Lappland

Helsinki, Montagmorgen, 6 Uhr in der Früh. Vor uns liegt eine lange Reise: 1000 Kilometer quer durch Finnland. Ein Bus. 40 YFU Austauschschüler. 5 YFU Freiwillige. Lappland. Das Land der Rentiere, des Weihnachtsmannes, der Dunkelheit, der Kälte und des Schnees im Winter und des Lichtes und der Mücken im Sommer.

Der  Bus, der immer voller wird, weil immer mehr Leute  unterwegs einsteigen, fährt gemütlich durch ganz Finnland immer höher gen Norden, nördlich vom Polarkreis. Als es dunkel wird plötzlich ein begeisterter Schrei: Polarlichter! Alle strömen aus dem Bus in die Kälte, um eine rauchähnliche,  sehr blasse Lichterscheinung am Himmel zu sehen.  Trotzdem ein toller Moment, die Busfahrt wird fortgesetzt und schließlich, nach insgesamt sechzehn langen, aber lustigen Stunden erreichen wir unser Ziel: Pyhätunturi, ein kleines Skigebiet. Wir sind in zwei großen, gemütlichen roten Holzhäusern im Wald nicht weit von einem See untergebracht, sinken an diesem Abend aber erst mal in die Betten.

In den nächsten Tagen machen wir wirklich viel: Wir besuchen eine Huskyfarm, dürfen eine Schlittenfahrt machen und Huskywelpen streicheln, wir werden auf einer Rentierfarm herumgeführt und dürfen im Rentierschlitten fahren. Am zweiten Abend gibt es für uns den Feuertanz eines samischen Schamanen unter dem  Nachthimmel. Fast jeden Tag gehen wir in die Sauna direkt am großen zugefrorenen und verschneiten See und danach Eislochschwimmen (extrem lustig!!).

Wer möchte, darf zwei Tage lang Snowboarden und Skifahren oder Langlaufen ausprobieren.  Am letzten Tag bin ich in der Schneeschuhgruppe- wir besteigen einen größeren Hügel und probieren anschließend Eisfischen aus, das letztere zwar lustig, aber weniger erfolgreich, liegt es vielleicht auch am mangelnden allgemeinen Glauben daran, jemals auch nur den kleinsten Fisch zu erwischen.

Ich glaube es ist einer der besten Wochen meines Lebens, mit so vielen lustigen und interessanten Gesprächen, viel draußen sein, einem tollen Gruppengefühl und Dingen, die ich nie zuvor ausprobiert habe. YFU Spirit…Lappland ist magisch: So still, so wunderschön und friedlich, angeblich einer der letzten unberührten Landschaften in Europa. Die Menschen sind sehr freundlich und offen, ein Gegensatz zu derweiliger leichter Hetze in der Helsinkiregion.

Der letzte Abend bricht an.  Und es passiert wirklich. Wir stehen unter einem klaren Sternenhimmel, und Polarlichter beginnen zu tanzen. Sie sind quer über dem ganzen Himmel, bewegen sich zum Teil atemberaubend schnell und nehmen die verschiedensten Formen an. Es ist der Moment des Trips, vielleicht des ganzen Jahres, und etwas, wovon alle geträumt haben, aber niemand erwartet hätte. Sie sind weiß, grün, manchmal auch leicht rötlich und das unglaubliche, wunderschöne Naturphänomen raubt uns den Atem.

Am nächsten Morgen geht es im Bus wieder in Richtung  unserer finnischen Zuhause. Unterwegs aber  noch ein Stopp am Polarkreis, beim offiziellen Dorf des Weihnachtsmannes. Joulupukki, alias Santa Claus, empfängt uns lächelnd, gemütlich sitzt er in seinem Weihnachtszimmer. 49 Euro muss man für Erinnerungsfotos plus Video bezahlen…Jaja, es muss sich ja auch lohnen, der berühmteste vollbärtige Typ der Welt zu sein, der aber übrigens fünfzehn Sprachen spricht und tagein, tagaus Besucher aus aller Welt empfängt. Dennoch unvergesslich!

Die Busfahrt geht weiter gen Süden, und wir müssen uns von denen verabschieden, die schon unterwegs aussteigen. Nach einer langen Fahrt bin ich in der Nacht wieder bei meiner Gastfamilie in Espoo.

Montags fängt die Schule wieder an. Ich verstehe recht viel, aber längst nicht alles, zerbreche mir den Kopf über Satzkonstruktionen und Wortbedeutungen, mache Hausaufgaben, bin nachmittags müde, fahre nach Helsinki, gehe zum Tanzen, lache mit meiner Gastfamilie, genieße den finnischen Frühling und kann die Sonne wertschätzen wie nie zuvor.

Und die Erinnerung bleibt…

 

 

Die kindliche Schul-Rückkehrsfreude!

Gerade habe ich nochmal ordentlich Sonne getankt, um dann auch wirklich vorbereitet zu sein, sollte der Herbst nun schon bald einbrechen. Doch die heissesten Monate sind nun schon vorbei, der Januar, der Februar, und man merkt deutlich, dass es am Abend wieder frueher dunkel wird. Nun, mit dem zu Ende gehen meines wohl laengsten Sommer ging, puenktlich zum ersten Montag des Maerzes, die Schule wieder los! Ich war freudig aufgeregt, wie ich es als kleines Kind vor Schulbeginn war, und putzte am Sonntag eifrig meine Schuhe!

Gluecklich nach ehrlich langer Zeit wieder in die Uniform zu schluepfen, wartete ich dann Punkt 7, anbrechender Daemmerung, auf den Schulbus. Der erste Schultag war mit Euphorie verbunden! Alle waren gluecklich, alle wieder zu sehen, und unter vielen Umarmungen, Sommer-Erzaehlungen, Wiedersehens-Bemerkungen fanden wir nur schwer zur Ruhe. Dementsprechend war der erste Schultag entspannt, und den paar Sachen, denen wir unterrichtstechnisch folgten, folgte ich mit ganzer Aufmerksamkeit. Fuer dieses Halbjahr moechte ich am Unterricht mehr teilhaben, indem ich mich wirklich ganz verantwortlich mache; d.h. jeden Test mitzuschreiben, ohne dann, mehr als hin und wieder, meine besondere Stellung als Austauschschueler zu nutzen und die Zeit des Chemie-Tests andersweitig zu fuellen.

So habe ich in den letzten Tagen auch alle Wissenueberpruefungen freudig mitgemacht und mich den neuen Lehrern garnicht mal mehr besonders vorgestellt, auch wenn dann auf Grund meines wohl unausprechbaren Nachnamens dann doch immer nochmal nachgefragt wurde.

Fuer dieses zweite Halbjahr bin ich mit voller Power dabei. In diesen Tagen… fuehle ich mich von dieser wunderbaren Sinnesgebung begleitet, nach der ich mich ueber heute genauso freue, wie ueber morgen; habe genauso Lust, die Momente in 3 Wochen zu leben, oder die in 4 Monaten, wenn ich schon wieder in Deutschland sein und den naechsten Sommer geniessen werde!

Das ist toll.

Die letzte Zeit der Ferien habe ich reisend verbracht, den kleinen Sueden Chiles kennengelernt, wohin ich auch mit YFU nochmal reisen werde. Habe viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht, sie immer lieber gewonnen. Es passierte mir auch die ersten Male, dass ich aufrichtig und von innen her, Trauer verspuert habe, diesen Ort, dieses Zuhause, in schon so weniger Zeit wieder verlassen muessen zu werden.

Nun ist Essenszeit angesagt und bald Schlafenszeit, um morgen schon mit Energie in die Vorlaeufer des ersten Wochenendes zu starten! Die herzlichsten, sonnenwarmen Chile-Gruesse schicke ich zu Euch herueber in die ferne Heimat!