Nachts

Es ist dunkel geworden und das Auto fährt auf der eingeschneiten Straße, die immer weiter den Fjord entlang läuft. Heute hat es nur kurz geschneit, aber der Schnee der letzten Tage türmt sich an beiden Straßenseiten hoch auf.
Die Kinder schlafen schon lange in ihren Sitzen. Zwischendurch wird jemand geweckt, durch den Ruck eines der Schlaglöcher, die zu norwegischen Landstraßen im Winter dazugehören.
Zwei Stunden fahren wir jetzt, auf dem Weg zu unserer Hütte.

Eine Hütte, übersetzt klingt das seltsam, haben viele in Norwegen. Dort ist man an Wochenenden oder in den Ferien und schippt Schnee, läuft Ski oder liest einfach nur Bücher. Unsere Hütte steht auf einem Berg.
Und jetzt haben die Ferien begonnen und heute, am ersten Ferientag, sind alle erschöpft und freuen sich, voraussichtlich gegen 10 Uhr, ins Bett zu fallen und zu schlafen.

Krach. Ein Schlagloch. So heftig war bis jetzt noch keines.
Der Vater am Steuer beschließt, es wäre besser, jetzt einmal nach den Reifen zu schauen. Alle die jetzt wach sind, haben schon längst ein merkwürdig rhythmisches Klappern auf der rechten Fahrzeugseite wahrgenommen und bekommen eine Vorahnung, was passiert ist.
Der Vater steigt aus. Im Dunkeln geht er ums Auto und begutachtet die Räder. Er braucht lange dafür, keiner im Auto sagt etwas. Nach fünf Minuten steigt die Mutter aus, auch sie begutachtet jetzt die Räder. Und dann reden die beiden. Und sie sind offenbar ratlos. Nach einer guten viertel Stunde ist die Diagnose bis ins Autoinnere gedrungen. Zwei gebrochene Felgen und zwei platte Reifen.

Etwas später hat man es sich im Autoinneren bereits nett gemacht. Es gibt Süßigkeiten, für die die inzwischen wach sind und Kartenspiele werden hervorgeholt.
Das Auto steht am Ende einer Kurve, kaum zu erwarten für andere Autos. Jetzt hoffen alle auf den Warnblinker. Die Straßenbeleuchtung, sofern vorhanden, wird am frühen Abend ausgeschaltet. Braucht nämlich keiner, weil kein Auto mehr auf der Straße ist.

Und dann kommt doch ein Auto. Krach hören alle und dann hält es an. Glück gehabt, diesmal nur ein Rad kaputt. Mit seinem Ersatzreifen kann es weiterfahren, verspricht beim nächsten Bauernhof zu fragen, ob ein passendes Rad für uns zu finden ist.

Nach einer Stunde kommt endlich Bauer Nilsen. Er kommt mit einem Auto derselben Bauart wie unseres und alle sind glücklich. Wir darüber, dass wir ein passendes Ersatzrad gefunden haben und Bauer Nilsen, dass er helfen kann.
Das Ersatzrad ist leider im Wagen von Bauer Nilsen festgefroren, warum auch immer.
Wir fahren mit drei Rädern weiter und einem vierten Klumpen, der dem Auto bei jeder Radumdrehung einen heftigen Ruck gibt. 24 Kilometer sind es bis zur nächsten Benzinstation. Schneller als 20Km/h können wir nicht mehr fahren.

Danach passiert noch viel.
Um 1 Uhr sind wir endlich angekommen bei der Hütte. Drei Stunden länger hat das gedauert. Besser als im letzten Jahr, obwohl dieses Jahr mehr kaputt gegangen ist, am Auto.

Als alle in ihren Betten liegen, fängt es an zu schneien.

 

Endloser Sommer

 

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Der hiessige Sommer ist wohl der Laengste, den ich je gelebt habe! Es kommt mir wie vor Ewigkeiten her, als ich das letzte Mal zur Schule ging und ebenso viel Zeit wird noch vergehen, bis ich wieder in meine Uniform schluepfen werde!

Fast ein bisschen Bammel hatte ich davor, soviel freie Zeit zu haben, die es irgendwie zu fuellen gilt. Denn hier, wo Langeweile Heimweh-Gefahren bringt, suche ich das Beschaeftigt-Sein.
Und doch, hatten die 2 1/2 monatigen Ferien ersteinmal begonnen, versah ich mich kaum, und schon ist die Haelfte vergangen!

An Heiligabend hatten wir den wohl heissesten Tag hier in Concepción. Meine Schwester  Francisca war schon am Vortag gekommen, und gemeinsam mit Gastmamá & Bruder spazierten wir am spaeten Nachmittag auf die Plaza hinunter, wie sie es hier in allen Stadtvierteln gibt. Es hatte sich das ganze Doerflein versammelt; manche hatten sich Klappstuehle mitgebracht, Andere Picknick-Decken. Kirchlicher Gesang leitete den Gottesdienst ein, fuer den ein bescheidenes Zeltchen und Krippe aufgestellt worden waren. Die Sonne blendete schrecklich und so konnte ich den Priester schlecht sehen; doch mit dem Gesang, dem ich mich bald anschloss, und der Weihnachtsgeschichte wurde mir dann endlich, endlich etwas weihnachtlich zu Mute. Schon zwei Wochen vorher hatte meine Gastmamá den Weihnachtsbaum vorbereitet gehabt und das Haus war voller Weihnachtsschmuck gewesen. Doch zwischen Sonnenbrand und Meeresbaden war mir die Weihnacht einfach voellig fremd vorgekommen.

Als wir dann jedoch von meiner ersten Misa heimkehrten und uns zum endlen Abendessen zusammen setzten, war die Stimmung doch ganz besonders. Ich hatte die Weihnachtsmusik vom Juergen aufgelegt, die keine Weihnacht fehlen darf, und tanzte mit meinem Papá zu den Swing-Klaengen!

Unser Weihnachtsbaum war mit einer Lichterkette bestueckt, die Weihnachtslieder traellert, was laut meines Bruders nicht fehlen durfte, um die weihnachtliche Stimmung zu vollenden!
So vergingen die Stunden schnell, bis es um Mitternacht endlich soweit war, die Geschenke zu oeffnen. Sie wurden unter dem Baeumlein herausgefischt und dem uebergeben, der es zu verschenken hatte. Das Paeckchen aus Deutschland war schon in der Woche zu vor angekommen und so hatte ich es mit unter den Baum gepackt. Meine Gastmamá vertrat nun meine Familie in Deutschland und uebergab mir das Paeckchen in ihrem Namen. Das war total schoen!

Es war schon tief in der Nacht, als schliesslich alle Geschenke uebergeben waren und nur noch das alljaehrliche Weihnachtsfoto ausstand; was wiederrum etwas kompliziert war, wo doch das Sofa nur fuer 4 Personen gedacht ist…

Am ersten Weihnachtsfeiertag dann, waren Reisevorbereitungen angesagt! Denn am 26. schon ging es los in den Familienurlaub: nach La Serena.
Wir brachen im Auto auf, in das Staedtchen, das ebenso weit noerdlich von Santiago liegt, wie Concepción im Sueden.

Es waren 11 Reisestunden, die ich aus dem Fenster schauend zubrachte. Die Strecke nach Santiago war mir schon bekannt, in der sich zunehmend die Wein- und Fruchtfelder mehren. Nach Santiago dann war die Landschaft fuer mich voellig fremd. Ebenen zogen sich hin, in deren trockenen Sandweiten nicht mehr als einzelne Gebuesche wuchsen. Dem Meer immer nahe, durchfuhren wir diese fast schon wuestenaehnliche Landschaft.

Die Stadt La Serena liegt am Meer und ist fuer seinen kilometerlangen Strand beruehmt. In einem meernahen Haeuschen kamen wir unter und machten uns sogleich auf Erkundungstour! Weil mein Papá dort studiert hat, konnte er uns alles zeigen und erklaeren; das Staedtchen ist total sympathisch und gefiel mir sofort!

Es war toll, soviel Zeit mit meiner Familie zu haben, ausserhalb des, vom Alltag gepraegten, Zusammensein daheim. Wir verbrachten Tage am Strand, lernten die Umgebung kennen, die Nachbarsstadt. Fuer einen Tag fuhren wir ins “Valle Elqui”; besuchten die Geburtsstadt Gabriela Mistrals und durchschlenderten Handkunstwerksmaerkte. Wir nahmen an einer Sternen-Observation teil, fuer die wir hoch in die Berge fahren mussten; ich glaube, ich habe noch nie so viele Sterne auf einmal gesehen! Das Tolle war auch, dass uns genau erklaert wurde, wo was zu sehen ist und ich so einiges ueber die Astronomie lernte; zumindest die der Suedhalbkugel!

Die Silvesterstunde verbrachten wir am Strand, wo sich die ganze Umgebung und mehr versammelt hatte! Privates Feuerwerkeln ist hier verboten; um Mitternacht wird ein grosses, offizielles Feuerwerk veranstaltet. Es fand ueber dem Meer statt und war atemberaubend anzusehen! In diesen Momenten vermisste ich ganz klar Kassel mit allen meinen Freunden und das Tarotkarten lesen. Doch auch mit meiner Familie hier genoss ich diese paar magischen Momente… In denen die Welt nicht untergegangen ist!

Anfang des neuen Jahres machten wir uns schon auf den Heimweg gen Sueden. In Santiago kamen wir in der Wohnung der Schwester meiner Gastmutti unter und setzten meine Schwester ab. In Santiago lernte ich dann die Familie meines Vaters kennen: Wir besuchten sowohl seine Schwester als auch seinen Bruder mit Familie!

Als wir dann letzendlich wieder nach Concepción heimfuhren, sah ich gleich meine ganzen Freundinnen auf meiner ersten hiessigen Pyjama-Party wieder!

Und so vergingen die naechsten Wochen ganz schnell: Mit meinen Freunden, von denen im Januar die Meisten in Conce waren, meiner Familie, wir uns so manchen Strand-Tag goennten, und einem Fitness-Studio, in dem ich mich fuer Tanz- und Gymnastikstunden eingeschrieben hatte!

Am Wochenende wird meine Gastschwester wieder nach Conce kommen und gemeinsam fahren wir etwas gen Sueden; nach Osorno, wo die Oma und Tanten leben, um Grossfamilienurlaub zu machen.

Ich bin ganz gluecklich, dass ich im Rahmen meines Auslandsjahres so viel die Moeglichkeit habe, dieses Land in seiner ganzen Weite (Laenge..) kennenzulernen.  Ich haette garnicht damit gerechnet; mich vielmehr darauf eingestellt, in diesem gereisten Jahr nicht mehr zu reisen. Und so freue ich mich um so mehr, in einer Familie gelandet zu sein, die es ebenso liebt, andere Orte kennenzulernen und hinauszukommen! Bzw. eben auch die Mittel dazu hat.

Nun werde ich den schoenen Sommertag nutzen, ein bisschen Rad zu fahren; nicht dass ich das noch verlerne hier!

Ich schicke Euch die liebsten Gruesse nach Deutschland; hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gekommen und es ist nicht zu kalt!

Alles Liebe,

Leoni