Jdeme dál!

=Wir fahren bzw. gehen weiter! – Das war einer meiner ersten in Tschechien gelernten Sätze – gelernt habe ich ihn bei einer unserer Fahrradtouren;), aber dazu später mehr. Jetzt bin ich schon fast eine Woche hier und es geht mir gut. Nach dreieinhalb Stunden Busfahrt (es gab freies W-LAN, ich hatte einen Fensterplatz und saß im Doppelstockbus oben;)) war ich in Prag am Hauptbahnhof angekommen, wo mich fünf YFU-Mitarbeiter empfingen. Wir haben dann zusammen die andere Deutsche, die ihr Auslandsjahr in Tschechien verbringt, am Bahnsteig abgeholt und dann wurden sie und ich in unsere nächsten Züge gesetzt. Ich bin mit einem meiner Meinung nach recht altem Zug weitergefahren, noch einmal eineinhalb Stunden alleine – voller Anspannung, Aufregung und auf jeden Fall viel zu vielen Gedanken. Als ich am richtigen Bahnhof angekommen war (vorher musste ich noch meinen großen Koffer durch den viel zu schmalen Gang bugsieren) und es mit Hilfe eines sehr netten Tschechen geschafft hatte, mit meinem Gepäck auszusteigen, erwartete meine Gastfamilie mich schon am Bahnsteig. Ich wurde herzlich begrüßt und wir sind erst einmal etwas essen gegangen. Danach waren es noch eineinhalb Stunden mit dem Auto zu meinem neuen Zuhause. Dort wurde ich noch einmal willkommen geheißen und habe sogar eine Torte (eine der vielen Verwandten, die, soweit ich weiß, fast alle in und um dieses kleine Dorf herum wohnen, arbeitet in einer Konditorei) bekommen:). Über meine Gastfamiliengeschenke wurde sich auch sehr gefreut, besonders über die Bayern München Fanartikel;). Meine Gastfamilie ist sehr nett und bemüht sich sehr, dass ich mich wohlfühle, was ihnen auch gelingt:). So ist es einfacher hier Vegetarierin zu sein, als ich dachte und als wir in der nächsten größeren Stadt Schulsachen einkaufen waren, sind wir sogar in ein vegetarisches Schnellrestaurant gegangen(!).

Aber jetzt mal zur Sprache – ich habe da so meine Probleme, Tschechisch ist einfach sehr anders als Deutsch, Englisch oder Französisch. Einige wichtige Verben kann ich jetzt schon mehr oder weniger sicher konjugieren und Nomen lerne ich langsam immer mehr, das wird bestimmt noch. Ich habe bei unserem oben erwähnten Stadtausflug jedenfalls zwei Kinderbücher gekauft: einmal ,,o perníkové chaloupce´´ (=Hänsel und Gretel) und ein Buch das übersetzt ungefähr ,, ich lerne sprechen´´ heißt. Das zweite enthält viele Bilder, Wörter und am Ende auch kleine Gedichte. Außerdem hilft mir ein Verwandter meiner Gastfamilie, der sehr gut Deutsch sprechen kann (, weil sein Vater Deutscher war), wenn ich irgendwelche Fragen zur Sprache oder anderem habe. Wir spielen auch viel Karten oder Brettspiele und Pavel (Gv (=Gastvater, mein Gastbruder Gb hat den gleichen Vornamen)) spielt mit mir hin und wieder Tennis oder Federball mit mir im echt großen Garten. Dabei habe ich jetzt schon einige Wörter dazugelernt, wie die Farben beim Kartenspiel. Außerdem haben wir so zielich überall Klebezettel mit den Wörtern auf Deutsch (meine Gastfamilie ist sehr interessiert daran, deutsch zu lernen) und natürlich auf Tschechisch.

Die Natur hier ist sehr schön, ich wohne im Norden und echt ziemlich auf dem Land. Die Rehe leben hier schon fast im Garten und gleich um die Ecke nisten Störche. Wir sind schon viel mit dem Fahrrad herumgefahren (s. Überschrift) und mir wurde die Umgebung gezeigt – die polnische Grenze, die nur zwei Kilometer entfernt ist, bemerkt man fast gar nicht, wenn man sie überquert und mittlerweile kenne ich mich schon mehr oder weniger gut aus.

Die Schule beginnt hier am ersten September und ich werde eine Klasse über die von Anežka gehen, obwohl wir fast gleichalt sind. Ich freue mich auf die Schule, bin aber vor allem aufgeregt, hoffentlich ist meine Klasse nett;).

Ich glaube, dass ich mich noch sehr gut einleben, ich bin schon gut dabei, habe aber schon manchmal Heimweh. Ich glaube das ist normal und nach zwei, drei Monaten wird bestimmt und hoffentlich alles einfacher, weil ich mich dann besser verständigen kann. Ich freue mich auf die nächste Zeit und auf alles, was ich erleben werde und ich werde mich nach meinen ersten Schultagen und der post arrival orientation wieder melden.

Ahoj, Natalie

Es war einmal in 543 Jahren…

สวัสดีค่ะทุกคน

Ja, ihr habt richtig gelesen – es war einmal IN 543 Jahren (ganz so schlecht ist meine Ausdrucksweise im Hinblick auf Grammatik dann doch noch nicht ^^). Mein Bericht fuer den August, auf Thailaendisch สิงหาคม, ist ein Bericht aus der Zukunft. Gut, das waren die beiden Vorhergehenden theoretisch auch, doch lasst mich erklaeren: In Thailand ist die am weitesten verbreitete Religion der Buddhismus. Der hat wie das Christentum ja auch seine eigene Zeitrechnung (kurz BE von Buddhist Era) – aber die startet 543 Jahre vor der unsrigen und gilt in Thailand. Das Jahr AD 2014 entspricht also dem Jahr 2557 BE.

In diesem Monat ist wieder so unglaublich viel passiert, dass ich euch wieder nur von ein paar Highlights erzaehlen kann. Es sind oft die normalsten Kleinigkeiten, die die groessten Gefuehlsregungen hervorrufen, im positiven wie auch im negativen Sinne. Oftmals ist der Alltag hier schon sehr vertraut und manches geht einem mit einer ueberraschenden Selbstverstaendlichkeit von der Hand, manchmal ist etwas verwirrend, manchmal schraeg, skurril, erschreckend oder grotesk, aber auch wunderschoene oder furchtbar lustige Erlebnisse zeichnen meine Tage und Wochen in เมืองไทย.

In thailaendischen Schulen gibt es jedes Jahr den sogenannten Color Sports Day, also eine Art Sportfest. Zu diesem Anlass teilt sich die Schule auf mehrere Farben auf, in unserem Fall waren es vier Teams (blau – สีฟ้า, gruen – สีเขียว, lila – สีม่วง und orange – ลีแสด). Im Vorfeld bereiten die Farben einiges vor (unter anderem designen sie T-Shirts, die dann tatsaechlich professionell bedruckt/bemalt werden [wie sagt man dazu?!]), natuerlich trainieren die Sportler, aber wer nicht bei den Wettkaempfen mitmacht, kann cheerleaden oder sich an den dekorativen Taetigkeiten beteiligen. Das Ganze wird ueberwacht und gemanagt von den m6lern, also der Oberstufe. Ich war bisschen Maedchen fuer alles, hab mal den m6lern mit den Cheerleadern geholfen, hab Dekoration gebastelt, mit den Cheerleadern aus m4 und m5 den Farbsong geuebt, was auch gerade so anstand. In der Woche vor dem Sportday traf man sich innerhalb der Farben nach der Schule immer an einem bestimmten Ort, um Dinge zu organisieren oder eben zu ueben. Zu diesem Zwecke verkuerzte die Schule jede Stunde um zehn Minuten, sodass um 14:30 statt um 16:00 Unterrichtsschluss war, und danach hatten die Farben genug Zeit.

Am Tag vor dem Sportday waren unsere Adjaans wohl ขี้เกียจสอน, denn der komplette Unterricht fiel aus. Diese Gelegenheit nutzte einer meiner Thailehrer und ein paar andere Lehrer, um mit mir thailaendisch zu kochen. Im Lehrerzimmer schnippelten wir Obst, crushten Erdnuesse, frittierten Ei, brieten Huhn, machten Somdtam und gruenes Curry, andere Beilagen deren Namen ich nicht behalten konnte und verbrachten den gesamten Vormittag mit Mittagessen kochen. Als eine Art Appetizer brieten wir in sowas wie einem Kocher, dessen Temperaturregler kaputt war, zwei Scheiben Toast, was sich als recht schwierig erwies, da man jederzeit damit rechnen musste, dass einem der Toast ankokelte, aber wir hatten das (dank der Erfahrung der Lehrer im Umgang mit dieser Geraetschaft) ganz gut drauf. Wir wollten dann noch eine Art suesse, dickfluessige Kondensmilch draufschmieren, und waehrend wir danach suchten, machte sich eine Lehrerin an unserem Toast zu schaffen. Die Schere in ihrer Hand legte nahe, dass sie eine dieser unmoeglich aufzureissenden Plastikverpackungen in die Knie zwingen wollte, doch stattdessen setzte sie dazu an, den Toast in mundgerechte Stuecke zu schnipseln. So sehr ich ihre Bemuehungen auch zu schaetzen wusste, die fremde Kultur und das “nichtfalschnichtlustigblossanders” im Kopf zu behalten versuchte – das zog irgendendeinen Stoepsel in mir und das Lachen sprudelte mehrere Minuten lang (!) voellig ungehemmt aus mir heraus. Wer haette gedacht, dass sich der Kochkurs in eine Runde Bauchmuskeltraining verwandeln wuerde. Erst nach einiger Zeit hatte ich mich wieder halbwegs im Griff und konnte den ein wenig verdatterten (oder schlichtweg grinsenden) Adjaans den Grund fuer meinen ploetzlichen Gefuehlsausbruch erlaeutern – was zu Gelaechter ihrerseits fuehrte.
Nach der “Schule” wurde ich ein bisschen spontan zu den Spasscheerleadern meiner m6-Klasse dazugeschleust, weil ich bei keinem Wettkampf mehr mitmachen konnte – die Teams standen schon fest und ich war weng zu spaet dran. Diese “Zweitcheerleader” existierten neben den “regulaeren” Cheerleadern und waren eine kleine Vereinigung bisschen verrueckter Klassenkameradinnen, die einen fuerchterlich wilden Tanz einstudierten und sich aufgrund dessen Laenge selbst nur die Haelfte merken konnten. Ich durfte bei der letzten Probe mitmachen, was sehr viel Spass gemacht hat und uns einige belustigte Blicke vorbeikommender Schueler einbrachte (wir uebten draussen vor dem m6-Gebaeude).

Der Sportday selbst erstreckte sich ueber zwei Tage statt einem, wie die Bezeichnung vermuten liesse. Tag 1 – ein Donnerstag – bestand fuer uns Extracheerleader erst mal aus Dressup. Jemand hatte einfarbige Pluderhosen auftreiben koennen, man flocht sich gegenseitig exzentrische Frisuren und verpasste sich noch exzentrischeres Makeup, band sich Stoffstreifen um die Handgelenke, die beim Tanzen wunderschoen flatterten – und machte sich auf zum Swimmingpool, um die dort stattfinden Wettkaempfe mit seiner Anwesenheit zu bereichern. Gemeinsam mit den Trommlern sorgten wir fuer die noetige Stimmung – was in der prallen Sonne eine Herausforderung war, sowohl fuer uns als auch fuer die Schminke. Die Tribuenen standen eindeutig im falschen Winkel, das war tatsaechlich sonnenklar. Was den Tanz angeht endete das Ganze hauptsaechlich in unkoordiniertem Gefuchtle und zahllosen Lachanfaellen 😉 Zwischendurch hatten wir dann aber auch Pause und konnten ungestoert den Schwimmern zusehen. Es gab keine Leinen im Wasser, um die Bahnen voneinander abzugrenzen, und deswegen geschah es recht oft, dass ein Schwimmer mit einem anderen kollidierte, gerade beim Rueckenschwimmen. Zudem waren die Bademeister erschreckend haeufig im Einsatz, in manchen Laeufen sogar mehrfach. Ob es an der Hitze lag oder an etwas anderem, weiss ich nicht, aber es war sehr seltsam fuer das, was man so von Deutschland gewoehnt war. Am Abend dieses doch sehr sportlichen Tages ging ich frueh schlafen, da es mir bereits vor Freitag grauste – ich hatte um vier Uhr morgens einen “Termin” beim Kostuemshop. Denn auch am Sportday sollte wieder eine Prozession stattfinden. Ich hatte jedoch Glueck, denn als ich in aller Herrgottsfruehe am Kostuemshop antanzte, warteten (bzw. doesten oder schliefen) dort bereits einige andere von สีแสด, die schon zwei Stunden vor mir hatten da sein muessen. Ich hatte ja schon fast damit gerechnet gehabt, wieder eine flattrige Hose zu bekommen, aber stattdessen wickelte man mich in eines dieser Thaikleider – mitsamt der zugehoerigen Kopfbedeckung (die schwerer war, als sie den Anschein machte). Knappe zweieinhalb Stunden spaeter wurden wir zur Schule kutschiert, bekamen alle moeglichen Schilder, Fahnen und Zeremonienstoecke ueberreicht und los ging die Prozession in Richtung Sporthalle – in vier geordneten Pulks, fein nach Farben sortiert. Das begleitende Blitzlichtgewitter verstand sich beinah schon von selbst ^^, als wir ins Stadion einmarschierten und dort den Schulsong sowie die Nationalhymne sangen. Was laenger dauerte als erwartet, denn viele Lehrer hatten offenbar einiges zu sagen. Bis wir dann entlassen wurden, war es neun Uhr und allesamt sehr hungrig. Um dem abzuhelfen, fand sich die Cheerleadertruppe im Klassenzimmer ein, fruehstueckte ausgiebig Klebreis mit Beilagen, befreite sich vom Prozessionsmakeup und verschnoerkelte sich mit neuen Ornamenten. Oder Grausligkeiten. Am Freitag entschieden wir uns fuer Letzteres, denn wir hatten Mullbinden entdeckt und konnten so die eine in eine Mumie verwandeln, eine andere in einen Zombie – und wir erschufen noch weitere Kreaturen. Fertig aufgehuebscht kehrten wir zurueck ins Stadion, feuerten die Laeufer an und folgten anschliessend dem Menschenstrom in die Sporthalle, wo weitere Wettkaempfe stattfanden – diesmal eher lustiger Natur. Neben Tauziehen spielte man beispielsweise eine Art Hindernislauf, be idem man unterwegs ein mehrteiliges Superheldenkostuem anzulegen hatte und dann getragen von Farbkollegen ins Ziel “flog”. Oder Topfschlagen, oder etwas, das entfernt an Golf erinnerte: Die Teilnehmer bekamen eine Gurke um die Huefte gebunden, die an einem Stueck Seil baumelte, und nur damit musste man einen Tennisball durch die halbe Halle bugsieren. Als die Massen von diesen Spielen abgelenkt waren, zogen sich ein paar der m6ler der verschiedenen Farben erneut um, und tauchten schliesslich in schillernden Outfits wieder auf. Denn nun folgte die Cheerleader-Competition, von der ich bislang nichts gewusst hatte. Jede Farbe hatte Superspezialcheerleader, die eine richtige Show einstudiert hatten, mit Faechern, Nebelmaschine, richtiger Tanzchoreographie und Hebefiguren. Jeder einzelne Auftritt hatte etwas schwer Beeindruckendes – ich haette keinen Sieger kueren koennen. Aber die Entscheidung hatten uns ja eh die Sportlehrer abgenommen ^^ Waehrend die Jury sich ihr Urteil bilden konnten, wurden die Sieger der uebrigen Wettbewerbe verlesen, und mir fiel auf, dass dabei die Reihenfolge anders herum gehalten wurde als in Deutschland. Wo wir Wert auf Spannung legen und uns vom letzten Platz zum ersten hocharbeiten, kam hier der erste Platz stets auch zuerst aufs Podium. Ganz zum Schluss, mit dem prunkvollsten Pokal, kam das Cheerleaden. Lang hinausgezoegert, aber als verkuendet wurde, สีแสด haette in dieser Kategorie gewonnen, kochte unser Viertel der Halle foermlich. Man tanzte, man klatschte, man schrie, man feierte, dafuer hatten sie alle hart gearbeitet und keine Muehen gescheut. Dieser Sportday klang in einer wunderbaren Atmosphaere aus und ich bin sicher, dass ich das lang in Erinnerung behalten werde.

Wenige Wochen spaeter stand dann das naechste Ereignis vor der Tuer, aber das war eher auf privater Ebene: der Geburtstag der Koenigin. Gut, was hat das jetzt mit Privat zu tun. Hatte ich mich auch erst gefragt. Aber in Thailand sind die Geburtstage von Koenigin und Koenig von aeusserster Wichtigkeit und Mutter- und Vatertag richten sich nach diesen Geburtstagen. Da in Thailand der Respekt vor Aelteren, insbesondere den Eltern, um einiges groesser geschrieben wird als in Deutschland, werden diese Feiertage auch entsprechend zelebriert. Die Schule wurde mit vielen blauen Fahnen geschmueckt (da blau neben der Jasminblume das Symbol des Muttertags ist), es gab eine Zeremonie zu Ehren der Koenigin und des Muttertags, wir Schuelerinnen und Schueler bastelten Karten fuer unsere คุณแม่s und kauften Anstecknadeln mit Jasminblumen. Am Muttertag selbst (hatten wir Schulfrei ^^) ueberreichte man die Karte, untermalt von einem Wai, und wuenschte einen สุขสันต์วันแม่. Manche Familien unternahmen etwas groesseres, fuhren ueber mehrere Tage weg, da wir langes Wochenende inklusive Brueckentag bekommen hatten, viele gingen essen, und wieder andere blieben einfach nur zu Hause, liessen es sich gut gehen und genossen die Gelegenheit, faul sein zu duerfen.

Boah, das war viel. Und nur ein Bruchteil von alldem, was hier alles los war. Ich bin mir sicher, anderen Austauschschuelern, egal wo auf der Welt sie ihr Gastland haben, geht es wie mir: ein neues Land, eine neue Kultur, alles neu. Auch nach zwei Monaten (eine vergleichbar kurze Zeit, aber trotzdem). Eine unglaubliche Flut an Informationen. Desoefteren hat man wirklich das Gefuehl, der Kopf wuerde platzen (gerade wenn man beispielsweise kurz davor ist, zu verstehen, was der Lehrer da redet, den Faden dann doch wieder verliert und unter Anstrengung versucht, ihn wieder zu finden ^^).

Vielen Dank fuer eure Aufmerksamkeit und Ausdauer xD Macht es alle gut.

Lea

Cheerleaders Etwas abgespacter Teil des Orange-Staff-Teams Cheerleading-Wettbewerb

Mein 1. Monat

Hej,

da bin ich, es tut mir, leid, ich hatte versprochen mich eine Woche später zu melden, aber es kam nichts… Dafür schreibe ich jetzt. Und falls ihr regelmäßiger Posts lesen wollt schaut auf meinem eigenen Blog, da schreibe ich jedoch mehr für Familie und Freunde. hyggeligesjahr.blogspot.com

Also ich hatte nach meiner Ankunft ja noch gut zwei Wochen zum ankommen und ausruhen, dann ging am q4. August an. Das war schon seltsam als ich in der Schule stand und wirklich niemanden außer der Internationalkoordinatorin kannte. So richtig lief das mit dem Dänisch auch noch nicht. Schüler aus dem Jahrgang über uns, jeweils drei pro Klasse (sieben Klassen in meinem Jahrgang), waren als Engel verkleidet und haben uns zu unseren Klassenräumen gebracht. Dort hat dann auch unsere Klassenleaderin Kate gewartet. Es ist wirklich ungewohnt die Lehrer und alle zu dutzen und vorallem mit Vornamen azusprechen, aber ich mag diese lockere Art. Donnerstag und Freitag bestanden eigentlich nur aus Kennenlernspielen und ein bisschen Infosachen, ansonsten ging es erstmal darum eine Klassengemeinschaft aufzubauen (ich errinere mich, dass Jasmina als sie in Dänemark auch von der unglaublich starken Klassengemeinschaft berichtet hat), und nach dieser kurzen Zeit nun ist der Zusammenhalt so groß, es werden wirklich alle mit größtem Respekt behandelt und alle werden miteinbezogen. Das finde ich unglaublich toll und aht es für mich auch leichter gemacht mir in dieser Gruppe einen Platz zu suchen. Durch ein “Makkerskabsgruppen-System” hat jeder einen Makker, also Partner, man sitzt nebeneinander und macht Partnerarbeiten zusammen. Ebenfalls perfekt für mich, so habe ich eine Ansprechpersin und in meinem Fall auch unglaublich nette Person zugeteilt bekommen 🙂 Ich habe mich am Anfang also den ersten Tagen den Leuten einfach an die Fersn gehängt und mich mit ihnen unterhalten. Sie fragen mich jetzt immer ob ich mitkommen will, wenn sie irgendwo hingehen, wir essen Mittag gemeinsam und wir haben uns schon verabredet (ich habe mich so extrem gefreut, als sie mich gefragt haben ob ich auch kommen will -> meine erste Verabredung!!!). Mit dem Dänisch klappt es auch mittlerweile echt gut, meine Gastfamilie und ich haben ja auch alles mit Post-its zu geballert und ich habe ein paar Kinderbücher übersetzt. Das war echt gut, so habe ich ziemlich viele neue Wörter gelernt!! Ich verstehe jetzt fast alles, außer es spricht jemand extrem schnell und verschluckt dabei Wörter, dann ist es ziemlich schwer für mich… Reden wird jeden Tag besser und ich kann mittlerweile relativ viel ausdrücken und mich auch richtig unterhalten. natürlich brauche ich ein geduldiges Gegenüber was mir hilft die Worte zu finden und mich korrigieren kann 🙂 Aber ich spreche wirklich kein Englisch mehr, das macht mich total stolz, weil das so schnell ging! Meine Schule veranstaltet jedes Jahr ein großes Musical (irgendwie amerikanisch finde ich), aus meiner Klasse macht keiner mit, aber ich werde mit bei den Kostümen arbeiten, da freue ich mich total drauf und ich glaube es ist toll Leute außerhalb meiner Klasse in der Schule zu kennen. Achj, wir spielen Grease und wer jetzt denkt, dass eine Bühne in die Turnhalle gestellt wird, haha nein, meine Schule hat ein riesiges Theater mit roten Samtsitzen, fetter Lichtanlage und so. Cool oder? Am Freitag war Idrætsdag, also wörtlich übersetzt Sporttag, es war aber mehr so Spaßtag, alle Klassen des ersten Jahrgangs verkleidet zu einem selbstgewählten Thema (meine Klasse war Kindergeburtstag, alle Mädchen hatten ein Hannah Montana T-Shirt an!). Es waren auch die “Engel” von den ersten tagen da und haben die Spiele geleitet. Dann hat man so Quatschaktivitäten wie Pyramide bauen, Wörter mit dem Hintern schreiben und erraten gespielt. das war super lustig, ich verlinke euch am Ende des Posts auch ein YouTube Video davon!! Danach saßen alle zusammen an einem kleinen See und habne den Tga ausklingen lassen. Eine meiner Klassenkamerade meinte ich würde damit echte dänische Kultur kennenlernen. Es war echt super gemütlich und nett und ich wurde ganz vielen Freunden meiner Klassenkameraden vorgestellt. Und ganz nach einer Tradition musste der Putter-König. Ich glaube Putter heißt Kuscheln, auf jeden Fall wurde mit dem Titel der ‘Held’ des Tages geehrt, in diesem See, also eher Tümpel schwimmen. Seine Klasse hatte das Theam Feen und Prinzessinen, er im gelben Prinzessinenkleid stürzt sich ins Wasser, da raunt mir nur jemand zu, dass das Wasser extrem schlammig sei. Ja, als er aufstand war das Kleid nicht mehr gelb es war komplett schwarz! Um den tag mit den Worten meiner Klasse zusammen zu fassen: Es war hyggeligt!

So, jetzt habe ich viel zu viel geschrieben und wer es bis hier gelesen hat, wow! Danke! Dafür kommt hier jetzt das Video,

lasst es euch gut gehen ich meld mich hoffentlich bald,

Lilli

P.S. Gestern vor einem Monat ist mein Zug und der Bus gefahren… das ging ganz schön schnell um… naja auf die nächsten zehn! Achja, und tut mir leid wenn alles voll mit Fehlerchen ist, ich werde die 800 Wörter nicht nochmal durchgehen, nehmt es mir nicht übel!

 

Angekommen

Endlich bin auch ich im Ausland angekommen. Nach unglaublichen zwei Tagen Flug landeten wir endlich in Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Doch nun erstmal von vorne.

Am Mittwoch als es endlich losgehen sollte ging so gut wie alles schief. Alles fing damit an, dass unser Flug von Hamburg nach Frankfurt gestrichen wurde und wir kurzfristig umbuchen mussten auf einen späteren Flug. In Frankfurt dann ging es in den Flieger nach Miami. Doch als wir in Miami landen sollten zog ein Sturm auf und wir mussten gefühlte 200 Runden über dem Meer drehen und dann in Orlando, tanken, um nach Miami zu fliegen. Da alle guten Dinge drei sind haben wir dadurch natürlich unseren Flug nach Quito verpasst und mussten somit ganze 24 Stunden am Miami Flughafen verbringen. Dort auf dem Boden auf unseren Klamotten und Koffern schlafen und frieren.

Doch nun bin ich endlich da! In Ecuador, meiner Heimat für die nächsten zehn Monate. Die drei Tage Vorbereitung, die sehr amüsant waren, habe ich hinter mir gelassen und seit heute bin ich in meiner Gastfamilie in der kleinen Stadt Latacunga, 90km südlich von Quito entfernt.

Mit dem Bus fuhren wir morgens um 8:30 Uhr los in Richtung Abenteuer Auslandsjahr! Nach circa 1,5 Stunden Fahrt hielten wir an einer Tankstelle und der Busfahrer stellte sich hin und sagte “Latacunga”. Ich spürte, wie sich die Anspannung in mir immer weiter ausbreitete, wie die Nervosität mir ins Gesicht geschrieben war und wie schwitzig meine Hände wurden. Ich stieg aus, nahm meinem Koffer, drehte mich um und sah meine beiden Gastschwestern gegenüber von mir. Ich schloss sie in meine Arme und merkte wie mein Grinsen immer breiter wurde. Ich war endlich angekommen. Wir fuhren nach Hause, wo ich meine Gastmutter kennengelernt habe, zum Frisör, holten uns dann frisches Obst mit Joghurt und fuhren wieder nach Hause und aßen Mittag, mit der Frau meines Gastbruders, den drei kleinen Kindern, meiner Gastmutter und meiner jüngsten Gastschwester. Danach hatte ich erstmal zeit für mich. Ich konnte meiner Familie schreiben, meinen Koffer auspacken und mein Zimmer, mit Blick auf die Mall, einrichten. Nachdem meine Gastschwester Verónica und ich kurz ein paar Erledigungen erledigt haben und alle ihre Gummibärchen aufgemacht hatten, fuhren wir in ein Restaurant um etwas zu essen.

Die Tür des Restaurants bestand aus transparenten Vorhängen und wenn man reinging stand man in einem kleinen Raum mit Tischen und Holzbänken quer durch den Raum verteilt. Rechts neben den Eingang stand ein riesiger Kaminofen und gegenüber, auf der linken Seite, konnte man Getränke kaufen. Wir setzten uns hin und bestellten. Nebenbei lief Fußball im Fernsehen, der an der Wand ging. Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen. Deutsche Bundesliga. Ein kleines Stück Deutschland in Ecuador.

Den Rest des Abends verbrachten wir mit einem großen Teil der Familie. Ich muss sagen, ich könnte mir keine bessere Gastfamilie wünschen. Ich hätte nie gedacht dass ich am ersten Tag so viel lachen und reden würde und mich so schnell einleben würde obwohl ich die Sprache kaum verstehe. Für mich ist das hier jetzt schon mein zweites zuhause und ich bin unglaublich gespannt, was ich hier alles so erleben werde. Die Eindrücke, die ich in den ersten Tagen bis jetzt gesammelt habe sind unglaublich. Ecuador ist jetzt schon eines der schönsten Länder die ich jemals gesehen habe.

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Wenn sich die eine Türe schließt, dann öffnet sich eine neue!

Nur noch 10 Tage, dann werde ich in Frankfurt in das Flugzeug steigen und damit meine Heimat, meine Familie und meine Freunde zurücklassen. Doch seit Samstag fällt mir dieser Gedanke nicht mehr so schwer, denn ich weiß, dass die Zeit danach wundervoll werden wird. Der Lichtblick am Ende des dunklen Tunnels kam durch einen unerwarteten Anruf aus der YFU Geschäftsstelle mit der Botschaft einer Gastfamilie für mich. Doch das war nicht die größte Überraschung, sondern die Umstände der Gastfamilie selber. Eingeteilt für den Heartland District konnte ich es nicht fassen, als man mir erzählte, dass ich in einem kleinen Dorf in Virginia, ca. 1,5 Stunden von Washington D.C. leben soll. Als man mir dann auch noch sagte, dass ich eine Privatschule besuchen darf und ich eine Gastschwester in meinem Alter haben werde, war ich total aus dem Häuschen.

Die überschwängliche Vorfreude hat sich nun etwas gelegt, denn die letzte Zeit ist geprägt von Stress, Anspannung, und Tränen. Doch wie meine Überschrift schon lautet, gehört auch das Abschiednehmen zu einem Austauschjahr. Das wird nicht leicht werden, aber ich kann sagen, dass ich mich darauf freue. Mein Austauschjahr ist eine riesige Chance, das mich und mein Leben für immer verändern und prägen wird. Möge das Abenteuer beginnen und die große weite Welt, eine andere Kultur und wunderbare Menschen von mir entdeckt werden…

Ich glaube, das ist vorerst mal alles Interessante und nun mach ich mich mal wieder an meine Vorbereitung …
Eure Cora 😉

Weiter Infos findet ihr unter meinem Blog: www.corazi.wordpress.com oder unter Instagram: Cora3131