Mein erster Schultag

Ich glaube, bevor ich mit meinem ersten Blogeintrag anfange, sollte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Nihal, ich bin ein 16 Jahre altes Mädchen und gehe in Deutschland in die 10. Klasse. Ich bin jetzt seit März hier und doch kommt jetzt erst mein erster Blogeintrag. Auch mein erster Schultag liegt jetzt schon einige Wochen zurück, aber trotzdem werde ich nun darüber berichten. Um ehrlich zu sein kommt es mir wie gestern vorkommt, dass ich meinen Fuß in meine neue Klasse gesetzt habe, denn die Zeit hier vergeht komischerweise sehr schnell.
An meinem ersten Schultag verlief der Morgen ziemlich eilig, denn es war ja nicht nur mein erster Tag, sondern auch der erste Tag im neuen Schuljahr für meine jüngeren Gastgeschwister. Ich habe also am Morgen meine Uniform angezogen (wovon ich glaube ich noch ein Bild machen sollte…), habe schnell etwas Reis und Misosuppe gegessen und mich dann mit meiner Gastmutter zusammen auf den Weg gemacht. Meine nächste Zughaltestelle liegt ungefähr 10 Minuten von unserem Haus, welches übrigens direkt am Meer liegt, entfernt, aber natürlich musste es regnen. Mit Regenschirmen bewaffnet stellten wir uns in den Recht vollen Zug und da hat dann das Starren angefangen. Von allen Seiten wurde ich angeschaut, denn was schreit immerhin mehr “Ich bin nicht von hier”, als komplett anders auszusehen. An der vierten Station sind dann fast alle im Zug ausgestiegen und meine Gastmutter und ich folgten der Schülermenge in Richtung Itoshima Highschool.

In der Schule wartete auch schon ein Englsichlehrer, Nakamura-sensei, auf mich. Meine Gastmutter und ich verabschiedeten uns und ich folgte Nakamura-sensei zum Lehrerzimmer, wo ich mich wie zuvor abgesprochen vor den Lehrern vorstellen sollte. Im Lehrerzimmer stellte ich mich also kurz mit Name, Alter und Herkunftsland vor und verbeugte mich. Auch meine Lehrer verbeugten sich und applaudierten mir. Nach der Lehrerversammlung bin ich zusammen mit meiner Klassenlehrerin zu meiner Klasse gelaufen. Dort sollte ich vor der Tür warten, bis sie mich reinrufte. Als sie mich nach einer kurzen Ankündigung dann hereinrief, stellte ich mich neben sie auf die schmale Tribüne vor der Tafel und stellte mich erneut vor. Auch meine Klasse applaudierte mir, woraufhin ich mich auf meinen Platz in der letzten Reihe am Fenster setzte. Meine Klassenlehrerin, Tsuchiyama-sensei hat der Klasse etwas erklärt, ich habe aber leider gar nichts verstanden. Nachdem sie fertig erklärt hatte, standen alle Schüler auf und liefen aus dem Klassenzimmer und ich folgte ihnen verwirrt. Meine Klassenlehrerin kam glücklicherweise auf mich zu und sagte mir, dass wir nun in die Sporthalle laufen würden, wo es eine kurze Zeremonie geben würde, und unter anderem sollte ich mich dann vor der Schule vorstellen. Ich nickte nur kurz verwirrt. Als ich nämlich zuvor zur Schule gekommen war, um meine Uniform abzuholen, wurde mir gesagt, dass ich mich (zu meinem Glück) nicht vor der gesamten Schule vorstellen müsste. Ich persönlich war jetzt nicht ganz so scharf drauf mich vor ca. 900 Menschen vorzustellen, aber ich hätte mich ja wohl schlecht wiedersetzten können. Wir sind also alle zusammen in die Sporthalle gelaufen und ich habe mir dann 1000 Mal durch den Kopf gehen lassen, was ich später auf der Bühne sagen würde. Nachdem ein paar Lehrer ihre Abschiedsreden gehalten hatten wurde ich dann auf die Bühne gebeten. Ich ging auf die Bühne zu einem kleinen Podest und stellte mich vor. 900 Menschen starrten mich an und mein Herz hat wirklich gepocht wie verrückt. Um ehrlich zu sein kann ich mich nicht mehr daran erinnern, was ich auf der Bühne gesagt habe. Also… ich hoffe ich habe mich vorgestellt, aber ich hätte auch “Ich bin ein Ei” sagen können und ich würde mich nun nicht mehr daran erinnern. Was ich aber noch weiß, ist, dass ich mich verbeugte und auch die Schüler senkten kurz ihren Kopf. Ich hatte es geschafft. Schnellen schrittes lief ich dann von der Bühne und setzt mich wieder auf meinen Platz zu meiner Klasse.
Nach der Zeremonie gingen alle Schüler wieder zu ihren Klassen. Dort war es nun nämlich Zeit für’s Mittagessen. Freunde schoben ihre Tische zusammen und auch ich schob meinen Tisch mit meiner neuen Freundin, die halt ein bisschen auf mich aufpassen sollte, zusammen. Wir aßen zusammen unsere Bentos, welche unsere Mütter am Morgen für uns zubereitet hatten. Ich versuchte ein wenig japanisch mit ihr zu reden und sie versuchte englisch zu reden.
Nach der Mittagspause kam wieder unsere Klassenlehrerin und erklärte meinen Mitschülern noch einige Sachen. Da ich nichts verstanden habe, habe ich dann Kumon gemacht (“Kumon” ist eigentlich für japanische Schüler und gibt es für verschiedene Fächer, um außerhalb der Schule noch bestimmte Fächer zu vertiefen, also nicht wirklich Nachhilfe sondern Extra-Arbeit, die viele japanische Schüler freiwillig machen. YFU Austauschschüler haben eine englische Version, um japanisch zu lernen). Nach der Schule lief ich mit einer anderen neuen Freundin zum Bahnhof zurück, wo wir dann im selben Zug zurück fuhren. Sie stieg eine Station vor mir aus. Als ich ankam machte ich noch kurz einen Spaziergang am Strand, denn die Sonne ging gerade unter. Mein erster Schultag war alles in allem sehr aufregend. Ich bin froh, dass ich zur Itoshima Highschool gehe, denn die Lehrer achten sehr gut auf mich. Ich hab auch Einzelstunden, um mit verschiedenen Englischlehrern japanisch zu lernen. Jeder ist sehr fürsorglich, weshalb ich nicht zögern muss um etwas in einem Mischmasch aus japanisch und englisch zu fragen.

Ich bin schon sehr gespannt, was als nächstes passieren wird!

~ Nihal

(Ich hoffe das ist jetzt nicht dreist, aber mein Instagram ist @honigmilchkakao , wo ich einige Bilder von meinem Auslandsjahr poste :D)

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