Fruehling

9. November

Heute ist ein mueder, kalter und guter Tag.

Es steht nun ein Lenguaje-Test an und diese Schulstunde moechte ich nutzen, um zu beginnen, Euch endlich mal wieder auf einen neueren Stand zu bringen. Es ist eine der wenigen Schulstunden, in denen ich mich dem noch widmen kann, wo ich mittlerweile am Unterricht weitestgehend teilnehme. Tatsaechlich faellt es mir kaum noch schwer, den Themen zu folgen, es sei den es handelt sich um Biologie oder Chemie, wo mir gefuehlt die komplette Basis fehlt und zudem das Fachvokabular. Generell werde ich aber haeufig noch von meiner Faulheit besiegt, wenn es darum geht, mich fuer einen Test vorzubereiten…

Die Wochen, in denen ich keinen Bericht veroeffentlicht habe, sind mir rasend schnell davon gerannt und es faellt mir jetzt schwer, mich dessen zu besinnen, was vorgefallen ist. Wie ich doch in jedem Bericht davon zu schreiben neige, dass die Zeit so schnell vergeht… Aber es ist wahr! Oft werde ich hier gefragt, wie viel Zeit ich schon hier bin, sodass ich immer am Mitrechnen bin, wie lange ich hier lebe. Neulich ist mir aber passiert, dass ich gefragt wurde, wie lange es noch hin ist, bis zu meiner Heimreise! Ich habe mich fast erschrocken vor der Frage, denn das erste Mal hiess es fuer mich, zu rechnen, wie viele Monate mir noch bleiben. Was erschreckend ist, wenn man doch bedenkt, wie schnell die Zeit vergeht.

Ich glaube gerade deswegen neige ich manchmal dazu, mich unter Druck zu setzen, diese Zeit zu nutzen. Wo es doch letztendlich so wenig ist, ein Jahr, faellt es mir schwer, die ruhigen Tage, die es gluecklicherweise auch gibt, so zu geniessen, wie ich es in Deutschland getan haette. Schade eigentlich.

 

Mittlerweile habe ich endlich das Gefuehl, meine Krankheit ueberdauert zu haben! Ich habe Antibiotika genommen und natuerliche Medizin von meiner Mutter und mein Kommunikationsorgan Lunge gehegt und gepflegt. Endlich leide ich jetzt nicht mehr unter diesem tiefen Husten und fuehle mich fitter!

Ende Oktober hatten wir wieder ein langes Wochenende mit Halloween-Party! Wie lange schon hatte ich mich nicht mehr fuer eine Verkleidungsparty ausgehfertig gemacht! Mit viel Vergnuegen habe ich also einen Abend als Hexen-Gespenst-Mischung verbracht!
Das lange Wochenende ausnutzend haben meine Eltern, mein Bruder und ich am Montag darauf einen Ausflug ins Landesinnere unternommen, nach Quillon & Chillan. Haben sehr lecker zu Mittag gegessen und ich habe gelernt, was die Temperaturunterschiede zwischen Kueste und Land bedeuten; Ein Stuendchen von Concepción entfernt haben wir einen Nachmittag im gefuehlten Hochsommer verbracht.

Von der Woche darauf blieben noch 3 Schultage, die vollens zufrieden vergingen. Das letzte Wochenende dann war endlich mal wieder meine Schwester aus Santiago zu Besuch, was ich sehr genossen habe. Mit ihr sind wir am Sonntag nach Laraquete gefahren, an den Strand und zum Mittagessen, wo ich einen so leckeren Fisch und Empanadas gegessen habe, wie lange nicht mehr!

Ich bin sehr zufrieden hier in Concepción zu leben. Es ist eine der grossen Staedte Chiles und hat so von allem was man braucht, ohne dass man verloren geht, wie ich es mir von Santiago vorstelle. Jetzt, wo es abends nicht mehr so frueh dunkel wird und ich mit meinem Spanisch ausreichend verstaendigen kann, habe ich begonnen mehr die oeffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Damit lernt es sich schnell, sich in der Stadt zu orientieren und auch im Zentrum finde ich mich mittlerweile richtig gut zurecht.

Der Fluss Biobio teilt Concepción in zwei Haelften. Am noerdlichen Ufer liegt die Innenstadt und dahinter, mehr Richtung Meer “Lomas” (Huegel), der Stadtteil, in dem ich lebe. Auf der anderen Seite des Flusses liegt San Pedro, ein sehr schoenes Stadtteil, in dem zwei Seen versteckt liegen, die teils privat, teils oeffentlcih zugaenglich sind. Von meiner Schule, die am Fluss liegt, aus blickt man direkt ueber den Fluss hinueber auf die Huegel von San Pedro.

Einen der Seen habe ich am vergangenen Samstag endlich kennen gelernt! Mit Matias, einem Freund und Klassenkameraden, habe ich den Fluss ueberquert und er hat mir dort alles gezeit, da er frueher auf dieser Seite des Flusses gelebt hat.

Am Montag hatte mein Bruder Geburtstag und bei dieser Gelegenheit habe ich endlich alle seine engeren Freunde kennengelernt. Den kleinen Prinzen habe ich ihm geschenkt, nachdem wir uns einmal darueber unterhalten hatten, und herausgekommen war, dass er die Geschichte nicht kennt! Was ich so nicht hinnehmen wollte.

Ich bin erst in der Nacht zum Schlafen gekommen, nachdem wir alle gemeinsam die Geburtstagstorte verspiessen hatten. Diesen Brauch mag ich furchbar gerne hier: Kein Geburtstag geht zu Ende, ohne die von der Mutter vorgefuehrte Torte, das gemeinsame Singen, die ausgeblasenen Kerzen und in Auftrag gegebenen Wuensche!

15. November

Dieses Wochenende habe ich eine kleine YFU-Reise gen Sueden unternommen! Wir waren eine Gruppe von sechs Austauschschuelern, die nicht allzu weitweg wohnen, und zwei weiteren Familien, die mit YFU zu tun haben. Wir besuchten Coñaripe, einen Ort der gebettet zwischen imponierenden Bergen und einem bezauberndschoenen See liegt. Dort bezogen wir fuer zwei Tage Huetten unsere gemeinsame Zeit genossen. Erstmal ist es mir schwergefallen, mit den Maedels deutsch zu reden, doch jetzt merke ich, dass es sich doch gravierender auf mein Spanisch ausgewirkt hatte, wie es ich am Wochenende noch eingeschaetzt hatte. So habe ich die ersten Male, in denen ich mit den deutschen Maedchen allein gequatscht habe, fast schon vom Spanischen ins Deutsche uebersetzen muessen, so gewoehnt war ich ans Spanische. Doch auf der Rueckreise und den Montagmorgen ueber habe ich richtig spueren koennen, wie ich wieder viel mehr auf Deutsch dachte und so habe ich mich waehrend der ganzen Woche ordentlich konzentrieren muessen, mich in einigermassen gutem Spanisch auszudruecken.

Und trotzdem habe ich es natuerlich genossen, mich beim Reden einfach mal zuruecklehnen zu koennen, die Worte fliessen zu lassen, waehrend der Unterhaltungen am Wochenende. Und auch in der groesseren Gruppe habe ich es toll gefunden, die Erfahrungen auszutauschen, den Geschichten der Anderen zu lauschen, die, entsprungen aus der gleichen Situation, doch so unterschiedlich sind!

Der Ort an dem wir die Tage verbracht haben ist wirklich umwerfend. Von unseren Huetten aus haben wir zwischen den Bergen den noch schneeweisen Vulkan betrachten koennen, der etwas aktiv ist. In der Nacht konnte man so sein Feuerchen sehen. Kaum 10 Minuten mit dem Auto kamen wir an den See, dem ich wegen meiner Lunge eigentlich widerstehen wolle. Die Sonne, das glitzernde Wasser haben uns dann aber doch fast alle verfuehrt und wir waren baden!

An diesem Wochenende habe ich auch endlich mal wieder Cueca getanzt! Das ich hatte ich schon ganz vermisst.

Hier rueckt jetzt der Sommer immer naeher, die Ferienplanungen konkretisieren sich langsam und man beginnt schon die Tage zu zaehlen! In der Schule stehen jetzt die letzen Arbeiten an, was heisst, dass die naechsten 5 Wochen wohl noch mal entspannter zugehen werden. 🙂

Mein Geburtstag steht nun aber zuerst vor der Tuer, den ich das erste Mal im Leben im Fruehling feiern werde! Ein Klassenkamerad hat am selben Tag Geburtstag und so feiern wir gemeinsam und haben schon mit den Vorbereitungen begonnen!

Nach Weihnachten werde ich mit meiner Familie nach La Serena fahren, was oberhalb von Santiago liegt! Damit werde ich etwas vom Norden Chiles kennen lernen, dessen Landschaften sicohl kaum mit dem vergleichen lassen, was ich bisher von Chiles Sueden kenne! Dieses Land ist wirklich beeindruckend mit seinen verschiedenen Gesichtern.

So, meine Lieben. Jetzt habe ich ganz kalte Finger bekommen, vom vielen Schreiben! Heute ist es hier ganz ungemuetlich kalt; in Concepción scheint es immer von Tag zu Tag zu wechseln, das ist verrueckt. Aber es ist tatsaechlich wahrscheinlich, dass morgen wieder strahlende Sonne scheint!

Also, fuehlt Euch ganz lieb gegruesst von mir im fernen Deutschland, ich hoffe es geht Euch gut! Das naechste Mal werd ich mich hoffentlich baelder wieder melden ;),

Alles Liebe

Von Höhen und Tiefen, Wollsocken und finnischen Ortsfällen

Hallo ihr lieben! (:

Was ist passiert in den letzten sieben Wochen?

Über diese Frage muss ich selbst erstmal in Ruhe nachdenken. Jetzt  bin ich jetzt schon über drei Monate in Finnland, was mir manchmal teils verblüffend, teils seltsam vorkommt. Es gibt immer wieder so Momente, in denen ich plötzlich einfach denke Unglaublich! Ich bin wirklich gerade hier! …Vor einem Jahr hätte ich es niemals für möglich gehalten, jemals komplett begeistert davon zu sein, dass Prinzip der sechs (!) finnischen Ortsfälle überblickt zu haben. Ich mache so viele Erfahrungen und habe mit Menschen zu tun, die ich ohne den Entschluss zur Bewerbung für ein Austauschjahr von YFU niemals kennengelernt hätte.

Seit einigen Wochen habe ich wirklich einen normalen Alltag mit  Frühaufstehen für die Schule, Hausaufgaben, Finnischkurs und Tanzen je zweimal die Woche, und abends oft gemütlichem Fernsehen und Gesprächen mit meiner Gastfamilie. Es wird seit der Zeitumstellung jetzt schon um vier dunkel und zwischendurch ist es auch schon recht kalt, aber es hat irgendwie auch etwas unheimlich gemütliches. Schnee hat sich ungewöhnlicherweise noch nicht blicken lassen, aber ich habe jetzt schon öfter gehört, dass ein besonders kalter Winter bevorsteht…Mit wundervollen selbstgestrickten Wollsocken und Handschuhen von meiner Gastoma fühle ich mich jedenfalls gewappnet, den Winter so finnisch wie möglich anzugehen: In fünf Schichten warmer Klammotten eingepackt.

Oft geht es mir sehr gut, ich genieße alles Neue und Überraschende, und bin glücklich hier zu sein, manchmal bin ich müde und angestrengt, von den Herausforderungen des Sprachenlernens bzw. nicht-Verstehens und dem Freundefinden, von ungewohnten Situationen oder Höhen und Tiefen, die wohl auch einfach dazugehören. Viel positives Denken hilft,  auch offen für alles und so aktiv wie möglich zu sein, und „the sun shines always brighter after the rain“

YFU ist unglaublich toll und engagiert, letztes Wochenende zum Beispiel haben Ehrenamtliche ein Sleep Over für alle ATS in der Helsinki-Region organisiert. Zusammengefasst bedeutet das, fünfzehn gutgelaunte Leute, ein guter finnischer Film, Pizza, Kartenspiele, wenig Schlaf und ziemlich viel Spaß. Es tut auch immer total gut, sich mit anderen über all die Erfahrungen, die wir hier machen auszutauschen.

Ich freue mich schon total auf Anfang Dezember, da geht es dann für ein Wochenende mit vielen anderen YFU Austauschschülern  in die mit der Fähre ca. zwei Stunden entfernte estnische Hauptstadt Tallinn!

Sonnige Novembergrüße! 🙂

Luisa