschieden, aber so ganz ist es mir nicht gelungen: So sind zwei Freunde mit mir am dritten Advent in die deutsche Kirche gegangen, wo der Gottesdienst ueberwiegend auf Russisch abgehalten wurde, einige Lieder allerdings auf Deutsch gesungen. [singlepic id=238 w=320 h=240 float=]

Diese haben bei mir ein unbeschreibliches Sehnsuchtsgefuehl nach deutscher Weihnacht ausgeloest, aber ich bin konsequent geblieben und vom 24. Bis 26.12 wie an jedem anderen Tag auch in die Schule gegangen. Mit den Gedanken war ich allerdings weit weg und als meine Mathelehrerin mich dann an die Tafel “geordert” hat,  ich gefleht habe: “Bitte nicht, fuer mich ist heute Weihnachten!”, war ihre Antwort nur: “ Новый Год – это наше рождество!” ( Neujahr – das ist unser Weihnachten!) Und mit dieser Antwort hatte sie mehr als Recht….aber bevor ich von den zahlreichen Neujahrsfeiern berichte, moechte ich erst einmal von einer typisch aserbaidschanischen Feier erzaehlen, die ich am 22.12. miterleben durfte.

 

Aserbaidschanisches Fest auf der Datscha!

Die Aserbaidschaner lieben es, zu Anlaessen von Geburtstagen grooooooooosse Feste zu veranstalten. Da im Kreise meiner Gastfamilie im Dezember mehrere Geburtstag liegen, stand fast jede Woche eine Feier an: Einmal sind wir sogar auf die дача (Datscha –Wochenendehaus wie in Russland) ans Meer gefahren, was fuer mich ein besonders praegendes Erlebnis war. Dazu muesst ihr wissen, dass ich seit Mitte Dezember traditionellen Tanzunterricht habe (darueber berichte ich im naechsten Blog genauer) und es kaum erwarten konnte, das Gelernte auf einer grossen Feier anzuwenden.

Ueblicherweise beginnt so ein Fest Samstags am spaeten Nachmittag: Nachdem der Grossteil der Gaeste eingetroffen ist, wird zunaechst einmal gegessen. Hier gilt die unausgesprochene Regel: Der Tisch sollte bis zum Rand mit Speisen vollbeladen sein! Als Vorspeise gibt es mehrere Varianten an Salat (hauefig auch mit Fisch) sowie Piroggen, als Hauptspeise ist das Nationalgericht “Plov” auesserst bliebt: Ein Reisgericht mit getrockneten Fruechten (Datteln und Aprikosen), dazu werden Esskastanien mit Zwiebeln, sowie Haehnchenfleisch gereicht. An diese Suss-Sauer- Mischung musste ich mich erst einmal gewoehnen, aber mittlerweile kann ich mir eine feierliche Angelegenheit ohne dem kaum noch vorstellen! J Auf dem Foto ist “Plov” angerichtet in einem Kuerbis zu sehen:[singlepic id=257 w=320 h=240 float=]

Zum Nachtisch gibt es prachtvoll verziehrte, leckere Torten sowie Konfekt, wozu der “Çay” (schwarzer Tee) auf keinen Fall fehlen darf!

Zwischen den Mahlzeiten gab es am 22.12. ein umfangreiches traditionelles Programm: Zum ersten Mal habe ich die eindringlichen Klaenge des Saz (eine Art kleine Gitarre in der Groesse einer Geige) live gehoert, dessen Spieler “ Aşiq” (gespr. Aschik) sich waehrend des Musizierens in einer anderen Welt zu befinden scheint – so tief ist er mit seinem Instrument verbunden:[singlepic id=240 w=320 h=240 float=]

Zwischendurch hoerte er hin und wieder auf zu spielen, um dem zu Beglueckwuenschenden ein paar gute Worte zuzusprechen. Ausserdem  haben zwei Maenner  mit Tar (groesser als Zar, wird aber ebenfalls wie Gitarre gespielt) und Qaval (Trommel) waehrend des Essens gespielt und nach jedem Gang  die Gaeste auf die Tanzflaeche gebeten…

Tanzen – die Verbindung zwischen Himmel und Erde

Als meine Gastmutter mir zugezwinkert und mit dem Kopf in Richtung der tanzenden Gaeste genickt hat, war ich zuerst ein bisschen schuechtern, aber dann habe ich mir einen kleinen Ruck geben und bin ihr gefolgt: Es war ein unbeschreiblich schoenes Gefuehl, die Freude in den Gesichtern der anderen  darueber zu sehen, dass auch ich als Deutsche ihren traditionellen Tanz liebe. Natuerlich gibt es auch hier mehrere Varianten…von schnell bis langsam passt jeder so gut er kann seine Tanzschritte an, die Stimmung ist froehlich und aufgelockert, hin und wieder tanzt man zu zweit. Wenn ein Mann eine Frau auffordert, hat er auch einfach die Moeglichkeit, sich hinzuknien, ihr zuzuklatschen und sie somit um sich herumtanzen zu lassen. Die Art des Gruppentanzens gibt es auch: Dabei fassen sich alle an den Haenden und wiederholen immer die gleiche Schrittfolge im Kreis. Nach einer gewissen Zeit, stellen sich die meisten Gaeste an den Rand, um den Kuensten einzelner “Akteure” zuzuschauen und diese im Takt zu beklatschen. So ist es auch mir ergangen: Ehe ich mich versah, , waren wir nur noch zu zweit auf der Tanzflaeche und an die 50 Leute haben uns “begutachtet”….aber das war mir in diesem Moment gar nicht bewusst: Ich habe mich wie im Rausch der Traditionen gefuehlt: In meinem Kopf vermischten sich die Klaenge des Tars (Gitarre) und Qavals (Trommel) mit der Stimme meiner Tanzlehrerin «Руки красиво!»  (Haende schoen) und «Показать глаза!» (Augen zeigen – wichtiges Element des aserbaidschanschen Tanzes fuer Maedchen, um die Schoenheit des Auges zu betonen) und ich habe mich einfach von diesem schwebenden Gefuehl tragen lassen….[singlepic id=241 w=320 h=240 float=]

Die Gaeste waren begeistert und haben mich fuer die Tanzkuenste gelobt – ich war uebergluecklich und habe in diesem Moment nur gedacht: Ich haette es frueher nicht fuer moeglich gehalten, vor so vielen unbekannten Leuten zu einer mir neuen Musikrichtung in einer neuen Tanzart spontan vorzutanzen: Das Auslandsjahr gibt einem in einigen Momenten ueberdimensionale Kraefte und ein ungeheures Selbstbewusstsein!

 

Das folgende Foto zeigt meine Gastmutter, Gastschwester, meinen Gastopa, eine entfernte Cousine und mich….

[singlepic id=242 w=320 h=240 float=]

BAZAR –endlich!!

Am darauffolgenden Tag (Sonntag) habe ich meinen Gastvater das erste Mal zum Grossbazar begleitet: Dies war laengst ueberfaellig, denn ich bin mittlerweile schon vier Monate hier und wollte endlich mal den “Geburtsort” der prallvollen Tueten kennenlernen, die die Menschen immer in die Busse wuchten. Dort gibt es alles an Fruechten zu kaufen, was das Herz begehrt, sowie Kaese in riesigen Toepfen, Gewuerze aller Art, nicht zu vergessen die Nuesse, auf denen die Marktlauete selbst gerne herumkauen, waehrend sie den Vorbeikommenden lautstark Angebote zurufen. Diese gilt es aufmerksam zu vergleichen, hat mir mein Gastvater erklaert, denn ueber ALLES laesst sich hier verhandeln. Fuer unsere schweren Einkauefe hatten wir einen Tuetentraeger, der eine halbe Stunde alles hinter uns hergeschleppt und am Ende 1 Manat (ca. 1 Euro) dafuer genommen hat. In dieser Situation bin ich mir erneut ueber die enormen Disparitaeten hier bewusst geworden: Unser Lebensstandart hier im Zentrum unterscheidet sich in keinster Weise von dem, wie ich es in Deutschland gewohnt war. Aber schon ein paar Bezirke weiter sieht es ganz anders aus. Nicht nur das Leben der Marktleute scheint hart: Besonders ergreifend finde ich das Schicksal der meist sehr abgearbeiteten Frauen, die fuer die Stadtreinigung arbeiten, Tag fuer Tag mit Besen und Eimer losziehen und die Strassen bei jedem Wetter sauebern, um ueberleben zu koennen. Gruende dafuer sind z.B., dass deren Maenner ein sehr geringes Einkommen erhalten oder arbeitslos sind, was hier nichts Gutes bedeutet, den die Sozialversicherungssysteme sind nicht gerade ausgeweitet…

[singlepic id=243 w=320 h=240 float=]

 

Und jetzt kommt eine kleine Chronologie von den zahlreichen Events zum Jahreswechsel:

21.12. : Конецсвета– Ende des Lichts – Tag des Weltuntergangs = Schuldisco

Fuer diesen Tag hatte unsere russische Parallelklasse die “New Year Disco” organisiert. Ich war sehr gespannt darauf, wie Disco in Aserbaidschan so ablaueft und muss sagen: Auf jeden Fall brauchen die Eltern hier keinen Grund zur Besorgnis zu haben 😀 Es lief alles sehr, sehr brav ab: “Teacher is watching you!” koennte man sagen, denn wir wurden auf jeden Fall gut beaufsichtigt. Zu trinken gab es Wasser, denn Cola koennte ja “aufputschen”, von Alkohol ganz zu schweigen. Letzterer ist hier in der Gesellschaft generell nicht gut angesehen (hat auch religioese Urspruenge) und fuer junge Maedchen ein “No – Go”. Ich muss jedoch zugeben: Die Stimmung war trotzdem super, auch ohne jeglichen Alkohol!!!

[singlepic id=239 w=320 h=240 float=]

25.12.: Ausflug in die Kaukasische Universitaet und ein Wunder in Mathe ist geschehen

Am “ersten Weihnachtstag” wurden wir von der Kaukasischen Universitaet in Sumqait zu einem Vortrag eingeladen, nach dem wir ueber das Gelaende der Universitaet gefuehrt und uns saemtliche Labor und Klassenraueme gezeigt wurden…Ja! Richtig! Auf grosse Hoersaale sind wir vergeblich gestossen, da in Aserbaidschan an vielen Unis noch aehnlich wie an der Schule unterrichtet wird. Dort ist mir mal wieder der Ernst des Lebens bewusst geworden: Meine Klassenkameraden sind jetzt schon wie wild auf Unisuche – schon im Mai wird fuer sie alles, was mit Schule zu tun hat vorbei sein. Uebrigens: So langsam laeuft es fuer mich immer besser mit der Anpassung an das aserbaidschanische Schulsystem: In der letzten Matheklausur vor den Ferien habe ich 90 Prozent geschafft – ich glaube es hing bei mir am Anfang auch viel mit Komplexen zusammen, die durch sprachliche Schwierigkeiten entstanden sind, dass ich auch andere Dinge auf einmal nicht mehr konnte. Diese sind jedoch jetzt eindeutig ueberwunden – Geduld scheint der Schluessel des Raetsels zu sein J

 

26.12.: Charity – Neujahrsfeier mit dem Roten Halbmond und dem Kinderheim…

Die Organisation des roten Halbmonds (entspricht der des roten Kreuzes in Deutschland) hatte ein paar Freiwillige vom Europa Liseyi darum gebeten, ein Programm fuer die Weihnachtsfeier des Kinderheims vorzubereiten. Die Kinder wurden in ein Restaurant zum Essen eingeladen, waehrenddessen ihnen Geschenke aller Art, Hauptsaechlich Spielzeug ueberreicht wurde. Die Sechstklaessler haben getanzt und gesungen, wir haben ein Quiz vorbereitet….Der blaue Rock, den ich auf den Fotos trage, ist uebrigens Teil unserer offiziellen Schuluniform ;)[singlepic id=246 w=320 h=240 float=][singlepic id=245 w=320 h=240 float=][singlepic id=247 w=320 h=240 float=]

 

26.12.:… und Neujahrsparty mit der Klasse im Restaurant mit Animationsprogramm!

Da eine Neujahrsparty pro Tag nicht genug zu sein scheint, ging es abends gleich weiter: Zusammen mit der ganzen Klasse haben wir bereits das neue Jahr begruesst und gefeiert. Was hier besonders bemerkenswert ist, dass die DJs sowohl moderne, als auch traditionelle Songs spielen, sodass natuerlich auch traditionell getanzt wird J Ausserdem haben gab es ein Programm, bestehend aus Spielen, bei denen Jungs und Maedchen immer als “Paar” im Team angetreten sind: z.B. Tanzen oder Wettessen (besonders amuesant war, als die Maedels die Jungs mit verbundenen Augen fuettern mussten), beim Muffinwettessen hat unser Team gewonnen 😀 Das Foto zeigt uns mit unserer sehr herzlichen Klassenlehrerin, zu der wir ein sehr enges Verhaeltnis haben J Generell nehme ich hier eine intensive Harmonie zwischen den Schulern selbst sowie zwischen Schuelern und Lehrerinnen war (Lehrer gibt es kaum), was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass sie 11 Jahre lang zusammen lernen…[singlepic id=236 w=320 h=240 float=][singlepic id=248 w=320 h=240 float=]

 

29.12.: Neujahrsfeier im Maryam Center und Spanischer Conversation Club

Keine Angst – noch 2 Neujahrsfeiern, dann seid ihr von diesem Thema erloest 😛 Im Maryam – Center fand am 29.12. die Feier fuer alle Lehrerinnen statt, die dort unterrichten, also waren Mari und ich aus der Fachrubrik “Englisch” auch dabei: Wir haben den Raum mit Neujahrswuenschen als Tafelanschriften in mehreren Sprachen geschmueckt. Hier die deutsche Version:[singlepic id=249 w=320 h=240 float=]

Am Nachmittag hatte ich dann das letzte Mal vor den Ferien Spanischen Conversation Club in der Fremdsprachenunivesitaet, wo ich seit Anfang Dezember teilnehme. Das ist eine sehr nette Runde, in der wir immer interessante Themen haben, die wir jedes Mal vorher vorbereiten, z.B. “Amistad” (Freundschaft) oder “El papel del dinero en nuestra vida” (Die Rolle des Gelds in unserem Leben). Gluecklicherweise kann ich jetzt wieder auf Spanisch reden, aber lange nicht so fliessend wie Russisch. Es ist schon verrueckt, wenn man bedenkt, dass ich drei Jahre Spanisch in der Schule hatte, aber erst vier Monate richtig Russisch lerne. Daran erkennt man die Wirkung der tagtaeglichen Konfrontation mit einer Sprache und auf der anderen Seite die Gefahr des Verlernens bei “Nichtanwendung”. Was allerdings die Richtigkeit der Sprache anbelangt, sieht es ganz anders aus: Spanische Grammatik kenne ich, aber die russische bleibt mir teilweise noch so raetselhaft, dass ich mich immer wieder dabei ertappe, dies einfach mit schnellem Reden zu vertuschen 😀

Auf dem Foto sieht man unsere Lehrerin (links), eine Teilnehmerin und mich…

[singlepic id=250 w=320 h=240 float=]

Abends sind Mari in die katholische Kirche gegangen, wo wir vor der Messe zusammen deutsche und tschechische Weihnachtslieder auf dem Klavier gespielt und dazu gesungen haben. Da kam wieder das vertraute Heimatgefuehl auf, dem ich gerne etwas Raum gewidmet haette, aber der 31.12. rueckte gefaehrlich nahe und es musste viel fuer die Familienfeier (= 20 Leute) in unserem Haus vorbereitet werden…

 

 31.12.: C новым Годом! Желаем удачи, здоровья и счастья в 2013!

Alles Gute fuers Neue Jahr! Wir wuenschen Erfolg, Gesundheit und Glueck fuer 2013!

… zum Beispiel den“Салат „Гранатовый браслет“ Salat “ Granatapfelartiges Armband” (oh nein klingt die Uebersetzung schrecklich :D) Er besteht aus mehreren Schichten: Kartoffeln, Zwiebeln, Nuessen, Huehnchen, Mayonnaise und ganz wichtig, nicht nur als Zierde: Granatapfel![singlepic id=251 w=320 h=240 float=]

 

Gegen Abend sind nach und nach alle Gaeste eingetroffen, besonders suess sind meine beiden Zwillingsgastcousinen und die grosse Frage ist natuerlich, was sie nach dem Essen unbedingt mit mir machen wollten: Tanzen natuerlich! Auf dem Foto machen wir gerade aserbaidschanische Tanzposen vor unserer Ёлка (Jolka) Tannenbaum im Wohnzimmer. Dann gab es Bescherung, bei der wir uns gegenseitig Geschenke ueberreicht haben, allerdings nicht so umfangreich wie in Deutschland. Vorteil: Der Vorweihnachtsstress, also hier “Vorneujahrsstress” bleibt einem erspart J Besonders habe ich mich ueber das Geschenk meiner Gastgrosseltern gefreut: Eine CD mit traditioneller Tanzmusik 😀

[singlepic id=252 w=320 h=240 float=]

Dann gab es natuerlich die schwere Frage, wessen Neujahrsansprache wir im Fernsehen schauen: Die von Vladimir Putin oder Ilham Aliyev? Letztendlich hat sich meine Gastfamilie dann fuer die ihres eigenen Praesidenten entschieden…Um Mitternacht sind wir alle auf den Balkon gegangen, um das Feuerwerk am Ufer des Kaspischen Meers zu beobachten und haben aufs Neue Jahr 2013 angestossen.

[singlepic id=253 w=320 h=240 float=]

 

Am 01.01.13 haben wir einen Neujahrsspaziergang am Bulvar gemacht (Foto: mein Gastvater und ich vor dem riesigen Tannenbaum)

[singlepic id=254 w=320 h=240 float=]

 

Das neue Jahr ging gleich mit vielen Aktionen weiter. Vom 31.12. bis zum 06.01. war zwar eine offiziell arbeits – und schulfreie Woche, aber keine Spur von Zeit zum Ausruhen 😀

 

Am 02.01. sind wir zur Datscha des Maryam Centers gefahren, die sich im Dorf  “Dübəndi”befindet, wo gerade inmitten einer Sandwueste ein neuer Ort am Meer errichtet wird. Dort haben wir die Spiele fuer die Sommercamps der Kinder ausgetestet, auch hier wieder alles zweisprachig: Schatzsuche mit Loesungswort auf Aserbaidschanisch und Russisch 😀

[singlepic id=255 w=320 h=240 float=][singlepic id=256 w=320 h=240 float=]

Das erste Mal als Teamerin bei einer YFU -Vorbereitungstagung

Vom 03. Bis 05.10. ging es dann gleich weiter mit der Vorbereitung und Durchfuehrung des Qabağı Seminars, der Vorbereitungstagung fuer die aserbaidschanischen Austauschschueler, die jetzt im Januar nach Deutschland fliegen. Alle, die jemals so eine Tagung erlebt haben, wissen, was fuer ein einmaliges Erlebnis dies fuer Austauschschueler und Teamer ist und deswegen koennte ich jetzt Baende darueber schreiben. Da aber einige Elemente unter “YFU – Geheimnis” laufen, um zukuenftigen Austauschschuelern nicht die Spannung vorwegzunehmen nur in Kuerze: Wir haben zusammen aus dem bisherigen Ablauf von aserbaidschanischer Seite, den Elementen von der VBT aus Deutschland und nicht zuletzt unserer eigenen Kreativitaet ein voellig neues Konzept erstellt, das ein voller Erfolg war. Einige der “gewissen Modelle” gibt es jetzt auch auf Russisch und Aserbaidschanisch, genauso wie die Energizer und zum Thema “Simulation”: Es war schwer, ernst zu bleiben, aber es ist uns Teamern gelungen 😀 Allen, fuer die ich jetzt in Raetseln spreche und keine zukuenftigen Austauschschueler sind, antworte ich natuerlich gerne auf weitere Fragen diesbezueglich 😉

Auf den Fotos spielen wir gerade eine Szenen in einer deutschen Gastfamilie: Jeder Austauschschueler hat eine andere Situation bekommen, in die er hineinversetzt wurde und spontan reagieren sollte. Gülüş, Teymur (waren beide als ATS in Deutschland) und ich haben die Gastfamilie gespielt 😀

[singlepic id=260 w=320 h=240 float=][singlepic id=259 w=320 h=240 float=][singlepic id=261 w=320 h=240 float=][singlepic id=262 w=320 h=240 float=]

Als wir das deutsche Schulsystem thematisiert haben, wurden die ATS in einen kleinen Schock verstetzt, indem ich ihnen Beispiele der umfangreichen Analyseaufgaben des Politikunterrichts der Oberstufe inDeutschland gezeigt habe. Zuerst war es sogar schwer fuer sie, sich unter „Politikunterricht“ etwas vorzustellen, da dieser hier nicht im Lehrplan aufgefuehrt ist…

Uns allen hat diese Tagung sehr viel Freude bereitet und mir persoenlich auch nochmal den Anreiz gegeben, viele Ereignisse und Situationen meines eigenen Austauschjahrens zu reflektieren:

 

Kosmopolitismus?! Nicht mehr ganz deutsch aber auch nicht aserbaidschanisch!

 “Deine Generation hat den großen Vorteil, im Rahmen der Globalisierung die Welt und im Sinne der wunderbaren Völkerverständigung viele Menschen und Kulturen außerhalb des eigenen Landes kennenzulernen, sich zu einem Kosmopolit zu entwickeln. Das kann aber auch die Gefahr der Entwurzelung in sich birgen.” Diese Antwort habe ich von meiner lieben Mama aus Deutschland erhalten, als ihr ueber meine derzeitige Gefuehlslage berichtet habe. Auf der einen Seite kommen mir Dinge, die ich in Deutschland als normal empfunden habe, wie z.B. die Wochenendgestaltung der Jugendlichen, auf einmal merkwuerdig vor; bei einigen Partybildern zucke ich sogar zusammen :D. Auf der anderen Seite merke ich immer wieder, dass ich hier ewig “die Deutsche” bleiben und nie ganz eine von ihnen sein werde, auch wenn ich gute Freunde gefunden habe. Doch wo gehoere ich wirklich hin? Die Frage der Dazugehoerigkeit plagt mich in den letzten Wochen immer wieder und ich fuehle mich wirklich wie ein Kosmopolit, zwischen den Laendern und ohne Bodenhaftigkeit, der sein wahres Gesicht zwischen den vielen Masken nicht wiederfinden kann.

Das Eintauchen in die Kultur

Auf der anderen Seite verstehe ich immer mehr den Grundkonsens der aserbaidschanischen Kultur und das daraus folgende Handeln der Menschen: Besonders hilft mir dabei meine Gastfamilie, die auf alle (kritischen) Fragen geduldig antwortet sowie meine Klassenlehrerin, die mir erst neulich die Grundzuege des Islams erklaert hat: Sofort haben wir Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam entdeckt! Die Aussage: “Auge um Auge – Zahn um Zahn” steht sowohl im Koran als auch in der Bibel. Auf meine Frage, warum die Maenner / Jungen auf ihre Frauen / Toechter / Schwestern so stark achten und sie verehren, hat meine Lehrerin mir mit dem Satz “ Das Paradies befindet sich am Fuße der Mutter!” als Zitat aus dem Koran geantwortet. Warum im Koran steht, dass ein Mann vier Frauen gleichzeitig haben kann, wenn er sie materiell und physisch gleich behandelt und sie damit einverstanden sind, habe ich zuerst nicht verstanden. Als meine Lehrerin mir allerdings als Grund die Wichtigkeit des Fortlebens der Gesellschaft angegeben hat, konnte ich es schon eher nachvollziehen. Religioes werden in Aserbaidschan heutzutage solche Hochzeiten durchgefuehrt, wenn die erste Frau also z.B. keine Kinder bekommen kann, staatlich wird die 2. Bis 4. Hochzeit allerdings nicht anerkannt…

 

Gastfreundliche Aserbaidschaner – Verwandte suchen = Neujahrstradition

Bevor es wieder mit der Schule losging, habe ich auch noch einen Tag bei meiner ersten Gastfamilie verbracht. Als ich in deren Wohnzimmer eingetreten bin, war ich erstaunt ueber die unbekannten Gaeste, die dort sassen. In der Kueche hat mir meine Gastmutter dann zugefluestert, dass dies angeblich ihre Verwandten seien. Diese haben mich dann ueber den Neujahrsbrauch in Aserbaidschan aufgeklaert, dass man irgendwelche entfernten Verwandten  sucht und dann spontan zu Besuch geht, also eine Stunde vorher anruft 😀 Als ich die Fremden gefragt habe, ob sie die Familie uebers Internet gefunden haben, wurde mir geantwortet: “Grossmutter und Grossvater sind unser Internet!”

 

Jetzt werde ich mich jetzt erstmal ein bisschen von den Ferien erholen, denn drei Stunden Schlaf pro Nacht ist als Teamer waehrend einer Vorbereitungstagung normal, oder?! 😀 Die ganzen Vorbereitungen machen dafuer zum Glueck unglaublich viel Spass!Freitag werden wir uns erneut in Sumqayıt treffen, um das neue Konzept aufzuschreiben. Doch morgen faengt erstmal mein aserbaidschanischer Sprachkurs an. Es ist wie ein Fluch: Ich kann diese Sprache mittlerweile gut verstehen, aber da ich meistens nur Russisch rede, faellt es mir sehr schwer , Aserbaidschanisch zu sprechen, aber auch hier traegt das Geheimrezept wahrscheinlich mal wieder die Ueberschrift “Geduld” oder besser gesagt “ Səbir / Терпение”!

[singlepic id=258 w=320 h=240 float=]

Ereignisse ueber Ereignisse, Eindruecke ueber Eindruecke: Kein Tag ist wie der andere…so oder so aehnlich wuerde ich im Moment mein bisheriges Austauschjahr in einem Satz zusammenfassen, wenn man mich dazu “zwingen” wuerde 😀

Jetzt bleibt mir nur noch, euch allen ein wunderschoenes Jahr 2013 zu wuenschen und euch ganz herzlich zu Gruessen aus einem Land, in dem sich gerade alle ueber die Wettervorhersage fuer morgen freuen, die da lautet: “ SCHNEE!!!!!!”

 

Alles Liebe

Eure Philine

Frohe Feiertage! :)

Heiligabend und Weihnachten waren dieses Jahr besonders interessant, denn ich habe sie mit der Familie meiner Gastfamilie zusammen in Cloppenburg gefeiert. Obwohl bei mir zu Hause Heiligabend und Weihnachten erst am 6. und 7. Januar stattfinden und ich an solch eine große Menschenmenge an den Tagen gewöhnt bin, fande ich es trotzdem sehr schön und habe mit größter Freude dran teilgenommen. Anfangs haben wir uns die Zeit mit Fernsehn und nichtstun vertrieben. Später haben wir alle zusammen gekocht wobei allerlei Gerichte rausgekommen sind. Nach mehreren Stadtrundfahrten und Spaziergängen hatten wir uns alle wieder am Tisch versammelt. Das Essen war ein richtiger Gaumenschmaus. Nach dem äußerst delikaten Festmal haben wir die gemeinsame Zeit mit Filme gucken und Erzählungen von interessanten Geschichten aus der Vergangenheit sowie auch aus der Gegenwart verbracht. Am nächsten Tag sind wir alle durch das Städtchen Cloppenburg gefahren und haben das Museumsdorfs besucht wessen Gebäude dem Zahn der Zeit anmutig getrotzt haben…  Silvester war ausnahmsweise mal ungewöhnlich. Damit ich in die Stadt kommen konnte nahm ich den letzten Bus der noch fuhr, aber der wiederum kam schon in den Mittagsstunden in der Stadt an. Mit den Freunden, die mich bereits erwarteten habe ich die noch verbleibende Zeit “ kreativ“ gestaltet. Wir sind essen gegangen sowie auch in ein paar Cafes. Später sind wir durch die Stadt spaziert und haben die Ruhe vor dem Mitternachtswahnsinn genossen. Menschenleere Strassen und geschlossene Läden umgaben uns. Nach den etwas längeren und ermüdenden Spaziergängen haben wir uns zu anderen Freunde auf eine Feier begeben. Während der Party habe ich viele neue Bekanntschaften geknöpft. Der beste Moment war , wie immer, der Countdown und das darauf folgende Feuerwerk, welches ich bildschön fand.. Ich habe viele nette und gastfreundliche Menschen kennengelernt und die deutsche Version der Feiertage miterlebt. Alles in allem war es ein einzigartiges Erlebnis.

Weihnachten in Amerika

Viele wichtige und interessante Dinge sind passiert, seitdem ich das letzte Mal gebloggt habe. Wir feierten Thanksgiving, hatten Vorweihnachtszeit, Finalweek, und natürlich Weihnachten. Außerdem musste ich traurig feststellen, dass schon fast 5 Monate meines Austausches vergangen sind. Aber beginnen wir der Reihe nach:
Thanksgiving
Thanksgiving wird hier in Amerika am vierten Donnerstag im Monat November gefeiert. Man bedankt sich für alles Gute in seinem Leben (etwa wie unser Erntedank) und lädt seine ganze Familie zum gemeinsamen Truthahnessen ein. Da meine Gastfamilie sehr gerne reist, haben wir beschlossen einen kurz Trip nach South Carolina zu machen. Wir hatten drei Tage schulfrei, meine ersten Ferien seit dem 20.August. Am Mittwoch vor Thanksgiving sind wir Richtung Ostküste aufgebrochen. Auf dem Hinweg sind wir durch die Staaten Illinois, Tennessee, Kentucky, North Carolina und South Carolina gefahren und natürlich habe ich es sehr genossen so viel von Amerika zu sehen. Meiner Meinung nach sollte man einmal quer durch Amerika fahren wenn man das Land kennenlernen will. Die meisten Amerikaner leben ja in den ländlichen Regionen und nicht in den großen, bekannten Städten und Staaten und außerdem konnte ich auf meiner Reise so viele verschiedene Landschaften von Amerika sehen. But anyway, nachdem wir eine Nacht in North Carolina verbracht hatten sind wir am nächsten Tag, also an Thanksgiving nach Myrtle Beach, South Carolina, weitergefahren. Der Strand war wunderschön und da es ein nationaler Feiertag war und es auch schon zu kalt zum Baden war, waren kaum Menschen am Strand. Am nächsten Tag haben wir neben Spaziergänge am Strand, gutem Essen und baden im Pool, vor allem mit Shoppen verbracht. Warum? Es war Black Friday. Am Black Friday ist in den Geschäften so gut wie alles stark reduziert und teilweise stehen die Menschen schon Tage vor Black Friday vor den Geschäften, um die besten Schnäppchen machen zu können. Vor allem in den Elektronikläden sind die Schlangen sehr lang, aber auch alle anderen Geschäfte haben viel zu bieten. Wer kann denn schon zu 40 Prozent Rabatt in einem Hollister und Abercrombieladen Nein sagen? Oder 60 Prozent bei Aeropostale? Ich habe irgendwo gelesen, dass jeder Amerikaner im Durchschnitt 423 $ ausgegeben hat. Am Samstagabend ging es dann schon wieder heim durch Alabama, Georgia, Mississippi und Arkansas. Als wir in Memphis, Tennessee waren haben wir noch einen kurzen Stopp eingelegt und dabei einen typischen Bluesclub besucht. Der Club hatte zwei Stockwerke, im ersten Stock war die Bar mit Livemusik und Tanz und im zweiten Stock konnte man essen. Es war eine phantastische Stimmung, die man nur schwer beschreiben kann und ich hoffe, dass jeder der nach Amerika kommt, einmal die Chance hat in einen Bluesclub zu gehen und dies zu erleben. Insgesamt war es ein wunderbarer Urlaub und ich bin so dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte so viele verschiedene Seiten von Amerika kennen zu lernen.

Finalweek
In der letzten Woche vor Weihnachten hatten wir in meiner High School Finals. Final Exams sind Klassenarbeiten in der Schule mit dem Stoff des letzten Halbjahres. Schon seit Wochen wurde darüber geredet, vorbereitet und Zusammenfassungen von den Lehrern verteilt. Am Mittwoch vor Weihnachten hatten wir unsere ersten Finals. Am  1.Tag (Mittwoch) hatten wir Final Exams in den Klassen 1, 2 und 3. Was für mich bedeutete: Religion, Chemie und Algebra. Wir hatten für jedes Exam 1 Stunde und 10 Minuten Zeit, danach 5 Minuten Pause und dann das nächste Final. Am nächsten Tag standen dann Study Hall, Spanisch und English auf dem Programm. Am Donnerstag mittag hat es zum ersten Mal ein klein wenig geschneit. Nicht viel und es ist auch nicht liegen geblieben aber wenigstens hat es mir ein wenig Weihnachtsgefühl gegeben. Da hier niemand mit Winterreifen fährt, hatte ich gehofft, dass es am Freitag ein wenig eisig ist und somit unsere Weihnachtsferien früher beginnen. Leider wurde ich enttäuscht und ich musste am Freitag meine letzten Finals in Film und American History schreiben. Nicht wie befürchtet war die Woche sehr anstrengend was den Inhalt der Finals betrifft – ich persönlich fand es wahnsinnig anstrengend über 3 Stunden konzentriert zu sein und nur 5 Minuten zwischen den Exams Pause zu haben.

Weihnachten/Vorweihnachtszeit
Als ich in Deutschland war, haben viele Leute mir erzählt, dass in Amerika Weihnachten total kitschig und übertrieben ist. Ehrlich gesagt, dem „kitschig“ kann ich zustimmen, dem „übertrieben“ nicht ganz. Schon ein paar Tage nach Thanksgiving haben wir unseren Plastik-Weihnachtsbaum aufgestellt und unser Haus dekoriert. Anfang November war unsere ganze Straße und Mitte Dezember dann so gut wie alles, eingeschlossen unserer Schule dekoriert. Da der Schnee, der Adventskalender und unser richtiger Weihnachtsbaum gefehlt haben, kam anstatt Vorweihnachtsfreude jedoch mehr Heimweh auf. Ich hatte in der ganzen Zeit in der ich nun hier bin, noch nie richtig Heimweh und hatte keine Ahnung wie es sich anfühlt. Jetzt kann ich sagen, es ist horrible und man kann es sich wirklich nicht vorstellen wenn man in Deutschland ist, wie sehr es wehtun kann. Aber glücklicherweise habe ich etwas dagegen gefunden. Es heißt, man soll rausgehen und sich ablenken und ich kann zu 100 Prozent sagen: Das stimmt. Obwohl man, wenn man Heimweh hat, am liebsten allein in seinem Zimmer sitzen will, ist rausgehen und versuchen nicht daran zu denken das Beste. Zum Glück habe ich eine wunderbare Familie die mich unterstützt hat und mir eine wunderbare Vorweihnachtszeit mit typisch amerikanischen Cookies, amerikanischem Stil (für uns Deutsche manchmal etwas kitschig), amerikanischem Nikolausfest und mit viel Liebe ermöglicht hat. Trotz der teilweise übertriebenen Vorweihnachtsfreudehabe ich viele Spendenaktion gesehen, die so kreativ waren und mir einfach gezeigt haben wie Amerika zusammenhält. Außerdem habe ich viele wunderbare Adventgottesdienste, große Familienfeste, unglaublich viele Schilder mit „Keep Christ in Christmas“ und viele Gebete gehört und erlebt. Da man die Weihnachtsgeschenke hier am Morgen des 25. Dezember bekommt sind wir am 24. Dezember, dem Christmas Eve nur in die Kirche gegangen und haben unsere Geschenke vorbereitet. Am 25. Dezember sind wir ziemlich früh aufgestanden und alle unsere Geschenke waren in unseren Socken und unter dem Weihnachtsbaum. Nachdem wir unsere Geschenke ausgepackt hatten, gab es ein ausgiebiges Frühstück und haben uns anschließend mit unseren Geschenken beschäftigt. Da wir uns schon am Wochenende vor Weihnachten mit unserer ganzen Familie getroffen haben (und das waren wirklich nicht wenige) sind wir nachmittags nur ins Kino gegangen und haben den neuen Tom Cruise Film angeschaut. Ich war erstaunt wie viele Menschen dort waren. Der 2. Weihnachtsfeiertag war weniger festlich, denn die Geschäfte haben wieder geöffnet und die After Christmas Sales haben begonnen. Wie bei uns haben viele ihre Geschenkgutscheine eingelöst, viel wurde umgetauscht und vieles wurde auch wieder zurückgegeben. Damit war Weihnachten eigentlich schon am 2. Weihnachtstag vorbei. Trotz meiner kleinen Heimwehattacke hatte ich eine wunderbare Weihnachtszeit und wunderbare amerikanische Weihnachten, die ich vor allem meiner wunderbaren Gastfamilie zu verdanken habe. Ich habe es genossen Weihnachten in einem anderen Land und mit anderen Sitten zu erleben und ein wenig traurig bin ich schon bei dem Gedanken Weihnachten nächstes Jahr nicht hier in Amerika zu feiern.

Hyvää joulua & hyvää uutta vuotta!

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

wie im Titel schon geschrieben wünsche ich euch allen erst einmal frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr, wenn auch reichlich verspätet, entschuldigung dafür. 😉

In ein paar Tagen ist „Halbzeit“, und seit dem letzten Blogeintrag ist bei mir viel passiert: Ich war mit YFU in Tallinn, privat mit meiner Gastfamilie in London, und vieles mehr!

Aber fangen wir doch mal mit dem interessantesten Thema für zukünftige Finnland-Austauschschüler an:

Wie habe ich Weihnachten und Silvester gefeiert?

Es gibt ein Wort, das meine Festtage hier ziemlich gut beschreibt:  Essen.

Ich dachte ja immer, dass meine Familie und ich an Weihnachten in Deutschland schon immer viel essen, aber kein Vergleich zu dem Essmarathon, den wir hier an Weihnachten und Silvester hingelegt haben.
Bei uns gab es an Weihnachten den traditionellen Joulukinkku („Weihnachtsschinken“), zusammen mit Karotten- und Kartoffelauflauf/-brei, ich weiß nicht wie man das nennen soll. Es hat auf jeden Fall ziemlich gut geschmeckt 😉

Außerdem sind wir an Weihnachten, wie viele andere Finnen auch, auf verschiedene Friedhöfe gefahren und haben an den Gräbern verstorbener Verwandter/Bekannter gedacht und Kerzen angezündet. Diesen Brauch finde ich sehr schön, die Atmosphäre ist einmalig und auch überhaupt nicht gruselig 😀 (Zuerst dachte ich:  na toll, nachts im dunklen auf  ’nen Friedhof – ich kann mir schöneres vorstellen. Aber letzten Endes war ich froh, dass ich mitgekommen bin). Wer sich das nicht vorstellen kann oder sich einfach nur ein Bild davon machen will: Einfach nach „hautausmaa jouluna“ googlen.

Silvester war es dann erstaunlich warm (um die 0° C!). Wir haben wieder einmal viel gegessen und sind dann um 12 Uhr rausgegangen, um Raketen abzuschießen, also ziemlich genauso wie in Deutschland.

Mitte Dezember war dann noch der YFU-Trip nach Tallinn (Estland). Tallinn ist echt eine wunderschöne Stadt und ich bin regelrecht in einen „Kaufrausch“ verfallen, weil das meiste sehr viel billiger als in Finnland war. Bei der Heimfahrt mit dem Schiff hatten wir ziemlich starken Seegang und ziemlich viele wurden seekrank. Trotzdem hat das Wochenende viel Spaß gemacht 🙂

Das war es erstmal von mir,

bis dann mal wieder 🙂

Helene

 

Weihnachtszeit, Geburtstag und Silvester

Es ist wohl in jedem Falle äußerst interessant, die Weihnachtszeit in einem anderen Land zu verbringen. Noch interessanter wird es, wenn sich die Familie noch in der mehr oder weniger fernen Heimat befindet.

Ich muss sagen, dass sich diese Zeit in Estland wie im Bilderbuch verleben lässt, denn seit November war die Landschaft dauerhaft in ein wunderschönes Weiß getaucht. Zwar ist es die letzten Tage wärmer geworden (Temperaturen um Null), doch mit den Berichten aus dem erstaunlich warmen Deutschland ist das nicht zu vergleichen. Laut dem Mexikaner Alejandro war das Weihnachten in seiner Heimatstadt kälter als in meiner.

Die meisten estnischen Schulen pflegen die Tradition des Weihnachtsballes. Auch bei mir fand kurz vor den Ferien diese Veranstaltung statt, bei der die einzelnen Klassen etwas Kleines aufführten, der Weihnachtsmann kam und letztendlich getanzt wurde. Ich war vorher nervös gewesen, doch das war vollkommen unbegründet, wie sich herausstellte. Und gegen meine Ratlosigkeit bezüglich der Frisur half meine in der Hinsicht unglaublich begabte Gastschwester Kati. Auf dem Ball gewann ich übrigens zusammen mit meinem Klassenkameraden Kaarel eine Auszeichnung als charismatisches Tanzpaar; ich habe allerdings den leisen Verdacht, dass mir dort der Ausländerbonus zufiel.

Weihnachten selbst war ein gewaltiges Erlebnis, da ich es in meiner deutschen Familie noch nie so konventionell gefeiert habe. Wir waren insgesamt 14 Leute (Gasteltern und -geschwister, Alejandro und seine Gastfamilie, ich), es gab einen Weihnachtsbraten und der Weihnachtsmann kam. Jeder musste ihm ein kleines Gedicht aufsagen, um seine Geschenke zu bekommen – auf Estnisch, versteht sich. Nur in die Kirche sind wir nicht gegangen, was in Estland auch generell nicht üblich ist. Auf jeden Fall war es ein durch und durch gemütliches und besinnliches Weihnachten.

Einen Tag später hatte ich Geburtstag. Das trifft sich gut, denn gerade an dem Tag fand in Rakvere ein kleines Rockfestival statt, das ich mit meiner Klassenkameradin Eliisa besucht habe. Es gab keinen besseren Weg, meinen Geburtstag zu feiern.

Silvester verbrachte ich ebenfalls mit meiner Gastfamilie und Eliisa. Es gab ein großes Essen, wir sahen einen Film und bald gingen wir hinaus, um das Feuerwerk zu bestaunen, welches atemberaubend war. Es war ein eigenartiges Gefühl, zu wissen, dass ich schon im Jahre 2013 angekommen war, während die Deutschen noch eine Stunde im Jahre 2012 hatten.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um Euch hiermit ein spektakuläres Jahr 2013 zu wünschen! Für mich wird es das bestimmt.