Grüße aus Italien

Ciao 🙂

Nun ist es schon fast 2 Monate her, dass ich meinen ersten Blogpost geschrieben habe und seit dem ist sehr viel passiert.

Ich habe unglaublich viele nette Leute kennengelernt, viele Unternungen gemacht (wie z.B. HOLY-Festival in Neapel, Shoppen in Neapel, Sightseeing in Salerno,…), ich habe eine 2. Familie gefunden und auch eine richtige Schwester. Ich bin eigentlich immer unterwegs und komme abends erst spät nach Hause. Ich habe Spaß und genieße die Zeit 😀

Aber es ist auch anders als erwartet. Ich habe in Deutschland schon versucht, so wenige Erwartungen, wie möglich zu haben, aber meine Vorstellung von einem Auslandsjahr war immer Freiheit, Abenteuer und Selbstständigkeit.
In Wahrheit bin ich hier viel weniger selbstständig. Natürlich bin ich ohne meine Eltern und Freunde, aber ich kann mich weniger frei bewegen. Hier in Italien ist alles sehr auf das Auto bezogen und wenn ich irgendwo hin möchte, muss meine Gastmutter Zeit haben mich dahinzubringen. Ich habe auch verhältnismäßig viel Schule, jeden Tag 9 Stunden. Deshalb kann ich leider nicht so viel unternehmen.

Ich hatte auch schon meinen ersten Tiefpunkt. Ich habe viel an Zuhause gedacht und mich, auch unter Leuten, alleine gefühlt. Aber das geht auch wieder vorbei. Man muss sich einfach im klaren darüber sein, dass es “nur” 10 Monate sind und man die genießen muss. Man kommt nach dieser Zeit wieder nach Hause in seinen Alltag und das Meiste hat sich nicht geändert. Ich glaube, dass es eher erschreckend sein wird, wie wenig sich geändert hat. Außerdem ist dieses Jahr eine Chance über sich hinaus zu wachsen und viele Dinge (wenn auch nicht immer sichtbar) zu lernen. Ziele zu erreichen, für die man nie Zeit oder die Muße hatte und einfach man selbst sein.
Also versuche in allem das Beste zu sehen und auch, wenn mal nicht alles klappt, versuche Lösungen zu suchen und genieße die Zeit!!!

Eva 🙂

 

 

Schaut auch auf meinem privaten Blog vorbei 😀

Alles zu seiner Zeit

Inzwischen bin ich seit mehr als sechs Wochen hier. Mal vergeht die Zeit wie im Fluge, mal zieht sie sich wie ein Kaugummi. Nichts neues, eigentlich, doch während eines Austauschjahres wird einem diese Tatsache besonders bewusst. Momente, die man gerne festhalten würde, von denen man hofft, dass sie möglichst lange anhalten, und Momente, die man gerne so schnell wie möglich überstanden haben möchte. Beide gibt es, beide gehören dazu.

Hier geht alles seinen mehr oder weniger gewohnten Gang, das Wetter scheint sich nicht richtig entscheiden zu können, ob es den Walnussbäumen schon in Richtung Winter folgen soll, und der morgendliche Weg den Berg hinab zur Bahnstation wird zunehmend rutschiger, weil sich tiefhängende Wolken an den Wäldern festhalten, die die Hänge des Berges bedecken, auf dem ich lebe, und die Serpentinen in eine Rutschbahn verwandeln.

Der 12. Oktober war el Día de la Hispanidad, der spanische Nationalfeiertag, an dem der Ankunft Kolumbus’ auf dem amerikanischen Kontinent im Jahre 1492 gedacht wird. Für mich war dieser Tag ehrlich gesagt nicht mehr, als ein willkommener Tag zur Entspannung, der die Woche etwas verkürzt hat, weil es in meiner Familie – vielleicht nur in meiner Familie, wahrscheinlicher aber im ganzen Baskenland – keine großen Feierlichkeiten anlässlich dieses Tages gab. Die anderen Austauschschüler in Spanien könnten das anders erlebt haben, denn ich habe mir zumindest im Internet einige Bilder der Militärparade und der königlichen Familie in Madrid ansehen können, doch es überrascht mich nicht mehr besonders, dass die Dinge im Euskal Herria (baskisch für Baskenland) anders laufen als im Rest Spaniens. Diesen Eigenheiten werde ich zu gegebener Zeit noch eigene Posts widmen, doch ich kann sagen, dass ich von dem Nebeneinander dieser zwei Kulturen, die sich häufig zu einer eigenen, neuen vermischt haben, fasziniert bin. Auch die Sprache, in deren Sätzen ich nicht einmal die Unterteilung in einzelne Wörter heraushören kann, ist interessant, und ich hoffe, dass ich bald etwas mehr als nur die Alltagsausdrücke lernen kann, die das Standardspanisch zumindest in diesem Bereich verdrängt haben.

Im Colegio hat gerade die letzte Woche des ersten Viertels des Schuljahres begonnen, sodass jeden Tag mindestens eine Klausur ansteht, was mich recht beschäftigt hält. Ich gebe mein Bestes, und habe auch zu meiner Überraschung und der meines Lehrers das erste Examen in Wirtschaft bereits bestehen können, doch dadurch, dass ich noch viele Wörter übersetzen muss, bevor ich sie verwenden kann, bin ich meist etwas zu langsam.

Zur Sprache allgemein: Es geht bergauf. Ich bin gerade eine einer Art von Wendepunkt, an dem sich mein Sprachgebrauch von bloßem Zuhören und Aufnehmen zum aktiven Gebrauchen und Teilnehmen an Gesprächen entwickelt. Es braucht noch tägliche Überwindung, aber die Freude über geglückte Satzkonstruktionen und die Komplimente über meinen Fortschritt dienen als gute Motivation.

Alles zu seiner Zeit. Quasi mein Leitspruch momentan, denn Verständnis von Themen und Sprache, Kontakte zu neuen Leuten und die Einstellung auf ein Leben in einem neuen Umfeld kommen nicht von heute auf morgen. Man muss geduldig sein mit sich selbst, mit seiner Umgebung, alles auf sich zukommen lassen, aber gleichzeitig auch aus dem eigenen Komfortbereich herauskommen.

Das ist das, was mein Austauschjahr momentan für mich bedeutet.

Bis zum nächsten Mal, saludos,
Timm

Yes Sir!

Jetzt ist schon wieder fast eine Woche wie im Flug vergangen und ich dachte mir ich schreibe mal einen etwas ausführlicheren Eintrag über meine Schule und wie mein Schultag so aussieht.

Um Acht Uhr nehme ich mit Julie den Bus 39 oder 39A zum Blanchardstown Shoppingcenter, welches hier liebevoll „Blanch“ gennant wird. Dann laufen wir zusammen um die 15 Minuten zur Schule.
Pünktlich um acht Uhr fünfzig muss ich mich dann vor meinem Klassenraum aufstellen.
Wenn die Reihe vor dem Klassenzimmer nicht korrekt gerade ist, oder du es wagst nicht pünktlich zu sein, oder gar im schlimmsten Fall deine Uniform nicht korrekt trägst, gibt es eine Standpauke die sich gewaschen hat.
Wenn mir ein wütendes “Tie” oder “Jacket” entgegen geschleudert wird, weiß ich genau was zu tun ist. Glücklicherweise komme ich nicht allzu häufig in den Genuss ;).
In meiner Klasse, Daireach ist es besonders streng, da Mister H., der strengste Lehrer der Schule unser Englisch- und Klassenlehrer ist.
Durch ihn konnte ich mich auch direkt an den klang des Irischen Akzents gewöhnen.
So habe ich schnell gelernt das wenn er mit uns spricht nicht über Füchse, sondern über uns Leute spricht. Am Anfang verstand ich nämlich so viel wie “Stand up foxes” anstatt von “Stand up folks”. Sehr verwirrend, vor allem weil ich dachte das er hinter der strengen Fassade es mag uns nette Spitznamen zu geben.
Wenn morgens bei der Anwesenheitskontrolle mein Name aufgerufen wird, dann heißt es “Yes Sir”, keine andere Antwort zählt.
An diesem “Yes” kann man auch erkennen, wie viel Respekt die Schüler dem Lehrer oder der Lehrerinn entgegenbringen.
So gibt es hier die Stufen von “Ya” über “Yes” bis zu “Yes Miss” oder “Yes Sir”.
Da hier die Anrede nur über Miss und Sir stattfindet, kennen die meisten Schüler und Schülerinnen meist nicht die Namen der Lehrer, mich eingeschlossen. So fragte letztens ein Mittschüler in die Runde, als die Lehrerinn noch nicht im Raum war, “Where’s Miss” was sich dann für mich doch ein bisschen seltsam angehört hat.
Wie ich schon erwähnt habe ist das hier im Transition Year sehr locker, was den Schulstoff angeht.
Letztens waren einige Lehrer und Schüler, wegen des Busstreiks nicht in der Schule. So wurden alle Schüler der Transition Year Klassen zusammengesetzt und die Lehrerin hat kurzerhand Netflix angemacht. Nach einer kurzen Abstimmung haben wir uns dann “Lucy” angeschaut.

Aber natürlich gibt es hier auch Fächer die mir nicht so leicht fallen. Englisch zum Beispiel mit Mister H. Wenn wir ein Gedicht interpretieren sollen und die hälfte der Wörter mir nicht im geringsten bekannt vorkommen, ärgere ich mich schon manchmal das ich nicht immer ein Wörterbuch dabei habe.
Auch Mathe finde ich hier ziemlich kompliziert. Ich besuche hier einen Higher Level Kurs und da fehlt mir dann doch mal ab und zu das Verständnis.

In Fächern wie Technical Graphics, kann ich mich dann beim entwerfen eines Fensterbrettes wieder entspannen. Computermodelle zu erstellen ist tatsächlich gar nicht so übel.

In der Pause, für die ich meist mein Lunch zuhause vergesse, genehmige ich mir dann einen Kinder Bueno, welcher in der Schulkantine im Doppelpack nur einen Euro kostet. Wenn du mich fragst ein guter Preis!

Manchmal sind einige Regeln oder Sitten in der Schule ein bisschen seltsam für mich und manchmal kommen sie mir ganz bekannt vor, aber was fest steht ist, dass das Riversdale Community College keine allzu schlechte Schule ist ;).

Slán (Tschüss, auf wer hätte es gedacht: Irisch;D)

Franzi!

Schon ein Monat um???

Zeit ist schon eine komische Sache. Auch wenn sich die Minuten ewig hinziehen, du das Gefühl hast der Tag würde nie enden, dann ist irgendwann doch ein Monat vorbei. Und in dem ist schon echt viel passiert.

Am Montag dem 5. September ging es für mich ganz früh los und um 4:20 Uhr waren wir dann am Flughafen. Dann kam der Abschied …der Moment vor dem ich mich, trotz all der Vorfreude, schon von Anfang an gefürchtet hatte. Meine Eltern, mein Bruder, meine beste Freundin und meine Großeltern waren gekommen um mich zu verabschieden. Und … ich will nichts beschönigen: der Abschied war hart. Sehr hart. Und im Nachhinein ist es fast noch schlimmer daran zu denken, denn in dem Moment des Abschiedes war mir noch gar nicht bewusst, was das alles wirklich bedeutet. Viel schlimmer war es eigentlich meine Lieben weinen zu sehen. Als ich dann durch die Sicherheitskontrollen durch war (samt zufälligem Sprengstofftest😮) und um die Ecke gegangen bin ging es mir aber auf einmal schon viel besser und ich war auf einmal voll Adrenalin. Mit den anderen Austauschschülern war es toll. Es tut immer gut mit Leuten zu reden die das Gleiche durchmachen und ähnliche Gefühle haben.

Es ging dann von Hannover aus nach Frankfurt. Dort haben wir ganz viele andere Austauschschüler getroffen. Nach ein paar Stunden Wartezeit ging es dann weiter nach Edinburgh, in Schottland. Dort fand die ersten beiden Tage ein Einführungscamp mit allen Austauschschülern von YFU die nach Irland und England gehen statt. Dieses Camp fand in einem alten Herrenhaus statt, eine wirklich tolle Kulisse. Morgens gab es ein typisch englisches Frühstück samt Würstchen, Bacon, Rührei und Kartoffelecken und wir haben auch ein typisch schottisches Fest mit schottischer und irischer Musik gefeiert. Es war gut, ganz ohne Frage. Es hat Spaß gemacht viele neue Leute kennenzulernen und noch einmal zu wiederholen, was wir schon auf der VBT gelernt haben. Trotzdem war die Stimmung angespannt auf eine seltsame Weise. Wir haben uns alle so ein bisschen verloren gefühlt: nicht mehr zu Hause, aber auch noch nicht im richtigen Auslandsjahr angekommen. Ich für meinen Teil wollte endlich nicht mehr aus meinem Koffer leben und ankommen … ankommen in meinem neuen Leben.

Und das ging dann doch schneller als gedacht. Am Mittwoch ging es mit dem Bus zurück zum Flughafen, dann nach Dublin und zum Schluss wieder mit dem Bus bis nach Cork. Alles in allem war es ein voller Tag. In Cork hat meine Gastfamilie dann auch schon auf mich gewartet …das war glaube ich einer der wichtigsten Momente des Beginns dieses Auslandsjahr. Mein erster Eindruck war … nett. Höfflich, freundlich und ziemlich nervös war die Begrüßung. Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter Gillian, meinem Gastbruder Craig und ihrem Hund Beauty. Die drei leben zusammen in einem kleinen Haus, das mir dann auch gleich gezeigt wurde. Mein Zimmer ist klein aber fein. Als ich angekommen bin war es noch sehr kahl, doch mittlerweile habe ich es schon mehr zu meinem eigenen Reich gemacht. Als ich am ersten Abend ins Bett gegangen bin kam dann die Erkenntnis mit einem riesigen Schlag … 9 Monate … Mann, ist das lang. Vorher kam mir das alles so unrealistisch wie ein wirrer Traum vor. So lange hatte ich auf das hier gewartet. Aber dann drang irgendwie nichts zu mir durch und abends alleine in meinem Zimmer, kurz vorm Einschlafen bin ich dann aufgewacht und trotzdem hat der wirre Traum nicht aufgehört. Ich hatte das Gefühl diese neun Monate würden die längsten meines Lebens werden. Mit großem Abstand. Alles was ich wollte, war mich in mein eigenes Bett zu kuscheln, nachdem ich zusammen mit meiner Familie gegessen hätte. Aber das ging nun mal nicht und das wurde mir auch mit aller Wucht bewusst. Und so konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten.

Ich weiß nicht, wo ich weitermachen soll, wenn ich meine ersten Tage und diesen ersten Monat hier beschreiben soll. Deswegen dachte ich mir, fange ich mal ganz am Anfang an, aber um ehrlich zu sein geht dieses Konzept jetzt überhaupt nicht mehr auf … zu viel ist passiert. So viel ist hier anders, von dem ich euch erzählen will …

Am ersten Tag haben wir morgens erstmal die Schuluniform gekauft. Und da fängt es schon an. Nie zu vor habe ich eine Schuluniform getragen. Sie ist glaube ich der offensichtlichste Unterschied zu der deutschen Schule. Viele sagen ja, das würde es einfacher und schneller morgens machen, aber das Gefühl habe ich überhaupt nicht. Könnte aber auch daran liegen, dass ich morgens zu Hause auch nicht lange brauche. Ich habe mich für den Rock entschieden, weil die Hosen schrecklich sitzen und blöd aussehen. Die meisten Mädchen hier tragen aber trotzdem Hosen, was ich mittlerweile sehr gut verstehen kann! Wir dürfen nämlich auch nur eine Art von Strumpfhosen tragen und die rutschen immer runter, egal was man probiert. Das ist unglaublich nervig. Außerdem kann man sich auch schlecht die Strumpfhose hochziehen wenn man durch die Stadt läuft. Den Rock rollen alle immer etwas hoch, weil er sonst eine ungünstige Länge hat. Leider verrutscht der Unterrock auch immer …

Der Pullover ist zwar eigentlich okay aber immer entweder zu warm oder zu kalt und wir dürfen ihn nicht ausziehen. Die tragen hier ihre Pullover immer viel zu groß. Was verständlich ist, wenn man bedenkt, dass sie so lange wie möglich passen sollten. Auf dem Pulli ist auch das Schulwappen drauf. Wir haben dazu auch noch Jacken die wir auf dem Hin und Rückweg tragen müssen. Sie sind, wie die ganze restliche Uniform grün… und leider auch ziemlich sackartig geschnitten. Meine ist nur geliehen, damit es nicht so teuer für mich ist, aber deswegen ist sie viel zu groß und auch schon ein bisschen kaputt. Zur Uniform müssen wir schlichte, schwarze, flache Schuhe tragen. Das ist aber kein Problem, da das sowieso die Art von Schuhen ist die ich normalerweise trage. Wir haben an meiner Schule übrigens noch sehr Glück, mit der Uniform. Hier in Cork sieht man auch schon mal eine grässlich lila Uniform oder eine in Kack-braun und Piss-gelb. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mich schneller an die Uniform gewöhnt habe, als ich zuvor dachte. Trotzdem mag ich sie nicht wirklich. Ich fühle mich darin irgendwie eingesperrt und ich vermisse meine eigene Kleidung sehr, weil sie irgendwie doch mehr ein Teil von mir ist als ich vorher gedacht hätte. Das habe ich auch am vorletzten Mittwoch gemerkt, denn da hatten wir einen No-school-uniform-day und ich habe mich gleich viel wohler gefühlt. Aber ich beiße jetzt einfach die Zähne zusammen. Ich weiß ja, dass es nur noch für 8 Monate ist, ich danach wieder meine eigenen Klamotten tragen kann und außerdem werde ich vermutlich niemals wieder in meinem Leben eine Schuluniform tragen. Also ist es eigentlich eine gute, neue Erfahrung. Und Leute, so cool und Harry-Potter-mäßig man sich das auch manchmal vorstellt: seid froh, dass wir das in Deutschland nicht haben!

Ein anderer, deutlicher Unterschied zu deutschen Schulen ist, dass ähnlich wie in amerikanischen Schulen nicht die Lehrer die Räume wechseln. Die Schüler gehen also nach jeder Stunde in einen neuen Raum. Ich finde aber schön, dass man den Räumen etwas mehr Persönlichkeit ansieht, als das in Klassenräumen in Deutschland der Fall ist. Außerdem ist es nett, dass die Sitzordnung deswegen auch so oft wechselt. Da hat man häufiger die Chance neben Jemand anderen zu sitzen.

Die Religion spielt ihr eine größere Rolle als zu Hause in der Schule. Hier sieht man in den Klassenräumen häufig Marienstatuen und die Nonnen aus dem gegenüberliegenden Kloster sieht man auch ab und zu. Wir hatten auch schon eine Schulmesse. Die gibt es hier nur dreimal im Jahr und gemeinsam mit dem Schulchor hatte ich auch einen kleinen Auftritt. Nach Ankündigungen durch die Schulsprechanlage, die es ihr fast täglich gibt, wird auch immer ein kurzes Gebet auf irisch gesprochen. Ansonsten sind die hier aber sehr entspannt was den katholischen Glauben betrifft.

Ja und dann natürlich der Unterricht … da muss ich echt sagen … ein Glück, dass ich mein Abitur in Deutschland mache. Denn diese Art von Unterricht ist auf Dauer nichts für mich. Es fühlt sich immer mehr nach einer Vorlesung an. Die Lehrerin steht vorne hinter ihrem Pult, erhöht auf einem Podest. Sie referiert vor sich hin, erzählt und erzählt. Ab und zu lesen wir etwas in einem der dicken Schulwälzer und dann hören wir wieder nur zu. Ich merke, dass ich bei dieser Art von Unterricht schnell auf Durchzug schalte. Selbst wenn ich versuche aufzupassen, bleibt nichts hängen. Ich glaube, das liegt daran, dass ich einfach nicht über das Gelernte nachdenken muss. Zum Glück ist der Unterricht für mich nicht wirklich wichtig. Meine Noten hier haben überhaupt keinen Einfluss auf mein Abi.

Inhaltlich ist es schwer zu sagen, ob der Unterricht schwer ist. Grundsätzlich ist es nicht schwer oder kompliziert. Aber da mir viele Worte fehlen, vor allem in Biologie, und einiges an Grundlagenwissen, in Geschichte, ist es schon schwer dem Unterricht zu folgen. Und da hier alles sehr viel einseitiger abläuft, sind sie auch schneller mit den Themen. Das, was wir in Deutschland innerhalb eines Monats lernen, wird hier schnell auch mal in einer Woche abgefrühstückt, bleibt dafür dann aber auch nur bis zum nächsten Test im Kopf.

Insgesamt muss ich sagen, gefällt mir diese Art von Unterricht nicht so sehr. Für ein Auslandsjahr ist es aber perfekt, da nicht so sehr auffällt, wenn du etwas nicht kannst oder weißt. Und außerdem kann man auch gut mit offenen Augen schlafen, wenn ich ganz ehrlich bin … ;D

Die Fächer hier sind grundsätzlich wie an deutschen Schulen in der Oberstufe. Auch hier wählst du die Fächer, die du für dein Leaving Cert als Prüfungsfächer haben möchtest. Pflichtfächer sind dabei Englisch, Mathe und Irisch. Diese Fächer habe ich natürlich auch. Irisch mache ich allerdings nicht mit, da hier alle schon seit der ersten Klasse Irisch lernen, und wir somit keine Möglichkeit hätten Anschluss zu finden. Gemeinsam mit den anderen Austauschschülerinnen mache ich also meine Hausaufgaben während die Iren Irisch lernen. Außerdem habe ich dann noch Biologie, Kunst und Geschichte. Und Geschichte ist echt anspruchsvoll! Zum einen lesen wir die ganze Zeit Texte auf einem ziemlich hohen sprachlichen Niveau und zum anderen wird ausschließlich irische Geschichte behandelt. Das ist echt spannend, da sie selbstverständlich ganz anders als die deutsche Geschichte verlaufen ist, aber die Iren haben natürlich schon von Kindsbeinen an irische Geschichte gehabt und haben ein ganz anderes Grundlagenwissen als ich …. Bei mir ist da nämlich absolut nichts! JAber das ist nicht so schlimm, da ich es in Deutschland vermutlich niemals wieder brauchen werde.

Im Zusammenhang mit Geschichte ist mir auch schon etwas aufgefallen, das für mich etwas sehr neues ist: Nationalstolz wo man nur hinsieht!

Gewöhnt bin ich, den bitteren Nachgeschmack dieses Wortes, doch hier ist er unglaublich wichtig und du findest ihn in fast jedem Menschen. Die Nationalisten in Irland sind die Guten, da sie dafür gekämpft haben, dass dieses wundervolle Land eine eigenständige Nation wird. Das ist verwirrend, aber es ist auch spannend dieses Gegenteil so lebendig zu erleben. Deutschland an sich und auch das Thema, das damit einhergeht wird hier aber sehr viel lockerer aufgefasst, als ich erwartet habe … wenn wir deutsche Austauschschüler betreten auf den Boden blicken, winken die Iren zu meist schnell ab: „Ach das ist doch schon ganz lange her!“ hört man dann „Das hat doch mit euch nichts mehr zu tun!“ Ich muss ehrlich sagen, dass mich das sehr ehrleichtert hat, denn zuvor habe ich darüber schon ein paar Mal nachgegrübelt.

Nach der Schule habe ich bis jetzt noch nicht so viel zu tun. Schulschluss haben wir immer so gegen 16:00 Uhr und gegen 16:55 bin ich dann zu Hause. Dann mache ich Hausaufgaben, gehe mit Beauty (dem Hund) raus, lese, schreibe Tagebuch oder schaue mir Serien an. Ich weiß, das klingt nicht so spannend, aber ehrlich gesagt bin ich nach einem langen Schultag hier immer sehr geschafft und freue mich auf die Pause.

Ich hatte eigentlich vor, die Aktivitäten der Schule für den Nachmittag wahrzunehmen, aber leider hat sich jetzt heraus gestellt, dass das nur innerhalb des Unterrichts angeboten wird, für mich also gar nicht nutzbar ist. Mittwochsabends werde ich vermutlich ab nächster Woche eine Musicalklasse besuchen die ich im Internet gefunden habe. Für mehr ist dann aber auch gar nicht das Geld drin, denn hier ist alles ziemlich teuer.

Ich hoffe auch, dass ich in der Musicalgruppe vielleicht einige irische Freunde finde, denn das fällt mir in der Schule noch nicht so leicht. Die Schüler sind es hier einfach so gewöhnt, dass Austauschschüler kommen und gehen. Außerdem sind wir auch echt viele. Alleine schon 9 Deutsche. Deswegen kann ich auch verstehen, warum die Iren da ein bisschen zurückhaltender sind. Aber mit ein bisschen mehr Zeit wird das schon alles noch werden J

Geduld ist eine Sache, ohne die man hier wirklich nicht auskommt. Alles braucht nun einmal so seine Zeit. Ich hoffe nur, in zwei Monaten, habe ich mich schon etwas besser eingelebt.

Ich will ganz offen zu euch sein: ein Auslandsjahr versteckt unglaublich viele Hürden in den 9-10 Monaten, die man bleibt. Einige Hürden nimmst du ohne Probleme, andere halten dich lange auf. Aber so ist das Leben. Hier fällt es mir nur mehr auf, da das fehlt, was mir früher Halt gegeben hat.

Es ist ein wenig so wie ein Baum … er hatte immer seine Wurzeln, die ihn fest mit der Erde um ihn herum verbunden haben. Jetzt ist es so, als hätte man ihn ausgebuddelt und jedes Krümelchen Erde von den Wurzeln abgepustet. Jetzt muss ich mir erstmal jedes Klümpchen einzeln zusammen suchen, bis ich wieder richtig eingebuddelt bin und fest stehe. Ich weiß, dieser Vergleich ist unglaublich kitschig, aber irgendwie fühl es sich genauso an: Als hätte man mir die stabile Erde um mich herum weggenommen.

Dabei ist es ja immer mein Traum gewesen, das hier zu machen. Ich lebe also gerade eigentlich meinen Traum. Umso komischer fühlt es sich an, dass es jetzt so schwer ist. Aber wie gesagt, Geduld ist das Zauberwort …

Die Wochenenden sind bis jetzt noch ziemlich entspannt: mal ein bisschen Sightseeing mit den anderen Austauschschülern, mal einen Film im Kino ansehen und eine irische Hochzeit durfte ich auch schon erleben. Das wird auch sicherlich ein unvergessliches Erlebnis bleiben. So krass angemalte Frauen habe ich in meinem Leben noch nie gesehen, und das will schon was heißen, wenn man im Roderbruch zur Schule geht 😉

Ja, das wär es dann soweit von mir … ich vermisse Deutschland, aber grundsätzlich geht es mir super.

Ich weiß, es ist ein langer Beitrag geworden, und dabei habe ich schon soooo viel gekürzt und weggelassen J

Ich hoffe sehr es geht euch allen gut! J

Alles Liebe,

eure Neela