Montag und mehr..

Mittlerweile gehe ich seit 3 Wochen zur Schule und es passieren immer wieder neue Dinge. Einmal hatten wir zum Beispiel eine Art Exkursion. Alle fuhren mit dem Bus zu einem größeren Platz in der Stadt. Dort gab es Informationsstände von verschiedenen Universitäten. Dann wurde jedoch gesagt, dass man jetzt frei sei, und tun könnte, was man wolle. Die Leute aus meinem Kurs sind glaube ich zu einem Fußballspiel gegangen und ich habe mit zwei Austauschschülern und deren Freunden Pizza gegessen.

 

An einem anderen Tag gab es eine Talentshow in der Schule. Nach der 3. Stunde war der Unterricht beendet und alle mussten sich auf dem Hof versammeln, um sich die Show anzusehen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich schon größere Talente gesehen habe, aber trotzdem waren einige sehr unterhaltsame und kreative Auftritte dabei, wie zum Beispiel 3 Clowns, deren Witze ich leider nur teilweise verstanden habe, oder ein paar Jungs, die Breakdance gemacht haben.
Das schönste Erlebnis für mich war allerdings der Montag. Ich ging wie jeden morgen in mein Klassenzimmer im 4. Stock und wartete auf die anderen. Als der Unterricht beginnen sollte, meinten sie, wir müssten jetzt nach unten gehen. Tatsächlich versammelten sich alle Schüler der höheren Jahrgänge auf dem Hof und stellten sich in Reihen auf. Zunächst wurde eine kurze Begrüßungsansprache gehalten und schließlich ertönte die Nationalhymne. Viele haben mitgesungen, andere nicht, aber alle standen andächtig da und keiner redete. In Deutschland hätte ich das sicherlich nicht so toll gefunden, aber hier empfand ich es einfach als eine schöne Tradition, zumal die Nationalhymne Ecuadors wirklich schön ist. Ein Mädchen hielt dann einen Vortrag zum Thema Toleranz, ein anderes Mädchen sagte einige Worte auf Englisch und zum Abschluss wurde dann die Hymne Machalas gespielt, die sich auch ziemlich gut anhört. Dann war es auch schon wieder vorbei und wir gingen zurück in die Klassenräume.

 

Außerhalb der Schule habe ich bis jetzt leider noch nicht so viel unternommen. Einmal war ich nachmittags mit einem Austauschfreund bei einem Fußballspiel in der Schule. Jeder Kurs hat hier seine eigene Mannschaft und es werden Turniere ausgetragen. Wir spielten nicht mit, feuerten aber unsere Mannschaften an. Es hat viel Spaß gemacht, zumal wir an diesem Nachmittag auch die Uniform nicht tragen mussten, weil ja kein Unterricht stattfand.
Mein Lieblingsfach ist im Moment noch Englisch, da ich wenigstens alles verstehe. Der Lehrer ist sehr nett und gibt mir immer Extraaufgaben. Aber auch in den anderen Fächern verstehe ich sprachlich jeden Tag mehr. Inhaltlich leider überhaupt nicht, da ich einfach gar nichts von Informatik verstehe.

 

Hier die Nationalhymne Ecuadors. (Einfach auf das Bild klicken, dann landet ihr auf Youtube.)

 

Mehr habe ich momentan nicht zu sagen,
liebe Grüße und bis bald.

Schule

Am Montag bin ich dann doch noch nicht zur Schule gegangen, sondern habe mich mit meiner Gastgroßmutter oder auch abuelita in die Stadt begeben, um die Uniform(en) zu kaufen. Es gibt drei: Eine für Montags, das ist wohl irgendwie ein besonderer Tag, wenn ich mehr darüber weiß, werde ich mich dem sicherlich noch einmal widmen. Diese Uniform besteht aus einer weißen Bluse, einer Weste, dem normalen Rock, Nylonstrumpfhosen und ziemlich hässlichen Schuhen mit Absatz. Die normale Uniform besteht einfach aus einem weißen Poloshirt und einem rot-grau kariertem Rock. Eigentlich gibt es dazu auch Schuhe, ich habe sie auch gekauft, aber ich hatte nach dem ersten Tag solche Blasen, dass ich sie einfach gegen schwarze Ballerinas aus Deutschland getauscht habe, das merkt ja keiner. Die dritte Uniform ist eine Sportuniform, T-Shirt, kurze und lange Hose und weiße „Sportschuhe“. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich viel Wert auf einen guten Schuh lege, vor allem beim Sport und wenn ich euch sage, dass diese Treter 6$ gekostet haben, dann wisst ihr auch, wie gut sie sind.

 

Am Dienstag war dann mein erster Schultag und es war der bisher beste Tag, den ich hier verbracht habe. Ich bin im höchsten Jahrgang und leider im Informatikkurs gelandet. Leider eigentlich nur wegen der Fächer, ansonsten finde ich den Kurs ziemlich cool. An meinem ersten Tag waren NUR Jungs dort. Ich wurde von der Vize-Direktorin in die Klasse gebracht und bevor ich irgendwas gesagt hatte, wollte sie erstmal, dass die anderen für mich applaudieren, was schon etwas seltsam war. Ich habe mich dann kurz vorgestellt und einen Platz ganz vorne bekommen. Ich weiß nicht genau, was wir für ein Fach hatten, wie lange die Stunde gedauert hat oder was die da überhaupt behandelt haben, ich habe von diesen „Dingen“ (ich glaube, es waren so eine Art Funktionen) in Deutschland noch nie irgendwas gesehen.

Der Unterricht ist richtig lustig. Alle machen so mehr oder weniger, was sie wollen. Nach draußen gehen, um frische Luft zu schnappen, essen, Musik hören, Fotos machen,… Aber für die Lehrer scheint es kein großes Problem zu sein, sie lachen oft mit den Schülern und wenn sie mal wirklich um Ruhe bitten, dann sind die Leute auch ruhig und schreiben, was ihnen diktiert wird. Manche Lehrer sind strenger und andere weniger, das merkt man schon. Trotzdem habe ich richtig viel Spaß im Unterricht, auch wenn ich bisher noch nicht so viel verstehe, aber irgendeiner der „chicos“ setzt sich immer mit seinem Stuhl-Tisch-Gerät neben mich und hilft mir und manchmal kann ich ihnen auch helfen, vor allem in Englisch. Jedenfalls könnte ich nicht glücklicher sein und habe genau den richtigen Kurs getroffen, denn die Jungs sind echt lustig, machen viele Witze untereinander und mit mir und haben auch viel Interesse daran, deutsche Wörter zu lernen, von „Guten Tag“ bis zu weniger seriösen Wörtern. Durch die Schule habe ich ein bisschen mehr das Gefühl, angekommen zu sein und meine Klassenkameraden tragen viel dazu bei. Es sind gefühlt 50 Jungs und es gibt außer mir nur 2 Mädchen, die aber mit den Jungs nicht so viel zutun haben wollen.

 

Irgendwann verstehe ich sicher auch, welche Fächer ich gerade habe und was der Stoff ist. Laut Stundenplan habe ich Programmieren, Mathe, Datenverarbeitung oder so was, Englisch, Physik, Rechnungswesen, eine Art GRW und zwei Fächer die sich Redes de Computacion und Computacion nennen, also perfekt für jemanden, der gerade mal zwei Jahr Informatik in der 7. und 8. hatte, aber naja, vielleicht lerne ich ja etwas.

 

Wie lange die Stunden dauern, weiß ich nicht so genau.  Ich habe jeden Tag 8 Stunden, die alle im selben Raum stattfinden. Nur manchmal gehen wir in einen Computerraum, um dort Präsentationen auszuarbeiten oder zu programmieren. Es gibt zwei Pausen, in denen man auf den Hof geht und sich Essen kaufen kann.

Musiktechnisch komme ich hier so RICHTIG auf meine kosten. In Deutschland war ich ja mit meinem Musikgeschmack (Reguetón, Salsa, Merengue …) relativ einsam, aber hier hört das jeder die ganze Zeit.

Soviel erstmal dazu, wenn ich länger in der Schule bin, schreibe ich bestimmt noch mal etwas.

 

Bis dahin,

besos y abrazos de María

Angekommen!

Im Moment bin ich unglaublich euphorisch und genieße jeden Augenblick. Alles ist neu, alles ist aufregend und ich sehe nur Positives. Sicherlich wird diese Phase nicht ewig andauern, aber es ist einfach ein schönes Gefühl, dass wunderbar über den Abschiedsschmerz hinwegtröstet.

 

Zu den Geschehnissen: Am 14. August war endlich der große Tag. Nachts fuhren wir zum Flughafen in Berlin und erblickten auch bald einige bekannte Gesichter in hellblauen und türkisen YFU-T-Shirts. Der Moment, als ich meine Familie zum letzten Mal sah, war definitiv kein schöner und ich musste gegen die Tränen ankämpfen. Aber ich hatte dann auch gar keine Zeit mehr, um traurig zu sein, denn der Flug nach Amsterdam stand bevor. Dort angekommen trafen wir dann noch alle anderen Austauschschüler aus Deutschland und einige aus Österreich und Dänemark. Der Flug glich einer Tortur: Wassermangel, Platzmangel und keine Minute Schlaf. So waren wir alle sehr erleichtert, als wir nach 11 Stunden Flug endlich ecuadorianischen Boden unter den  Füßen hatten. Wir fuhren dann in ein „Orientation Camp“ nach Cumbayá, einem Örtchen abseits von Quito. Dabei waren die Deutschen mit 23 von 44 Austauschschülern ziemlich in der Überzahl. Wir besprachen einige nützliche Dinge, die wir aber auch schon auf der Vbt gelernt hatten. Ich bin trotzdem froh, dass wir diese 2 Tage hatten, denn auf diese Weise haben wir ein bisschen von der wunderschönen Landschaft gesehen.

 

Für mich ist es hier wie ein perfektes Zusammenspiel aus Mensch und Natur. Man sieht zwar überall Häuser und Geschäfte, aber die Pflanzen wachsen einfach. Es ist grün und wächst und irgendwo dazwischen ist der Mensch. Die Berge in Quito sind wirklich atemberaubend. Ich bin wirklich niemand, der von sich behaupten könnte, dass er die Berge mag, aber das hier ist einfach wunderschön. Sie sind allgegenwärtig, morgens von Nebelschwaden umhüllt und nachmittags stechen sie in ihrer vollen Schönheit in den Himmel.

 

Ein paar Unterschiede zu Deutschland habe ich schon festgestellt. Einer, an den ich mich erst noch gewöhnen muss, ist, dass man das Toilettenpapier nicht in die Toiette wirft, sondern in einen Mülleimer daneben, da die Rohre schlicht zu dünn sind. Außerdem gibt es hier keine Bettdecken wie in Deutschland, man deckt sich einfach mit einem Laken zu und darüber legt man dann ein oder zwei Wolldecken, je nach Temperatur. Mir kommt vieles sehr bekannt vor, weil es den Begebenheiten in Cuba gleicht, Mama, du würdest dich hier sehr gut zurechtfinden. Allerdings habe ich das Gefühl, dass mir die Höhenluft etwas zu schaffen macht und so bin ich ganz froh, dass ich für den Rest des Jahres an der Küste leben werde. Es war zeitweise auch echt kalt und ich habe nachts gefroren, daher ist die Küste sicherlich die beste Gegend für mich.

 

Die Fahrt nach Machala dauerte 10 Stunden, aber ich konnte sie wunderbar als Besichtigungstour nutzen und habe viel von der Landschaft gesehen. Zuerst sind wir durch lauter Bergstraßen gefahren, die irgendwie in den Berg integriert waren. Rechts oder links gab es immer einen steilen Abhang, den ich mir lieber nicht genauer ansehen wollte. Dann sah man plötzlich nur noch Bananenpflanzen, palmenartige Bäume und die Temperatur stieg auch  gewaltig an. In diesem Moment war ich sehr froh, denn obwohl die Berge wunderschön sind, fand ich es doch ein wenig erdrückend.

Jetzt bin ich in meiner Familie, die mich wirklich sehr herzlich aufgenommen hat. Das ist Haus ist echt groß und der Hund, vor dem ich mich erst gefürchtet habe, ist völlig ungefährlich. Ich glaube, am Montag muss ich dann zur Schule gehen, aber ich weiß es noch nicht genau.

Am Schluss möchte ich noch kurz meiner Familie danken, dafür, dass sie mich  finanziell so sehr unterstüzt haben und allen anderen, die mir in der langen Vorbereitungszeit beigestanden haben. 😉

Falls es irgendwelche Fragen gibt, könnt ihr sie gerne stellen.

Bis dahin, liebe Grüße von Maria

 

In den Bergen  Blog2 Blog3Blog4

 

Zuerst noch in den Bergen, wo es ein wenig neblig war und wenige Stunden später fuhren wir an lauter Bananenplantagen vorbei.
Und für meine lieben Freunde, Juan Carlos hat die Bananen auch gesehen und ist immer mit dabei. 🙂

Buenos días de Alemania!

„Will einer von euch die Broschüre hier mitnehmen?“

Diese Worte meiner Lehrerin waren sozusagen der Anfang meines Auslandsjahres. Denn nachdem ich das Heftchen von YFU durchgelesen hatte, war ich vollkommen begeistert von der Idee, ein Jahr lang in einem anderen Land zu leben. Von da an drehte sich praktisch alles um mein Auslandsjahr und es begann eine scheinbar unendlich lang dauernde Zeit der Vorbereitung…

 

Ich heiße Maria, bin 16 Jahre alt, komme aus einer kleinen Stadt bei Leipzig und werde das nächste Jahr meines Lebens in Ecuador verbringen. Warum?
Weil es ein unglaublich vielfältiges Land ist, welches ich unbedingt kennenlernen möchte, weil ich eine neue Sprache sprechen, eine andere Kultur erleben und ganz vielen neuen Menschen begegnen möchte und weil ich glaube, dass Ecuador das perfekte Austauschland für mich ist!

 

Der Tag an dem ich den Brief von YFU öffnete, in welchem mir meine Gastfamilie vorgestellt wurde, war einfach toll! Ich habe mich riesig gefreut, denn plötzlich wurde alles viel realer. Ich hatte jetzt eine zweite Familie für ein Jahr bekommen. Sie lebt in Machala, einer Stadt direkt an der Küste Ecuadors und ist momentan noch zu fünft. Doch ab dem 14. August darf ich gemeinsam mit ihnen leben. Dann werden in ihrem Haus nicht mehr nur meine Gasteltern, meine zwei Gastgeschwister und ein Shih Tzu wohnen, sondern auch ich. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür, dass sie ein Jahr lang ihr Leben mit mir teilen wollen und ich freue mich jeden Tag mehr darauf.

 

Am meisten freue ich mich darauf, den Alltag eines ganz anderen Landes zu erfahren, eine zweite Heimat zu finden und vor allem, so viel von der Kultur mitzubekommen wie möglich. Vieles wird vielleicht gleich sein wie hier und andere Dinge sicherlich ganz anders. Auf diesem Blog werde ich ab und zu von meinen Erlebnissen erzählen und versuchen, allen, die Interesse daran haben, einen Einblick in mein Leben in Ecuador zu geben.

 

Mehr kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, ich werde weiterhin die Tage bis zum größten Abenteuer meines bisherigen Lebens zählen und wünsche allen anderen Austauschschülern eine unvergessliche Zeit in ihrem ganz besonderen Jahr. Allen anderen wünsche ich einen tollen Sommer.

 

Ganz liebe Grüße,

Maria