Weihnachten in New York, Suizid einer Mitschülerin und mein Trip nach Philadelphia

Mein Bericht für die Lokalzeitung “Soester Anzeiger”:

Weihnachten am Times Square in New York City und der Besuch im ZDF-Hauptstadtstudio in Washington D.C. werden zurückblickend Höhepunkte des Auslandsjahrs von Nico Nölken sein. Der Scheidinger und Anzeiger-Mitarbeiter hat in diesem Jahr im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) die Chance, sich ein eigenes Bild der USA zu machen. Er ist viel gereist, musste aber auch durch schwierige Zeiten gehen:

Meine fünf Tage in Washington D.C. waren straff durchgeplant. Die Reise in die US-Hauptstadt ist für alle Stipendiaten des Bundestages ein Teil des Auslandsjahrs. Ein Tag war beispielsweise nur für Treffen mit Kongressabgeordneten reserviert. Wir hatten die Möglichkeit in kleinen Gruppen mit Mitarbeitern der Abgeordneten zu sprechen und ein Foto mit dem entsprechenden Politiker zu machen. Natürlich haben Repräsentanten der USA einen vollen Terminkalender, nur für ein Foto vorbeizukommen und anschließend von einem wirklichen Treffen zu sprechen wäre allerdings unehrlich. An anderen Tagen sahen wir viele berühmte Denkmale der Hauptstadt und besuchten etwa das neue Museum über afroamerikanische Geschichte. Mir war es möglich mich vom Programm zu trennen und das ZDF-Hauptstadtstudio in D.C. zu besuchen. Da die „heute“-Nachrichten vorher im Radiostudio meiner Gastmutter in Detroit gedreht hatten, bekam ich die Möglichkeit mich mit einer der Journalisten in Washington zu treffen, mir das Studio anzuschauen und über journalistische Perspektiven zu sprechen.

 

Zwei Tage nach meinem Flug zurück nach Detroit bin ich mit meiner Gastfamilie nach Pittsburgh gefahren, um eine Universität für meinen Gastbruder anzuschauen. Dort waren wir auch in einer Kopie des Hofbräuhauses aus München, welches alle deutschen Klischees erfüllte. Für musikalische Untermalung sorgte dabei ein amerikanischer Sänger in bayerischer Tracht, der neben Liedern in gebrochenem Deutsch auch eher untypisch deutsche Songs wie „La Bamba“ von Ritchie Valens in seinem Repertoire hatte. Insgesamt war das ein Abend gemischt aus ein wenig Fremdscham und der Bestätigung, dass deutsche Volksfeste gelegentlich ein Mix aus viel Bier und mittelmäßiger Musik sind. Später fuhren wir dann weitere fünf Stunden mit dem Auto nach Philadelphia um dort Thanksgiving bei Verwandtschaft zu verbringen. Wir kamen bei meiner Gasttante zusammen, haben gemeinsam Truthahn gegessen und American Football geschaut. Es war kein besonders aufregendes, dafür aber ein entspanntes Fest ohne förmliche Kleidung. Der Sinn des Festes besteht darin, möglichst viel Zeit mit der Familie zu verbringen.

Nach einigen Wochen voller Freude lernte ich am vergangenen Donnerstag, dass ich auch im Auslandsjahr in keiner „heilen Welt“ lebe. Eine Durchsage kam, dass die Lehrer alle Schüler in ihren Klassen halten sollen und die Stunde nicht beenden dürfen. Daraufhin wurde ich mit einem weiteren Mitschüler aus dem Raum geholt und wir haben unseren Jahrbuch-Kurs in einem Konferenzraum getroffen. Spätestens als ich die Taschentücher und Seelsorger sah war mir klar, was gleich passieren wird: Sie werden uns mitteilen, dass jemand verstorben ist. Eine ähnliche Situation erlebte ich bereits in 2012 an der Ursulinenrealschule, sodass mir vor anderen bewusst war was wohl passiert ist. Die Chefredakteurin für unser Jahrbuch hatte sich tatsächlich am selben Morgen das Leben genommen. Sie hatte Depressionen und kurz vor ihrem Tod noch getwittert: „6 Uhr am Morgen. Du schläfst, ich heule. Dir geht’s gut, ich sterbe.“ Wir alle sahen unsere Mitschülerin jeden Morgen und viele gehörten zu ihren engen Freunden. Am Abend gingen wir dann zu einer Andacht, schon lange hatte ich nicht mehr so viele Tränen gesehen. Zur offenen Besichtigung des Leichnams ging ich nicht. Bei der Beerdigung am Montag sprach auch die Mutter und hatte einen Appell an alle Gottesdienstbesucher: Die Depression war nicht, was ihre Tochter ausmachte und worauf wir nun zurückblicken sollten. Außerdem sei es wichtig, bei Anzeichen für eine Depression Hilfe zu holen und die Augen im eigenen Bekanntenkreis offen zu halten.

Mittlerweile liegt eine Menge Schnee in Michigan. So viel Schnee sah ich seit Jahren nicht mehr. Wir hatten wegen des Schneefalls auch bereits schulfrei, in den kommenden Tagen wird es bis zu -20 Grad kalt. Im Winter werde ich an meiner Schule beim Musical „Shrek“ hinter den Kulissen helfen. Vor einigen Tagen hielt ich eine für mein Stipendium vorausgesetzte Präsentation über Deutschland. Dabei fiel mir auf, wie viele Freiheiten und Privilegien wir als Deutsche gegenüber den USA haben. Für eine Universität müssen wir nämlich nicht zahlen, wir haben eine Gesundheitsvorsorge und dürfen bereits mit 16 Alkohol trinken. Viele meiner Klassenkameraden fanden das beneidenswert.

Auch in diesem Jahr ist mein Gesicht in der Vorweihnachtszeit wieder in einem Universalgutschein-Werbespot auf den Sendern ProSieben und Sat.1 zu sehen. Meine Weihnachtstage und Silvester verbringe ich nun erstmal in New York City. Für März ist bereits einen Trip nach Los Angeles und San Francisco geplant.

Urlaub, Hochzeit, Krankheit?!

Da bin ich auch mal wieder…
Ich weiß… mein letzter Beitrag ist schon lange her und letztes Mal habe ich noch über die Capetour mit der Schule berichtet… und jetzt werde ich euch schon wieder was von der Capetour berichten, aber von der mit yfu!

Bevor ich aber von der Tour berichte… Ich habe auch noch vieles anderes erlebt. Ich war so wohl auf einer Beerdigung, als auch auf einer Hochzeit; auf einem Weihnachtsmarkt und ich musste zur Vorbeuge gegen eine tödliche Krankheit eine Tablette nehmen.

Aber jetzt fang ich erstmal an. Eine Beerdigung ist total anders als in Deutschland. Meine Familie war zwar wie für mich gewöhnt in schwarz gekleidet, der Rest der Trauergemeinde aber dagegen in allen Farben. Außerdem wurden während des Gottesdienst Fotos gemacht, es lief Popmusik und auch ganz ungewöhnlich für mich war, dass der Sarg mit der engsten Familie in die Kirche und wieder raus getragen wurde. Der Abschied vom Toten fand ebenfalls draußen vor dem Leichenwagen statt.
Jetzt aber mal zu einem schönen Erlebnis. Ich hatte das Glück auch eine Hochzeit miterleben zu können. Es war zwar nur eine kleine Feier aber trotzdem echt schön. Der Gottesdienst war sehr laut und im Grunde genommen hat der Pastor fast die ganze Zeit sehr laut seinen Emotionen freien Lauf gelassen; nennen wir das mal so 😀 nachher ging es dann noch für viele Fotos und ein großes Essen in ein kleines Restaurant und nachher wurde noch ein wenig getanzt.
Jetzt komm ich mal auf das mysteriöse Medikament zu sprechen. Ich hatte in meiner Examenklasse einen Jungen der eine ansteckende Krankheit hat, die tödlich enden kann. Da wir die Examen ja im Rahmen von Parlament schreiben, wollten sie also vorbeugen und gaben meiner ganzen Examenklasse ein Medikament, dass wir vor ein paar Lehrern und Krankenschwestern nehmen mussten. Ich habe immer noch nicht rausgefunden, was genau der Junge hat, aber meine Gasteltern wurden auch informiert was für Symptome auftreten sollten, von daher mache ich mir da mal keine Sorgen.
Und dann war ich ja auch noch auf dem Weihnachtsmarkt, der auch ganz anders ist als Deutschland. Erstmal gibt es nur ganz wenige und man bezahlt Eintritt und dann ist es auch eher aufgebaut wie ein großer Shop mit vielem kleinem Krimskrams.
Jetzt aber mal noch kurz zur Capetour. Im Gegensatz zu der letzten Capetour konnte ich dieses Mal auch die Gegend Tsitsikammas erleben, was ein richtig schönes Erlebnis in der Natur war! In Kapstadt selbst waren es eigentlich die selben Attraktionen wie letztes Mal, aber trotzdem nochmal ein total schönes Erlebnis. Einen ausführlichen Bericht über die Capetour mit ganz vielen Bildern findet ihr auch auf meinem privaten Blog☺️

Mein privater Blog

Schule auf Irisch

Als ich anfing mich für ein Auslandsjahr in Irland zu interessieren, wollte ich viel über die Schule wissen. Deswegen dachte ich mir, befriedige ich mal die Bedürfnisse von zukünftigen deutschen Austauschschülern, die vorhaben nach Irland zu gehen.

Das irische Schulsystem unterscheidet sich sehr von dem Deutschen.

Zuerst einmal gibt es fast nur getrennte, also Mädchen- und Jungenschulen. Mittlerweile gibt es immer mehr Mixed Schools aber die Regel sind immer noch die getrennten Schulen. Weiterhin sind Schuluniformen fast überall Pflicht. Nur wenige Schulen verlangen die Uniformierung nicht mehr von ihren Schülern, und ich habe hier gelernt, dass diese meist einen nicht so guten Ruf haben. Das kann aber auch nur hier so sein, also bin ich mir da nicht so sicher. Außerdem sind auch viele Schulen in kirchlicher Hand. Dieser katholische Einfluss zeigt sich mal mehr und mal weniger. Das heißt aber nicht, dass alle Schüler katholisch sein müssen. An meiner Schule, die von Nonnen gegründet wurde, gibt es auch einige Muslime oder Anhänger sonstiger Religionen. An meiner Schule finden sich aber auch einige Marienstatuen, wir haben ca. 4 Schulgottesdienste über das Jahr verteilt und während der Prüfungen wird jeden Morgen ein Gebet gesprochen. Das ist aber alles überhaupt nicht schlimm oder störend und es ist auch vollkommen okay, wenn du überhaupt nicht religiös bist. So wichtig ist die Rolle der Kirche in der Schule in der Regel nicht mehr. Aber das kann ich auch nur von meiner Schule genau sagen.

Die Schullaufbahn in Irland beginnt mit der einjährigen Vorschule. Das ist aber eigentlich nur die irische Version von einem Kindergarten. Danach folgt dann die Primary School von der ersten bis zur sechsten Klasse. Im Alter von 12-13 Jahren wechseln die Kinder dann auf eine weiterführende Schule, die Secondary School.

Dort werden die Jahrgänge dann mit „Year“ anstelle von „Class“ betitelt und die Nummerierung beginnt von vorne. Das 1st year bis zum 3rd year wird als „Junior cert“ bezeichnet. Das kann man gut mit dem Realschulabschluss vergleichen und am Ende der drei Jahre wird auch eine große Prüfung geschrieben.

Im Anschluss daran kann man sich entscheiden das 4th year oder auch Transition year genannt, machen. Das ist ein freiwilliges Jahr das vor allem der Berufsorientierung und dem Sammeln von Erfahrungen gewidmet ist. Viele Austauschschüler werden in diesem Jahr platziert, da es eigentlich wirklich ideal für so etwas ist. Es werden viele Praktika gemacht, Klassenfahrten und Ausflüge. Die Atmosphäre ist sehr entspannt da eigentlich überhaupt kein schulischer Druck herrscht. Durch die vielen Projekte ist es auch einfacher neue Freunde zu finden. Alles sehr perfekt für einen Austauschschüler in einer komplett neuen Umgebung.

Ich jedoch wurde im 5th year platziert. Das ist so ziemlich das Gegenteil vom Transition year. Das 5th und das 6th year sind vergleichbar mit der 11. Und 12. Klasse in Deutschland. Während dieser zwei Jahre macht man hier sein leaving cert also quasi die irische Variante vom Abitur.

Fürs leaving cert kann man auch verschiedene Fächer wählen, wie z.B. die verschiedenen Profile in der Oberstufe.
Pflichtfächer sind dabei Englisch, Mathe, Irisch und auch eine Fremdsprache (an meiner Schule entweder Französisch oder Deutsch)
Zu diesen Pflichtfächern wählt man drei verschiedene Wahlfächer. Ich habe mich für Biologie, Geschichte und Kunst entschieden aber es gibt auch Fächer wie z.B. Business, Accounting, Physik, Chemie, Geografie und Hauswirtschaft.

Im 5th year gibt es Schüler aus zwei verschiedenen Jahrgängen die gerade erst neu zusammen gemischt wurden. Zum einen sind da die Schüler, die das Transition year gemacht haben und dann sind da die, die es ausgelassen. Deswegen gibt es einerseits keine richtige Jahrgangsgemeinschaft und andererseits sehr feste Cliquen. Das macht es für „die Neuen“ schwierig.

In Irland werden vor Weihnachten und vor den Sommerferien jeweils die Examen geschrieben. Diese bilden das Zeugnis. Was du das ganze Jahr über geleistet hast zählt dabei dann leider überhaupt nicht mehr und wird auch nicht gewürdigt. Das finde ich persönlich ziemlich schade.
Die Sommerferien sind in Irland fast drei Monate lang. Über Jahr verteilt haben sie aber ungefähr genauso viele Ferientage wie wir in Deutschland, von diesen drei Monaten einmal abgesehen.

Jetzt würde ich euch gerne noch einen durchschnittlichen Tag von mir beschreiben. Mein Stundenplan sieht so aus, dass ich jeden Tag fast jedes Fach habe. Sie sind aber immer in einer unterschiedlichen Reihenfolge, also anders als z.B. in den USA üblich. Am Mittwoch haben wir nur einen „Half-day“ da es Schülern traditionellerweise möglich sein soll, den Gottesdienst zu besuchen, auch wenn das … nun ja … in Vergessenheit geraten ist. 😉

Am Freitag habe ich jedes meiner Fächer, deswegen dachte ich mir, erzähle ich euch einfach mal, wie so ein durchschnittlicher Freitag bei mir abläuft.
Mein Wecker klingelt um 7:15. Das Anziehen der Schuluniform läuft mittlerweile vollkommen automatisch ab. Im Winter habe ich meistens zwei Strumpfhosen übereinander und noch einen Sweatshirt unter dem School-Jumper getragen. In dem alten Gebäude meiner Schule ist es dann nämlich häufig kalt und zugig.

Meine Lunchbox bereite ich meistens schon am Abend vor, um morgens Zeit zu sparen. Meine Gastfamilie muss erst später aufstehen als ich und am Anfang war es für mich besonders schlimm, morgens ganz alleine im dunklen, fremden Haus aufzustehen, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Um 8:40 verlasse ich dann das Haus und muss einen Hügel zur Bushaltestelle hoch gehen. Das ist super um die Müdigkeit los zu werden. Ich nehme dann den Bus, der ungefähr 12 Minuten braucht. Ich habe hier echt Glück so eine kurze Strecke erwischt zu haben, denn manche meiner Freunde verbringen bis zu 45 Minuten im Bus. Mein Schulweg führt mich weiter durch die aufwachende Innenstadt. Ich mag diese Atmosphäre die so ganz anders ist als während des restlichen Tages.

In der Schule komme ich dann gegen 8:25 an. Eigentlich müssen bis 8:30 alle erst einmal in die Kantine gehen aber ich gehe meistens gleich in die Social-Area. Das ist der Aufenthaltsraum für die Schülerinnen des 5th years und des Transition years. Dort stehen auch unsere Schließfächer und jeder hat ein Haken für seine Jacke. Um 8:40 klingelt die Schulglocke und alle fangen an ihre Schulbücher für die ersten drei Unterrichtsstunden aus den Fächern zu holen. Wir stellen uns dann in einer Reihe vor dem jeweiligen Klassenraum an. Die Gänge sind immer voller Mädchen und manchmal ist das Durchkommen schwer. Um 8:45 geht der Unterricht los. Als erstes wird immer die Anwesenheitsliste überprüft um dann an die Tür gehängt zu werden. Wenn du zu spät kommst musst du dich dort eintragen, denn die Listen werden in jeder Stunde eingesammelt und kontrolliert.

In den ersten Stunden habe ich am Freitag Französisch und Irisch. Währenddessen habe ich dann Zeit meine Hausaufgaben zu machen oder zu lesen, da ich beide Fächer nicht machen muss.
Eine Stunde ist jeweils 40 Minuten lang. Da ich zuvor fast nur Doppelstunden gewöhnt war, war das zuerst sehr irritierend. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.
In der dritten Stunde habe ich dann Kunst. In Kunst haben wir hauptsächlich Kunstgeschichte. Das ist sehr trocken und langweilig da einfach das Buch durchgegangen wird. Und dabei liest der Lehrer auch nur vor. Manchmal dürfen wir aber auch kreativ arbeiten. Und das macht dann sehr viel Spaß, da wir viel freier arbeiten dürfen als ich das gewohnt war. Wir haben keine speziellen Themen oder Stilrichtungen vorgeschrieben bekommen, es ging mehr um den symbolischen Wert der Kunst und ihrer Bedeutung. Das finde ich eigentlich einen sehr schönen Ansatz.
Nach den ersten drei Stunden haben wir eine kurze Pause von 15 Minuten. In der Zeit tauschen wir unsere Schulbücher aus und essen ein bisschen was.

Nach der Pause habe ich Geschichte. Dort behandeln wir zurzeit nur irische Geschichte. Und auch hier wird nur trocken das Buch durchgesprochen im langweiligen Frontalunterricht. Ab und zu werden auch Dokumentationen genutzt. Irische Geschichte unterscheidet sich selbstverständlich sehr von der Deutschen. Das war am Anfang sehr kompliziert. Zum einen, da das Niveau der genutzten Texte ziemlich hoch ist und zum anderen, da viele der anderen Mädchen die wichtigen Namen mit der Muttermilch aufgezogen haben, während ich noch nie von DeValera, Collins oder Griffith gehört habe. Mittlerweile komme ich im Unterricht aber sehr gut mit und das geschichtliche Wissen hilft auch um Irland besser zu verstehen.
Danach haben wir Berufsberatung. Dieses Fach dient zur Vorbereitung auf die Uni und es wird z.B. das Benotungssystem erklärt. Das ist zwar alles sehr sinnvoll, aber für uns Austauschschüler ist es überhaupt nicht wichtig.

Nach diesen beiden Stunden haben wir dann die Mittagspause. Die ist fast eine Stunde lang und meistens sehr entspannt und lustig, da eine gute Grundstimmung unter den Mädchen herrscht und es fast kein Gezicke gibt. Häufig wird gesungen, was gerade so angesagt ist und natürlich gibt es auch eine Gruppenwanderung in Richtung Toilette (Am Anfang hat es mich übrigens irritiert, dass es nur Mädchentoiletten, und deswegen auch keine Schilder an den Türen gibt, auch wenn das natürlich nur Sinn macht, in einer Mädchenschule ;)). Nach Der Pause habe ich dann Englisch und das mag ich sehr gerne. Wir lesen z.B. King Lear von Shakespeare, Wuthering Heights oder Gedichte von irischen oder englischen Poeten. Das macht mir Spaß und es fällt mir auch nicht so schwer. Ich glaube der Englischunterricht in Deutschland wird dann echt langweilig werden … aber mal abwarten 😉

Nach Englisch habe ich Mathe. Dort sind wir in das „Ordinary level“ und das „Higher level“ eingeteilt. Ich bin im ordinary level und das ist wirklich einfach und auch ein wenig langweilig, aber das ist schon okay  Grundsätzlich ist der Matheunterricht auf Englisch aber eine ganz schöne Umstellung. Vorher hätte ich gedacht, Mathe müsste, abgesehen von der Sprache, überall gleich sein. Das ist definitiv nicht so, und es hat echt lange gedauert, bis ich all die Techniken gelernt hatte, die hier gelehrt werden an Stelle von denen, die ich immer benutzt hatte. Das wird, zurück in Deutschland, dann wieder genauso ungewohnt schätze ich mal.
Danach haben wir Religion. Meistens dürfen wir da dann einfach nur Hausaufgaben machen oder wir schauen Filme. Ab und zu reden wir auch über Religion, aber eher selten.
In der letzten Stunde vor dem Wochenende habe ich dann Biologie. Dort machen wir ab und zu Experimente und ansonsten machen wir Notizen während die Lehrerin redet. Das ist sehr trocken und auch irgendwie langweilig, obwohl der Unterrichtsinhalt eigentlich echt spannend ist.

Generell gibt es hier nur Frontalunterricht, was für mich sehr ungewohnt war und auch immer noch ziemlich langweilig ist. Da bevorzuge ich den deutschen Unterrichtsstil schon eher.
Um 3:55 ist der Unterricht dann vorbei und ich fahre mit dem Bus nach Hause bis ich um ca. 4:50 zu Hause bin …
… ja das ist mein durchschnittlicher Schulalltag. Ganz anders als in Deutschland aber mittlerweile fast genau so vertraut.
Insgesamt muss ich sagen bevorzuge ich persönlich das deutsche Schulsystem. Ich finde es einfach besser, nachzudenken im Unterricht und auch mal zu diskutieren. Das vermisse ich sehr. Hier wird man leider fast gar nicht dazu angeregt selbstständig zu denken.
Aber trotzdem ist es interessant etwas so Anders kennen zu lernen und es hat schon ein paar Vorteile … zum Beispiel kann man im Unterricht besser mit offenen Augen schlafen, wenn man sowieso nie dazu aufgefordert wird, etwas zum Unterricht beizutragen … 😉

Was? Schon vorbei?

Halli-hallo~~ 🙂

Immer wenn ich in Deutschland Kommentare wie „Das Jahr vergeht wie im Flug! Das wirst du schon noch sehen…“ hörte, dachte ich mir jedes Mal nur, dass sie ja recht haben – aber 11 Monate sind immerhin 11 Monate! Doch jetzt? Was ich jetzt sage ist folgendes: Sie hatten alle MEHR als recht! Wie kann Zeit nur so unfassbar schnell vergehen…? Im Winter erreichten wir vier Abenteurer Korea – und jetzt haben wir Anfang Dezember und es ist schon wieder kalt geworden!
Ich erlebte bisher zwei vollständige Jahreszeiten, mehrere Hochs aber auch vereinzelte Tiefs und sammelte unfassbar viele prägende Erfahrungen, welche mich mein Leben lang begleiten werden.

Einer meiner großen Vorsätze oder…sagen wir besser „Wünsche“ war es immer wenn ich über meinen bevorstehenden Austausch nachdachte: „Ich möchte ein Teil von Korea werden!“ Nicht nur der Tourist oder der überaus interessierte Ausländer sein – nein, ich wollte wirklich DAZUgehören. Ein Part, dieser fremden Kultur und dieses für mich so faszinierenden und schon tief in meinem Herzen verankerten Landes werden!

Jetzt, neun Monate (es sind tatsächlich schon neun Monate!!!) später frage ich mich: „Habe ich es geschafft?“

Hebe ich erst nochmal meine Anfangssituation hervor: Ich, 16 Jahre, in einem Land über 8500 Kilometer von meiner bisherigen Heimat und Leben entfernt, wo ich NIEMANDEN kannte und mit meinen Sprachkenntnissen vielleicht einen Kaffee bestellen oder dem Kellner ein freundliches „Es war lecker!“ hinterherrufen konnte. Also ein BISSCHEN mehr und ein paar Basics konnte ich nach 2 Jahren Sprachkurs schon…aber erstaunlicherweise wurden nicht nur die Ereignisse des vergangenen Wochenendes ausgetauscht oder gefragt wie man denn zur U-Bahn kommt… Nun ja ;D Aber sind das nicht die tollsten Voraussetzungen, um sich ein neues Leben aufzubauen?

Ja, warum denn nicht?

Von Anfang an war ich im Gegensatz zu einigen meiner Familienmitglieder, Bekannten oder Freunden diejenige gewesen, welche alles am positivsten sah und blind auf die allseits bekannte Devise „Wo auch ein Wille ist – ist auch ein Weg!“ vertraute.
Einiges war viel unkomplizierter und ging schneller als gedacht – aber auch vieles genau anders herum und bis ich meinem neuen Leben mit Gewissheit den Titel „Alltag“ verleihen konnte, verging doch eine ganze Weile.

Aber auch diese Hürde war bald überwältigt! Ich hatte einige Freunde und Ansprechpersonen gefunden, ging meine alltäglichen Wege mit immer größer werdender Sicherheit und begann immer mehr die Umgebung zu erkunden und mich zurechtzufinden. Viele neue und am Anfang noch recht ungewohnte Bräuche oder Regeln (wie z.B. das Tragen der Schuluniform und der große Respekt Lehrern und generell Erwachsenen gegenüber) waren mir nicht mehr fremd und ich sah sie als selbstverständlich an und führte sie auch ebenso aus.

Auch hatte ich Hobbys gefunden, welche meinen „Alltag“, neben meinem täglichen Schulbesuch, auch wirklich zu solch einem machten und mein neues Leben von da an bestimmten. Da wäre einmal die Kirchgemeinde in die ich durch meine erste Gastschwester in Goyang* gleich wenige Tage nach meiner Ankunft sofort herzlich aufgenommen wurde und mein Taekwondo, welches ich, im Gegensatz zu den vorherigen 2,5 Jahren in Deutschland, seit Mitte März täglich ausübe. Es ist zwar oft sehr anstrengend aber macht unglaublichen Spaß!!!

Was könnte ich noch so berichten? Es gibt soooooooooo vieles!! Aber, wie wäre es z.B. mit einem kleinen Einblick in mein tägliches Schulleben? 😉
Schon seit einem dreiviertel Jahr ziehe ich nun morgens selbstverständlich meine Uniform an und begebe mich mit allen anderen Schülern Goyangs in die vollen U-Bahnen und Busse auf den Weg zur Schule. Ich kann meine Freude gar nicht ausdrücken als ich erfuhr, dass der Unterricht im Gegensatz zu meiner deutschen Schule erst gegen 9:00 Uhr beginnt! Dies war im Kopf für mich eine ziemliche Umstellung – an welche ich mich allerdings liebend gern und sehr schnell gewöhnte ;P

Am Morgen meines ersten Schultages war ich so unfassbar aufgeregt gewesen! Der Moment in eine neue Klasse zu kommen und keinen zu kennen ist schon kompliziert genug…aber zusätzlich noch in einem fremden Land und einer unbekannten Kultur? Wow! Die Schule ist ein großer Bestandteil des alltäglichen Lebens und spätestens in diesem Moment wusste ich – das ist kein einfacher Urlaub, dass ist mein neues Leben! Mein Austauschjahr hatte begonnen!
Nachdem ich meine Klassenlehrerin kennengelernt hatte und unter vielen neugierigen Blicken in die Klasse geschoben wurde kam auch schon die nächste Hürde auf mich zu…vorstellen!! Noch ganz verschüchtert von der Gesamtsituation sagte ich meinen (fleißig auswendiggelernten!) Vorstellungstext auf und setzte mich auf den mir zugewiesenen Platz.
Schon im Laufe des ersten Tages merkte ich, dass meine Sorgen unbegründet waren und es versprach eine tolle Zeit zu werden. In den Pausen kamen jedes Mal neugierige Schüler zu mir, welche mich schüchtern begrüßten und gerne kennenlernen wollten. In Korea sind Ausländer nicht so häufig wie bei uns in Deutschland, weshalb ich für viele die erste war welche sie zu Gesicht bekamen und jedes Mal wo ich einen Flur betrat oder um eine Ecke bog, war ich sofort von einer ziemlich aufgeregten Menge umgeben. Oft fühlte ich mich wirklich etwas wie ein Idol! 😀 Nach ungefähr 2~3 Wochen hatten sich so gut wie alle aus meiner Klasse an mich gewöhnt… ;P
Ich fand auch gleich am ersten Tag 1~2 sehr gute Freunde, welche mich in der ersten Zeit überall mit hinnahmen damit ich die Wege kennenlernte und mit denen ich seit dem jedes Mittagsessen zusammen verbringe. 🙂

 

„Ja!“ lautet meine Antwort, „Ja, ich habe es geschafft.“.

 

Das waren ein paar meiner prägendsten Erlebnisse und der Einstieg in mein Austauschjahr! Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich schon so bald wieder zurück muss…der Anfang war nicht immer leicht, aber ich habe meinen koreanischen Alltag und alle dazugehörigen Menschen sehr lieb gewonnen und weiß jetzt schon, dass mir der Abschied sehr schwerfallen wird! ABER – ich werde auf jeden Fall wiederkommen! 🙂
Dieses Jahr wird für immer in meiner Erinnerung bleiben und ich bin allen Menschen so dankbar, welche es mir ermöglichten meinen größten Traum wahr werden zu lassen~~
Danke! 🙂

 

Ein lieber lieber Gruß,
Philine~

 

*Goyang heißt die Stadt, in der ich lebe!