YFU Lapplandtrip

Schon im Dezember hatten wir für die Reise angemeldet und nun war es endlich soweit – auf nach Lappland! Vorher hatten wir jedoch noch ganze 17 Stunden quer durch Finnland vor uns. Am Sonntag um Mitternacht fuhr unser Bus in Helsinki ab. Die Nacht war von wenig Schlaf geprägt. Frühstück gab es in der Nähe von Oulu und gegen halb eins erreichten wir Rovaniemi und somit den Polarkreis. Dort besuchten wir den Weihnachtsmann in seinem Dorf, machten ein Gruppenfoto mit ihm und hatten danach noch Zeit für uns selbst zum herumlaufen und Souvenirs kaufen.
Bevor unser endgültiges Ziel erreichten ging es noch 3 weitere Stunden mit unserem Bus nördlich. Es war später Nachmittag, als wir in Pyhä ankamen. Dort gab es zuerst Abendessen und anschließend wurden uns die Zimmer zugeteilt. Da es für unsere große Gruppe nicht ganz an Platz reichte wurde ich mit ein paar anderen Freundinnen in ein fünf Minuten entferntes Mökki gefahren. Dort hatten wir eine eigene Sauna und Dusche, ein Wohnzimmer und alles war super modern eingerichtet. Dafür lohnte es sich definitiv immer 5 Minuten zum Haupthaus zu laufen 🙂
Der Dienstag ging recht früh los, wir fuhren nach dem Frühstück direkt mit dem Bus zur Huskyfarm. Dort hatten wir erst noch etwas Zeit, welche in einer riesigen Gruppenschneeschlacht endete. Im Tiefschnee steckte man bis zur Hüfte fest und hatte Schwierigkeiten sich im über einem Meter hohen Schnee fortzubewegen. 😀
Dann kam auch schon unser Führer, welcher uns eine Einleitung gab. Er erklärte uns, wie wir den Schlitten zu lenken hatten, den wir gleich selbst fahren werden. Einer saß im Schlitten und der andere stand hinten auf den Kufen und kontrollierte in den Kurven und das Bremsen. Vor jedem Schlitten waren sechs Hunde gespannt. Sobald man die Bremse loslässt rennen die Hunde los und halten auch erst wieder an, wenn die Bremse durchgedrückt wird. Also bloß nicht herunterfallen 😀 Die Kilometerlange Strecke ging sehr schnell vorüber und wir kamen unfallfrei im Ziel an. Im Anschluss bekamen wir noch eine Führung durch die Hundezwinger.
Für große Pausen blieb keine Zeit, denn direkt im Anschluss fuhr der Bus weiter zur Rentierfarm. Dort gab es in einem kleinen Tipi für alle Essen, traditionell Rentiersuppe, danach gab es noch eine Präsentation über das Leben der Samen mit den Rentieren. Schwer zu glauben, dass wirklich Leute nur mit dem Einkommen ihrer Rentiere leben. Nach der Präsentation gingen wir dann raus zu den Rentieren, die an einen Schlitten gespannt auf uns warteten. Wieder saßen zwei Personen in einem Schlitten und wurden von einem Rentier gezogen. Nur anders als bei den Hunden rennen sie nicht sofort los, sondern fahren uns eher spazieren. Daran kann man auch nicht wirklich etwas ändern, es sei denn man läuft mit Essen vor ihnen her. Das Essen bekamen sie dann im Anschluss natürlich trotzdem und wir durften sie selbst füttern. Die Rentiere waren einfach unglaublich niedlich, auch wenn sie eher weniger Kuscheltiere waren. Sie waren jedoch schon sehr an die Menschen gewohnt und ließen sich auch von uns anfassen.
Viel zu schnell war der Tag schon vorbei. Der Abend war uns zur Freien Verfügung gestellt und wir konnten in die Sauna gehen.
Von Mittwoch bis Freitag durften wir uns Aktivitäten aussuchen. Ich war zwei Tage lang Skifahren. Die finnischen “Berge” sind zwar lange nicht so wie in den Alpen, aber es waren trotzdem tolle Pisten zum fahren da und mit Freunden machte das alles gleich doppelt so viel Spaß. Am Donnerstag Abend fuhren wir mit unserem Bus in den “Center of Northern Lights”. Wir alle hatten eine Art Museum erwartet, aber wir wurden letztendlich von einer Frau empfangen, die uns in ein kleines Tipi geführt hat. Dort stapelten wir uns alle wortwörtlich aufeinander und bekamen eine Slideshow zu sehen. Unsere Führerin hat viele interessante Dinge über Nördlicher erzählt, welche Arten es gibt und wann und wie man sie am besten zu sehen bekommt. Später waren wir schon allmählich dabei uns bettfertig zu machen, als jemand unserer Gruppe sagte, wir sollen alle schnell rauskommen. Die Freude war riesig, als wir nun wirklich live Nordlichter am Himmel sahen, grün und leicht tanzend waren sie fast eine halbe Stunde immer mal wieder zu sehen. Ein unglaubliches Erlebnis!
Am Freitag hatte ich mich zu einer Schneeschuh-Wanderung angemeldet. Wir schnürten uns die breiten Dinger an die Schuhe und stampften los, durch den tiefen Schnee im tiefen Wald. Zwischendurch machten wir eine kleine Pause an einer Feuerstelle, grillten Würstchen und aßen Brötchen. Gestärkt ging es dann die letzten Kilometer wieder zurück. Es hat mir echt Spaß gemacht und ich würde es auch durchaus noch einmal machen! 🙂
Am Abend ging es dann in Gruppen aufgeteilt noch einmal los. “Avanto” (Eisbaden) stand auf dem Programm! Hier ging es nicht darum in kaltes Wasser zu steigen, sondern in ein in den gefrorenen See gesägtes Eisloch zu steigen. Vorher und nachher wurde sich ordentlich in der Sauna aufgewärmt um sich danach einmal ordentlich zu erfrischen. Natürlich fand ich das auch super kalt und man bleibt meist nicht länger als ein paar Sekunden im Wasser, aber es ist nicht so schlimm wie man es sich vielleicht vorstellt und wenn man wieder aus dem Wasser kommt, macht es den Anschein, als wäre die Lufttemperatur draußen lauwarm. Zumindest war das meine Erfahrung beim Eisschwimmen!
Als nächstes mussten wir dann leider schon unsere Koffer packen, denn am nächsten morgen ging es schon ganz früh wieder los, 16 Stunden südlich zurück nach Helsinki. Ein unbeschreiblich tolle Reise, die meine Erwartungen noch übertroffen hat und die ich sicherlich nicht vergessen werde. Mehr Bilder gibt es in der Galerie ganz oben zu sehen! 😉

Die Zeit verfliegt

Ich kann mich noch recht gut an meine Vorbereitungstagung im vergangenen Jahr in Lauenburg erinnern. Eines der Dinge, die man uns sagte, als wir über Erinnerungen und Blogging sprachen, war, dass 90% aller Austauschschüler, die einen Blog beginnen und in den ersten Monaten noch leidenschaftlich höchstens zwei Wochen vergehen lassen, bevor sie den nächsten Eintrag posten, irgendwann an den Punkt kommen, dass einer ihrer Einträge mit “Ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe…” beginnen. Typischerweise denkt man dann, dass dies bei einem selbst sicherlich nicht der Fall sein wird. Und man irrt sich — ich zumindest. Vermutlich liegt es einfach daran, dass Dinge, die vor drei oder vier Monaten noch neu und besonders waren, inzwischen auch Teil der Routine geworden sind, und ich deshalb schon über zwei Monate ohne neuen Post habe verstreichen lassen.

Um dieses kleine Versäumnis wieder wettzumachen, werde ich berichten, was seit Februar so alles passiert ist:

Am ersten Februarwochenende fand die Middle Orientation, also sozusagen das Halbzeittreffen, zusammen mit allen anderen spanischen Austauschschülern in El Puig, einem kleinen Strandort bei Valencia, statt. Es war wirklich schön, alle anderen einmal wiederzusehen und sich über Erlebnisse und Erfahrungen in den Familien, mit Freunden, in der Schule etc. auszutauschen, da man sich, wenn man nicht gerade in der selben Stadt wohnt, aufgrund der relativ großen Entfernungen nur selten sieht. Gemeinsam mit zwei Freiwilligen von YFU España wurde am ersten Tag Bilanz des ersten Teils unseres Austauschjahres gezogen, während am zweiten Tag Ziele für die verbleibende Zeit festgehalten wurden — für mich sind es inzwischen weniger als 90 Tage. Außerdem planten wir auch unsere gemeinsame Reise zum Camino de Santiago, zu deutsch Jakobsweg, dessen letzte etwa 110km wir in einer Woche im Mai bestreiten werden.

Zeitgleich zur deutschen Karnevalszeit wird auch in allen Teilen Spaniens carnaval gefeiert, wobei die Feierlichkeiten in Cádiz und auf Teneriffa zu den bekanntesten zählen. In Euskadi hat jeder Ort seine eigenen, lokalen Traditionen und auch unterschiedliche Festtage, so sind beispielsweise in meiner Stadt der Samstag und der darauffolgende Dienstag die Feiertage, an denen sich nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern alle Altersgruppen gerne verkleiden. Ich hatte mich für ein Albert-Einstein-Kostüm inklusive Perücke und weißem Kittel entscheiden, und nach dem Abendessen mit meiner cuadrilla ging es in die Straßen der Stadt. Die “cuadrillas” sind Freundesgruppen, die sich größtenteils schon seit Jahren kennen, aus bis zu dreißig Personen bestehen und gemeinsam essen oder feiern gehen. Viele haben auch eigenes lokal, also einen gemeinsam angemieteten Ort, den sie, mit alten Sofas, Tischen, Stühlen und Musikanlagen ausgestattet, als Treffpunkt, an dem sie Teile ihrer Freizeit verbringen. Besonders an Wochenende landet man häufiger in drei oder vier verschiedenen dieser Räumlichkeiten, die meist die Untergeschosse von Mehrfamilienhäusern bilden, da man eigentlich immer jemanden kennt, dessen lokal ganz in der Nähe ist.

Am Karnevalssonntag, der erste wirklich sonnige tag seit längerer Zeit, fuhren meine Familie und ich mit ihrem Wohnmobil in den Küstenort Lekeitio und verbrachten den Tag am Strand, am Hafen und in der Altstadt. Viele dieser Kleinstädte am Kantabrischen Meer werden bevorzugt von Touristen besucht, da sie einerseits schön anzusehen, andererseits auch wirklich baskisch sind, sowohl was die Gebäude als auch die Sprache der Menschen angeht; doch auch Einheimische aus den küstenferneren Orten kommen gerne, um ein paar Stunden am Wasser zu verbringen.

Wie bereits erwähnt, ist der Dienstag der zweite Höhepunkt der Karnevalsfeiern, den meine Schule als Tag zum Skifahren nutzte, da ganz Ermua am Mittwoch frei hat und Schulen und Behörden geschlossen bleiben. Deshalb ging es für alle Schüler ab der siebten Klasse am frühen Morgen in Bussen in das kleine Skigebiet Alto Campoo, im Süden Kantabriens, auf etwa 2000m. Da es in diesem Jahr weniger geschneit hatte als normalerweise, waren die Pistenbedingungen nicht gerade optimal, aber für einen einzigen Skitag ausreichend. Jeder konnte zumindest ein wenig Ski oder Snowboard fahren, sodass größere Stürze ausblieben und wir am späten Abend zurück waren.

Wer meine früheren Einträge gelesen hat, weiß, das Kulinarische im Baskenland einen hohen Stellenwert hat und mehr und öfter zelebriert wird, als an anderen Orten. Neben den berühmten Pintxos, kleinen Häppchen, die man für etwa 1€ in wirklich jeder Bar variantenreich vorfindet und die zu jeder erdenklichen Gelegenheit konsumiert werden, gibt es auch die cazuelitas, kleine Tonschalen mit winzigen Portionen, die aber mit besondererer Detailversessenheit zubereitet und angerichtet werden. In der vergangenen Woche fand der Wettkampf um die beste cazuelita statt, bei der in den 30 teilnehmenden Bars sieben Tage lang eine besondere Eigenkreation angeboten wurde, die sowohl eine Jury als auch die Bewohner gerne verkosteten. Auch meine Freunde und ich haben uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen und eine Menge verschiedener Dinge probiert, sodass wir sagen können, dass das “Giroa”, welches direkt an meinem täglichen Schulweg liegt, mit seinem Fischgericht zurecht gewonnen hat.
Das letzte Wochenende verbrachten meine Gastschwestern und ich außerdem im Haus unserer Cousins, die beide vor Kurzem Geburtstag hatten. Dazu lässt sich sagen, dass es in meiner Gastfamilie mütterlicherseits zehn Cousins und Cousinen im Alter von 10 bis 25 Jahren gibt, die sich bei solchen Gelegenheiten gerne treffen und gemeinsam Zeit verbringen. Wir unternahmen unter anderem einen Spaziergang am Steilufer, da sich das Haus der Familie in unmittelbarer Küstennähe befindet, und verbrachten viel Zeit mit den Haustieren, zu denen auch ein Sittich gehört, der, je nach Laune, einige Sätze sprechen kann.

Zur Schule lässt sich sagen, dass inzwischen auch das dritte “Halbjahr” vorbei und die Zeit der Hausarbeiten und Prüfungen überstanden ist, sodass es zumindest bis zur Semana Santa, also den Osterferien, etwas entspannter zugeht, obwohl man uns trotzdem gut beschäftigt hält; denn Anfang Juni stehen für alle, die ab dem nächsten Jahr die Universität besuchen wollen, die Selectividad, eine Art Zugangsprüfung der Universität der Region, an. Obwohl es auch eine schuleigene Abschlussprüfung gibt, die die Endnote der zweijährigen Oberstufe beeinflusst, liegt der Fokus auf der Selectividad, die 40% der finalen Durchschnittsnote ausmacht. Allerdings werden nicht alle diese Prüfungen absolvieren, da man beispielsweise Fachhochschulen oder Ausbildungszentren auch mit dem einfachen Abschluss des Bachillerato besuchen kann.
Mit meinen Noten bin ich im Übrigen weiterhin zufrieden, und in der letzten Geschichtsklausur ist mir aufgefallen, dass ich mir den Stoff inzwischen mindestens so gut merken kann wie auf Englisch, während ich mir, wenn ich an das erste Semester zurückdenke, zu Beginn kaum drei Fakten auf Spanisch merken konnte. Allgemein zur Sprache würde ich sagen, dass ich mich annähernd so sicher fühle wie auf Englisch, wobei mir im Englischunterricht während des Schreibens auffällt, dass sich dort die zwei Sprachen teilweise vermischen und ich mich wirklich darauf konzentrieren muss, nicht plötzlich auf Spanisch weiter zu schreiben.

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass man spätestens jetzt merkt, dass die Zeit wirklich wie im Fluge vergeht. Ich werde deshalb versuchen, die nächsten drei Monate so gut wie möglich zu nutzen und freue mich auf alles, was ich noch erleben werde. Für die Osterferien ist beispielsweise geplant die Familie meines Gastvaters in Extremadura, also dem Süden Spaniens, zu besuchen. Während Euskadi eine der reichsten Gebiete Spaniens ist, ist Extremadura mit Abstand die ärmste Region, sodass ich sicherlich noch einmal viel Interessantes über die Unterschiede zwischen den einzelnen Landesteilen erfahren werde.

Aber bis dahin, saludos y un abrazo fuerte
Timm