Fast Halbzeit des Austauschjahres!

Ja, es ist fast Halbzeit meines Austauschjahres. Die Rückflugdaten wurden schon verschickt, ein komisches Gefühl zu wissen wann es wieder zurück nach Deutschland geht. Obwohl für mich wird es etwas anders sein. Ich werde wahrscheinlich um ca. einen Monat verlängern um auf einen Missiontrip mit meiner Jugendgruppe von der Kirche zugehen – es geht nach Brooklyn, New York! 🙂

In diesem Beitrag füge ich Bilder ein, es ist also nicht ein Text, der zusammenhängt.

Im letzten Monat ist nicht so viel passiert hier in Michigan.

Ich war in Illinois bei Kelley (wie ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe) und habe eine schöne Zeit gehabt.

(Ich, Lisa, Kelley und Justin)

Kurz vor Weihnachten haben wir einen “Gingerbreadbaum” gekauft und zusammen gebastelt. Nachdem meine Gastmutter jeden Schritt fotografiert hat, hat unsere Katze probiert, ob wir denn auch einen guten Job gemacht haben. Natürlich gibt es davon ein Foto.

Mein Skiclub von der Schule hat vor 3 Wochen begonnen und ich es macht rieeesen Spaß. Jeden Montag fahren alle Highschool Schüler und Middleschool Schüler zu einem Skigelände und wir fahren Ski/Snowboard. Ich finde super, dass die Schulen so viele verschiedene Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten haben!

 

Ein Bild von mir und 3 anderen Austauschschülern 🙂

 

Letztes Wochenende war es ziemlich stürmisch hier in West Michigan. Von Sonntag auf Montag hat es eine Meeeenge geschneit (ca. Knöchelhoch) und Dienstag haben wir einen Tag Schulfrei bekommen “Schneefrei”, da es so glatt auf den Straßen war und so doll geschneit hat. Heute morgen habe ich ein paar Fotos vom Schnee gemacht und es ist mittlerweile noch mehr – soll aber bald wieder schmelzen 🙁

 

 

 

Ich hoffe es geht allen gut und ihr habt auch ein wenig Schnee :))

 

 

Nadia

 

 

Ein typisch lettischer Tag

Hallo wieder aus dem hohen Norden! Tja, was sind typisch lettische Tage? Im Prinzip für mich ganz normale Tage, die sich einfach durch das überwältigendes Gefühl unterscheiden, dass ich solche Tage in Deutschland nie erleben könnte.

Ein typisch lettischer Tag könnte ungefähr so aussehen:

Kurz nach sieben würdest du aufstehen, frühstücken, dich fertigmachen, dir deine Tasche schnappen und dich auf den Weg zur Schule machen. Frühstück würde aus Grießbrei oder Haferbrei bestehen, ohne den in Lettland gar nichts geht. Sogar nach unserem Fahrradmarathon im Sommer bekamen wir als erstes eine Schale Haferbrei in die Hand gedrückt, der hier mit Marmelade gegessen wird.  Anders sieht es an den beiden Tagen aus, an denen du Chorprobe in der nullten Stunde hast, da diese ‘schon’  um 8:10 Uhr anfängt. Selbst wenn die erste Stunde erst um neun Uhr losgeht, bist du zusammen mit den meisten anderen schon gegen halb neun in der Schule. Zuallererst machst du dich zu deinem Schließfach auf, um deine Jacke abzulegen, Schuhe zu wechseln und die benötigten Bücher einzusammeln. Ja, Schuhe wechseln: In meiner Schule sogar eine Regel, die im Winter streng beachtet wird. Liegt daran, das man im Winter ganz schön viel Schnee und Matsch mit in die Schule trägt

Wenn du das getan hast, setzt du dich, wenn du gerade nichts zu tun hat, an einen der Tische im Flur. Da wir eine kleine Schule sind, kennst du fast alle und scherzt bis zum Stundenbeginn herum, besprichst diverse Pläne, schreibst Hausaufgaben oder leistest einfach deinen Freunden Gesellschaft. Drei Minuten vor Stundenbeginn klingelt es, wobei ihr alle zusammen wie auf Kommando aufsteht und euch auf den Weg in eure Klassen macht. Selbst an dem Tag, an dem du zur zweiten Stunde hättest, wärst du um neun in der Schule und würdest einfach wie in der Pause weitermachen. Es könnte zum Beispiel deine Klassenkameradin mit einer Fünfliterflasche Kvasa, einer Art Limonade, auftauchen und allen, Lehrer eingenommen, den Rest des Tages Kvasa anbieten.

In den Stunden würdest du je nach Fach mehr oder weniger gut aufpassen, da die Lehrer mehr nach dem Prinzip unterrichten: Ich lehre. Entscheide selbst, ob du lernen möchtest. Ein gutes Prinzip, wenn man sich einen Tag nicht so gut fühlt und dann Hauaufgaben und ähliches einfach am nächsten Tag einreicht, aber es öffnet natürlich dem Missbrach Tür und Tor… Eine Schulstunde geht 40 Minuten, mit zehn Minuten Pause. Die Pausen würdest du Klassenzimmer wechseln, da jeder Lehrer sein Zimmer hat,  ins Schulcafe gehen um einen Snack zu kaufen, und ungefähr alle zwei Stunden zum Schließfach pilgern, da sämtliche Bücher mitzunehmen zu anstrengend ist. Nach fünf Stunden, also um ein Uhr,  ist die Mittagspause, die von den jüngeren Schülern genutzt wird um in der Mensa zu essen. Die Älteren wären aber meistens eher zu etwas anderem als ein warmes Mittagessen aufgelegt, also würde sich dir die Wahl stellen, in den nahen Minimarkt zu gehen (und höchstwahrscheinlich mit einer Tüte Chips wieder rauszukommen) oder im Cafe einen Salat, ein Eis oder sonst eine Kleinigkeit zu essen. Dann würdest du die 25 Minuten mit deinen Freunden verquatschen oder könntest auch auf dem Schulflur Wiener Walzer tanzen. Nach weiteren ein bis drei Stunden wäre dein Unterricht offiziel vorbei, was aber noch lange nicht bedeutet, das du nach Hause gehst. Vor und nach den Stunden habe Lehrer sogenannten konsultācijas, in denen man vermasselte Tests oder verpassten Stoff nachholen kann. Das finde ich persönlich eine wunderbare Idee, da man jede schlechte Note verbessern kann. Gehst du nicht zu konsultācijas , hängst du noch herum bis der Schulbus kommt, auch wenn du wie ich in kurzer Entfernung wohnst und gar nicht mit dem Bus fährst. Eine sehr beliebte Beschäftung für diese Zeit wäre zum Beispiel Bilder machen, oder ein dir unbekannter Junge aus dem nahen Technikum, eine Berufsschule die mit der zehnten anfängt und vier Jahre geht,  könnte dich mit seinem Parfüm einsprühen. Wäre die letzte Stunde Sport, könntest du noch bleiben und Volleyball spielen. Sport hättest du nicht nur mit deiner Klasse, sondern abwechselnd mit der zwölften und elften Klasse und immer in der selben Halle wie die männliche Fraktion, wobei Vorsicht angesagt ist, dich nicht von herumfliegenden Bällen treffen zu lassen. Einmal im Monat wäre Schwimmen angesagt, wozu du noch nicht mal die Schule verlassen müsstest, um ins Schiwmmbad zu kommen.

Wenn also endlich der Bus gekommen ist, würdest du nach Hause gehen. Oder auch Schlittern, da die kleineren Straßen überhaupt nicht geräumt werden und du über zehn Zentimeter festgepackten Schnee spazieren würdest. Du hättest den Nachmittag entweder frei, wobei ‘frei’ sich relativ schnell ändern kann, oder hättest je zwei Mal die Woche Musikschule und Volkstanz, ergänzt durch gelegentlich Skifahrten oder Schlittschuhlaufen.

Für die Musikschule müsstest du etwa eine Viertelstunde mit dem Bus nach Cesis fahren, was dich 50 santims(=70 Cent) kosten würde, und würdest dort mehr oder weniger fleißig Solfežau und Klavierspielen lernen, selbst wenn dein Hauptinstrument ein anderes ist. Solfedžau lässt sich kaum übersetzten, im Prinzip schreiben wir Rythmusdiktate, singen oder lernen Akkorde.

Volkstanz wäre einer der Höhepunkte der Woche. In der eiskalten Halle würdest du dich möglichst schnell umziehen, und bis zum Beginn herumhüpfen und versuchen warm zu bleiben. Die anderen Tänzer aus deiner Schule und aus dem schon erwähnten Technikum würden nach und nach eintrudeln. Nach zehn Minuten Training wäre jenes Wärmeproblem vom Erdboden verschluckt…  Die schon beherrschten Tänze würdet ihr perfektionieren, bis der Tanzlehrer zufrieden ist. Es könnte aber auch passieren, das die Jungen der Gruppe rebellieren und vor Übermut die Stoffeier des Osterntanzes herumschmeißen. Das wäre noch harmlos, denn wenn jemand dich mit einem Stoffei abwirft, ist es nur mäßig schmerzhaft. Einen Jutesack gefüllt mit Papier ins Gesicht zu bekommen, ist schon weniger angenehm. Nach den zwei Stunden konzentrierten Tanzens würdest du abhängig von der Außentemperatur entweder drinnen oder draußen noch mit den anderen herumscherzen und erst, wenn alle abgeholt worden, dich selbst auf den Weg machen. Lange Wartezeiten wären deswegen nötig, weil unsere Schule die beste im Umkreis ist und deswegen viele von weit weg kommen. Endlich würdest du dich zusammen mit den anderen anwohnern auf den Nachhauseweg machen, wobei vorsicht angesagt ist, nicht durch die Gegend gewirbelt, in den Schnee geschmissen oder getragen zu werden.

Zuhause angekommen würdest du das leckere essen, das deine Gastmutter gekocht hat, verschlingen(das mittagessen bestand schließlich nur aus Kleinigkeiten) und den restlichen Abend mit Klavier- und Schachspielen verbringen, bis du gegen elf Uhr abends ins Bett fällst und dich schon auf den nächsten typisch lettischen Tag freuen würdest!

An einem typischen Wochende könnte man dich wahrscheinlich in Volkstracht auf einer Bühne tanzend finden. Immernoch kämpfend mit dem Lächeln und mit den unglaublich engen Rock, der Atmen zu einer Sache der Unmöglichkeit macht. Nach dem Volkstanz wäre der moderne Tanz an der Reihe, wobei alle die Regel, das man mit unter 16 um elf Uhr zuhause sein muss, geflissentlich ignorieren und die halbe Nacht durch tanzen.

Hättest du kein Konzert, könntest du mit deinen Freunden auch einfach in die Disko gehen oder es ein bisschen ruhiger angehen lassen und mit deinen Gastbrüdern  Hügelchen diverse Sportarten ausführen (nein, ich weiß nicht wie das an besten geht! Ehrlich gesagt fahre ich zum ersten Mal mit dem Rad durch den Tiefschnee!). Oder du würdest vor dem Computer sitzen und dir den Kopf zermartern, wie du deine so schwer beschreiblichen Gefühl trotzdem irgendwie verständlich aufschreiben kannst…

…wovon ich hoffe, das es mir halbwegs gelungen ist.

Jara

Übrigens sind sämtlichen gegebenen Beispiele in dieser Woche  wirklich passiert und entstammen nicht meiner Fantasie 🙂

Head uut aastat! – Frohes neues Jahr!

Fünf Monate bin ich nun schon in Estland – Eine sehr erfahrungsreiche Zeit, die aber trotzdem geradezu vorbeigeflogen ist . Eine komische Vorstellung, Estland in einem halben Jahr wieder zu verlassen, um nach Deutschland zurückzukehren. Ich werde die Zeit auf jeden Fall so gut es geht nutzen!

In den letzten Wochen ist einiges passiert, angefangen natürlich mit Weihnachten, das hier in Estland ähnlich wie in Deutschland gefeiert wird. Uns haben über die Feiertage Verwandte meines Gastvaters besucht, und wir haben zusammmen ein sehr schönes Fest verbracht. Auch meine Gatsverwandten haben mich wie selbstverständlich als Teil der Familie aufgenommen, was mich sehr gefreut und meine estnischen Weihnachten zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat. Kaum waren die Gäste abgereist, kamen meine kleinen Gastcousinen für mehrere Tage zu Besuch, sodass zwischen den Jahren an an Langeweile garnicht zu denken war. Silvester (auf Estnisch vanaaastaõhtu – Altjahresabend) habe ich gemütlich mit einer Freundin und meinen Gasteltern verbracht, ein sehr schöner Abend, der von einem großen von der Stadt organisierten Feuerwerk gekrönt wurde. Ein weiteres Highlight bildete Tujurikkuja, eine alljährliche Comedysendung, die laut meinen Freunden und Gasteltern das Beste ist, was Estland an Entertainment zu bieten hat. Hier ein Sketch aus der letztjährigen Sendung, die das etwas komplizierte verhältnis zwischen Estland und Finnland auf die Schippe nimmt (Ansip und Halonen sind die Staatsoberhäupter der beiden Länder):

Mit dem neuen Jahr hat auch die Schule wieder begonnen, und mit dem Anbruch des zweiten Schulhalbjahres habe ich begonnen, alle Stunden außer Chemie und Wirtschaftswissenschaft mit meiner eigenen Klasse zu besuchen. Mein Estnisch ist jetzt gut genug um alles zu verstehen und aktiv am Unterricht teilzunehmen, was ein echtes Erfolgserlebnis für mich ist. Da mir die Kleinen im letzten Jahr aber so ans Herz gewachsen sind – und der Grundschulunterricht außerdem echt viel Spaß macht -, besuche ich jeweils einmal die Woche auch noch eine Stunde der ersten und vierten Klasse, die sich jedesmal sehr über meinen Besuch freuen. Im Sportunterricht gehen wir seit zwei Wochen jedes mal Skilanglaufen, das man quasi als den estnischen Nationalsport bezeichnen könnte. Für mich als blutige Anfängerin nicht einfach (Ich bin beim ersten Mal schon daran gescheitert, die Schuhe mit den Skiern zu verbinden), dank meinen mich tatkräftig unterstützenden Klassenkameradinnen macht es aber eine Menge Spaß. Hier wird seit der ersten Klasse jeden Winter Ski gefahren, sodass ausnahmslos alle in einer unglaublichen Geschwindigkeit ihre Runden drehen, ich habe aber auch schon dazugelernt und bin recht zuversichtlich, bis zum Frühling zumindest den Hügel hinter der Schule gemeistert zu haben.

An dieser Stelle nochmal ein head ja õnnelikut uut aastat!

 

Sorry, dass ich so lange nicht geschrieben habe! :)

Ich muss sagen, ich fühl mich schon etwas schlecht, die ganze Zeit nichts geschrieben zu haben, aber jetzt komme ich mal wieder dazu. Auch wenn ich glaube ich die Hälfte vergessen hab, weil so viel passiert, bekomme ich die wichtigsten Dinge wohl doch noch irgendwie zusammen. Dazu zählen die Parade am 12. November, mein Gott ist das lange her, und der Trip in den Dschungel, außerdem gibts noch so ein, zwei kleine Sachen wie das vorweihnachtliche Programm in meiner Schule, dann Weihnachten und der Jahreswechsel.

Also am 12. November ist in meiner Stadt jedes Jahr ein Umzug aller Colegios (Schulen) zur Feier der Unabhängigkeit Ambatos. Die Parade findet auf der größten Straße Ambatos statt und ein Colegio nach dem anderem marschiert von Anfang bis Ende der Straße. Jedes Colegio wird ganz vorne angeführt von Bastoneras. Dies sind meist die schönsten Mädchen des Colegio. Diese repräsentieren dann als erste das Colegio, indem sie da mit irgendeinem Stab komischen Sachen machen. Es sieht aus wie eine Choreographie, aber ich kann das jetzt schlecht beschreiben. Danach kommt die Banda de la Gala oder Banda de la Guerra, ungefähr 80 Leute. Dies kann man gut mit einer Marschkapelle vergleichen. Von Colegio zu Colegio zu Colegio sind sie unterschiedlich. Zum Beispiel mein Colegio benutzt nur Trommeln und ein Instrument, das sie Lyra nennen. Das ist ungefähr das Gleiche wie ein Xylophon. Dann kommen noch Schüler des Abschlussjahrgangs. Ich Glücklicher wurde dann natürlich gefragt, ob ich da nicht mitlaufen möchte für mein Colegio. Da es sowas bei uns ja nicht gibt, hab ich einfach mal ja gesagt, bis mir dann bewusst geworden ist, dass sonst keiner darauf Lust hat von meinen Freunden und dass das eher eine Strafe ist. Aber okay, ich hatte mich entschieden, das zu machen, und muss sagen, ich fand’s eigentlich ganz witzig. Eine Woche vor dem 12. wurde das jeden Tag geübt. Immer die letzte Stunde der Schulzeit in einer Nebenstraße von meiner Schule hoch und runter marschieren. Da ist mir dann aufgefallen, dass wirklich niemand Bock hatte, das zu machen. Anstatt das ernst zu nehmen, haben wir uns eher darüber lustig gemacht, dass wir da immer hoch und runter watscheln mussten. Aber okay, so witzig war es dann nicht, als die Lehrer meinten “ja ihr müsst noch Haare schneiden”, und ich brauchte zum Beispiel auch noch andere Schuhe, weil meine nicht so aussahen, wie sie sollten. So schlimm war es im Nachhinein auch nicht, da mir die neuen Schuhe besser gefallen als meine alten und kurze Haare für mich auch okay sind. Am Freitag, dem letzten Schultag vor der Parade, die hier übrigens Desfile heißt, wurde dann unsere Aufstellung für den Umzug festegelegt. Da ich wohl mit der Kleinste war, durfte ich, welch’ ein Glück, in die erste Reihe… Was für eine Freude! Ich, der Gringo, der das noch nie vorher gemacht hatte und auch sonst wirklich keinen Schimmer davon hatte, in der ersten Reihe… aber okay, ich habe mir dann gedacht, was soll s –  kann nur witzig werden. Von Sonntag auf Montag hab ich bei Freunden geschlafen, da meine Eltern in Quito waren. Mit den Freunden sind wir zum Anfang der Parade gefahren. Mein Colegio war Nummer 3 von den 38 in meiner Stadt. Das heißt, wir waren relativ früh und die Sonne hat noch nicht so stark geschienen. Das kann echt zur Hölle werden, denn die Sonne hier am Äquator scheint einfach stärker. Also los ging es dann um 8.30 am Morgen und einmal an der halben Stadt vorbei, hatte ich das Gefühl. Aber es war eigentlich ganz witzig, seine ganzen Freunde in der Menge zu sehen. Der Umzug dauerte auch nur eine Stunde und 30 Minuten und danach habe ich mir mit Freunden noch die anderen Colegios angeguckt, und ich muss sagen, so was  würde mir auch in Deutschland gefallen. All die Schulen in ihren unterschiedlichen Uniformen, das sah schon echt cool aus. Hier auf den wunderschönen Bildern kann man uns übrigens in unsere schicken Uniformen sehen, das Mädchen ist aber von einem anderem Colegio.

Das nächste große Ereignis war wohl dann meine Reise in den Dschungel, den Oriente, wie es hier heißt. Dies ist übrigens auch das flächengrößte Gebiet Ecuadors, aber auch das am wenigsten besiedelte.  Wir sind nach Tena gefahren, die Provinzhauptstadt der Region Napo. Das Hotel, in dem wir die 4 Nächte geschlafen haben, heißt Casa del Suizo und gehört zu den besten Hotels der Region. Dies kann ich auch wirklich nur bestätigen. Es hat zum Beispiel einen tollen Pool, in dem wir fast die ganze Freizeit verbracht haben, da es so unglaublich schwül und warm war. Und auch das Essen war supergut, angefangen von den Pancakes am Morgen bis zu dem hervoragenden Mittag- und Abendessen. Ich habe auch, ohne es zu wissen, das erste Mal in meinem Leben Kuhzunge gegessen und muss sagen, das hat jetzt nicht wirklich schlecht geschmeckt! Allein die Anreise zum Hotel war sehr cool: nachdem wir in Tena angekommen waren, sind wir per Boot zum Hotel gefahren. Das war auch das Hauptfortbewegungsmittel in den nächsten Tagen, immer den Napo Fluss auf- und abwärts zu den verschiedenen Stelllen, die wir besichtigt haben. Am ersten Tag haben wir am Nachmittag nichts gemacht und die ganze Zeit im Pool verbracht. Am zweiten Tag haben wir am Vormittag eine Wanderung auf einem Weg quer durch den Dschungel gemacht, um die Pflanzen kennen zu lernen. Es gab wirklich schöne Pflanzen, aber im Großen und Ganzen war alles grün und manche sahen sehr merkwürdig bis unanständig aus. Danach sind wir auf einem Balsaholzfloß zurück zum Hotel gefahren. Ich glaube, dass danach circa 90% von uns einen Sonnenbrand auf den Schultern hatten und ich muss sagen, das war auch nur halb so lustig, wie man es sich vorstellt. Aber es war schon ok und dann doch ganz lustig, wenn ich mich erinnere, dass das Floß an der Stelle, wo ich saß, kaputt gegangen ist. Oder dass man immer in den Fluss springen konnte, wann man wollte. Wovor aber wirklich jeder Junge Angst hatte, war der Penisfisch. Aber die Guides haben uns beruhigt und meinten, dass es die nur in stillen Gewässern gibt. Das wollte aber keiner so wirkliche glauben, zu groß war die Angst vor diesem Monster. Trotzdem sind dann alle ins Wasser gegangen, da die Guides auch meinten, dass der Fisch nur kommt, wenn man ins Wasser pinkelt. Und sowas tut ja sowieso keiner.  Am Nachmittag sind wir in ein Einheimischendorf gefahren und uns wurde dort so ein Brei aus Yuca angeboten. Wenn man den länger stehen lässt, wird er zu Alkohol. Wir hatten das Glück, dass die Frau das Zeug vermust hat mit einem Stampfer und nicht, so wie mir im Nachhinein viele Leute aus Ambato erzählt haben, dass man das normalerweise mit dem Mund zerkleinert. Ich muss sagen, das hat mir jetzt nicht wirklich geschmeckt. Es war sauer und hat einfach wie megaflüssiger Kartoffelbrei geschmeckt und auch so ausgesehen. Danach haben wir mit einem Blasrohr auf einen Holzaffen geschossen. Ich war einer von zweien, die wirklich getroffen haben. Trotzdem kam es mir komisch vor, da das Blasrohr fast zwei Meter lang war und ich habe mich gefragt, wie ein Indianer damit durch den Dschungel rennen soll. Am nächsten Tag sind wir morgens in einen Zoo im Dschungel gegangen, um die Tierwelt kennenzulernen. Ich muss sagen, dass es schon ein bisschen komisch aussieht,  in einem Dschungel einen Haufen von Gehegen zu sehen, wenn man sich denkt, dass die Tiere hier ja eigentlich überall frei rumlaufen sollten. Trotzdem war es schön, die vielen Vögel und Affen mal live zu sehen. Wobei ich mir nicht immer sicher war, ob die Tiere wirklich glücklich sind. Anschließend sind wir mit diesen Gummireifen, die man aus dem Schwimmbad kennt, einen anderen Fluss runtergefahren. Sehr cool daran war, dass irgendwann am Ufer ein großer Stein kam mit einem Seil davor, das an einem Baum befestigt war. Hier konnte man sich jetzt in den Fluss stürzen in feinster Tarzanart. Am Nachmittag haben wir dann noch ein Schmetterlingshaus besucht. Auf der eine Seite war es echt schön, die ganzen bunten Flatterviecher zu sehen. Aber auf der anderen Seite war’s da drin noch wärmer als sowieso schon, und ich hatte nicht so Lust, ewig viele Runden zu drehen. Das war’s dann auch schon mit dem Dschungeltrip, wobei die Nächte auch sehr lustig waren mit all den Freunden von YFU. Und genauso witzig war es in der Dorfdisco mit den YFU-Leuten und dem Hotelpersonal. Mir kam es so vor, als würde das Hotel sonst eher von älteren Leuten besucht werden, und damit waren wir etwas interessanter für die Guides, die teilweise nur ein paar Jahre älter als wir waren. Ich muss sagen, mir haben die Tage im Dschungel wirklich gut gefallen, auch wenn es mir auf Dauer dort echt zu heiß wäre. Ich bin doch schon ganz froh, dass ich in der Sierra wohne, wo es nicht nur warm ist.






Jetzt, nachdem ich ja solange nichts geschrieben habe, hab ich auch Weihnachten in einem fremden Land mit einer anderen Familie erlebt. Ich muss sagen, es war anders, aber es war genauso schön wie zu Hause, auch wenn man natürlich seine Familie vermisst. Alles hat schon, gefühlt, Anfang bis Mitte November angefangen, als wir den Weihnachtsbaum aufgestellt haben. Ein wunderschöner Plastikbaum, geschätzte 1.90 groß und zum Zusammenstecken. Diesen haben wir dann mit allerlei mehr oder weniger kitschigem Zeug geschmückt, angefangen von kleinen Engeln bis hin zu riesigen Plüschweihnachtsmännern, und später kamen auch noch selbstgemachte Christbaumkugeln dazu. Dazu wurde noch das ganze Zimmer rund um den Weihnachtsbaum in Rot und Grün verpackt mit Girlanden, Kissen, Engeln und allen möglichen Arten von Weihnachts- und Schneemännern. Für meine Geschmack von allem zu viel, aber am Ende hat es doch ganz gut zusammen gepasst. Danach kam dann lange nichts mehr bis zu der Woche vor Weihnachten, in der ich Geschenke kaufen oder am Mittwoch in einem Kindergarten war, um kleine Kinder zu beschenken und ein bisschen Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Mir wurde gesagt, dass wir in ein armes Dorf fahren werden. Davon habe ich nichts gemerkt. Mir kamen die Häuser dort eher noch neuer vor als im Ambato selber und damit nicht so wirklich arm. Aber am Ende ging es ja darum, Kinder glücklich zu machen, da ist es auch egal, wie arm oder reich sie sind. Am Freitag war dann das Weihnachtsgrogramm meiner Schule. Wir mussten wie immer um 7 kommen, aber es war kein Unterricht. Die ersten drei Stunden fand einfach gar nichts statt. Die Lehrer sind zwar in die Klasse gekommen, um abzuzeichnen, dass sie da waren, sind dann aber auch einfach wieder gegangen. Ab der vierten Stunde begann dann das Programm innerhalb der Klasse. Als erstes haben die vorher gewählten Papa Noel, Mama Navidad und die Princesita de la Navidad eine Rede gehalten, in der es immer darum ging, dass jeder Weihnachten mit seiner Familie feiern und die Zeit genießen soll, weil diese sehr kostbar ist. Dann haben unsere Klassenlehrerin und die Mutter der Weihnachtsprinzessin auch nochmal über die gleichen Themen geredet. Anschließend ging es dann weiter mit “Amigos secretos”, das ist sowas wie Wichteln oder Julklapp, in dem jeder eine Person zieht, die er dann beschenken muss. Der einziger Unterschied für mich bestand  darin, dass man es öffentlich machte und jeder zu seinem Geschenk noch etwas sagen musste. Und nicht, wie ich es kenne, dass das Ganze geheim bleibt und man nicht weiß, wer sein Wichtel war. Danach haben wir alle zusammen in der Klasse gegessen, es gab Chuletas, also Fleisch, mit Salat und Reis. Reis wie immer, selbst zu Weihnachten gibt es da keine Abwechslung. Dann fand das Programm für die ganze Schule in den letzten 2 Stunden statt. Das war so etwas wie eine Taufe für die Neuen in der Schule, und  jeder neue Kurs musste einen oder mehrere Tänze aufführen. Hier hat mein Kurs aber ordentlich Radau gemacht, da letztes Jahr die ganze Veranstaltung ohne sie abgelaufen ist und sie sich dafür rächen wollten. Das bestand aber vor allem aus Selbstbeweihräucherung durch Sprüche und einem großen Plakat, auf dem drauf stand, dass wir der beste Kurs der Schule sind. Aufmerksamkeit haben wir auf alle Fälle bekommen – ob dies jetzt aber immer positiv war, bezweifle ich.
Dann war endlich Weihnachten und mein Onkel und ich sind in das Haus meiner Oma gefahren, um den Tisch zu decken für das Programm des Abends. Los ging es damit, dass die ganze Familie um 7 in die Kirche gegangen ist. Dadurch, dass ich aber beim Vorbereiten geholfen habe, sind wir 30 Minuten zu spät zum Gottesdienst gekommen. Die Kirche war so voll, dass die Leute schon vor der Tür standen, um noch etwas von der Predigt mitzubekommen. Ich hab die Zeit lieber genutzt, um mit meinen Cousins Zeit zu verbringen. Die Messe war um 20.30 vorbei und wir sind alle in das Haus meiner Oma gefahren, in dem es doch relativ eng wurde mit 40 Personen. Zum Vergleich: in Deutschland feiere ich normalerweise mit 12 Personen. Los ging es dann damit, dass zwei meiner Familienmitglieder eine Rede hielten, wie schön es ist, dass wir alle zusammen sind und Weihnachten zusammen feiern. Danach wurden Zettel hochgehalten mit Namen verstorbener Familienmitglieder, damit diese auch an der Feier teilhaben können, auch wenn sie körperlich nicht mehr präsent sind. Dies hat mir besonders gut gefallen. Klar ist es traurig, aber so erinnert man sich immer wieder an die Leute, die einmal waren und man vergisst sie nicht. Um 22 Uhr begann endlich das Essen. Wie in jeder Familie hier in Ecuador gab es Truthahn und dazu, wie soll’s anders sein, Reis. Als Vorspeise gab es ein typisches Gericht: das sich “Tamales de Gallina”,  ein süßer Teig mit Hühnchen, Oliven, Rosinen und Ei. Klingt komisch, finde ich, schmeckt aber super gut. Nach dem Essen ging es dann weiter mit dem Programm, jetzt wurden die Geschenke unter den Familien per Losverfahren verteilt. Jeder Familie hatte ein Geschenk. Je nachdem welche Nummer sie zog, bekam eine andere Familie das Geschenk und so ging es dann weiter, bis jede Familie ein neues Geschenk hatte. Verschiedene Familien in dem Fall, da halt jedes der Geschwister meiner Mutter eine andere Familie hat und auch schon einige meiner Cousinen eigene Familien haben. Danach wurden noch die Kleinsten beschenkt. Dazu habe ich mit meinen 17 Jahren leider nicht mehr gehört. Dann war es auch vorbei mit dem großen Familienprogramm für den Abend. Meine Eltern, mein Bruder, seine Ehefrau und ich sind als erstes gegangen, da meine Eltern müde waren. Zu Hause ging es mit der Bescherung weiter. Ich habe eine ganz schöne Hose bekommen und noch andere Klamotten und natürlich Süßigkeiten. Damit war Weihnachten 2012 dann vorbei für mich um 2 Uhr nachts.
Sylvester 2012 war etwas ganz Besonderes für mich. Den Tag über war ich im Laden – ein Laden für Zigarren, Wein, Likör und Süßigkeiten – meiner Eltern, um zu helfen, da man an keinem Tag besser Alkohol verkaufen kann als an Sylvester. Um 19 Uhr kamen Freunde und fragten, ob wir nicht zusammen ein Runde drehen wollen, da in der Hauptstraße große Puppen aus Pappmachee aufgebaut waren, die um kurz vor Mitternacht verbrannt werden. Jedes Jahr wird hier zu Sylvester die Hauptstraße abgesperrt und dort werden 50 Puppen auf der ganzen Hauptstraße aufgestellt zu verschiedenen Themen. Zum Beispiel gab es welche, die wie der Präsident aussahen. Mein persönliches Highlight war aber der circa 5 Meter große Homer Simpson. Leider habe ich aber nur 10 oder 15 von den 50 gesehen, da meine Abendplanung am Ende nichts anderes zugelassen hat. Das Verbrennen ist hier ein Brauch und man kann diese Puppen entweder kaufen oder, wie meine Cousins es getan haben, selber bauen. Sie haben die Liga der Gerechtigkeit nachgebaut. Diese bestand aus einem jeweils 2.50 Meter großen Super- und Batman und einem kleineren Green Lantern. Leider war ich woanders und habe nicht gesehen, wie sie dann die Figuren verbrannt haben. Naja, weiter in meiner Abendgeschichte: Ich bin los mit meinen Freunden, um eigentlich etwas zu feiern in dem Stadtteil, in dem ich auch wohne, aber glücklicherweise haben wir uns umentschlossen und sind mit meinen anderen Cousins und deren Freunden mitgegangen. Wir sind im Zentrum geblieben, um uns  wie Vuidas zu verkleiden. Vuidas sind Männer, die sich zu Sylvester als Frauen verkleiden. Wir sind dann auf eine der Hauptstraßen Ambatos gegangen und die anderen haben sich verkleidet mit Schuluniformen ihrer Schwester oder anderen Mädchen, die sie kennen. Später kam auch noch ein andere Freund dazu, der aussah, als würde er immer so rumlaufen. Er hatte hohe Schuhe an und war geschminkt. Die Perücke und das Kleid haben das Ganze dann perfekt gemacht. Ich habe mich zuerst nicht verkleidet, da ich keinen Kleid oder ähnliches hatte, weil ich den Laden meiner Eltern ja eher mehr oder weniger spontan verlassen hatte. Später haben mich meine Freunde aber völlig schwachsinnig überredet, meine T-Shirt und Pulli und meine Hose so hoch zu krempeln, dass man halt aussieht, als wär man eine Frau. Dazu hab ich noch eine pinkfarbene Perücke bekommen. Ich muss sagen, dass es echt blöd aussah, aber egal – es geht ja um den Spaß. Ich hatte dann doch großes Glück, dass der Cousin meines Cousins auch als Vuida verkleidet war, aber nicht mehr weiter als Frau rumlaufen wollte. So haben wir Klamotten getauscht und ich hatte damit ein Kleid an… schwarz und eine Schulter frei. Jetzt ging es darum, vor den Autos, die vorbei fuhren, zu tanzen, um Geld zu verdienen. Dies war echt lustig, aber auch irgendwie befremdlich. Aber am Ende hat es mir doch sehr viel Spaß gemacht, weil es sowas leider nicht in Deutschland gibt. Um 22.30 h bin ich dann wieder in Laden meiner Eltern zurückgekommen, wo sich nun ein Teil meiner Familie versammelt hatte. Alle haben dann schön erstmal über mich und meinen Cousin gelacht, da wir beide ja als Frauen verkleidet waren. Ich habe mich dann relativ schnell wieder umgezogen, da mir Männerkleidung doch irgendwie etwas lieber ist. Um kurz vor 12 war dann aber nur noch ein kleiner Teil meiner Familie im Laden meiner Eltern, da die anderen doch lieber bei sich das Neue Jahr feiern wollten. Kurz vor Mitternacht haben wir die Muñecos, die Puppen, zertreten, um sie um 12 zu verbrennen. Und noch davor hat jeder seine 12 Weintrauben, ein anderen Brauch, verschlungen, da wir die Zeit ganz vergessen hatten. Hier isst man kurz vor Mitternacht 12 Weintrauben. Sie stehen für die 12 Monate des neuen Jahres, und man wünscht sich zu jeder Traube etwas, und dies soll dann in dem dazu passendem Monat Wirklichkeit werden. Danach sind wir noch über die brennenden Puppen gesprungen, wobei ich aber zu meiner Schande sagen muss, dass ich nicht weiß, wieso wir das getan haben. Wir sind noch bis um 1 Uhr im Laden geblieben, um noch mehr zu verkaufen. Dann sind meine Eltern nach Hause gefahren und ich bin mit meinem Onkel und den anderen, von denen ich nicht weiß, wie die jetzt zu meiner Familie gehören, zu einer Fiesta vor dem Haus meiner Oma gefahren. Dort haben wir den restlichen Abend verbracht und die ganze Zeit getanzt. Ich finde das ist sowieso eine der coolsten Sachen an Lateinamerika, dass immer getanzt wird. Dann um 5 Uhr morgens bin ich friedlich und glücklich bei mir zu Hause eingeschlafen.


Eine andere sehr, sehr coole Sache war die Diablada in Pillaro, einer kleinen Stadt 20 Minuten per Bus von Ambato entfernt. Hier wird vom 1.-6. Januar jeden Tag getanzt, verkleidet als Diablo, also Teufel, oder als Guarichas oder Capariches. Getanzt wird zu Marschmusik, und das Tanzen ist eher ein Herumhüpfen. Das hat mir aber sehr gut gefallen und war sehr witzig. Ein Freund aus meiner Klasse, der in Pillaro wohnt, hat mich in der Schule am Freitag, also am 4. Januar, gefragt, ob ich mitkommen will nach Pillaro, um mit ihm und seinen Freunden zu tanzen, da er die ganzen vorherigen Tage keine Zeit dafür hatte. Also habe ich meine Mutter gefragt, ob ich zur Diablada nach Pillaro fahren darf nach der Schule, und sie hat ja gesagt. Gleich nach der Schule ging es los mit meinem Freund nach Pillaro und dort haben wir erstmal meine Verkleidung gesucht. Es gibt immer zwei Möglichkeiten, wie man sich verkleiden kann. Einmal als Diablo: mit roten Klamotten und einer Teufelsmaske. Die kann klein und schlicht sein, aber ich habe Tänzer gesehen, die ihre Masken mit beiden Händen festhalten mussten beim Tanzen, da sie sonst nicht das Gleichgewicht hätten halten können, weil die Masken so groß waren. Diese Masken sind leider relativ teuer, da sie in Handarbeit und mit viel Zeit hergestellt werden. Ich habe mich für die andere Variante entschieden. Sie ist schlichter, aber auch gleichzeitig meiner Meinung nach besser zum Tanzen geeignet. Diese nennen sich Guarichas, und die Verkleidung besteht aus einer weißen Gewand, das mehr oder weniger wie ein Kleid aussieht und mit bunten Bänder bestickt ist. Später habe ich diese Gewänder auch in blau oder mit bunten Blumen bestickt gesehen. Dazu kommt ein weißer Hut, der ebenfalls mit Bänder verziert ist, und eine Maske, die ein Gesicht zeigt, damit man nicht erkannt wird, wichtig, weil man immer eine Flasche Alkohol dabei hat, um seinen Bekannten, die nur zugucken, etwas zu trinken zu geben. Um 14 Uhr ging es los mit der ersten Runde durch Pillaro bis zu einem Ort, an dem es eine Pause gibt. Man tanzt zu Marschmusik, die aber etwas aufgeheitert ist, damit sie tanzbar wird. Ich weiß nicht, wie man die Musik beschreiben soll, guckt Euch am besten das Video an. Vielleicht ist die Beschreibung Blasmusik doch besser. Naja, nach der Pause ging es dann weiter mit einer zweiten Runde durch Pillaro, aber ich musste dann um 8 doch mal wieder nach Ambato. Dies war aber nicht so schlimm für mich, da ich am nächsten Tag nochmal wiedergekommen bin und dann auch in dem Haus meines Freundes geschlafen habe, um mehr von dem Tag zu haben. Am zweiten Tag war eigentlich alles genauso wie am ersten, bloß das ich am Morgen noch die Parade gesehen hab. Danach wurde wieder einfach nur den ganzen Tag getanzt.






Was gibt es sonst noch Neues? Es ist unglaublich, wie viel ich in den letzten Monaten gelernt habe beim Capoeira. Angefangen vom Rückwärtssalto bis hin zu anderen Sachen, von denen ich niemals geglaubt hätte, dass ich sowas jemals lernen würde. Dies macht mir immer noch genauso viel Spaß wie am Anfang, wobei ich sagen muss, dass einem 7 mal die Woche Sport doch irgendwann auf die Nerven geht und man auch mal wieder was anderes machen will.

Eine andere noch ganz witzige Geschichte, an die ich mich erinnern kann, ist, dass ich eine Aufsatz über Weihnachten und die Schule in Deutschland schreiben sollte. Nachdem ich da nun 2 Seiten über meine Heimat und meine Kultur geschrieben hatte, war die einzige Frage, die mein Lehrer hatte: ” Wie macht man den Schweinebraten, von dem du da in deinem Aufsatz erzählt hast?” Seitdem denke ich mir auch, dass der Lehrer etwas komisch ist.

Naja, von hier viele Grüße nach Deutschland an alle Freunde und an die Familie, die das hier lesen werden. Und auch an alle anderen Menschen, die interessiert, was ich schreibe. Alles Gute für das Neue Jahr!

Euer Sebastian

Weihnachten in der Strassenbahn

Hier ist nun der versprochene Bericht ueber Weihnachten und Silvester in Japan. Ich bin so gluecklich, dass ich Beides hier in Japan erleben durfte, es unterscheidet sich so wahnsinnig von Deutschland!

Am 23. Dezember bin ich mit meiner Gastfamilie nach Kobe gefahren, ein bisschen Shoppen und einen deutschen Weihnachtsmarkt bestaunen(“Nein danke, ich will keine Bratwurst mit Semmel fuer 6 Euro essen!!”). Doch das Beste kam ganz zum Schluss: Spaetabends die Aussicht auf die Lichter von Kobe. Auf dem Berg waren es bei starken Boen Minusgrade, aber der Ausblick entschaedigte fuer abgefrorene Gliedmassen^^

Am 24. Dezember….hatte ich Kendo! Bis  19 Uhr, barfuss bei 6 Grad. Danach eine Stunde per menschenleerer Strassenbahn nach Hause(was den Titel erklaert), um mit meiner Gastfamilie Sushi zu essen:) Wundert euch nicht, das ist NICHT das traditionelle Weihnachtsessen in Japan, ICH durfte entscheiden, was ich zu Weihnachten essen wollte und meine Wahl fiehl halt auf rohen Fisch. Sowohl am 25. als auch am 26. Dezember hatte ich Kendotraining, danach hatte mein Klub fuer genau 4 Tage Weihnachtsferien(die ich schoen ausgenutzt habe, mit Freunden Ausfluege zu machen und meiner Gastmama beim traditionellen Grosshausputz- genannt Osoji- zu helfen. Glaubt es oder nicht, es hat total viel Spass gemacht!). Am 31. Dezember- wie sollte es anders sein?!- hatte ich bis 21 Uhr Kendo, danach habe ich mit meiner Gastfamilie das traditionelle Silvestersoba( Nudeln) gegessen, den Countdown runtergezaehlt und bin erschoepft ins Bett gefallen.

Silvester und Neujahr haben in Japan eine ganz grosse Bedeutung. Als ich meine Freunde gefragt habe, was sie denn zu Weihnachten gemacht oder geschenkt bekommen haben, meinten sie nur: “Wir haben normal Abendbrot gegessen und……Geschenke….?” Bodenloses Entsetzen meinerseits. Wenn ich jedoch gefragt wurde, was wir in Deutschland zu Silvester und Neujahr machen( mehr als “Countdown”, “Gute Vorsaetze” und “Feuerwerk” kann man da nicht sagen, oder?), wurde ich angestarrt wie ein Alien. Ich habe meiner Gastfamilie ein bisschen deutsche Weihnacht naehergebracht mit Raeuchermaennchen, Pyramide und Lebkuchen, dafuer haben sie mir das typische japanische Neujahr gezeigt. Dazu gehoeren der schon genannte Grossputz und das Soba am Jahresende. Innerhalb der ersten paar Tage des neuen Jahres geht man zur Hatsumode und betet fuer ein gutes Jahr, man geht zum Drachensteigen, man relaxt, schaut Neujahrsfernsehen, geht Shoppen und versucht sein Glueck beim Kaufen von Wundertueten und man isst Unmengen an Mandarinen( meine Freundinnen haben daraus einen Wettbewerb gemacht- 30 am 1. Januar!). Und da sind wir schon beim wichtigsten Punkt des japanischen Neujahres- ESSEN! Man beginnt am 1. Januar schon zum Fruehstueck mit Osechi und Osoni. Osoni ist eine weisse Misosuppe und Osechi kann ich kaum erklaeren, schaut euch bitte das Foto an:

 

Ich kann ja mal versuchen den Inhalt aufzuzaehlen: Shrimps, Fisch, Suesses Ei, Esskastanien, Okakuni genanntes Fleisch, geduenstetes Gemuese, Kaviar, Schwarze Bohnen, eingelegte Zwiebeln und noch viele, viele andere Nahrungsmittel, deren Namen ich nur auf Japanisch kenne, tut mir leid;) Aber ich kann euch sagen, dass ich meine letzten zwei Wochen hier in Japan ausschliesslich mit Essen und Sporttreiben verbringe. Entweder man findet mich kauend oder in Kendoausruestung. Seit dem 3. Januar hatte ich wieder taeglich Kendo und am 8. wars dann so weit. Meine Abschlussrede zur Semestereroeffnungszeremonie.

Die gleiche Szene wie vor 10 Monaten- ich, auf der Buehne vor 1300 Senior High School Schuelern. Doch irgendwie war alles anders. Im Maerz hielt ich meine Rede nervoes in einer fremden Sprache vor Fremden, und dieses Mal stand ich vor Freunden und redete ohne Stocken in Japanisch. Ohne Stocken- bis ich am Ende meiner Rede in Traenen ausgebrochen bin(ich war mir soooo sicher, dass ich einen kuehlen Kopf behalten werde und dann das!). Kaum war ich von der Buehne runter, wurde ich von meinen Freundinnen umringt, alle mit geroeteten Augen. Seit dem 8. Januar kann ich nicht mehr durch das Schulhaus laufen, ohne dass mir zu meiner Rede gratuliert wird, ich Geschenke in die Hand gedrueckt bekomme, verabschiedet werde oder mir von gaenzlich fremden Maedchen vorgeworfen wird, dass sie bei meiner Rede weinen mussten. Morgen ist mein letzter Schultag und ich muss mich verabschieden, von meiner Klasse und meinem Klub. Obwohl ich eigentlich meinen Koffer packen muesste, werde ich auch morgen bis 19 Uhr trainieren, das letzte Mal, und mich dann wie ein wandelnder Wasserfall( machen wir uns nichts vor-.-) bei allen fuer das beste Jahr meines Lebens bedanken. Ich will noch nicht nach Hause! Ich will weiterhin mit meinen Freunden Bio lernen, mit meinem heissgeliebten Klub zu den unmoeglichsten Zeiten den besten Sport der Welt trainieren, mit meinen Freundinnen zum Karaoke gehen, meinen Kendomaedels Fressgelage veranstalten( da merkt man richtig, dass wir taeglich 3 Stunden Sport machen, hihi) und mit meiner Gastfamilie jeden Tag gemeinsam ein normales, japanisches Familienleben fuehren.

Doch es ist an der Zeit, am Samstag fliege ich nach Tokio, am Sonntag zurueck nach Deutschland. Ich freue mich auf meine Familie, auf meine Freunde, auf meine Katzen, auf mein Bett, mein Zimmer, meine Lieblingsbuecher, Nachmittagsfernsehen, Schule, BROOOOOOT. Ich hatte ein wunderbares Jahr in Japan, mit Hoehen und Tiefen, ich konnte so viele Menschen treffen, so viele Erfahrungen machen und Neues ausprobieren, so viel lernen….Ich bin so dankbar, dass ich mir meinen groessten Wunsch erfuellen und nach Japan gehen durfte! Ein ganz fettes Dankeschoen an alle, ohne deren Unterstuetzung das nicht geklappt haette: Meine Familie und Freunde, Bekannte, und natuerlich YFU. Meinen Omas moechte ich besonders danken!

Vielen Dank fuers Lesen meines Blogs, sayounara, eure Sophie