Glück,Zufälle und das Ende der Sommerferien

Halli Hallo,

nun ist schon fast der letzte Tag vom Januar angebrochen und da dachte ich mir,dass ich euch nochmal kurz ein bisschen erzähle, wie mein erster Monat des neuen Jahres überhaupt so war 🙂

Gestartet bin ich (wie schon im letztem Post erwähnt) eigentlich super gut in das neue Jahr, als ich jedoch dann wieder zu Hause war hatte ich einige gesundheitliche Probleme, welche mir wirklich zu schaffen machten. Ich möchte darauf gar nicht so wirklich näher eingehen, aber dennoch hatte ich wirklich große Angst um mich selbst und auch darum,dass ich mein Auslandsjahr hier in Brasilien vorzeitig abbrechen muss. Ich habe dann natürlich mit meiner Gastfamilie darüber gesprochen und diese sind mit mir dann auch gleich zum Arzt gefahren,welcher mir Antibiotika verschrieben hat. Dort bei dem Arzt (es war eine gemeinschaftliche Klinik) herrschte Teilweise totales Chaos,weil die Sekretärinnen überfordert waren, aber an sich musste man einfach nur eine Nummer ziehen, sich hinsetzen, fernseh schauen und warten und dann geht man zu den Sekretärinnen, sagt was man hat & dann wird man irgendwo hingeschickt oder muss noch einmal warten.Inzwischen ist alles wieder in Ordnung und mir geht es wunderbar!

 

Gegen Mitte des Monats war ich mit meiner Familie bei einer Arbeitskollegin meiner Mutter zu einem Churrasco eingeladen und ja was soll ich sagen, ich liiiiiebe Churrascos hier so sehr 🙂 Das Essen ist super lecker, es gab leckere Cocktails und mein Bruder und ein paar Freunde von ihm saßen an einem Tisch und haben Samba gespielt. Aber das beste an diesem Abend war, dass ich Izabela getroffen habe. Ich kannte sie vorher nicht, wir wurden an dem Abend einander vorgestellt und sie hat doch tatsächlich über Weihnachten und Silvester einen Monat in DEUTSCHLAND verbracht & ihre Schwester war vor etlichen Jahren mal ein Jahr in der Türkei 🙂 Wie cool ist das denn? Es war wirklich ein brillianter Zufall und wir hatten natürlich eine Menge zu erzählen (auf Portugiesisch versteht sich, da man in einem Monat und besonders im erstem wirklich nicht viel von der Sprache mitnimmt). Desweiteren muss ich sagen, dass ich wirklich erstaunt bin,wie viele Leute hier an Deutschland oder an der Sprache wirklich interessiert sind, da sie nicht die Erste ist, die ich in der Hinsicht getroffen habe. Ein anderer Freund von der Familie war selber auch schon in Deutschland & fliegt jetzt im Februar wieder nach Berlin um ein bisschen rumzuschauen und ich muss echt sagen, als er ein paar Wörter Deutsch gesprochen hat, habe ich ihm echt abgenommen,dass er Deutscher ist und das obwohl er zum größten Teil nur Namen von Schriftstellern kennt. Dennoch ist seine Aussprache wirklich total akzentfrei,was ich hier bis jetzt noch nie so gehört habe und das fand ich wirklich beeindruckend. Als ich hier damals zu meinem erstem Churrasco bei den Schwiegereltern meiner Schwester eingeladen war, hatte mich ein Freund meiner Mutter mit “Hallo, wie gehts?” angesprochen und ich war erstmal total aus den Socken gehauen,weil ich mit sowas natürlich überhaupt nicht gerechnet habe.

Eine andere gigantische Sache, welche mich wirklich unglaublich glücklich gemacht hat und auch noch macht ist die Tatsache, dass ich Karneval mit meiner Familie in RIO DE JANEIRO verbringen werde. Das ist doch der absolute Wahnsinn,oder? Ich kann es immer noch nicht glauben und freue mich wirklich unheimlich darauf, denn ich glaube dass das nochmal ein richtiges Highlight meines Jahres wird.

Vorgestern war außerdem mit meinen Freunden im “American Parque”, da es der letzte Tag war und wir uns endlich mal wieder sehen wollten und ja was soll ich sagen, es war super lustig und der Preis für eine Fahrt ist mit 4 Reais (bisschen weniger als 2 Euro) auch echt okay, zumal ich eh nicht mehr als 2-3 Mal mitfahren kann,da mir einfach total schwindelig wird haha.

Nächste Woche ist dann auch für mich erstmal das Faulenzen vorbei, denn es sind inzwischen 3 Monate Sommerferien rum. Ich kann es nicht fassen,haben die Ferien nicht letztens erst angefangen? Aber hey, ich freue mich zwar nicht darauf jeden Tag wieder den riesigen Berg zur Schule hochlaufen zu müssen, aber ich freue mich unendlich darauf meine Freunde wieder jeden Tag zu sehen!

Ich meld mich wieder wenn das neue Schuljahr angefangen hat

S2 Adeus

Head uut aastat! – Frohes neues Jahr!

Tere tere!

Ich weiß, mein letzter Blogeintrag liegt schon wieder viel zu weit zurück (und Silvester auch), aber was soll man machen? Einerseits ist das Leben im Auslandsjahr ja auch viel zu aufregend, aber andererseits ist ja nun auch nicht mehr alles neu, und das, was man anfangs nur bestaunen konnte, ist zur Alltäglichkeit geworden. Dennoch ist seit meinem letzten Eintrag viel Spannendes passiert: Der von YFU organisierte Ausflug nach Helsinki; Weihnachtszeit samt „Päkapikud“, „Piparkook“ und nicht vorhandenem Schnee; ein verschlafener Schulanfang mit interessanter Chorprobe und ENDLICH Schnee Mitte Januar. Habe ich irgendetwas vergessen? Ich habe nämlich das Gefühl, dass der Monat November hier gerade sehr kurz kommt…abgesehen davon, dass in diesem grauen Monat quasi nichts passiert ist, ist es wohl viel wichtiger, dass ich ihn überhaupt überlebt habe. Diese Tristess war wahrlich nicht angenehm. Genug davon, fangen wir mit dem ersten Dezemberwochenende an:

YFU-Wochenende in Helsinki

Dies ist wahrscheinlich die beliebteste Reise, die YFU Eesti mit Austauschschülern veranstaltet. So sind auch wir dieses Jahr zusammen nach Helsinki gefahren. Da fast alle Austauschschüler mitfuhren, hatte ich mich schon im Vorfeld wahnsinnig auf diesen Trip gefreut. Als es dann auch endlich losging, haben wir frohen Mutes das Schiff nach Helsinki gute zwei Stunden unsicher gemacht. Endlich in Finnland angekommen ging es dann aber nicht wie erhofft ins Warme, stattdessen wurden wir von einer Gruppe toller finnischer YFU-Mitarbeitern begrüßt, welche uns in Gruppen einteilten und schließlich zu einer Stadtrallye einluden…was uns allen wohl eher Angst machte, denn in Helsinki war es zu dem Zeitpunkt wesentlich kälter als in Tallinn. Das stellte sich hinterher dann als gar nicht so großes Problem heraus, denn die Rallye-Aufgaben, die uns quer durch die Innenstadt von Helsinki führten, hielten uns davon ab, ins Warme zu gehen.
Am Ende vom Tag, reichlich durchgefroren aber glücklich (was möglicherweise auch daran lag, dass wir Chance bekommen hatten, die schönsten Läden der Innenstadt zu erkunden), ging es dann für eine Nacht in finnische Gastfamilien. Ich war mit einer tschechischen und einer thailändischen Austauschschülerin bei einer Familie eingeteilt, die uns vom ersten Augenblick an unglaublich warmherzig aufgenommen hat. Am nächsten Tag sind wir dann früh aufgebrochen, denn ein Besuch im „Heureka“ stand an. Das ist ein finnisches Science Centre in Vantaa, nicht weit von Helsinki. Meiner Meinung nach hatten wir dort viel zu wenig Zeit, denn es gab einfach so viel zu entdecken, dass wir bestimmt auch den ganzen Tag dort hätten verbringen können. Am Abend dann ging es mit dem Schiff zurück nach Tallinn (was irgendwie gar nicht so lustig war wie die Hinfahrt, einzig und allein den Mexikanern ist nicht schlecht geworden…)

Weihnachtszeit in Estland

Soviel kann ich schon einmal ganz zu Anfang sagen: Wirklich groß untrscheiden sich estnische und deutsche Weihnachtsbräuche nicht. Was aber fest zur Weihnachtszeit dazugehört, sind „Päkapikud“: das sind Weihnachtswichtel und das, was sie tun, lässt sich als wohl am besten als Mischung aus Nikolaus und Adventskalender beschreiben. Die Kinder stellen einen Hausschuh vor ihre Zimmertür, und jeden Morgen hinterlassen die „Päkapikud“ ein kleines Geschenk. Dass dies jeden Tag im Dezember bis zu Heligabend so geht, hat mich erst sehr verwundert (meine Gastmutter hat mir aber versichert, dass die „Päkapikud“ in ihrer Kindheit jeden Advent kamen und nicht jeden morgen). Die Adventssonntage sind hier viel weniger wichtig als in Deutschland und Adventskränze sind nicht wirklich verbreitet.
Und wenn die Esten in der Adventszeit eine Sache lieben, dann sind es (abgesehen von Mandarinen, die in meiner Klasse einen absoluten Hype erlebten) „Piparkoogid“, was nichts anderes als „Pfefferkuchen“ bedeutet. Hier wird in den Supermärkten und Konditoreien massenweise fertigr Pfefferkuchenteig angeboten, aus dem man dann einfach nur noch Plätzchen ausstechen muss. Der Vorteil ist, dass man dann längst nicht so viel Zeit brauchen und sich her aufs Verzieren der Plätzchen konzentrieren kann, der Nachteil ist allerdings, dass man zum Schluss Pfefferkuchen im Überfluss hat und der Anblick lässt einem dann Mitte Januar nicht mehr wirklich das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Das Weihnachtsfest mit meiner Gastfamilie war viel, viel erträglicher als erwartet. Heiligabend war der Tag, den die meisten Austauschschüler schon lange gefürchtet hatten, und wir alle malten uns einen furchtbaren Tag voller Heimweh und allgemeiner Enttäuschung und Traurigkeit aus. Gott sei Dank hat meine Gastfamilie auf übertriebene Weihnachtsatmosphäre verzichtet, sodass es sich nicht einmal wirklich wie Weihnachten anfühlte. Das mag seltsam klingen, doch es hat mir sehr geholfen.

Beim Begrüßungsseminar Mitte August sollten wir zusammentragen, was unsere Erwartungen, Hoffnungen und Ängste bezüglich des Gastlandes und unseres Austauschjahrs sind. Bei vielen gehörte „Schnee“ zu den Hoffnungen und bei anderen sogar zu den Erwartungen. Mir wurde gesagt, dass normalerweise schon Ende Oktober etwas Schnee liegt und im Dezember dann der Schnee fällt, der teilweise bis Mai hält. In der Hinsicht wurden wir leider alle enttäuscht. Anfang Dezember hatten wir mehrere feine Schichten Schnee hinter uns, die dann morgens die Landschaft bedeckten und nachmittags schon wieder verschwunden waren. Zu Weihnachten hatten wir dann herbstliche 4°C und grünen Rasen. Was zu Silvester leider auch nicht anders war. Auch beinahe den ganzen Januar hindurch: nichts. Bis dann plötzlich eines Nachts Schnee fiel…und der liegt immer noch! Gestern bin ich mit meiner Gastfamilie etwas aus der Stadt hinaus
gefahren, und dieser klare, estnische Winter mit seinem Schnee, der die Landschaft aussehen lässt wie aus Kristall, ist einfach viel zu schön, um ihn in Wort fassen zu können.

Schule

Also erst einmal, damit das auch klar ist: Schule findet statt. So etwas wie kälte- beziehungsweise schneefrei gibt es schon, doch das folgt klaren Regeln, im Gegensatz zu Deutschland, wo das Ermessen der Verantwortlichen entscheidet. Und diese Regeln heißen: es muss mindestens -20°C kalt sein, damit die Schule ausfällt. Die Mengen an Schnee sind da weniger entscheidend.

Der Schulanfang zeichnete sich vor allem durch sein Trägheit aus. Fast die ganze erste Woche lang waren meine Klassenkameraden und ich kaum ansprechbar und unsere bekamen von uns teilweise tief schlafenden Schülern sowieso nicht viel Aufmerksamkeit. Doch für uns Chormitglieder stand schon gleich zu Anfang eine relativ anspruchsvolle Veranstaltung an: eine große Chorprobe mit vielen gemischten Schulchören aus ganz Tallinn in Vorbereitung auf das Sängerfest, dass alle fünf Jahre stattfindet und so auch wieder dieses Jahr. Obwohl ich von meinem Chor sonst ganz gerne übergangen werde, da ich stimmlich nicht viel zu bieten habe und eigentlich nur mitsingen darf, weil ich am Sängerfest teilnehmen möchte, kam ich mit zur Probe, die von anscheinend sehr berühmten Sängern durchgeführt wurde (die ich aber natürlich allesamt nicht kannte). Das Prozedur dauerte mehrere Stunden, und abends lief in den Nachrichten ein kleiner Beitrag darüber.

Ich habe übrigens das Gefühl, dass ich mich in der Schule mal gewissermaßen „outen“ müsste…zum Anfang des Schuljahres bin ich zu allen Lehrern hingegangen und habe ihnen erklärt, dass ich kein Estnisch spreche und mich deshalb auch leider, leider nicht am Unterricht beteiligen kann. Seitdem habe ich mit den meisten von ihnen nicht mehr gesprochen, und in ihren Augen bin ich wahrscheinlich immer noch die deutsche Austauschschülerin, die eh kein Wort versteht. So ist es aber schon lange nicht mehr…viel mehr ist es so, dass ich nicht verstehen will. Ich weiß, das ist ganz und gar nicht gut, aber wenn man fünf Monat lang zur Schule geht, ohne ernsthaft zu lernen, eignet man sich eine Faulheit an, die man kaum wieder ablegen kann. Mal ganz abgesehen davon, dass man im Unterricht ohnehin total hinterher ist. Ein bisschen Angst habe ich also schon davor, in Deutschland wieder zur Schule zu gehen und absolut überfordert zu sein.

Seit wir so viel Schnee haben, gehen wir im Sportunterricht einer ganz bestimmten, typisch nordischen Sportart nach: Wir gehen Langlaufen. Da ich letzten Montag, vor genau einer Woche also, das erste Mal auf Skiern stand, war das sehr ungewohnt…und nicht wirklich erfolgreich. Macht mich angesichts der Tatsache, dass ich in den Frühlingsferien mit meiner Gastfamilie nach Norwegen zum Skifahren gehe, gaaar nicht nervös….nein, nein. :/

Sprache

Estnisch ist wirklich eine Sprache, die man sich nur ansieht und von man dann denkt, dass sie vollkommen unerlernbar sei. Ganz so schlimm ist es aber doch nicht. Mittlerweile ergibt sogar die Grammatik etwas mehr Sinn (obwohl…das stimmt nicht ganz, denn manchmal wirkt es so, als seien Nominativ, Genitiv und Akkusativ komplett austauschbar).
Beispiel gefällig? „Ich nehme Brot“ war ein Satz, der mir wirklich Kopfzerbrechen bereitet hat. Hatte ich vor, etwas Brot zu nehmen und zu essen, so sagte ich „Ma võtan leiva“ (Ich – nehme – des Brotes, also Genitiv), denn den Genitiv hatte ich in Verbindung mit dem Wort für „nehmen“ schon oft gehört. Meine Gastfamilie wies mich jedoch darauf hin, dass dieser Satz bedeuten würde, dass ich einen ganzen Brotlaib einfach nehmen wolle. Richtig wäre statt „leiba“ statt „leiva“, also Akkusativ, denn das würde sich nur auf einen Teil des Brotes beziehen und nicht auf den ganzen Laib an sich…keine Sorge, ich verstehe es auch nicht.
Abgesehen von der oft noch sehr holprigen Grammatik (soll ich euch vielleicht auch noch die drei estnischen Vokallängen „kurz“, „lang“ und „überlang“ erklären?), verstehe ich schon eine ganze Menge. Ich rede mit meiner Gastfamilie nur noch Estnisch und mit dem Großteil meiner Klassenkameraden auch. Das hilft ungemein und auch wenn man oft das Gefühl hat, gar keine Fortschritte zu machen, weil man nur langsam neue Wörter lernt, so ist man doch auch immer von sich selber überrascht, wenn man bedenkt, dass man vor fünf Monaten nicht mehr als ein „Hallo, mein Name ist soundso“ herausbekommen hat. Auch die Lieder, die man im Chor singt, werden immer verständlicher (obwohl es keine große Überraschung ist, dass die größtenteils ohnehin von der Schönheit des Vaterlandes handeln… 😉 )

So, das war es dann erst einmal wieder von mir, das nächste Mal berichte ich euch von meiner Reise nach Norwegen 🙂

Bis zum nächsten Mal!

Maryam

Weihnachtsferien und Semesterende – Halbzeit!

Ich hoffe, ihr hattet alle einen guten Rutsch ins neue Jahr 2014 (auch wenn das jetzt schon ein wenig her ist)! Das erste Schulsemester ist jetzt vorbei und somit auch die Hälfte meines Austauschjahres – seit 5 Monaten lebe ich nun schon in den USA.

Aber nun erst einmal zu meinen Weihnachtsferien:

Während der Ferien habe ich fast jeden Tag etwas anderes unternommen – ich war immer ganz schön beschäftigt!

Für die Ferien hat uns Justin, der erste Austauschschüler meiner Gastfamilie aus Südkorea besucht, und hat mit uns Weihnachten gefeiert, da er während seines Austauschjahres nicht die Chance dazu hatte (er ist im Januar gekommen und Anfang Dezember desselben Jahres wieder gegangen).

Heiligabend haben wir mit der Verwandtschaft auf Seite meines Gastvaters verbracht. Wir saßen zusammen, haben Spiele gespielt, gegessen und gegen späteren Abend hatten wir auch  schon eine vorgezogene Bescherung, bei der sich die ganzen Verwandten untereinander beschenkt haben. Ich habe auch Geschenke von meinen Gasttanten, -onkels, und –cousinen bekommen, die mich immer an meine Zeit hier erinnern werden (:

Am Morgen des Christmas Day hatten wir dann die eigentliche Bescherung zu Hause mit meinen Gasteltern. Zuerst haben wir die „Stockings“ (die Socken, die über dem Kamin hängen) ausgepackt, wo für jeden ein paar Süßigkeiten drin waren. Dann haben wir alle Geschenke unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt, die schon ein paar Tage vor Weihnachten darunter gelegt wurden. Den Nachmittag und Abend haben wir dann bei den Verwandten meiner Gastmutter verbracht und abends gab es dann dort nochmal eine kleine Bescherung.

Am 26. Dezember haben Justin und ich den Bus nach Seattle genommen und er hat mir viele Plätze in Downtown gezeigt. Wir waren zum Beispiel auf dem Riesenrad direkt am Ozean und Hafen, in Chinatown und auf einer Aussichtsplattform, die sich im 76. Stock eines Hochhauses befindet und haben viele tolle Fotos geschossen.

Seattle – eine wunderwunderschöne Stadt!

Eine Art Tradition ist, dass meine Gasteltern ihre Nichten als ein Weihnachtsgeschenk zum Essen einladen und danach ein Musical mit ihnen anschauen gehen. Dieses Jahr durfte auch ich Teil dieser Tradition sein und so haben wir uns am Freitag Abend alle in Downtown getroffen und haben in einem richtig tollen Restaurant gegessen, in dem die Köche direkt am Tisch eine Art Show-Kochen gemacht haben. Danach sind wir dann zum Theater gegangen um uns das Musical „Oliver!“ (basiert auf der Geschichte von Oliver Twist) anzuschauen. Das war echt ein tolles Musical und ein wunderbarer Abend!

Während das Wochenende dann eher ruhig war, haben wir Silvester dann wieder mit allen Verwandten zusammen gefeiert. Alle sind bei meinem Gastonkel und deren Familie zusammengekommen, wir haben Spiele gespielt und auch dort übernachtet. Um 12 Uhr haben wir im Fernsehen die Übertragung der Feuerwerke in Seattle und an der Space Needle angeschaut. Dazu kann man nur ein Wort sagen: Awesome!

Am Wochenende bevor die Schule wieder begonnen hat, hatte ich die YFU Mid-Year Orientation in der Great Wolf Lodge. Wir haben von Samstag auf Sonntag in der Lodge übernachtet und konnten auch den Wasserpark der Lodge mit vielen guten Rutschen nutzen. Der Schwerpunkt der Orientation lag darin uns zum Nachdenken zu bringen, was wir im nächsten halben Jahr noch alles erleben wollen, oder auch was wir ändern wollen.

Dann ging der Schulalltag auch schon wieder los und letzte Woche hatten wir dann unsere End of Semester Finals, da war dann nochmal richtig lernen angesagt. In manchen Fächern hatten wir Projekte, aber in den meisten Multiple-Choice Tests. Jetzt haben wir ein dreitägiges Wochenende und am Dienstag beginnt dann das neue (und letzte) Semester. Das Wochenende ohne jegliche Hausaufgaben habe ich jedenfalls genutzt, um einen Sleepover mit einer Freundin zu machen.

Der Eintrag ist ein wenig länger geworden als sonst, aber immerhin hatte ich ja viel aufzuholen.

In drei Wochen sind Winterferien und meine Gastfamilie und ich verbringen sie im Death Valley, California. Anfang März fliege ich mit einer von den YFU Reisen nach Hawaii, worauf ich mich schon seehr freue! Danach wird auf jeden Fall wieder ein neuer Blogeintrag kommen.

Ganz viele liebe Grüße!

Mein Kunstprojekt – ein T-Shirt Druck ganz nach dem Motto “Auslandsjahr”

La ruta del sol – eine wunderbare Reise

Falls ich vor dieser Reise noch nicht vollkommen davon überzeugt davon war, dass Ecuador ein wunderschönes Land ist, so bin ich es spätestens jetzt zu 100%.

Ich war mit YFU für eine Woche lang auf Reise und ich würde diese Woche als eine der schönsten meines Auslandsjahres bezeichnen. Wir fuhren auf die “Ruta del sol” (Sonnenroute), welche man im Prinzip als eine Route von der nördlichen Pazifikküste Ecuadors bis hinunter in den Süden beschreiben kann.

Wir Leute aus Machala fuhren bereits in der Nacht mit dem Bus nach Quito, sodass wir morgens um 7 Uhr schon ankamen. Den Rest des Tages verbrachten wir in der Stadt, wir besuchten Märkte, aßen zum ersten Mal seit langem wieder vertrautes Essen, gingen durch die Straßen und genossen einfach die freie Zeit. Quito ist wirklich eine tolle Hauptstadt, fast überall hat man die Berge vor oder hinter sich, wenn man Glück hat, strahlt die Sonne vom Himmel und beleuchtet alles rundherum. Ich freue mich schon sehr darauf, diese tolle Stadt bald noch genauer kennen zu lernen.

Ein Kunsthandwerksmarkt in Quito

Abends saßen wir noch gemütlich in einem Park

Über Nacht fuhren wir dann zu unserer ersten Unterkunft: Puerto López. Das Erste, was wir sahen, als wir aus dem Bus ausstiegen, war Meer, Strand, Fischerboote, Palmen, es war wie im Traum. Gleich nachdem wir in die Zimmer gezogen sind, konnten wir zum Strand und baden gehen. Obwohl ich an der Küste Ecuadors wohne, war ich noch nie im Meer und es war einfach nur ein unheimlich glücklicher Moment, in die Wellen zu springen und das Wasser zu genießen.

Eine Kokusnuss, die am Strand herumlag

Puerto López ist ein kleines Fischerdorf, welches in einer Bucht liegt und vor allem vom Fischfang und dem Tourismus lebt. Es war unheimlich idyllisch, die alten, kleinen Fischerboote am Strand liegen zu sehen und die größeren Fischkutter auf dem Meer stehen. Dieses Dorf hatte einen umwerfenden Charme.

Am Nachmittag fuhren wir in eine kleine Kommune namens “Agua Blanca”. Dabei handelt es sich um eine kleine Gemeinschaft von Menschen, welche in einem Naturreservat leben. Zunächst schauten wir uns ein Museum an, in welchem uns die Geschichte des Dorfes erklärt wurde, denn früher lebte dort ein indigener Stamm. Anschließend gingen wir durch das Reservat, sahen bunte Vögel, Wildschweine und Ziegen, die einfach herumliefen und hatten traumhafte Ausblicke. Der Höhepunkt war aber die Lagune, die sich in der Mitte des Reservats befand. Man roch sofort, dass es sich um eine Schwefellagune handelte, doch das Wasser war sehr angenehm und der Schlamm soll sehr gut für die Haut sein, weswegen sich alle komplett damit einschmierten.

Das kleine Dorf, rechts eine Kirche

Die Schwefellagune

Wir hatten Glück, dass die Sonne schien, so bekamen wir einen atemberaubenden Ausblick zu sehen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Boot ungefährt 2 Stunden aufs Meer hinaus, um die “Isla de la plata” (Insel des Silbers) zu besuchen. Diese Insel wird auch “Galapagos für Arme” genannt, da es ähnliche Tiere und Vegetation gibt. Zunächst mussten wir eine Weile bei großer Hitze bergauf gehen, wurden aber dafür mit fürstlichen Ausblicken belohnt. Außerdem bekamen wir Blaufußtölpel zu sehen, die es sonst fast nur auf den Galapagos-Inseln gibt. Ganz besonders schön, war die Aussicht, die wir schließlich hoch über dem Meer bekamen. Die Sonne strahlte und ließ das Meer hellblau leuchten, die Wellen brachen sich an den schwarzen Felsen und bildeten weiße Kronen, es war einfach wundervoll.

Die “Isla de la plata”

Ein Blaufußtölpel, blaue Füße kriegt er aber erst im Laufe seines Lebens, die Küken haben schwarz-graue Füße.

Die wundervolle Aussicht

Mit Lina, einer lieben Freundin.

Die Insel hat es mir ganz besonders angetan, vor allem der unglaubliche Ausblick auf’s Meer. Anschließend fuhren wir mit dem Boot noch ein Stück um die Insel herum und durften schnorcheln gehen. Es gab nicht wahnsinnig viel zu sehen, aber ein paar schöne Korallen und vereinzelte bunte Fische waren schon dabei. Danach bekamen wir sogar noch Schildkröten zu sehen, angelockt von kleinen Melonenstückchen. Sie schwammen ganz nah an unserem Boot und man konnte sie richtig gut sehen.

Dieser Ausflug war so unglaublich beeidruckend und ich hoffe, diese Bilder werde ich niemals vergessen.

Am nächsten Morgen besuchten wir den Nationalpark Pacoche. Es war fast ein wenig Dschungelähnlich. Dort bekamen wir zunächst gezeigt, wie man eine traditionelle Hühnchenspeise mit Reise in einem traditionellen Ofen macht. Danach sahen wir, wie man einen Ecuador-Hut herstellt. Die Welt kennt ihn als “Panama-Hut”, aber diese bezeichnung ist falsch, da der Hut aus Ecuador kommt und auch dort hergestellt wird. Es ist ein monatelanger Prozess, einen Hut zu machen, weshalb die Hüte auch nicht gerade günstig sind. Schließlich bekamen wir noch zu sehen, wie man Zuckerrohrpflanzen auspresst, durften den Saft probieren und konnten danach die Herstellung eines bestimmten Zuckers beobachten.

Der traditionelle Ofen…

…und das darin zubereitete Gericht.

Über dieses Holzstück gebeugt flechtet man die Ecuador-Hüte.

Das Maultier geht immer im Kreis um die Pressmaschine herum, wodurch der Saft aus dem Zuckerrohr gepresst wird.

Zuckerrohrsaft

Und die Herstellung eines besonderen Zuckers.

Den Nachmittag verbrachten wir dann am Strand von Manta. Mit Kokusnuss und ganz viel baden.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Puerto López und machten uns auf in Richtung Montañita, einem Traumstrand für Surfer und ein Örtchen, das durch Einfachheit und unheimlich viele Stände mit Kunsthandwerk verzaubert. Doch vorher besuchten wir noch eine Kirche, die hoch über dem Meer lag und fast ganz offen war, sodass man immer das Meer im Blick hatte.

Danach besuchten wir noch ein “Wassermuseum”, in welchem es Schildkröten, Fische, Krebse usw. zu sehen gab. Außerdem ein Seelöwe und Pinguine. Das gefiel mir nicht ganz so gut. Der Guide meinte zwar, die Tiere wären krank, aber so ganz überzeugt hat mich das nicht.

In Montañita verbrachten wir dann den ganzen Nachmittag. Die Wellen waren im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend, noch nie habe ich in so hohen Wellen gebadet. Am Abend fuhren wir dann nach Salinas, der Endstation der Ruta del Sol. Dort bekamen wir Abendessen bei cubanischer Musik und gingen anschließend alle zusammen in eine Bar.

Am letzten Tag brachen wir gleich morgens mit dem Bus zu einer Insel auf, welche tausende Vögel bewohnen. Die Vögel sind aber nicht besonders ansehnlich, viel spannender war, was wir danach erlebt haben. Wir konnten Delfine beobachten, ganz nah an unserem Boot. Sie spielten, sprangen sogar mal aus dem Wasser, leider waren sie zu schnell, um Fotos zu machen.

Abends schauten wir uns noch Guayaquil an, die größte Stadt Ecuadors. Wir liefen am Malecón entlang, einer Art Promenade direkt am Fluss, besuchten den Park der Leguane, eine Kathedrale und stiegen zuletzt 444 Treppenstufen zu einem Leuchtturm hinauf.

Und mit diesem Abend war die Reise auch schon zu Ende. Am nächsten Morgen verließen wir alle wieder die Stadt in Richtung “zu Hause”. Ich hätte nie gedacht, dass Ecuador SO viel zu bieten hat und bin völlig überwältigt von der Schönheit dieses Landes. Aber vor allem hat diese Reise mich wahnsinnig glücklich gemacht, mich mal abgelenkt, von allem, was mich in Machala belastet und mir Freude und Kraft gegeben für die nächste Zeit. Diese positiven Gefühle möchte ich mir so lange wie möglich bewahren und die wunderbaren Eindrücke, die ich sammeln durfte, begleiten mich hoffentlich noch eine ganze Weile. Ich danke meiner Familie ganz doll dafür, dass sie mir diese tollen Tage ermöglicht haben.

Ich hoffe, dieser Eintrag war nicht zu lang oder zu langweilig, ich wünsche allen, dass sie den Winter zu Hause genießen können.
Liebe Grüße,
Maria

Külföldön gyorsabban megy az idő!

Sziasztok barátaim,

vielleicht hab ihr es schon an der Überschrift gemerkt, aber mein Ungarisch verbessert sich langsam! Das heißt auf Deutsch ‘Im Ausland vergeht die Zeit schneller’ und trifft im Moment absolut auf mich zu. Seit ein paar Tagen ist über die Hälfte meiner Zeit hier in Ungarn vorbei und ich will es nicht wirklich wahrhaben, weil ich hier mittlerweile wirklich mein zweites Zuhause gefunden habe. Ich streite mich mit meiner Schwester und eine Stunde später umarmen wir uns wieder, ich spreche endlich gut genug Ungarisch, um mich mit meinen Eltern unterhalten zu können, ohne alle 30 Sekunden ein Wort nachzuschlagen/-fragen. Und ich genieße mein Leben und meine Zeit hier in vollen Zügen.

Was mir an meiner Schule super gut gefällt, ist, dass sie sich wirklich für die Schüler interessiert. Sie ist eher klein, dafür kennt aber auch jeder jeden. Wir haben zum Beispiel von der Schule eine Karte für das Theater hier in Szeged bekommen, für die wir einmal 3000 Forint (ca. 10 Euro) bezahlen mussten. Dadurch habe ich schon 3-4 Theaterstücke zusammen mit ein paar Freunden und meiner Schwester gesehen. Außerdem organisiert die Schule regelmäßig Wettbewerbe für die Schüler, z.B. in Erdkunde oder einen Gedichtwettbewerb. Jeden Morgen vor der ersten Stunde haben wir 10 Minuten zusammen mit unserem Klassenlehrer, in denen wir über den Tag sprechen, ob wir einen Test schreiben, es wird sich gemeinsam gefreut, wenn jemand eine gute Note bekommen hat… Generell gefällt mir die Klassengemeinschaft hier super. Es wird zusammen gehalten, es gibt kaum Grüppchenbildung und man kommt eigentlich mit jedem klar.

Ich wollte auch noch was zum ungarischen Weihnachten erzählen. ‘Weihnachten’ heißt auf Ungarisch karácsony, was ich viel schöner als das deutsche Wort finde, weil es irgendwie ‘weihnachtlicher’ klingt. Im Voraus haben meine Schwester und ich jeder einen Adventskalender selbst vorbereitet, mit kleinen Socken und einem langen Nylonfaden. Das hat in meiner Familie (der ungarischen) Tradition und ich glaube, ich werde die übernehmen. An Weihnachten selbst kam dann reichlich Familie und es gab mal wieder reichlich essen. Danach kam kis Jézuska, also der kleine Jesus und hat die Geschenke gebracht. Ich hab von meiner Gastfamilie eine riesige Tasse bekommen, weil ich mich immer darüber beschwert hab, dass ihre Tassen zu klein sind 😀

Im neuen Jahr sind Helga und ich dann drei Tage zur Schule gegangen und danach nach Österreich gefahren, um dort Ski zu fahren. Für mich war es das erste Mal im Gebirge, also bin ich die ersten Tage staunend durch das Dorf, in dem wir waren, gelaufen, und hab die Berge bewundert. Beim Ski fahren habe ich mich dann grandios blamiert, indem ich mich vor Publikum abgelegt hab – nicht grade eine meiner Glanzstunden 😀 Aber die Zeit in Österreich war wunderschön und seitdem verstehe ich mich auch super mit meiner Schwester.

 

Nach einer wunderbaren Woche in Österreich sind wir dann zusammen nach Esztergom gefahren, eine Stadt, die nördlich von Budapest ganz nah an der Grenze zur Slowakei liegt und nur von der Donau vom anderen Land getrennt wird. Dort hat mein Mitteljahrseminar von YFU stattgefunden. Es war echt super, die ganzen anderen mal wieder zu sehen und ich hab die drei Tage, die wir da hatten, echt genossen. Wir haben über alles mögliche gesprochen – Probleme in der Gastfamilie; Vorurteile, die sich vielleicht auch bestätigt haben; ungarisches Essen… Am einen Nachmittag haben wir uns noch die Stadt angeguckt und am nächsten Tag ging es schon wieder nach Hause, nach Szeged.

Mit dem Ungarisch läuft es immer besser. Ich liebe diese Sprache für ihre Besonderheiten, für das, was mich an ihr amüsiert (Zeh heißt Fußfinger auf Ungarisch!), für ihren Klang und weil sie eigentlich wie Deutsch ist, nur auf Ungarisch. Neulich wollte eine Freundin was von unserem Geschichtslehrer und er meinte ‘Bevor das passiert, muss noch viel Wasser die Donau runterfließen!’. Viele Dinge kann man 1:1 übersetzen, weil die Logik hinter den Sprachen sich ähnelt. Und seit ich besser spreche, finde ich auch mehr Anschluss in meiner Klasse.

So, das war’s erstmal von mir. Ich wünsch den anderen ATS noch viel Spaß in ihren Gastländern und meinen Freunden und meiner Familie zu Hause noch ein schöne Zeit – in 5 Monaten sehen wir uns wieder!

Bis dahin alles Gute,

Linda