Immer wieder Neues

Langsam, ganz langsam habe ich das Gefühl, eine tatsächliche Ahnung von der estnischen Sprache zu bekommen. Ich verstehe immer mehr, kann mit etwas Mühe die meisten meiner Wünsche ausdrücken und wurde neulich von ema für meine Fortschritte gelobt. Das ist natürlich ein Ritterschlag.

Inzwischen habe ich einen leicht veränderten Stundenplan, um mich motivationsmäßig durch physikalische Fachbegriffe zurückwerfen zu lassen. Zum Beispiel habe ich nun acht Stunden Englisch pro Woche. Der Unterricht ist erschreckend anspruchsvoll, und kleine Gemeinheiten meines Stundenplanes wie „Buisness English“ oder Englisch mit der 12. Klasse lassen mich immer mal wieder ratlos den Kopf schütteln. Aber alles in allem genieße ich es, nicht nur Estnisch zu lernen, sondern auch mein Englisch zu verbessern.

Außerdem auf dem Plan steht „Technisches Zeichnen“, bei dem Zehntklässler lernen, mit dem Computerprogramm AutoCad umzugehen. Dieses benutzt mein deutscher Vater zum Arbeiten und nun habe ich den Eindruck, ein verstecktes Genie in der Familie zu haben. Es ist schon zu viel für mich, mir die Tastenbefehle für eine einfache Gerade zu merken.

Deutschunterricht habe ich nun auch mit den Klassen 10 und 12, in denen die Lehrerin sehr beherzt zum Fragen Stellen anregt. Nun weiß die ganze Schule mehr oder weniger über mich Bescheid. Und neulich empfahl mir ein sehr gut Deutsch sprechender Junge, einen Flummi im örtlichen Laden zu kaufen. Auf meine leicht irritierte Frage hin, wozu ich einen Flummi wollen sollte, antwortete er: „Jeder will einen Flummi!“

Ich bin seit nicht allzu langer Zeit Mitglied einer Theatergruppe des Nachbarortes Rakvere.  In dem zweimal die Woche stattfindenden Unterricht spielen wir improvisierte Dialoge und arbeiten an dem Großen Stück zu „Amerika“ von Franz Kafka. Meine Schauspieler-Kollegen sind sehr nett und verständnisvoll und erklären mir geduldig die zu erledigenden Aufgaben. Hoffentlich lerne ich die Sprache, bevor sie die Geduld verlieren.

Neulich war ich auf einer Gala, bei der junge Regietalente ihre Kurzfilme vorstellten. Es war beeindruckend, was die Leute, nicht viel älter als ich, auf die Beine gestellt hatten. Auch sehr beeindruckend fand ich die Tatsache, dass eine Schule in Rakvere einen eigenen Fernsehsender hat. Für diesen wurde ich gleich interviewt. Es ist schon wahr, dass man als Austauschschüler eine ganz spezielle Art von Aufmerksamkeit genießt, zumal die Esten oft selber nicht glauben können, dass ich mich für ihr Land entschieden habe.

Ich habe mich letztes Wochenende mit einigen anderen Austauschschülern in Tallinn getroffen. Es waren drei weitere Deutsche und eine Franzosin. Die arme hatte es ein wenig schwer mit uns immer wieder in die eigene Sprache abrutschenden Deutschen – es ist einfach so entspannend, mal wieder in auf gewohnte Weise reden zu können. Auf jeden Fall war es einfach wunderbar, zu merken, dass andere dieselben Hürden zu meistern haben und dass ich nicht alleine bin. Übrigens bekommen wir im Schulsport tatsächlich Hürdenlauf benotet. Zwar habe ich das noch nie gemacht und habe auch großen Respekt davor, aber Herausforderungen muss man sich stellen!

Kulturschock Schule!

So, nach fast einem Monat ohne etwas zu berichten, habe ich doch mal wieder Lust, für meine Familie und Freunde zu schreiben, da ich weiß, dass sie alle auf Neuigkeiten warten.  Ich glaube, dass das nächste große Thema, wie schon im Titel erwähnt, Schule sein wird, da ich dort meine halben Tage verbringe und wohl mit die meisten Erfahrungen gesammelt habe und sammeln werde.

Ich gehe übrigens auf das Colegio Tecnologico Superior Rumiñahui. Rumiñahui ist einer der bedeutendsten Heeresführer der Inkas gewesen, der Widerstand gegen die Spanier leistete. Mit 2000 Schülern ist das Colegio um das Doppelte größer als meine Schule in Deutschland. Davon sind in meiner Klasse 38 Schüler und zum Glück verstehe ich mich mit allen gut. Außerdem bin ich in der gleichen Klasse wie ein belgisches Mädchen, das auch mit YFU nach Ecuador gekommen ist. Das hat Vor- und Nachteile: Auf der eine Seite ist es gut,  jemanden in seiner näheren Umgebung zu haben, dem es ähnlich geht wie einem selber. Auf der anderen Seite verlockt dieser Umstand aber auch dazu,  Englisch und nicht Spanisch zu reden.

Ich habe 40 Stunden in der Woche, wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, wie lange eine Stunde hier eigentlich ist. Ich glaube aber, dass die Schulstunden ungefähr so lang wie in Deutschland sind und das sind zwischen 40 und 45 Minuten. Meine Schultage sind immer gleich aufgebaut: ich quäle mich morgens um 6 aus dem Bett und mache mich fertig. Das heißt Schuluniform tragen! Diese besteht aus einem Hemd, Hose und einem Pulli mit den Initialen meiner Schule drauf. Außerdem aus einem hässlichen Paar Schuhe… Ich muss übrigens sagen, ich stehe total auf die Schuluniformen. Man weiß immer sofort, wer auf welche Schule geht, und man hat sofort ein Gruppengefühl, wenn man die Schüler seiner Schule in den Schuluniformen sieht.

Dann werde ich glücklicherweise von Freunden meiner Eltern abgeholt, die ihre eigenen Kinder zur Schule bringen, und muss nicht die 20 Minuten zur Schule gehen. Um 7 beginnt der Unterricht. Jeden Montag fängt die Woche mit dem Singen der Nationalhymne an. Diese gefällt mir ausgesprochen gut, auch wenn ich den Text noch nicht verstehe. Aber das kommt noch, ich habe ja noch genügend Montage an dieser Schule. Danach beginnt dann die erste Stunde und darauf folgen zwei weitere Stunden. Und dann endlich die erste Pause, immer herzlich willkommen, da ich im Unterricht meistens nichts verstehe. Dieser ist sowieso ganz anders als der deutsche Unterricht. Es gibt genau zwei Typen von Lehrern. Der erste Typ redet nur und der zweite diktiert nur. Nimmt sich also nicht so viel, aber mir gefällt der erste Typ doch noch ein bisschen besser, da ich mich dort nicht quälen muss mit dem Mitschreiben oder eher dem Kopieren der Unterlagen von meinem Sitznachbarn. Auf diese drei Stunden folgen dann nochmal drei Stunden und dann wieder eine Pause. Danach muss ich nur noch die letzten beiden Stunden überstehen und es ist endlich geschafft. Dummerweise gibt es nicht wie an meiner Schule in Deutschland Blockunterricht, also immer 2 Stunden des gleichen Fachs zusammengefasst. Also muss ich mit Pech an manchen Tagen  für acht Fächer meine Schulsachen mitschleppen. Das geht dann doch ganz schön auf den Rücken, weil ich für jedes Fach einen Collegeblock kaufen musste und es für fast jedes Fach auch ein Buch und machmal sogar noch extra eine Mappe gibt. Außerdem ist es hier mit den Büchern auch anders als in Deutschland, ich musste und muss mir hier die Bücher selbst kaufen für den Unterricht. Hat den Vorteil, dass ich darin rumstreichen kann, wie ich will. Nachteil ist bloß leider, dass die Bücher doch schon gut teuer waren. Und was ich bisher noch nicht gesagt habe: ich bin im Profil “Sociales” gelandet, welches verschrieen ist als das einfachste der Profile. Das bedeutet für mich, dass ich Fächer wie Philosophie, Literatur und Geschichte habe. Sehr außergewöhnlich ist auch das Fach “Educacion Sexual”, also Sexualkunde. Aber dies behandelt andere Themen als Sexualkunde in Deutschland, hier redet man über seine Gefühle und ähnliche Themen.

Zusätzlich zu meiner Schuluniform habe ich für mittwochs, der Tag, an dem ich Sport habe, noch eine 2. Uniform. Diese besteht aus einem Trainingsanzug, einem T-Shirt und einer gelben kurzen Sporthose. Aber auch der Sportunterricht unterscheidet sich stark von dem in Deutschland. In der ersten Stunde sind wir 1 1/2 Stunden gewandert. Den Berg hinter der Schule hoch und dann wieder hinunter, und in der zweiten Woche haben wir irgendwelche Formationen geübt und sind auf dem Sportplatz herummarschiert. Aber mir gefällt der Mittwoch immer besonders gut, da ich an dem Tag mit den Jungs aus meiner Klasse in den Pausen Fußball spiele. Die letzten Male haben wir sogar um Geld gespielt und zum Glück war ich beide Male in der Gewinnermannschaft!

Hausaufgaben sind nochmal so ein Thema für sich: Ich gebe natürlich mein Bestes, aber machmal verstehe ich nur Bahnhof und dann sage ich immer: “Mein Spanisch ist noch nicht so gut und ich habe die Aufgabe nicht verstanden”. Das zieht zum Glück noch, aber dann muss ich die Hausaufgaben wieder von jemandem abschreiben und das nervt doch ein bisschen. Aber so gibt es wenigsten einen Lerneffekt…

Heute am 26. September ist in Ecuador “Tag der Flagge”, also wie der Name schon sagt, ist der Tag der ecuadorianischen Flagge gewidmet. Außerdem war heute auch die Vorstellung der neuen Abschlussklasse, in die auch ich gehe. Normalerweise hätten wir Sport gehabt, aber mir schrieb eine Klassenkameradin, dass ich meine normale Schuluniform anziehen soll. Dies tat ich natürlich und es war nicht wie befürchtet ein unlustiger Streich. Am nächsten Morgen zum Glück die Erleichterung: alle meine Klassenkameraden in ihrer normalen Uniform. Darauf hin sollten wir dann nach Unterrichtsbeginn alle aufstehen und in die Turnhalle  kommen, die übrigens nur mehr oder weniger ‘ne Turnhalle ist. Eigentlich ist es mehr ein Sportplatz mit Dach drüber, aber davon gibt es hier überall welche. Aber meist ist es ja auch warm genug, so dass man die Wände nicht wirklich vermisst. Na ja, jetzt folgte zwei Stunden marschieren üben und ich wusste immer noch nicht, weshalb ich eigentlich hier im Kreis, auf und ab und in sonst welche Linien herum marschierte, aber ich dachte mir nur: “Ok, alles hier wird schon seinen Grund haben, vielleicht ist das wichtig für irgendein Ereignis am Ende des Jahres oder für sonst einen Tag im Jahr…”.  Worauf ich aber nicht gefasst war, ist, dass ich dieses Maschieren schon 2 Stunden später vor allem Schülern, Lehrern und sonst welche Menschen aufführen musste. Das lief dann auch mehr oder weniger gut. Es begann damit, dass ich keine schwarzen Gürtel trug wie alle anderen. Kein Gürtel war aber immerhin besser als ein brauner Gürtel, wie einer meiner Klassenkameraden ihn anhatte. Er wurde dann prompt auf die Bühne geschickt, genauso wie 2 Mädchen, die ihre Sportuniform anhatten. Und schon begann es mit dem Einmarsch und dem Hin- und Hermarschieren in der Turnhalle. Ich glaube, dass ich wirklich jeden Befehl überhört und alles anders gemacht habe als meine Klassenkameraden. Aber vielleicht hatte es dann doch Ähnlichkeit mit den Bewegungen meiner Klassenkameraden. Die Zeremonie ging weiter mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne und der Flaggenhymne. Es wurden Reden gehalten und das wohl Wichtigste war die Übergabe der drei Flagen an die besten Schüler meines Jahrgangs. Das ist hier so Tradition, dass die ersten drei Besten die Landesflagge für das Jahr übereicht bekommen. Platz vier bis sechs dürfen die Flagge der Provinz tragen und Platz sieben bis neun sind die Träger der Schulflagge. Und was für ein Zufall: keiner dieser Neun war aus meiner Klasse. Dieser Tag endete dann damit, dass wir eine Stunde früher als normal Schluss hatten, und das hat mir besonders gut gefallen an dem ganze Tag!

Was gibt es sonst noch zu erzählen? Ich habe jetzt schon eine Hochzeit und einen 15. Geburtstag – ein riesiges Fest hier ähnlich wie bei uns die Konfirmation – miterlebt und die Feiern sind sehr gut, da man viel tanzt. Das gefällt mir sehr. Auch wächst mir meine Familie immer mehr ans Herz und ich finde jeden Tag mit ihnen schöner als den vorherigen. Leider ist heute Nacht nun auch meine andere Schwester nach Europa geflogen zum Studieren, das heißt, jetzt bin ich wirklich gezwungen, Spanisch zu sprechen. Dies kann aber nur gut sein. Sonst gibt es, glaube ich, erstmal nichts Neues von mir und ich melde mich demnächst wieder.

Übrigens viele Grüße an alle meine Freunde und Familie in Deutschland und ich hoffe, euch geht es gut!
Viele Grüße,

Euer Sebas
PS:

Die Spitznamen hier für Sebastian sind Sebas, Sebi und Sebitas. Dabei gefällt mir der erste richtig gut!

 

 

 

Musik, Höflichkeit und wunderschöne Städte

So oder so ähnlich könnte man Lettland zusammenfassen. Natürlich ist das längst nicht alles, doch alles was ich bisher erlebt hab hier rein zu schreiben, würde meinen Computer sprengen 🙂

Musik: Das ist hier unglaublich wichtig. Es ist nicht ungewöhlich, einfach mal ein kleines Liedchen anzustimmen, in das dann alle einfallen. Es ist so ansteckend, das sogar ich mit meiner wenig richtigen Singstimme mitsinge, wegen Textschwierigkeiten bei lettischen Liedern allerdings “blablabla”.  Es ist mir auch schon passiert, dass jemand im Unterricht  bei einer Stillarbeit (!) Musik anmacht und dann alle laut mitsingen.

Höflichkeit: Gemeint ist Höflichkeit von Jungen Mädchen gegenüber. Ich werde vorgelassen, bekomme Sachen aufgehoben(meistens Tischtennisbälle) und Türen aufgehalten. Zu letzterem eine etwas extreme Geschichte: Vor ein paar Tagen ging ich mit meinem jüngeren Gastbruder über den Schulhof zur Schule. Kurz vor der Tür holte uns ein mir völlig unbekannter Zwölftklässler ein und öffnet die Tür zur Schule. Dabei schob er meinen Gastbruder mit der Tür einfach völlig ungerührt brutal zur Seite, nur um sich dann danebenzustellen und zu warten, bis ich durchgegangen war. Das Ganze ging so schnell, dass ich völlig baff einfach durch die Tür ging. Das Schrägste: danach verabschiedete sich mein Gastbruder, als wär nichts gewesen. Natürlich muss ich auch keine schweren Sachen tragen, wenn ein Junge dabei ist, und einer meiner Klassenkameraden nahm mir auch schon mal ganz selbstverständlich die Schokolade aus der Hand und bezahlte sie.

Wunderschöne Städte: Davon gibt es hier reichlich. Das Straßenbild ist hier anders als ich es aus Deutschland kenne. Man sieht alte Plattenbauten, aber auch kleine Paläste nebeneinander. Viele Städte sind sehr alt und haben dementsprechend eine ganz besondere Atmosphäre. Viele Häuser sind heruntergekommen und man sieht oft ein Schild mit “Pārdod”, also “zum Verkauf”, allerdings auch sehr schön gepflegte alte Häuschen.

Ein Highlight ist natürlich Riga, die Hauptstadt. Die größte Stadt des Landes hat etwa 800000 Einwohner, davon sind etwa die Hälfte eingewanderte Russen, deswegen gibt es etliche Läden, die in russisch beschrieben sind oder Bücherläden nur mit russischen Büchern. Ein beliebter Treffpunkt für die Rigaer Jugend ist die Laima-Uhr(Laima ist eine lettische Schokoladenmarke) neben der riesigen Lettischen Freiheitsstatue. Mit einer anderen Austauschschülerin aus Berlin bin ich einfach planlos in Kreisen durch die Stadt gelaufen und wir haben erstaunliche Sachen gesehen: Etwa den großen Rigaer Markt auf russisch oder eine Schlange vor einem noch nicht mal eröffneten H&M. Zum Schluss waren wir im Radisson-Hotel, meine Gastmutter hatte uns empfohlen, in den 26. Stock zu fahren und dann auf die Toilette zu gehen. Wir waren entsprechend verwundert, sind diesem Rat aber gefolgt. Ich kann nur sagen: wenn ihr jemals nach Riga kommt, müsst ihr das unbedingt tun! Die  (Damen-, tut mir leid für die Herren) Toilette hat zwei Glaswände, von denen man einen atemberaubenden Ausblick auf Riga hat, am besten bei Dunkelheit.

Hier möchte ich noch auf etwas näher eingehen: letzte Woche waren wir bei meiner Gastoma ganz im Norden von Lettland, nur noch etwa 30 km von der Grenze zu Estland entfernt. Meine Gastbrüder sagten mir vorher, wir fahren aufs Land und helfen beim Kartoffelernten. “Auf dem Land” hieß in diesem Fall zwei alte Häuser samt Scheune voller Heu, ein riesiges Stück Land mit Wald und Wiesen etwa 4 km von nächsten Dorf entfernt. Auf dem Hof leben meine Gastoma, -tante und -onkel. Wir haben geholfen, von Hand einen großen Kartoffelacker von seinen Kartoffeln zu befreien. Meine Gastfamilie war ehrlich erstaunt, als ich ihnen sagte, dass ich das noch nie gemacht hatte. Im Anschluss an einige Stunden harte Arbeit gab es Abendessen (natürlich Kartoffeln) und 2 Lats von meiner Gastoma. Fazit: Landleben ist ziemlich hart, aber es macht einen Heidenspaß, im Heu herumzuspringen!

Zum Schluss möchte ich noch einen kleinen Absatz an meine Freundin Nora in Estland richten: Ja, ich war auch mit meiner Gastfamilie im Wald Pilze sammeln, ja, ich bin auch unbegabt im Auseinanderhalten von giftigen und essbaren Pilzen, und ja, hier gibt es auch Elche! Und nicht nur die: Das Bild zeigt einen Baum, unter sind Spuren von einem abgewetzten Elchgeweih, das obere sind Bärenkrallen!

Ich bin angekommen- und ich liebe es:)

Ja, viel ist passiert in den letzten Wochen. Wenn ich ehrlich bin hab ich keine Ahnung wo ich anfangen soll. Das wichtigste ist wahrscheinlich, dass ich die Gastfamilie gewechselt hab. Es hatte seine Gruende, die ich aber nicht im Internet veroeffentlichen will. Jetzt bin ich bei einer Familie 10 minuten von meiner alten Gastfamilie entfernt. Ich habe eine 15 jaehrige Gastschwester und einen 18 jaehrigen Gastbruder. Und zwei wunderbare Gasteltern.

Das ist wohl die groesste Veraenderung. Sonst fuehl ich mich hier immer wohler und ich geniesse meine zeit soo sehr. Jetzt bin ich hier seit knapp 2 monate. Heisst, nur noch 8  Monate. Schon allein die Vorstellung das alles hier zurueckzulassen macht mir Angst. Ich beginne richtige Freundschaften zu machen, die Schule hier mehr als zu lieben und vorallem fuehl ich mich angekommen. Ausserdem genies ich das Gefuehl jeden morgen aufzustehen und einfach zu wissen, dass jeder Tag ein neues Abenteuer ist. Ausserdem gefaellt mir Amerika von Tag zu Tag mehr. Ich beginne die Menschen zu verstehen und vorallem beginne ich auch selber so zu sein. Ich mein, in Deutschland hab ich noch nie Eis in meinen Getraenken gehabt- hier mache ich freiwillig die haelfte meines Glasses voll mit Eis. All die kleinen Dinge, machen mich einfach gluecklich.

Ich hoffe alles ist klar in Deutschland- ich werde nun versuchen oefters hier zu schreiben und ich freu mich ueber jeden Kommentar.

 Meine Gastschwester, eine freundin und ich am Missouri River

YFU Meeting

Eine Tradition an meiner High SChool ist es, dass alle Seniors and Austasuchschueler ihre Hand an die Wand malen und dann daneben unterschreiben- Here I am

Erstes Baseballgame

Sonnenuntergang von unserem Wohnzimmer aus

Schulalltag, Stadtleben, Konzert in der Crystal Hall = Gözəl Azərbaycan!

Es ist Montag, 17.09., 16.45h ich habe meinen ersten richtigen Schultag “hinter mir” (was man eigentlich nicht sagen kann, weil er so fantastisch war, aber dazu  komme ich noch spaeter ) und mir rinnt der Schweiss aus allen Poren.  Das liegt allerdings weniger am “Avropa Liseyi”, als an der kleinen Shoppingtour, die ich danach durchs Vorstadtviertel “Inşaatçılar” gemacht habe, um ein paar Dinge wie Shampoo usw. einzukaufen. Hier gibt es naemlich nicht so hauefig die schoen bequemen Supermaerkte, sondern gefuehlt 1000 “Minimarkets” an jeder Strassenecke, die sich aber auf gewisse Artikel spezialisieren, sodass es mitunter recht lange dauern kann, bis man sich zu einem mit Damenartikeln wie Seidenstrumpfhosen durchgefragt hat, die ich dringend fuer meine Schuluniform brauche …

Aber jetzt der Reihe nach …

 

YFU -Orientierungsseminar

Erstmal moechte ich von diesem  wunderbaren Ereignis berichten, das letzten Mittwoch fuer uns zwei Austauschschuelerinnen, Mari aus Tschechien und mich, in Sumqayıt stattgefunden hat. Als wir dort ankamen, erwartete uns schon die erste Ueberraschung. Wegen des Austauschmottos “Building a bridge” und “New Way” hat man uns gleich eine Landkarte gezeigt, auf die eine Bruecke gekleppt war, auf der sich wiederum unsere beiden Passfotos befanden, weil YFU Aserbaidschan dieses Jahr zum ersten Mal ein Aufnahmeprogramm gestartet hat.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde haben wir zuerst ueber unsere Hoffnungen, Wuensche und Aengste gesprochen und danach zuerst eine Praesentationen ueber Aserbaidschan, dann ueber Deutschland und Tschechien gehoert. Letztere hatten Mari und ich zu Hause vorbereitet.

Anschliessend haben wir einen Rundgang durch Sumqayıt gemacht, was einmal zu den schmutzigsten Staedten der Welt gehoert hatte. Davon ist allerdings nicht mehr als ein paar sovietische Spielplatze uebrig geblieben. Stattdessen kann man an einer wunderschoen gestalteten Promenade entlangschlendern.

Zum Mittagessen sind wir in ein Restaurant gegangen, das uns typisch aserbaidschanische Gerichte serviert hat. “Düşbərə” als Vorspeise, das sind gefuellte Teigtaschen und “ saç içi” (eine Mischung aus Fleisch und Gemuese)  als Hauptgericht.

Hoehepunkt war auf jedenfall das anschliessende “Chillen” im “Chai-Raum”( gibt es auch viel in der Tuerkei), wo schon Tee und typische Suessigkeiten, z.B. getrocknete Fruechte bereit standen!

Nachmittags haben wir noch eine sehr interessante Praesentation ueber das Schulsystem gehoert. Hier lernen die Schueler von der 1. bis 11. Klasse zusammen an einer Schule, allerdings gibt es genau wie in Deutschland staatliche und private Schulen und nach der 9. Klasse die Moeglichkeit, an eine Art berufsbildende Schule zu gehen. Alle versuchen aber bereits nach der 11. Klasse das TQDK-Tələbə Qəbul Dövlət Komissiyasi, also das “Abitur” zu machen.

Zum Schluss wurde uns noch unsere YFU Betreuerin Gülüş bekanntgegeben, mit der ich gleich am naechsten Tag in die Stadt gefahren bin, um eine Uniform zusammenzustellen. Sie ist ebenfalls zum Avropa Liseyi gegangen und kannte sich somit bestens aus: Generell  ist die Kleiderordnung “oben weiss, unten schwarz”, am ersten Schultag sind fuer die Maedchen Rock, Bluse und sogar Highheels angesagt. Schminke und Nagellack sind allerdings nicht erwuenscht.

Der “goldene Abschluss” war ein Kuchen mit einer  “1” als Kerze, als Symbol dafuer, dass Mari und ich die ersten Austauschschueler in Aserbaidschan sind…

Anrede in Aserbaidschan

Ganz herzlich bedanken moechte ich mich bei allen, die diesen Tag so hervorragend organisiert haben, besonders bei Minaxanım, die YFU Aserbaidschan leitet. Hier ist die hoefliche Anrede etwas anders als in z.B. in Deutschland, woran ich mich erstmal gewoehnen musste. Denn Frauen spricht man meistens mit” Vornamen + xanım”an, oder “xanım + Nachname” und wenn man beides nicht weiss, kann man sie auch einfach nur mit “xanım” ansprechen. Es fuehlt sich trotzdem immer noch komisch fuer mich an, die Lehrerinnen im ersten Teil der Anrede mit Vornamen anzusprechen 😀  Zu Maennern sagt man “canab” und Vorname oder Nachname.

Willkommen in der Klasse “On bir iki”

Samstagmorgen fand dann die Schuljahreseinweihungsfeier statt, bei der zur Begruessung traditionell die Aserbaidschanische Nationalhymne gesungen und die aserbaidschanische Flagge geschwenkt wurde. Dort ist mir erneut aufgefallen, dass die Aserbaidschaner im Punkt “Dokumentieren” schlimmer als die Japaner zu sein scheinen: Es wurde mit unzaehligen professionellen Kameras gefilmt und fotografiert, sodass man meinen konnte, dass die Veranstaltung ins Fernsehen uebertragen wurde :D

Danach wurden Auszeichnungen verteilt und ein paar Ankuendigungen gemacht. Ich hatte mich schon gewundert, warum meine Gastmutter mich immer weiter durch die Menschenmenge nach vorne gezogen hatte, bis die Schulleiterin mir zugezwinkert und mich der ganzen Schule vorgestellt hat. Wenig spaeter hat sie mich einfach zu den Elftklaesslern gestellt, wo ich gleich herzlich aufgenommen und mit Fragen bombardiert wurde. Anschliessend folgten ein paar Tanzvorfuehrungen zuckersuesser juengerer Schueler, die als Bienen und Blumen verkleidet waren, weil die Anfangsbuchstaben des “Bakı Avropa Liseyis” auf Aserbaidschanisch “Bal”, also “Honig” bedeuten und dann kam es endlich zum Hoehepunkt der Veranstaltung, der “пeрвьıй званок” (erste Glocke). Bei diesem Ritual nehmen ein paar Jungs der elften Klasse ein paar Erstklaessler auf die Schultern, die  eine Glocke weiterreichen und so das neue Schuljahr einlaueten. Schliesslich wurde noch die Schulhymne gesungen, bevor die Schulleiterin Zülfiyyəxanım meine Gastmutter, Minaxanım und mich in ihr Buero gebeten hat.

Dort hat sie mich noch einmal begruesst, ein paar Lehrern vorgestellt, von den zahlreichen Projekten der Schule berichtet und mich gefragt, in welchen Sektor ich moechte. Ich konnte mich zwischen dem technischen und economischen Sektor entscheiden und habe letzteren mit den Schwerpunkten Erdkunde und Geschichte gewaehlt in der Hoffnung, dass es dort weniger mathematisch anspruchsvoll zugeht, aber da habe ich mich leider getauescht, denn der Kaukasus ist dafuer beruehmt  beruechtigt, dass Mathe dort auf sehr hohem Niveau unterrichtet wird. Ausserdem hat die Schulleiterin mir erklaert, dass man auf dieser Schule nur aufgenommen wird, wenn man den Aufnahmetest besteht und dass diszipliniertes Arbeiten vorrausgesetzt wird.

Im Anschluss ist noch meine neue Klasse (aus dem Russischen Sektor )  ins Buero gekommen, “on bir iki”, was auf Deutsch so viel wie 11/2 bedeutet und ich habe einen wunderschoenen Blumenstrauss bekommen, den meine Gastcousine abends mit einem grossen Brotschneidemesser angeschnitten hat :D

 

Eine Woche spaeter…Schulalltag

Mittlerweile ist es schon Samstag, 22.09. und ich komme endlich dazu, an diesem Blogeintrag weiterzuschreiben J , was vorher leider nicht ging, weil entweder der Computer gestreikt hat (der mag mich irgendwie nicht :D) oder mein Gastbruder den zum Lernen brauchte….

Mein Tagesablauf sieht hier momentan folgendermassen aus: Morgens stehe ich um erst um 6.45h, obwohl ich schon um 7.15h zum Bus muss, da alles aufgrund der Kleiderordnung ganz schnell geht. Der Bus schlaengelt sich dann durchs vier – , fuenf -, oder querspurige Verkehrschaos durch und haelt aufgrund dessen manchmal nicht an der Haltestelle, an der ich aussteigen muesste, sodass es mir manchmal nicht erspart bleibt, den Weg zur Schule zu suchen in der Hoffnung, noch puenktlich um 8.15h anzukommen. Die Schule endet offiziell gegen 14.30h und dann geht es dreimal die Woche mit der Metro zur Sprachschule, wo ich bis 17.30h erst Einzelunterricht habe und dann Filme auf Russisch anschaue. Abends sind dann manchmal ein paar der zahlreichen netten Tanten, Cousins und Cousinen da, die mir schon ein bisschen aserbaidschanischen Tanz beigebracht haben Joder meine YFU Betreuerin  Gülüş zeigt mir ein paar der zahlreichen netten Plaetze der Stadt.

Ich kann immer noch nur mit Begeisterung von der Schule berichten. Obwohl hier wirklich sehr diszipliniert gelernt wird, herrscht im Unterricht eine absolut lockere und humorvolle Atmosphaere. In den Pausen wird im Klassenraum hauefig laut Musik aufgedreht. Handys liegen selbstverstaendlich im Unterricht auf dem Tisch und wenn sie klingeln, geht man einfach kurz raus zum Telefonieren 😀  Apropos Handys:  Hier scheint fast keinen anderen als den typischen Nokiaklingelton zu geben, was einem auf die Dauer ziemlich auf die Nerven geht…

Meine Mitschueler sind total interressiert, lieb und hilfsbereit.  Z. B. lernt ein Klassenkamerad  mit mir jetzt hauefig nebenbei Russischvokabeln und legt so genau auf die Aussprache Wert, dass ich ein Wort manchmal zehn Mal wiederholen muss 😀 und meine Sitznachbarin schreibt vieles doppelt fuer mich ab, wenn ich nicht so schnell mitkomme , kopiert oder erklaert mir das, was ich nicht verstehe. Und das ist im Moment leider noch sehr viel mal abgesehen vom Englischunterricht. Gerade Mathe bereitet mir aufgrund der sprachlichen Doppelbelastung Sorgen, da wir das zwei Stunden taeglich haben – das erklaert auch, warum das Niveau hier so hoch ist! Aber meine Gasteltern helfen mir abends bei den Hausaufgaben immer gerne und es war ein unbeschreibliches Gluecksgefuehl, als ich es einmal geschafft habe, vier Aufgaben ohne Hilfe hintereinander richtig zu loesen.

Einige Unterschiede sind mir hier sofort aufgefallen:

Man steht auf, sobald eine Lehrerin (Lehrer gibt es hier kaum) den Raum betritt.In jedem Klassenzimmer befinden sich die Portraits vom jetzigen Praesidenten Ilham Aliyev und Expraesidenten Heydar Aliyev, zusaetzlich gibt es mehrere Ecken, die Fotos von Anlaessen zeigen, bei denen der Praesident  in die Schule gekommen ist. Ausserdem befindet sich in jedem Schulbuch auf der ersten Seite die Nationalhymne.

Neben der Tatsache, dass man sich nicht meldet, sondern die ganze Klasse die Antwort irgendwie zusammen gibt,  habe ich bemerkt, dass hier viel mehr auswendig gelernt wird und so gut wie gar nicht analysiert. Taschenrechner gibt es nicht und es ist klar, dass man die Quadratzahlen bis 25 aus dem Kopf weiss. Diese Art von Lernen aussert sich natuerlich auch in den Aufgabenstellungen. Zu jedem Fach gibt es Ankreuzaufgabenhefte, die sogenannten “Bank Testob”, die die Schueler schon auf die Abitur – und Uniaufnahmepruefungen vorbereiten. Man koennte jetzt meinen, dass es dadurch leichter wird, aber die Antworten liegen so nah beieinander, dass man ganz genau rechnen oder lesen muss, bevor man sich entscheidet.

Von den Faechern her  aehnelt das “Angebot” hier  ziemlich dem  in Deutschland, bis auf dass die Schueler im Russischen Sektor zusaetzlich Aserbaidschanischunterricht haben, denn einige sprechen diese Sprache schlechter als Russisch, obwohl sie hier grossgeworden sind. Um den Fremdsprachenuntericht zu intensivieren, wird die Klasse aufgeteilt. Ich beneide die Aserbaidschaner fuer ihr Talent, viele Sprachen fast akzentfrei sprechen zu koennen. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass ihre eigene Sprache so viele Laute umfasst!

Ausserdem gibt es “Armeeunterricht”, bei dem man ueber Waffenkunde sowie Schutzmethoden in Kenntnis gesetzt wird. Dies ist auch durchaus sinnvoll, denn die Situation bezueglich Armenien ist nach wie vor angespannt. Eine kleine Story zwischendrin: Neulich haben wir es draussen ziemlich laut knallen gehoert…in Deutschland waere ich ganz gemuetlich zum Fenster gegangen, um zu gucken, was los ist, aber mein Gastbruder ist sofort auf den Balkon gestuermt und es schien zum Glueck nur ein Sommergewitter gewesen zu sein…

 

 

Abschlussvorbereitungen: “Ich habe keine Zeit, um zur Schule zu gehen, weil ich lernen muss!”

Dieser Satz, den man hier hauefig von Schuelern der elften Klasse hoert, kam mir zuerst ziemlich unlogisch vor. Man geht doch schliesslich zur Schule um zu lernen, oder?! Um dies zu erklaeren muss man wissen, das man hier nach der 11. Klasse zusaetzlich zur Abschlusspruefung eine Art universelle Aufnahmepruefung machen muss, die ebenfalls aus schweren Ankreuzaufgaben besteht und in der kuerze der Pruefungszeit kaum zu schaffen ist. Nach dieser wird man dann je nach Punktzahl den Universitaeten zugeteilt oder halt nicht, wenn man es nicht schafft. Man kann sich zwar fuer gewisse Fachrichtungen entscheiden, aber Faecher wie zum Beispiel Mathe sind obligatorisch und sie beziehen sich auf den gesamten Stoff, den man seit der sechsten Klasse durchgenommen hat. Um also alles zu wiederholen und erneut zu verstehen, gehen so gut wie alle Schueler jeden Tag mehrere Stunden zu Extrakursen, sogar  Sonntags! Die Schule nimmt darauf insofern Ruecksicht, dass sie den Schuelern erlaubt, frueher oder zu gewissen Faechern wie Sport nicht zu gehen, aber einige entscheiden sich trozdem  dazu, gar nicht mehr zur Schule zu gehen, wodurch die Klassen immer kleiner werden…

Die Abschlussstimmung ist auch sonst sehr zu spueren: Gestern haben wir eine Praesentation ueber Universitaeten allgemein von einem Mann einer Universitaet aus Litauen gehoert und vorgestern haben wir einen Ausflug zum “Baku Expocenter”, einer riesigen Messehalle gemacht, wo sich Unis aus aller Welt vorgestellt und uns in Gespraeche verwickelt haben. Besonders gefallen hat mir die” Aberystwyth University” in Wales, die erste Uni weltweit, an der man International Relations studieren konnte. Ein bisschen wehmuetig zumute wird mir da schon bei dem Gedanken, nach meiner Rueckkehr nach Deutschland erst noch zwei Jahre zur Schule zu gehen…

Touristenspielchen, Buecherkauf in der Metrostation und Junge sein = ein teures Vergnuegen 😀

Um jetzt nochmal ganz auf den Anfang dieses Blogeintrags zurueckzukommen: Innerhalb der letzten Woche bin ich hier zunehmend selbststaendiger geworden und habe versucht, ein paar Besorgungen alleine zumachen. Das hat allerdings seinen Preis, den die Aserbaidschaner sind durchaus geschickt, was Touristen anbelangt… an besagten Montag wollte ich nur ein paar Karten zur Post bringen, was hier sehr untypisch ist, da hier ausser die Touristen keiner Postkarten schreibt. Jedenfalls wollten die mir dann 25 Manat dafuer abverlangen, wo ich allerdings aufgehorcht und sie dann mit meinen paar Brocken Aserbaidschanisch auf 15 Manat runtergehandelt habe. Einerseits laueft es so ab, andererseits sind die Menschen auf der Strasse total zuvorkommend: Neulich hat ein Taxifahrer sogar sein Taxi fuer fuenf Minuten alleine gelassen, um mir den Weg zum Schulbuchverkauf zu zeigen. Dies geschieht hier naemlich in der Metrostation und laueft sehr chaotisch ab, da es sowas wie ISBN Nummern nicht zu geben scheint und viel zu viele Menschen in einem riesigen Buecherstapel wuehlen!! Nach mehreren  erfolglosen Fragen und Versuchen, ein paar Englischtesthefte zu erstehen, habe ich schliesslich aufgeben. Netterweise hat mich am naechsten Tag ein Klassenkamerad zur Sprachschule begleitet und mit nur einer Frage diese Hefte kaufen koennen!

Jetzt waere ja eigentlich alles perfekt….wenn da nicht dieses aserbaidschanische” Gentlemanverhalten” der Jungs meiner Klasse waere, dass mir mittlerweile seelisch ein bisschen zu schaffen macht… Der besagte Klassenkamerad hat sich zum Beispiel strikt geweigert, das Geld fuer die Schulbuecher anzunehmen und auch sonst hat man als Maedchen keine Chance zu bezahlen, wenn man mit Jungs unterwegs ist 😀 Aehnlich laueft es im Unterricht ab: Heute hat mir ein Typ bei einer Chemieaufgabe, die wir abgeben musste, alles erklaert, sodass er selbst nicht fertig geworden ist. Dass ich mittags alleine zum Schulbus gegangen bin, ist auch noch nicht vorgekommen, da sie immer darauf achten, dass ich “Begleitung” habe, auch wenn sie dann mal einen “kleinen” Umweg machen… Mir ist es jetzt schon ein bisschen unangenehm, aber daran werde ich mich wohl noch gewoehnen… 😀

Ich sehe grad, dass dieser Blogeintrag eigentlich viel zu lange wird….sorry!! L Trotzdem MUSS ich einfach noch kurz vom fantastischen Wochenende berichten, mittlerweile ist es naehmlich schon wieder Montag 😛

Samstag sind meine Gastfamilie und ich ans kaspische Meer  zum Baden gefahren und haben dort den letzten wunderschoenen Sommertag genossen. Aehnlich wie in Daenemark kann man hier mit dem Auto bis zum Wasser fahren 😀

Sonntagmorgen hat mich ein Maedchen aus der Parallelklasse durch Bakus Altstadt “Içəri Şəhər” gefuehrt, die von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wird. Zuerst haben wir den Shirvanshahs Palast besichtigt, der im 15. Jh erbaut wurde und in dem dem die Koenige von Nordostaserbaidschan gewohnt haben. Am Baustil ist aehnlich wie z.B. in der Alhambra in Andalusien der arabische Einfluss zu erkennen.

Danach sind wir auf den “Giz Galasi” (Jungfrauenturm) gestiegen, das Symbol von Baku, das sagenumwoben ist. Die beliebteste Legende besagt, dass der Sultan nach alter Tradition seine Tochter heiraten wollte, die darauf bestand, dass vorher ein riesiger Turm gebaut wurde. Als dieser fertiggestellt war, hat sie sich von seiner Spitze ins Meer gestuerzt, da sie nicht ihren Geliebten heiraten konnte.

Zum Schluss sind wir noch in die Souvenirlaeden der Altstadt geschlaendert, wo ein Shopbesitzer mich zum Azerimaedchen “verwandelt” hat  :D

 

Abends haben wir uns dann auf den Weg zur Crystal Hall zum Konzert  von Jennifer Lopez gemacht, bei dem der Saenger Emin (Schwiegersohn des Praesidenten) ungefaehr die Haelfte des Programms gestaltet hat. Es war ein einmalig schoenes Erlebnis , dass ich nie vergessen werde.

 

Ich hoffe, dass es euch allen gut geht und werde mich jetzt in naechster Zeit dazu zwingen muessen, nicht mehr so ausfuehrlich zu Bloggen und stattdessen an den Hausaufgaben zu bueffeln…. 😀

Gewitterhaft ausklingende Sommergruesse

Eure Philine