Skifahren und Eisfischen: Die Natur in Norwegen

Ein Grund, warum ich mich entschieden habe, ein Auslandsjahr in Norwegen zu machen war die Natur. Ich war vorher zwar noch nie in Norwegen, aber ich wollte wissen ob die Natur genauso schön ist wie auf den Bildern, die man im Internet sieht. Nun kann ich bestätigen, dass die Bilder im Internet nicht lügen. Norwegen hat einfach eine unglaublich schöne Natur und das Gute ist, Norweger zerstören sie nicht. Im Gegenteil. Für Norweger spielt die Natur auch eine sehr große Rolle, denn Norweger verbringen einen Großteil ihres Lebens draußen würde ich sagen.

 

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Dabei ist es egal ob die Sonne scheint, es regnet oder schneit. Fast jede Familie hat eine Hütte in den Bergen. Mitten im nirgendwo, ohne Strom und ohne fließend Wasser. Dort verbringt man gerne seine Ferien oder auch Wochenenden.

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Außerdem habe ich den Eindruck, dass der Sonntag hier nicht als Ausruhtag gilt, sondern eher als ein “Pa Tur” Tag. Das bedeutet, man ist draußen. Ein Kvikk lunsj darf bei einer Sonntagstour auch auf keinen Fall fehlen. Kvikk lunsj kann man gut mit Kit kat vergleichen. Es wird oft bei so einer Tour gegessen und auch auf der Packung, ist eine Sonntagstour drauf abgebildet.

Speziell die Osterferien sind dafür beliebt, dass man den ganzen Tag draußen ist und Ski fährt. Wenn ich in drei Worten, typisch norwegische Osterferien beschreiben müsste, würde ich sagen: Kvikk lunsj, Orangen und Ski. Auch Süßigkeiten werden an Ostern mehr gegessen als sonst und sie sind billiger. Meine Osterferien sind auch schon fast vorbei, aber sie waren auch typisch norwegisch. An einem Tag habe ich mit meiner Gastschwester einen Roadtrip gemacht. Gestern waren wir Eisfischen (ich habe leider keinen Fisch gefangen), waren in der Hütte und haben Kvikk lunsj und pølse gegessen und an den anderen Tagen waren wir oft Skifahren. Es war wunderschön und die Natur hier ist auch nie langweilig. Es macht wirklich Spaß draußen zu sein.

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Übrigens sind es auch nur noch drei Monate bis ich schon wieder in Deutschland bin. Das macht mich auf der einen Seite traurig, aber auf der anderen Seite freue ich mich auch auf Deutschland. Die nächsten Monate werde ich noch genießen und ich weiß, dass ich Norwegen sehr vermissen werde, denn es ist schon irgendwie mein zweites Zuhause geworden.

Ich hoffe der Blogeintrag war hilfreich und hat euch gefallen. 🙂 Norwegen sollte man wirklich mit eigenen Augen erleben!

 

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Michelle

 

 

Ski und gemütliche Abende

Aaaaaah, wo geht eigentlich die Zeit hin? Es scheint, als hätte ich den letzten Beitrag gestern und nicht vor einem Monat geschrieben. Nach ein paar wunderschönen, aber stressigen Wochen sitze ich jetzt mal wieder mit einer seeehr verschmusten Katze auf dem Sofa und ärgere mich darüber, dass es draußen schneit. Ja, schneit. Aber dummerweise bleibt der Schnee nicht liegen, sondern kühlt alles wieder so stark ab, dass man sich wie Anfang Januar fühlt. Dabei hatten wir letzte Woche sogar mal zwölf grad…

Ja, der Frühling hier lässt sich Zeit. Nichts desto Totz haben wir in der Schule wieder voll durchgestartet. Letzte Woche hatten wir ein Zeitungsprojekt, wo wir in zwei Gruppen jeweils eine Zeitung gemacht haben. Das war viel Arbeit, hat aber wirklich Spaß gemacht, weil das gesamte Team zusammengearbeitet hat. Ansonsten hat sich meine Klasse auch anderweitig in Teamwork geübt: Wenn die dritte Klasse ihren Abschluss macht, spielen die Musik-Zweitklässler an meinem Gymnasium auf deren “Gubbskiva”, das ist wie ein Abiball. Um uns darauf vorzubereiten, haben wir mit dem Jugendcenter in meiner Stadt ein Übekonzert auf die Beine gestellt. Seit den Fashingsferien haben wir deshalb fast jeden Tag nach der Schule zusammen geprobt. Und es hat sich definitiv gelohnt! Das Konzert war der Hammer und die paar Fehler sind bis zum großen Auftritt im Juni auf der “Gubbskiva” sicher ausgebügelt.

In den Faschingsferien war ich mit meiner Gastfamilie in Sälen zum Skifahren. Sälen liegt mitten im schwedischen “Fjällen” an der Grenze zu Norwegen, nördlich von Stockholm. Die Skanden, wie das Gebirge heißt, gehören zu den älteren Gebirgen auf der Erde, wohingegen die Alpen und der Himalaya sehr jung sind. Deswegen ähnelt das Gebirge mehr einem Plateau mit sanften Wellen anstelle von zackigen Bergen und schmalen Tälern. Die Gletscher der letzten Eiszeit haben die Felsen so sehr geschliffen, dass ich aus Süddeutschland erst einmal nicht glauben konnte, dass man das hier als Berge bezeichnet. Die Pisten im Skigebiet Sälen sind deswegen sehr kurz und nicht sehr steil, ideal für Anfänger. Hier gibt es zusätzlich den Pistentyp “grün” vor blau, rot und schwarz, wo man oft nicht einmal bemerkt, dass es bergab geht. Die schwarzen Pisten dagegen sind eher rot… Tja, gegen die Alpen ist Sälen allenfalls ein netter Versuch. Aber gut besucht ist der Skiort trotzdem, nicht zuletzt wegen der ausgezeichneten Langlaufrouten, die kreuz und quer durch die Winterlandschaft führen.

Langlauf bringt mich auf mein nächstes Thema: In Schweden findet jedes Jahr der sogenannte “Vasalauf” statt, ein Langlaufrennen von Sälen nach Mora. Seinen Ursprung hat der weltberühmte Lauf in der Flucht des Königs Gustaf Vasa von Mora nach Sälen, als die Dänen Schweden eroberten. Dänemark hat Schweden verlassen und die Familie Vasa wurde von der Familie Bernadotte abgelöst, aber der Vasalauf ist geblieben und ein großes Event in Schweden. 90 kilometer bezwingen die über 15 000 Teilnehmer, die schnellsten in ungefähr 3,5 Stunden. Auf dem Weg gibt es Kontrollen, wo den Teilnehmern eine Stärkung angeboten wird: Blaubeersuppe. Warm, süß, energiereich und flüssig. Die perfekte Kombination, und das schon seit über hundert Jahren. Hier heißt es, dass jeder mindestens einmal im Leben den Vasalauf laufen muss. Ja, die Schweden sind sportlich. Und sie lieben Blaubeersuppe. Dieses Jahr hat mein Gastbruder am Vasalauf teilgenommen und die Strecke in ungefähr acht Stunden geschafft. Der Sieger kam nach etwas mehr als vier Stunden ins Ziel.

Ein weiteres großes Event in Schweden ist das “Melodifestivalen”, die Vorrunde für den Eurovision Song Contest. Hier wird der Song für Schweden gewählt. Der Wettbewerb ist extrem populär in Schweden, wird aber auch in andere Länder ausgestrahlt. Das Auswahlverfahren streckt sich über mehrere Wochen, die Schweden mögen nämlich Castingshows, wo immer nur einer auf einmal rausfliegt. Dieses Jahr bekam der Wettbewerb mehr Stimmen als je zuvor, mit einer größeren Wahlbeteiligung als in der letzten Regierungswahl. Erschreckend, aber wahr.

Eine andere Sache, die sich an Fernsehen koppeln lässt, ist eine seeeehr wichtige schwedische Tradition, die allerdings noch nicht allzu alt ist: Fredagsmys, auf Deutsch Freitagsgemütlichkeit. Gemeint ist, dass die ganze Familie einen schönen Wochenabschluss hat. Normal bedeutet das, dass man sich mit Chips und Co. auf dem Sofa einrichtet und gemeinsam Filme oder Fernsehen schaut. Außerdem haben die meisten Familien ein traditionelles Freitagsgericht, Pizza oder mexikanische Tacos.

So, ich mach jetzt mal die Fredagsmys zur Lördags (Samstags-) mys, setze mich mit einer Tasse Tee aufs Sofa und lese ein schönes Buch (zur Zeit der Hundertjährige von Jonas Jonasson, allerdings auf der Originalsprache Schwedisch).

Hej så länge!

Japan ist Geschichte… aber hoffentlich auch irgendwann wieder Gegenwart

Ganz schön lange her…

…genau so fühlt sich das an, wenn ich über Japan und mein Jahr dort nachdenke. Irgendwie hörte es genau so schnell und überraschend auf wie es anfing und ich realisiere immer erst erst später, was eigentlich passiert ist.

Die letzten Wochen waren vielleicht die schönsten: ich traf mich viel mit Freunden, verbrachte viel Zeit in meiner Familie, besuchte Lieblingsorte und aß mein Lieblingsessen. Noch mehr als vorher konzentrierte ich mich darauf jede Sekunde einfach zu genießen und je näher der Abflug rückte, desto mehr verstand ich wie glücklich ich war und was ich alles fantastischen erlebt und erreicht habe.

Und jetzt ist Japan schon wieder Schnee von gestern, ich bin wieder in Deutschland. Das einleben hier war und ist ein bisschen so wie vor 10 Monaten in Japan. Anfängliche Freude, Freunde und Familie wieder zu sehen, viel „und, wie war’s?“ und „sag mal was auf japanisch!“ -sagende Leute und irgendwie weiß man nicht so recht, ob man hier hin gehört. Aber das wird sich geben…

Zu meiner Gastfamilie und meinen engsten Freunden habe ich noch Kontakt, per Mail oder Whatsapp, ich vermisse sie sehr und schicke viele Bilder aus meinem Leben hier in Deutschland. Um mein japanisch nicht komplett verkümmern zu lassen treffe ich mich manchmal mit einer Japanischen Freundin.

Also ist alles gut, wie immer, und ich wieder da. Doch ich bin, auch obwohl das manch einer vielleicht nicht glauben mag, nicht mehr die gleiche…

Danke an den netten Menschen der das und vielleicht auch meine vorherigen Einträge liest, es war mir eine Freude von den spannendsten Erlebnissen aus Japan zu berichten. Auf dass es nicht die letzten waren…

Sayonara,

Helene

Chaosgedanken

Hallo Leute!

Jetzt melde ich mich auch mal wieder, nach ziemlich langer Zeit. Mir kam sie gar nicht so lang vor. Ehrlich gesagt war der Januar gefühlt eine Woche lang, der Februar hat gar nicht existiert und wir sind einfach so jetzt – fast in der Mitte vom März – einfach so hier. Es ist so komisch und ich kann es gar nicht erklären. In einigen Tagen sind es weniger als 100 Tage bis nach Deutschland. Es kommt der Frühling. Dann werden es weniger als drei Monate sein. Dann Ostern. Und dann fängt der Sommer auch bald schon an. NEIN. Ich will noch überhaupt nicht daran denken!

Mitte Februar hatten wir unser Mittelseminar. Das war relativ international, denn zu uns nach Bulgarien kamen auch noch die Austauschschüler aus Rumänien und Serbien mit ihren Teamern. WIr haben das vergangene halbe Jahr reflektiert, viel Spaß gehabt, natürlich einige Energizer gemacht, geredet, gelacht und so weiter. Diese 4 Tage haben viele neue Freundschaften gebracht und es war so super, sich mit den anderen auszutauschen. Es gibt sowohl Gemeinsamkeiten, als auch viele Unterschiede zwischen den Ländern. Kulturell und sprachlich. Auch wenn rumänisch keine slawische Sprache ist, haben wir einige Worte gefunden, die fast genau gleich sind. Serbisch ist sowieso sehr ähnlich. Wir können uns untereinander so ziemlich verstehen, wenn jeder in seiner Sprache redet.

Genau das, hab ich auch eine Woche nach dem Seminar wieder erleben können. Mit meiner Gastfamilie sind wir nach Österreich gefahren, zum Snowboarden und Skifahren. Mit dem Auto ging es durch Bulgarien, Serbien, Kroatien, Slowenien und dann nach Österreich. So ca. 13 Stunden hat das Ganze gedauert und zu 5. in einem normalen Auto mit Gepäck für 8 Tage war es schon sehr kuschelig. 😉 Auf jeden Fall haben wir natürlich auch Pausen gemacht, in denen wir beispielsweise gegessen haben an irgendwelchen Raststellen. Und ich weiß nicht warum, aber ich fand es so unglaublich cool, dass mein Gastpapa in Serbien und Kroatien einfach auf bulgarisch geredet hat und die anderen in ihrer Muttersprache und alle haben sich untereinander verstanden. Und auch meine Gastschwestern und ich wurden einmal gefragt, ob wir denn “Pomotsch” (so hat es für mich geklungen) benötigen. Das bulgarische Wort dafür ist “Pomoscht” und es heißt “Hilfe”. Es war einfach lustig für mich und es klang sehr sonderbar! 😀 In Österreich hatten wir eine super tolle Woche, wir sind viel Snowboard gefahren, wovon ich vor Bulgarien nie gedacht hätte, es mal zu machen und es auch noch recht gut zu können, nach nur einer Saison, haben am Abend Filme angeschaut und waren einfach als Familie zusammen.

Als wir am ersten Abend im Restaurant waren, gab es die Speisekarte nur auf Deutsch und ich habe für meine Familie übersetzt. Dann kam die Bedienung und es war alles vorbei mit meinem Gehirn. Ich habe es einfach nicht auf die Reihe bekommen, mit der Kellnerin auf Deutsch- und mit meiner Gastfamilie auf bulgarisch zu sprechen. Es ist wirklich unglaublich schwer gewesen, nach jedem Satz mit der Bedienung auf einmal wieder auf bulgarisch zu wechseln und meine Gastfamilie zu fragen, was die Bedienung so eben auf Deutsch gefragt hat, um dann der Bedienung im nächsten Satz wieder auf Deutsch zu sagen, was meine Gastfamilie auf bulgarisch geantwortet hat… Das gleiche ist mir auch passiert, als wir im Krankenhaus waren, weil mein Gastpapa sich den Fuß beim Boarden gebrochen hat. Außerdem habe ich die Krankenschwester fragen müssen, ob sie Hochdeutsch kann. Ihr Österreichisch war einfach nicht verständlich.. Das war schon ziemlich peinlich!

Aber dieser Urlaub war einfach großartig und ich bin noch ein Stückchen näher mit meiner Familie zusammengewachsen. Ich liebe sie einfach alle so sehr, sie geben mir das Gefühl, ein richtiges Familienmitglied zu sein und das ist einfach das Beste, was einem Austauschschüler passieren kann.

Diese Schulwoche geht von Montag bis Samstag. Warum, weiß ich nicht so genau, aber es ist nicht cool. Ich lerne recht viel, mache Hausaufgaben, treffe auch Freunde und so weiter und so fort und unter der Woche schlafe ich nicht viel, weshalb mir das Wochenende eigentlich wichtig ist, um wenigstens einen der beiden Tage nur das zu tun, was ich will und den anderen Tag eben diese Dinge zu tun, die sein müssen. Auch sind es die beiden einzigen Tage, um wieder Schlaf für die nächste Woche aufzutanken. Naja, was soll’s. Ist ja nur dieses eine Mal und im Gegensatz zu Deutschland, geht die Schule hier auch um einiges schneller vorbei. Eine Unterrichtseinheit dauert 40 Minuten, wir starten 7:30 und enden 13:15. Es gibt eine Essenspause von 20 Minuten und ich hätte, das in Deutschland auch so gerne. Wir haben viel zu viele Pausen in meiner Schule in Deutschland und ich hasse sie, weil man einfach nichts produktives in Schulpausen machen kann und auch richtig entspannen kann man sowieso erst wieder am Abend…

Genug gelabert für heute! Hoffentlich war das wenigstens ein bisschen interessant. Ansonsten ist es nämlich einfach so, dass alles so normal für einen geworden ist, man lebt einfach, als wäre es ein ganz normales Leben. Es passiert das alltägliche. In eurer Muttersprache werdet ihr an diesem Zeitpunkt, wo ich jetzt bin, weniger wortgewandt, vergesst, wie man schreibt. Ihr habt weniger Kontakt mit Deutschland, denkt in der Sprache eures Gastlandes, lernt für die Schule, trefft immer mehr neue Leute und habt Spaß. Aber es passiert auch immer häufiger, dass ihr daran denkt, dass es bald wieder nach Deutschland geht. Wie ihr darauf blickt, ist aber bei jedem ganz unterschiedlich. Ich kenne viele, die sich jetzt schon riesig freuen, weil sie so viel vermissen, manche können es gar nicht mehr abwarten, manche wissen nicht, was sie fühlen sollen und manche sind so wie ich. Ich vermisse Dinge und Personen in Deutschland, das ist ganz klar. Aber es überwiegt zu 100% alles, was hier ist und ich will nicht daran denken müssen, dass es nur noch 3 Monate sind. 🙁 Das war es jetzt aber wirklich. Bis bald!

Suzi

Das sagt man nicht einfach nur so

“Moment… Da war doch was. Irgendwas, das ich vor hatte. Mhh. Oh, ja. Der Blog. Ich sollte demnächst mal wieder ‘nen Eintrag schreiben… Ich sammle im Kopf am besten schon mal ein paar Ideen.”

Anderthalb Wochen später: Dasselbe nochmal. Ich werde davon überrascht, dass ich irgendwie immer noch nichts für meinen Blog geschrieben hab. Das lag wohl manchmal daran, dass ich ein volles Programm hatte – nach der Schule mit Freunden im Café treffen, dann für einen Wettbewerb Umfragen auswerten, dann auch noch ein spontaner Wochenend-Wanderurlaub mit der Gastfamilie und Freunden meiner Gasteltern. Manchmal war ich aber auch einfach so mit Nichtstun (bzw. Reflektieren 😉 ) beschäftigt, dass für kaum etwas anderes Platz war.

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Qualitativ hocherwertiges Bild der Colindatori beim Pausemachen

Jetzt beim Schreiben bemerke ich wieder einmal wie voll das Austauschjahr bis jetzt doch war. Voll von besonderen Ereignissen, die mittlerweile schon wieder Erinnerungen sind. Und selbst nach 6 Monaten sind die kleinen, alltäglichen Dinge, jeder Schultag mit den Freunden aus meiner Klasse, immer noch etwas besonderes. Man hört immer mal wieder, dass die Zeit im Austauschjahr unheimlich schnell vergeht. Und dass vor allem die zweite Hälfte an einem vorbeizieht als wäre sie nur eine einzige Woche. Das sagt man nicht einfach nur so. Wenn ich in meinem Rumänien-Schulalltag stecke, merke ich das vielleicht nicht so unbedingt. Wenn ich aber den Blick zurück schweifen lasse, erschrecke ich fast bei der Feststellung: Die Zeit IST schnell vergangen. Und wie.

Allein seit dem letzten Blogeintrag habe ich so viele Erinnerungen gesammelt. Kurz vor Weihnachten bin ich, nach rumänischer Tradition, mit Freunden aus dem Chor von Tür zu Tür gegangen und habe colinde (also Weihnachtslieder) gesungen und dafür, sofern aufgemacht wurde, eine Kleinigkeit an Geld (und Orangen, eine Pizza und ein Stück Geburtstagstorte) bekommen. Über Weihnachten fuhr ich dann mit meiner Gastfamilie und zwei befreundeten Familien für ein paar Tage nach Bucovina, eine Region im Norden Rumäniens, die vor allem für ihre vielen Klöster (die sog. Moldauklöster gehören zum Weltkulturerbe) bekannt ist. Wir waren vor allem wandern und haben den 25.12., also Weihnachten, zwar nicht wie typisch mit der ganzen Familie, dafür aber im Hotel, mit viel typischem und traditionellem Essen (wie an so ziemlich jedem rumänischen Feiertag), verbracht.

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In Bukovina

Kurz darauf war auch schon wieder Silvester und ich war mit meiner Gastfamilie in einem Restaurant bei einer Feier mit, wie soll es auch anders sein, viel rumänischem Essen und natürlich auch mit rumänischer Live-Musik und einer Bauchtänzerin (die mir mal wieder vor Augen geführt hat, durch wie viele verschiedene Einflüsse die rumänische Kultur geprägt ist).  Den Rest der Ferien war ich dann relativ faul, und schon ging die Schule wieder los. Nicht mal in einer Woche war ich dann auch schon wieder im Alltag angekommen und nach nur einem Monat waren dann das erste Halbjahr auch schon wieder vorbei und es waren Halbjahresferien. Der letzte Schultag des Halbjahres sah so aus, dass aus meiner Klasse ungefähr die Hälfte da war. Die Halbjahresnoten wurden dann in die Schülerhefte (die so etwas wie die Schülerausweise sind) geschrieben – “Zeugnisse” gibt es nicht.

Die erste Hälfte der Ferien habe ich mit meinem Gastcousin verbracht. Der hat mich mit zu seinem “Verein” genommen – so etwas wie ein Club, der sich mit der Kultur der Daker (das Völkchen das auf rumänischem Boden gelebt hat, bevor die Römer kamen) beschäftigt und Waffenattrappen, Kleidung, Vasen und was weiß ich nicht alles herstellt und auch immer mal wieder Veranstaltungen hat. Man findet immer wieder etwas neues.

Nach der Zeit mit meinem Gastcousin hieß es dann erst mal “La revedere, Rumänien”, denn das Mittelseminar stand an. Dafür sind wir (Matthias, der andere Rumänien-Austauschschüler, Roberta, rumänischer YFU-volunteer, und ich) nach Sofia, Bulgarien geflogen, denn das Seminar war gemeinsam mit den Austauschschülern in Bulgarien und Serbien.

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Beim Mittelseminar in Sofia

Wir waren insgesamt 13 Schüler (7 in Bulgarien, 4 in Serbien, 2 in Rumänien) aus Deutschland, Argentinien, Mexiko, Australien, Ungarn und Dänemark. Das Seminar war großartig. Thematisch ging es um unsere bisherigen Erfahrungen, unseren Blick auf den Rest des Jahres und auch um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Rumänien, Serbien und Bulgarien. Aber noch viel besser: Ich habe nicht nur 3 Austauschschüler, die ich schon von meiner Vorbereitungstagung kannte (u.a. Susi) wiedergetroffen, sondern auch wunderbare neue Menschen, sowohl die Teamer als auch die anderen Austauschschüler, kennengelernt. Das Seminar ging gerade einmal ein paar Tage, aber da YFU ist wie eine große Familie ist, dauert es nicht lange bis man neue Leute ins Herz schließt. Vor allem, wenn man in den etwas untypischeren Ländern ist, in denen die Organisationen zwar kleiner, aber dafür etwas familiärer sind.

Da wir Rumänen erst am Montag, an dem die Schule wieder losging, zurückgeflogen sind, haber wir noch eine zusätzliche Nacht bei der Chefin von YFU Bulgarien verbracht und den ersten Tag des zweiten Halbjahres verpasst.

Mittlerweile ist dieses zweite Halbjahr auch schon wieder ein paar Wochen alt. Aber bis hierhin war der Blogeintrag schon eine ziemlich rasante Fahrt. Da ich aber noch einiges zu erzählen habe, werde ich mich hier schon recht bald wieder blicken lassen. 🙂

Bis dahin,

Jonas.