Frühling in der Luft und Geld auf dem Boden

Hab ich nicht am Ende meines letzten Blogeintrags geschrieben, dass ich mich recht bald wieder blicken lasse? Jetzt ist doch schon wieder ein Monat vergangen. Und ich hänge ein bisschen mit dem Erzählen hinterher.
Ohne Zeit zu verlieren, begeben wir uns also zurück zum 1. März. In Rumänien wird dieser Tag auch Mărțișor (also “Märzchen”) genannt. An diesem schönen Tag bekommen die Frauen und Mädchen (ich habe gehört, in anderen Teilen Rumäniens auch die Herren) mărțișoare geschenkt. Das sind kleine Geschenke, in der Regel Armbändchen oder Anhänger in den Farben rot und weiß. Aber auch Blumen werden an diesem Tag gerne verschenkt. Vor allem die Lehrerinnen meiner Schule haben an diesem Tag nicht zu wenige Blumen und Anhänger bekommen. Dem Brauch nach, werfe man die mărțișoare in den ersten blühenden Busch den man sieht und nimmt sie vorher nicht ab. Schließlich dient der Tag dazu, den Frühling einzuleiten. Allerdings ist es nicht unbedingt moralisch verwerflich, sie ein paar Tage zu tragen und sie dann zu Hause einfach abzunehmen oder sogar im nächsten Jahr weiterzuverschenken.

IMG_5972

Ein wichtiger Tag im Leben eines Rumänen ist der 18. Geburtstag. Klingt selbstverständlich. Aber hier ist dieser Tag besonders wichtig. Der 18. Geburtstag (bzw. die Geburtstagsfeier) wird als majorat bezeichnet. Ein majorat ist in der Regel eine große Feier – viele Freunde werden eingeladen, meist mietet man sich auch irgendwo auswärts einen Raum, man zieht sich schick an und feiert gemeinsam bis in die Morgenstunden. Feiern ist generell etwas, was die Rumänen mögen (bzw. viele Rumänen, um nicht ganz so zu verallgemeinern ;)). Sehr wichtig auf einem majorat ist außerdem laute Musik. Sehr laute Musik. Vorzugsweise Manele. Manele ist typisch rumänische Musik, die nicht ganz leicht zu beschreiben ist. Ich glaube nicht, dass es viele Leute gibt, die privat gerne Manele hören. Viel mehr würden viele auf die Frage, ob sie Manele mögen eher mit Kopfschütteln reagieren. Auf einer Feier wandelt sich dieses Kopfschütteln jedoch schnell in freudiges Tanzen um. Hier ein exquisites Beispiel:

Die letzte Sache über die ich heute schreiben möchte, ist Geld. Oder eher: Kleingeld. Kleingeld klingt jetzt nicht unbedingt nach einer großen Sache. Wer Rumänien kennt, weiß aber schon, woraus dieser Absatz hinauslaufen wird. Die kleinsten Münzen, die es gibt (1 Ban) sind einen Viertel Cent wert. Der kleinste Schein (1 Leu) ist ein Viertel Euro, also 25 Cent. Das Münzgeld hat also nicht unbedingt viel wert und wird deswegen auch kaum benutzt. 1-Ban- und 5-Bani-Münzen sind für mich nicht mal etwas Alltägliches. Die Dinger sieht man kaum. Und wenn man sie sieht, liegen sie in der Regel irgendwo auf der Straße rum, weil man das Kleingeld hier gerne mal fallen lässt. Wenn man im Supermarkt einkauft, wird der Betrag fast immer auf 10 Bani gerundet. Man bekommt also so gut wie nie kleineres Geld als eine 10-Bani-Münze als Wechselgeld. Das lässt man dann gerne mal liegen. Sogar ich hab mir angwöhnt, mir gar nicht erst die Mühe zu machen, 20 oder 30 Bani einzupacken, sondern nur das Scheingeld zu nehmen. Das rumänische Scheingeld kann man übrigens nicht so einfach zerreißen. Es ist kein einfaches Papiergeld, sondern besteht aus anderem Material. Aber natürlich hab ich es trotzdem schon einmal geschafft einen 5-Lei-Schein kaputt zu machen, als ich beim Mittelseminar versucht habe, zu demonstrieren, dass man das rumänische Geld eben nicht zerreißen kann. Das Beste daran: Der 5-Lei-Schein war von Matthias, dem anderen Austauschschüler in Rumänien, geliehen. 😀