Cumpleaños feliz, cumpleaños feliz…

So, mein letzter Eintrag ist schon wieder fast einen Monat her und ich habe alles vergessen, was drin steht… aber gerade am 20.10.2012 um 18.39 Ortzeit habe ich auf nichts mehr Lust als einfach in unserem Wohnzimmer zu sitzen und nichts zu machen. Oder vielmehr einfach einen neuen Blogeintrag zu schreiben.

Naja, was gibt es Neues in meinem Leben? Also fangen wir doch einfach mal mit dem altbekannten Thema Schule an. Ich geh jeden Montag bis Freitag wie gewohnt in die Schule von 7-12.50. Dies ist weniger als in meiner deutschen Schule, kommt mir aber trotzdem ewig lang vor, und ich bin froh, wenn ich dann um 12.50 die Schule verlasse und mich durch die brüllend heiße Mittagssonne auf den Weg in den Laden meiner Eltern machen darf. Danach geht’s nach Hause zum Mittagessen und ich habe meinen mehr oder weniger freien Nachmittag.

In den letzten Wochen in der Schule waren wohl die spannendsten Sachen der 8-Kilometer-Lauf und der freie Tag am 12. Oktober. Das erste war vor circa 3 Wochen an einem Mittwoch,  der Tag, an dem ich mit Sportuniform in die Schule gehe und zwei Stunden Sport habe. Wie ich schon gesagt hatte, haben wir eine Note für den Lauf über 8 Kilometer bekommen. Aber man darf sich das jetzt nicht zu einfach vorstellen. Ich als Flachlandtiroler bin nur gerade, ebene Strecken gewöhnt, aber hier hatte ich es mit etwas ganz anderem zu tun. Ich sollte mich einmal die Berge hinter meiner Schule hochquälen und danach in nem unglaublich schnellen Tempo wieder herunter laufen. Ich glaube, jeder aus meiner Klasse ist die Berge hochgegangen und keiner ist gelaufen, vor allem, weil es an dem Tag einfach so unglaublich heiß war, dass es eigentlich Schwachsinn war, diesen Lauf an diesem Tag zu machen. Aber das hat den Lehrer relativ wenig bis gar nicht interessiert. Naja, nachdem wir/ich dann oben am höchsten Punkt angekommen waren, ging es bergab und das wirklich extrem schnell. Teilweise habe ich wirklich gedacht, wenn jetzt eine Kurve kommt oder mir etwas entgegen kommt, das war’s. Aber Glück gehabt! Ich bin doch heil unten angekommen und das sogar als 4. aus meiner Klasse. Mein Lehrer hat echt gestaunt, dass ich als einer der Ersten angekommen bin. Ganz unversehrt habe ich es dann doch nicht überlebt, ich hatte die erste Blase meines Lebens am Fuß, die weh getan hat. Aber naja, es gibt Schlimmeres.

Das andere Wichtige und was ich ernsthaft vergessen hätte, als ich angefangen hab, den Eintrag zu schreiben, ist mein Geburtstag… Also, zuerst hatte ich schulfrei, da am 12.10.1492 Amerika entdeckt wurde, und deswegen ist in ganz Südamerika und ich denke auch in Spanien ein Feiertag. Das bedeutet, dass ich ausnahmsweise ausschlafen durfte, eins der größten Geschenke an diesem Tag. Nachdem ich aufgestanden bin, wurde mir erstmal von meiner Mutter zum Geburtstag gratuliert mit einer Umarmung und nem Küsschen auf die Wange. Danach habe ich ihr nochmal Danke gesagt, dass ich in ihrem Haus sein darf und wie schön die letzten 2 Monate waren. Da hat meine Gastmutter angefangen zu weinen und meinte, dass sie das gerne machen und dass ich und die anderen beiden Austauschschüler, die hier schon waren, wie ihre eigenen Kinder sind. Ich musste mich da auch ziemlich beherrschen, kein Pipi in die Augen zu bekommen. Danach sind wir dann in die Mall gefahren, um mir zum Geburtstag ein Ecuador-Trikot zu kaufen. An diesem Tag hat auch Ecuador gegen Chile Fußball gespielt. Ecuador hat 3 zu 1 gewonnen. Auf der eine Seite gut, aber auf der anderen Seite halt schon schade, dass das Land meines Vaters verloren hat. Also, das Spiel habe ich bei einem Fremden geguckt, da ich eingentlich erst das Spiel im Haus meines Cousins sehen wollte, dieser dann aber nicht aufgetaucht ist, so dass ich mit meiner Cousine und ihren Freundinnen einfach ins Haus eines Freundes gefahren bin und da Fußball geguckt habe. Nach dem Spiel wurde mir dann auch gleich der erste ecuadorianischn Brauch in Sachen Geburtstag beigebracht. Hier haut man dem Geburtstagkind mit einem Gürtel seine Jahreszahl auf den Hintern. Also 17 Schläge später tat mir mein Hintern zum Glück nicht all zu doll weh, da keiner wirklich doll zu geschlagen hat. Dann wars auch schon abends und es ging zurück zu mir nach Hause, wo um 9 Uhr abends ein Teil meiner Familie, 2 deutsche Freundinnen, die auch hier zum Austausch sind mit Rotary, zusammentrafen, und wir haben zusammen meinen Geburtstag gefeiert. Es gab viel zu essen und meine ganze Familie hat erst auf Englisch und dann auf Spanisch für mich gesungen. Und dann kam auch der nächste Brauch auf mich zu. Ich sollte nur kurz mit der Nase den Kuchen berühren. Klar hab ich das getan, aber wie ich mir schon denken konnte, war dies nur eine Finte, und schon gleich kam eine Hand von hinten und drückte meine Kopf in die Torte. Und klar, es war meine kleine Cousine, die die Übeltäterin war. Aber ich hab mich gleich gerächt und mein Gesicht an ihrem abgewischt und so hatten wir beide dann Torte im Gesicht. Danach wurde gegessen und ein bisschen getanzt und dann war der Abend auch schon vorbei. Aber es war auf alle Fälle ein wunderschöner Tag! Und zu den Schlägen mit dem Gürtel: am Montag nach meinem Geburtstag wurde ich noch einmal gehauen von meinen Freunden aus meiner Klasse und die waren nicht so sanft. Das tat schon gut weh und ich hatte danach rote Stellen an den Beinen, aber das Schöne ist ja, dass ich zu ihrem Geburstag noch hier bin – und dann gibt es Rache!

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Die wohl größte Veränderung in den Tagen seit meinem letzten Blogeintrag ist, dass ich angefangen habe mit Capoeira. Dies ist ein brasilianischer Kampftanz. Ich finde das Wort Tanz aber irgendwie komisch, weil es nicht annähernd erklärt, wie cool Capoeira ist. In den Jahren der Sklaverei in Brasilien war Sklaven jegliche Art von Kampf untersagt und deswegen tarnten sie ihre Selbstverteidigungstechniken mit einer Art Tanz. Außerdem stammt der Capoeira von einer afrikanischen Kampftechnik names Zebratanz ab. Dieses mache ich jetzt jeden Tag in der Woche von 7-9 und am Wochenende von 12-14 Uhr. Deswegen hab ich allein in den letzten 2 Wochen, in denen ich angefangen habe, relativ viel gelernt. Aber wenn ich ein paar meiner neuen Freunde aus meiner Gruppe sehe, die erst Sachen wie Flick-Flack machen oder erst ein Rad ohne Hände und danach einen Rückwärtssalto, denke ich immer „Hut ab“ und „das schaffe ich doch nie“. Und dann wird mir zum Glück aber immer wieder klar, dass ich das ja erst 2 Wochen mache und das gar nicht können muss … noch nicht. Lernen will ich es auf alle Fälle noch. Hier oder in Deutschland später, weil ich das auf alle Fälle weiter machen will, wenn ich wieder in Deutschland bin. Und für die Leute aus meiner deutschen Hockeymannschaft, die das hier lesen werden: Das erste Mal Training hier war vergleichbar mit Bastians Training – wenn nicht sogar schlimmer. Vor drei Wochen habe ich das nämlich das erste Mal probiert,  und meine Beine waren danach so zerstört, dass ich die restliche Woche ab Montag Schwierigkeiten hatte, eine Treppe hoch zu gehen. Aber jetzt mit der Zeit wird es besser und besser und es macht einen Riesenspaß!

Was gibt es sonst noch zu erzählen? Ich steh voll auf die spanische Musik, also Reggaeton, hier. Und mein Cousin und meine Cousine sind meine neuen besten Freunde. Also stimmt es schon, dass die Familie sehr wichtig ist in Ecuador. Genau das ist es, was die Zeit hier so schön macht: man hat immer jemanden aus seiner Famlie, mit dem man etwas machen kann und der immer für einen da ist. Mein Spanisch ist mittlerweile so gut, dass ich mich normal über unwichtige Dinge unterhalten kann und eigentlich ganz gut durchs Leben komme, wenn mein Gegenüber nicht allzu schnell oder zu undeutlich spricht, wie es bei meinen männlichen Freunden in der Klasse der Fall ist. Aber es wird  immer besser und besser und spätestens bis Weihnachten sollte ich eigentlich keine Schwierigkeiten mehr haben.Und im November steht dann endlich der erste Trip mit YFU in den Dschungel Ecuadors an und darauf freue ich jetzt schon riesig. Ich freue mich, all die anderen wiederzusehen und zu hören, was bei denen so passiert ist in den letzten Monaten. Danach werde ich wohl dann auch den nächsten Blogeintrag schreiben und mehr als nur ein bis zwei Bilder anheften.

Muchos saludos de Ecuador,
Sebastian.

Между небом и землей: Zwischen Himmel und Erde….Hard times make you strong!

Unter diesem Motto stehen eindeutig die letzten drei Wochen und ich muss zugeben, dass es mir heute zum ersten Mal nicht leicht fällt, diesen Blogeintrag einigermaßen objektiv zu verfassen, denn diese Phase gehört zu den schwersten, die ich bisher erlebt habe.  Aber dank der vielen lieben Leute um mich herum weiß ich “Всё будет хорошо!” (Alles wird gut!) Das sagt mir meine Gastmutter immer wieder und mein Gastvater fügt dann hinzu, was ihm schon immer seine Mutter gesagt hat “Bis du heiratest ist alles wieder gut!” Diesen  Satz hat auch schon meine Uroma zum Besten gegeben und er  kommt mir so vertraut vor, dass er auch die traurigste Philine zum Lächeln bringt. Da kann man doch mal wieder sehen, dass es zwischen zwei ganz unterschiedlichen Völkern viele Verbindungen gibt….

 

Besuch in der Polyklinik = nur der Anfang…

Alles hat damit angefangen, dass ich zu lange gewartet hatte, bevor ich meiner Gastfamilie erzählt habe, dass sich mein großer Zeh nach dem Nagelschmieden entzündet hat. Am 03. Oktober konnte ich die Schmerzen dann nicht mehr aushalten und wir sind in die Poliklinik gefahren, wo  operativ ein Teil des Nagels und der Haut entfernt werden musste. Diesen Tag werde ich nie vergessen: Ich lag dort auf der Liege und habe wie wild im russischen Wörterbuch die Wörter gesucht, mit denen die sehr nette Krankenschwester mir versucht hat, zu erklären, was sie jetzt machen wird. Rückblickend ist das recht amüsant, aber in dem Moment habe ich schon Panik bekommen, als die die Instrumente nicht etwa aus eingeschweißten Tüten, sondern aus Schubladen geholt haben. Leider haben sie nach dem Eingriff auch noch entdeckt, dass ich gegen das Betäubungsmittel allergisch reagiere, sodass mir ziemlich schwindelig und ich sofort wieder hingelegt wurde. Äußerst komisch ist mir vorgekommen, dass meine Gastmutter der Krankenschwester einfach 20 Manat in die Tasche gesteckt hat. Da ich gelernt hatte, mir fuer die YFU Krankenversicherung eine Bescheinigung geben zu lassen, habe ich  (deutsch wie ich immer noch bin 😀 )sie sofort gebeten, mir den Betrag aufzuschreiben. Doch da stand uns das aserbaidschanische Gesundheitssystem im Wege: Hier ist es so, dass man in den Polikliniken kostenlos behandelt wird. Das monatliche Einkommen, eines “normalen Arbeitnehmers” liegt hier allerdings nur bei 75 bis 350 Manat pro Monat, sodass es üblich ist, den Ärzten und Krankenschwestern etwas zuzustecken, was natürlich nicht schriftlich dokumentiert werden kann…

Nach ein paar Tagen Erholung war mein Zeh wirklich gut verheilt, aber zehn Tage später ging dann leider das nächste gesundheitliche Problem los: “Düşes” (gespr. Düsches) ist ein berühmt berüchtigtes Fanta-Birne -Getränk unter Jugendlichen hier, das ich unbedingt mal probieren wollte. Eigentlich hätte ich beim Preis von 80 Qəpik für 2 Liter skeptisch werden müssen….jedenfalls hatte ich schon was davon getrunken, als meine Gastmutter mir abends gesagt hat, dass es voll von Chemie ist und mein Gastbruder deswegen schon einmal im Krankenhaus war. In Kombination damit, dass es schon längst abgelaufen war, gingen dann am nächsten Tag auf dem Weg zur Schule die Bauchkrämpfe los, sodass ich gleich umgekehrt bin. Zum Glueck bewirkt die Hausmedizin meiner Gastmutter wunder: Sie verordnet immer “сладкий чай” (= ziemlich suessen Tee), der gegen fast alles zu helfen scheint….

… nur nicht gegen die Grippe, mit der ich dann anschließend das Vergnügen hatte. Doch auch selbst da wusste sich meine Gastfamilie einen Rat: Als sie auf die Flasche Wodka auf dem Küchentisch gedeutet haben, dachte ich, das sei ein Scherz und ich werde das Brennen im Hals nie mehr vergessen! Jedoch waren die Halsschmerzen nach einem Glas Wodka  wie ausgelöscht. Ich finde es unglaublich spannend, jetzt durch die Krankheiten auch auf diesem Gebiet die neue Kultur gut kennenzulernen.

“Hygienerituale”

Zum Beispiel sagen die Menschen hier, dass man im Herbst und Winter kein Eis essen oder kalte Getränke trinken darf, weil man sonst krank wird. Außerdem haben die Aserbaidschaner einen sehr hygienischen Grundgedanken und eine Affinität für Wasser. Nicht umsonst sagt man sich zum Abschied hier: “Həmişə təmizlikdə“, was uebersetzt „Sei immer sauber“ bedeutet. Häufig gibt es in den WCs kein Papier, dafür aber einen Wasserschlauch zur Reinigung.  Die Nase putzt man sich ebenfalls mit Wasser im Badezimmer und verwendet nur Taschentücher, wenn man unterwegs ist. Aber auch dann kommt es nicht gut an, wenn man dies in der Öffentlichkeit erledigt. Also heißt es im Unterricht immer die Lehrerin fragen, ob man mal kurz zum Naseputzen vor die Tür darf…

Lernen, Lernen, Lernen!!!

Apropos Unterricht: Daran bin ich in den letzten Wochen auch öfter mal verzweifelt, da ich einfach nicht mit den hohen Lernanforderungen zusaetzlich mit der  Doppelbelastung durch die Sprache mithalten kann. Schon im letzten Blogeintrag habe ich von dem vielen Lernen unter Elftklaesslern berichtet, aber jetzt erscheint es mir noch krasser. Nach dem Schulunterricht geht es sofort bis spätabends zu den Extrakursen, sodass die Hausaufgaben nachts oder gar nicht erledigt werden. Im Unterricht werden dann Hausaufgaben für die Extrakurse gemacht, wofür die meisten Lehrer Verständnis haben, was durchaus wachsen kann, wenn man ihnen am “Lehrertag” ein etwas groesseres Geschenk zukommen lässt. Auch im sonstigen Leben dreht sich alles nur ums Lernen. In den U-Bahnen hängen fast nur Werbeplakate von Sprachschulen usw. Einen Vorteil hat das Ganze: Man muss sich wenig Gedanken darüber machen, was man mit Freizeit anstellt, denn die gibt es fast nicht.

Da die Lehrer gemerkt haben, dass es fuer mich in den meisten Faechern unmoeglich ist, den Unterrichtsstoff komplett zu verstehen, wollten sie mir keine Noten geben, aber ich war mit dieser Loesung ungluecklich. Zum Glueck hat unsere Klassenlehrerin dann einen super Vorschlag gemacht. Die Lehrer geben mir Extraaufgaben, die dann benotet werden. Im Moment beruht es sich auf  das Lesen von Texten in Schulbuechern, die ich dann vorbereiten und muendlich wiedergeben muss. Vorgestern war ich allerdings ziemlich ueberrascht, als unsere Klassenleherin dann vor der Klasse meinte: “Philine wird uns jetzt eine Praesentation” halten. Ich dachte, ich wuerde ihr den Text kurz in der Pause erzaehlen und wollte ihr das sagen, aber da haben meine Klassenkameraden, lieb wie sie sind,  mich auch schon angefeuert und ich war unglaublich gluecklich als die Lehrerin mir am Ende 100 Prozent als Bewertung gegeben hat J

Ismayıllı,” Gıjı”, Maryam Center

Auch wenn ich im Moment oft Zweifel habe, ob ich den vielen Herausforderungen hier gewachsen bin, geben mir solche Momente und meine neuen Freunde in der Schule sehr viel Kraft. Sie sorgen sich sehr um mich, rufen mich an, wenn ich krank bin usw.Vor zwei Wochen haben wir einen Ausflug nach Ismayıllı gemacht, einem Ort in den Bergen  drei Stunden entfernt von Baku, der durch seine Naturbelassenheit einen guten Kontrast zur Großstadt darstellt. Als erstaunlich habe ich empfunden, dass hier bei Klassenausfluegen ziemlich viele Eltern mitkommen und wir den ganzen Tag mehr oder weniger “relaxed” haben, was aber sehr unterhaltsam war. Z.B. haben wir “Maffia” gespielt, was ich aus Deutschland als “Werwolf” kannte…[singlepic id=178 w=320 h=240 float=][singlepic id=177 w=320 h=240 float=][singlepic id=179 w=320 h=240 float=]

 

Auf der Busrueckfahrt habe ich dann den Maedchen aus meiner Klasse von einem Typen erzaehlt, der mich nach Absprache mit der Krankenschwester zurueck zur Metro begleitet hat, als ich zur Nachkontrolle des Zehs im Krankenhaus war. Leider habe ich den grossen Fehler gemacht, ihm meine Handynummer zu geben, da ich ihn nicht gerade unsympathisch fand. Seitdem bombardiert er mich mit SMS auf Aserbaidschanisch, da er nur diese Sprache spricht. Am Anfang fand ich es noch ganz nett, aber als die Maedels das den Jungs unserer Klasse erzaehlt haben, wurde mir sofort das Handy aus der Hand genommen und dem Typen ein paar ernst gemeinte Drohungen ausgesprochen. Zu diesem Zeitpunkt fand ich die maennliche Fuersorge noch uebertrieben, aber mittlerweile kann ich es gut verstehen, denn er schreibt mir bis heute regelmaessig “Mən seni sevirəm”(=ich liebe dich):

Meine Freundinnen bezeichnen diese Jungs als “Gıjı”, was sie mir eines Sonntags erklaert haben, als nur wir Maedels an der Promenade entlanggeschlendert sind. Ganz nach dem Motto “Call me maybe” versuchten einige Jungs ihr Glueck, indem sie uns ihre Handynummern zugerufen haben. Natuerlich haben wir versucht, sie zu ignorieren, aber sie sind uns die ganze Zeit gefolgt und wollten, dass wir Fotos mit ihnen machen. Wir sind sie erst losgeworden, als wir uns entschieden haben,  einen auf Touristen zu tun und nur auf Englisch zu reden. Diese Erlebnisse hat man nur, wenn “Frau” allein oder in reinen Maedchengruppen unterwegs ist. Hier nervt es die Maedels, aber auf der anderen Seite haben sie zugegeben, dass es ihnen im Ausland manchmal fehlt, wenn sie nicht mehr angestarrt werden 😀

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Abgesehen davon haben wir einen sehr schoenen Nachmittag verbracht,  eine Schifffahrt gemacht , traditionell Kebab gegessen und Çay getrunken.

 

Maryam Center

Vor ein paar Wochen hat die andere Austauschschuelerin aus  Mari aus Tschechien mir vom Maryam Center berichtet, eine Ausbildungseinrichtung, wo Kinder aus aermeren Familien schulisch und freizeittechnisch unterstuetzt werden. Wir waren von der Idee sofort begeistert und arbeiten dort jetzt ehrenamtlich jeden Samstag als “Englischlehrerinnen”. Ausserdem gibt es dort die Moeglichkeit, fuer nur 7 Manat im Monat, Nachhilfe in diversen anderen Faechern zu nehmen, Instrumente zu lernen, Sport zu machen und sogar Berufsausbildungen zu absolvieren. Das Center erscheint mir wie eine Art Familie.  Man feiert Feste und Tradtionen, es gibt gemeinsame Mahlzeiten und es ist ein Geben und Nehmen.  Zum Beispiel haben Mari und ich dort jetzt im Anschluss unserer Kurse Aserbaidschanisch -und Russischunterricht. Auf dem einen Foto sieht man, wie wir Halva essen, ein Gemisch aus Zucker, Mehl, Butter und Wasser, das innerhalb von 40 Tagen jeden Donnerstag zubereitet wird, wenn ein Angehoeriger gestorben ist.[singlepic id=180 w=320 h=240 float=][singlepic id=181 w=320 h=240 float=][singlepic id=182 w=320 h=240 float=]

 

Grenzen der Anpassung

Hier in Aserbaidschan bin ich mehr oder weniger zur Vegetarierin geworden, da ich morgens auf dem Weg zur Schule Rinder sehe, die bereit zum Schlachten angebunden an der Strasse stehen. Manchmal liegen sie dann schon mit zusammengebundenen Beinen und aufgeschnittener Kehle am Strassenrand, da das Fleisch angeblich sauberer wird, wenn man den Hals des Tieres aufschneidet. Zu “Publikationszwecken” werden die Koepfe der Rinder dann manchmal vor die Schlachterei gelegt.

An der Metrostation „28. Mai”(erinnert an den Unabhaengigkeitstag der ersten Aserbaidschanischen Republik) kann man ein kleines Business erkennen: Dort sitzen aeltere Maenner hinter Personenwaagen, auf denen man sich fuer ein paar Qəpik wiegen lassen kann. Hier wird aus dem Gewicht ueberhaupt kein Geheimnis gemacht. Im Gegenteil: Es ist ein Konversationsthema wie jedes andere!

An eine andere Sache, an die ich mich wohl nicht so schnell gewoehnen werde, ist der ungefaehr monatliche Stromausfall in ganz Baku aufgrund eines Fehlers im Kraftwerk. Dann heisst es, romantisches Fruehstuck bei Kerzenschein, kein fliessend Wasser und noch viel spaeter als sonst zur Schule kommen, da ohne die Ampeln ein heilloses Chaos herrscht und die Leute, die sonst mit der Metro fahren, auf den Bus umsteigen wollen. Gegen Abend, wenn ich normalerweise nach Hause komme, sind die Busse, die in Richtung Yeni Yasamal fahren auch ohne Stromausfall so voll, dass man manchmal nur mit einem Bein im Bus stehen kann. Vorgestern ist es dann passiert: Ich bin in der Kurve rausgeflogen, aber zwei Maenner haben mich gleich wieder in den Bus gezogen. Der Schock sass jedoch und ich habe mich ernsthaft gefragt, ob hier Grenzen der Anpassung erreicht sind. Das war auch der Tag, an dem ich in der Metrotuer kurz eingeklemmt wurde, da es dort ebenfalls zu gewissen Zeiten so voll ist, dass man kaum noch atmen kann.  In solchen Situation versuche ich dann immer, Musik zu hoeren oder mich mental einfach an einen anderen Ort zu beamen…

Hinzu kam dann noch der Stress, weil ich dabei war, jetzt endlich mal die Briefe zu suchen, die schon laengst haetten ankommen muessen. Dass sie nicht ganz bis nach Yeni Yasamal gebracht wurden, war mir klar, also habe versucht, dass Postamt zu finden, das fuer diesen Bezirk zustaendig ist (meine Gastfamilie war noch nie dort, da der Postweg hier nicht gerade populaer ist). Die Busfahrer konnten mir auch nicht helfen, also bin ich zuruckgefahren, den ganzen Weg nochmal zu Fuss gelaufen und habe gefuehlt 100 Leute nach dem Weg zur Post gefragt. Dort hat sich auch gleich ein Mann sehr nett um mein Anliegen gekuemmert, mit meinem Gastbruder aufgrund von Verstaendnisschwierigkeiten telefoniert, mich aber weiter zum Hauptpostamt in der Stadtmitte geschickt, da keine Briefe angekommen waren. Dort konnten sie mir auch nicht weiterhelfen, mittlerweile hatte aber der Mann vom ersten Postamt doch noch zumindest einen Brief gefunden J

Am naechsten Tag wollten Minaxanim von YFU und ich dann nach einem erneuten Besuch im Krankenhaus (was diesmal passiert ist, erzaehle ich gleich) nach den weiteren Briefen fragen und wurden erneut zu einer anderen Poststelle geschickt. Dort hat man uns dann auf den Unterschied zwischen einfachen und registrierten Briefen aufmerksam gemacht: Letztere sind teurer, da sie einen Aufkleber mit einem Code tragen und in der Regel ankommen. Einfache Briefe sind jene, die nur eine normale Briefmarke tragen und wir in Deutschland ueblicherweise  verschicken. Hier gehen sie jedoch hauefig einfach unter… L

Warum ich diesmal in der Klinik war? Vorgesternabend habe ich rote Blutflecken in meinem Auge entdeckt, die immer groesser wurden. Diesmal sind wir in die Augenabteilung der  “Mərkəzi Klinika”, die private Zentrumsklinik gefahren.  Zum Glueck sind nur Kapillarien geplatzt, was schlimm aussieht, aber ungefaehrlich ist.

Allerdings ist das wegen zu viel Stress passiert… es ist schwer zu beschreiben: die vielen neuen Eindruecke, die Extraaufgaben in der Schule, das Heimweh . Manchmal denke ich, dass mir mein Koerper ein Zeichen geben will, indem er mir ein Problemchen nach dem naechsten zufuegt und ich einfach nicht stark genug fuer das alles hier bin. Die Antwort meiner Gastmutter darauf: „ Du bist es, du weisst es nur noch nicht!“Um ehrlich zu sein habe ich noch nie so viele Traenen vergossen wie in letzter Zeit und konnte mich nicht an die YFU Empfehlung halten, nur alle 2 Wochen mit meiner Mutter zu skypen oder zu telefonieren. Ich moechte lieber nicht wissen, wie viel Geld bis jetzt in das ganze Kommunizieren geflossen ist, da ich nicht immer einen Internetzugang hatte. Jedoch merke ich, dass viele Dinge mit der Zeit immer besser klappen (z.B. Russisch), man muss nur Geduld haben und schliesslich ist das alles Erfahrung, auf die ich nie mehr verzichten moechte. „Между небом и землей”:Ich habe diesen Titel eines Songs, den ich in letzter Zeit immer hoere als Ueberschrift dieses Blogeintrags gewaehlt, da sich die Erfahrung des Austauschjahrs fuer mich wirklich wie zwischen Himmel und Erde anfuehlt. Manchmal wache ich morgens auf und denke, ich haette das alles nur getrauemt…NEIN, es ist gluecklicherweise Realitaet!

 

Nachdem ich mich heute von der Sache mit den Augen erholt habe, werde ich morgen wieder in die Schule gehen, um u.a. eine Projektpraesentation ueber die Frage, ob Deutsche und Aserbaidschaner gemeinsame Wurzeln haben, fuer Samstag mit vorzubereiten. Weiteres berichte ich beim naechsten Mal… 😉

Bis dahin, viele liebe Gruesse aus einem Land, wo die Naechte jetzt langsam kaelter werden, aber die Tage immer noch herrlich warm sind…

Eure Philine

Events, Events!

Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie viele Events von meiner estnischen Schule veranstaltet werden. Dagegen kommen Herbstkonzert und Weihnachtssingen meiner deutschen Schule wirklich nicht an. Zum Beispiel wurde der internationale Tag des Lehrers neulich gefeiert, indem jeder Lehrer an jenem Tag durch einen Schüler der 11. oder 12. Klasse vertreten wurde. Diejenigen mussten tatsächlich mehrere jüngere Klassen bespaßen, was laut den Berichten meiner Mitschüler nicht immer einfach ist. Meine Verblüffung war groß, als ich erfuhr, dass die Aktion nicht etwa ein Gag meiner Schule ist, sondern landesweit durchgeführt wird. Die estnische Regierung hat offensichtlich Humor. Meine Aufgabe war es übrigens, in einer Englischstunde Fragen zu meiner Person zu beantworten und mir später die zum Lehrertag gehörende Vorstellung in der Aula anzusehen – es gibt sicher härtere Arbeiten.

Ein weiterer Höhepunkt war der schulinterne Talentwettbewerb, bei dem für jeden Geschmack was dabei war: Es gab Schauspiel, Gesang, Tanz und Instrumente. Ein Mädchen hat sich sehr couragiert auf die Bühne gestellt und zu einem siebenminütigen Electro-Lied einen selbstausgedachten Tanz vorgeführt. Die etwas verwirrende Performance bekam einen Preis für den dafür nötigen Mut. Und der eindeutige Liebling und Gewinner des Abends war ein etwa siebenjähriger Junge, der ein Lied mit einer Perfektion und in einem derart makellosen Englisch ins Mikrofon schmetterte, dass das Publikum erst sprachlos war, dann lauthals jubelte. Ich habe später erfahren, dass er tatsächlich in einem landesweiten Programm für sehr talentierte Kinder ist, aus dem fast alle bekannten estnischen Sänger hervorgingen.

Neulich aß ich etwas sehr typisch estnisches: Elchwurst. Niemand hat verstanden, warum das befremlich auf mich wirkte… und ziemlich stereotypisch.

Hier sind nun endlich die schon längst überfälligen Beweise zu sehen, dass ich mich tatsächlich in Estland befinde und nicht einfach ein Jahr lang Pause mache.

Homecoming Week

In der vergangenen Woche war an meiner Schule Homecoming Week. Da es an meiner High School eine Uniform gibt, konnten wir diese waehrend der Homecoming week gegen „normale‘ Kleidung tauschen. Jedoch hatten wir jeden Tag ein anderes Thema nachdem wir uns angezogen haben. Am ersten Tag war es Hawai und Blumen, am zweiten Tag war es Schwimmsachen, am dritten Tag war Fake-Krankheiten Tag, am vierten Tag Group Day (wir Austauschschueler an meiner Schule haben uns unsere Flagge auf unsere Backen gemalt) und am letzten Tag haben wir unsere Schulfarben (Blau und Gold) getragen. Wir haben uns jeden Morgen in unserer Turnhalle versammelt und verschiedene Spiele gespielt, bei denen es darum ging welche Jahrgangsstufe gewinnt. Natuerlich haben die Seniors (aeltester Jahrgang) gewonnen. Am Donnerstag Abend war das Powder Puff Game, was so viel heisst, dass die Maedchen Football spielen. Natuerlich nicht so extrem und agressiv wie die Jungs. Ausserdem hatten wir noch ein grosses Lagerfeuer vor unsere Schule. Am Freitag hatten wir nur bis um 10:30 unterricht. Danach sind wir wieder alle in die Turnhalle gegangen. Diesmal haben uns aber die Cheerleader angefeurt und Stimmung fuer das Homecoming Football Game am Abend gemacht. Eigentlich war danach eine Parade geplant, welche aber leider wegen schlechtem Wetter abgesagt wurde. Zum Glueck wurde aber das Football Spiel (trotz extremer kaelter und Unterbrechungen wegen Unwetter) nicht abgesagt. Die ganze Schule war da und wir hatte wirklich viel Spass- aber leider hat meine High School verloren. Am Samstag war dann der grosse Homecoming Tanz. Nachdem mein Date mich abgeholt hat, wir uns mit Freunden getroffen haben um Bilder zu machen und wir Essen gegangen sind, sind wir los zum Tanz in meiner Schule. Meine Freunde und ich haben den ganzen Abend durchgetanzt und wir hatten alle echt viel Spass. In diesem Moment war ich einfach nur gluecklich und froh darueber die Chance zu haben, ein Amerikanisches Leben zu leben. Danke an alle, die das Moeglich gemacht haben.

Meine Gastschwester und ich am Fake-Krankheiten Tag

Powder-Puff Game

Meine Gastgeschwister und ich am Homecoming Dance

 

„Life can only be understood backwards; but it must be lived forwards.“

Hallooo,

heute morgen bin ich aufgewacht und habe gedacht es wird Zeit wieder etwas zu posten. Die Zeit verfliegt so schnell – zu schnell. Hier ist es schon abends und ich muss morgen in die Schule – waehrend ihr alle Ferien habt. Zumindest die Schueler unter den Lesern hier.

Da ich heute mit meiner Gastmutter ueber diesen Blog gesprochen habe, denke ich wird es Zeit euch zu erzaehlen, wo ich mit wem bin. 🙂

Ich lebe in Nunica,West Michigan. Im Gegensatz zu Duesseldorf ist es ziemlich anders hier – laendlich. Aber ich liebe es. Ich habe eine Gastschwester aus Daenemark, sie ist gerade 16 geworden und macht ebenfalls mit YFU ein Austauschjahr. Ausserdem habe ich noch 3 Brueder (einer geht allerdings auf College, lebt also nicht im Haus hier), 3 Hunde und eine Katze leben im Haus – draussen sind 7 Pferde und eine weitere Katze.
Mir kann also nie so richtig langweilig werden,  zudem ich (ausser in Ferien frueher) nie reiten war, keine Hunde hatte und auch keine Katze. 😀

 

Die Schule laeuft auch gut, ich bin auf der Spring Lake High School mit ungefaehr 800 anderen Schuelern. Eine nicht ganz so grosse Schule fuer die amerikanischen Verhaeltnisse. Mit mir sind noch 11 andere Austauschschuelerinnen auf der Schule. Ja Schuelerinnen – nur Maedchen. Aus Daenemark, Spanien, Italien, Mexico, Japan, Deutschland, der Schweiz und aus der Slowakei.

 

Mit dem Schulbus, der in meiner Gallery sein wird, fahre ich nicht immer, vielleicht 1-2 Mal die Woche. Homecoming hatte ich auch schon und es war echt lustig. Ich haette nie gedacht, dass man Partys in einem Lunchroom machen kann. Und die Spiritwoche hat auch Spass gemacht – In der Spiritwoche hat man so etwas wie Mottotage fuer jede Stufe ein anderes Motto.  Und Juniors haben Wettbewerbe gegen Seniors.

Heute versuche ich mal ein paar Bilder hinzuzufuegen. Also wuensche ich euch noch eine schoene Zeit und ich melde mich sobald ich etwas spannendes zu erzaehlen habe. 🙂

 

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Ich glaube es hat geklappt – Bis bald! 🙂