Der irischste Tag des Jahres und Ostern ohne Osterhase

Hallo ihr Lieben,
es ist glaube ich ein echtes Austauschschülerphänomen, ständig über Zeit zu reden. Man redet ständig darüber: mit anderen Austauschschülern, Freunden Zuhause und im Ausland, der Gastfamilie und der Familie Zuhause. Deswegen habe ich beschlossen dazu jetzt gar nichts weiter zusagen als: Ja, die Zeit vergeht. Und manchmal tut sie das viel zu schnell und manchmal zu langsam und in seltenen Fällen tut sie beides gleichzeitig. So wie im Moment.
Die letzte Zeit war echt vollgepackt. Ich hatte kaum einen Moment um richtig durchzuatmen.
Am 17. März war da erst einmal der irischste Tag des Jahres, der Tag an dem die ganze Welt ein bisschen irisch ist und ich war mittendrin!
Die Iren halten es mit Kleeblättern, Grün und Laprechauns in etwa so wie wir Deutsche mit Dirndl, Lederhosen und Brezeln: das ganze Jahr regen wir uns über die Vorurteile, die die ganze Welt über uns hat auf und dann ist da diese ganz bestimmte Zeit im Jahr, in der wir das alles vergessen und selbst ganz vorurteilsgerecht auftreten. Ob das jetzt in Lederhosen oder in grün ist, ob es Oktoberfest oder St. Patrick’s day heißt: ich erkenne da ganz klar die Parallelen!
Aber das ist ja nichts Schlechtes 🙂 im Gegenteil! Schon von Anfang an habe ich mich hier auf den St. Patrick’s day gefreut. An keinem anderen Tag kann man sich so irisch fühlen!
An besagtem Freitag habe ich mich also mit Freunden getroffen -möglichst früh, um die besten Plätze direkt am Gatter zu erwischen- um zusammen mit ihnen die Parade in Cork zu bestaunen.
Alles war schon abgesperrt und man musste aufpassen auf welcher Straßenseite man sich traf, denn waren die Absperrungen einmal geschlossen gab, es kein Durchkommen mehr.
Die Straßen füllten sich schnell mit Zuschauern: fast jeder mit etwas Grünem geschmückt, Irlandflaggen, Gesichtsbemalung oder lustige Hüte sah man überall. Natürlich haben wir uns da auch angepasst.
Los ging es dann mit einem Aufmarsch der Polizei. Es folgten das Militär, die Feuerwehr und die Regierung. Danach kamen diverse Hurling, Camogie und Gaelic football Vereine. Alle mit Bannern und Musik und stolz wurden die gewonnenen Pokale präsentiert. Aber auch Tanzschulen, Judo- und Karateklubs waren vertreten, BMX-Gruppen und Rudervereine. Dazwischen Marschkapellen, sogar ein Krankenhaus und ganz viele nationale Gruppen aus China, Südkorea, Japan, Indien, Polen, Mexiko, von der Elfenbeinküste und noch einigen mehr. Alle in Trachten und mit lauter Musik. Und dazu kamen dann noch einige Gruppen mit fantastischen Kostümen und mühevoll gebauten Wägen.
Es war ein beeindruckendes und farbenfrohes Spektakel.
Kurz danach ist mein Gastbruder Craig 12 geworden und die ganze Familie kam zu uns. Es war gemütlich und wir haben Kuchen gegessen, aber ich bin froh, dass ich an meinem Geburtstag schon wieder Zuhause bin um ihn mit meiner Familie feiern zu können 🙂
Und dann, einen Tag später Ende März: Schnee!
Zum Glück war es die Tage davor ziemlich kalt und so blieb der Schnee sogar liegen! Die Flocken waren ganz dick, fast als würde es Federn schneien … Ich hab mich ans Wetter angepasst: meine Schuluniform und die Schuhe in den Rucksack gepackt und den Rucksack in eine Tüte.
Und als ich in der Schule angekommen bin, konnte ich schön in meine trockenen Sachen wechseln… ich lerne aus Fehlern! ;D
Der Schnee war am Mittag schon längst wieder geschmolzen aber trotzdem: mein erster Schnee in Irland! Schnee Mitte März!
In Irland reden alle, immer übers Wetter. Und das ist nicht übertrieben. Sogar im Unterricht wird meistens erst noch ein Kommentar zum Wetter abgegeben und im Bus ist es ein super Einstieg in eine nette Plauderei mit dem noch-fremden Sitznachbarn.
Man kann es uns aber auch wirklich nicht verübeln: Das Wetter ist hier so wechselhaft, launisch und vielseitig, dass man immer reichhaltigen Gesprächsstoff hat. Nur als kleine Beispiel: Am Mittwoch war alles Schnee bedeckt und am Freitag lag ich nach der Schule im Park auf der Wiese, habe mich bei 17 Grad ohne Jacke gesonnt und gelesen …
Es war auch gut, dass das Wetter so toll war, den die Busse haben insgesamt drei Wochen gestreikt und so musste ich jeden Tag zur Schule und zurück laufen. Hin ging noch, denn es ging bergab doch der Rückweg war eine Qual: Müde, nach der Schule, mit schwerer Tasche 50 Minuten den Berg hoch.
Naja, wenigstens meine Ausdauer hat sich verbessert 😉
Ende März kamen dann auch meine Großeltern zu Besuch und das war toll! Es war so schön vertraut, so wunderbar normal. Und das mag vielleicht komisch klingen, aber es war so angenehm einen kurzen Urlaub vom Austauschschülerleben zu haben und einfach nur Tourist zu sein, unterwegs mit der Familie. Es war auch super meine Großeltern wiederzusehen und so viele schöne Sachen mit ihnen zu erleben. Wir waren in Dublin, Galway, Kerry und Cork und haben die atemberaubende Natur Irlands bestaunt. Zum Glück hatten wir auch mit dem Wetter Glück 
Und dann haben hier auch schon die Ferien begonnen. Die ersten Tage fand ein „Life-long-learning-Festival“ statt, während welchem man viele interessante Dinge kostenlos in Cork erleben konnte. Wir waren z.B. bei zwei klassischen Konzerten der Musikhochschule, einem Flamenco Auftritt, einem Open-Air Konzert und einer spannenden Stadtführung.
Von meiner Austauschorganisation wurde dann ein dreitägiger Trip nach Galway organisiert. Und diese Zeit war einfach der Hammer. Ich war in einem Haus mit 5 echt guten Freundinnen und wir hatten super viel Spaß, waren lange wach, haben über alles Mögliche geredet und hatten eine wunderbare Zeit zusammen.
Während des Trips saßen wir viel im Bus, haben aber auch eine Radtour gemacht, eine Wanderung und eine Stadttour. Ich war richtig traurig als es vorbei war.
Gestern war dann Ostern und wie soll ich sagen … armes Irland! Keine Ostereiersuche, kein Osterfeuer, keine Eier bemalen. Ja nicht einmal den Osterhasen haben sie hier. Trotzdem war es ein nettes, wenn auch etwas langweiliges Familienessen und ein paar Ostereier habe ich dann doch bekommen 
Jetzt habe ich noch eine Woche Ferien, die ich in vollen Zügen genießen werde und dann sind nur noch 6 Wochen Schule … und dann bin ich schon wieder zurück!
Und ich kann aus vollem Herzen sagen: ich freue mich auf Zuhause und doch würde ich am liebsten noch länger bleiben! Gefühlschaos vorprogrammiert … 😉
Frohe Ostern und liebe Grüße aus Irland!
Eure Neela

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