Momente

Ein Moment

Definition laut Duden: ausschlaggebender Umstand, Gesichtspunkt.

 

Ein Moment

Meine Definition: Leben

Der Leben besteht aus Momenten. Kleine Augenblicke, kleine Gesten, ein kleines Laecheln. Es ist eine Anreihung von unterschiedlichen Geschenhennissen die jede Sekunde passieren. Sie vergehen. Manche dauern laenger an, andere ziehen so schnell vorbei wie die Wolken bei einem Sturm. Sie sind fluechtig, diese Momente. Sie sind einmalig. Wie gerne wir sie manchmal doch festhalten wuerden. Wie gerne wir sie manchmal einfach in eine Glasflasche packen und mit einem Korken verschliessen moechten um sie zuhause in den Schrank zu stellen, nur um sie irgendwann in den schlechten Zeiten einmal wieder herausnehmen zu koennen um nochmals von diesem schoenen Moment zu kosten. Aber dies gestattet uns das Leben nicht. Nicht in dieser Form. Sobald der Moment verflogen ist, bleibt nur noch die Erinnerung daran. Doch auch diese ist etwas wert. Sie ist genau so kostbar, wie der Moment selbst. Erinnerungen muss man bewahren und schuetzen um den schoenen Moment niemals zu vergessen…

So ist auch jedes Austauschjahr eine Anreihung von Momenten, Ereignissen, Augenblicken. Viele sind toll, einzigartig, aufregend und unvergesslich. Andere sind verwirrend, aufwuehlend, manchmal etwas traurig oder stimmen zum Nachdenken an. Aber alle diese Momente haben eins gemeinsam: Sie formen das Austauschjahr. Wir koennen von ihnen lernen, sie geniessen, sie einfach leben.

 

Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe, ich langweile euch nicht, mit meinen ewig langen Einleitungen, aber dass sind eben Dinge, ueber die ich mir Gedanken mache ;). In dem letzten zwei Monaten ist mal wieder viel passiert. Und ich kann schon sagen, dass ich auch der trotz hier manchmal 25 Grad schon in Weihnachtsstimmung bin. Die Parks sind mit Lichterketten geschmueckt und auch an jedem anderen Baum der Stadt kann man die wild, in unterschiedlichen Farben flackernden Lichter sehen. Weihnachtsmusik wird schon seid November in jedem Supermarkt gespielt, zur gleichen Zeit als auch schon die ersten bunt dekorierten Christbaeume ihren Platz einnahmen. In jedem Klassenzimmer der Schule steht eine kleine, selbst gestaltete Krippe mit Tieren, Maria, Jose und dem Jesuskind. Neun Tage vor Weihnachten fangen hier die „Novenas“ an. Da werden Freunde, Verwandte und Nachbarn eingeladen um zusammen zu singen, zu essen, aus der Bibel zu lesen, ganz einfach zusammen zu sein, um sich ein bisschen auf das kommende Fest einzustellen. Ich finde das echt eine schoene Idee. In meiner Schule finden die auch jeden Morgen statt. Jeden Tag bereitet eine andere Klasse etwas vor. Meine Englischklasse sang zum Beispiel, zusammen mit zwei anderen „We are the world“ von Michael Jackson. Das war echt richtig toll und ich durft mich als Maria verkleiden, mit einem grossen Baby aus Porzelan im Arm! Ja, dann freue ich mich auch schon total auf das Weihnachtsfest hier. Und obwohl ich mich gerade in Ecuador befinde, habe ich es auch dieses Jahr nicht versaeumt, Plaetzchen zu backen. Meine Gastmama und ich haben ziemlich viele gemacht. LECKER! Gut, so viel zur Vorweihnachtszeit.

Heiligabend war dieses Jahr auch ganz anders fuer mich. Sind wir in Deutschland immer nur 4 oder 5 Personen, waren wir dieses Jahr hier in Ecuador bestimmt so um die 15. Das hat mir sehr gut gefallen. Traditionell gibt es hier in so ziemlich jeder Familie Truthahn zu essen. Lecker! Dazu gab es gruenen Reis, zwei Sossen (eine aus Pflaumen, Rotwein und Zimt, eine andere aus Uvillas), zwei Salate und danch noch einen Nachtisch der sich „Pristiños con miel“ nennt.

Danach haben wir die letzte „Novena“ fuer dieses Jahr abgehalten, mit Bibelversen, Gesang und Wuenschen fuer die Zukunft. Geschenke wurden natuerlich auch ueberreicht. Alles in allem kann ich sagen, dass ich wirklich ein sehr schoenes Weihnachtsfest mit meiner Familie hier in Ecuador erlebt habe, deshalb meine Familie in Deutschland nicht all zu stark vermisst habe. Zum Glueck!

 

Gut, was ist noch passiert? Wir waren Ende Oktober in Cuicocha. Der so genannte Meerschweinchensee, ist ein Kratersee mit einer Insel in der Mitte. Dort haben wir eine kleine Rundfahrt mit einem Boot gemacht. War ziemlich kalt, mit dem spritzenden Wasser, aber wunderschoen. Dann fiehl am 3. November in vielen Schulen der Unterricht aus, weil es der „Tag der katholischen Lehrer“ war. Wir Schueler haben uns gefreut, verstaendlicher Weise :D. Einen Tag waren wir in Quito, der Hauptstadt Ecuadors und die Groesse der Stadt haut mich einfach jedes Mal ums neue wieder um. Dazu kommt noch der viele Verkehr. Ich bin echt froh, in eine etwas kleineren Stadt, die fuer mich immer noch gross genug ist, zu wohnen. Dort haben wir den Praesidentenpalast besucht und „La compañia“, eine alte Kirche. Die Kirche ist wirklich sehr eindrucksvoll gestaltet, mit sehr viel Gold. Leider durfte ich keine Fotos machen, aber wenn einer von euch einmal nach Ecuador kommt, dann muss er diese Kirche unbedingt gesehen haben.

Ebenfalls Ende Oktober fanden in meiner Schule die „Campañas de la lista“ statt, also ganz einfach uebersetzt, die Schuelersprecherwahlen. Allderdings mal wieder im totalen Kontrast zu Deutschland. Hier kann man die Wahlen naemlich eher mit einer mehrtaegigen Party vergleichen. Eine ganze Woche war in den Pausen immer total laute Musik, die Schueler tanzten und malten sich mit Frabe entweder eine 1 oder 2 auf die Wange, als Zeichen fuer welche Liste sie stehen. An einem Donnerstag fand in den letzten zwei Schulstunden 2 Konzerte statt. Jede Liste hatte die Moeglichkeit Jemanden zu angagieren der singt, tanzt oder einfach Spass bringt. Das war echt lustig. Ende Novembers war dann der „dia de deporte“ im Colegio angesagt. Am Samstagmorgen fand eine grosse Einweihnungsfeier auf dem Schulhof statt. Alle Schueler mussten innerhalb ihrer Klassen marschieren, in der Sportuniform versteht sich, und wurden angefuehrt von der „madrina“, der Patin, der Gluecksbringerin, der Schoenheitskoenigin, der Klasse, begleitet von ihrem/n Maskottchen. Das war super. Meine Freundinnen verkleideten sich als Superheldinen und meine Gastcousine aus den USA war die Madrina und sah echt spitze aus! Ja, dann ist ein Junge mit der „olympischen Fakel“ durch die Schule gerannt und hat das „olympische Feuer“ angezuendet. Damit waren die Spiele dann ofizielll eroeffnet. Es wurde Fussball, Basketball und Volleyball gespielt. Es gab „Ornado“ zu essen, dass ist im Prinzip ein ganzes Schwein von dem einfach Stueckchen abgeschnitten werden. Dazu Motte und Kartoffeln. War lecker.

Gut dann bleibt noch zu erwaehnen dass ich jetzt schon zwei Mal mit meiner Mama auf einem Markt hier in der Naehe war. Dort gibt es wirklich alles zu kaufen. Von Kleidung, ueber jede Menge Obst und Gemuese bis hin zu Fleisch (wo man natuerlich auch abgetrennte Rinderfuesse und Zunge kaufen kann). Wir haben jede Menge Obst und Gemuese fuer nur 15 Dollar, also so ca. 13 Euro gekauft. Unter anderem 10 Mangos fuer nur 2 Dollar! , so toll. Die Maerkte hier liebe ich einfach!

Das wars jetzt mal wieder fuers Erste. Tut mir leid, dass ihr wieder mal so lange warten musstet. Irgendwann nach Silvester werde ich mich wieder melden. Bis dahin, feliz navidad y feliz año nuevo 2015, auf dass es mindestens genauso gut wird wie das alte Jahr 2014. Danke an YFU, danke an meine Familie in Deutschland und grossen Dank natuerlich auch an meine Gastfamilie hier in Ecuador. Ihr ermoeglicht mir dieses Jahr, alles was ich bisher erleben durft verdanke ich euch. Ihr seid super! Vielen Dank natuerlich auch an Jeden der meinen Blog liest, es macht mir Spass euch von meinen Erfahrungen berichten zu duerfen. Muchas gracias y hasta luego.

Vanessa

Weihnachten unter der Sonne

Weihnachten. In Deutschland die kälteste und jedoch schönste Zeit des Jahres. Während man jeden Tag ein weiteres Türchen des Adventskalenders öffnet, den Weihnachtsbaum schmückt, auf den Weihnachtsmarkt geht und abends im Licht der Weihnachtslichter mit der Familie, und heißer Schokolade in den Händen, einen Film guckt, steigt die Vorfreude auf Heiligabend. Raus geht man eingepackt in warmen Klamotten und trotzdem friert man, während man im Haus die Heizung aufdreht, sich unter seine decken kuschelt und das weiße Wunder von drinnen aus beobachtet.

Nach 24 Tagen warten ist es dann endlich soweit – Heiligabend. Wie verrückt stürzt man sich auf seine Geschenke während die Familie die Kameras zückt und reichlich Fotos macht, bevor es ans gemeinsame Abendessen geht.

Doch dieses Jahr bin ich in Ecuador und Weihnachten hier, das ist etwas komplett anderes – kein Schnee, keine Kälte, keine Weihnachtsmärkte oder Adventskalender und lediglich ein kleiner, zusammengebauter, Plastikbaum geschmückt mit bunten Plastikkugeln und glitzernden Girlanden in allen möglichen Farben, der im Esszimmer steht. Von deutscher Weihnachtsstimmung kann man hier also nicht sprechen. Doch die Hoffnung, dass an Heiligabend vielleicht doch noch etwas Weihnachtsstimmung verstreut wird, starb nicht.

Als am 24.12.2014 dann Familie aus dem ganzen Land zu uns nach Hause kam konnte das Weihnachtsfest endlich losgehen. Morgens habe ich mit meiner Familie in Deutschland geskypet und dann zum Mittagessen kamen meine drei Tanten mit ihren Familien und mein Onkel um bei uns, zusammen mit der ganzen Familie, wie hier in Ecuador üblich, Truthahn und Meerschweinchen – eine ecuadorianische Delikatesse- zu essen. Doch das Essen verschob sich, da mein Gastvater vor Mitternacht nicht von der Arbeit kommen würde.

Während wir also auf meinen Vater warteten wurden einzelne Geschenke verteilt und ausgepackt und es wurden Kartenspiele gespielt, um sich die Zeit zu vertreiben. Mit dem Temperament der Ecuadorianer wurden Geschichten erzählt und viel gelacht, sodass einen die Müdigkeit nicht einholen konnte. Außerdem wurden “Humitas” serviert. Das ist ein Gericht bestehend aus Masa (Maisteig) der mit Hühnchen, Käse oder Rosinen gefüllt in Maisblättern gedämpft wird und am Ende kleinen Kuchen ähnelt.

Gegen 23:45 Uhr kam dann endlich mein Gastvater und wie die verrückten stürmten alle zum Essen. Es gab viel Fleisch, wie hier üblich, und für mich, als Vegetarierin, viel Reis und dazu Salat, Kartoffeln und was zu trinken.

Nach dem Essen saßen alle noch eine Weile zusammen bevor sich die ersten dann auf den Weg ins Bett gemacht haben. Um ca. 2 Uhr morgens konnte dann auch ich friedlich einschlafen.

Am nächsten Tag stand ich zeitlich perfekt zum Mittagessen auf und wieder versammelte sich die ganze Familie im Esszimmer der Großeltern, zum Essen, bevor die ersten sich wieder auf den Weg nach Quito machten. Nachmittags, während die Kinder draußen spielten, gab es dann nochmal Kaffee und Tee zusammen mit Mangos und “Emborrajados de Platano” – das sind kleine Bananenstücke gebraten in einem Pfannkuchenähnlichen Teig. Und damit wurde das Weihnachtsfest abgeschlossen.

Auch wenn mein Weihnachten hier in Ecuador vielleicht nicht so ablief wie man sich Weihnachten eigentlich vorstellt oder wie man es aus Deutschland kennt, hatte ich trotzdem ein schönes Weihnachtsfest, da ich die wichtigsten Tage im Jahr mit meiner zweiten Familie verbracht habe und eine komplett neue Erfahrung gesammelt habe für die ich dankbar bin.

Vielen Austauschschülern geht es während der Weihnachtszeit schlecht, da Weihnachten ein unersetzbares Familienfest ist an dem man am liebsten mit seiner richtigen Familie in seinem gewohnten Umfeld ist. Und es ist wahr, dass Weihnachten einfach unersetzbar ist und auch ich manchmal lieber zuhause gewesen wäre um Fondue mit meiner Familie zu essen und meine Geschenke auszupacken – doch am Ende habe ich hier in Ecuador eine weitere Erfahrung für’s Leben gewonnen und werde mein nächstes Weihnachten in Deutschland wieder richtig genießen.
Ich möchte nur allen zukünftigen Austauschschülern auf den Weg geben, dass euer Heiligabend im Ausland für euch eine total neue und fremde Erfahrung sein wird und euch vielleicht viele Sachen überflüssig oder falsch vorkommen werden, ihr euch deshalb aber nicht unterkriegen lassen solltet. Denn auch wenn ihr tausende Kilometer von eurer Familie entfernt seit habt ihr eine zweite Familie in eurem Gastland hat die mit euch ihr Weihnachten teilt und somit auch ihre Liebe mit euch teilt.

Mit diesen Worten schließe ich meinen heutigen Bericht ab. Ich hoffe ihr hattet alle ein tolles Weihnachtsfest und ich wünsche euch einen guten Rutsch in das Jahr 2015! Verrückt wie schnell die Zeit vergeht.

Eure Amina

Advent, Advent, kein Lichtlein brennt

สวัสดีค่ะทุกคน

Es ist schon wieder ein Monat rum, sogar schon mehr, und bald bin ich seit sechs Monaten auf thailaendischem Boden. Ein halbes Jahr, das klingt so lang, aber… das ist es beim besten Willen nicht. Oft genug kann ich gar nicht betonen, wie schnell die Zeit in diesem so bunten Land vergeht (wir sind euch mittlerweile 543 Jahre und sechs Stunden voraus, wer’s genau wissen will ^^).

Advent, Advent, kein Lichtlein brennt. Hier drueben zumindest. Die meisten Leute, denen ich von Weihnachten und der Vorweihnachtszeit in Deutschland berichte, halten Adventskranz und Christkind schlichtweg fuer irgendwelche fiesen deutschen Zungenbrecher ohne weitere Bedeutung. Schade eigentlich, und das finden viele Thais, denen ich dann davon erzaehle, selbst auch – aber im Buddhismus spielt die Geburt von Jesus nun mal keine unbedingt grosse Rolle. Weihnachten wuerde zwar nahe legen, dass zumindest die Christen da ein bisschen adventliche Stimmung verbreiten, aber auch das ist nicht der Fall. Ich hab es mir zu einer Art Mission gemacht, in dieser “kalten Jahreszeit” mit absolut antiweihnachtlichen 30 Grad ein klein wenig vom deutschen Weihnachtsflair in ein paar Momente zu straeuen. Meine Gastfamilie und ich haben schon Plaetzchen in der Friteuse und der Mikrowelle gebacken, weil es in thailaendischen Haushaelten keine Backoefen gibt, viele Leute moechten gern deutsche Weihnachtslieder lernen, andere haben im Internet Anleitungen fuer Strohsterne gefunden und jetzt basteln wir alle zusammen in der Mittagspause manchmal Stroh(halm)sterne. Die Thais interessieren sich aber nicht nur fuer irgendwelche aeusserlichen Spielereien, sondern sie wollen die Hintergruende erfahren, sie fragen mich nach Maerchen aus Deutschland, sie wollen wissen, ob man Schnee essen kann (!), was bitte Koenige mit Weihnachten zu schaffen haben – und woher der Brauch stammt, sich an Weihnachten gegenseitig zu beschenken.

Im Dezember gibt es andere Dinge, um die die Thais sich Gedanken machen. Am Fuenften gleich steht zum Beispiel der Geburtstag des Koenigs an und damit auch gleichzeitig der Vatertag und das ist einer der hoechsten Festtage im thailaendischen Kalender. Ob ihr es glaubt oder nicht – ueberall traegt man gelbe T-Shirts. ALLE Leute. Ich kam mir vor wie bei einem Flashmob oder einem Weltrekordversuch, als ich das sah; es war zugegebenermassen echt ziemlich beeindruckend. Und abends trafen sich viele Thais in der Stadt bei einer Zeremonie zu Ehren des Koenigs, wo dann unter anderem die National- und Koenigshymne gesungen wurden und anschliessend so gegen halb sieben (wenn es eben schon dunkel ist hier) zuendeten alle Kerzen an und das ganze Land rief wie aus einem Mund “ทรงพระเจริญ” (‘song pradjoen’), also Lang lebe der Koenig, waehrend im Hintergrund (oder war es nicht viel eher der Vordergrund?) ein mords Feuerwerk losbruellte. Sobald ich Fotos finde, werde ich welche hochladen – Wahnsinn, das war ein aussergewoehnlicher Moment.

Mir ist bewusst, dass ich dieses Mal laenger gebraucht habe, etwas zu schreiben. Das liegt hauptsaechlich daran, dass ich – oh Wunder – nicht wirklich Zeit gefunden habe. Ja, ich weiss, Zeit muss man sich nehmen, aber manchmal ist die eben entweder sehr gut versteckt oder aber es gibt andere Dinge, die einem im Kopf rumschwirren. Bei Austauschschuelern ist es vermutlich Letzteres. Gerade was den Blog angeht habe ich mir am Anfang auch fest vorgenommen, ihn gut zu pflegen und regelmaessig zu berichten, aber eigentlich gibt es in einem Austauschjahr immer irgendetwas, was gerade interessanter ist, als sich hinzusetzen und zwei, drei Stunden zu tippen. Tut mir leid. Prokrastination habe ich aber glaube ich auch ein bisschen von den Thais gelernt, die Schuld liegt also nicht ausschliesslich bei mir 😉

Abgesehen von den thailaendischen Gesellschaftsnormen wuerde ich aber auch gerne meine in den letzten Monaten um einige Stunden taeglich ausgeweiteten Aufenthalte in der Schule ankreiden. Bis letzten Mittwoch war ich zu Hause um zu schlafen und zu fruehstuecken und den Rest des Tages habe ich in der Schule verbracht. Warum? Nun ja, Unterricht dauert bis knapp 16 Uhr, und danach war Chorprobe bis 20 Uhr; am Wochenende gnaedigerweise “nur” von neun morgens bis sechs abends. Was bitte fuer ein Chor, und warum proben wir da derart intensiv? Lange Geschichte.

Angefangen hat es wohl damit, dass ich noch in meiner allerersten Schulwoche gebeten wurde, die Schulband auf dem Klavier zu begleiten. Obwohl die Band nur fuer den Wettbewerb gegruendet wurde (und danach sofort wieder aufgeloest), blieb der Kontakt zwischen uns Musikern bestehen und vor knapp drei Monaten fragten mich meine Freunde aus der Band, die auch im Schulchor dabei waren, ob ich nicht Lust haette, da auch Klavier zu spielen. Ich willigte ein und wir hatten alle heiligen Zeiten mal zu dreissigst im Musiksaal eine Art Zusammenkunft, wo wir ueberwiegend mit Quatschen beschaeftigt waren. Bis dann unser Chorleiter ankuendigte, wir wuerden Ende Oktober an einem Wettbewerb in unserer Provinz teilnehmen. Eine ganze Woche vorher fingen wir dann auch tatsaechlich mit dem Ueben an und wir schafften es trotz dieser “ausgiebigen Vorbereitungsphase”, aus dem Wettbewerb als Sieger hervorzugehen. Das bedeutete fuer uns, dass wir uns fuer die “naechste Runde” qualifiziert hatten, und das war noch ein Wettbewerb letzten Freitag, bei dem die besten Choere aus zwanzig Provinzen des ภาคเหนือ (also dem Nordwesten Thailands) gegeneinander antraten (obwohl es bis letzten Sonntag hiess, der Wettbewerb wuerde erst am kommenden Montag stattfinden). Diesmal begannen wir fruehzeitig mit den Proben, naemlich knapp zwei Wochen nach unserem Sieg in พิษณุโลก. Zwei Lieder sollten wir vorbereiten, und wir hatten uns fuer ยามค่ำ, ein vom Koenig persoenlich komponiertes Stueck, sowie das Festival Sanctus von John Leavitt entschieden. Und gerade das zweite Stueck fand ich absolut genial – was durchaus daran liegen koennte, dass es auf Latein war. Der allerletzten Sprache, von der ich geglaubt haette, ihr in Thailand zu begegnen, aber das machte das Ganze nur noch besser. Nennt mich verrueckt, aber ich bin vor Freude ziemlich an die Decke gegangen, als ich zum ersten Mal die Partitur gesehen habe, ganz einfach deshalb, weil es wie ein Stueck Heimat war, ganz ploetzlich aufgetaucht aus der riesigen Notentruhe im Musiksaal. Ich sollte uebersetzen, bei der Aussprache mithelfen (nein, es heisst nicht Galolia und nicht Ekkaeaeaelasid ^^) und die Hintergruende des Textes erklaeren. Und ueber mehrere Monate hinweg fieberten wir dem 19. Dezember entgegen, wo sich an einer Schule in แพร่ zeigen sollte, ob wir das Zeug dazu hatten, in Bangkok beim Landeswettbewerb anzutreten. Und wie schon gesagt, am Freitag war es dann soweit. Wir mussten fuer die Reise nach แพร่ sehr frueh aufstehen und obwohl es nicht so weit weg war, war es doch um einige Grad kuehler als in พิษณุโลก; bevor es richtig losging, froestelten wir im Pulk auf dem Sportplatz. Einmal noch kurz die Stuecke durchgehen, und dann hiess es ab auf die Buehne – als letzte Gruppe. Der Chor lief zur Hoechstform auf, ich selbst bekam es wie immer bei solchen Gelegenheiten mit den Nerven zu tun und produzierte an ein paar Stellen ganz schoen interessante Klaenge, was mir hinterher dann Sorgen bereitete, weil meine Freunde ihre Sache so gut gemacht hatten und ich fuerchtete, sie viele Punkte gekostet zu haben. Was mich aber nach wie vor sehr beeindruckt, ist die Atmosphaere dieses Konzerts, denn Wettbewerb kann man es fast nicht nennen. Voellig fremde Leute aus unterschiedlichen Provinzen unterhielten sich, gingen gemeinsam was essen, als die Spannung des Auftritts dann endlich von allen Schultern verschwunden war, und machten natuerlich miteinander Musik. Mir machte gerade das besonders viel Spass. Ein Grundschulchor probte beispielsweise in allerletzter Sekunde noch “Lemon Tree” und ich durfte noch schnell mitspielen, weil ich die Akkorde kannte. Jetzt fliegen in Facebook glaube ich auch irgendwo “Wefies” von diesen Leuten und mir rum 😉 Jedenfalls verwandelte sich das anfaengliche “yay, wir haben’s ueberlebt” meiner Freunde bald in ein “oh nein, vermutlich waren wir nicht gut genug und haben ครูเบนซ์ enttaeuscht” um. In so einer Situation heisst es in Thailand oft “erst mal was essen”, und so auch in dieser. Um die Schule herum waren viele mobile Laeden mit den unterschiedlichsten Gerichten verteilt, also holte sich die ganze Mannschaft Mittagessen und dann blieb uns nichts anderes uebrig, als auf das Urteil der Jury zu warten. Es flossen ein paar Traenen und wir taten uns selbst zugegebenermassen ein wenig leid, aber dann nach knapp einer Stunde tauchte endlich ein Mitglied des Bewertungsgremiums auf und steuerte grinsend auf den Pavillion zu, in dessen Schatten wir uns alle versammelt hatten. In einem Nebensatz hiess es dann “ach ja, ihr habt im Uebrigen gewonnen, im Februar fahrt ihr nach Bangkok zum Landeswettbewerb”. Die nachfolgende Szenerie war ziemlich episch und haette einem Actionfilm entsprungen sein koennen. Wie auf Knopfdruck kreischten und lachten und weinten alle los, halbvolle Takeawayboxen flogen durch die Luft und Menschen sich gegenseitig in die Arme. Wir verneigten uns tief vor dem Mann, der uns diese Botschaft ueberbracht hatte, und zu allem Ueberfluss lud ครูเบนซ์ uns auch noch zum Abendessen ein, was erneut in einem Anflug von Begeisterung aehnlichem Ausmasses endete. Bangkok ruft – morgen gehen die naechsten Proben los.

Es ist aber noch einige Zeit hin bis Februar. In den naechsten Monaten werde ich auf jeden Fall noch an meinem Thai feilen – ich kann zwar mittlerweile fast alles sagen, was ich zu sagen habe, und wenn ich jemandem zuhoere, nimmt das “blabliblu”, das sonst zum einen Ohr rein und beim anderen gleich wieder rausgeht, immer weiter ab. Thai ist gerade mit seinen unterschiedlich hoeflichen Woertern, die aber eigentlich alle das Gleiche bedeuten, und den doch relativ grossen Unterschieden zwischen geschriebener und gesprochener Sprache manchmal ziemlich verwirrend. Aber die Fortschritte machen sich immer deutlicher. Mich quatschen manchmal die “fahrenden Haendler” auf ihren Motorrollern an und geraten voellig aus dem Haeuschen, wenn ich dann auch auf Thai antworten kann oder mich mit ihnen ueber das Fussballspiel Thailand – Malaysia unterhalten kann.

Apropos fahrende Haendler. Hier in Thailand gibt es sehr, sehr viele mobile Laeden, die durch die ganze Stadt touren und die verschiedensten Dinge verkaufen, aber meistens ist es Essen. An unserer Schule schauen jeden Tag unterschiedliche Leute vorbei mit ihren Fleischspiesschen, ihrem Eis oder ihrem Obst. Erst letzte Woche wurde mir aber klar, dass es nicht nur solche Kuechen auf Raedern gibt, nein, auch die Medizinfrau kommt mit dem Motorroller. Als ich am Montag zum Musiksaal hinueberpilgerte, wartete dort auf den Baenken vor dem Raum eine reichlich bunt angezogene und mit viel Schmuck behangene Frau und um sie herum scharten sich die Chormaedels, waehrend die etwas abgehoben wirkende Person dort unzaehlige Doeschen, Tiegel, Tuben und Tueten auf dem Tisch ausgebreitet hatte. Da war von der Schlankmachseife ueber die Anti-Dunklehaut-Tabletten und der Crème fuer ein “ausdrucksstaerkeres Dekollete” bis zum Schafembryonengel fuer zarte Haut alles dabei. Fand ich sehr interessant. Ich habe nichts eingekauft, aber ein paar meiner Freundinnen, und angeblich wirkt das Zeug.

Thailand ist immer wieder sehr verwirrend fuer mich und genauso haeufig ein Test fuer die Beschaffenheit des inneren Geduldsfadens. Prinzipiell schiebt man hier unangenehme Angelegenheiten so weit wie nur irgend moeglich auf und manchmal vergisst man sie auch geflissentlich, was dann sehr gerne auch mal den Ausloeser fuer mehr oder minder grosses Chaos spielt. Zuspaetkommen ist hier glaube ich eine Art Grundrecht. Der extremste Fall, der mir bisher untergekommen ist, ist auch gar nicht so lang her – vor paar Wochen an einem Samstag wurden wir wie ueblich auf neun zum Musiksaal bestellt. Als dann um zehn alle anwesend waren, gab es von unserem Chorleiter nach wie vor keine Spur und es wusste auch niemand so genau, wo er abgeblieben sein koennte; er tauchte dann gegen 15 Uhr auf. Aber wann und wer auch immer nicht puenktlich kommt, niemand schaut irgendwie komisch, Kommentare und Fragen gibt es eigentlich auch keine, den der Zuspaetkommer wird schon seine Gruende haben – wie man sie selbst ja auch gelegentlich hat. Und was den Humor der Thais angeht, so besteht der groesstenteils aus Schimpfwoertern und es kommt auch immer wieder ein Spruch, der unter die Guertellinie abzielt, aber Ironie und Sarkasmus verwendet man in Thailand (beschoenigt ausgedrueckt) nur sehr selten. Schade eigentlich. Und das bedarf auch einiger Umgewoehnung…

Noch gute eineinhalb Wochen, dann ist das Jahr schon wieder um. In Thailand gibt es zwar an Weihnachten keine Geschenke, aber die kommen dann an Neujahr ins Spiel. Meine Gastfamilie will eine Art Geschenketombola veranstalten, also so, dass jeder ein Geschenk bastelt und die dann unter allen verlost werden und nicht so wie in Deutschland, dass man einfach etwas fuer alle seine Freunde und Verwandten macht. Das klingt interessant. In ungefaehr einem Monat berichte ich euch vielleicht davon. Bis dahin wuensche ich euch und euren Lieben aber schon mal ein frohes Weihnachtsfest und “guten Rutsch” rueber in ein fantastisches neues Jahr. Und ganz viel Schnee obendrein – hier in Thailand traeumen alle von wie mit Puderzucker bestaeubten Palmwedeln und einer duennen Eisschicht auf dem Teich hinter dem Sportplatz, aber stattdessen ist es noch immer unbarmherzig warm (wenn auch immer kuehler) und der Weihnachtsbaum im Einkaufszentrum nur aus Plastik mit irgendetwas Chemischem auf den “Zweigen”. Fuer Billionen an Selfies reicht das aber aus.

Viele liebe Gruese und สวัสดีปีใหม่

Lea

Weihnachten in Deutschland

Deutsches Weihnachten

Weihnachten in Deutschland ist ganz anders als in Brasilien! Aber das meint nicht, dass es schlimm ist.

Die Stimung ist so Frohe und Gemüdlich als in Brasilien!

Aber solche sachen wie Adventskalender, Adventskerzen und Weihnachtsmarkt wir haben nicht.

Hier es ist auch ein zeit für Froh sein, Kecksen backen und Lebkuchenhäuser bauen! =D

 20141217_124129[1]Lebkuchenhaus

Der Weihnachtsmarkt

Diese Markt ist etwas wunderschön!!

In Weihnachteszeit, wir haben auch die in Brasilien, aber ein bisschen anders als hier.

Weihnachtsmarkt3Weihnachtsmarkt2

In mein Stadt vielen Leute kommen für der sehen und hier essen und Spass haben.

Ich sage für allen jetzt, dass sie mussen dahin gehen!

Es gibt so viel zum essen! ><

Der Glühwein ist super lecker und die Kinderpunch auch, etwas so weihnachtlich und für die Kaltezeit, so wie meine Gastmutter immer sagt.

Wir konnen da Gebranntenusseln, Lebkuchen, Currywurst, Bratwurst, Backenkartofeln, Fischen und viel mehr. Es gibt auch sachen das kommen von überall, Hollandischenpommes, Crepes, Pizza, Gefülltepizza, und soweiter.

Aber genug von Essen, was ich am wichtigens finde auf dem Weihnachtsmarkt ist, dass es ist ein wunderschöne dekoriert und gemüdlich platz für Freunden treffen, mit der Familie hin gehen, und bestimmt viel Spass haben! Fur die Kinder auch, seit es gibt Karrosel und kindern spielen! =D

 

Das Adventskalender und Kerzen
Eine super Tradition! *-*

Ich liebe es, das Neugier und der Erwartung für den Heiligesnacht mit die “Countdown” ist super!

Meine Gastmutter hat eine Adventskalender für mich gekauft, denn ich kann es zuruck nach Brasilien mitbringen und ich finde das ganz süss! *-*

Adventskalender

Weihnachten ist ganz wichtig für mich, und auch wenn ich weit von meine Familie bin, Deutschland ist eine super Lokalität für in diese Fest sein! =D

Nächster Post

Hallo ihr Lieben,

ich werde (es ist schon längst Zeit gewesen!), bald einen neuen Post schreiben. Ich schreib den noch nicht jetzt, weil ich glaub dass es vielleicht ein bisschen spannender ist, ein bisschen was vom dänischen Weihnachten zu lesen. Also bis bald,

Lilli 🙂