Archiv für den Monat: Juli 2012

Estland? …Was willst du denn da?

Das ist wohl eine Frage, mit der ich hätte rechnen müssen, als ich mich für ein Auslandsjahr in Estland entschied. Ich, Nora, 16 Jahre alt, aus Halle an der Saale werde nämlich im August dieses Jahres diese auf Unverständnis stoßende Reise antreten.

Das ist aber gar keine schlechte Frage, wenn man bedenkt, dass ich von Estland bis zum letzten Sommer so gut wie nichts wusste. Als mein Vater, der das Land aus seiner Studienzeit kennt und seitdem absolut begeistert von diesem ist, vorschlug, den Sommerurlaub in Tallinn  zu verbringen, konnte ich erstmal wenig damit anfangen. Auch stellte ich dieselben Fragen, über die ich jetzt nur mit einem wissenden Lächeln den Kopf schüttle. Um das erstmal zu klären: Estland ist in der EU, hat den Euro und die Landessprache ist Estnisch, wobei man auf den Straßen auch sehr viel russisch hört.

Tallin hat nicht viel Zeit gebraucht, um mich zu verzaubern. Noch nie habe ich so eine spannende Mischung aus alt und neu, aus Gemütlichkeit und Großstadtflair erlebt.

Also war im Herbst darauf die Länderliste der YFU eine Art Offenbarung für mich, da ich sowieso ein Auslandsjahr machen wollte und mir die Entscheidung nun überhaupt nicht mehr schwer viel. Und als ich dann schließlich angenommen wurde, konnte ich mein Glück kaum fassen.

Die Reaktionen darauf waren sehr unterschiedlich. Von „Geil, danach kannst du Estnisch!“ über „Und was bringt dir das?“ bis hin zu „Wow, Island!“ war alles dabei. Doch generell kann ich mich sehr glücklich schätzen, denn sowohl meine Familie als auch meine Freunde stehen dem Ganzen positiv gegenüber. Außerdem wächst das Bewusstsein meiner Umgebung diesbezüglich extrem: Sobald jemand auch nur die kleinste Sache über Estland hört, kommt er aufgeregt zu mir.

Natürlich ist die Vorstellung eigenartig, dass ich sie alle vorläufig verlassen werde. Nahezu unvorstellbar ist es, dass das Leben hier einfach so weitergehen wird, während ich mein Bestes geben werde, um mich in die neue Umwelt einzufügen. Diese besteht dann aus zwei Eltern, 6 Geschwistern (die meisten sind allerdings über 20 Jahre alt), von denen 3 bei mir im Haus leben und den 2 Kindern der einen Schwester.  Jetzt weiß ich, wozu die Sachaufgaben in der Schule gut waren.

Ich bin mir absolut sicher, dass ich es nicht bereuen werde und mir ein turbulentes und wunderschönes Jahr in diesem liebenswerten Land bevorsteht. Und bis es soweit ist, kann ich mich auf die Dinge freuen, für die es bekannt ist: Elche, richtige Winter, eine fabelhafte Landschaft und Menschen, die, wenn du sie einmal für dich gewonnen hast, zu Freunden fürs Leben werden.

Frankreich

In diesem wunderbaren Land werde ich, Emily-16 Jahre jung, das nächste Jahr leben. Dann werde ich meine 200.000-Einwohner-Stadt gegen einen 12.000-Einwohner-Ort in der Bretagne austauschen und dort versuchen auf Französisch zu überleben.

Als ich mich vor einem Jahr für das Austauschjahr beworben habe, war das alles noch ziemlich weit entfernt. Mittlerweile ist nicht mehr wirklich viel Zeit übrig. Ich fange an zu überlegen was ich in Frankreich alles brauche und bin Mitte Juni auch endlich von der „Briefkasten-Krankheit“ befreit worden, die bestimmt viele (angehende) Austauschschüler nachempfinden können. [Briefkasten-Krankheit=häufiges, hibbeliges, in Hoffnung auf Neuigkeiten oder Gastfamilie zum Briefkasten rennen]Denn wo und bei wem man sein Austauschjahr verbringen wird ist schließlich nicht ganz unwichtig. Aber ich denke, ich habe es ziemlich perfekt getroffen.

Ich werde bei einem Ehepaar im Département 29 in der Bretagne leben. Ich habe außerdem noch eine amerikanische Gastschwester aus Iowa, die ein Jahr älter ist als ich und nur 5 Monate in Frankreich leben wird. Meine neue Schule wird ein privates, katholisches Lycée mit gerade einmal 200 Schülern sein. Ich wurde schon jetzt in die 1ES eingegliedert. 1 steht für Première und ist gleichbedeutend mit unserer 11. Klasse. ES steht für économique et social. Das bedeutet, dass ich in Frankreich besonders viel Wirtschafts- und Politikunterricht haben werde.

Ende August geht es dann für mich auch endlich los zu unseren baguettigen Nachbarn 😀

Bis dahin alles Liebe et à bientôt, Emily