Von der WM, einer Eierschlacht & Lepo Lepo

Hallo ihr Lieben,

es ist schon wieder einen Monat her,dass ich mich gemeldet habe und da dachte ich mir,dass es doch ganz schön wäre euch mal wieder ein paar Sachen zu erzählen 🙂

Fangen wir bei meiner neuen Klasse an : Am Anfang war es wirklich komisch, da ich wirklich niemanden kannte und außer den Lehrern kaum jemand mit mir gesprochen hat,wieso auch immer, aber ich habe mich dann einfach mit an eine Gruppe drangehangen & das sind jetzt auch meine Freunde in der neuen Klasse. So etwas ist ganz wichtig, sich so schnell es geht Anschluss zu suchen (besonders leicht,wenn es Schuljahresanfang ist). Normalerweise gehen viele Brasilianer auf einen zu, aber es kann halt auch so der Fall sein wie hier bei mir. Das komplette Gegenteil war ein Mädchen namens Fernanda. Letzte Woche Freitag hatten wir nur 5 Stunden & danach so etwas wie “Sport”, aber das ist mehr oder weniger freiwillig und ich habe mich dann halt mit Freunden an einen Tisch gesetzt und wir haben uns unterhalten und dann kam ein Mädchen “Hallo,ich heiße Fernanda,wie heißt du?” – “Marie-Louise”- “Und woher kommst du?” – “Aus Deutschland” – “Aaah wie cool, du bist ab jetzt meine Freundin okay? Denk dran,ich heiße Fernanda. Alles klar ich muss los,tschüss” und ich dachte mir nur so okaaay? Was war das denn jetzt haha. Eine anderes Mal in der Schule wurde ich gefragt, ob das Wasser in Deutschland gut ist, ob ich weiß was ein Ei ist und ob wir in Deutschland Eier essen 😀 Ich musste mich ja wirklich zusammenreißen,dass ich nicht lauthals loslache,aber okay. Unsere Chemielehrerin lobt mich oft,dass ich so schön mitmache & unser Bio Lehrer versucht auch oft so mithilfe von mir den Vergleich zu Deutschland herzustellen (also Vegetation,Tiere usw) und das finde ich echt cool, dass sie mich da nicht total außen vor lassen. Unsere letzte Literaturstunde war auch total genial, es war eine Doppelstunde und die Schüler wurden in verschiedene Gruppen mit Themen aufgeteilt und jede Gruppe hat etwas musikalisches gemacht & es war so eine mega gute Stimmung und zum Schluss hat sogar unser Lehrer dann vor allen Leuten “Lepo Lepo” getanzt haha. Hört euch das Lied mal auf YouTube an,dann wisst ihr Bescheid.

Außerdem durfte ich noch eine andere Tradition von Brasilien erfahren: Das Eierwerfen. Hier ist es tatsächlich üblich, dass du wenn du Geburtstag hast damit rechnen musst,dass deine Freunde Eier kaufen,diese mit in die Schule bringen & du damit abgeworfen wirst bzw auf deinem Kopf ein “Kuchen” damit gemacht wird. Aiaiai,da war was los sag ich euch 😀 Eine andere Sache zur Schule: Man darf in der Schule sein Handy laden,wann man möchte & manchmal benutzen es die Schüler, um ein Buch im Internet oder so zu lesen,was gerade im Unterricht besprochen wird. Einige Tests dürfen zusammen geschrieben werden, was ich ja echt cool finde,aber das sind dann halt meistens eher so Unterrichtsaufgaben die bewertet werten,aber davon gibt es viele.

Dann noch ein ganz ganz anderes Thema, was ich vorher hier noch nie angesprochen habe : Beziehungspartner. Ich habe mich letztens mit einem Kumpel über meinen Freund in Deutschland unterhalten (Ja, wir haben uns auf die Fernbeziehung eingelassen und es läuft super!) und sind dabei auf das Thema übernachten gekommen. Für uns in Deutschland ist es ja mehr oder weniger normal,bei seinem Partner zu sein und dann (falls es die Eltern erlauben) auch mal dort schlafen,oder einfach einen Film zusammen zu schauen oder so, aber hier ist es teilweise nicht einmal möglich zusammen mit einem Kumpel einen Film zuschauen und dabei die Tür zuzuhaben. Er hat mir erzäht,dass eine Freundin bei ihm war und sie wirklich nur ganz normal einen Film schauen wollten und er hat halt aus Gewonheit die Tür zu gemacht und nach ein paar Minuten hat ihm sein Dad eine SMS geschrieben,dass er mal bitte rauskommen soll,damit die Beiden reden und er solle doch bitte die Tür offen lassen und solche Sachen. Ich meine Kontrolle ist gut, aber irgendwie muss man seinem Kind doch auch irgendwann Freiraum geben. Dennoch sind natürlich nicht alle Eltern so, aber wenn ihr einfach mal so bei nem Kumpel übernachten wollt,könnte das ein Problem sein. Was hier aber auch Standart ist, ist die Tatsache,dass viele viele Kinder,die inzwischen schon Erwachsene sind,bei ihren Eltern wohnen bleiben und da wird hier niemand als “Muttersöhnchen” abgestempelt,denn hier ist das einfach ein Zeichen von Familienzusammengehörigkeit und absolut normal. So fragt meine 21 jährige Schwester auch manchmal immer noch ihre Mum, ob sie bei ihrem Freund schlafen darf oder andere allgemeine Sachen.

Mein letzter Punkt heute: die WM. Wie ihr sicherlich vor einiger Zeit mitbekommen habt, gab es einige Unstimmigkeiten und Unruhen aufgrund der WM, da die Brasilianer einfach (völlig zu Recht) der Meinung sind,dass das unendlich viele Geld,welches für die Stadien ausgegeben wird, viel mehr in der Gesundheit und in anderen Bereichen gebraucht wird. Es hat sich mehr oder weniger gelegt,aber ich bin mir ziemlich sicher,dass es in naher Zukunft und besonders zu Beginn der WM noch etliche Demos geben wird. Ich zu meinem Teil hoffe, dass man das alles relativ gut lösen kann und Brasilien nicht völlig im Chaos versinkt. Ich wohne ja nicht ganz so nah an einem Stadion, aber es wird sicherlich bald soweit kommen,dass besonders in den Städten wo die Spiele stattfinden die Preise unendlich ansteigen und ja.. trotz dieser Tatsache freuen sich natürlich sämtliche Brasilianer auf die WM und können es kaum erwarten,dass es endlich losgeht. 🙂 Deutschland ist übrigens einer der Favoriten hier (Brasilien natürlich auch) und sie sind der Meinung,dass wir Deutschen und wir Brasilianer es ziemlich weit schaffen werden.

Meine Gastmama hat jetzt übrigens die Tickets für Rio de Janeiro gekauft und wir fliegen vom 29.04 – 05.05 und ich freue mich riesig drauf, besonders weil kurz vorher auch mein Geburtstag ist und ich noch ein letztes Paket von meinen Eltern bekomme,wuhu! Apropros letztes Paket.. meine Endzeit ist angebrochen 🙁 Es sind nur noch weniger als 100 Tage, das ist doch unmöglich. Es ist sehr sehr schwierig das zu realisieren und sich vor Augen zu halten,aber ich werde auf jeden Fall versuchen die Zeit hier so gut es geht noch zu genießen.

Reisen, Geburtstagsfeier und Track

In den letzten zwei Monaten habe ich ganz schön viel Neues erlebt. Ich war in zwei anderen US-Staaten, hatte eine amerikanische Geburtstagsfeier und habe angefangen einen neuen Sport auszuprobieren. So, das war die Kurzzusammenfassung und jetzt mal ein wenig ausführlicher.

Mitte Februar ging es mit meiner Gastfamilie über die Winterferien nach Kalifornien. Zuerst waren wir für drei Nächte in Death Valley und dann ging es für weitere vier Nächte nach Palm Springs. Es war schön mal für eine Woche aus dem kühlen und regnerischen Wetter raus und die Wärme zu kommen. Wir sind seehr viel gewandert und haben die Sonnenstrahlen genossen.

Zwei Wochen später ging es für mich dann nach Oahu, Hawaii! Diese Woche habe ich zusammen mit ca. 50 anderen YFU-Austauschschülern aus der ganzen Welt verbracht. Das war auf jeden Fall noch einmal ein Höhepunkt meines Auslandsjahres und ich bin sehr froh, dass ich mich dazu entschlossen habe mich für die Reise anzumelden. Es war ein tolles Programm, wir alle haben neue Freundschaften geknüpft und viel von der hawaiianischen Kultur kennengelernt.

Am ersten Tag ging es gleich los zum Surfen lernen und zu einer Katamaran Tour, bei der wir Wale und Seeschildkröten gesehen haben. Das Surfen hat allen viel Spaß gemacht, auch wenn ich es persönlich schwerer fand als gedacht. Nach einigen Malen des Herunterfallens war es dann einfach ein tolles Gefühl, wenn man endlich auf dem Surfboard stehen blieb.

In den nächsten Tagen waren wir auf einer Ananasplantage, an der Nordküste, im Polynesian Cultural Center, in Pearl Harbor, wandern auf einem Vulkankrater und shoppen im größten open-air shopping center der Welt. Mein persönliches Highlight war der letzte Tag, an dem wir schnorcheln in Hanauma Bay waren. Nachdem man sich erstmal an das etwas ungewohnte Atmen gewöhnt hatte, war es eine einzigartige Erfahrung! Wir haben hunderte Fische gesehen und wir hatten sogar Glück, denn eine Seeschildkröte hat unseren Weg gekreuzt. Wir sind ihr für gute zehn Minuten gefolgt, weil wir es einfach unglaublich interessant fanden.

Falls ihr genau wissen wollt, was wir so alles gemacht haben: http://hawaiiexpeditionmar1.blogspot.com/

Da haben wir jeden Tag über unsere Erlebnisse gebloggt.

Beim Abschied gab es dann schon ein paar Tränen, weil wir uns alle so gut verstanden, so viel Spaß und so eine gute Zeit zusammen hatten.

Nach Hawaii ging es los mit den Spring Sports. Ich habe mich schlussendlich dafür entschieden Track&Field auszuprobieren, Leichathletik, und das habe ich jetzt also jeden Tag nach der Schule. Das Team ist noch viel größer als das Schwimmteam (so um die 100 Leute), aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich es nicht so gern mag wie Schwimmen. Es macht aber trotzdem viel Spaß. Ich renne die Sprint Events und nächste Woche habe ich mein erstes Meet.

Letzten Sonntag hatte ich eine tolle amerikanische Geburtstagsfeier! Zum Frühstück gab es Pancakes und am Nachmittag sind zwei Freundinnen zu mir gekommen und wir sind Eislaufen gegangen. Zum Abendessen sind meine Gasteltern, meine Freundinnen und ich nach Seattle zur Cheesecake Factory gegangen. Die Cheesecake Factory ist eine ziemlich bekannte Restaurantkette in den USA und hat Burger, Pasta, Sandwiches und andere Hauptgerichte. Dann hat sie aber auch so um die 30 verschiedene Käsekuchen (daher der Name :D) und die sind einfach suuuper gut. In dem Restaurant sollte man auf jeden Fall mal gegessen haben (auch wenn man keinen Käsekuchen mag).

Vor zwei Tagen waren es noch 100 Tage bis zu meinem Abflug zurück nach Deutschland. Die letzten drei Monate sind angebrochen. Ende April haben wir unsere letzte Orientation, die uns auf den Abschied und das Wiedereinleben in Deutschland vorbereiten soll.

Bis dahin,

Sarah

CULTURAL EXCHANGE – eine unglaubliche Erfahrung

Hallo Zusammen,

zu erst einmal: mir geht es immer noch super gut und ich bin glücklich! Das einzige was mir total Angst macht ist, dass ich in knapp 100 Tagen schon wieder zurück in Deutschland sein werde. Aber bis dahin werde ich die Zeit noch richtig genießen und es gibt noch so viel zu erleben!
Ich habe  jetzt nach 7 Monaten BLOG schreiben auch endlich verstanden, wie man Bilder hinzufügt! Hahaha, oh WOW Lea und Technik! 🙂

Und jetzt zu dem relevanten Part:

Wie ich euch ja versprochen habe, werde ich in diesem Eintrag über den Culutral Exchange (und nur über den CE) schreiben, da es einfach eine Erfahrung war die , wie ich finde, es wert ist etwas ausführlicher zu beschreiben.
Vorweg möchte ich noch hinzufügen, dass ich von meinem CE berichten werde, wie ich die Dinge wahrgenommen habe und wie ich mich in den verschieden Situationen gefühlt habe, das ist natürlich kein objektiver Einblick.

Was ist der Cultural Exchange eigentlich?
Der Cultural Exchange ist ein freiwilliger YFU-Trip dem man hinzuwählen konnte. Wir mussten ungefähr 2000 Rand bezahlen (1 Euro sind ca. 14,5 Rand) und waren 26 Austauschschüler und drei Interns (ehemalige Austauschschüler, die für einen gewissen Zeitraum bei YFU- Mitarbeitere leben und für YFU arbeiten). Wir haben   für zwei Wochen in einem Township in einem ruleren Gebiet gelebt (das habe ich im Internet gefunden, als Erklärung für den Begriff Township: ”In Südafrika bezeichnet ein Township ein Gebiet, das früher ein Wohngebiet für ausschließlich Schwarze war. (…) In diesen Townships gibt es oftmals keine rechte Infrastruktur, d.h. sie bestehen hauptsächlich aus vielen kleineren Wohnhäusern, dann pro Gebiet einige Schulen und kleinere Läden.
Ehrlicherweise muss man zugeben, dass der Begriff Township natürlich sehr negativ behaftet ist, da in diesen Gebieten oftmals eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht und wie gesagt die Infrastruktur recht schlecht ist.”). Wir waren kleinere Gruppen bis zu fünf Personen in einem Gebiet und sind alle zusammen mit unseren Gastgeschwistern zur Schule gegangen (bzw. die Interns haben Unterricht gegeben oder im Büro gearbeitet). Der Sinn war es eine andere Kultur kennenzulernen, da sie Menschen in Townships viele Dinge sehr kulturell machen, da sie oftmals keine andere Möglichkeiten haben und einfach die Lebensweise zu sehen und einen neuen Blick auf die Dinge zubekommen ohne Vorurteile zu haben.

Mein Cultural Exchange
Mein ”Kultureller Austausch” hat eigentlich schon am Donnerstag nach der Schule angefangen, da die ersten anderen Austauschschüler aus Port Elizabeth und Cape Town schon mit dem Bus angereist waren, da wir Freitag früh morgens losfahren wollten. Im Laufe des Tages kamen mehr und mehr und am Ende hatten wir echt ein volles Haus, aber es war toll alle wiederzusehen und wie immer sind YFU-Treffen eine menge Spaß!
Am Abend habe ich dann auf den letzten Drücker noch schnell ein paar Klamotten zusammen gesucht (das mit dem letzten Drücker ist glaub ich einfach so ein südafrikanisches Ding). Bei der Auswahl der Kleidung hat YFU uns im vorhinein schon gesagt, keine super kurzen Sachen mitzunehemen, denn auch wenn es für Europäische Leute schwer vorstellbar ist, ist in der schwarzen Kultur das Knie wie bei uns die Brust, also ein absolutes NO-GO zu schauen.

Freitag Morgen sind wir gegen fünf Uhr losgefahren, nachdem alle hier waren und sich von ihren Familie verabschiedet haben. Wir sind auf dem weg nach Nelspruit (in Mpumalanga) haben wir Halt in Middelburg und Lydenburg gemacht um noch andere ATS abzuholen. Als wir nach ungefähr 8 Stunden in Nelspruit an einer Tankstelle ankamen, haben wir für ungefähr 1 Stunde gewartet uns verabschiedet und sind in verschieden Autos, bzw. wir in einem Minibus zu den verschieden Schulen gefahren. Da unsere Schule am weitesten weg war, kamen wir gegen 18 Uhr dort an. Es regnete in strömen und der Minibus ist auf dem Weg zweimal einfach stehen geblieben, also waren wir super happy endlich anzukommen, aber auch sehr nervös. Es hat mich an meinen ersten Tag in SA erinnert, noch total ohne irgendeine Idee was es heißt für ein Jahr in SA zu leben.
Wir haben unsere Gastfamilie in einem kleinen Büro getroffen, voll mit Menschen, wir wussten nur den Namen unsere Gastgeschwister, hatten aber kein Bild oder Info über die Familie. Das erste zusammen treffen und der Abschied und eigentlich während des gesamten CE war eins immer dabei: irgendein Gerät das Fotos nehmen kann, nicht eins sonder gefühlte 100! Der Regen ist in der schwarzen Kultur ein Segen, also waren alle sehr positiv gestimmt und nach einer halben Stunde sind wir zur Bushaltestelle gelaufen, wo wir eine Stunde gewartet haben, aber nachdem kein Bus gekommen in Sicht war, sind wir losgelaufen. Es war super matschig und ich war sehr glücklich. Meine Gastfamilie schien sehr nett, und es war echt sehr cool. Als wir ”zu Hause” angekommen sind, hat meine Gastschwester angefangen meinen Rucksack auszupacken, das war sehr komisch für mich, aber nach ein paar Tagen habe ich mich daran gewöhnt, dass Eigentum einfach immer ohne Fragen geteilt wird. Sharing is caring! Am Wochenende haben wir eingentlich kaum was gemacht. Samstag sind wir circa 1,5 Stunden zu einer anderen ATS gelaufen, die auf der anderen Seite des Hügels gelebt hat und hab auf dem Weg immer wieder Leute kennengelernt. Es war so viel auf einmal und manchmal habe ich mich unwohl gefühlt, besonders, weil viele der Männer betrunken waren und für mich sehr aufdringlich. Aber ich habe auch sehr viele liebe Menschen während meiner Zeit in Mbuzini (Name meines Townships) kennengelernt. Immer wieder habe ich kleine Präsente bekommen um auszudrücken, wie glücklich sie sind, dass wir weißen Menschen in ihrer Community sind. Besonders geehrt habe ich mich gefühlt, als ich eine Packung gegrillte Hühnerfüße und Hühnerköpfe bekommen habe, das habe ich mit Freude an meine Freunde die mit mir nach Hause laufen weitergegeben. 😉

Die Schule war sehr anders als meine südafrikanische und deutsche Schule. Der Unterricht sollte eigentlich in Englisch sein, da aber das Englisch Level von Schülern und Lehrern eher niedrig war, wurde immer öfter auf Siswati unterrichtet. Ich habe während meiner Zeit einige Wörter gelernt, aber diese wirklich coole Sprache ist zu vielseitig um in zwei Wochen zulernen, auch wenn alle irgendwie die Erwartung hatte, wir würden am 3. Tag fließend Siswati sprechen können. Anders war auch, dass die Lehrer die Schüler häufig sehr heftig geschlagen haben. Einmal mussten 15 Mädchen sich mit den Händen an der Wand hinstellen und der Lehrer hat einfach auf sie eingedroschen, ein Mädchen ist weinen zu Boden gegangen, aber er hat einfach weitergeschlagen. Ich kann sowas nicht verstehen, aber meine Gastschwester sagt, sie verstehe es. ”It’s the only way to get us quite!” Das sehe ich anders!!!

Die Kirche war auch eine riesen Erfahrung, am ersten Sonntag war ich in einer eher modernen Kirche, wir mussten lange Röcke und etwas das unsere Schultern bedeckt tragen und eine Band hat unglaublich laut gespielt und wir haben gesungen und getanzt. Ein sehr beeindruckender Zeitpunkt war, als gebeten wurde, denn das wird im Gegensatz zu Deutschland laut gemacht, jeder betet für sich, aber laut. Das ist ein Gewirr von Stimmen, im Hintergrund Musik und wenn man möchte kann man auch rumlaufen. Ich habe fanziniert zugesehen und dann musste ich mich noch der Kirche vorstellen, vor circa 150 Leuten, die alle freudige Geräusche gemacht haben, aber leider kein Englisch verstehen, meine Gastschwester Mabo hat auch versucht zu übersetzen und mit meinen paar Siswati Worten konnten wir uns am Ende auch verstehen.
”Sawubona, le kamalami Bunhle. Ngiabonga!!!” – Hallo mein Name ist Bunhle (mein Township Name, den meine Familie mir gegeben hat, er bedeutet Beauty). Danke!!!
Die 2. Kirche war sehr traditionell, in Uniform und mit viel traditionellem Tanz und Gesang, aber auch super cool!DSCN4232

Ich habe während meiner Zeit viel gelernt und bin sehr glücklich, dass ich diese Erfahrung machen konnte. Ich werde definitiv eines Tages zurück zukommen, um alle weiterzusehen.

NGIABONGA!!!!!!!

Yours,
Bunhle Mzinyane

 

Die Berge Ecuadors

Hallo an alle lieben Leser,

ich habe mich offensichtlich etwas länger nicht gemeldet, was daran liegt, dass ich seit über einem Monat Ferien habe und nichts Aufregendes passiert. Die letzte Woche jedoch durfte ich noch einmal meine Sachen packen und mich auf Reise begeben, in die “sierra” (Bergregion) Ecuadors. Von diesem tollen Erlebnis möchte ich natürlich gerne berichten.

Wie immer mussten wir erst die lange Reise von Machala nach Quito antreten, welche aber mit einem freien Tag in Quito belohnt wurde, da wir über Nacht fuhren und schon morgens ankamen. Wir liefen etwas durch die Stadt, kauften ein paar Mitbringsel und genossen einfach den Tag.

Am nächsten Morgen begann dann das offizielle Programm. Wir starteten mit einer Tour durch Quito. Kirchen, Plätze, Gebäude usw. wurden besichtigt. Doch das war definitiv nicht das Highlight des Tages. Schon als wir auf den Platz vor dem Regierungsgebäude gingen, wurden wir von einem Polizeiaufgebot überrascht, viele Leute säumten das Gebiet, uniformierte Männer auf Pferden und eine Blaskapelle waren zu sehen. Es hieß, der Präsident von Mexico würde empfangen werden. Erst einmal setzten wir die Tour fort mit der Besichtigung einer Kirche. Als wir diese verließen, hörten wir, wie eine Stimme durchs Mikrofon irgendetwas auf dem Platz ankündigte und aus Neugier gingen wir zurück. Da stand der Präsident Ecuadors mit einem Haufen von Leuten auf dem Balkon des Regierungsgebäudes, wir alle konnten ihn sehen. Plötzlich sagte die Stimme durchs Mikro, dass wir bitte jetzt still stehen sollen für die Hymne Ecuadors. Alle Austauschschüler konnten natürlich bereits den Text und so sangen wir die Nationalhymne gemeinsam mit dem Präsidenten. Das war wirklich ein sehr beeindruckendes Erlebnis, welches ich nicht so schnell vergessen werde.

Aber um euch einen Eindruck von Quito zu ermöglichen, hier ein paar Bilder.

Die “basilica del voto nacional” in Quito

Das bin ich vor den Türen der basilica.

Dieses Kirchenfenster soll die Vielfalt der ecuadorianischen Blumenwelt repräsentieren, daher die vielen Blumen.

Ein kleiner Ausblick auf Quito, die Stadt ist wirklich riesig mit einer Nord-Süd Ausdehnung von 50km.

Die Kirchtürme der basilica und im Hintergrund seht ihr die “virgen de Quito”, die auf einem Hügel über die Stadt wacht.

Die “iglesia de la compañia”, eines der attraktivsten Touristenziele.

Das alte Stadtzentrum von Quito.

Bewaffnete Polizisten vor dem Präsidentengebäude.

Man kann ihn schlecht erkennen, hoffentlich hilft euch der rote Kreis.

Am Nachmittag besuchten wir dann die “Mitad del mundo” – die Mitte der Welt. Ecuador liegt ja auf dem Äquator, wie der Name schon sagt. Es gibt ein großes Monument, welches die Franzosen vor vielen Jahren erichteten, um die Mitte der Welt zu markieren, jedoch verrechneten sie sich um ein paar hundert Meter, sodass die eigentliche Mitte der Welt etwas abseits von diesem Denkmal liegt. Wir besuchten das echte Denkmal, welches viel bescheidener wirkte. Ein einfacher roter Strich, ein paar Experimente, die jedoch wirklich beeindruckend waren. Eine gute Freundin schaffte es sogar, ein Ei aufzustellen.

Am nächsten Tag besuchten wir morgens einen Vulkankrater, der nun mit Wasser gefüllt ist. Am Nachmittag fuhren wir nach Otavalo, ein kleines Städtchen nördlich von Quito, um “shoppen” zu gehen. Denn Otavalo beherbergt den größten indigenen Kunsthandwerksmarkt Südamerikas. Vor allem Produkte aus Alpakawolle gibt es dort günstig zu kaufen.

Der nächste Tag war dann etwas spannender. Nachdem wir morgens auf einer Aussichtsplattform angehalten haben, fuhren wir danach in Richtung Cotopaxi, einem noch aktiven Vulkan, der 5897 m hoch ist. Wir stoppten mit dem Bus auf 4800 m und begannen dann den Aufstieg bis auf 5000 m. Es war unglaublich anstrengend, ich bekam Herzrasen und konnte kaum atmen, aber am Ende schafften es doch fast alle bis auf 5000 m und wir fühlten uns sehr stolz. Der Cotopaxi wird als einer der schönsten Vulkane der Erde angesehen, wegen seiner typischen Vulkanform und der weißen Schneekuppe.

Um diese Höhe noch zu toppen, stiegen wir am nächsten Morgen auf den Chimborazo bis zu 5100 m Höhe. Der Chimborazo ist vom Erdmittelpunkt aus gemessen, die höchste Erhebung der Erde und damit der nächste Punkt an der Sonne. Das liegt daran, dass die Erde ja keine perfekte Kugel ist, sondern eher…sagen wir eine Kartoffel. So kommt es, dass die Erdkruste am Äquator weiter vom Erdmittelpunkt entfernt ist, als anderswo. Aus diesem Grund übertrifft der Chimborazo also sogar die Höhe des Mount Everest, allerdings nur, wenn man vom Erdmittelpunkt ausgeht. Auch dieser Aufstieg war sehr anstrengend, allerdings schon einfacher als den Tag zuvor. Später besichtigten wir noch Riobamba, eine Bergstadt, die durch ihre hübschen Kolonialgebäude beeindruckt und wirklich einen Besuch wert ist.

Am folgenden Tag besuchten wir das Städtchen Alausí, das berühmt ist für seine Eisenbahn. Das kommt vor allem daher, dass es in Ecuador keine Zugstrecken gibt, man nutzt also nur Bus und Auto, um durchs Land zu reisen. Aus diesem Grund ist eine Eisenbahn, noch dazu eine so historische, wirklich etwas Besonderes. Die Fahrt war entspannt, man konnte gemütlich aus dem Fenster gucken und die Berge bewundern. Schließlich kamen wir an einer kleinen Station an, die mit einem Museum über die Geschichte der Bahn informiert, ansonsten aber nicht viel zu bieten hatte. Nachdem wir wieder zurückgefahren waren, setzten wir unseren Weg nach Cuenca fort, wo wir auch schliefen.

Dann kam auch schon der letzte Programmtag, welchen wir in einem Nationalpark in der Nähe Cuencas begonnen. Für Naturfans unbedingt zu empfehlen. Am Nachmittag bekamen wir dann noch eine Stadtführung durch Cuenca, die (meiner Meinung nach) schönste Stadt Ecuadors. In diese Stadt kann man sich nur verlieben!!

Allen, die bis hierher durchgehalten haben, danke ich für ihre Aufmerksamkeit! Es war eine unvergessliche Woche mit vielen Highlights und wieder mal hat sich bestätigt, dass Ecuador definitiv einen Besuch wert ist.

Ganz liebe Grüße,
Maria