Reise zur Mitte der Welt … und mehr

Es ist echt unglaublich, dass ich es wieder drei Monate nicht auf die Reihe bekommen habe, etwas zu schreiben. Naja – dafür gibt es jetzt auch wieder ziemlich viel zu erzählen. Angefangen bei der Reise “Ruta del Sol” über die FFF, die  größte Feier Ambatos, bis hin zur “Avenida de los Volcanos”, meiner Reise letzte Woche, eine der schönsten Erlebnisse meines Lebens. Außerdem war in den letzen Monaten Halbzeit und ich kann es nicht fassen, dass mir nicht mal mehr 100 Tage bleiben, bis ich wieder nach Hause zurück muss.

Jetzt erstmal alles nach einander, begonnen bei der Reise Ruta del Sol, angeboten von YFU, die von Puerto Lopez über Salinas bis nach Guayaquil ging. Der erste Eindruck und der, der mir wohl immer im Kopf bleiben wird, ist, dass es einfach nur warm war. Und nach der Woche Strandurlaub kann ich nur sagen, dass ich wirklich froh bin, meine Heimat in der Sierra gefunden zu haben. Und es ist faszinierend, dass es in diesem kleinen Land so unterschiedliche Klimazonen gibt. Also unsere erster Stop war in Puerto Lopez, einer kleinen, verdreckten Touristenstadt mit einem Strand, der eher zum Fischen genutzt wurde. Dieses Ort hat mir aber mit am besten gefallen, da er einfach wie ein kleines, ruhiges Fischerdorf aussah. Von hier aus sind wir zu einem wunderschönen Strand in einem Naturschutzgebiet gefahren. Außerdem haben wir die Isla de la Plata besucht, Insel des Silbers. Die hat ihren Namen daher, dass die spanischen Entdecker gedacht haben, dass der Kot der vielen Vögel von Weitem aussah wie Silber. Hier habe ich zum Beispiel Blaufußtölpel gesehen, die auch auf den Galapagosinseln. Ich habe auch das erste mal Schildkröten in freier Wildbahn gesehen, da wir Tauchen waren. Auch einige bunte Fische habe ich gesehen. Die Insel ist auch Teil des Naturschutzgebietes und es intressant zu wissen, dass 20% von Ecuador Nationalparks sind. Auf dem Weg sind wir wohl auch an Delfinen vorbei gekommen, wobei ich nicht wirklich etwas gesehen hab, die Reiseleiter uns aber erzählt haben, dass dort Delfine waren. Nach unseren Tagen in Puerto Lopez ging es dann für einen Tag nach Montañita, für viele der schönste Strand Ecuadors, und damit auch der Ort, der von den meisten Touristen besucht wird. Aber es gibt auch allen Grund zu sagen, dass es der schönste Strand Ecuadors ist. Überall weißer Sand und eine wunderschönes blaues Meer. Es laufen bloß einfach mehr Gringos rum als Ecuadorinaner. Abends sind wir in Salinas angekommen, wo wir nochmal 2 Nächte verbringen sollten. Dieser Strand war einfach nur vollgebaut von Hotelhochhäusern und ist mit einer der kältesten Orte an der ecuatorianischen Küste, da die Stadt auf einer Halbinsel gebaut ist und der Küstenwind immer durch Stadt weht. Hier haben wir Quatsch wie Bananenboot fahren gemacht, halt richtiger Tourikram. Außerdem sind wir zum westlichsten Punkt des Kontinents gefahren, der Chocolatera.  Danach ging es auch schon nach Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors mit 3,2 Millionen Einwohner. Sie ist auch der größte Hafen und damit auch gleichzeitig das Wirtschaftszentrum Ecuadors. In Guayaquil war es mit am heißesten, obwohl es die beiden Tage dort nur bewölkt war. Bei dem ekligen, schwülen Klima wäre man am liebsten nur in seinem Zimmer mit Klimaanlage geblieben. Hier gab es dann eine Stadtführung durch Teile des Zentrums, den Malecón bis zum Berg, auf dem Guayquil gegründet wurde. Der Malecón ist auch der schönste Teil Guayaquils, da dieser in den letzten Jahren neu aufgebaut wurde, weil das Ufer eher als gefährlich galt bis vor ein paar Jahren und die Stadt eine neue Touristenattraktion schaffen wollte. Damit wurde aus den Ufern des Guayas ein einziger großer Park. Außerdem steht hier ein sehr schönes Denkmal, das an Simon Bolivar erinnern soll, den große Befreier Südamerikas. Dieser hatte den Traum, ein großes Land zu gründen und damit alle  Länder Lateinamerikas zu vereinen. Wie man sieht, ist daraus aber nichts geworden. Übrigens soll Guayaquil seinen Namen daher haben, dass zu den Zeitpunkt, als die Spanier dort ankamen, der Prinz Guaya und die Prinzessin Quil hieß und sie die Namen einfach zusammen gefügt haben. Die Reise hat mir wirklich gut gefallen, da ich so einen ganz anderen Teil Ecuadors kennen lernen konnte, aber um ehrlich zu sein:  ich würde gegen nichts mein Leben in der Sierra gegen eins an der Küste und am Meer eintauschen wollen. Dort wäre es mir viel zu warm, und ich finde die Berge einfach zu schön, da bei uns in Norddeutschland die größten Berge vielleicht 30 Meter hoch sind.

Über die ganze Zeit war es auch echt spannend, einen anderen Dialekt in Ecuador zu hören, das Costeño. Hier werden Konsonanten wie das s am Ende meistens weggelassen. Dort wird aus einem “mas o menos” ganz schnell mal ein “ma o meno”, und um ehrlich zu sein finden ich das schon ein bisschen affig, immer die Hälfte der Wörter wegzulassen. Aber das liegt wohl einfach daran, das ich mein Spanisch hier in der Sierra gelernt habe. Zu “affig” passt auch ganz gut, dass die Leute aus der Sierra die Leute aus der Küste Monos nenne, also Affen. Ich denke, dass es daher kommt, dass die Menschen meistens dunkler sind als die aus der Sierra. Wobei mir die Dialekte während der Reise gar nicht so wirklich aufgefallen sind. Das kam dann erst  später auf der Reise ” Avenida de los Volcanos” mit anderen Austauschschülern von der Küste, bei denen ich den Dialekt zu ersten Mal wirklich gehört habe. Aber auch wir in der Sierra haben einen Dialekt, über den man sich teilweise lustig machen kann. Wobei mir jetzt gerade nichts einfällt, um die Unterschiede aufzuschreiben.

Ich bin dann zwei Wochen nicht zur Schule gegangen, da in meinem Colegio die Examenes geschrieben wurden, also die großen Halbjahresarbeiten. Danach waren noch zwei Wochen Ferien rund um die FFF, die Fiestas de la Fruta y las Flores. Das sind viele Feiern in der ganzen Stadt und ein zusätzliches Programm wie zum Beispiel die Schönheitsköniginnenwahl und mehrere große Paraden quer durch die Stadt. Die größte der Paraden ist dabei so berühmt, dass Leute aus anderen Teilen Ecuadors anreisen und sich schon 2 Tage vorher mit ihren Stühlen an die Straße setzen, um die besten Plätze in den ersten Reihen zu haben. Ich hatte Glück, da meine Familie Bekannte an der Straße hat und wir uns so mehr oder weniger Plätze reservieren konnten. Das hat mich trotzdem nicht gerettet davor, dass ich am nächsten Morgen um viertel vor Sieben mit meine Eltern an der Umzugstrecke war, um unsere Plätze zu bekommen. Danach hieß es dann 2 1/2 Stunden warten, bis die Parade endlich begann. Aber ich muss sagen, es hat sich wirklich gelohnt. Schon Monate vorher fangen die einzelnen Gruppen, an ihren Wagen zu bauen und ihre Tänze einzustudieren. Die Besonderheit besteht auch darin, dass teilweise Lebensmittel zum Schmücken der Wagen benutzt werden wie Brot oder allerlei Früchte aus der Region. Jedes Jahr werden auch verschiedene ausländische Gruppen eingeladen, meist aus Leteinamerika, aber dieses Jahr gab es auch aus anderen Ländern Gruppen, wie zum Beispiel aus Russland oder China. Dann auf der Parade kommen noch Gruppen aus der Region dazu, aus nahe gelegenen Städte wie Pillaro oder Pilileo. Während der ganzen Festtage wird auch an der Kathedrale ein Bild, das nur aus Lebensmitteln besteht, aufgehängt. Dies ist jedes Jahr mit einer christlichen Botschaft verbunden, die einen über das Jahr begleiten soll. Ich finde es wirklich schade, dass wir solche Paraden in Deutschland nicht haben. Alle die Wagen und die ganze Parade waren sehr schön anzusehen.

Das nächste große Ereignis sollte nun die Reise “Avenida de los Volcanos” sein. Von Otavalo im Norden bis nach Cuenca im Süden. Und ich finde, dass dies die schönste der Reise bisher war. Mal gucken, die Reise auf die Galapagos-Inslen wird. Begonnen haben wir die Reise in Quito, der Haupstadt Ecuadors Hier  haben wir am ersten Tag eine Stadtführung gemacht, auf der wir fast nur aus Kirchen im historischen Zentrum Quitos besichtigt haben. Aber eine schöner als die andere, angefangen bei großen gothischen Kirchen bis hin zu von innen mit Gold verkleideten Barockkirchen. Nur die Kathedrale von Quito haben wir nicht besucht, was ich bis jetzt immer noch nicht verstehe. Außerdem waren wir am zentralen Platz Quitos, an dem alle Regierungsgebäude stehen wie zum Beispiel der Palast Correas, des Präsidenten von Ecuador, der in den letzten Monanten wieder gewählt wurde mit mehr als 60% der Stimmen.

Nach dem Mittagessen ging es dann weiter zur Mitad del Mundo, also der Mitte der Welt. Dies ist die Linie, auch bekannt unter dem Namen Äquator, die Nord- und Südhalbkugel der Erde voneinander trennt. Der Witz dabei ist, dass es zwei davon gibt in Ecuador. Einmal den falschen Äquator, der 1736  von Franzosen entdeckt und festgelegt wurde. Und der echte, der 240 Meter weiter nördlich liegt. Dieser war schon viel früher den Indianern Ecuadors bekannt, was die Sache, dass die Franzosen falsch lagen, noch viel trauriger macht meiner Meinung nach. Außerdem ist Ecuador der einzige Ort, an dem sich der Äquator auf festem, sich nicht verändernden Grund befindet. An anderen Orten der Welt liegt die Linie zum Beispiel im Ozean oder im Dschungel. Dieser Vorteil in Ecuador war damals sehr wichtig, um den Äquator genau bestimmen zu können, als es noch kein GPS gab. Hier in Ecuador ist auch der einzige Ort, an dem Schnee auf dem Äquator liegen kann, wegen der Höhe der Anden, wo es in dieser Höhe keine Regenwläder gibt. Am “falschen” Äquator steht ein großes Monument, das alle Himmelsrichtungen zeigt, und das ganze Gelände wird von einer roten Linie durchzogen, die den Äquator markieren soll. 240 Meter weiter steht ein Museum am echten Äquator. Hier gibt es diese Experimente, zum Beispiel das mit dem Wassser, das es sich je nach Halbkugel andersherum dreht oder direkt auf dem Äquator direkt nach unten abfließt. Hier ist man auch 2 Kilo leichter, wenn man direkt auf dem Äquator steht, oder es ist einfacher, ein rohes Ei auf einem Nagel zu balancieren, da sich das Innere weniger bewegt. Wennn man das geschafft hat, bekommt man ein Zertifikat. Eine andere Sache ist auch, dass man nicht mit geschlossenen Augen auf dem Äquator balancieren kann, da man immer von einer der beiden Erdhalbkugeln angezogen wird. Und ich muss sagen, dass es schon ein cooles Gefühl war, auf dem Äquator zu stehen.

Das letzte Ausflugsziel des Tages war dann der Teleferico, eine Station auf einem der Berge des Pichincha, dem Hausvulkan Quitos. Hier fährt man 20 Minuten mit einer Seilbahn hoch. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf das Zetrum Quitos und den Rest der Stadt. Quito erstreckt sich von Norden nach Osten auf über 60 Kilometer zwischen den westlichen und den östlichlichen Anden. Das Tal zwischen diesen 2 Bergketten wird auch Avenida de los Volcanos genannt, da es aussieht wie eine Allee, die von beiden Seite von den Bergen gesäumt wird. Diese Avenida zieht sich einmal quer durch ganz Ecuador.

Am nächsten Tag fuhren wir dan zu einem See in der Nähe Ibarras weiter im Norden von Quito. Dieser wird auch Laguna de los Cuyes genannt, Cuyes heißt Meerschweinchen auf Spanisch, da sich in der Mitte zwei Inseln befinden, die aussehen wie Meerschweinchen. Nach dem kurzen Abstecher hierher, um Fotos zu machen, sind wir nach Otavalo gefahren, dem größten Idianermarkt auf dem Kontinent. Hier kann man allerlei Klamotten aus Lama und Alpacawolle kaufen. Ich hatte glaube ich noch nie so weiche Klamotten in meinem Leben an. Hier ist besonders wichtig, dass man immer handelt mit den Preisen und auf die Preise achtet. Zum Beispiel wollten 2 Freundinnen eine Kette bei verschiedenen Händlern kaufen. Der eine Händler wollte 18$ für die Kette haben und ein andere 6$. Einer wollte mir eine Mütze für 12$ verkaufen, am Ende habe ich sie für 6 bekommmen, dies war zwar immer noch einen Dollar zu teuer, aber besser als die, die am Anfang 12 kosten sollte. Ich glaube, hier habe ich mehr als 100$ ausgegeben für Andenken und Klamotten. Danach sind wir zurück nach Quito gefahren und haben hier noch eine Nacht verbracht.

Am nächsten Tag ging es zu einem meiner beiden Highlights der Reise: dem Cotopaxi, einer der größten aktiven Vulkane der Welt. Der erste Europäer, der versucht hat, den Cotopaxi zu besteigen, war der Deutsche Alexander von Humbolt. Der Cotopaxi misst 5897 Meter und man kann, wie wir auch, auf bis 4600 Meter auf den Berg mit dem Auto fahren. Wir sind dann zu Fuß bis auf 4900 Meter gegangen. Dort habe ich das erste Mal, seit ich hier bin, Eis und Schnee in Ecuador gesehen. Eine der Sachen, die ich hier doch vermisse, ist immer noch der Schnee im Winter, der auch jetzt noch in Deutschland liegt. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich Schnee nur einmal sehen möchte oder wirklich Winter haben will.Da wir hier ja nochmal mehr aus 2000 Meter höher ist als Ambato waren, ging mir bei den 3000 Metern dann doch schon ab und zu die Puste aus. Aber allein, um Schnee zu sehen, hat es sich schon echt gelohnt. Viel Aussicht hatten wir zwar nicht, da es meistens nur morgens unbewölkt ist, aber beim Abstieg  war der Berg dann doch frei und ich muss sagen, dies ist einer der schönsten Orte, die ich bisher in meinem Lebengesehen habe! Auf dem Rückweg habe ich außerdem mit einigen Freunden beschlossen, dass wir bis auf den Gipfel steigen wollen, also bis zum Krater auf 5897 Metern Höhe. Wir werden sehen, ob ich das schaffen werde oder nicht. Der Aufstieg beginnt um Mitternacht,  damit  man nach sieben Stunden Aufstieg dann den Gipfel am Morgen erreicht, um bessere Aussicht zu haben. Außerdem ist es über Nacht sicherer auf dem Gipfel zu klettern, weil der Schnee fester ist als am Tag.  Anschließend sind wir nach Ambato, meiner Heimatstadt, gefahren und haben hier eine Nacht geschlafen, und es war schön, meinen Freunden diese Stadt zu zeigen.

Am nächsten Tag sind wir dann auf den Chimborazo geklettert, der höchste Berg Ecuadors mit mehr als 6000 Metern. Das ist auch ein Vulkan, der aber inzwischen nicht mehr aktiv ist. Wir sind auf mehr als 5000 Metern geklettert, und ich war noch nie so hoch in meinem Leben mit 5120 Metern. Leider gab es keinen Schnee, da die Schneegrenze an dem Tag vielleicht 100 Meter höher lag. Dieser Berg, genauso wie der Cotopaxi, hat rote Hänge Dies sind die Regionen, an denen früher das Eis lag, das aber zurückgegangen ist mit der Klimaerwärmung. Vor dem Besteigen hatte wir einen wunderschönen Blick auf den Chimborazo. Für mich sind solche Berge unglaublich, da ich wirklich nur Hügel von 30 Metern gewöhnt bin aus Norddeutschland. Nebenbei gibt es die Geschichte, dass der Chimborazo der höchste Berg der Welt ist und nicht wie angenommen der Mount Everest. Wenn man nämlich vom Erdmittepunkt misst und nicht vom Meeresspiegel, ist der Chimborazo größer, da unsere Erde ja ein Oval ist und damit am Äquator weiter vom Mittelpunkt weg ist als an anderen Stellen der Welt. Damit ist der Chimborazo mehr als 2000 Meter höher als der Mount Everest. Nach dem Chimborazo gibt es in Richtung Süden keine allzu großen Berge, da dieser Teil zu den alten Anden zählt.  Nach dem Abstieg sind wir dann in das nahe gelegene Riobamba gefahren. Hier gab es auch eine kleine Stadtführung und damit war auch der nächster Tag vorbei.

Nun ging es weiter bis nach Cuenca mit 3 Stops auf dem Weg.  Als erstes fuhren wir zu der ältesten Kirche Ecuadors aus dem 16. Jahrhundert. Damals galt, dass dem Menschen, der eine Stadt errichtete, das Land rundherum gehörte. Da diese erste Stadt nicht sehr gut plaziert wurde, wurde später Quito weiter nördlich gegründet.

Nach dem kurzen Abstecher an diesen Ort ging esweiter nach Alausí, eine der Zugstationen Ecuadors, und mit dem Zug dann weiter zur Nariz del Diablo, der Teufelsnase. Früher gab es eine Zugstrecke von Quito bis nach Guayaquil und Cuenca. Diese wurde aber lange Zeit nicht benutzt und wird jetzt teilweise renoviert, um zum Beispiel die Züge von Riobamba bis hin zur Nariz del Diablo fahren zu lassen. Außerdem steht in Ambato die neueste und modernste Zugstation. Die Züge hier werde eh eher als Attraktion gesehen und nicht wie bei uns als Fortbewegungsmittel. Nun gut, dieses Stück Strecke von Alausí bis zur Nariz del Diablo ist eine der am schwierigsten erbauten Zugstrecken der Welt, da der Zug durch enge Schluchten und eine Steilwand im Zickzack hinunter fährt, also ohne Kurven den Berg hinunter fährt. Hier fährt man dann zu einem Aussichsort, einer alten Zugstation mit Museum. Außerdem wird hier das volle Touristen Programm geboten, das heißt, dass an der Strecke tanzende Indianer stehen, die winken, wenn der Zug vorbei fährt. Außerdem gab es dort für jeden Pasagier etwas zu essen und später konnte man auch mit diesen Indigenas tanzen. Zurück in Alausí ging es dann zum Mittagessen, hier einmal mehr das typische Mittagessen Ecuadors: Reis mit Hühnchen. Mir hängt es zum Glück noch nicht zum Hals heraus, aber anderen Freunden schon, die es jetzt schon nicht mehr sehen können. Mein Cousin zum Beispiel ist auch keinen Reis mehr, da er sagt, 17 Jahre lang jeden Tag Reis reicht dann auch irgendwann mal.

Der nächste und letzte Halt vor Cuenca war dann Ingapirca, die größte Inkaruine Ecuadors. Die Inkas waren nur 40 Jahre in Ecuador. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Ruinen nur relativ klein sind verglichen mit anderen Ruinen in Peru. Die Inkaepoche ist übrigens nur eine der vielen Epochen Ecuadors. Die erste ist die precolumbianische Zeit, in der die Einheimischen in Frieden zusammen lebten, bis dann die 2. Epoche, die der Inkas, und die der Eroberung Ecuadors begann. Vor den Inkas hat es nie Krieg gegeben in Ecuador, da es für jeden Stamm genügend zu essen gab. Da die Inkas aber aus unfruchtbaren, trockenen Gegenen aus Peru kamen, wurde auf der Suche nach Nahrung Ecuador erobert. Nach 40 Jahren Herrschaft der Inkas kamen dann die Spanier und eroberten die Inkas, ein Millionenvolk mit nur 200 Mann. Die Spanier brachten Krankheiten aus Europa mit  und verbündeten sich mit den Einheimischen, denen sie versprachen, sie von der  Inkaherrschaft zu befreien. Dies war aber nicht der Fall und im Nachhinein war die Sklaverei der Spanier noch viel schlimmer als die der Inkas. Nach mehreren Jahrhunderten begann der Unabhängigkeitskrieg, geführt von Simon Bolivar, den ich oben schon mal erwähnt habe. Dabei wurde der Unabhängigkeitskrieg hier in Ecuador durch Antonio Sucre geführt, ein enger Vertrauter Bolivars, der Quito zur ersten unabhängigen Stadt des Kontinents machte. Darauf folgte die Periode Gran Colombia, ein Land, das aus dem heutigen Columbien, Peru und Ecuador bestand. Dann kommt die Republik Ecuador, in der Ecuador  das erste Mal ein eigenständiges Land war und dann kam das Ecuador, wie es heute ist. Diese Inkastätte diente nicht nur als Festung, sondern auch als Tempelkomplex mit Kalendern zur Bestimmung der Säh- und Erntezeiten. Zur Berechnung nahm man auch die Sonne und den Mond zur Hilfe.

Nach weiteren zwei Stunden Fahrt waren wir dann endlich in Cuenca.Dies ist eine der schönsten Städte, wenn nicht sogar die schönste Stadt Ecuadors für mich. Es gibt hier keine Hochhäuser wie in Quito zum Beispiel. Viel ist mit rotem Stein gebaut, da die Steinbrüche hier in der Nähe liegen, und auch die Dächer sind mit roten Ziegeln gedeckt, so wie bei uns in Deutschland zum Teil. Hier sind wir dann aber am Morgen erstmal zu einem Naturschutzgebiet in der Nähe von Cuenca gefahren, das auch auf bis zu 4000 Metern  liegt. Dies ist insofern interessant, dass es hier mehr als 200 Seen gibt. Zuerst sind wir durch eine Wald weiter unten gewandert, ganz anders als die Wälder, die man in Deutschland kennt. Sie sind viel bewachsener, das heißt, auf den wenigen Baumarten, die es dort gibt, wachsen allerlei Mose und Lianen, dass es schon fast aussieht wie im Regenwald. Später dann bei der zweiten Wanderung weiter oben auf 4000 Metern wächst wirklich nur noch ein Baum und sonst nur noch Gräser. Für mich war das wirklich mit den beiden Bergen einer der schönsten Orte hier in Ecuador. Es sieht aus wie bei “Herr der Ringe”, um ehrlich zu sein. Naja, hier sind dann ein paar andere und ich in einem eiskalten Wasserfall baden gegangen. Es war wirkich arschkalt, aber schon ein echt cooles Erlebnis. Einzige doofe Sache am Ganzen war, dass ich die falsche Schuhe anhatte und meine Füßen ab der ersten Minuten durchnässt waren.

Am Nachmittag, sind wir in eine Panamahutfabirk gegangen. Wie ich glaube ich schon erwähnt habe, sind die Panamahüte aus Ecuador. Danach haben wir uns Cuenca angeguckt, obwohl es vorher und während dessen ziehmlich doll geregnet hat und damit die Führung relativ kurz ausfiel. Wir haben uns das Zentrum angeschaut. Dazu gehört der Park in der Mitte von Allem, an dem auch die Kathedrale liegt. Diese wurde bei einem Erdbeben zerstört und von einem Deutschen wieder aufgebaut.

So ging die Reise “Avenida de los Volcanos” zuende. Und wie schon gesagt, dies war die Reise, die sich bisher am meisten gelohnt hat. Ich kann nur jedem empfehlen, der nach Ecuador kommt: Guckt euch lieber die Sierra an als die Küste oder den Urwald.

Was ist sonst noch so passiert in den letzten Monaten? Am 15. Januar, also jetzt schon wieder eine Ewigkeit her, war Halbzeit. Und ja, das Jahr geht rum und ich sitze hier wohl wie jeder mit gemischten Gefühlen, jetzt noch viel mehr, 3 Monate vor dem Rückflug. Auf der einen Seite möchte man sein Leben hier nicht zurücklassen, das man sich hier aufgebaut hat, die Freunde, seine zweite Familie und einfach alles andere. Auf der anderen Seite möchte ich aber natürlich auch meine Freunde und Familie in Deutschland wiedersehen. Naja, ich glaube, das beste Mittel dagegen ist, dass man nicht an den Rückflug denkt und einfach die Zeit hier genießt.

Was ich sonst so vorhabe in den nächsten Monaten? Im Mai geht es dann endlich in das Paradies auf Erden: Galapagos. Sonst im April ist Batizado, die Verleihung der Corda im Capoeira, also sowas wie die Gurte im Karate. Dafür werde ich auch 3 Tage nach Quito fahren. Dann möchte ich noch einen Freund in Machala besuchen, und nächste Woche ist Ostern und wir fahren vielleicht noch einmal in den Dschungel. Falls das nichts wird, gibt es auch noch die Möglichkeit, am Freitag an einem Umzug, einer Prozession, teilzunehmen, in dem die Menschen aus Ambato und anderen Städten zu Fuß nach Baños gehen. Dies würde dann ungefähr 10 Stunden dauern und über Nacht stattfinden. Ich glaube aber nicht, dass ich das machen werde, da ich nicht katholisch bin.

Ich glaube, jetzt gibt es nichts mehr zu berichten – und mal gucken, was die nächste Zeit passiert und ob es wieder 3 Monate dauern wird, bis ich etwas Neues in den Blog schreibe.

PS an Maria: Ich hoffe, es kommt nicht zu spät, dass ich jetzt erst schreibe. Aber ich glaube schon, dass du es als Vegetarier schwer hast, und dass es fast unmöglich ist, das in Ecuador durchzuziehen. Ich habe Freunde, denen geraten wurde,  aufzuhören bzw. zu unterbrechen für das Jahr. Eine isst jetzt wirklich Fleisch für diese Jahr und eine andere ist es geblieben, aber isst jetzt halt jeden Tag nur Reis und ich glaube, dass es jeder für sich entscheiden muss, ob man nicht vielleicht doch für ein Jahr Fleisch essen kann.

Liebe Grüße an Alle,
Basti

Narva und die schönste Stadt der Welt

Vor einigen Wochen hatten wir, die Austauschschüler, mal wieder das Vergnügen, zusammen mit hochmotiviertem Personal einen Ausflug zu machen, nämlich in die Grenzstadt Narva. Ich hatte sie schon früher in einem Eintrag erwähnt, da meine Freundin Mari-Liis von meiner Schule in Kadrina zumindest an den Wochenenden dort wohnt. Wenn man Esten nach Narva fragt, bekommt man schnell das Gefühl, man spräche von Atlantis oder einem ähnlichen sagenumwobenen Ort, denn obwohl es die drittgrößte Stadt Estlands (und somit eine der drei Städte von erwähnbarer Größe) ist, waren die wenigsten Esten tatsächlich schon einmal da. Leider steht Narva in einem recht schlechten Ruf und Esten halten sich, so scheint es zumindest, von der Stadt fern, deren Einwohner zu 97% aus Russen bestehen. Man kann leider nicht leugnen, dass Narva ein wenig vernachlässigt wird, sowohl von der Bevölkerung als auch den Behörden, so scheint man sich dort nicht die größte Mühe zu geben, der Stadt ein schönes Gesicht zu geben. Dabei hat sie viel zu bieten: Wir waren zum Beispiel auf einer Burg direkt an der Grenze mit Sicht auf eine sehr ähnliche Burg auf der russischen Seite. Interessant war auch, dass die sehr nette Führerin in etwa auf einem Niveau in der estnischen Sprache mit den Besseren aus unserer Gruppe war.

Letzte Woche hatte ich Ferien. Da meine Gastfamilie in den Skiurlaub nach Österreich gefahren ist, verbrachte ich diese bei der YFU-Mitarbeiterin Heili und ihrer Familie in Tallinn. Für mich bekennenden Fan der Stadt war diese Variante zweifellos die Beste und ich hatte zehn Tage lang Zeit, die Stadt für mich zu erkunden. Außerdem traf ich mich mit vielen der Austauschschüler, die in Tallinn wohnen. Höhepunkte waren zweifellos das moderne Kunstmuseum „KuMu“ (kurz für „kunstimuuseum“, dessen Übersetzung sich erschließen lässt) und ein großer Flohmarkt in dem kulturell aufblühenden Viertel Kalamaja. Abgesehen davon traf ich mich mit Enn und Riina, Freunden von meiner deutschen Familie, was zu einem sehr netten Abend führte. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich trotz meiner Liebe zu Tallinn froh bin, dort nicht dauerhaft zu leben – aus rein finanziellen Gründen. Ich habe begonnen, mich zu fragen, wie ich es in Deutschland geschafft habe, das Stadtleben zu meistern.

Kevad? – Frühling?

Obwohl der Winter nun offiziell vorbei ist, ist vom Frühling hier in Estland noch herzlich wenig zu sehen:  Anhand der Temperaturen um die -10 Grad und Schneebergen, die sich meterhoch am Straßenrand türmen, würde man kaum vermuten, dass wir schon Ende März haben. In den letzten Wochen ist einiges passiert:

Angefangen mit dem Eesti Vabariigi Aastapäev, dem “Jahrestag der Estnischen Republik”: Am 24. Februar wird die Gründung der Estnischen Republik im Jahre 1918 gefeiert. An diesem Tag hat sich Estland vom Russischen Reich unabhängig erklärt. Bereits einen Tag später wurde der neue Staat allerdings durch die Deutsche Kaiserreichsarmee besetzt, sodass die Estnische Republik erst nach dem zweijährigen Vabadussõda (Freiheitskrieg), bei dem sowohl gegen die Deutschen als auch gegen die Russen gekämpft wurde, wirklich unabhängig war. Allerdings bestand auch diese Freiheit nur bis 1940, als Estland im Zuge des zweiten Weltkrieges von der Sowjetunion besetzt wurde. Erst im Jahr 1991 konnten die Esten ihre Freiheit wiedererlangen. Dieses Jahr fiel der Vabariigi Aastapäev auf einen Sonntag, sodass wir zum Leid meiner Mitschüler keinen zusätzlichen freien Tag bekamen. In der Schule gab  es am vohergehenden Freitag einen feierlichen Festakt mit festlicher Garderobe, Sanges- und Tanzvorführungen und einer Menge Reden. Am eigentlichen Feiertag hissten die Esten die estnische Flagge (das ist tatsächlich obligatorisch, man kann angezeigt werden wenn man es nicht tut) und in Tallinn gab es eine große Militärparade, die auch im Fernsehen zu verfolgen war.

Am ersten Märzwochenende fand in Tallinn das Model European Parliament statt, eine von der EU organisierte Parlamentssimulation für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Wir 120 Teilnehmer haben in Komissionen über ein Thema diskutiert und dann eine Resolution aufgestellt, in der auf Probleme aufmerksam gemacht wurde und konkrete Lösungsmaßnahmen vorgeschlagen wurden. Die einzelnen Komissionen haben dann im Estnischen Parlament ihre Resolution vorgestellt. Genau wie in der echten Politik wurden Gegenreden gehalten, gegen die man seine Resolution dann verteidigen musste, und am Ende wurde darüber abgestimmt, ob die Resolution angenommen wird oder nicht. Die gesamte Veranstaltung war auf Estnisch, sodass ich zwar nicht gerade große Reden schwingen konnte, aber auf jeden Fall eine Menge gelernt habe! In den vier Tagen habe ich eine Menge toller Menschen aus ganz Estland kennengelernt und kann das Wochenende definitiv als mehr als gelungen bezeichnen!

Vor zwei Wochen ging es dann mit YFU Estland in die Grenzstadt Narva.  Dort, in der östlichsten Stadt der Europäischen Union, sind mehr als 95% der Bevölkerung russischsprachig, sodass von den 15 Schulen der Stadt in nur einer auf Estnisch unterrichtet wird. Diese haben wir Austauschschüler besucht und auch Schüler dieser Schule getroffen, die ungefähr zu gleichen Teilen Esten und Russen sind. Es war natürlich sehr interressant, sich mit ihnen über Estland zu unterhalten und auch den Standpunkt der russischen Bevölkerung in Estland sehen und verstehen zu können. Am zweiten Tag unseres Trips haben wir dann noch die Burg von Narva besucht, von der aus man auch nach Russland hinübersehen konnte – Die beiden Staaten sind nur durch den Narva-Fluss natürlich getrennt.

Momentan sind hier Schulferien, am Montag beginnt das vierte und damit letzte veerand (Schulviertel) – die Schule macht mir jetzt, das ich Estnisch fließend spreche und im Unterricht ganz normal mitarbeiten kann, richtig viel Spaß, insofern werde ich meine letzten Monate auf dem Rapla Vesiroosi Gümnaasium sicher genießen!

Deutsche Botschaft, Jugendparlament, Tanzauftritt und “Toy, Toy, Toy!”

Salam ihr Lieben!!!

 

Heute melde ich mich aus einem Land, das mitten im “Novrus – Bayramı – Fruehlings – Neujahrsfestfieber” steckt, denn morgen wird dessen Hauptfesttag begangen! Dieses Mal ist mir danach, meinen Bericht von hinten anzufangen, also mit dem Aktuellesten zu beginnen!!

 

17. 03. :  Toy!!! Toy?! Sünnət Toyu!! 😀

 

Gestern Morgen waere ich am liebsten vor Freude in die Luft gesprungen, als die Gastfamilie von Marie, der tschechischen Austauschschuelerin, mir spontan angeboten hat, mich abends auf eine “Toy” mitzunehmen. “Toy” bedeutet “Hochzeit” – dachte ich zumindest – und ich konnte es kaum erwarten, so ein zeremonielles Ereignis einmal hautnah mitzuerleben! Novrus ist das beliebteste Datum, um so eine Feier zu begehen. So hat mir Maries Gastmutter erzaehlt, dass sie im Moment fast jeden Tag eingeladen sind!

 

Dort angekommen, ist mir der Mund vor Erstaunen offen stehen geblieben: Einen so prachtvoll orientalisch geschmueckten, riesigen Saal hatte ich selten vorher betreten. Mir wurde erzaehlt, dass das “Yəganə – Restaurant” dem Onkel des Praesidenten gehoert, pro “Stuhl” (also Gast,der so gross ist, dass er alleine sitzen kann :D), zahlt der Gastgeber 100 Manat,  was mir angesichts der reichhaltigen Tafel verhaeltismaessig wenig vorgekommen ist. Von Kebab bis Kaviar war dort alles zu finden, was das Herz begehrt und wenn man vom Tanzen an seinen Platz wieder zurueckgekehrt ist, wuerde einem vom Kellner schon der Stuhl zugeschoben.  Das Programm hat keine Sekunde Langeweile aufkommen lassen. Zwischen zahlreichen traditionellen Tanzauffuehrungen und Konzerteinlagen wurden alle Gaeste zusammen immer wieder aufgefordert, das Tanzbein zu schwingen und mit Marie und ihrer Gastfamilie hat es natuerlich doppelt Spass gemacht.

 

Nur irgendwann habe ich mich ehrlich gewundert, wo den das Brautpaar bleibt, was ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt hatte. Verwundert habe ich Maries Gastschwester gefragt, die nur laut aufgelacht und mir erklaert hat, dass man im Aserbaidschanischen das Wort “Toy” fuer zwei verschiedene Zeremonien benutzt: Hier handelte es sich nicht um eine Hochzeit, sondern um ein Beschneidungsfest – “sünnət toyu”! 😀 Deswegen waren so viele Kinder und Animateure anwesend – von Clowns bis Zauberern, die selbst die Erwachsenen und auftretenden Saenger geneckt haben – war alles dabei! Die eigentliche Beschneidungszeremonie fand allerdings nicht mit uns 300 Leuten, sondern erst am naechsten Morgen im Kreis der engsten Familie (50 Leute) statt. Gegen Ende der Feier hat dann ein hier bekannter DJ fuer Stimmung gesorgt, sodass Gaeste jeden Alters zu einem Mix aus aktuellen Hits und traditionellen Liedern die Leidenschaft des Tanzens geteilt haben, bevor gegen 1.00 Uhr alle geimeinsam wie nach Programm gegangen sind 😀 Auf der einen Seite haette ich noch stundenlang weitertanzen koennen, auf der anderen Seite droehnte mir ganz schoen der Kopf: Auch wenn ich die aserbaidschanische Musik liebe, reicht es nach sechs Stunden – dachte ich, denn selbst im Traum danach haben mich die Klaenge nicht losgelassen!!!

 

Natuerlich sind die Kinder bei dieser Art von “Toy” die Hauptpersonen: Sie sitzen an ihrem eigenen Tisch am Ende des Saals auf einer Art Tribuene, die sonst fuer das Brautpaar genutzt wird. Auf dem ersten Foto sind Mari und ich u.a. mit dem gefeierten Jungen zu sehen, das zweite Foto gibt einen Einblick ins Animationsprogramm: selbst die Kleinsten beherrschen schon den traditionellen Tanz! Das “leuchtende Buendel” ist ein aegypitscher Taenzer, der sich atemberaubend schnell im Kreis drehend mit Regenschirmen eine tolle Show hingelegt hat!

 

 

 

14. 03.: Novrus – Fest und “Hochzeit” in der Schule

 

Da ich es  –  fasziniert von den aserbaidschanischen Hochzeitszeremonien  –  scherzhaft zu sagen pflege, dass ich unbedingt hier meine Hochzeit feiern moechte, hatten sich meine lieben Klassenkameraden fuer den vorletzten Schultag vor den Ferien etwas Besonderes ueberlegt und eine traditionelle“Toy” der besonderen Art fuer mich vorbereitet – diesmal natuerlich wirklich in der Bedeutung von “Hochzeit” 😀 So wurde ich beim Betreten des Klassenraums lautstark empfangen, sofort verschleiert und von meinen Freundinnen fuer die “Hochzeit” vorbereitet. Genauso lautstark ging es dann bei der “Uebergabe” durch den “Brautvater” an den “Brauetigam” weiter, denn daraus entwickelte sich sogar ein kleiner Kampf. Der Vater war allerdings schnell besiegt, sodass am Ende alle getanzt haben – die “Frauen” heulend – trauernd um die nun vergebene Braut 😀 Wir hatten sichtlich Spass beim Schauspielern und dass wir ein bisschen lauter waren, hat niemanden wirklich gestoert, denn die ganze Schule hat an diesem Tag bereits Novrus gefeiert! Aus den Schullautsprechern erklang traditionelle Musik und ueberall auf den Fluren wurde zusammen getanzt! Ein Besuch bei der Schulleiterin in unseren Kostuemen durfte fuer die 11. – Klaessler nicht fehlen (1. Foto)  und die Lehrerinnen, die sich nicht verkleidet hatten, haben sich schnell ein Stueck unserer Schleier geschnappt (s. 2. Foto: hier mit meiner Russischlehrerin)!

 

 

E-mail Freundschaften zwischen Gast- und Heimatschule

 

Um auch andere deutsche Jugendliche am Entdecken der vielseitig spannenden Kultur Aserbaidschans teilhaben zu lassen und auf der anderen Seite den Jugendlichen hier die Moeglichkeit zu geben, die deutsche Kultur kennenzulernen sowie ihre Deutsch – oder Englischkenntnisse zu verbessern, habe ich das Projekt “E-mail-Freundschaften” in die Wege geleitet – eine neue Kooperation zwischen dem Baku European Lyceum (meiner Gastschule) und der Halepaghen – Schule (meiner Heimatschule)!

Es laueft so ab, dass jeder, der Teilnehmen moechte, einen Steckbrief ueber sich verfasst und ich dann die internationalen “Freundschafts – Paare” alters  – und interessengerecht zusammenfuege. Hier treffen wir uns regelmaessig mit der Projektgruppe und diskutieren ueber Themen, ueber die man sich gut mit seinen E – mail -Freunden austauschen kann, z.B. ueber Familienleben, Feiertage usw.

Schon jetzt freue ich mich immer wieder, wenn mir die Teilnehmern von interessante Gespraechen mit ihren neuen Freunden berichten und bin den uns so lieb unterstutzenden Lehrerinnen auf beiden Seiten unendlich dankbar! Mein groesster Wunsch ist es natuerlich, dass daraus lebenslange Freundschaften entstehen … ;)

 

 

 

8. Maerz = Weltfrauentag = Feiertag = SCHULFREI!!!

 

Ja, ihr habt in der Ueberschrift richtig gelesen: der Weltfrauentag wird hier als offizieller Feiertag anerkannt und verspricht zumindest den Jungs und Maennern leere Taschen – denn an diesem Tag werden die Frauen reichlich beschenkt – rund um dieses Datum herum machen die Blumenlaeden Aserbaidschans wohl den besten Umsatz im Jahr. So wie der kleine Laden unten auf dem Foto: “Çiçək Səbəti” (Blumenkorb) – “Çiçəksiz olmaz” – meine “freie Uebersetzung”: OHNE BLUMEN GEHT NİCHT! Und wirklich: Als meine Freundin und ich uns am 08.03. auf die gleichzeitig an diesem Tag ueberall anfangenden Angebote gestuerzt haben, war auf der Strasse ein glueckliches Liebespaar nach dem naechsten zu sehen; die Maedchen vollbeladen mit ueppigen Blumenstraeussen oder Riesenkuscheltieren. Abends haben wir den Weltfrauentag dann im Kreise der Familie mit Oma, Tanten, Cousinen usw. gefeiert!

 

Am siebten Maerz wurden bereits die Lehrerinnen  beschenkt und die Jungs hatten fuer alle Maedchen der Klasse Rosen und eine gigantische Torte organisiert, was ich nur aus Erzaehlungen mitbekommen konnte!

 

Denn dieser Tag war fuer mich einer der Hoehepunkete meines Austauschjahres: Ich wurde zu einem Schnuppertag in die Deutsche Botschaft eingeladen. Aus “protokollarischen Gruenden” ist im Nachfolgenden der Bericht zu lesen, den ich auch fuer die Homepage der Botschaft geschrieben habe 😉

 

 

 

07. 03. : Diplomatisch-deutsche Luft schnuppern am Schnuppertag in der Deutschen Botschaft

“Heute durfte ich als YFU – Austauschschülerin in der Deutschen Botschaft in Baku ein bisschen  diplomatisch-deutsche Luft schnuppern und somit einen ereignisreichen Schnuppertag verbringen.

Nachdem mich Kristina Siebke um 8.30 Uhr am Eingang der Botschaft abgeholt hatte, stellte sie mich zuerst ihren Kollegen vor, die mich alle sehr freundlich und aufgeschlossen begrüßt haben, sodass ich mich gleich äußerst wohl gefühlt habe. Kurz darauf hat sich der Botschafter Herr Quelle für ein Gespräch mit mir Zeit genommen, sodass ich die Gelegenheit hatte, ihm ein paar Fragen zu seiner Arbeit zu stellen. Besonders hat mich interessiert, wie er mit seinen aserbaidschanischen Kooperationspartnern bei kritischen, gesellschaftspolitischen Themen geschickt durch diplomatisches Feingefühl kommuniziert. Anschliessend habe ich einen Einblick in den Fachbereich Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kultur erlangt, indem  mir  u.a. einige soziale Projekte, wie zum Bespiel Schulprojekte, vorgestellt wurden, die die Deutschen Botschaft begleitet. Danach durfte ich im Bereich der Pressearbeit bei einem Gesprächstermin mit einem unabhängigen Medienvertreter Aserbaidschans dabei sein, was für mich persönlich sehr informativ und aufschlussreich war. Nicht zuletzt habe ich durch die am Gespräch teilnehmende Dolmetscherin einen ersten Eindruck des komplexen sprachmittlerischen Aufgabenfelds erhalten und natürlich ein paar neue, pressespezifische aserbaidschanische Wörter gelernt. Anschliessend ging es zur Mittagspause, während der mich meine netten“Eintageskollegen” in ein türkisches Restaurant eingeladen haben. Die Unterhaltung mit ihnen war sehr spannend aufgrund der zahlreichen Dienst- und Lebenserfahrungen, die jeder von ihnen individuell in unterschiedlichsten Ländern bereits gemacht hat. Nach der Mittagspause ging es in der Rechts- und Konsularabteilung weiter. Dort konnte ich über die Regeln, die für nach Deutschland einreisende Aserbaidschaner gelten,  Interessantes erfahren sowie direkt mit an der Annahme der Visastelle sitzen, wo die Aserbaidschaner ihre Visumsantraege oder bei Problemen diesbezüglich Fragen stellen. Ich war beeindruckt von der Tatsache, dass dort in sekundentempo zwischen Deutsch, Englisch, Aserbaidschanisch und Russisch– je nach bedarf des Kundens –  gewächselt wird!

Gegen 17 Uhr neigte sich mein Tag in der deutschen Botschaft dem Ende zu, sodass ich noch eine Ablschlussbesprechung mit dem Botschafter und Kristina Siebke hatte, bevor ich mich wieder auf den Heimweg zu meiner aserbaidschanischen Gastfamilie begeben habe – ein bisschen wehmütig durch die Tatsache, die Auslandsvertretung meines Heimatlandes wieder verlassen zu müssen, aber gleichzeitig beglückt durch die vielen neuen Eindrücke, die ich heute erhalten habe! Ein riesengroßes Dankeschön an alle in der Deutschen Botschaft, die mir diesen Schnuppertag zu einem unvergesslichen Erlebnis meines Austauschjahres gemacht haben! Der heutige Tag hat mir meinen langjährigen Wunsch erneut bestätigt: später selbst im diplomatischen Dienst zu arbeiten …”

Das erste Foto zeigt den Botschafter Herrn Quelle und mich, auf dem zweiten bin ich vor dem ISR – Plaza (grosses Gebauede, in dem sich die Botschaft befindet) mit “Sturmfrisur” zu sehen …

 

 

 

“Xocalı” – Ein Massaker des Bergkarabachkonflikts

 

Am 26.02. wird hier der Trauertag “Xocalı” (Chodschali) begangen, anlaesslich der Tragoedie, die sich 1992 in der Nacht vom 25.02. auf den 26.02. in der gleichnamigen Stadt in Bergkarabach abgespielt hat. Armenische Streitkraefte zerstoerten die Stadt und griffen in brutaler Weise auf die aserbaidschanische Bevoelkerung ueber, um eine “ethnische Saueberung” durchzufuehren.

 

In der Schule hat unsere Geschichtslehrerin uns eine Praesentation darueber gehalten und – auch wenn ich bei Aussagen bezueglich des Bergkarabachkonflikts persoenlich ausserst vorsichtig bin – muss ich sagen, dass die von den Armeniern mutmasslich gemachten Bilder einfach nur schockierend sind. Zum Beispiel wurden hochschwangeren aserbaidschanischen Frauen die ungeborenen Babys aus dem Bauch geschnitten, als Symbol der “Ausloeschung des aserbaidschanischen Volkes”.  Vor Alten und Kranken wurde ebenfalls nicht halt gemacht. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, durch die in Deutschland erhaltenen Informationen bezueglich des Holocausts, schon das Grausamste gesehen zu haben, aber ich hatte mich geirrt …

 

Bezeichnend finde ich, dass selbst sechs – bis siebenjaehrige Kinder hier auf dieses Massaker schon aufmerksam gemacht und ihnen die schrecklichsten Bilder gezeigt werden. Auf meine Frage, ob der Hass gegen die Armenier oder sogar ein Rachegefuehl auf diese Weise nicht nur noch verstaerkt wird, hat meine Lehrerin geantwortet, dass das Gegenteil erreicht werden soll: Die Bilder sollen zeigen, wozu der Mensch faehig ist, damit so etwas nie wieder passiert!

Auf dem Foto sind Zeichnungen zum Thema “Xocalı” von Kindern aus der Grundschulstufe zu sehen:

 

Jetzt fehlen noch zwei Ereignisse, die schon etwas weiter zurueckliegen und die ich schon im letzten Blog angekuendigt hatte: Zum einen meine erste Tanzauffuehrung am 16. 02., zum anderen die Sitzung des Europaeischen Jugendparlamentes am 16.02. und 17.02.!

 

Meine erste Tanzauffuehrung – das Annehmen einer anderen Kultur mit Leib und Seele

Die Auffuehrung auf der Party der “LİNGVA – School” (Sprachschule, in der ich zum Aserbaidschanischunterricht gehe), ist super gelaufen, auch wenn mir selbst tausend Bewegungen einfallen, die ich haette besser machen koennen! Es war mir ein Genuss, aus den Augenwinkeln  die Erfreutheit in den Gesichtern der klatschenden Zuschauer zu sehen, die es zuerst bei der Ansage durchs Mikro nicht glauben konnten, dass ein deutsches Maedchen nicht nur ihre Sprache lernt, sondern ebenfalls ihren Nationaltanz vorfuehrt und somit ihre Kultur mit Leib und Seele annimmt! Das Kostuem aus ihrer Sammlung hat mir meine liebe Tanzlehrerin uebrigens geschenkt ;)

 

Die erste Schulsitzung des European Youth Parliaments – DROIT, DROIT, DROIT

Die Teilnahme an diesem Projekt war auf jeden Fall atemberaubend politisch, interessant, manchmal auch nervenaufreibend und crazy – ein einmaliges Erlebnis. Die immer auf Englisch abgehaltenden Sitzungen des Europaeischen Jugendparlamentes sind denen des richtigen Parlamentes in Strassburg nachempfunden und finden jaehrlich ca. 200 Mal in unterschiedlichen Laendern ganz Europas statt. Unsere Themen waren auf die Suedkaukasusregion und die “Oestliche Partnerschaft” (Zusammenschluss einiger Mitgliedsstaaten der ehemaligen Sowjetunion) spezialisiert.  Im Voraus konnten wir zwischen den Ausschuessen “Frauenrechte und Gleichberechtigung der Geschlechter”, “Auswaertige Angelegenheiten”, “Kultur und Bildung” und “Menschenrechte” waehlen. Ich hatte mich fuer Letzteres entschieden.

Den Samstag haben wir mit intensivem Arbeiten in unseren Ausschuessen verbracht und dem Vorbereiten der Sitzung, also dem Aufstellen von Resolutionen. Unser Ausschuss trug die Abkuerzung “DROIT” (franz. “Recht”) und es schien recht kompliziert, konstruktiv zu diskutieren und am Ende sechs Resolutionspunkte aufzustellen: A. den Mangel an demokratischen Wahlen in den Mitgliedsstaaten der Oestlichen Partnerschaft, B. den Mangel an Meinungsfreiheit, C. den anhaltenden Einfluss Russlands auf diese Staaten, D. Die Disparitaeten in der Gesellschaft, E. das Desinteresse an politischen Angelegenheiten in der Gesellschaft, F. die Abhaengigkeit der Medien von den Regierungen

Zwischen all dem kritisch analytischen Denken, tat es gut, zwischendurch durch ein paar lustige Spielchen eine Auszeit zu bekommen, um danach fit und munter weitermachen zu koennen …

Am Sonntag wurde dann die Sitzung protokollarisch und ernstvoll abgehalten:

Nach der Eroeffnungsrede hat jeder Ausschuss nacheinander seine Resolution nach fester Zeitvorgabe vorgestellt. Nach jeder Vorstellung  durften Fragen gestellt werden. Ich habe gemerkt, wie schwer es ist, spontan in der Rolle des Abgeordneten mit vollster Ueberzeugung auf diese antworten zu muessen, denn es galt, am Ende moeglichst viele Stimmen fuer seinen Ausschuss zu gewinnen, damit die Resolution vom Parlament angenommen wird.  Zusammen mit einem  anderen “Abgeordneten” war ich dafuer verantwortlich, die Abschlussrede  unseres DROIT – Ausschusses zu halten. “Dramatisch” haben wir erneut alle wichtigen Punkte unserer Resolution zusammengefasst, bevor wir in sieben Sprachen lautstark an die anderen Ausschuesse appelliert haben, fuer unsere Resolution zu waehlen: “Vote for us!”(engl.), “Votez pour nous!”(franz.), “Голосуйте за нас!” (russ.),“Bizə səs verin!” (aserb.), “Oyunuzu bize verin!” (türk.),  “Votan por nosotros!” (span.),” Waehlt fuer uns!” : “Droit, Droit, Droit!”

 

 

Gluecksmomente im Alltag und fortschreitende Anpassung

Meiner Meinung nach sind es die kleinen Dinge des Alltags, die einem waehrend des Austauschjahres die groessten Gluecksmomente bescheren. Auf der “Toy” wurde Maries Gastmutter von einer bei uns am Tisch sitzenden aelteren  Dame gefragt, ob ich ihre richtige Tochter sei. Ein bisschen erschrocken war ich schon darueber, dass ich mich anscheinend mittlerweile nicht nur tanzend und sprachlich immer mehr in die aserbaidschanische Gesellschaft einfuege, sondern auch automatisch meine Auftretens – und Verhaltensweise anpasse. Das, was mir noch vor ein paar Monaten gesagt wurde – “Deine Gesten, offene Blickweise, Laecheln, Gangart – dir ist sofort anzumerken, dass du aus Westeuropa kommst!” – scheint endlich vorueber zu sein!!!

 

Familienleben und Regeln

Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder Momente bezueglich der Anpassung, in denen ich mir ganz schoen auf die Zunge beissen muss. Meine absolut liebe, fuersorgliche Gastmutter nimmt ihre Verantwortungsaufgabe sehr ernst und sieht es nicht gerne, wenn ich mich mit Leuten treffe, die sie nicht persoenlich kennt. Da man aber im Austauschjahr viele neue Bekanntschaften macht, faellt es mir unglaublich schwer, diese Regel zu akzeptieren, denn hier ist es auch nicht ueblich, seinen Eltern neue Freundinnen sofort vorzustellen oder sie gar mit nach Hause zu bringen. Und mit Jungs muss man als Maedchen natuerlich gar nicht erst ankommen 😀

Mit ihnen bekannten Freunden, erlauben meine Gasteltern uns (meinen Gastschwestern und mir) SPAETESTENS bis 20 Uhr draussen zu bleiben und selbst dann fragen sie uns schon, ob jemand von den Freunden einen Chauffeur hat, der uns nach Hause bringen koennte.

Anfangs hatte ich hin und wieder versucht, fuer bestimmte Anlaesse eine kleine Sonderregel zu erhaschen, aber meine Gastmutter meinte nur, dass sie mich wie ihre richtigen Toechter behandelt und es keine Ausnahmen gibt! In solchen Momenten haette ich in Deutschland angefangen, nach Argumenten zu suchen und  zu diskutieren, aber hier ist dies zwischen Kindern und Eltern nicht angesagt, sodass ich dann meistens  in unser Zimmer gehe, bis 100 zaehle und die Angelegenheit danach schon halb so wild ist! Ich muss sagen, dass diese Art des Gehorsams auf lange Sicht gesehen absolut kraeftesparend ist und bin meinen Gasteltern sehr dankbar dafuer, dass ich mich dank ihnen in solchen Situation nicht mehr so schnell aufrege!

 

Zweisprachig leben

Sprachlich geht es immer weiter bergauf, wobei ich gelegenlich meinen Kopf am liebsten gegen die Wand schlagen wuerde, wenn ich einfachste Woerter in einer der beiden Sprachen nicht sofort abrufen kann 😀  Dies geschieht in Situation, in denen ich etwas z.B. mit Leuten von YFU auf Aserbaidschanisch erlebe, meiner Gastmutter davon dann aber auf Russisch hinterher berichte oder umgekehrt 😀  Trotz der komplexen Grammatik bleibt Russisch nach wie vor die fuer mich angenehmere Sprache, aber es gibt noch so viel zu lernen, sodass mir eine Lehrerin aus dem Maryam – Center jetzt netterweise intensiven Grammatikunterricht gibt!

 

Ferien – Tanztraining fuer die letzte Klingel!!!

Jetzt haben wir gerade 1,5 Wochen Novrus – Ferien  – schulfreie Zeit, sollte man meinen! Fuer uns geht es jedoch jeden morgen fuer zwei Stunden in die Schule, wo die Tanzlehrerin mit der ganzen Klasse eine Choreographie fuer unsere “letzte Klingel” ( Abschlussfeier) in der Schule vorbereitet. Sogar morgen, am offiziellen, arbeitsfreien Novrus – Feiertag werden wir trainieren! Falls ihr mir unterstellt, dass mein Leben hier im Moment sehr einseitig auf Tanzen bezogen ist, gebe ich euch gerne recht 😛 😀 !!!

 

Bevor dieser Beitrag wieder “Romanlaenge” annimmt, verabschiede ich mich jetzt fuer heute von euch, wuensche euch “Bayramınız mübarək olsun!” (Alles Gute zum Feiertag!”) und verspreche, euch im naechsten Blog ueber die Novrus – Feierlichkeiten genauer zu berichten!!!

 

Stuermische Gruesse vom Ufer des kaspischen Meers, wo heute der Wind einem bei acht Grad das Gesicht zufrieren laesst, man aber an anderen Tagen bei 24 Grad schon ins Schwitzen kommt …

 

Eure Philine

So viel zu erzählen, so schwierig es zu beschreiben

Ehrlich, es ist ziemlich schwer alles zusammenzukriegen. Zu den Klängen der Gruppe PeR, die für Lettland zum Eurovision Contest dieses Jahr fährt, werde ich es wahrscheinlich doch irgendwie schaffen. Lest und genießt!

 

Proben über Proben

Tja, was ist in der lettischen Volkstanzwelt passiert? Es kamen noch ein paar Konzerte dazu, in Aizkraukle, Jaunpiebalga und in meiner Schule. Auch wenn sich letzteres eher unspektakulär anhört, war es etwas ganz Besonderes, denn zum ersten Mal tanzten wir zusammen mit einem anderen Kollektiv zur selben Zeit! Vor fast einem Monat fand das Lielkoncerts (übersetzt sich ganz einfach Großkonzert) mit 17 Kollektiven aus ganz Vidzeme (Lettlands größter Bundesstaat, in der sich auch Rīga befindet) statt. Die Schule habe ich noch nie so voll gesehen, sämtliche sechs Stockwerke waren überladen mit herumwimmelten Tänzern und Trachten. Überspringet man die üblichen Konzerte, die gut, aber nichts Herausragendes waren, landet man in der letzten Woche, inder wir eine Probe zusammen mit dem uns schon bekannten Kollektiv aus Balga hatten. Am Wochenende und sowieso zu unmöglichen Zeiten zur Schule zu gehen, bin ich ja gewöhnt, also war Sonntagmorgen in der Schule zu verbringen mehr oder weniger normal. Schaut man auf diese Woche, kann ich ein stolzes Pensum von sechs Stunden Tanzprobe in drei Tagen aufweisen. All diese Stunden sind die Vorbereitung auf skate, das Samstag in Cēsis (zu deutsch Wenden) stattfinden wird.

Um dieses spezielle Konzert und skate zu erklären, muss ich ein bisschen weiter ausholen(Achtung, Geschichte): Lange Zeit waren die Letten in Unterdrückung von Russen, Deutschen, Schweden und so weiter. Als einzige Möglichkeit, ein Volksgefühl und -kultur zu erhalten, wurden Tanz und Gesang erkannt. So entstanden die Volkslieder und -tänze, die zuerst von Krišjānis Barons im Jahre 1894 gesammelt und zu mehreren Büchern zusammengetragen wurden. Dafür ist er von den Letten hoch geachtet und ziert die 100-Lats-Note. Im Jahr 1873 fand das erste Lettische Gesangsfest statt, lettisch Vispārējie latviešu Dziesmu svētki. Dieses Fest findet alle fünf Jahre in Riga statt. Es nehmen etwa 30000 lettische Volksmusik- und tanzgruppen aus aller Welt, aber hauptsächlich aus Lettland, teil. Das nächste Fest (eigentlich ist das Wort Fest viel zu klein, deswegen nenne ich es einfach svētki) findet, zu meiner unendlichen Freude, diese Jahr Ende Juni/Anfang Juli statt. Insgesamt werden 90000 Teilnehmer und Zuschauer erwartet, was zu den Einwohnern Rigas gezählt etwa 40% der lettischen Bevölkerung ausmacht. Wer teilnimmt, entscheiden erwählte Choreografen, Musiker, Tänzer, die sich mit den Regeln des Volkstanzes aufs Penibelste auskennen. Neben der Einteilung nach Alter wird jedes Kollektiv nach Können aufgeteilt. Die Alterseinteilung ist von 16 aufwärts: Jugend, ab etwa 30 Jahren Mittlere, älter als 55 Jahre Senioren. Diese Senioren verlangen mir einen ziemlichen Respekt ab- 70-jährige, die schon ihr ganzes Leben tanzen und es mit aller Kraft tun, die in ihren Knochen steckt.  Die jüngeren Gruppen zähle ich hier nicht auf, für sie gibt es ein Kindersvētki. Es zählt aber nur das ungefähre Alter, an Unter-16-jährigen in einem Jugendkollekitv stört sich keiner.

Jugendgruppen nehmen 900 teil, davon 167 C-gruppen, zu denen mein Kollektiv auch gehört. Die Vorbereitungen laufen zwei Jahre, letztes Jahr wurden alle in genannte Kategorien aufgeteilt, was bestimmt, welche Tänze gelernt werden. Im Klartext: Sämtliche C-Gruppen in Lettland tanzen dieselben Tänze, schon das zweite Jahr. Man kann ja auch nicht einfach Duzende Kollektive auf einen Rasen stellen und jeder tanzt etwas anderes, oder?

Wer das weiß, kann die Zahl der Proben in Vorbereitung verstehen. Neben Stunden reinen Tanzens verbrachten wir aber auch Stunden damit, uns in jedem erdenklichen anderen Weg zurechtzumachen. Da wir auch nach Ordenlichkeit bewertet werden, stehen neben mir frisch geputzte glänzende Schuhe, meinem Rock wurde ein neuer Saum verpasst(drei Meter Saum nähen ist kein Spaß), unser Tanzlehrer, den wir einfach beim Vornamen rufen, hat allen Mädchen neue Haar- und Sockenbänder ausgeteilt. Die bequemen Lederpastelen gehören zumindest bei Konzerten der Vergangenheit an, wie die Mittlere Altersgruppe tragen wir jetzt schwarze Schuhe mit leichten Absatz.

 

So ein dymanisches Bild

Valentintag

 

So furchtbar steht es mit deutsch schon, das ich nicht mehr weiß, ob es Valentins- oder Valentintag heißt. S hin oder her, der 14. Februar wurde groß gefeiert. Wie auch schon zu Weihnachten wurde in der Schule ein ‘Post’kasten aufgestellt, in den jeder kleine Briefchen seiner zweiten Hälfte, heimlich Bewunderten oder  auch einfach Freunden schicken konnte. Am Morgen des 14. wurden diese dann verteilt.  Zur Erheiterung der älteren Schüler führten hauptsächlich die Drittklässlerinnen, die in rauen Mengen Liebesbriefe an Elfklässler verschickten. Ganz gemäß dem lettischen Gentlemenprinzip verteilten zwei der besagten Elftklässler in der Pause Pralinen und wünschten allen einen fröhlichen Valentinstag. Die Stimmung in der Schule, besser als sowieso schon, wurde durch die Vorfreude auf den Nachmittag noch gesteigert: Popiela mit anschließender Disko, organisiert vom Schulparlament, das hauptsächlich aus zwei meiner Klassenkameraden besteht. Popiela (iela=Straße) ist wie Karaoke mit Playback, also jemand steht auf der Bühne und fuchtelt mit den Armen, während die Musik von der Rolle spielt. Das war genauso witzig wie es sich anhört, am besten drei Jungen aus der Siebten, die sich als Mädchen verkleidet hatten und Spice Girls ‘I tell you what I want’ sangen. Danach- wie denn auch sonst?- eine Disko,  bei der ich spontan als DJ engagiert wurde.

 

Ein ungewöhliches Treffen

 

Eine Einladung nach Riga, zu einem Treffen mit dem Außenminister? Etwas verblüfft war ich schon, aber die Chance lasse ich mir nicht entgehen. Nach ein paar Orientierungsproblemen (blöde Großstadt, wer kennt sich hier noch aus?!) saßen 10 Leute im Raum: vier ATS, fünf junge Letten und der lettische Außenminister Edgars Rinkevīčs. Unterhalten wurde sich über die Situation der Letten im Ausland, über junge Arbeitslose und über Markt im Ausland. Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit ist groß, viele junge Letten gehen ins Ausland, weil sie hier einfach keine Perspektive sehen. Oder auch um weiter zu lernen, was beide meine älteren Gastgeschwister betrifft. Meine Gastschwester studiert im Ausland, und mein Gastbruder, der schon eine Ausbildung hat, kämpft sich gerade durch Berge von Hochschulflyern aus ganz Europa. Die Wirtschaftskrise hat Lettland schwer getroffen, und viele verloren ihre Arbeitstellen und wanderten aus. Mir wurde oft traurig erzählt, wie hier oder fort einmal ein blühender Laden war, wo jetzt ein leeres Haus steht. Auch auf die Menschen hat sich der Druck ausgewirkt: Mir wird erzählt, wie hilfsbereit und immer fröhlich alle einmal waren- meistens auf meine Aussage hin, dass die Menschen in Letten hilfsbereiter und fröhlicher als in Deutschland sind. Aber es geht aufwärts- in meinem Ort haben in den letzten Monaten schon drei Läden renoviert oder neu eröffnet. Da ist die Sorge, dass alles sich durch die Einführung des Euro verteuert, nicht unbegründet…

 

Diverse Feierlichkeiten

 

Von der zeitlichen Abfolge sollte ich wohl zuerst meinen Geburtstag erwähnen. Den lasse ich aber hinten anstehen- zuerst werde ich vom Geburtstag meines Gastvaters erzählen. Den eigentlichen Tag haben wir mit Skifahren verbracht. Hier, in Lettland, das den durchschnittlichen Pfannkuchen erstaunlich hügelig aussehen lässt, habe ich -das Mädel aus den Kurpfälzer Bergen- Skifahren gelernt. Die höchste Erhebung beträgt 312 Meter, und ich hatte schon mehrere Gespräche, bei denen ich mir das Lachen verkneifen musste, wenn jemand über riesige Hügel auf dem Nachhauseweg spricht und dass er deswegen nicht mit dem Fahrrad fährt. Nichtsdestotrotz legte ich mich einige Male ordentlich auf die Nase, weniger auf Skiern als mit dem Snowboard, was eine ziemlich schmerzhafte Sache ist.

Geburtstag gefeiert wurde am Wochenende. Als ganz besonderer Ehrengast ist meine Gastschwester angereist, was das erste Treffen mit ihr war. Bisher kannte ich sie nur durch Skype und durch Bilder, wovon in ihrem alten Zimmer, meinem jetzigen, jede Menge stehen. Sie ist die einzige Lettin, die ich kenne, mit Naturlocken! Da sie am Valentintag ankam, war unsere erst gemeinsame Aktion zusammen Titanik anzusehen- der Romantikfilm schlichthin. Und wie mit den meisten verstand ich mich auf Anhieb mit ihr 🙂 Gut so- in den vier Tagen die sie blieb verbrachten wir ordentlich viel Zeit miteinander, hauptsächlich bei der Essensvorbereitung. In Lettland ist es üblich, Gästen alles Essbare im Haus/Wohnung anzubieten, auch wenn jemand überraschend reinschneit. Bei geplanten Feiern kann man sich getrost auf volle Essenstüten verlassen, welche gekocht und zubereitet werden müssen.  Am Abend tauchte der erste Gast erst 45 Minuten zu spät auf, witzigerweise hatte ich mich vorher mit meiner Gastschwester über Höfliches Zuspätkommen unterhalten, und wir waren bei den üblichen 15 Minuten verblieben. Aber macht nichts- der letzte Gast war sensationelle viereinhalb Stunden im Verzug!

 

Als ich fragte, wie man in Lettland üblicherweise Geburtstage feiert, antwortete mir mein Gastbruder: ‘Du lädst alle deine Freunde ein, lässt dich von ihnen beschenken, schickst sie dann nach Hause und isst die Torte alleine auf.’ Nach einiger Überlegung verwarf ich diese Idee aber, die Torte hätte ich gar nicht aufessen können. Bei einer Feier in Lettland ist das Essen das Wichtigste, und wir hatten mehr als genug für die letztendlich 14 Gäste. Am Morgen hatte ich so viel Zeit mit Kuchendekorieren verbracht, das ich den Anfang der zweiten Stunde versäumte. Angerannt, schon mit Ausreden auf der Zunge, unsere Gardarobistin meinte aber einfach nur “Alles Gute zum Geburtstag!”. Kleine Schulen sind was Feines, das haben meine Freundinnen und ich mit einer Teetasse in der Hand durch die Schule spazierend schon öfters festgestellt.

 

Piroggen, klassisches lettisches Essen. Üblicherweise mit Fleischfüllung, wir backten sie vegetarisch.

Eine spaßige, aber angsteinflößende Tradition bei Geburtstagen ist “Werfen” des Geburtstagkindes. Dazu setzt sich der Glückliche auf einen Stuhl und Freunde heben einen sooft an, wie Jahre sind. Wenn fünf Mädchen werfen, ist es in Ordnung, aber von den fünf stärksten Jungen des Tanzkollektivs geworfen zu werden ist wesentlich wackliger. Gut festhalten empfolen!

Auch etwas Neues für mich war, drei Kerzen anzuzünden und für jede mir etwas wünschen zu dürfen. Nach dem Essen, was wegen der Masse ziemlich anstrengend war (Verflucht! Es ist so lecker! Aber ich platze!), verwandelte ein spontan angefahrener Freund unser Wohnzimmer in ein Fotostudio und  meine Freundinnen und ich warfen uns in meine schönsten Kleider und ließen uns professionell ablichten. Am Ende kamen mehr als 500 Bilder zusammen…

Eine Woche später war es Zeit, sich hübsch anzuziehen und nach Riga zu fahren: Meine Gasteltern hatten der ganzen Familie Eintrittskarten fürs Ballett “Gulbju ezers“, Schwanensee, geschenkt. Das Ballett fand in der Nacionālā Opera Rīga statt, die nach der Sowjetzeit vollständig renoviert wurde und ein wunderschöner Anblick ist, ausgestattet mit hunderten goldenen Dekorationen, ein Cafe in jedem Stock, in denen man für horrende Preise Kaffee und Kuchen essen kann, und Duzenden Logen auf drei Galerien. Unsere Loge war die am nächsten der Bühne- laut meiner Gastmutter einmal Loge des Staatpräsidenten!  Die Aufführung war wunderschön, die Nationaloper ist über Lettlands Grenzen hinaus als sehr gut bekannt. Ich muss zustimmen, auch wenn ich von Ballett eher wenig verstehe.

Ich neben einer Laterne.

Ach, diese Letten. Gerade wenn ich einen neuen Blogeintrag fertiggestellt habe, zeigt sich in höchstens drei Tagen das Nächste, wovon ich erzählen möchte. Der achte März- bei wem klingelt’s? Richtig, internationaler Frauentag. Ehrlich gesagt wusste ich bis vor einem Monat auch nicht, wann der ist. Meine Gastmutter war ehrlich erstaunt, als ich sagte, den feiert man in Deutschland eigentlich weniger. Laut ihren Beschreibungen ist die Hauptstadt der Blumen an jenem Tag Sankt Petersburg. Viele Leute züchten speziell für den achten März in Gewächshäusern und fahren auf drei Tagen nach Sankt Petersburg, um die Blumen zu verkaufen. In diesen drei Tagen kann man an Blumen angeblich mehr verdienen als im ganzen übrigen Jahr. Klar dass in der Schule viel mehr Röcke zu sehen waren als sonst, und als Mädchen konnte man kaum den Flur runtergehen ohne “Apsveic sieviešu dienā!” “Alles Gute zum Frauentag!” zu hören. Und Blumen wurden natürlich auch verschenkt, unsere Schulgentlemen aus der Elften verteilten allen Mädchen ihrer Klasse und der Tanzgruppe Ansteckblümchen und Pralinen. Zu guter Letzt bekam ich von meinem Gastvater Tulpen, die klassischen Frauentagsblumen. Schade, dass solchen kleinen Aufmerksamkeiten in Deutschland kaum Beachtung geschenkt wird.

 

Mathe könnte ich noch erwähnen. Eine Woche haben diverse Klassenstufen der Grundschule Mathe beigebracht. Das dürft ihr euch so vorstellen, dass wir zu dritt zweimal täglich bei den Viertklässlern reingeschneit sind und ihnen kleine Übungen überreicht haben. Zum Beispiel, dass sie eine Geschichte mit möglichst vielen Zahlen schreiben sollten. Meine persönliche Lieblingsgeschichte:

Es war einmal eine Zwei. Ihr schien, dass sie nicht so hübsch ist wie die Zehn. Die Zwei ging zur Zehn. Die Zwei erzählte der Zehn von ihrer Trauer und die Zehn bot an, Ziffern zu wechseln. Die Zwei war zufrieden. Und noch bis heute besteht die Zahl Zwölf!

Auch an einer Olimpiade nahm ich teil. Nagut, nicht die Olympischen Spiele, sondern landesweite Wettbewerbe in allen Fächern. Im Mathebereich gewann ich den zweiten Platz, und in einigen Wochen steht eine Fahrt nach Riga zum Finale an! Das war einer der Anlässe, warum ich in der Zeitung gelandet bin.. insgesamt viermal in zwei Wochen. Einmal neben dem Außenminister, einmal wegen der Olimpiade, einmal wegen meiner Teilnahme beim “Enu-diena” und dann noch ein Artikel über Eifersucht. Die letzten beiden muss ich kurz erklären- “Enu-diena” ist ein Tag im Jahr, bei dem jeder Schüler sich jemanden suchen kann, den er einen Tag begleitet und bei der Arbeit zusieht. Ich hatte mir Karumlade ausgesucht, eine Konditorei. Am Tag danach wurden alle Teilnehmer für eine Fotographie in der Zeitung gebeten. Am mir als ATS wurde besonderes Interresse genommen, leider nicht genug um meinen Namen richtig zu schreiben 🙂 Dass ich in einem Artikel über Eifersucht erschien, ist eher ein Zufall: der Fotograph fragte die drei Größten, noch schnell für ein weiters Bild zu posen- ohne uns zu sagen, wofür. Fingen meine Klassenkameraden aber an zu lachen, als sie den Klassenältesten und mich in der Zeitung sagen, mit der Überschrift “Eifersucht bei Jugendlichen”. Das Beste bei der Bildern ist aber immernoch, dass wir spontan gerufen wurden- aus dem Sportunterricht, mit entsprechenden Klamotten…

 

Tja, un heute, am Internationalen Pi-Tag, der uns zwei interressante Mathestunden über Pi beschert hat, stelle ich endlich diesen Blog fertig. Die meiste Zeit verbringe ich, auf meine Computerbildschirm zu starren, nicht wissend, was ich schreiben soll. Wie soll ich alles nur beschreiben, erzählen, erklären? Ich hoffe, es ist mir gelungen.

 

Noch ein Nachtrag: Ihr möchtet bestimmt das Ergebnis unserer Tanzerei erfahren, hab ich Recht?

Die Punkteskala versuche ich mal so kurz wie möglich zusammenzufassen: Für unsere Altersstufe gab es eine Wertung bis zu 50 Punkten. Besser als 45 Punkte ist die höchste Stufe, mehr als 40 Punkte die ersts Stufe, zwischen 20 und 40 Punkten zweite Stufe und alles weniger ist dritte Stufe und allerletzte Sau. Punkte werden vergeben für Trachtenordenlichkeit, Sorgfältigkeit der Schritte und was weiß ich sonst noch alles. Allein 10 Punkte werden für Lächeln vergeben- zum Glück komm ich ja viel zum Üben!

Schon zweieinhalb Stunden vor Auftritt stand ich mit meiner Freundin vollständig ausgerüstet im Kulturhaus in Wenden- wir suchten uns erst mal den Weg quer durch sämtliche 25 auftretenden Gruppen zur allerletzten Nische, wo sich unsere “Gardarobe” befand- etwa drei mal vier Meter groß und mit gutem Ausblick auf die in der Vorhalle schon Übenden. Sämtliche kleinere Katastrophen, wie etwa ein gerissenes Band oder ungeputzte Schuhe, meisterten wir anhand des Mitdenkens aller spielend (“Ich dachte mir schon, das so etwas passiert. Deswegen habe ich gleich mal Nadel, Faden, Schere und zwei Tuben Schuhcreme mitgebracht”). Das Unahmgenehmste am ganzen Tag- abgesehen von der Warterei auf das Ergebnis- war die Frisur: Französische Zöpfe und Lettischer Volkstanz passen nicht zusammen, deswegen wurde mir zur Bändigung meiner Locken mit vollen Händen Schaumfestiger in die Haare geschmiert. Effektiv und sehr eklig.

Nach zwei Stunden Umziehen, zehn Minuten Probe auf der Bühne und einem lettischen Geheimmittel, das beim Lächeln helfen soll -Essen von Zitronenscheiben mit Schale und allem – war es endlich soweit. Völlig nervös und freudig standen wir hinter der Bühne. Wir waren das allererste Kollektiv, was die Nerven nicht gerade beruhigt, aber besser auf der Punkteskala anschlägt. Etliche mussten sich zusammenreißen, nicht sofort laut loszulachen oder noch schlimmer anfangen zu heulen. Drei Tänze mit je fünf Tänzen Zwischenzeit gehen furchtbar schnell rum, und schon war es Zeit, sich aus den Trachten zu schälen und den anderen zuzusehen. Da wir uns dieselben Tänze schon seit Dezember ansehen, geht das Gefühl sich sofort auf die Bühne stellen und mittanzen zu können. Etwas langwierig ist es aber schon, sich 12-mal “Gailis und vista” (Hahn und Huhn) anzusehen… Endlich, nach ewigen Wartens, bei dem jeder Fehler zehnmal durchgekaut wurde und das allerschlimmste schon sicher schien, die Verkündung der Jury: “An die hier versammelten Kollektive… Ihr seid alle Teilnehmer des XV Dejusvētki!” Wir fahren! Auch wenn wir nur die zweite Stufe erreicht haben und offiziel noch bis Ende April warten müssen, um das endgültige Ergebnis zu erfahren, ist es doch sehr sicher, dass ihr in ein paar Monaten direkt aus Riga von mir hören werdet!

Bis dahin Alles Gute

Jara

Zum allerletztes Ende noch ein paar Videos der diejährigen Tänze:

Wir Miķelēni, so der Name meines Kolektivs,  in skate.
Der erste Tanz: Ko man dosi liela diena?    Ostertanz

Der zweite: Lai sakuru uguntiņu    Mittsommernacht

Der dritte: Vilks un kaza   Wolf und Lamm

Zum Glück ist ein ordentliches Malheur, das mir beim ersten Tanz passiert ist, nur für Eingeweihte sichtbar. Besonders stolz bin ich auf den letzten Tanz, der ist wunderbar gelungen, dass hätte man bei unseren Proben nicht denken können(“Ach, wir tanzen den Schritt mit rechts? Nicht mit links? Wusste ich gar nicht”).

 

 

Tec, peleite

 

http://www.youtube.com/watch?v=5mX3F-r7Rns

 

Ein ruhiger romantischer Tanz: Ai zaļā birztaliņa. Gefällt mir besonders wegen der E-Gitarre!

 

Unser neuer Tanz, ein echter Publikumsliebling. Der beweist, das Volkstänze nicht unbedingt alt sein müssen: Die Musik ist aus einem bekannten lettischen Film “Elpojiet dziļi” (Atmet tief) aus dem Jahre 1967.