Ich weiß, es ist schon lange Zeit her, dass ich mich hier mal gemeldet habe und das hatte auch einen Grund. Wie in jedem Austauschjahr läuft bei mir natürlich auch nicht alles immer rund und es treten hier und da kleine aber auch größere Probleme auf, aber darauf komme ich dann noch später zu sprechen…
Erst einmal habe ich euch noch gar nicht über die Weihnachtszeit hier in Südafrika erzählt. Adventskalender, Adventskranz und Nikolaus sind hier Fremdwörter und auf meine Versuche, es zu erklären, dachten wahrscheinlich die meisten, dass die Deutschen total gestört sind :D. Dadurch, dass hier im Dezember natürlich Hochsommer ist, hat man ehrlich auch gar nicht das Gefühl, dass es auf Weihnachten zu geht. Es gibt zwar hier und da in größeren Städten Weihnachtsmärkte, welche aber eher wie ein normaler Wochenmarkt aufgebaut sind und in einem Gebäude stattfinden. Weihnachten haben wir dann mehr im Pool als irgendwo anders gefeiert, da es zu warm war und die Bescherung fand auch draußen statt.
Am 28.12. ging es dann auch noch in den Sommerurlaub über Silvester in die Nähe von Durban, wo es super Möglichkeiten gibt, in das wunderschöne und warme Meer zu gehen. Silvester und Neujahr war eher unspektakulär; der Großteil der Familie ging um 22 Uhr schlafen so dass wir Jugendlichen im Garten nur darauf warteten, dass es 24 Uhr wird und dann auch schlafen gegangen sind. Anfang Januar ging es dann auch wieder zurück nach Hause und das Spiel nahm seinen Lauf. Auf Grund von Stress und Problemen auf die ich (noch nicht) näher eingehen möchte, wurde ich Ende Januar, nach der Midyearorientation in eine temporäre Familie in Pretoria geschickt. Pretoria… Schock für mich, da es knappe 4 Stunden von meinem alten zu Hause mit dem Bus ist und ich nicht einfach mal schnell meine Freunde besuchen kann.
Nach den 3 Wochen in der super lieben Familie mit zwei Kleinkindern ging es dann auf den kulturellen Austausch, in dem 22 weitere Austauschschüler/innen und ich für 2 Wochen in einem ländlichen Gebiet nahe der Swasiland Grenze wohnten. Diese Erfahrung war für mich mehr als einmalig und ich bin echt froh, dass ich so mutig war und es mitgemacht habe. Unser Haus sah folgendermaßen aus: Zwei Schlafzimmer, drei Betten und 5 Personen; kein Badezimmer, das wurde durch ein Plumpsklo ersetzt. Ein Raum wo Teller und Tassen gelagert wurden und eine Hütte in der über dem Feuer gekocht wurde. Als „Weiße“ war ich die Sensation im Dorf und jeden Tag kamen unzählige Leute (hauptsächlich Männer) auf mich zu und fragten ob ich sie heiraten will oder seine Freundin sein möchte. Auf Grund dieser „Sensation“ bevorzugte ich es nur mit meiner Gastschwester rumzulaufen, da es dann manchmal doch etwas zu viel wurde, unter anderem, da die meisten kein sehr gutes Englisch sprechen konnten und auch nicht immer verstanden, was ich ihnen sagen wollte. Insgesamt waren die zwei Wochen aber ein unglaubliches Erlebnis, was ich niemals vergessen werde! Während dieser zwei Wochen hatten einige Austauschschüler und ich die Möglichkeit über eine der Schulen günstiger in den Krüger National Park zu kommen und so verbrachten wir einen der Tage in der Natur.
Kurz vor dem Ende des kulturellen Austauschs bekam ich dann die Nachricht, dass ich für den Rest der Zeit nach Johannesburg ziehe. Jetzt lebe ich also seit einem knappen Monat in Bryanston, Johannesburg und gehe mit meinen Geschwistern (Schwester-15; Bruder-18) auf eine englische Highschool, was echt schön ist, da es mir erlaubt, während der Schulzeit mein Englisch zu verbessern und zu Hause mein Afrikaans. Nach zwei Wochen in meiner neuen Familie ging es dann auch schon auf ein Wochenendtrip in die Nähe von dem Drakensberg, wo es wunderschöne Natur zu sehen gab.
Jetzt sind auch schon meine letzten Ferien vorbei, wo ich eine Woche nochmal mit meiner Gastschwester, einer Freundin und ihrer Familie nach Durban gefahren bin und mit meiner Familie nach Dikhololo und Sun City.
Anfang Mai geht es dann für mich und einige Austauschschüler noch auf eine Krügerparktour (diesmal nicht für einen Tag) und dann ist das Jahr auch schon so gut wie vorüber. Ich muss sagen, die Zeit verfliegt echt unglaublich schnell und ich kann es gar nicht glauben, dass diese Erfahrung schon so bald zu Ende sein wird.
Ab jetzt werde ich mich sicherlich wieder mehr melden und euch dann über meine weiteren Reisen, und die letzten Wochen berichten!

Endlich mein neuer Beitrag

Es tut mir sehr leid, dass ich solange nichts mehr geschrieben habe, aber es war ein bisschen chaotisch. Ich habe zweimal Gastfamilie gewechselt.

Mein erster Wechsel:

Ich habe meine Gastfamilie gewechselt. Ich habe, bevor ich nach Italien gegangen bin, immer gesagt, dass ein Gastfamilienwechsel nicht heißt, dass die Gastfamilie oder man selbst etwas falsch gemacht hat. Genau dieser Fall ist bei mir eingetreten. Ich habe leider einfach überhaupt gar nicht in den Lebensrhythmus meiner Gastfamilie gepasst. Ich hatte schon vorher einmal zum Beispiel über die Probleme mit dem Schlaf geschrieben. Natürlich ist es auch etwas Kulturelles, dass die Italiener weniger schlafen, aber ich habe dann doch das krasseste Beispiel gezogen. Meine Gastfamilie hat teilweise gegen Mitternacht zu Abend gegessen. Und das bleibt auch leider nicht das einzige Problem. Meine Gastfamilie war immer sehr viel unterwegs. Wir haben meistens morgens das Haus gegen 8 Uhr verlassen und sind gegen 9 Uhr abends nach Hause gekommen. Das hat mich ganz einfach überfordert. Ich war immer total erschöpft und sehr oft krank. Außerdem war auch die Sicht, die wir auf das Leben haben, zu verschieden.

Es war total schön mit meiner Gastfamilie Dinge zu unternehmen oder Städte anzuschauen, aber der Alltag hat einfach mit mir nicht funktioniert.  Letztendlich habe ich mich dann an meine Organisation gewandt. Meine Organisation hat mich nach einigem Hin und Her gut unterstützt und dann innerhalb von einem Monat eine neue Gastfamilie gesucht und gefunden.

Ich wohne seit heute in Rom bei meiner neuen Familie. Ich habe meine Gasteltern und eine kleine achtjährige Gastschwester. Ich wohne am nordwestlichen Stadtrand von Rom in einem sehr ruhigen Stadtviertel, wo es aber direkt vor der Tür einen Bus gibt. Ich wohne in einem Reihenhaus und habe mein eigenes Zimmer und Badezimmer.  Meine Gasteltern arbeiten im Hotelbusiness und bis jetzt ist alles echt schön. Ich habe mit meiner Gastfamilie und den Großeltern (die gerade aus Caserta zu Besuch sind, wo ich meine ersten 5 Monate verbracht habe) zusammen zu Mittag gegessen. Danach habe ich schon ganz viel mit meiner kleinen Schwester gespielt und sie hat mir einen Zettel geschrieben, wo stand: „Ti voglio bene Eva – Giulia Teresa, tua sorella“, was „Ich habe dich lieb Eva – Giulia Teresa, deine Schwester“ bedeutet. So süß! Danach sind wir noch zusammen in ein naheliegendes Einkaufszentrum gelaufen. Dort sind wir ein bisschen herumgelaufen und haben heiße Schokolade getrunken.

Ich werde wahrscheinlich in ein Liceo Scientifico gehen, was ein naturwissenschaftliches Gymnasium ist und muss dorthin einen Bus und eine Station auch einen Zug nehmen. Ich freue mich schon sehr dort auf eigene Faust Freunde zu finden. Morgen werde ich meine kleine Gastschwester gegen 4 Uhr von der Schule abholen und sie möchte mich allen vorstellen – ‚Die große Schwester aus Deutschland‘. Ich werde erstmal alles auf mich zukommen lassen.

Am 1. Februar war Halbzeit meines Auslandsjahres und in der darauf folgenden Woche am 6. Februar war auch mein Mittelseminar. Wir haben uns einen Tag in Rom getroffen und haben über Regeln, Veränderungen und Probleme geredet. Es wurden uns Fragen gestellt, wie zum Beispiel „Hast du dich verändert? Wenn ja, inwiefern?“ oder „Kannst du sagen, dass du einen Alltag und eine Routine hast?“.

Wir haben im letzten Monat auch endlich wieder einen Ausflug gemacht. Am Anfang wurde uns versprochen, dass jeden Monat ein Tagestrip in eine Stadt oder eine andere Aktion gemacht wird. Leider hatte das nur im ersten Monat stattgefunden, wo ich dann aber nicht mitgefahren bin (der Trip war nach Orvieto), weil ich dort schon einmal war und dachte, dass es sowieso im nächsten Monat einen anderen geben würde. Im März gab es dann gleich zwei Aktionen, einmal eine Schatzsuche in Rom und sind wir am 5. März nach Napoli gefahren. Die Schatzsuche war sehr schön und ich habe viel über Rom gelernt. In Napoli war leider sehr schlechtes Wetter und es hat die ganze Zeit geregnet, aber es war trotzdem super schön dort herumlaufen, italienisches Eis und Pizza (die im Süden besonders gut schmeckt) zu essen und einfach die Zeit mit anderen Austauschschülern zu genießen.

Seit dem 15. Februar gehe ich auch in die Schule. Meine Schule ist ein naturwissenschaftliches Gymnasium, was bedeutet, dass wir sehr viel Mathe, Physik und Biologie, aber auch Filosofie und Latein haben (die restlichen Fächer sind wie in Deutschland). Wir haben von 8 Uhr bis 14 Uhr von Montag bis Freitag Unterricht und ich gehe in die 3. Klasse, was bei uns der 10. Klasse entspricht. In meiner Klasse sind wir insgesamt 16 Schüler, davon sind die Hälfte Mädchen und die Hälfte Jungs. Ich muss genauso wie die anderen Schüler Hausaufgaben machen und für Tests lernen. Doch meistens sind dir Lehrer hilfsbereit und versuchen mir ein wenig einfachere Themen zu geben. Ich bin von meinen Mitschülern sehr herzlich aufgenommen worden und fahre Ende März auch direkt mit auf Klassenfahrt. Ich habe mit meinen Freunden schon eine Liste geschrieben, was wir alles in Rom anschauen müssen. Wir waren dann auch direkt am ersten Freitag mit einigen Leuten aus meiner Klasse beim Vatikan und haben Pizza gegessen. Außerdem waren wir schon beim Colosseum und im Kino.

Mein zweiter Gastfamilienwechsel:

Ich muss jetzt noch ein zweites Mal Gastfamilie wechseln. Meine jetzige Gastfamilie ist toll, nur leider muss meine Gastmutter bei der Arbeit für jemanden einspringen und für mehrere Monate nach Sizilien. Da mein Gastvater auch sehr viel arbeitet und meistens früh das Haus verlässt, sodass ich ihn gar nicht sehe, abends auch spät nach Hause kommt und er auch für längere Zeit nach Mailand muss, wäre ich somit dann ganz alleine zu Hause.

Damit ich nicht nochmal Schule und Ort wechseln muss, habe ich versucht mir eine Familie an meiner Schule zu suchen. Letztendlich habe ich dann aber mit der Hilfe von meiner Mathelehrerin eine neue Gastfamilie gefunden. Leider weiß ich noch nicht viel, aber ich werde 4 Gastgeschwister haben und meine Gastfamilie ist sehr sozial engagiert.

Ich hätte gerne auf einen zweiten Wechsel verzichtet, weil ich es schon schwer fand, noch einmal mit der Familie von vorne anzufangen, aber so lerne ich noch einen anderen Lebensstil kennen und ich bin sehr gut aufgenommen worden und fühle mich sehr wohl.

Am 5. April hatte ich Geburtstag. Morgens hatte meine Gastmutter mir einen Kuchen gebacken. Als ich in die Küche kam, hat die ganze Familie für mich gesungen und dann gab es Kuchen zum Frühstück. Übrigens sehr lecker 😀  In der Schule hatten meine beiden engsten Freunde eine Art Berliner gekauft und oben eine Kerze reingesteckt. Sie sind dann so Happy Birthday to you (in Italienisch: Tanti Auguri a te) singend in die Klasse gekommen. Es war sehr schön zu sehen, dass sie sich Gedanken um mich gemacht haben. Das hat mich sehr glücklich gemacht. Am Nachmittag war ich dann mit meiner Gastschwester Rachele im Kino. Wir haben ‚Die Schöne und das Biest‘  (mein neuer Lieblingsfilm 🙂 ) geguckt. Der Kinosaal war total leer und ich habe dann zum Abspann auf der Bühne getanzt 😀 Das war unglaublich. Am Abend hatte ich mir Pasta gewünscht und nach dem Essen habe ich Geschenke ausgepackt. Es war ein wunderschöner Tag. Ich hatte eigentlich ziemlich wenig Heimweh, auch wenn ich natürlich einige ‚Geburtstagstraditionen‘ von Zuhause vermisst habe.

 An Ostern hier in Italien gibt es für jedes Kind ein riesiges Osterei aus Schokolade, was dann am Ostersonntag klein gehauen wird. Es werden also nicht, wie in Deutschland, Ostereier versteckt und gesucht. Wir sind am Ostersonntag morgens nach einem Osterfrühstück in das Ferienhaus von meiner Gastfamilie aufs Land gefahren. Dort sind nur Wiesen und Schafe. Es war sehr schön entspannend und super warm. Ich habe sehr viel in der Hängematte gelegen und den warmen Wind genossen. Meine Gastoma und Gasttante sind gekommen und wir haben zusammen zu Mittag gegessen. Am Ostermontag sind ganz viele Freunde zu uns in das Ferienhaus gekommen und wir haben zusammen gegrillt. Insgesamt ist hier genau wie an Weihnachten das Motto: Man darf so viel essen wie man möchte. Das bedeutet, die meisten machen jetzt nach Ostern erstmal eine Diät 😀

 Nun sind es noch 67 Tage, dann bin ich wieder Zuhause. Das ist ein sehr komisches Gefühl. Einerseits wird meine Vorfreude immer größer und ich kann die Zeit kaum abwarten. Andererseits möchte ich Rom, meine Gastfamilie und meine Freunde nicht verlassen. Denn ich weiß, dass es ein Abschied für immer wird. Natürlich kann ich zu Besuch nach Italien kommen – aber es wird nie wieder so Zuhause sein wie jetzt. Außerdem habe ich schon ein bisschen Angst, wie es wieder Zuhause sein wird. Ich frage mich, ob sich viel verändert hat, wie dann meine neue Jahrgangsstufe ist und wie es dann mit meinen Freunden sein wird.

Schaut auch bei meinem privaten Blog
www.evasyearinitaly.wordpress.de vorbei!
 
Liebe Grüße aus Italien,

Eva

Der irischste Tag des Jahres und Ostern ohne Osterhase

Hallo ihr Lieben,
es ist glaube ich ein echtes Austauschschülerphänomen, ständig über Zeit zu reden. Man redet ständig darüber: mit anderen Austauschschülern, Freunden Zuhause und im Ausland, der Gastfamilie und der Familie Zuhause. Deswegen habe ich beschlossen dazu jetzt gar nichts weiter zusagen als: Ja, die Zeit vergeht. Und manchmal tut sie das viel zu schnell und manchmal zu langsam und in seltenen Fällen tut sie beides gleichzeitig. So wie im Moment.
Die letzte Zeit war echt vollgepackt. Ich hatte kaum einen Moment um richtig durchzuatmen.
Am 17. März war da erst einmal der irischste Tag des Jahres, der Tag an dem die ganze Welt ein bisschen irisch ist und ich war mittendrin!
Die Iren halten es mit Kleeblättern, Grün und Laprechauns in etwa so wie wir Deutsche mit Dirndl, Lederhosen und Brezeln: das ganze Jahr regen wir uns über die Vorurteile, die die ganze Welt über uns hat auf und dann ist da diese ganz bestimmte Zeit im Jahr, in der wir das alles vergessen und selbst ganz vorurteilsgerecht auftreten. Ob das jetzt in Lederhosen oder in grün ist, ob es Oktoberfest oder St. Patrick’s day heißt: ich erkenne da ganz klar die Parallelen!
Aber das ist ja nichts Schlechtes 🙂 im Gegenteil! Schon von Anfang an habe ich mich hier auf den St. Patrick’s day gefreut. An keinem anderen Tag kann man sich so irisch fühlen!
An besagtem Freitag habe ich mich also mit Freunden getroffen -möglichst früh, um die besten Plätze direkt am Gatter zu erwischen- um zusammen mit ihnen die Parade in Cork zu bestaunen.
Alles war schon abgesperrt und man musste aufpassen auf welcher Straßenseite man sich traf, denn waren die Absperrungen einmal geschlossen gab, es kein Durchkommen mehr.
Die Straßen füllten sich schnell mit Zuschauern: fast jeder mit etwas Grünem geschmückt, Irlandflaggen, Gesichtsbemalung oder lustige Hüte sah man überall. Natürlich haben wir uns da auch angepasst.
Los ging es dann mit einem Aufmarsch der Polizei. Es folgten das Militär, die Feuerwehr und die Regierung. Danach kamen diverse Hurling, Camogie und Gaelic football Vereine. Alle mit Bannern und Musik und stolz wurden die gewonnenen Pokale präsentiert. Aber auch Tanzschulen, Judo- und Karateklubs waren vertreten, BMX-Gruppen und Rudervereine. Dazwischen Marschkapellen, sogar ein Krankenhaus und ganz viele nationale Gruppen aus China, Südkorea, Japan, Indien, Polen, Mexiko, von der Elfenbeinküste und noch einigen mehr. Alle in Trachten und mit lauter Musik. Und dazu kamen dann noch einige Gruppen mit fantastischen Kostümen und mühevoll gebauten Wägen.
Es war ein beeindruckendes und farbenfrohes Spektakel.
Kurz danach ist mein Gastbruder Craig 12 geworden und die ganze Familie kam zu uns. Es war gemütlich und wir haben Kuchen gegessen, aber ich bin froh, dass ich an meinem Geburtstag schon wieder Zuhause bin um ihn mit meiner Familie feiern zu können 🙂
Und dann, einen Tag später Ende März: Schnee!
Zum Glück war es die Tage davor ziemlich kalt und so blieb der Schnee sogar liegen! Die Flocken waren ganz dick, fast als würde es Federn schneien … Ich hab mich ans Wetter angepasst: meine Schuluniform und die Schuhe in den Rucksack gepackt und den Rucksack in eine Tüte.
Und als ich in der Schule angekommen bin, konnte ich schön in meine trockenen Sachen wechseln… ich lerne aus Fehlern! ;D
Der Schnee war am Mittag schon längst wieder geschmolzen aber trotzdem: mein erster Schnee in Irland! Schnee Mitte März!
In Irland reden alle, immer übers Wetter. Und das ist nicht übertrieben. Sogar im Unterricht wird meistens erst noch ein Kommentar zum Wetter abgegeben und im Bus ist es ein super Einstieg in eine nette Plauderei mit dem noch-fremden Sitznachbarn.
Man kann es uns aber auch wirklich nicht verübeln: Das Wetter ist hier so wechselhaft, launisch und vielseitig, dass man immer reichhaltigen Gesprächsstoff hat. Nur als kleine Beispiel: Am Mittwoch war alles Schnee bedeckt und am Freitag lag ich nach der Schule im Park auf der Wiese, habe mich bei 17 Grad ohne Jacke gesonnt und gelesen …
Es war auch gut, dass das Wetter so toll war, den die Busse haben insgesamt drei Wochen gestreikt und so musste ich jeden Tag zur Schule und zurück laufen. Hin ging noch, denn es ging bergab doch der Rückweg war eine Qual: Müde, nach der Schule, mit schwerer Tasche 50 Minuten den Berg hoch.
Naja, wenigstens meine Ausdauer hat sich verbessert 😉
Ende März kamen dann auch meine Großeltern zu Besuch und das war toll! Es war so schön vertraut, so wunderbar normal. Und das mag vielleicht komisch klingen, aber es war so angenehm einen kurzen Urlaub vom Austauschschülerleben zu haben und einfach nur Tourist zu sein, unterwegs mit der Familie. Es war auch super meine Großeltern wiederzusehen und so viele schöne Sachen mit ihnen zu erleben. Wir waren in Dublin, Galway, Kerry und Cork und haben die atemberaubende Natur Irlands bestaunt. Zum Glück hatten wir auch mit dem Wetter Glück 
Und dann haben hier auch schon die Ferien begonnen. Die ersten Tage fand ein „Life-long-learning-Festival“ statt, während welchem man viele interessante Dinge kostenlos in Cork erleben konnte. Wir waren z.B. bei zwei klassischen Konzerten der Musikhochschule, einem Flamenco Auftritt, einem Open-Air Konzert und einer spannenden Stadtführung.
Von meiner Austauschorganisation wurde dann ein dreitägiger Trip nach Galway organisiert. Und diese Zeit war einfach der Hammer. Ich war in einem Haus mit 5 echt guten Freundinnen und wir hatten super viel Spaß, waren lange wach, haben über alles Mögliche geredet und hatten eine wunderbare Zeit zusammen.
Während des Trips saßen wir viel im Bus, haben aber auch eine Radtour gemacht, eine Wanderung und eine Stadttour. Ich war richtig traurig als es vorbei war.
Gestern war dann Ostern und wie soll ich sagen … armes Irland! Keine Ostereiersuche, kein Osterfeuer, keine Eier bemalen. Ja nicht einmal den Osterhasen haben sie hier. Trotzdem war es ein nettes, wenn auch etwas langweiliges Familienessen und ein paar Ostereier habe ich dann doch bekommen 
Jetzt habe ich noch eine Woche Ferien, die ich in vollen Zügen genießen werde und dann sind nur noch 6 Wochen Schule … und dann bin ich schon wieder zurück!
Und ich kann aus vollem Herzen sagen: ich freue mich auf Zuhause und doch würde ich am liebsten noch länger bleiben! Gefühlschaos vorprogrammiert … 😉
Frohe Ostern und liebe Grüße aus Irland!
Eure Neela

Urlaub in Kalifornien, politische Diskussion auf dem Rückflug und Interessantes zu Detroit

Mein aktuellen Erfahrungen aus den USA habe ich für meine heimische Lokalzeitung, den Soester Anzeiger, zusammengefasst:

Nach sonnigen Urlaubstagen in Kalifornien diskutierte Nico Nölken, der momentan in Detroit lebt, amerikanische Politik mit Fremden im Flugzeug. Der Scheidinger und Anzeiger-Mitarbeiter hat in diesem Jahr im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) die Chance, sich ein eigenes Bild der USA zu machen. Er berichtet:

Nach einem für deutsche Verhältnisse kalten Winter machte ich bei sommerlichen Temperaturen eine Woche Urlaub in Kalifornien: Die ersten drei Tage verbrachte ich in Los Angeles. Neben den Universal Studios Hollywood, Madame Tussauds, dem Walk of Fame, Rodeo Drive und Disneyland war ich auch am berühmten Santa Monica Pier. Dort war es seit Tagen voller Smog durch die Abgase der Autos. Wie auch in Detroit gibt es in Los Angeles kaum öffentliche Verkehrsmittel. Der Smog machte die Zeit am Strand ungenießbar. Auch Hollywood ist längst nicht so glamourös wie ich es mir vorgestellt hatte, aber trotzdem sehr sehenswert.
Die achtstündige Busfahrt nach San Francisco gab mir einen Blick auf unberührte Natur in Kalifornien. In den folgenden Tagen hatte ich die Möglichkeit auf einem der berühmten Cable Cars mitzufahren, eine Tour durch die Stadt zu machen, das Gefängnis auf Alcatraz zu besichtigen und über die Golden Gate Bridge zu laufen. San Francisco ist die schönste Stadt in den USA, die ich bisher gesehen habe. Wegen der einmaligen Geschichte leben dort viele weltoffene Menschen, die Beliebtheit der Stadt sorgte aber auch für teurer werdenden Wohnraum.
Sowohl in Los Angeles, als auch in San Francisco habe ich mir die Hauptsitze von Firmen wie Snapchat, Youtube oder Twitter von außen angeschaut. Sehr unscheinbar befinden sich die weltberühmten Technik-Konzerne in normalen Nachbarschaften. Als ich mir die Firmenzentrale von Uber, einem der erfolgreichsten Konzerne in den USA, ansah, traf ich mitten auf der Straße auf den CEO des Unternehmens. Die Atmosphäre scheint, wie ich es mir vorgestellt hatte, sehr lässig zu sein.

Auf dem Rückflug war ich allein und verlor meine Kopfhörer, sodass ich mich etwas langweilte und begann mit meinen Sitznachbarn, einem Ehepaar aus einem Vorort von Detroit, für zwei Stunden über Politik zu sprechen. Viele Amerikaner sind sehr offen und erzählen sofort, für wen sie gestimmt haben und was ihre Sicht auf die aktuellen Ereignisse ist. Das Paar, das Verwandtschaft in Deutschland hat, stimmte für Donald Trump und ist Befürworter einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Dabei schienen sie nicht die stereotypischen Amerikaner zu sein, die noch nie im Ausland waren und viele Waffen besitzen. Sie waren auch Befürworter der „Ehe für Alle“ in den USA. Nichtsdestotrotz hatten beide für Trump gestimmt, auch wenn die Frau zugab sich mittlerweile dafür zu schämen. Sie erklärten mir, dass sie sich insbesondere um die Migration sorgen und Dinge wie den „Muslim Ban“ für sinnvoll hielten. Dass Menschen wegen ihrer Herkunft pauschal als kriminell angesehen und auch Ausländer, die nur auf Geschäftsreise sind oder ihre Familie besuchen wollen, ausgeschlossen wurden, ließen sie als Gegenargument meinerseits nicht gelten. Trotzdem dachten beide nicht, dass Trump ein guter Repräsentant der USA auf der Weltbühne ist. Es ist immer wieder spannend, mit fremden Menschen über die politische Situation zu sprechen und auch aus einer anderen Perspektive zu denken.

Als ich zurück in Detroit war, war ich eine Woche lang täglich von sieben Uhr bis Mitternacht in der Schule, da am Wochenende die Aufführung des Musicals „Shrek“ bevorstand. Ich kümmerte mich darum, alle Schauspieler zu verkabeln und während der Aufführung Mikrofone zu wechseln oder auch zu reparieren. Das Musical gab mir die Gelegenheit, viele neue Mitschüler kennenzulernen und eine Art Gemeinschaft zu erleben.

Da ich in einem relativ wohlhabenden Vorort von Detroit lebe und es keinen öffentlichen Nahverkehr gibt, habe ich nicht sehr häufig die Chance im Herzen der Stadt zu sein. Trotzdem versuche ich es so oft wie möglich, mich dort aufzuhalten. Vor wenigen Wochen fuhr ich mit dem Fahrrad durch Detroit und versuchte die schönsten Stellen der Stadt zu finden. Viele Menschen haben ein absolut negatives Bild der US-Metropole und selbst diejenigen, die in den Vororten leben, meiden Detroit wegen der Kriminalität. Als Amerikaner im 20. Jahrhundert in die Vororte zogen, blieben Minderheiten und der arme Teil der Bevölkerung. Von 1,85 Millionen Einwohnern in 1950 blieben knapp 715.000. Afroamerikanern, die in Detroit heute knapp 83 Prozent der Bevölkerung ausmachen, wurde damals nicht erlaubt in die Vororte zu ziehen. Sie hatten aufgrund von Diskriminierung kaum Jobchancen, sodass Armut und Kriminalität zunahmen. Viele Bürger müssen Lebensmittel noch immer an der Tankstelle kaufen, da Supermarktketten die Stadt verließen.
Insbesondere im Kern der Metropole fühle ich mich durch eine starke Polizeipräsenz allerdings sehr sicher. Außerdem wurde Detroit in den vergangenen Jahren zum Hotspot für die Künstler-Szene in Michigan. Bekannte Marken wie Nike eröffneten Geschäfte in der Innenstadt, in der es bis vor einigen Jahren kaum etwas zu kaufen gab. Im Mai startet eine Straßenbahn, die zumindest einen kleinen Teil der Stadt mobiler macht. Noch in diesem Jahr soll der Bau eines 224 Meter hohen Gebäudes beginnen, um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern. Viele leerstehende Häuser wurden abgerissen, um Parks oder auch Flächen für landwirtschaftliche Nutzung entstehen zu lassen. Detroit hat sich in den vergangenen Jahren neu erfunden und es ist auch keine Seltenheit mehr, Touristen anzutreffen.

In meinem Ort ist eine der weltgrößten Holocaust Gedenkstätten, die ich vor wenigen Wochen besucht habe. Das Museum gedenkt den knapp sechs Millionen ermordeten Juden durch den Nationalsozialismus. Viele Ausstellungsstücke sind original und sehr beeindruckend, wie etwa der Waggon eines Zuges, der Menschen zu Konzentrationslagern brachte. Die Aussteller zogen unter dem Motto „Gleicher Kampf, unterschiedliche Verschiedenheit“ bewusst Parallelen zur heutigen Zeit und zur Benachteiligung von Frauen, Dunkelhäutigen, Homosexuellen und Behinderten.

Mir bleiben noch drei Monate in den USA. Im Mai werde ich auf Einladung des deutschen Konsulats an einer Diskussionsrunde mit Bundestagsabgeordneten in Detroit teilnehmen, bei der auch Bernhard Schulte-Drüggelte aus dem Kreis Soest anwesend sein wird. Mittlerweile musste ich mich an einer neuen Schule in Deutschland anmelden und ich mache mir bereits Gedanken um die Zeit nach meinem Auslandsjahr. Ich glaube, dass ich die vergangenen Monate sinnvoll genutzt habe und freue mich schon etwas auf Deutschland. Ich weiß aber auch, dass ich die USA vermissen werde und es mich sicher eines Tages wieder ins Ausland ziehen wird.