Vor dem Abenteuer: noch 2 Tage?

Hallo Zusammen,

nun sind es nur noch 2 Tage und die Spannung steigt, alles ist soweit vorbereitet und bereit ich bin bereit los zufliegen, doch es gibt einen Haken: ich habe noch kein Visum und kein Visum = kein Flug.
Am Montag haben wir erfahren, dass es sein kann, dass der Flug verschoben wird wenn wir kein Visum haben. YFU hat bei uns Südafrika-Fahrern angerufen und uns erklärt, dass es Schwierigkeiten mit der Botschaft gibt, Jetzt müssen wir bis morgen mittag warten und werden dann erfahren, ob wir fliegen dürfen oder nicht. Mittlerweile haben 3 Leute von knapp 20 ihr Visum, die definitiv fliegen werden. Im Moment ist es echt nervenzerreißend und echt blöd, dass wir nicht zusammen fliegen können, aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass alles wie geplant gut wird!

Drückt uns die Daumen!

Pēdējais ir pirmais

So, auch für mich ist die Zeit gekommen: Trotz zwei Wochen Verlängerung bin letztendlich auch ich wieder zurück. Diesen Teil schiebe ich noch ein bisschen auf, erstmal kommt das wundervolle YES und alle anderen Ereignisse der letzten drei Wochen.

 

YES

Steht für Young Europeans Seminar. Ein Abschlussseminar für alles ATS aus Europa, die in ein anderes europäisches Land gegangen sind. Wobei Europa sehr weit gesehen ist, da zum Beispiel auch Schüler aus Azerbaidschan teilgenahmen. Respektiv muss man allerdings sagen, dass fast alle entweder aus Deutschland kamen oder nach Deutschand gegangen sind. Am ersten Tag schon kam das seltsamen Gefühl auf, an das ich mich nie so recht gewöhnt habe, als sich alle anderen tränenreich bei ihren Gastfamilien verabschiedeten und bedankten, aber ich mit einem “Hab eine schöne Woche!” vorm Flughafen abgesetzt wurde. Nicht natürlich, weil meine Gasteltern herzlos und froh mich los zu sein sind, sondern weil ich gar nicht nach Hause gefahren bin.

Die ersten deutschen Lufthäuche waren für einige fast zu viel. So flippte eine ATS im Angesicht eines Kiosks völlig aus und kaufte promt sämtliche dort verfügbaren Brezeln, die leider etwas trocken waren, aber ansonsten ein Traum nach 10 Monaten Brezelentzug 🙂 Auf dem Flughafen Frankfurt trafen wir erstmal andere ATS, aus Norwegen und aus Rumänien. Das ist so zu verstehen, dass sie aus Deutschland stammen und nach Norwegen bzw. Rumänien gegangen sind. Es wurden noch viele, viele mehr- bei 500 ATS und fast 100 Teamern ist es unmöglich, alles kennenzulernen.

Wundervoll war es trotzdem. Wir hatte je drei Workshops, die man sich vorher aussuchen sollte, zu Themen wie Demokratie, Unterdrückung u.s.w. Das Motto des YES dieses Jahr war “Transitions-Crossing Bridges”. Demzufolge wurden Vorträge gehalten, sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch. Bemerkenswert war auch die sogenannte YES-World, die es dieses Jahr zum ersten Mal gab. Wir alle wurden in “Länder” aufgeteilt, darin in “Familien”, mussten arbeiten und Steuern bezahlen. Meinem “Land” ging es eigentlich recht gut, trotzdem artete das Projekt nach dem Mittagessen fast überall in Revolutionen aus. Die armen Teamer! Es war ziemlich verrückt und doch ein Heidenspaß. Wiederholung erwünscht!

Das Gefühl, wenn sich all deine neuen und alten Freunde in den Armen liegen, weinen, sich verabschieden und sich doch unglaublich auf ihre Familien daheim freuen, während du danebenstehst, ist bestenfalls als surreal zu beschreiben. Alle fuhren sie nach Hause- nur für mich ging es wieder zurück nach Lettland. Ein paar Stunden später war ich wieder da, in meinem geliebten Lettland. Witzigerweise hatte ich im Flugzeug einen deutschen Chor getroffen, der mir voller Stolz erzählte, dass er am Sängerfest teilnehmen würde. Sie wunderten sich ganz schön über meine wirren Erklärungen zu meiner Situation!

Nach etlichen weiteren Stunden der Irrens durch Riga(die Stadt ist schließlich nicht klein, und ich wusste nur die Bahnhaltestelle!) fand ich endlich die Schule, in der mein Kolektiv untergebracht war. Im Klassenzimmer, das für uns 13 für eine Woche reichen musste, fand ich zwei Mädchen vor, die mir sofort erklärten, dass keiner an einen Schlafplatz für mich gedacht hatte. Das war mir herzlich egal- beim YES hatten wir ausgesprochen wenig geschlafen und ich hatte keine Anhaltspunkte, dass sich das in dieser Woche ändern würde! Nach drei Stunden Schlaf auf dem harten Boden weckten mich meine restlichen Tanzkollegen, die um Mitternacht vom Training zurückkamen, mit den Worten: “Aufstehen Jara! Wir haben dir eine Luftmatratze besorgt!”  Einige Scherzkekse fanden es besonders lustig, mich um ein Uhr nachts an der Nase rumzuführen: “Aufstehen Jara! Frühstück!”

Es wurde eine unglaublich anstrengende Woche. Ungefähr um acht Uhr gab es Frühstück, ab elf gingen die Proben los, die durch die Mittagshitze bis in den Abend hinein reichten. Und diese Hitze ist nicht zu unterschätzen: Es waren etwa dreißig Grad, und das jeden Tag, mitten auf dem schattenlosen Platz. Kein Wunder also, dass sich alle meine alten Freunde wundern, weil ich so braun bin! Jedem Tänzer wurden pro Tag drei Liter Wasser zugeteilt. Das hört sich nach vielleicht viel an, aber nach einer Stunde war das Wasser nicht mehr kühl genug zum Trinken, sondern so warm, dass es sich zu Wasserschlachten eignete. Davon gab es wirklich zu genüge! Zusätzlich mussten wir den Weg zum Stadion zu Fuß gehen, eine halbe Stunde hin, eine halbe zurück. An einem Tag gingen wir diesen Weg dreimal.. Ich glaube ich habe auch die Anstrengungen gut genug vor Augen geführt. Es heißt zwar, die Sänger haben es schwerer als die Tänzer, das halte ich aber für ziemlich unwahrscheinlich.

Also zurück zum Geiste des Festes: die Konzerte. Freitag und Samstag je eins um zwei bzw. drei Uhr und eins um zehn Uhr(abends, wohlgemerkt!). Plötzlich, wo wir alle in Volkstracht waren, zu 2000 einen Tanz vorführten und die Teilnehmer mehr jubelten als die Zuschauer, plötzlich verstand ich das Gefühl der Zusammengehörigkeit, von dem mir immer erzählt wurde. Stellt es euch einfach mal vor: die Tänze, die ihr ein Jahr lang geprobt habt. Die Erinnerung an die Anspannung vom März, als die Entscheidung fiel, wer teilnehmen würde. Die drei(für mich nur zwei, da ich einen verpasst hatte) Tage des unglaublich anspruchsvollen Trainings. Zweitausend Jugendliche auf dem Platz, die mit euch im Gleichschritt sind. Das Finale, bei dem ALLE 15000 Tänzer auf der Fläche Polka tanzten, jubelten und klatschten. Zudem hatte ich das Glück, das erste Konzert von der Zuschauerbühne aus mitzuerleben. Mir wurde eine Karte angeboten, und abzulehnen wäre einem Sakrileg gleichgekommen. Von oben hatte ich einen wundervollen Bilck auf die Formationen, die geformt werden- unten der Link zum Video. Vorsicht, das Konzert geht zweieinhalb Stunden! “Zuhause” kamen wir erst um ein Uhr morgens an, mit Duschen(vier Stück pro Geschlecht für eine volle Schule), Bluse waschen und für Ruhe im Zimmer sorgen landeten wir meist um halb drei im Bett bzw. auf der Luftmatratze.

So ist es doch verständlich, dass wir Sonntag, nach der Parade durch die die Stadt, uns wieder ein paar Stunden hinhauten. Die Nacht zuvor war der Tänzerball im riesigen Stadion gewesen, für mich der letzte Ball und natürlich absolute Pflicht. Vorher wurde ich von meinen Mittänzerinnen überfallen, mit Glätteisen bearbeitet, geschminkt und in ein enges Kleid und hohe Schuhe gesteckt. War schließlich das letzte Mal! Die Parade war sehr schön, wir spazierten durch die Hauptstraße und über den Freiheitsplatz, wunken mit unseren Tüchern und jubelten jedes Mal, wenn uns jemand “begrüßte”, also “Sveiciens Miķelēniem!” oder ähnliches brüllte.

Sonntag Abend fand dann das große Finale statt: Das Līgo-Konzert. Das Endkonzert der Sänger. Nicht umsonst das berühmteste und teuerste Konzert der ganzen Woche. 25000 Sänger auf einer Bühne! Wir als Teilnehmer kamen umsonst rein, normale Karten kosten etwa 50 Euro. Trotz der Müdigkeit, die meine Kollegen schon um halb acht in den Bus trieb, der uns wieder nachhause bringen sollte, blieb ich von halb sechs bis halb elf. Es war einfach unglaublich, so viele Sänger zu hören. Es hörte sich mehr wie vom Band an, dass so viele zusammen singen, ist relativ unglaublich. Als Bespiel die inoffizielle Hymne Lettlands “Saule, Pērkons, Daugava” .

https://www.youtube.com/watch?v=6CqXcj6kgYo2013-07-05 14.39.43

 

 

 

 

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Finale

 

 

 

 

So, jetzt muss auch ich mich endlich diesem Thema stellen, so gerne ich es auch verdränge. Seit fast vier Wochen bin ich wieder zurück in Deutschland, fast vier Wochen ohne Lettland, ohne meine Freunde, mein Herzland, meiner (Gast-)Familie. Zwar habe ich meine “richtige” Familie wieder, meine alten Freunde, dazu noch herrliche neue Bekanntschaften und das Wissen, durch die Austauschgemeinde Freunde in ganz Deutschland zu haben. Passend zu meiner Stimmung läuft im Radio das Lied ‘New Age’: “Mit jedem Tag versuche ich darüber hinweg zukommen. Was auch immer es war, es ist vorbei. Du hast dich verändert, eine neue Zeit hat angefangen.” Auch wenn es wieder meine alte Stadt ist, auch wenn meine Klassenkameraden und Freunde immernoch dieselben sind, auch wenn kaum ein Unterschied sichtbar ist: Es ist nicht dasselbe. Etwas hat sich verändert. Ich weiß nicht was mich an Lettland bindet, was es so unglaublich schwer macht, sich loszulösen. Um die Antwort zu finden, werde ich immer und immer wieder hinfahren müssen. Ich hoffe, die Antwort nie zu finden.

 

An die ATS dieses Jahres möchte ich noch hinzufügen: Die meisten meiner Zurückkehrerkollegen hassen euch. Das ist nicht persönlich zu nehmen. Ich selbst bin ziemlich neidisch, was das angeht(Was würde ich geben, an eurer Stelle zu sein…). Auf der anderen Seite wisst ihr so viel noch nicht, was man erst während oder gar nach dem Jahr lernt… Ich wünsche euch aus vollem Herzen ein unbeschreibliches Jahr. Diese Chance ist euch gegeben, ihr habe dafür gekämpft und es erreicht. Doch für euch fängt alles erst an, und nach der Rückkehr wird es nicht mehr dasselbe sein. Genießt dieses, euer, Jahr.

Ich verabschiede mich. Vielen Dank fürs Lesen und die Unterstüzung.

 

Jara

Vor dem Abenteuer: noch 9 Tage

Die Schule ist aus. Sommerferien! Normalerweise ist der letzte Schultag für mich ein Tage den dick fett unterstreiche und rot umrande, doch dieses Jahr war ich an meinem letzten Schultag nicht so glücklich. Schon am Donnerstag hat meine Mannschaft mir zum letzten Training eine tolle Überraschugs-Abschiedsfeier organisiert von der ich wirklich nichts wusste. Sie haben mir eine Kiste mit lauter sehr schönen Geschenken geschenkt, die ich mir erst zu Hause richtig angesehen habe, weil ich so berührt war. Wir haben gegrillt und ich hatte eine tolle Zeit.

Am Abend hatte ich noch ein Klassenfest mit Übernachtung, das war auch schön, aber das war noch nicht traurig, weil ich wusste ich würde die Leute nochmal am nächsten Tag sehen. Am Freitag habe ich also Zeugnisse bekommen und musste mich von allen verabschieden. Das war echt ein komisches Gefühl, vor allem weil ich meine Klasse sehr mag und wenn ich wieder komme gibt es nur noch Kurse. Ich gehe während der EF(10.Klasse) nach Südafrika und überspringe das Jahr dann, so dass ich in meine alte Stufe zurück kann. Für alle die im Moment überlegen, wie sie ihr ALJ einbinden sollen: das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Bei mir in NRW kann man das Jahr bei G8 in der 9.Klasse machen und überspringen, wenn man einen besseren Notendurchschnitt hat als 3,0 und keine 4 in einem schriftlichen Fach( glaube ich).
Freitag Abend waren noch meine guten Freunde bei mir. Ich habe lange überlegt, wie ich meinen Abschied feiern möchte. Erst habe ich eine große Party geplant, doch eine Freundin die nach China geht und ich haben und darüber unterhalten und da ist mir klar geworden, dass ich lieber mit meinen engeren Freunden, die mir wirklich fehlen werden, einen schönen Abend verbringen möchte. Und es war wirklich schön!

Immer wieder schreibe ich mit meiner Gastfamilie, kaufe eifrig Gastgeschenke ein und zähle die Tage bis zum Flug. Ich werde mein Flugticket bald buchen und einen Sitzplatz neben einem Freund buchen, damit ich nach dem Abschied von meiner Familie nicht alleine bin.

Ich bin so aufgeregt, das kann sich kaum jemand vorstellen!!!

 


Ein Lied, dass wir von einer Teamerin bekommen haben 🙂

8 hours to go

Ich habe nicht allzu viel geschlafen, es war zum einen unglaublich warm, zum anderen haben wir natürlich in unserer YFU Chile-WhatsApp-Gruppe noch ein bisschen geredet. Witzigerweise bin ich überhaupt nicht müde, und die Nervosität ist jetzt komplett weg. Ich freue mich nur unglaublich auf mein Abenteuer, auf mein Jahr in Chile. Ich freue mich darauf, die anderen YFU-ler wiederzusehen und in der Morgendämmerung über Brasilien, Paraguay, Argentinien und die Anden zu fliegen. In 26 Stunden bin ich in Chile.

Cariños, aún desde Alemania
Kara

Veröffentlicht unter Chile