Hallo

Hallo,

ich bin es, Dimitrije. Ich habe lange nichts hier veröffentlicht, aber wie man so schön sagt, besser spät als nie. Mein Austauschjahr neigt sich langsam dem Ende zu. Ich habe viele Menschen getroffen, deren Sichtweisen bzw. Blickwinkel erforscht und die Welt mit anderen Augen gesehen. Ich habe Vieles gesehen, obwohl Das meiner Meinung nach nicht so wertvoll ist wie das unantastbare bzw. die Gefühle der anderen, ihre Meinung. Jedoch wiederspiegelen sich die bereits genannten Erscheinung in der Kultur einer Nationen, eines Menschen wieder z.B. Architektur, Tradition… Die ganze Zeit wurde ich von meiner hilfsbereiten und äußerst gastfreundlich Familie begleitet, die mir den Weg wies, welche sozusagen der Botschafter ihrer Kultur so wie ich der Meinen war.

Den letzten Monat meines Austauschjahres möchte ich in vollen Zügen genießen. Mein Geburtstag steht kurz bevor und die Planungen sind schon im Gange. Ich hoffe nur, dass das schöne Wetter nicht auf sich warten lässt, aber wichtig ist nur, dass die frische Nordseebrise da ist. Dieses Jahr ist eine einmalige Chance die man unbedingt nutzen muss. Sie ist nicht immer leicht und manchmal scheint es so als ob die Hirden unüberwindbar sind, aber das Schein trügt oft, was wirklich zählt ist der Wille den man entweder hat oder versucht sich inspirieren zu lassen um ihn erst zu erleben bzw. zu bekommen. Im Grunde genommen war das alles was ich zu sagen hatte, ich wünsche den nächsten Generationen Glück, Ausdauer und den Mut den man braucht um so eine Reise an zu treten.

Viele Grüße

Dimtirije Nikolić

 

Drei Städte, drei Länder, drei Kulturen

Auf die vorsichtigen Fragen von Freunden und Familie aus Deutschland, ob wir denn so weit im Norden schon Frühling hätte, kann ich ohne Probleme antworten: Von wegen Frühling, der Sommer ist angebrochen! Noch vor etwa vier Wochen hat es 40 Zentimeter geschneit, jetzt haben wir einen Hitzerekord von 30(!) Grad. Hat sich das Warten doch gelohnt, der Winter ist übergangslos zum Sommer geworden. Darf ich also wieder beim Sport draußen schwitzen! Und zwar nicht nur in der Schule, nein nein. Die Letten sind ein überaus aktives Völkchen, meine freie Zeit verbringe ich mit meinen Gastbrüdern und Freunden draußen beim Tischtennisspielen, Basket- oder Volleyball. Stört nicht, dass ich keine dieser Sportarten allzu gut beherrsche ;-D Wer davon die Nase vollhat, kann in einem der nahen Seen schwimmen gehen oder eine Fahrradtour über das überaus flache Land unternehmen. Außer es gibt eine der wunderlichen Wetterphänomenen, die zur Normalität geworden sind: Regen und Sonnenschein oder Gewitter mit Blitz und Donner, aber ohne Regen.

Apropo Touren… in der vergangenen Zeit, schon fast zwei Monate, ach du meine Güte,  unternahm ich davon zwei. Also natürlich mehr, aber zwei in andere Länder: Das YFU-Mittelseminar in Tallinn, der Hauptstadt unseres Nachbarlandes Estland, und eine viertägige Reise nach St. Petersburg.

 

Tallinn

 

Das Mittelseminar wurde von allen heiß ersehnt, da wir uns unter ATS seit Weihnachten nicht mehr gesehen haben. Da ich nicht in Riga wohne, komme ich mir manchmal ein bisschen ausgesetzt vor, da die nächste ATS 84 Kilometer von hier entfernt wohnt. Auf der anderen Seite ist das nicht so viel, da das Bussystem gut ausgebaut ist und die Busse in alle Richtungen etliche Male täglich fahren.

Anfang April entschuldigte ich mich bei meiner Klassenlehrerin und fuhr nach Riga, wo sich alle ATS getroffen haben. Nach einigen Aufschreien zwischen eigentlich fast Fremden, die durch das Austauscherlebnis zu guten Freunden stapelten wir uns in einen kommerziellen Reisebus und machten uns auf nach Tallinn. Sechseinhalb Stunden später hatten wir unheimlich viel Kakao getrunken, Informationen ausgetauscht und alle Kopfschmerzen. Im Rekordtempo legten wir unsere Taschen in der Herberge ab und gingen essen. Für mich schon der erste Beweis, wovon ich schon viel gehört habe: Dass Estland ein sehr modernes Land ist. Im Restaurant starrte wir alle eine Weile verdutzt auf kleine Kärtchen, die uns ausgeteilt wurden, bis wir das Prinzip verstanden hatten: Du bestellst das Essen, wartest an der Theke bis du es bekommst und hälst dann das Kärtchen gegen einen Pieper, wo der Betrag übertragen wird. Nach dem Essen eilten wir gleich weiter in einen Buchladen, mit der Begründung: Überraschung! In der Tat war zu der Zeit die Tallinn Musik Week, an der auch Prāta Vētra gespielte, die beliebteste lettische Popband. Nicht ohne Grund, wie wir erfahren durften. Besonders mitreißend wurde es dann, als der Sänger die englischen Texte hinter sich ließ und die ganze Masse anfing auf Lettisch zu singen!

Unsere drei Tage Tallinn kann man mit zwei Wörtern sehr gut zusammenfassen: zu kurz! Teile des Programms waren zum Beispiel eine zum Schießen komische Stadtrallye, bei der wir uns nur dachten, welche Hirne haben sich diese Extraaufgaben ausgedacht?! Es war auf jeden Fall ein Erlebnis, ein paar Stunden wie die Bekloppten durch Tallinn zu rennen, und das Gelächter der Teamer, als sie sich unsere Videos angesehen haben, konnte man bis auf die Straße raus hören.

Tallinn ist eine wunderschöne Stadt. Sie ist sehr gut erhalten und in Schuss gesetzt, dafür aber ergibt sich ein Gefühl der Unechtheit. Es ist wie die Mischung einer Megametropole(in klein, schließlich hat Estland nur 1.3 Millionen Einwohner)und einer neu erbauten Altstadt. Dazu noch die ungewöhlich Sprache, die für mich aussieht wie endlose Vokalreihen, aber sich sehr schön anhört. Estnisch hält den Rekord für das Wort mit den meisten Umlauten hintereinander, jäääär (wenn ich nicht ganz falsch liege Eisstraße).

In Lettland gibt es übrigens jede Menge lieb-lustig gemeinte Vorurteile über Esten, etwa dass Esten das langsamste Volk der Welt ist oder dass in Estland die Bäume kürzer sind. Kann ich nur bestätigen, das mit den Baumen…Kiek in de Kök

 

 

 

 

 

Sicht durch ein Loch in der Mauer

 

Die Alexander-Newski-Kathedrale, ein ortodoxes Gotteshaus. In Tallinn gibt es erstaunlich viele Kirchen, wenn man berücksichtigt, dass die Esten das nicht-gläubigste Volk der Welt sind…

 Sankt Petersburg

Ja ihr habt richtig gelesen! Meine letzte Reise ging in das Land der Vorurteile, das Land der Korruption, der Unterdrückeung Lettlands, der Sowjetzeitbefürworter, und ganz sowieso da wo alle tun und lassen was sie wollen. So zumindest wurde mir Russland immer dargestellt- wie anders die Wahrheit herausfinden als hinfahren?

Die Reise war diesmal nicht von YFU, sonden von einer ATS(nenn wir sie mal “Saebelzahn”) organisiert. Das bedeutete für uns vier, die mitgefahren sind, unendlich viele Telefonate mit Familien in Deutschland und Österreich, Unterhatungen mit Gastfamilien und Freunden, die nicht so recht verstanden haben, warum Russland, und kleine Stressigkeiten mit YFU, da selbstorganisierte Reisen nicht so ganz lupenrein sind. Mit vielen Ratschlägen von beiden Familien und an allen Hindernissen vorbei ging es letzten Mittwoch los- vier Tage Russland! Zusammen mit einer Gruppe aus 8 Letten/Russlandletten, zwei Busfahrern und einer Reiseführerin ging es auf die Reise nach Sankt Petersburg, mit Exkursionen in alle größeren Touristensehenswürdigkeiten und noch einiges anderes. Die ersten Schwierigkeiten gingen an der Grenze zu Russland los, keine von uns hatte bisher eine Grenzkontrolle mit Visa über sich ergehen lassen müssen. Noch dazu gab es Ärger mit unserer ‘Australierin’- zwischen австрия und австалия ist im Russischen nur ein Buchstaben unterschied.

Am ersten Tag besuchten wir das Kloster in Pskov, eine Stadt nahe der estnischen Grenze. Das Kloster war ungewöhnlich voll, da unsere Reise genau mit dem orthodoxen Ostern zusammenfiel. Gekleidet in Rock und mit Tuch auf dem Kopf(absolute Pflicht für alle weiblichen Besucher) staunten wir über die üppige russische Architektur. Besonders beeindruckend fand ich die bunten Farben, in denen sogar das Kloster gestrichen war- ein knallgrüne Kirche sieht man auch nicht alle Tage. Schon am ersten Tag merkten wir, unsere Reiseleiterin ist ein flotte alte Dame: Sie raste in einem Tempo durch sämtlich Aktionen, dass wir kaum mitkamen!

Eindrücke aus Pskov

 

Mehr Eindrücke aus Pskov

 

Abends um etwa ein Uhr kamen wir endlich im Hotel an, die eher eine einfache Unterkunft war, da wir sowieso nicht viel Zeit dort verbrachten. Totmüde fielen wir ins Bett, aber viel Zeit zum Schlafen hatten wir nicht…

Denn am nächsten Tag ging es morgens los auf eine Rundfahrt durch die Stadt, die Saebelzahn verrückt gemacht hat, da unsere Reiseleiterin eine sehr blumige Sprache verwendete… versucht das mal sinnvoll zu übersetzen:”Es ist so ein schöne Haus! Schaut doch mal, was ein wundervolles Haus! So eine klasse Stadt hier!”

Aber Unrecht hatte sie nicht, St. Petersburg ist wirklich eine wunderschoene Stadt und den Besuch auf alle Faelle wert. Genauer gesagt habe ich das Gefuehl, zurueckkehren zu muessen. Dass man irgendeine Kultur, geschweige denn die -zugegebenermassen- europaeischtste Stadt Russland in ein paar Tagen unmoeglich verstehen kann, hat mir das Austauschjahr beigebracht.

Ein Highlight des ersten Tages,und des ganzen Besuches, war der Besuch in der State Hermitage. Das russische Kunstmuseum ist nicht umsonst weltberuehmt, davon hat schon die ewige Schlange vor der Tuer gezeugt. uebringes wbeschweren sich touristen oft darueber, dass Einheimische wesentlich weniger bezahlen als Besucher. aber wenn man mal daruebe nachdenkt, in seinem Urlaub gibt man mehr Geld aus als im Alltag und viele Russen koennten sich einen Besuch in ihren eigenen Ausstellungen nicht leisten, wenn diese Ermaessigungen nicht waeren. Unsere Besuch in der Hermitage ging gleich mit einem Drama los- zwei von uns vier ATS hatten keinen ISIC, kurz fuer Internaitional Student Identification Card, eine internationale Ermaessigungskarte fuer Schueler. Sie erspart jedem Schueler eine Menge Geld, ich wuerde zum Beispiel auch im Supermarkt damit Ermaessigung bekommen und der Besuch der Ermitage ist mit ihr kostenlos. Da diese Karte in Lettland nur in Riga ausgestellt wird, hatten die beiden “Laendler”, unsere Oesterreicherin und ich keine. Nach einigem Stress mit unserer Reiseleiterin, die meinte wir muessten uns halt in der endlosen Schlange anstellen, da sie uns als gruppe  mit ISIC angemeldet hatte, stellte sich heraus: Der Besuch der State Hermitage ist fuer Unter-18-Jaehrige sowieso kostenlos!

Nur zu schade, dass es eigentlich nie reicht für so ein großes und wunderschönes Museum- wer kann schon fünf Stunden stehend sich Kunst ansehen? Den Versuch ist es aber auf jeden Fall wert, die Ermitage(ich muss zugeben, keine Ahnung wie man das richtig schreibt) ist ein einziges KUNSTWERK. Seht es euch selbst an, wenn ihr je nach Sankt Petersbug kommt!

Noch am selben Tag folgte eine Bootfahrt durch die vielen Kanäle der Stadt, vorbei an etlichen Prachtgebäuden. Endlich hatte ich verstanden, was unsere Geografieleherin uns mit ‘Kulturregionen’ beibringen wollte. Ein Haus, das in Sankt Petersburg steht, wäre in Riga fehl am Platz, und die Architektur Tallinns würde in Berlin auffallen wie ein bunter Hund. Nicht das ein Unterschied an einem bestimmten Punkt festzumachen wäre, es ist mehr eine Atmosphäre, die jeder Stadt eigen ist. Es sind nicht die Straßenschilder auf Kyrillisch(das ich zumindest lesen kann), nicht die prachtvoll russischen Kuppelbauten, nicht das Russisch. So wie Tallinn eine Atmosphäre des sehr aufgeschmückten Alters hat, sieht Sankt Petersburg aus wie im 19. Jahrhundert mit modernen Mitteln erbaut, und Riga- ist und bleibt meine Lieblinghauptstadt!- wirkt wie zerfallen und neu zusammengenäht, ist es in jeder größeren Stadt anders.

Samstag folgte ein Spaziergang durch das Catherinenschloß, mit dem berühmten Bernsteinzimmer. Ein Geschichtsstein der russischen Geschichte, in der man sich zu meinem Leidwesen sehr gut verlaufen kann… Wo kamen plötzlich die ganzen Leute her?! ‘Ich entschuldige mich übrigens für die blumigen Ausdrücke, das wurde uns genau so erklärt.

Abends nutzten wir die freie Zeit, mit ein paar Russen spazieren zu gehen, die wir am Morgen zuvor im Hotel kennengelernt hatten. Eine von ihnen hatte uns auf Deutsch angesprochen und sich als Studentin aus dem Süden Russlands auf Urlaub vorgestellt. Beim Gespräch versuchten wir uns so gut wie möglich auf Deutsch zu unterhalten, während Säbelzahn vor uns fröhlich auf Russisch plapperte. Mit Händen und Füßen erzählten wir uns Geschichten aus Deutschland, Lettland, und Russland, und freuten uns über Verständnis auch ohne gemeinsame Basis.

Von der Nachttour am selben Abend kann ich nicht viel erzählen- wir waren einfach zu übermüdet, um uns allzusehr auf die weitgeschwungenen Reden unserer Reiseführerin zu hören. An der Brücke über die Neva wachten wir wieder auf- an dem Abend war die Brückenanhebung und orthodoxes Ostern, was Fastenbrechen beduetet. Brückenanhebung bedeutete zu meiner Enttäuschung aber nicht, dass sich die gesamte, etwa 100 Meter lange Brücke anhebt, sondern nur der erste Brückenbogen.

Am nächsten  Morgen hieß es schon:”Einpacken, wir fahren!” Mit Halt in Peterhof, einem großen, hübschen Park, ging es über Estland zurück nach Riga. Etwa ein Uhr morgens waren wir an der Grenze und ließen die Grenzformalitäten über uns ergehen, diesmal wesentlich angenehmer(und langsamer) da- wer hätt’s gedacht!- um eins ist nicht viel los so an der Grenzstation! Auch wenn ich das Gefühl habe,dass der Grenzbeamter fast nicht durchgelassen hätte. Was ein Pokerface dieser Russe drauf hatte! So gut, dass Säbelzahn bei der Frage, wo wir denn waren, fast einen Herzinfakt bekommen hätte. Dabei war er nur nett und wollte wissen, ob es uns gefallen habe. Ohhh ja…

 

Tja, und nach zwei Wochen Kampf konnte ich endlich diesen Blog halbwegs logisch formulieren! Dazu ist heute ein besonderer Tag. Habe ich schon erzählt, dass man in Lettland Namenstage feiert? Jeden Tag sind etwa 2-4 Namen im Kalender geschrieben. Oft ohne (mir) enkenntlichen Sinn, aber wenigstens kann ich verstehen, dass Adams und Ieva(Eva) am 24. Dezember Namenstag haben. Naja, Jara ist in den meisten Ländern dieser Welt ein seltener Name, aber in Lettland habe ich immer das Gefühl, alle Letten würden sich mit ungefähr 15 verschiedenen Namen abwechseln. Beim 22. Mai stehen zwei Einträge: Emilija; kalendarā neierakstītu vārdu diena. Im Klartext: an alle wie mich, die gar nicht im Kalender drinstehen, kann man trotzdem Spontangeschenke machen! Oder einfach gratulieren…. So “feiere” ich diesen Tag mit meinem Bruder und selbstgebackenen Kuchen und wünsche allen ATS noch wundervolle letzte Wochen, allen Daheimgebliebenen ein gutes Restschuljahr und allen zusammenhanglos diesen Blog lesenden einfach einen schönen Tag!

Jara

 

Koolipere – Schulfamilie

Heute möchte ich mich noch einmal etwas mehr meiner estnischen Schule widmen. Ich und meine Klassenkameraden befinden uns gerade in der Endphase des Schuljahres, in der die Lehrer bezüglich Klassenarbeiten und Leistungskontrollen vor der Zeugnisausgabe in knapp drei Wochen noch einmal richtig Gas geben. Dabei haben wir Zehntklässler es eigentlich noch recht leicht, die Elftklässler müssen in diesen Tagen ihre uurismistööd, ihre umfangreichen Hausarbeiten, die einen Großteil ihrer Note in gleich mehreren Fächern ausmachen werden, präsentieren und verteidigen, während die Zwölftklässler mit den riigieksamid, dem Äquivalent des Abiturs in Estland, zu kämpfen haben. Doch trotz dieser stressvollen Zeit für Schüler wie Lehrer kommt der Spaß nicht zu kurz: So wurde Ende April der Tutipäev an meiner Schule veranstaltet. An dem letzten “richtigen” Schultag ihres Lebens – während der Prüfungsphase findet für die zukünftigen Abiturienten in Estland kein Unterricht statt – verkleiden sich die Zwölftklässler wie an ihrem ersten Tag in der Schule, mit Kinderrucksäcken, Luftballons, Kuscheltieren… In der Turnhalle wurden Kinderspiele wie Topfschlagen organisiert, denen die ganze Schule beiwohnen durfte, für die Oberstufe gab es außerdem einen kleinen Festakt, bei denen die Abiturienten für besonderes Engagement für die Schule geehrt sowie Reden von Lehrern und Schülern gehalten wurden. Diese waren teilweise sehr behrührend, einige Lehrer, die die Schüler, die die Schule bald verlassen werden, teilweise schon als Siebenjährige kannten, haben gesungen oder sogar selbstgeschriebene Gedichte vorgetragen. Auch die Abiturienten haben sich in einer witzigen Rede bei den Lehrern, die sie auf ihrer Schullaufbahn begleitet haben, bedankt. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist hier teilweise gradezu familiär, und auch das Zugehörigkeitsgefühl zur Schule ist ungemein groß. Dieser Zusammenhalt wurde mir auch am letzten Montag noch einmal bewiesen, als die alljährlichen Olympischen Spiele meiner Schule veranstaltet wurden. Alle Schüler und Lehrerwurden in eines von sechzehn Ländern eingeteilt, die sich dann in verschiedensten Wettkämpfen miteinander gemessen haben. Die gesamten letzten Wochen standen bereits im Zeichen der Olympiade, die Teams mussten sich mit Plakaten, Fotos und Geschichten sowie in einem Quizspiel präsentieren, um Punkte zu sammeln. Die Spiele gipfelten am Montag in einem großen Festumzug durch die Stadt sowie lustigen Wettkämpfen wie Tauziehen oder einem Huckepackrennen. Am Ende des Tages wurden alle Teilnehmer mit einer Medaille und und einem kleinen Preis belohnt.

Am letzten Samstag durfte ich mit YFU im Rahmen des Europatages eine tolle Veranstaltung in Tallinn besuchen. Ich und andere Austauschschüler trafen uns nämlich mit Mitarbeiterinnen der deutschen und österreichischen Botschaft in der estnischen Nationalbibliothek. Nachdem wir erst eine Führung durch die riesige Bücherhalle, die auch eine umfangreiche deutschsprachige Abteilung besitzt, bekommen haben, konnten wir uns im österreichischen Lesesaal bei Saft und Kuchen mit zwei in Tallinn arbeitenden Mitarbeiterinnen der Botschaften unterhalten. Es war sehr interressant, über die spannende Arbeit in den Botschaften und das Leben als Diplomat zu erfahren. Außerdem konnten wir uns über die estnische Kultur austauschen, die die Diplomaten und wir Austauschschüler ja auf ganz unterschiedlichen Ebenen erfahren dürfen.

Antworten auf viele Fragen!

Da ich vorallem in den letzten Wochen haeufig Fragen gestellt bekomme, habe ich beschlossen sie nun einfach mal zu beantworten und auch mal mehr ueber die Vereinigten Staaten als Land zu berichten! Ausserdem kann ich mich an die Vorbereitungszeit erinnern, als ich selber total viele Fragen hatte. Falls irgendeine Frage nicht beantwortet wurde, hinterlasst einfach einen Kommentar und ich werde bestimmt darauf antworten.

1. Wie gut ist dein Englisch?

Ich kann nicht wirklich einschaetzen wie gut mein Englisch ist, da ich jeden Tag mit Amerikanern umgeben bin, die fliessend und perfekt Englisch reden. Wahrscheinlich werde ich es erst in Deutschland herrausfinden ob ich mich wirklich verbessert habe. Ich denke ich habe den amerikanischen Slang ein wenig uebernommen und natuerlich habe ich auch neue Woerter gelernt. Das schoenste Gefuehl ist, wenn ich mit jemandem Fremden angefange Englisch zu reden und sie es nicht bemerken, dass ich aus Deutschland komme. Bei einem bin ich mir doch sicher, mein Deutsch hat sich verschlaechtert, vorallem wenn ich einen Text schreiben muss.

2. Freust du dich auf Deutschland?

Ich freue mich nicht auf den Abschied und darauf mein Leben hier zurueckzulassen, aber ich freue mich nach einem Jahr wieder heimzukommen. Ich freu mich vorallem auf das deutsche Essen. Amerikanisches Essen ist ziemlich einseitig und ich habe das Gefühl, dass es so gut wie jede Woche das Gleiche gibt. Und ich freu mich auf die deutschen Autobahnen. Der Highway ist einfach zu langsam für eine Deutsche. Natürlich freue ich mich auch sehr auf meine Freunde in Deutschland. Es ist ein komisches Gefühl, dass wir uns schon seit einem Jahr nicht mehr gesehen haben und ich freu mich schon allen wieder eine Umarmung zu geben. Trotzdem habe ich ein wenig Panik davor nach Deutschland zu kommen, da ich in Amerika ein 2. zu Hause gefunden habe und da ich mich so in den Mid-west verliebt habe. Ausserdem habe ich seit einem Jahr nicht wirklich etwas für meine anderen 2 Fremdsprachen gelernt (Französisch und Spanisch) und das macht mir schon ein wenig Angst vor der Schule. Ich höre von vielen Austauschschülern, dass das Heimkommen am schwersten ist. Wir werden sehen!

3. Trägt man an jeder High-School in Amerika Uniform?

Nein, ich habe nur eine Uniform getragen, da ich auf eine private und katholische Schule gegangen bin.

4. Wärst du lieber auf eine öffentliche High-School gegangen?

Während meines Austauschjahres habe ich mir öfters gewünscht auf eine öffentliche Schule zu gehen. Einfach da alle öffentlichen Schulen so schön sind und meine privat Schule nicht unbedingt die neuste ist. Viele Leute denken auch an riesen grosse High-Schools und meine Schule hatte nur 300 Schüler. Am Ende des Schuljahres hat sich aber meine Meinung total geändert. Ich habe die besten Freunde gefunden, meine ganze Schule war eine so gute Community und die Lehrer waren so vertraut mit jedem einzelnen Schüler. Am Ende kommt es nicht darauf an wo du dein Austauschjahr machst, sondern was du daraus machst und wie arg du dich darauf einlässt.

5. Wie nah bist du zu deiner Gastfamilie?

Meine Gastfamilie ist wie meine richtige Familie für mich und ich bin ein richtiges Familienmitglied.

6. Warum bist du in Missouri und nicht in Florida oder Kalifornien?

Eine Gastfamilie hat sich eben in Missouri gefunden! Ich bin froh, dass ich hier gelandet bin. Die Menschen sind total freundlich und offen. Ich liebe den Mix zwischen dem Süden  und dem Norden. Ausserdem ist es am Ende total egal wo du landest. Wie schon gesagt, am Ende kommt es darauf an was du aus deinem Austauschjahr machst.

7. Was gefällt dir an Amerika, was gefällt dir eher nicht? Würdest du auswandern?

Diese Frage werde ich ungefähr jeden Tag von Amerikanern und Deutschen gefragt und ehrlich gesagt ist das eine schwere Frage und es hat mich lange gebraucht darauf eine Antwort zu finden. Ich würde wahrscheinlich nicht auswandern, da ich meine Familie nicht verlassen möchte, aber ich würde auf jeden Fall für eine bestimmte Zeit nochmal zurückgehen. Mir gefällt an den Staaten hauptsächlich das politische System nicht. Ich bin kein Fan davon, dass es nur 2 grosse Partein gibt. Ausserdem kommt mir Deutschland einfach stabiler vor, mit Krankenversicherung und Altersvorsorge. Und natürlich das deutsche Essen würde mir fehlen und ich denke ich hätte auch meine Probleme mit dem amerikansichen Schulsystem. Ansonsten fällt mir gerade nicht sehr viel ein. Ich mag die grossen Autos, die vielen verschiedenen Restaurants, die vielen Flaggen vor dem Haus, den Nationalstolz, die Nationalhymne, Baseball, Football, die grossen Trucks, die freien Refills in Restaurants, die Öffnungszeiten der Geschäften, das Wetter in Missouri (abgesehen von den vielen Tornados), die vielen freundlichen Smalltalks, das respektvolle Umgehen, und obwohl viele Menschen nicht meiner Meinung sind auch das Waffengesetz.

8. Bist du froh, ein Austauschjahr gemacht zu haben?

Es war die beste Entscheidung die ich hätte treffen können. Ich habe so viel über die Welt und mich selber gelernt. Ich habe ein 2. Zuhause gefunden und ich habe viele Sachen aus Deutschland zu schätzen gelernt. Obwohl ich noch ein Jahr länger jetzt zur Schule gehen muss, würde ich mich nie wieder anderst entscheiden. Ein Austauschjahr ist bestimmt nicht einfach und ich hatte auch nicht nur schöne Tage, aber ich habe jeden einzelnen Tag was neues gelernt und erlebt und neue Erfahrungen gemacht. Ich bin so dankbar für diese grosse Chance.

Sveiki!

Vielleicht ist es nicht besonders einfach, die kleine Raffinesse in der Überschrift herauszufinden: Es ist kein Estnisch! Tatsächlich ist es das lettische Wort für „Hallo“. Es ist immer wieder verblüffend, zu sehen, was es alles für Sprachen gibt, die auch wirklich noch als Amtssprachen verwendet werden. Vor allem ist es aber bemerkenswert, wie sehr sich die estnische Sprache von der lettischen unterscheidet, obwohl es Nachbarstaaten sind, von denen Estland ja nicht besonders viele hat (nur noch Russland und eine Seegrenze zu Finnland). Tatsächlich gehören sie nicht einmal zur selben Sprachfamilie, denn Lettisch gehört zu den baltischen und Estnisch zu den finno-ugrischen Sprachen.

Doch warum diese kleine Sprachkunde? Es war zu ahnen: YFU veranstaltete mal wieder einen Ausflug der Austauschschüler, und zwar in die lettische Hauptstadt Riga. Zwar ist dieses baltische Land größer als Estland, doch das sollte kein Maßstab für die Bezeichnung „groß“ sein, denn es hat magere zwei Millionen Einwohner. Allerdings ist in Anbetracht dessen seine Hauptstadt mit knapp 700.000 Einwohnern tatsächlich sehr groß. Und dass trockene Zahlen absolut nichts über die Schönheit oder Vielfalt eines Landes aussagen, habe ich ja bereits erfahren dürfen.

Doch erst einmal der Reihe nach. Unsere Exkursion fand vom dritten bis zum fünften Mai statt, zwei Nächte also, von denen wir die erste im südestnischen Setomaa verbrachten. Mir war nicht bewusst, welch vielfältige Natur Estland besitzt: Wir besichtigten eine riesige Höhle und beeindruckende Sandsteinfelsen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Riga. Da Lettland zwar EU-Mitglied ist, aber die Währung „Lats“ besitzt (ein Lats, zwei Lati; von einigen deutschen Austauschschülern der Einfachheit halber einfach „Letten“ genannt), fuhren wir von der estnischen Grenzstadt Valga ins lettische Valka, hoben Geld ab, fuhren zurück nach Valga und von dort aus nach Riga. EU-Grenzen sind schon was Feines.

Geografische Nähe und Erreichbarkeit hin oder her, es faszinierte mich, wie kulturell unterschiedlich die beiden baltischen Staaten beziehungsweise ihre Hauptstädte sind. Von der Architektur her hat mich Riga an deutsche Städte erinnert, was in Tallinn absolut nicht der Fall ist, und die Sprache ist für mich in absolut keine Kategorie einzuordnen, was jedoch meiner Meinung nach ihren Reiz ausmacht.

Wir sahen uns die Stadt gemeinsam an, aber es wurde  uns auch genug Freizeit gegeben, sodass der Ausflug YFU-typisch eine ausgewogene Mischung aus informativ und entspannend war. Auf jeden Fall bin ich froh, dieses mir bis dahin vollkommen unbekannte Land einmal, wenn auch nur kurz, gesehen zu haben, denn es ist definitiv einen Besuch wert.