Fragen, Nervosität und Freude

Du machst ein Auslandsjahr? Cool, wohin geht’s denn?“

Seit die Zusage kam ist das eine echt oft gestellte Frage. Ich lache und sage „Japan!“ Die Augenbrauen meines Gegenübers schnellen in die Höhe „Echt?! Wow! Kannst du denn Japanisch? Und wie bist du überhaupt darauf gekommen?“

Aber ich stell mich am besten erstmal vor: Ich bin Helene, 15 Jahre alt und unglaublich aufgeregt bald mein Jahr in Japan verbringen zu dürfen! Und ihr könnt ab und zu einen Blogeintrag von mir über meine Eindrücke und Erlebnisse lesen.

Seit meine Geschwister aus China und Thailand wiedergekommen sind, war es für mich klar ein Auslandsjahr zu machen. Ja, aber warum eigentlich Japan? Für mich gibt es echt viele Gründe: Die Sprache fasziniert mich, ich bin interessiert an dem Familienleben, der Schule, dem Alltag, ich habe sehr viel tolles über die ferne Insel gehört,…

Und ob ich japanisch spreche? Naja, da muss ich anfangen herumzudrucksen, eigentlich nicht besonders viel. Mit Mühe und Begeisterung lerne ich mittlerweile Kanji (die japanische Schrift besteht aus drei Aspekten: 2 Silbenschriften (Hiragana&Katagana) und ca. 3000 Chinesischen Schriftzeichen, die Kanji heißen), doch es ist schon was anderes als Englisch oder Französisch. Aber es macht total Spaß wenn man plötzlich in einer Handygebrauchsanweisung Zeichen findet, die man kennt und lesen kann!

Seit der Zusage versuche ich mich bestmöglich auf die Zeit vorzubereiten: Gastgeschenke kaufen, Bücher wälzen und mein wöchentlicher Japanischunterricht. Je näher also nun der Abreisetag kommt desto mehr freue ich mich, desto nervöser bin ich und desto mehr Gedanken schwirren durch meinen Kopf. Doch davon dass das ein unglaubliches Jahr wird bin ich überzeugt!

Also zähle ich weiter die Tage bis zum 16.März (heute noch 20Tage)

Ich meld’ mich, 🙂

ヘレネ (Helene)

A zase další zkušenosti:) – und wieder neue Erfahrungen:)

Ahoj,
nach ungefähr einem Monat habe ich mich mal wieder hingesetzt und mich daran gemacht, euch das Neueste zu schreiben. Wie immer ist natürlich die Zeit wie im Flug vergangen und ganz viel passiert, sodass ich nicht genau weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht dieses Mal zur Abwechslung nicht chronologisch, denn jetzt die vergangene Woche waren wir mit YFU auf Skikurs im Riesengebirge und davon muss ich auf jeden Fall erzählen. Das Ganze war fünf Tage lang, sodass wir insgesamt drei Tage zum Skifahren und zwei Tage zur An- und Abreise hatten. Gewohnt haben wir in einer Hütte, die ziemlich auf dem Berg war, was die Anfahrt immer etwas kompliziert gemacht hat und wodurch wir wegen dem Schnee hin und wieder ein Auto anschieben mussten. Wir waren zu dreizehnt – sieben Austauschschüler (alle, die zurzeit in Tschechien ihr Auslandsjahr verbringen: drei Mexikaner, eine Thailänderin, eine Kanadierin und mit mir zwei Deutsche) und sechs YFUler (alle Tschechen außer einem Schweizer) – und die Stimmung war wie auf jedem YFU-Treffen wunderbar. Man fühlt sich so verstanden, hat gute Laune und redet, redet und redet.. Die Nächte waren kurz und am Ende waren wir alle ziemlich müde, aber es hat richtig Spaß gemacht. Es war so schön, die nichtdeutschen Austauschschüler Skifahren lernen zu sehen und ihre Begeisterung für Schnee zu teilen:). Wir konnten den Mexikanern, die erst seit vor einer Woche in Tschechien angekommen waren, zeigen, wie eine Heizung funktioniert und dass man sowohl Schnee als auch Eiszapfen essen kann. Noch dazu hatten wir echt wunderbares Wetter, sodass wir das Skifahren genossen haben und noch weitere Zeit draußen im Schnee verbringen konnten. Am letzten Tag kamen wir dann auf die Idee, mit großen Müllsäcken den kleinen Weg zu unserer Hütte hinunterzufahren, weswegen mir seitdem das Steißbein wehtut, ich die ersten Tage danach nur noch liegen konnte und wir auch schon zum Röntgen im Krankenhaus waren. Dank meiner lieben Gastfamilie ist aber alles nur halb so schlimm und ich hoffe, es wird jetzt schnell besser werden.Sonst haben wir aber nicht nur Quatsch gemacht und unsere Sessions bei unserem MidYearOrientation, in denen wir teils Englisch, teils Tschechisch geredet haben, waren richtig hilfreich und haben uns allen wieder neue Kraft dafür gegeben, im Alltag weiterzukämpfen;)). Wir haben festgestellt, dass wir eigentlich alle dieselben Sorgen haben und konnten uns so echt gut gegenseitig unterstützen.

Hier habe ich euch noch ein paar Bilder van der tollen Woche rausgesucht:

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Aber auch sonst habe ich einiges im letzten Monat erlebt. Letzte Woche hatte mein Gastbruder Abschlussball on der Schule aus, auch wenn die Prüfungen eigentlich noch alle bevorstehen. Ich war froh, dass er die Mexikanerin, die auch mit YFU in Tschechien ist, auch eingeladen hatte, und wir hatten alle zusammen einen sehr schönen Abend. Am Anfang haben die verschiedenen Abschlussklassen etwas aufgeführt, die meisten haben getanzt. Danach wurden die Schärpen vergeben, die tschechisch übrigens sehr ähnlich heißen: šerpa ist eine und wir Schärpa ausgesprochen:). Im Laufe des Abends hat dann jeder mal mit jedem getanzt und wir sind auch in den Diskosaal gegangen, wo die jüngeren die Zeit verbracht haben. Der maturiťák, wie die Abschlussbälle heißen, war sehr schön und ein richtig tschechisches Erlebnis, denn wie ich vielleicht schon einmal vorher erwähnt hatte, sind Bälle hier ziemlich wichtig.

Dann war ich neulich mit Freunden im Kino – obwohl die Busfahrt dorthin ziemlich lang war, wollte ich nicht, dass sie endet, wir haben einfach über alles Mögliche geredet, ich war so froh, alles verstehen und mich sogar beteiligen zu können und die Atmosphäre war wunderbar. Der Film war auch sehr schön, er war auf Englisch mit tschechischen Untertiteln, die ich aber glücklicherweise nicht zu lesen brauchte. Denn als wir nicht so lange davor in Englisch “Sherlock Holmes´´ geschaut haben, hatte ich schon gedacht, ich könnte gar kein Englisch mehr und musste mich für mein Gefühl viel zu sehr den Untertiteln anvertrauen;). Nach dem Film waren wir noch Döner essen (ja, auch hier wird das als Döner verkauft;)), was für uns Dörfler etwas sehr besonderes war und ich musste echt schmunzeln, als ich an meine Mittagspausen in Deutschland dachte: Der Dönerladen ist knappe 200 Meter von meiner Schule entfernt:).

Vor ungefähr zwei Wochen haben wir übrigens Halbjahreszeugnisse bekommen und ich war ehrlichgesagt ziemlich stolz auf meins. Klar konnte nicht jedes Fach so ernsthaft bewertet werden (wie Tschechisch oder Deskriptive Geometrie..), aber ich habe insgesamt nur drei Zweien und sonst nur Einsen! Das Notensystem hier ist dem deutschen sehr ähnlich, nur gibt es hier keine 6 und allgemein habe ich das Gefühl, dass man leichter gute Noten bekommen kann als an meiner Schule in Bayern. Trotzdem habe ich mich über mein erstes richtig offizielles Papier, das meine Anwesenheit hier in der Schule bestätigt, echt gefreut:).

Mittlerweile habe ich glaube ich schon genügend verschiedene Situationen erlebt, um ein wenig besser die tschechische mentale Natur beschreiben zu können, also werde ich sie euch so gut wie möglich ein bisschen näher bringen. Anfangs sind Tschechen schon ziemlich kalt, noch mehr als Deutsche und man begrüßt sich auch nur sehr, sehr selten mit einer Umarmung (sogar zu Silvester hat mir meine Gastschwester mit einem Handdruck ein Frohes Neues Jahr gewünscht!). In der Familie ist das etwas ganz anderes, was es für mich, die von der Familie eher als Gast gesehen wird, vielleicht ein bisschen schwerer macht. Doch eigentlich sind Tschechen unglaublich herzlich, offen, interessiert und besonders hilfsbereit, nur dass sie es einfach anders zeigen und etwas schüchterner als Deutsche sind. Wenn das Eis einmal gebrochen ist, fürchten sie sich aber nicht mehr und das führt dann zu sehr schönen Gesprächen. Tschechen sind außerdem richtig gastfreundlich und wir haben oft jemanden aus der Familie oder Nachbarschaft zu Besuch. Doch was mir ziemlich früh noch aufgefallen ist: Man entschuldigt und bedankt sich hier für alles und ich habe mich schon richtig daran gewöhnt, auch wenn es mir manchmal noch etwas seltsam vorkommt. Zum Beispiel, wenn man auf dem Weg zum nächsten Klassenzimmer ist und aus Versehen den Nebenläufer anstößt, kommt prompt eine Entschuldigung. Während ich am Anfang versucht habe, zu versichern, dass es doch nichts macht und nichts passiert ist, entschuldige ich mich nun selber:)… Was besonders bei den ,,älteren´´ Tschechen noch ziemlich präsent ist, sind die Komplexe gegenüber dem achsotollen Deutschland, was mich auch schon in einige Konfliktsituationen gebracht hat. In Deutschland gibt es ja schließlich sehr wohl nicht nur fleißige Schüler, wir kaufen uns nicht alle 4-5 Jahre ein neues Auto und warum sollte denn überhaupt ALLES bei uns besser sein? Bessere Teetrinker sind wir jedenfalls nicht! Ich habe immer gedacht, dass man Tee in England trinkt und frage mich jetzt, warum man das nicht aus Tschechien hört: Eigentlich wird fast immer Tee getrunken, egal zu welcher Tageszeit. Ganz typisch ist auch die Kaffeepause direkt nach dem Mittagessen oder das Hausschuhetragen – die ,,bačkory´´habe ich am Anfang immer überall vergessen.. Jetzt bin ich ganz von der Mentalität abgeschwiffen, aber ich glaube, ich habe eigentlich schon genügend darüber geschrieben:).

Gerade fällt mir nichts mehr weiter ein, ich weiß, dass ich sowieso etwas vergessen habe;).

Přeju vám hezký další měsíc, mějte se krásně a ahoj,

Natalie

ZEIT…

…etwas, was viel zu schnell vorbei geht. Zumindest dann, wenn man als Austauschschueler in einem anderen Land lebt. Halbzeit, kaum zu glauben! Seid Ende August bin ich jetzt schon hier und wie viel habe ich bis jetzt schon erlebt! Wenn die Zeit auf einmal anfaengt rueckwaerts zu laufen, dann faengt man automatisch an, ein Fazit unter seiner bisherigen Zeit zu ziehen. Meine war bis jetzt toll und ich hoffe, dass die zweite Haelfte genau so gut, vielleicht sogar besser wird!

So viel zum Einleitungsgedanken, eigentlich nur das, was sich jeder ATS in dieser Zeit denken wird.

Aber jetzt lasst mich euch mal von meiner Silvesterfeier hier erzaehlen, denn da konnte ich doch einige Unterschiede zu Deutschland feststellen. Also zur Tradition: Das alte Jahr ist ein Mann, der so genannte „año viejo“, er stirbt, weil er schon sehr alt ist. Allerdings ist er mit einer sehr jungen Frau verheiratet, die nun zur „viuda“, zur Witwe wird. Die Witwen tanzen zusammen auf den Strassen,  sammeln Geld und werfen den vorbeikommenden Maenner anzuegliche Sprueche zu. Warum das Ganze so lustig ist? Weil die „viudas“ als Frauen verkleidete Maenner sind. Sie tragen viel zu kurze Kleider, hohe Schuhe, Perueken und sind gut geschminkt. Einfach gesagt:Sie machen total Stimmung! Am Silvestertag, fuhren wir nach Atuntaqui, eine kleine Stadt in der Naehe, um dort den Umzug der „viudas“ zu betrachten. Viele Leute waren gekommen um die Maenner in ihren lustigen Kostuemen zu bestaunen. Mir gefiehl die Gruppe an Maenner am Besten, die sich als Babys verkleidet hatten, mit uebergrossen Windeln und Schnullern. Spaeter fuhren wir wieder zurueck nach Ibarra um die „año viejos“ anzusehen, die in der ganzen Stadt aufgestellt waren und alle puenktlich um 12 nachts verbrannt werden sollten. So einen grossen Mopp an Leuten, unglaublich! Die Strassen waren versperrt und man kam nur im Schneckentempo vorran. Grund dafuer: Eine Gruppe von ca. 6 „viudas“, die die Strasse versperrten. Sie tanzten zu lauter Musik, hielten jedes Auto an, hieften die maennlichen Fahrer aus ihren Waegen und animierten sie zum tanzen. Haha, das war so cool gewesen! Als wir wieder zuhause waren, gab es Essen und auch wir verbrannten puenktlich um 12 Uhr unseren „año viejo“. Der stellt uebrigens auch immer, oder meistens, eine Person da. Familie und Freunde duerfen etwas ueber diese Person auf grosse Zettel schreiben, die dann zusammen mit ihr verbrannt werden. Diese Tradition soll der betreffenden Person fuer das naechste Jahr viel Glueck bringen. Deshalb entschied sich meine Familie dieses Jahr dafuer, mich anzubrennen. Um 12 Uhr stand ich also, symbolisch gesehen, in Flammen. Ein Feuerwerk gab es nicht, dass brauchte es auch gar nicht, denn diese Tradition finde ich viel schoener. Dann sprang Jeder ueber das Feuer ins „año nuevo“, ins Neue Jahr. Und eins ist klar, wenn es um Silvesterpartys geht, dann steht Ecuador mit seinem Feiergeist bei mir ganz oben. Ueberall auf den Strassen gibt es Partys, die erst dann anfangen, wenn die ersten Deutschen normalerweise schon laengst in den Federn liegen. Wenn eine Feier an diesem Tag bis 8 Uhr morgens geht, dann ist es nicht aussergewoehnlich, es ist einfach ganz normal. Getanzt wird immer viel und dass mag ich hier so. Waehrend sich in Deutschland viele erst im betrunkenen Zustand trauen ein wenig die Hueften zu schwingen, gehoert es hier einfach zur Standartausruestung eines jeden, guten Ecuadorianers. Ich besuche jetzt seid 1 Woche einen Salsakurs und es ist echt krass, wie toll alle hier tanzen koennen! Es macht so viel Spassen, denn Tanz und Musik druecken einfach nur Lebensfreude aus!  Egal wie schlecht ein Tag auch sein mag, dreh einfach die Musik an, sing und tanz, und du wirst sehen, deine Probleme haben sich zwar nicht geloest, aber du fuehlst dich trotzdem befreiter, es wird dir danach besser gehen. Nicht wichtig wie gut oder schlecht du bist, es ist nur wichtig das du dich traust, es zu tun. Ohne Scheu.

Nach Weihnachten war ich dann auch noch fuer 4 Tage auf Reise gewesen. Zuerst ging es in den Dschungel. Wie kann man den am Besten beschreiben? Es ist wie ein Traum. Ich konnte einfach nicht fassen, dass ich dort war. An jeden der den Film „Dschungelkind“ kennt, die Landschaft sieht einfach wirklich so aus! Atemberaubend, total beeindruckend schoen! Nur gruen, so viel Pflanzen und Blumen, ueber 30 kleiner Aeffchen, die einfach wie selbstverstaendlich durch den Park eines kleinen Dorfes spazieren. Man kann es schlecht beschreiben, man muss es letztendlich einfach selbst gesehen haben! Wir machten eine ca. 4 stuendige Wanderung durch die „selva“ und der Regenwald machte seinem Namen alle Ehre. Es regnete ca. die Haelfte der Zeit. Die Wanderung war sehr interessant und wir erfuhren viel, uber die Natur, die Pflanzen und das Leben dort. Halt wurde an einem Fluss gemacht, an dem wir baden gingen. Da ich leider mein Mueckenschutzmittel vergessen hatte, kehrte ich ziemlich verstochen von diesem Ausflug wieder zurueck. Egal! Auf dem Felsen im Wasser sassen Spinne, blaue, schoene, die so gross wie eine Hand waren. Wasserspinnen, nicht gefaehrlich, aber dennoch etwas beaengstigend.

Nach zwei Tagen „oriente“ ging es wider zurueck in die „sierra“. Auf dem Rueckweg  fuhren wir durch die Touristenhochburg Baños, eine Stadt zwischen Anden und Regenwald, und machten dort Mittagspause. Eine Stadt, voll mit „gringos“ und Hippies. Abe wirklich sehr schoen. Seinen Namen „baños“, uebersetzt „Badezimmer“ verdankt die Stadt, seinen vielen Termalbaedern. Durch seine schoene Lage zwischen den gruenen Bergen des Dschungels und den vielen bunten Haeusern ist sie wirklich ein MUSS fuer jeden Ecuadorbesucher! Kein Wunder, dass sich dort also die „gringos“ nur so tummeln.

Nach dem Halt in Baños erreichten wir schliesslich unser eigentliches Ziel: Quilotoa. Ihr muesst unbedingt nach Bildern googlen, denn dies war wirklich das Beindruckenste, was ich bis jetzt je in meinem Leben gesehen habe. Quilotoa ist ein riessiger Kratersee auf ca. 3.000 Metern Hoehe. Dort ist es sehr kalt und es leben kaum Menschen dort. Die Jenigen, die jedoch dort leben, sprechen Kichwa besser als Spanisch und sind relativ arm. Der Anblick des Sees warf mich einfach nur total von den Socken. Total krass, wie die Natur so etwas Schoenes schaffen kann! Wir liefen den steilen Weg zur Lagune hinunter, was nur 30 Minuten dauerte um spaeter wieder mit Pferden nach oben zu reiten. Was fuer ein Glueck, dass es die gab, sonst haetten wir wahrscheinlich dort unten uebernachten muessen, weil es echt schwer war, wieder nach oben zu gelangen. Dann gings auch schon zurueck nach Hause nach Ibarra. Wir durchquerten Latacunga, Ambato und Quito und als wir schliesslich am Abend, alle total erschoepft die Tuer zu unserem Haus aufschlossen, hatte ich wirklich das Gefuehl des Nach-Hause-Kommens. Ich dachte, ja, jetzt bin ich wirklich angekommen! Ja, dann kam auch schon Silvester und alles was ich euch bis jetzt schon erzaehlt habe.

Diesen Monat haben wir 2 Wochen Ferien, das Ende des Cimestres, also so zu sagen Halbzeit, in der Schule und auch in meinem Austauschjahr. In dieser Zeit werde ich fuer ca. 5 Tage an den Strand fahren, den Pazifik sehen, die Sonne geniessen und den zweimeterhohen Schnee in meiner Heimatstadt in den schoenen Alpen so gar nicht vermissen :D.

So dass wars jetzt erst einmal ihr Lieben. Ich werde mich bald mal wieder melden, vielleicht jetzt in der zweiten Halbzeit etwas haeufiger, da meine Freundin Amina, die viel zuverlaessiger in dieser Angelegenheit war als ich, es ja leider nicht mehr machen kann….

Viele liebe Gruesse an alle die meinen Blog lesen, ueber Kommentare freue ich mich uebrigens auch ;).

 

Vanessa

Menschen auf einer Welt

สวัสดีค่ะเพื่อนๆ

Zuerst: bitte entschuldigt meine Verspaetung, diesmal habe ich mir tatsaechlich sehr viel Zeit gelassen mit meinem neuen Eintrag. Und gleich zunaechst: diesmal wird mein neuer Eintrag anders als die vorherigen sein. Diesmal moechte ich nicht wie sonst von zu wenigen der vielen unglaublichen Geschehnisse hier erzaehlen und an tausend Stellen darauf hinweisen, wie sehr sich mein deutsches und mein thailaendisches Zuhause doch voneinander unterscheiden. Selbstverstaendlich ist es immer einfacher, Differenzen und Verschiedenheiten zu entdecken, so etwas hebt sich nun mal viel leichter vom restlichen Umfeld ab. Und doch werde ich das Gefuehl nicht los, die Welt wuerde immer kleiner, je laenger ich hier in Thailand lebe, die Unterschiede sind zwar noch immer da, aber mir fallen viel haeufiger Gemeinsamkeiten ins Auge zwischen diesen beiden Laendern, beiden Heimaten.

Ehe ich an dieser Stelle fortfahre, wuerde ich euch bitten, euch noch ein paar Minuten Zeit zu nehmen und diesen Erfahrungsbericht von Fabio durchzulesen, der sein Austauschjahr in der Tuerkei verbracht hat. Fabio erzaehlt vom Cay, der in seinem Gastland die Verbindung zwischen verschiedensten Leuten aus verschiedensten Gegenden mit den verschiedensten Hintergruenden darstellt. Und er wirft Fragen auf, ueber die man einige Zeit nachdenken kann (und es meiner Meinung nach definitiv einmal tun sollte). Wir sind alle “Menschen auf einer Welt” und doch fehlt es haeufig an Verstaendnis fuereinander; wir sind zu unterschiedlich, um uns mit jedem zu verstehen, aber viele sinnlose Auseinandersetzungen liessen sich mit einer kleinen Prise Offenheit und dem Bewusstsein, dass wir eben alle zusammen Menschen und Erdenbuerger sind, sicher vermeiden.

Ich habe Fabios Bericht zum Anlass genommen, mich einfach mit Leuten aus Deutschland und Thailand ueber diese Dinge zu unterhalten. Ueber kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten, den Cay in der Tuerkei und den Reis in Thailand, was einen Menschen zum Menschen macht. Und mit der Einverstaendnis dieser Personen werde ich im Laufe der Zeit ihre Gedanken zu diesen Themen in diesem Beitrag veroeffentlichen.

(An alle Austauschschueler: falls ihr Zeit und Lust habt, meldet euch einfach und macht mit, ich wuerde mich sehr freuen, wenn das hier zu einem Gemeinschaftsprojekt werden koennte.)

 

 

 

“Was uns verbindet ist das, was uns unterscheidet. Kein Mensch auf der Welt gleicht einem anderen, wir sind alle wir selbst, niemand ist ‘duer’ als du. Es ist schon ein Wunder, dass jeder einzigartig ist, und eigentlich werde ich jeden Tag daran erinnert, allein, wenn ich einem Fremden auf der Strasse begegne. Ich meine, haettest du dir vorstellen koennen, dass es genau diese Person, mit genau diesen Eigenschaften, die ganz genau so aussieht, gibt?”

(Fah aus Thailand)

 

 

“Ich glaube, was uns alle als Spezies ‘Mensch’ miteinander verbindet, ist der Trieb zu ueberleben, um unsere Gene an andere Generationen weiterzugeben. Das ist eine sehr biologische Haltung, aber ich habe in meinem Beruf als Arzt viel mit Biologie zu tun. Wann immer ich eine schwangere Frau in der Notaufnahme meines Krankenhauses sehe, mache ich den zugegeben etwas zynischen Witz, Schwangerschaft sei der biologische Imperativ unserer DNA. Wenn man bedenkt, dass sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten versuchen, zu ueberleben, liefert mir das eine Erklaerung fuer all die Gewalt und den Krieg, den wir in dieser Welt mitansehen. Es faellt mir schwerer, etwas Kulturelles zu finden, dass allen Menschen gemeinsam ist, und vielleicht liegt das daran, dass ich Amerikaner bin. In Amerika existieren viele verschiedene Kulturen nebeneinander in einem Land, die sich zwar gerne vermischen und gegenseitig beeinflussen, aber auch nicht immer der gleichen Meinung sind. Wenn ich in einem Land mit mehr kultureller Eintracht und Homogenitaet leben wuerde, haette ich vielleicht eher eine Neigung zu einer Art ‘kulturellem Kleber’.

Ansonsten halte ich die Suche nach Ideen, die aus unserer Welt einen besseren Ort machen koennten, fuer das erbaulichste gemeinsame Ziel in der weltweiten Gesellschaft. Wir als Menschen formen und teilen unsere Ideen miteinander, das duerfte wohl das typischste Kennzeichen unseres Wesens sein. Dieser Suche nach Ideen habe ich auch meine relativ optimistische Einstellung gegenueber uns Menschen und der Welt, die wir bewohnen, zu verdanken.”

(Paul aus den USA)

 

 

“Es gibt bestimmte Dinge, Gesten, Gewohnheiten, etc., die fast allen Menschen zu eigen sind oder zumindest von fast allen verstanden werden. Das beste Beispiel dafür ist wohl das Laecheln: Egal wo auf der Welt man ist, jeder versteht es. (Wir haben mit der Zeit auch einige andere Moeglichkeiten entwickelt, miteinander zu kommunizieren, allen voran Sprache und Schrift. Doch das Problem bei allen diesen Kommunikationsmitteln ist, dass sie missverstanden werden koennen… aber dieser Gedanke fuehrt jetzt nicht weiter. Wieder zu dem Verhalten, das Menschen miteinander verbindet – und zugleich auch voneinander trennt.) Aber all diese Dinge sind fuer mich lediglich Zeichen, Indizien, die auf eine Verbindung hinweisen, eine gemeinsame Vergangenheit, vielleicht auch eine gemeinsame Zukunft.

Das Problem ist nun, dass:
a.) sich nicht alle Menschen darüber im Klaren sind, wie viel sie mit anderen Menschen gemeinsam haben.
b.) es manche Menschen vielleicht auch gar nicht wahr haben wollen bzw. nicht ueber solche Dinge nachdenken und es ihnen egal ist. Punkt a.) steht dabei in direkter Verbingung zu Punkt b.)
c.) ich der Überzeugung bin, dass es immer zwei Ebenen gibt: einmal die private, persoenliche Ebene und dann die oeffentliche, weltweite Ebene, in der Kriege gefuehrt, Wirtschaftssanktionen verhaengt und weitreichende, diplomatische Gespraeche gefuehrt werden. Warum das so ist, kann ich auch nicht genau sagen, aber die Gemeinsamkeiten scheinen sich in vielen Punkten auf die persoenliche Ebene zu beschraenken. Auf der oeffentlichen Ebene spielen viel eher die Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppierungen eine Rolle sowie ihre eigenen Vorteile und Ziele, denn nur so kann sich die Gruppierung erhalten.
d.) Menschen eine Prioritaetenliste haben (auch das gehört für mich zum Mensch-Sein dazu: eine eigene Meinung haben, gleichgueltig davon, wie gut oder schlecht sie begruendet ist), die (zugegebenermassen verstaendlicherweise) meist vom eigenen Leben, den eigenen Freunden und Verwandten, dem eigenen Umfeld, … dominiert wird. Eine billige Schokolade ist meist wichtiger als die armen Kinder in Afrika. Es gibt sicher auch noblere Beispiele, aber die kann man sich dazudenken.

Und vor allem diese letzte Eigenschaft ist es, die Menschen miteinander verbindet, aber genauso schnell auch wieder Welten zwischen sie bringen kann: Wenn diese Verbindung dir wichtig ist, kannst du sie weiter staerken. Sie ist immer da, aber es liegt an dir, sie zu pflegen. Und ebenso liegt es in deiner Hand, deine eigenen Wuensche und Begierden an erste Stelle zu setzen oder dein Leben auch einfach bequem vor dich hin zu leben, als die Verbindung zu anderen Menschen zu pflegen.

Diese Freiheit, Entscheidungen zu treffen, eine eigene Meinung zu haben, dass ist es, was (fuer mich zumindest), einen Menschen zum Menschen macht. Und das gibt ein großes Potential, zum Guten wie zum Schlechten.”

(Katharina aus Deutschland)

 

 

An dieser Stelle noch einmal ein riesengrosses Dankeschoen an alle, die sich Zeit hierfuer genommen haben. Und auch danke an euch Leser. Vielleicht stoesst das hier ja den einen oder anderen zum Nachdenken an. 🙂

Lieben Gruss,

Lea

Weihnachten in China: Merry Christmas im Unterricht

Jetzt gibt es nach langer Zeit endlich auch mal wieder einen Eintrag von mir zu lesen. Ich habe bei meiner Familie kein WLan, und deswegen ist es sehr schwer mit dem Hochladen. Da ich gerade im Urlaub in Taiwan bin, kann ich diese Gelegenheit nutzen um etwas über das bisherige Austauschjahr zu erzählen. Über den Urlaub werde ich im nächsten Eintrag berichten.

Mehr als fünf Monate lebe ich jetzt schon im chinesischen Alltag und lerne die Kultur und Traditionen dieses fremden, für mich faszinierenden Landes kennen. Ich habe mich in der neuen Kultur besser eingelebt und in der Sprache finde ich mich auch schon viel besser zurecht. Die Schwierigkeiten im Chinesischen liegen glaube ich vor allem in der Aussprache, mit den vier Tönen, und in den vielen Zeichen. Die Zeichen finde ich nach wie vor sehr schwer, aber je mehr man sich mit ihnen befasst, desto besser kann man sie sich merken und auch selber schreiben.

 

Ich habe mich inzwischen schon sehr an meine chinesische Klasse gewöhnt, und sie sich an mich. Ich muss sagen, dass ich wirklich wahnsinnig nett aufgenommen wurde. Jeder hat sein Bestes gegeben, damit mir der Einstieg in China und an der Schule so leicht wie möglich fällt. In den letzten Wochen habe ich auch außerhalb der regulären Schulzeit mehr mit meinen Klassen-kameraden gemacht, wie zum Beispiel Tischtennis oder Fußball spielen. Das Schulleben reicht hier weit über den Unterricht hinaus, was vermutlich daran liegt, dass die meisten Schüler von Sonntagabend bis Freitag im Internat wohnen. Beispielsweise gab es für alle Klassen der Stufe Zehn ein Tauziehen Turnier: Eine Erfahrung, die den Klassenzusammenhalt wahrhaftig stärkt. Ich fühle mich hier sehr gut in die Klasse integriert und die Zeit hier kommt mir schon viel länger als fünf Monate vor.

Es muss allerdings auch gesagt werden, dass hier eine vollkommen andere Einstellung zur Schule herrscht. Die chinesischen Schüler leben fast nur für die Schule, es fällt ihnen wahnsinnig schwer sich unseren Schulalltag mit viel mehr Freizeit vorzustellen. Der Leistungsdruck hier ist enorm: Meine Klassenkameraden bekommen wahnsinnig viele Hausaufgaben, und müssen teilweise sonntags und länger als neun Uhr abends in die Schule gehen – Ich darf aber zum Glück um halb fünf nach Hause fahren, da ich die Hausaufgaben noch nicht verstehen kann. Seit einigen Wochen habe ich jeden Tag nach der Schule noch Einzelunterricht bei meiner Chinesisch Lehrerin – eine sehr gute Möglichkeit die Sprache besser zu lernen

Neben der Schule, die in China einen sehr großen Stellenwert hat, ist natürlich die Gastfamilie ein wichtiger Teil zu einem erfolgreichen und glücklichem Austauschjahr. Meine Eltern sprechen zwar auch recht gutes Englisch, haben sich aber nach einem Monat nur noch auf Chinesisch mit mir unterhalten. Das war am Anfang zwar sehr schwer aber ich hätte sonst niemals soviel lernen können. Es ist toll, wieviel Unterstützung ich beim Lernen von meiner Familie erhalte.

Als ich angekommen bin war die ganze Wohnung voller kleiner Zettel, die als Beschriftung für verschiedene Möbel dienten. So habe ich viele Wörter unbewusst gelernt. Außerdem lerne ich sehr viel, indem ich mit meinem Bruder spiele. Da er im Moment auch noch nicht so schnell sprechen kann, ist es die perfekte Möglichkeit für mich viel zu lernen. Außerdem macht es natürlich auch Spaß mit ihm zu spielen.

 

Natürlich war ich auch sehr gespannt, wie und ob die Chinesen das christliche Fest Weihnachten feiern. In China ist das wichtigste Fest des Jahres nämlich das Frühlingsfest, das das chinesische Neujahr einleitet. Jedes Jahr bezieht sich auf eines der zwölf Tierkreiszeichen, durch welches sich die Erwartungen an das neue Jahr ausdrücken. Dieses Jahr wird am 19.Februar das Jahr des Pferdes vom Jahr der Ziege 羊 abgelöst. Das Fest dauert offiziell 15 Tage und wird im Rahmen der ganzen Familie gefeiert. An Weihnachten dagegen gibt es keine Ferien oder Feiertage, sondern es sind reguläre Schul- und Werktage. Man bemerkt zwar Anfang Dezember, dass Weihnachtsdekoration und westliche Weihnachtslieder die unzähligen Malls der Stadt erreichen. Ich vermute aber, dass dies nur auf den zunehmenden westlichen Einfluss auf das Konsumverhalten zurückführt. Laut meiner chinesischen Gastmutter kann in China ein Fest auch nur gefeiert werden, wenn man nicht arbeiten muss – ansonsten bleibt einfach keine Zeit. Bei mir Zuhause waren die Weihnachtstage sehr schön: Meine Gastfamilie hat ihr Bestes gegeben, dass ich auch an Weihnachten in Shenzhen glücklich bin. Auch YFU hat eine Weihnachtsfeier für Austauschschüler und Familien organisiert. In unserer Wohnung hatten wir für meinen kleinen, dreijährigen Bruder und mich einen Weihnachtsbaum aus Plastik, den wir am Sonntag vor Weihnachten auch gemeinsam geschmückt haben. Und an jedem Sonntag in der Adventszeit haben wir eine Kerze angezündet, da ich von diesem Brauch erzählt habe. Am ersten Weihnachtsfeiertag gab es dann auch bei uns Geschenke. Auch hier hat sich meine Familie sehr viel Mühe gegeben, mir durch die Geschenke ein Stück chinesische Kultur näherzubringen. Ich habe unter anderem ein Bild von den chinesischen Schattenspielen in der Han Dynastie bekommen.

In meiner Schule merkte man auch, dass Weihnachten ist, da unter den Schülern Süßigkeiten verschenkt wurden und jeder Merry Christmas und 圣诞快乐 wünscht. Ich persönlich habe den Eindruck bekommen, dass Weihnachten in China für Kinder und in den Geschäften existiert aber keinen besonderen Stellenwert einnimmt, da es auch keine Traditionen gibt die mit dem Fest verbunden werden.

 

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen war es eine gute Erfahrung für mich zu sehen, wie sich Weihnachten in China von dem vertrauten Fest unterscheidet. Zum ersten Januar haben auch die Chinesen drei Tage frei, auch wenn man dafür am darauffolgenden Sonntag zur Schule oder Arbeit gehen muss.

 

Die Chinesen lerne ich alle als nette, offene und lebensfrohe Menschen kennen, die sich interessiert an mir und der deutschen Kultur zeigen. Ich glaube, dass die meisten Chinesen ein durchweg positives Bild von Deutschland haben und vor allem die deutschen Autos und die gute Qualität werden sehr oft gelobt.

Es geht mir hier sehr gut, auch wenn ich Deutschland natürlich hin und wieder vermisse. Aber die bisherige Zeit, die ich in Shenzhen verbringen konnte ist schon jetzt unvergesslich und erfahrungsreich. Natürlich freue ich mich sehr auf die noch folgenden sechs Monate in der schon nicht mehr ganz so fremden Kultur.

 

Bis Bald

 

Joel